Arigatô

von ButterFay
GeschichteAllgemein / P6
Domeki Watanuki
20.07.2008
20.07.2008
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Als ich die Chapter in denen Watanuki und Dômekis erstes Aufeinandertreffen behandelt wird gelesen hab, konnte ich einfach nicht anders als mich hinzusetzen und ein paar Zeilen darüber zu tippen^^;
Wie immer wenn ich versuche was zu holic zu fabrizieren ist es mir nicht unbedingt leicht gefallen die Charas möglichst authentisch zu halten, ich hoffe es ist mir dennoch zumindest halbwegs gelungen^^;

Man möge mir bitte meinen Tick den Hauptsatz so sehr mit Gliedsätzen zu verschachteln, dass man ihn kaum mehr findet, nachsehen. Danke XD

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Ein paar Erklärungen noch zu Beginn:

Omedetô - Herzlichen Glückwunsch
Odanjôbi Omedetô - Alles Gute zum Geburtstag

So~ Das wars auch schon, viel Spaß beim Lesen ^_^
Über Kritik, Lob, etc. würde ich mich natürlich riesig freuen =)

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Arigatou

Mit abwesendem Blick starrte Watanuki hinaus in den strömenden Regen, sein schmaler Körper nur von einem viel zu großen Pyjama geschützt vor der, trotz der angestellten Heizung bis in die Wohnung dringenden Kälte. Regentropfen perlten von der Glasscheibe der Terrassentüre, auf welche sein leicht keuchender Atem wie durch Geisterhand kleine Wölkchen zauberte, sodass er die Straße vor seiner Wohnung durch die beschlagene Oberfläche hindurch nur verschwommen erkennen konnte. Obwohl der sich ruhelos voranbewegende Zeiger der Uhr, dessen Ticken neben dem gleichmäßigen Prasseln des Regens das einzige Geräusch in der sonst völlig stillen Wohnung darstellte, zeigte, dass es erst kurz vor vier Uhr Nachmittags war, war es bereits stockdunkel, die Wolken hingen tief und keinerlei Sonnenstrahlen durchlassend vom Himmel.
Genau in diesem Moment ging die Straßenbeleuchtung an, sodass Watanuki, von der plötzlichen, in seine stockdunkle Unterkunft dringende Helligkeit geblendet seine fiebrig glänzenden Augen schloss, seine erhitzte Stirn dann gegen die angenehm kühle Glasfläche lehnte.
Damals hatte es ebenfalls geregnet. Genau vor einem Jahr. An dem Tag an dem er Dômeki das erste Mal getroffen hatte…

Flashback
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Frustriert stöhnend bereute Watanuki einmal mehr an diesem Tag, dass er nach dem Versagen seines Weckers überhaupt aufgestanden und in die Schule gehetzt war. Davon abgesehen, dass er bei dem frühmorgendlichen Stress sowohl sein extra am Vortag zubereitetes Bento und seine Sportsachen vergessen hatte, stand er nun, eine Rüge mehr im Klassenbuch und mit knurrendem Magen, im Schutze des Schuldaches, und hoffte, dass endlich jemand seiner Pechsträhne Einhalt gebieten und zumindest der Regen aufhören würde. Gut, heute war der erste April, aber musste das Wetter wirklich so demonstrativ das diesen Monat anhaftende Klischee erfüllen?

Am Morgen war der Himmel noch strahlend blau und völlig wolkenlos gewesen, natürlich hatte er da nicht daran gedacht einen Schirm einzustecken.
Da der Regengott auch nach einer Viertelstunde ungeduldigen Wartens kein Einsehen hatte, der Regen anstatt abzunehmen kontinuierlich noch an Intensität zuzunehmen schien, hielt Watanuki schließlich seufzend seine Tasche schützend über den Kopf, bevor er sich dann ins Freie wagte.

Eiskalter Wind zerrte an seiner Schuluniform, und noch nicht einmal beim Schultor angekommen war er bereits bis auf die Haut durchnässt. Wieso war er nur so ein verdammter Musterschüler? Er hätte den ganzen Tag blau machen und bei molliger Wärme in der Wohnung verbringen können, aber nein…

Vor Kälte zitternd hielt der bebrillte Junge an einer roten Ampel an, trat verbissen von einem Bein auf das andere um sich damit etwas aufzuwärmen, hielt dann aber in der Bewegung inne als sein Blick auf eine schwarzhaarige, extravagant gekleidete Frau auf der anderen Straßenseite fiel, die sich offensichtlich mit dem Inhalt ihrer Tasche unterhielt. Obwohl er bestimmt nicht das Recht hatte sich über ein solch absonderliches Verhalten zu wundern, benahm er sich doch auf Grund seiner Eigenschaft Ayakashi anzuziehen wie Motten das Licht auch des Öfteren alles andere als normal, schaffte er es nicht seine Augen von der jungen Frau zu lösen.
Trotz der Distanz schien diese seinen Blick zu spüren, zumindest hob sie ohne jegliche Vorwarnung den Kopf, sodass glutrote Ovale ihn direkt ansahen. Ertappt zuckte Watanuki zusammen, wollte seinen Blick sofort hastig abwenden, als die junge Frau ihre rot geschminkten Lippen zu einem geheimnisvollen Lächeln verzog.

Seine Augen weiteten sich perplex, als der Straßenlärm auf einmal nur noch gedämpft an seine Ohren drang, das Prasseln des Regens im Gegensatz dazu plötzlich unnatürlich laut klang. „Omedetô“, drang die Stimme der einige Meter von ihm entfernt stehenden Dame klar und deutlich zu ihm herüber, bevor dieser geheimnisvolle Moment auch schon von einem vorbeifahrenden LKW zerstört wurde. Das Fahrzeug versperrte ihm einen Augenblick lang die Sicht, und kaum war der Blickkontakt unterbrochen nahm der Alltagslärm um ihn herum wieder dieselbe nervenaufreibende Intensität an wie üblich. Als die Sicht auf die andere Straßenseite wieder frei war, war die seltsame Frau verschwunden, und die gesamte Situation wirkte so irreal, dass Watanuki an seiner eigenen Wahrnehmung zweifelte.

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Flashback Ende


Watanukis Lippen verzogen sich zu einem ironischen Lächeln als er an den Zwischenfall, sein erste Zusammentreffen mit Yûko, dachte. Eine Begegnung, die erst jetzt, wohl bereits leicht im Fieberwahn, in seine Erinnerung zurückgekehrt war. Damals war er völlig durcheinander gewesen, hatte die Welt nicht mehr verstanden. Heute war die exzentrische Dimensionshexe mit all ihren Absonderlichkeiten seine Arbeitgeberin und derart seltsame Vorkommnisse hatten sich zu einem täglichen Bestandteil seines Lebens entwickelt.

Leise stöhnend öffnete Watanuki seine Augen, warf noch einen letzten Blick hinaus in den strömenden Regen, bevor er den Abdruck den seine Stirn auf der Scheibe hinterlassen hatte mit einer flüchtigen Bewegung wegwischte, wobei er das Glas allerdings eher noch mehr verschmierte als den Abdruck zu beseitigen.

Alleine der Gang in die Küche stellte sich als wahre Tortur heraus, sämtliche Glieder schmerzten, und als er das Herzstück seiner Wohnung erreichte fühlte er sich ausgelaugter als nach einem Marathonlauf. Mit einer fahrigen Bewegung wischte er sich über die vom Fieber schweißnasse Stirn, setzte dann Wasser auf um Tee zuzubereiten. Während er abwesend auf die sich nach und nach kräuselnde Wasseroberfläche des Topfes starrte, versetzte ihn das regelmäßige Trommeln des Regens gegen die Fensterscheibe erneut an jenen besagten Tag zurück.

Flashback
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Völlig perplex haftete Watanukis Blick auf der nun leeren, gegenüberliegenden Straßenseite, sodass er erst aus seiner Erstarrung erwachte als er unsanft angerempelt, seine Aufmerksamkeit damit auf das grüne Licht der Ampel gelenkt wurde. Er murmelte der alten Dame, die seine Wegblockade alles andere als amüsant zu finden schien, eine kurze Entschuldigung zu, setzte sich dann hastig in Bewegung und überquerte die Straße, allerdings nicht ohne noch einmal die gesamte Straßenseite nach der jungen Frau abzusuchen. Zwecklos, sie war nirgends mehr zu sehen.

Unbewusst steuerte der bebrillte Junge den bei diesem Wetter völlig ausgestorbenen Weg zum Fluss an, nicht gewillt nun schon nach Hause zu gehen. Trotz des schlechten Wetters wollte er nicht zurück in seine leere Wohnung, dort wo selbst heute, an seinem Geburtstag, niemand auf ihn warten würde. Nicht, dass es einen besondern Unterschied machte, dass gerade dieser spezielle Tag war.

Diese Feierlichkeit bedeutete ihm nichts, er zelebrierte diesen für andere Menschen so besonderen Tag schon seit Jahren nicht mehr. Nach dem Tod seiner Eltern hatte er einziges Mal das Ehepaar, das ihm seine Wohnung vermietete, zu sich eingeladen, doch er hatte den ganzen Abend lang Schuldgefühle verspürt, da er die kostbare Zeit der beiden in Anspruch nahm. Das war das letzte Mal gewesen, dass er seinen Geburtstag gefeiert hatte. Es war ja doch nur ein Tag wie jeder andere.

>Omedetô<, hallten die Worte der jungen Frau erneut durch seinen Kopf. Sie war es gewesen, die ihn überhaupt erst an seinen Geburtstag erinnert hatte. Allerdings konnte sie doch nicht davon gewusst haben. Er kannte sie immerhin nicht, hatte die seltsame Dame noch nie zuvor gesehen... Außerdem wussten selbst die Leute in seiner Umgebung nicht über sein Geburtsdatum Bescheid, von dem Vermieterehepaar abgesehen... In der Schule war er ein Einzelgänger, konnte aufgrund seiner Wohnverhältnisse an keinen Clubaktivitäten teilnehmen, sodass er in keine einzige Gruppe integriert wurde. Wieso also hatte sie…

Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen als er plötzlich ein leises Geräusch aus dem Gebüsch neben sich hörte. Lauschend hielt er inne, zuckte schließlich überrascht zusammen als sich die Äste des Gestrüpps zur Seite weg bogen, und schließlich ein kleines Kätzchen heiser miauend auf ihn zutapste.

Leicht grinsend über sein schreckhaftes Verhalten ging er in die Knie, strich dann sanft über das zerzauste Fell des kleinen Wesens, bevor er dieses dann auf den Arm nahm, wobei sich der vor Kälte zitternden Körper sofort sanft an ihn schmiegte. Schwach stupste das Kätzchen gegen seine Hand, sodass Watanuki lächelnd der Aufforderung nachkam und weiter über das durchnässte Fell strich. Gedankenversunken starrte er hinaus auf den Fluss, merkte dadurch erst einige Minuten später, dass das Tierchen in seinen Armen keinerlei Regung mehr von sich gab. Sich zuerst noch an den kleinen Hoffnungsschimmer klammernd, dass die kleine Katze eingeschlafen war, musste er sich schließlich nachdem er den leblosen Körper mehrere Male ohne irgendeine Reaktion zu erzielen angestupst hatte, eingestehen, dass das Kätzchen die lange Zeit im Regen nicht überlebt hatte.

Mit ausdruckslosem Blick strich er weiterhin über das weiche Fell der Katze, registrierte dabei kaum, dass seine Hand dabei selbst vor Kälte zitterte. „Ich werde genauso sterben… völlig alleine…“, kam ihm kaum hörbar über die Lippen, bevor er spürte wie die so lange weggeschlossenen Emotionen nun das erste mal seit langem hervor brachen, Tränen über seine Wangen liefen, sich vermischten mit dem von seinen Haaren tropfenden Regen.

Ertappt zuckte er zusammen als er plötzlich die Anwesenheit einer weiteren Person spürte, fuhr sich mit dem Handrücken hastig über die Augen, bevor er herumwirbelte und hinter sich den Star ihrer Kyudô Schulmannschaft erkannte. Einen hellblauen Schirm in der Hand, der einzige Farbtupfer in der bei diesem Wetter so trist wirkenden Landschaft, sah ihn Dômeki mit seinem allgegenwärtigen, emotionslosen Gesichtsausdruck an, machte keinerlei Anstalt irgendetwas zu sagen.

Er kannte Dômeki nicht wirklich, war dem Mädchenschwarm nur ein einziges Mal kurz auf dem Schulgang begegnet, wobei er damals sofort Lust verspürt hatte dem Alleskönner irgendeine Nettigkeit an den Kopf zu knallen. Seine bloße Anwesenheit hatte ihn verwirrt, ein vorher noch nie erlebtes Gefühl von Bindung ihn ihm heraufbeschworen, sodass er seine Unsicherheit mit einem giftigen Blick und irgendeiner unpassenden Bemerkung überspielt hatte.

Auch jetzt verspürte er den selbigen Drang wie damals, konnte nicht anders als den ihn emotionslos anblickenden Gegenüber bissig anzufahren. „Hat dir niemand beigebracht wie unhöflich es ist jemanden aus dem Hinterhalt zu beobachten? Was willst du überhaupt bei diesem Wetter hier?!“

„Ich habe etwas gesucht…“, erwiderte Dômeki mit ruhiger Stimme, gänzlich unbeeindruckt von seiner überaus netten Begrüßung.
„Und das suchst du bei diesem Wetter? Wie dämlich…“, höhnte Watanuki, während er mit einer flüchtigen Bewegung über seine Wangen strich, hoffte, dass der Schulkamerad ihn noch nicht lange genug beobachtet und erkannt hatte, dass er seinen Emotionen kurz freien Lauf gelassen hatte.

Als er erneut keine Antwort auf seine Bemerkung erhielt, folgte er dem Blick des hoch gewachsenen Jungen, der auf dem leblosen Tier in seinem Arm ruhte. „Du hast…“ Der bebrillte Ayakashi Magnet verstummte augenblicklich als ihm klar wurde wonach Dômeki gesucht hatte, senkte seinen Blick dann zu Boden. Obwohl es das mindeste gewesen wäre sich für seine abfälligen Worte zu entschuldigen kam kein einziger Laut über seine Lippen.

Erst als er plötzlich spürte wie Dômeki sich ihm näherte, blickte er verwirrt auf, blinzelte verwirrt als er merkte, dass der Schulkamerad seinen Schirm über ihn hielt, nicht einmal mit der Wimper zuckte, obwohl er selbst nun dem prasselnden Regen ausgesetzt war.

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Flashback Ende

Widerwillig öffnete Watanuki die bei seinem kleinen Ausflug in die Vergangenheit geschlossenen Augen, hob dann seinen auf seine, gekreuzt auf der Tischplatte ruhenden Arme gesunkenen Kopf als ihm klar wurde, dass es das zischende Geräusch des überkochenden Teewassers gewesen war, das ihn aus den Gedanken gerissen hatte.

Leise seufzend beugte er sich zum Herd, stellte die Herdplatte aus, bevor er, sich schwerfällig vom Stuhl erhebend, die bereits mit einem Teebeutel bereitgestellte Tasse mit dem kochenden Wasser füllte und sich anschließend wieder am Küchentisch niederließ.

Gedankenverloren rührte er in dem sich langsam rötlich verfärbenden Tasseninhalt. Genauso hatte es sich damals abgespielt. Er konnte sich nicht erinnern, wie lange er mit Dômeki schweigend im Regen gestanden hatte, wusste nur noch, dass der Regen irgendwann schwächer geworden war, sich nach und nach zaghaft die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke gewagt hatten.

Wortlos hatte das schwarzhaarige Kyudô Ass schließlich den Schirm abgespannt, und, warum auch immer, er hatte das Flussufer gemeinsam mit Dômeki verlassen.

Wie war es nur dazu gekommen, dass sie plötzlich soviel Zeit miteinander verbracht hatten? Wie hatte Dômeki es geschafft ein so großer Bestandteil seines Lebens zu werden? Und was bezweckte er überhaupt damit? Die hübschesten Mädchen der Schule prügelten sich darum mit ihm zu Mittag zu essen, und dennoch hatte der Schulkamerad ihn, es war irgendwann nachdem Yûko ihm erläutert hatte dass Dômeki in der Lage war die Ayakashi mit seiner Anwesenheit von ihm fernzuhalten gewesen, auf dem Dach der Turnhalle aufgestöbert und war, trotz dem alles andere als freundlichen Empfang, zum täglichen Störenfried geworden.

Später war dann auch Himawari zu ihnen gestoßen, das hübsche schwarzhaarige Mädchen, das, wie Dômeki ebenfalls Mitglied im Schülerkomitee war, sodass ihre Mittagspausen zu dritt zu einem immer wieder kehrenden Ritual geworden waren. Und beide hatten ihn akzeptiert, mit all seinen absonderlichen Eigenschaften, ohne ein einziges Mal in Frage zu stellen, ob diese seltsamen Wesen, die die beiden anderen nicht sehen konnten, wirklich existierten.

Vorsichtig nippte Watanuki an dem heißen Getränk, darauf bedacht sich nicht daran zu verbrühen. Und doch… obwohl so vieles passiert war, sich sein Leben von Grund auf geändert hatte, hatte er gerade in diesem Moment den Eindruck, dass doch alles beim Selben geblieben war. Sein Geburtstag und er saß alleine in seiner Wohnung. Es war zwecklos sich weiterhin einzureden, dass ihm dieser Tag nichts bedeutete. Er kam gut alleine zurecht, hatte Freunde die für ihn da waren, dennoch… in solchen Momenten, Zeitpunkten die man eigentlich mit seinen Eltern, mit seiner Familie verbrachte, wurde ihm immer wieder bewusst wie alleine er war.

Und dieses Jahr, mit angeschlagener Gesundheit und der Tatsache, dass er nicht einmal mehr in der Lage war sich an die Gesichter seiner Eltern zu erinnern, fühlte er sich schrecklicher denn je. Watanuki merkte wie ihm Tränen in die Augen stiegen, schloss verbissen die Lider um sie zurückzuhalten, konnte allerdings nicht verhindern, dass sich bereits das erste salzige Rinnsal seinen Weg über seine Wange bahnte.
Verbissen fuhr er mit dem Handrücken über seine Augen, zuckte dann überrascht zusammen als plötzlich die Türglocke erschallte.

Verwirrt richtete er sich auf, stellte die Tasse dann, als die Klingel ein weiteres mal, nun ungeduldiger, erklang auf dem Tisch ab um dem unerwarteten Besucher zu öffnen. Kaum hatte er die Klinke nach unten gedrückt, wurde die Türe auch schon aufgerissen, und ehe er sich versah fand er sich in einem Regen aus Konfetti wieder.
„Odanjôbi Omedetô, Watanuki-kun!“, schmetterte ihm Yûko strahlend entgegen, drängte sich dann, mit einer Jumboflasche Sake beladen und dicht gefolgt von einem fröhlich Happy Birthday trällernden Mokona, an ihm vorbei in die Wohnung. Hinter der schlanken, schwarzhaarigen Frau tauchte nun Amewarashi auf, die ihm nur kurz und angebunden zu verstehen gab, dass sie gezwungen worden war mitzukommen, bevor sie dann ebenfalls eintrat und den Blick auf Zashikiwarashi frei gab, die sich knallrot im Gesicht vor ihm verbeugte, ihrer Begleitperson dann sofort nachfolgte.

Völlig überrumpelt blickte Watanuki dem kleinen, in seine Küche verschwindenden Grüppchen hinterher, bevor seine Aufmerksamkeit dann erneut auf den Platz vor seiner Wohnung gelenkt wurde. „Alles in Ordnung, Kimihiro-kun?“
„Wir stören dich doch nicht, oder Watanuki-kun?“
„Himawari-chan, Kohane-chan…? Natürlich nicht, aber wieso…?“
„Natürlich um deinen Geburtstag zu feiern… Und das mit einem Omimai zu verbinden… Yûko-san hat uns erzählt, dass du krank bist… Wenn du allerdings lieber alleine sein willst musst du das nur sagen…“ Das schwarzhaarige Mädchen musterte ihn besorgt, wirkte erst beruhigt als sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen stahl und er den Kopf schüttelt. „Ich bin froh, dass ihr hier seid…“
„Kohane-chan hat extra Kuchen gebacken, wir werden den erst mal aufschneiden, ja?“ Mit diesen Worten zog Himawari das kleine Mädchen mit sich mit, in Richtung Küche, wobei Watanuki sich ernsthaft fragte wie all diese Leute in den winzigen Raum passten.

Überrascht zuckte er zusammen als er dann die letzte, vor der Türe wartende Person bemerkte – Dômeki. Obwohl der Gesichtsausdruck des Schulkameraden so ausdruckslos wie immer wirkte, wusste er dennoch sofort, dass der Kyûdo Athlet durch ihr gemeinsames Auge einmal mehr etwas mit angesehen hatte, was absolut nicht für ihn bestimmt gewesen war.
Einen Moment lang standen sie einander wortlos gegenüber, das nach wie vor gleichmäßige Prasseln des Regens nur ab und an übertönt von dem aus der Küche herüber tönenden Lärm.

Einer unbewussten Geste nachgebend wischte er sich erneut über die Augen, beförderte dabei auch einige der sich in seinen Haaren verfangenen Konfetti zu Boden. „Wenn du auch nur irgendein Wort darüber verlierst bist du tot…“, murmelte er schließlich leise, wollte sich gerade abwenden um den anderen ebenfalls in die Küche nachzufolgen und sich zu vergewissern, dass noch nichts zu Bruch gegangen war, als Dômeki ohne jegliche Vorwarnung nach seinem Arm packte, ihn so zurück hielt.

Mit einer ruckartigen Bewegung befreite sich Watanuki von dem Griff, blieb allerdings stehen, und blickte seinen schwarzhaarigen Gegenüber mit verärgertem Gesichtsausdruck an, wobei er es allerdings nicht schaffte das nervöse Flackern in seinen Augen gänzlich zum Verschwinden zu bringen.

„Was willst du?“ Erneut war einen Moment lang nur das Geräusch des Regens zu hören, bevor der schwarzhaarige Alleskönner schließlich endlich auf seine Frage reagierte.
„Es gibt zwei verschiedene Arten von Erinnerungen… Die des Herzens und die des Körpers… Selbst wenn das Herz etwas vergisst, sich nicht mehr erinnern kann, es besteht immer die Möglichkeit, dass die Erinnerung im Körper verborgen schläft…“
Dieselben Worte, die ihm Mokona vor nicht langer Zeit gesagt hatte…
„Und selbst wenn das Aussehen deiner Eltern für immer verschwunden ist, du dich nicht mehr an ihre Namen erinnerst… Du hast nicht vergessen wie sie waren, die Momente, die ihr zusammen erlebt habt sind nach wie vor in deiner Erinnerung verankert…“, fuhr Dômeki mit ruhiger Stimme fort.

Wortlos senkte Watanuki seinen Kopf, sodass seine schwarzen Haare wie ein Vorhang vor seine Augen fielen. „Und wenn auch das verschwindet? Sich diese Erinnerungen in Rauch auflösen? Was bezeugt dann, dass sie jemals gelebt haben? Was war der Sinn dafür, dass sie überhaupt existiert haben?“, kamen ihm genau die quälenden Fragen über die Lippen, die er damals bereits Mokona stellen hatte wollen.

„Bist du alleine nicht Grund genug? Du bist hier, du bist der lebendige Beweis für die Existenz deiner Eltern… Hast du noch immer nicht verstanden, wie viele Menschen es hier gibt die sich um dich Sorgen?“ Dômekis Blick glitt an ihm vorbei, haftete nun an der Küchentür, hinter der lautstarkes Stimmengewirr zu hören war.

Verwirrt von dem plötzlichen Vortrag starrte Watanuki seinen hoch gewachsenen Gegenüber perplex an, löste sich erst aus der Erstarrung als dieser sich in Bewegung setzen und ebenfalls seine Wohnung betreten wollte. „Warte!“, kam es ihm über die Lippen, bevor er in der Lage war den Befehl zurück zu halten. So, und nun?
Dômeki hatte inmitten der Bewegung inne gehalten, sah ihn nun mit hochgezogenen Augenbrauen abwartend an.

„Ich… Morgen gibt es uni Sushi, mit denen du mir ständig in den Ohren liegst… Wage es also bloß nicht, dann auf einmal etwas anderes zu fordern!“
Mit diesen Worten drehte er sich auf dem Absatz um, steuerte ohne sich noch einmal umzudrehen die Küchentüre an, sodass ihm das leichte Grinsen auf dem sonst so starren Gesicht des Mitschülers entging.

Zugegeben, Watanuki hatte eine etwas absonderliche Art und Weise seine Dankbarkeit zu zeigen, doch Dômeki hatte auch so verstanden. Die etwas unbeholfene Ankündigung das morgige Bento betreffend bedeutete viel mehr als es eine einfache Dankbarkeitsfloskel aus dessen Mund es jemals hätte können.

„Solange du nicht vergisst Takoyaki dazu zu packen…“, erwiderte der schwarzhaarige Kyudô Athlet schließlich nach wie vor grinsend, hielt sich dann demonstrativ die Ohren zu als Watanuki wie erwartet loswütete.

Vieles hatte sich geändert, manches war gleich geblieben, doch eine Sache war nicht zu bestreiten. Er war nicht alleine.

Owari
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