Geschichten aus Hirathar – Operation Menzoberranzan

von Robidu
GeschichteAbenteuer / P12
Dantrag Baenre Jalynfein OC (Own Character)
22.07.2008
17.02.2010
9
36013
 
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Prolog

Einige Worte vorweg: Die Charaktere Izan'Tyl T'zed und Sa'Zhayree entstammen nicht meiner Feder, sondern wurden aus der FF „Der Ausgestoßene“ mit Zustimmung der Autorin übernommen. Ferner hat diese auch die Begleiter des Hohepriesters definiert, die ich mit ihrer Erlaubnis ebenfalls weiter verwenden werde (diese sind Ilyalee Dunkelsang, Li'siira Therission, Tarilion Thalandiar und Khalariel Vaszak). Ferner können weitere Personen aus o. g. FF auftauchen.
Die Geschehnisse dieser FF knüpfen unmittelbar an die Geschehnisse des Kapitels 16 aus der FF „Der Ausgestoßene“ an.


Stille. Minuten werden zu Stunden, Stunden zu Tagen. Wie lange ich schon hier unten sitze, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß nur, daß es mir sehr schlecht geht, und mit jedem verstreichenden Moment nähere ich mich dem Unausweichlichen. Dazu noch die diversen Schikanen, denen ich hier tagtäglich ausgesetzt bin, und es scheint meinen Peinigern auch noch Spaß zu bringen!
Widerliche Drow – man kann sie alle in einen Sack stecken und mit einem Knüppel draufhauen, man kann keinen Falschen dabei erwischen! Nur was mir am meisten gegen den Strich geht ist, daß ich einer von ihnen bin... Womit habe ich das verdient?
Doch eines ist seltsam: Seit einigen Tagen bekomme ich lediglich Essen und Trinken hier herein geschoben, ohne daß sich irgendwer blicken ließe. Auch scheint eine eigenartige Spannung in der Luft zu liegen, ganz so, als drohe irgendein Unheil – und wenn es das ist, was ich befürchte, dann wird mir gleich ganz anders! Ich hoffe inständig, daß sie mich nicht finden...
Zu spät! Wenn man schon vom Teufel spricht – und ausgerechnet Sian'zha! Die hatte mir zum Glücklichsein in der Tat gerade noch gefehlt!
„Ein Gefangener. Wie... interessant.“
Bei diesen Worten zieht sich mein Magen unwillkürlich zusammen, denn ich ahne schon, was gleich geschehen würde, dafür kenne ich meine Schwester gut genug – und die Schmerzen sollten auch nicht lange auf sich warten lassen.
Doch vorher wollte ich ihr noch meine Meinung sagen, denn nachher würde ich es mit Sicherheit nicht mehr können.
„Scher dich fort, Sian'zha,“ gelingt es mir zu sagen, wobei meine Stimme wahrscheinlich klingt, als zöge man ein Stück Holz über ein Reibeisen, „geh und küß eine Spinne!“
Zuerst kommt die Schlangenpeitsche meiner Schwester zum Einsatz, was mir zunächst höllische Schmerzen bereitet, doch dann verliere ich jedwedes Gefühl, als stürbe mein Körper ab.
Kurz darauf erschienen drei Männer vor mir, die mich mit ihren Schwertern und Tritten traktieren, aufgelockert nur durch Hiebe mit dieser widerlichen Schlangenpeitsche!
Doch dann wendet sich einer der Männer mir zu, die Blutgier steht ihm deutlich in die Augen geschrieben...
Ich schreie um Hilfe, doch niemand hört mich... Man hat mich alleine zurückgelassen, und alleine werde ich wohl sterben, nur um zu einem Bestandteil der Mauer der Ungläubigen zu werden.


Izan'Tyl schrak schweißgebadet hoch. Mit panikerfülltem Blick schaute er sich um und erwartete seine Peiniger zu sehen, doch als einziges sah er Ilyalees sorgenvolles Gesicht über sich.
„Ruhig, du hast schlecht geträumt,“ sagte sie mit einem möglichst beruhigenden Tonfall und nahm Izan'Tyl in den Arm.
„Dieses widerwärtige Weib,“ sagte er mit erstickter Stimme, woraufhin sich ein feuchter Schimmer in seinen Augen bildete.
„Sie ist tot,“ ertönte eine ruhige Stimme etwas von abseits. „Sie kann dir nichts mehr tun.“
Es war Ra'thir Schattenlied, der Hohepriester Tyrs, der zusammen mit seinen Begleitern extra diese Mühen auf sich genommen hatte, nur um ihn, Izan'Tyl T'zed, aus seiner prekären Lage zu befreien. Dabei wußte er überhaupt nicht, womit er dies verdient hatte.
Er drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme erklungen war und mußte dabei wohl etwas verständnislos dreingeschaut haben, oder aber dieser Priester hatte seine Gedanken erahnt, jedenfalls sagte er: „Tief in deinem Innern wußtest du schon immer, daß verschiedene Dinge in deiner Heimat absolut nichts mit Gerechtigkeit zu tun hatten, und du wolltest, daß diese Dinge sich ändern.“
Izan'Tyl nickte, und der Priester fuhr fort: „Gleichzeitig war dir bewußt, daß du alleine nichts wirst ändern können, also blieb dir nur gute Miene zum bösen Spiel zu machen – auch wenn es dir tief in deinem Innern widerstrebt hatte. Daß einen das über kurz oder lang zerbrechen läßt, ist nur allzu klar, und genau darauf wollen solche Mächte wie diese Spinnenplage hinaus. Deshalb haben wir dich da rausgeholt: Damit du dein Leben so führen kannst, wie du es wünscht.“
Izan'Tyl schaute den Priester mit großen Augen an. Eins ging ihm dabei jedoch noch nicht in den Kopf...
„Aber wie habt Ihr mich überhaupt finden können? Der Komplex war doch gegen Ausspähung geschützt?“
„Dein Ruf nach Gerechtigkeit,“ erwiderte der Priester. „Der hatte Tyr ursprünglich auf dich aufmerksam gemacht, und genau diesen Augenblick hatte er genutzt, um dich aufzuspüren.“
Izan'Tyl dachte nach. Wenn die Worte des Hohepriesters auch nur ansatzweise stimmten – und er hatte keinen Grund anzunehmen, daß das nicht der Fall war – mußte dieser Hilferuf eine gewaltige Maschinerie in Gang gesetzt haben, denn solch eine Befreiungsaktion startet man nicht mal eben so.
„Aber was meintet Ihr eigentlich damit, Ihr hättet viel zu tun gehabt,“ wechselte der Junge abrupt das Thema.
Der Priester geriet zunächst ins Stocken, da er nicht so schnell wußte, worauf er jetzt hinaus wollte, doch dann entsann er sich.
„Wir hatten zu der Zeit eine kritische Operation in Ched Nasad laufen, die keinen Aufschub geduldet hatte,“ erklärte Ra'thir, wobei sein Schwanz unruhig über den Höhlenboden wischte.
Verwundert schaute Izan'Tyl den Hohepriester an. „Ched Nasad?“
„Ja, dort haben wir mittlerweile genügend Verbündete, um nicht nur ein kleiner Stachel in der Seite des ... Hohen ... Konzils“ – Izan'Tyl fielen die Pausen, die der Tiefling einbaute, sehr wohl auf – „zu sein, sondern ein ausgewachsener Armbrustbolzen.“
Der Junge nickte.
„Ein Fehlschlag hätte bedeutet, daß wir nicht nur ganz gewaltig an Boden verloren hätten, sondern es wären höchstwahrscheinlich auch Unschuldige zu Schaden gekommen.“
„Aber weshalb Ched Nasad?“
„Von dort haben wir Informationen aus erster Hand.“
„Inwiefern?“ Izan'Tyl hob fragend seine rechte Augenbraue.
„Meine Urgroßeltern stammen aus Ched Nasad. Sie mußten ihrerzeit flüchten, als die Mehrheitsverhältnisse in dem Haus, dem sie angehörten, zu Gunsten der Männer gekippt waren,“ erläuterte der Tiefling. „Um im Vorwege irgendwelchen Häschern dieser durchgeknallten Oberinnen zu entgehen, hatten sie kurzerhand das Weite gesucht. Und mit den Informationen, die mein Urgroßvater liefern konnte, hatte der damalige Hohepriester in Ched Nasad einen Brückenkopf errichtet.“
Dann schaute er den Jungen ernst an: „Zum Glück hatte es keine Verzögerungen dabei gegeben. Wir hatten auch so schon befürchtet, daß wir zu spät gekommen wären, aber das war, Tyr sei Dank, nicht der Fall. Das Einzige, was mich ärgert, ist, daß diese Spinnenküsserinnen vor uns bei dir gewesen waren. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es in Ched Nasad unerwartete Probleme gegeben hätte!“
„Man soll ja an sich niemandem etwas Schlechtes wünschen,“ sagte Ilyalee, „doch ich glaube nicht, daß diese dumme Nuß – wie hast du sie noch gleich genannt? Sian'zha? – es allzu bequem in ihrer neuen ‚Heimat‘ haben dürfte. Dazu könnte diese Spinnenschlampe mit Milady noch die eine oder andere Diatryma zu rupfen haben.“
„Das hoffe ich doch,“ erwiderte Izan'Tyl trocken, und der Priester setzte grinsend noch eins oben drauf: „Ich denke aber eher, daß diese Spinnenplage noch dabei ist, die Nachricht, die deine ‚liebe‘ Schwester ihr ausrichten sollte, zu verdauen und festzustellen, daß das Ganze ein gewaltiger Schuß in den Ofen gewesen war.“
Kurz darauf erschien Khalariel Vaszak in der Höhle.
„Entschuldigt mich bitte,“ sagte der Hohepriester. „Wachwechsel.“
Izan'Tyl nickte und legte sich wieder hin, wobei er sich an Ilyalee kuschelte, und auch der Paladin begab sich in eine Ecke der Höhle, um sich jetzt ebenfalls auszuruhen.
Ra'thir schaute noch einmal in die Runde. Jetzt schliefen alle friedlich, und auch der Junge, den sie diesen Spinnenküssern entrissen hatten, schien momentan nicht von irgendwelchen Alpträumen verfolgt.
Lautlos begab er sich zum Höhleneingang und bezog dort Posten.