Ich werde dich immer finden

von Sheron
KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
17.07.2008
17.07.2008
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Vorwort
Ein kleiner One-Shot den ich schon lange geplant habe, aber erst jetzt die Zeit gefunden habe. Für mögliche Schreibfehler entschuldige ich mich, habe diesen Shot in ein paar Stunden geschrieben und wollte ihn jetzt nicht noch mal durchlesen x) Viel Spaß beim Lesen & lasst mir ein Review da
Sheron

Ich werde dich immer finden



Die Dunkelheit schien an diesem Ort zuhause zu sein sowie viele Ratten, die sich jedoch nicht in das Verlies trauten, aber trotzdem hin und wieder von außen an den rostigen Gitterstäben nagten. Ein hartes Holz mit altem Stroh diente als Schlafplatz. Das Verlies war vergleichsweise groß zu den anderen, unbewohnten um ihn herum. Den Raum nutzte er nicht, eigentlich lag er den ganzen Tag nur auf dem Stroh herum und dachte nach. Er hatte sämtliches Zeitgefühl verloren, so überraschte ihn es immer wieder aufs neue, wenn sie ihm etwas zu Essen brachten. Im Gegensatz zu diesem Verlies, war das Essen ein wahrer Segen, kein Meisterwerk, doch wenigstens essbar.

Er war allein hier unten, komplett allein. Nur ein Gedanke hielt ihn davon ab, in seiner Einsamkeit zu versinken und Hoffnung komplett aufzugeben. Der Gedanke an seinen Freund Draco, der wahrscheinlich wegen ihm immer noch in Azkaban saß. Er seufzte und rubbelte sich über seine Arme –in der Hoffnung die Gänsehaut würde verschwinden-.

Allein seine Erinnerungen an den schönen Slytherin reichten aus, um ihn nicht vereinsamen zu lassen. All ihre schönen Momente, Stunden, Tage manchmal auch Wochen rief er sich immer wieder ins Gedächtnis, damit er auch ja nichts vergaß. Er wusste nicht, wie lange er noch in diesem Verlies leben musste, so erinnerte er sich fortwährend, obwohl er sich sicher war, dass er Draco niemals vergessen würde.

So würde er auch nicht vergessen, wie er den wahrscheinlich größten Fehler seines Lebens gemacht hatte. Er hatte seinen Freunden von der Beziehung zu Draco erzählt.

***---***

„Ich hoffe sie werden es verstehen“, müde strich sich Harry über seine Augen und zog die Decke etwas enger um sich, auch wenn im Kamin das Feuer entfacht worden war, war es doch um einiges kälter, wenn er wärmende Körper neben ihm fehlte.

„Das glaubst du wohl selbst nicht“, entgegnete Draco, der seine Kleidung –die quer im Zimmer verstreut herumlag- einsammelte.

„Aber deine haben es akzeptiert“, brummte Harry und zog eine Schnute.

Draco lachte, während er sein Hemd zuknöpfte, „Ich habe meine Freunde auch unter Kontrolle. Außerdem sind es Slytherins, sie verstehen, dass man mit jemandem im Bett landet und dann mehr daraus wird. Aber ihr Gryffindors seid da doch etwas kitschiger.“

„Etwas kitschiger?“, Harry stützte sich auf seine Ellbogen, um Draco besser beobachten zu können.

„Du weißt schon..“, Draco machte eine ausladende Handbewegung, warf sich dann seinen Umhang um, „Man sieht sich, weiß sofort da ist was ganz Besonderes. Lernt sich kennen, dann ist es natürlich die große Liebe. Kommt zusammen, streitet sich nie, alles ist perfekt und Sex hat man erst nachdem man verheiratet ist.“

„Ist es falsch an so etwas zu glauben?“, mit einem Lächeln sah Harry, wie der Blonde genervt mit den Augen rollte.

„Ich meine nur, dass es bei uns nicht gerade nach Gryffindorvorstellung gelaufen ist“, Draco hatte sich nun, wieder vollkommen angekleidet, an den Rand des Bettes gesetzt.

„Ich würde trotzdem keinen einzigen Moment ändern wollen“, Harry rückte näher an ihn heran, auch Draco lehnte sich zurück, um ihm einen kleinen Kuss zu geben.

Draco stand auf, hatte schon den halben Raum durchquert, als er sich im Gehen noch einmal zu seinem Freund herumdrehte, „Viel Glück. Und immer daran denken..“, er hob spielerisch die Fäuste an, „Auf Grangers Linke achten und immer in Deckung bleiben!“

Lachend schmiss Harry ein Kissen nach ihm, „Ich werds schon überleben.“

***----***

Damals hatte er noch geglaubt, seine Freunde würden verstehen. Sie würden zwar zuerst geschockt sein, danach ausrasten, aber schlussendlich würden sie es akzeptieren und sich mit Harry freuen. Noch am gleichen Morgen hatte er Ron und Hermine sein so lange gut gehütetes Geheimnis offenbart. Sie reagierten, wie er es erwartet hatte, im Schock. Sie hatten um ein wenig Zeit allein gebeten, Harry hatte sie ihnen gewährt und sie bis zum Mittagessen nicht mehr gesehen. Die beiden schwiegen, als sie sich zu Harry setzten und warfen ihm nur ein paar mitleidige und traurige Blicke zu.

Harry sah alles noch so vor sich, als ob es erst gestern gewesen war. Wie die Türen der großen Halle aufflogen, die Auroren hineinstürmten, direkt auf den Slytherintisch zu und Draco hochrissen. Sofort waren alle Slytherins aufgesprungen, hatten ihre Zauberstäbe gezückt und auf die Auroren gerichtet. Doch Draco hatte nur den Kopf geschüttelt. Schon diese kleine Geste hatte die Slytherins dazu gebracht, ihre Zauberstäbe zu senken und tatenlos dabei zuzusehen, wie ihr Prinz verschleppt wurde.

Der Schock über diese unerwartete Wendung hatte Harry komplett eingenommen, doch als die Flügeltüren hinter den Auroren zuschlugen, wachte er auf. Verzweifelt hatte er versucht, Draco zu folgen, die Auroren aufzuhalten. Doch soweit war er nicht mal gekommen. Ron und Hermine hatten ihn fest gehalten. Er hatte geschrieen, um sich getreten, sich mit all seiner Kraft gewehrt. Doch es brachte nichts. Irgendwann war alles schwarz geworden und er war hier wieder aufgewacht.

Er würde nie den Ausdruck in Dracos Augen vergessen, als ihn die Auroren aus der Halle zerrten. Seine Augen waren einzig und allein auf Harry gerichtet gewesen. In den grauen Seen hatte er nur Trauer gesehen, einzig und allein tiefe Trauer. Draco machte ihm keine Vorwürfe, gab ihm keine Schuld.

Doch Harry tat es dafür umso mehr. Schließlich war er naiv genug gewesen, seinen Freunden zu vertrauen. Die Freunde, die dafür verantwortlich waren, dass der Mann, den er so sehr liebte, wie niemand anderen, in Azkaban saß und wahrscheinlich Tag für Tag, Stunde für Stunde und jede Sekunde seine tiefsten Ängste und schrecklichsten Erlebnisse immer und immer wieder durchleben musste.

Wegen diesen Freunden war Harry hier eingesperrt und konnte nicht zu ihm. Die Erklärung dafür, war wirklich erbärmlich.

***---***

Es war mittlerweile 3 Tage her, seitdem Draco nach Azkaban gebracht wurde und Harry in diesem Verlies eingesperrt war. Vier mal am Tag erschien einfach aus dem Nichts ein Essen, die Zelle wurde auch solange erhellt, bis er aufgegessen hatte.

Die ersten zwei Tage hatte er noch rebelliert und herumgebrüllt, doch als er gemerkt hatte, dass ihn niemand hörte. Hatte er aufgehört. Es würde sie nicht kümmern, genauso wenig wie es sie kümmerte, dass Draco kein Todesser war oder, dass sie sich liebten.

Doch an diesem Tag war etwas anders, denn Harry hörte wie sich oben die Tür öffnete und jemand die ganzen Stufen hinab kam. Fackeln erhellten den dunklen Gang und der Schwarzhaarige konnte die Person erkennen. Es war Hermine. Harry drehte sich weg, als sie die Verliestür öffnete und hineinkam.

„Hallo Harry.“

Keine Antwort, der Schwarzhaarige starrte einfach stumm die Wand an.

„Ich... Harry, tut mir leid, dass es so kommen musste.... aber, keine Sorge, sobald du ihn vergessen hast, wird es wieder so wie vorher.“

Ruckartig drehte Harry sich um, seine grünen Augen sprühten vor Zorn, „Es tut dir leid?“, er verschränkte seine Arme vor der Brust, „Ich muss dich enttäuschen, Hermine. Aber ich werde Draco nicht vergessen, niemals. Ich liebe ihn und daran wird sich auch nichts ändern.“

„Was hat er nur mit dir gemacht?“, fragte Hermine, dabei sah sie ihn so an, als ob er nicht ganz bei Verstand war.

„Er sieht mich nicht nur, als Waffe gegen Voldemort. So wie ihr das alle tut“, entgegnete Harry zornig.

„Das stimmt doch gar nicht. Dieser miese Slytherin hat dir Flausen in den Kopf gesetzt“, Hermine wollte Harry ihre Hand auf die Schulter legen, doch der Schwarzhaarige schlug sie wütend weg.

„Hat er nicht! Wer hat mir denn immer wieder gesagt, dass es meine Lebensaufgabe ist Voldemort zu töten. Für irgendetwas anderes habt ihr mich nie benötigt!“

„Harry, das stimmt so nicht!“

„Und wo wart ihr, als Sirius starb?“

Hermine öffnete den Mund, schloss ihn wieder, sah weg, wieder zu Harry, „Wir reden weiter, wenn du wieder bei Verstand bist.“

Damit verschwand sie.

***---***

Bis jetzt hatte er keinen Besuch mehr gehabt, weder von Hermine, Ron oder sonst irgendjemanden. Es war ihm auch nicht mehr wichtig, er wollte nur zu Draco. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie es am Anfang der sechsten Klasse mit ihnen beiden anfing.

Zuerst war es nur eine Nacht, es wurden mehr und mehr Nächte. Bis sie sich dazu entschlossen, dass sie mehr wollten. Am Anfang gab es viel Streit zwischen den beiden und sie standen oft davor, einfach aufzugeben und alles sein zu lassen. Doch sie rafften sich jedes mal wieder zusammen und meisterten die Anfangsschwierigkeiten.

Danach lief es um einiges harmonischer ab, natürlich gab es, wie in jeder gesunden Beziehung, ab und zu Zoff, aber sie schafften es immer wieder zusammenzufinden. Es war schwierig, weil niemand von ihrer Beziehung wusste, doch Draco entschloss sich bald dazu, seine Freunde einzuweihen.

Harry war zuerst nicht begeistert gewesen, aber seine Meinung hatte sich schnell geändert, als er sie alle kennen gelernt hatte und niemand ihn irgendwie dumm von der Seite anmachte. Seltsamerweise verstand er sich sogar ziemlich gut mit den Schlangen. Harry seufzte wieder und schloss seine Augen.

Was Draco wohl jetzt tat? Dachte er auch an ihn, oder musste er gegen seine Ängste ankämpfen, weil die Dementoren ihm nicht von der Seite wichen. Harrys Schuld grub sich noch tiefer in seine Seele, er wollte nicht, dass Draco wegen ihm leiden musste.

Er sah noch genau sein Gesicht vor sich. Die grauen Augen, in denen stets ein geheimnisvolles Funkeln lag. Die feinen Gesichtszüge, die gerade Nase. Die stets top-gepflegten, samtweichen, platinblonden Haare. Harry seufzte abermals und fuhr sich durch seine Haare.

Trotz all dieser Umstände gab Harry die Hoffnung nicht auf, denn ein Malfoy brach keine Versprechen.

***---***

„Harry! Komm schon, du musst dich anziehen, sonst musst du wieder bei Snape nachsitzen.“

Harry brummte nur etwas unverständliches und vergrub seinen Kopf etwas tiefer in Dracos Kissen. Im Gegensatz zu seinem Freund war er kein Frühaufsteher und vor allem, wenn die Nacht lang war, konnte ihn früh absolut nichts aus dem Bett bewegen.

Doch Draco war bei solchen Sachen ziemlich penetrant und ließ ihm keine Ruhe, bis er sich endlich dazu bequemte aufzustehen. Als der Blonde kurz ins angrenzende Bad verschwand, zog sich Harry die Decke über den Kopf und rollte sich unter ihr zusammen. Vielleicht würde Draco ihn ja übersehen und dann konnte er einfach den ganzen Tag in diesem weichen Bett liegen bleiben.

Leise fing er an vor sich hinzumurmeln, „Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar. Ich bin....“

Die Decke wurde weggezogen und Harry blinzelte seinem gestriegelten Freund entgegen. Der zog nur galant seine Augenbraue in die Höhe und grinste, „Ich werde dich immer finden“, mit einer kurzen Geste bedeutete er Harry sich anzuziehen, ehe er noch mal im Bad verschwand.

Nun breitete sich auch ein Grinsen auf Harrys Gesicht aus. Er kletterte aus dem Bett, nahm sich einen Tarnumhang vom Boden und verbarg sich darunter. Mal sehen, ob Draco ihn wirklich immer fand.

Draco kam aus dem Bad, streckte sich kurz durch, schaute erst etwas verwirrt, rollte jedoch dann mit den Augen. Er ging um das Bett herum, zum Nachttisch, streckte seine Hand aus und nahm Harry den Tarnumhang vom Kopf.

„Wie gesagt, ich werde dich immer finden, Harry.“

Verschlafen rieb sich der Gryffindor die Augen und gähnte: „Versprochen?“

„Versprochen.“, Draco lächelte und bugsierte Harry ins Bad: „Du gehst jetzt duschen.“

„Draco.. Muss das wirklich sein?“

„Keine Wiederrede.“

***---***

Plötzlich gab es einen riesen Krach, Harry riss sich aus seinen Erinnerungen und setzte sich auf. Die Rufe und Schreie drangen bis hier nach unten. Harry stand auf, um besser hören zu können. Ein paar Minuten lang hörte er, wie sie alle über ihm weiter Zaubersprüche riefen und immer wieder Rumpeln und Krachen. Wahrscheinlich gingen Möbel und sonstige Dinge zu Bruch.

Seine Nervosität stieg von Sekunde zu Sekunde, was war dort oben los? War es am Ende Voldemort, der erfahren hatte, dass sich Harry hier aufhielt?

Doch plötzlich war es still. Kein einziges Geräusch war mehr von oben zu hören. Seltsamerweise beruhigte diese Stille Harry, er atmete wieder ruhig und gleichmäßig. Auch als sich die Tür wieder öffnete und Licht in den dunklen Kerker fiel, raste sein Puls nicht wieder nach oben.

Ein schwarz verhüllter Mann kam langsam die Stufen hinab, nur seine Schritte hallten an den modrigen Wänden wider und nach und nach entflammten die Fackeln. Deren Licht ließen den Unbekannten nur noch, noch mysteriöser aussehen.

Die langen Schatten, ließen ihn um einiges größer wirken, als er in Wirklichkeit war. Harry schätzte, dass er ihn nur um ein paar Zentimeter überragte. Sein Gang war langsam und schien sogar in dem schwarzen Kapuzenumhang elegant.

Knarrend öffnete sich die verrostete Verliestür. Der Unbekannte schlug seine Kapuze zurück und sah auf.

Harrys Herz setzte für einige Schläge aus.

Graue Augen sahen ihm entgegen.

„Ich habe dich gefunden.“