It was my fault

GeschichteDrama / P16 Slash
Clark Kent Lex Luthor
15.07.2008
15.07.2008
1
3142
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Ein Werk aus längst vergangenen Tagen ;) Mittlerweile würde ich das sicher alles anders formulieren, aber gut... jeder fängt mal klein an *smile*

Pairing: Lex/Clark

Rating: P16-Shlash

Warning: Rape, Death, Darkfic

Disclaimer: „Smallville“ und alle beinhalteten Charaktere sind Eigentum von DC Comics, Warner Brothers, Tollin/Robbins and Millar/Gough Ink. Zu meinem Leidwesen verdiene ich keinen Cent, wenn ich diese Story veröffentliche.

_____________________________________________________________________




Es regnet. Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Immer, wenn die Hauptdarsteller schlechte Laune haben oder traurig sind, regnet es. Doch kein Orkan der Welt kann auch nur annäherungsweise meine Gefühle wiedergeben. Ich bin allein. Allein und leer. Ich fühle mich schuldig, denn ich habe dich verraten. Dein Tod war sinnlos. Ich hätte sterben sollen. Doch das Schicksal hat mir eine andere Rolle zugedacht.

Ich nehme meine Umgebung nicht wahr, laufe ziellos durch die Gegend. Ein riesiger Berg lastet auf mir, ich kann nicht atmen, versuche verzweifelt, meine Tränen zurück zu halten. Es gelingt mir nicht. Selten habe ich so hemmungslos geweint, nicht einmal, als Mum und Dad ermordet worden sind. Ich habe mich deswegen schuldig gefühlt, aber seit heute weiß ich erst, was Schuld überhaupt bedeutet.

Unbarmherzig treibt mich der Sturm vor sich her, ins Nichts, ins Nirgendwo. Ich weiß nicht, wohin ich fliehen kann. Ich habe nichts mehr, was mich auf dieser Erde hält, keinen Frieden, keine Wärme, kein Leben. Du bist nicht mehr da, hast mich verlassen. Was bleibt mir noch außer meiner Verzweiflung, meinem Schmerz, meiner Schuld? Ich bin leer gebrannt, eine ungefüllte Hülle, ein Nichts ohne dich. Verbittert und wütend, auf mich und auf die ganze Welt.

Ich breche zusammen, kann nicht mehr weiter. Regen peitscht auf mich nieder, doch ich spüre ihn kaum. Dumpfer, bohrender Schmerz hält mich gefangen. Ich gebe auf, bleibe liegen. Die Welt interessiert mich nicht mehr. Ich schreie meine Verzweiflung hinaus, doch niemand hört mich. Ein einsames, hoffnungsloses Menschenkind, alleine mit sich und seiner Schuld. Resignierend schließe ich die Augen, warte auf das Ende, doch ich weiß, es wird nicht kommen. Ich bin verdammt zum Leben. Zu einem Leben ohne dich, ohne dein Lachen, deine wärmenden Hände, deine tröstenden Worte. Wieder und wieder sehe ich Bilder von dir, sie quälen mich. Streuen Salz in meine Wunden, Wunden, die wohl niemals verheilen werden.

Trostlose Vergangenheit, trostlose Gegenwart kennzeichnen mein Leben. Ich mag nicht daran denken, was noch kommt. Aber ich muss leben. Als Körper, nicht als Mensch. Ein kleines, unwürdiges Etwas, schon lange nicht mehr menschlich.

Wie vertraut und verlockend erscheint mir der Tod. Paradiesisch, im Vergleich zum Leben. Mühsam quäle ich mich hoch, zitternd vor Kälte, halb erfroren. Jedoch ist nichts schlimmer zu ertragen als der Verlust eines geliebten Menschen. Der Verlust, den ich erlitten habe, lässt sich weder mit Worten beschreiben noch wieder gut machen. Unbeschreiblicher Schmerz, der mich plagt. Und ein immer wiederkehrender Gedanke, der mich peinigt, meine Tränen erneut auslöst. Warum? Warum ausgerechnet du? Kann das Schicksal so grausam sein? Getrieben von Verbitterung, wandere ich weiter, einer unbekannten und schmerzhaften Zukunft entgegen.

Es war meine Schuld.



~ * ~



Die Sonne lachte an diesem einen Tag vom Himmel. Der eine Tag, der mein Leben völlig veränderte, mich aus der Bahn warf, dich mir nahm. Wir waren unterwegs, nur wir zwei, wie so oft in dieser Zeit. Du wolltest mal wieder Abstand von deinen Geschäften und den Tag nur mit mir verbringen. Meine Eltern waren schon immer gegen unsere Beziehung gewesen, weil sie in dir nur den Sohn von Lionel Luthor sahen, sonst nichts. Ich habe eigentlich jedes Mal auf den Rat meiner Eltern gehört, nur dieses eine Mal nicht. Und ich habe es nie bereut. Tage wie dieser bestätigten es mir immer wieder, dass sie sich in dir getäuscht haben. Kein Mensch, der zu einer solch bedingungslosen Liebe fähig war, wie du sie mir entgegenbrachtest, konnte auch nur im Ansatz schlecht sein. Doch keiner glaubte uns, was jedoch weder dich noch mich gestört hat. Wir beide waren schon immer Außenseiter, wir brauchten nichts anderes als uns und unsere Liebe. “Von Luft und Liebe“ leben, wie man so schön sagte, hatte ich bisher immer für Unsinn gehalten, aber durch dich habe ich erfahren, dass es wunderbar funktionieren kann.

Morgens mit dem ersten Hahnenschrei standest du vor meiner Tür, zwar unausgeschlafen und mit einer gut versteckten miserablen Laune, aber mit dem dir eigenen Lächeln, dass bei mir Herzklopfen auslöste. “Hast du Zeit für mich?“ fragtest du. Natürlich hatte ich. Und selbst wenn nicht, hätte ich sie mir genommen. Wir fuhren weg, weg aus Smallville, wo wir uns eingeschränkt fühlten. Wir entfernten uns nicht weit, aber weit genug, um frei atmen zu können. Um uns herum nur Wiesen und Maisfelder. Wir lagen einfach nebeneinander in dem hohen Gras, sahen den vorüberziehenden Wolken nach und redeten über alles Mögliche. Ich merkte, dass dich irgendetwas bedrückte, aber ich wartete, bis du es mir erzählen würdest. So redete ich die meiste Zeit. Mit keinem anderen Menschen konnte ich so ungezwungen reden wie mit dir. Du hast dir alles angehört, nie über meine Gedanken gelacht und mir immer geholfen, wenn ich Probleme hatte. Jedes Mal, wenn wir einen dieser “Nur für uns“ Tage durchzogen, spürte ich, dass ich ohne dich nicht mehr leben wollte. Allein neben dir zu liegen bis ans Ende der Welt hätte mich wunschlos glücklich gemacht.

Aber heute war irgendwie alles anders. Gegen Mittag, als die Sonne schon hoch am Himmel stand, überkam mich eine seltsame Unruhe, eine Rastlosigkeit, die ich noch nie zuvor gespürt hatte. Du versuchtest mich zu beruhigen, ich sollte mir keine Sorgen machen, es wäre schon alles in Ordnung. Doch merkte ich, dass du selber beunruhigt warst, fahrig und unkonzentriert.

“Mach dir keine Sorgen,“ wiederholtest du und ich vertraute dir, verdrängte dieses Gefühl und  gab mich ganz deinen fordernden Händen hin. Normalerweise reichte eine einzige Berührung von dir, um mich in den siebten Himmel zu katapultieren und mich die Welt um mich herum vergessen zu lassen. Doch nicht heute. Dir zuliebe verbarg ich meine Ängste, ließ dich gewähren.

Das unruhige Gefühl wurde stärker und ich wusste, ein Wort von mir hätte dich aufhören lassen, doch ich schwieg. Ich schob es meiner unbegrenzten Liebe zu, dass ich dich nicht enttäuschen wollte. Ich wusste, das es ein Fehler war, trotzdem kam kein Wort des Protests über meine Lippen. Du hast es nicht bemerkt oder ignoriert, es war dir egal.

Ich nahm es hin, gab dir, was du verlangtest, ungeachtet der Schmerzen, die mich aus meiner Lethargie rissen. Spätestens hier hätte ich es wahrnehmen müssen, dass mit dir einiges nicht in Ordnung war, dass die Sorgen, die dich bedrückten, gewaltig waren. Denn niemals in den Monaten unserer Beziehung hast du mich so rücksichtslos genommen, wie du es heute tatest. Ich ließ es einfach geschehen, wartete nur ab. Hoffte, dass du dir darüber klar werden würdest, was du tatest, aber ohne Erfolg. Kein Wort der Entschuldigung hinterher, gar nichts. Liegengelassen wie ein Spielzeug, verbraucht und schmutzig fühlte ich mich. Aber ich beschwerte mich nicht. “Blind vor Liebe“ war ich, wie man so schön sagte. Ich wusste nicht, wie lange ich einfach da lag, versuchte, den brennenden Schmerz zu ignorieren und mir alle möglichen Ausflüchte für dein Verhalten durch den Kopf gehen zu lassen.

Nach einer Weile verdrängte meine Unruhe den Schmerz. Ich bat dich, sofort zurückzukehren, denn mit jeder Minute, die wir hier verbrachten, verstärkte sich mein Gefühl, dass etwas Schreckliches passiert sein musste. Ich habe dir angesehen, dass du genervt warst, aber du hast dich gefügt. Schweigend legten wir den Weg nach Smallville zurück und ich wusste, dass dieser heutige Tag unsere Beziehung verändert hatte. Diese eine Sache würde noch sehr lange zwischen uns stehen und ich befürchtete, dass es niemals wieder so sein würde wie vorher. Du hieltest vor dem Tor, wolltest nicht mehr mit reinkommen, um meine Eltern zu begrüßen. Du hättest auch so schon genug Sorgen, meintest du sarkastisch. Auch wenn ich enttäuscht war, sagte ich nichts. Ich wollte gehen, doch du hieltest mich zurück.

“Ich habe es meinem Vater gesagt,“ meintest du beiläufig, ohne mich anzusehen. Mein erster Gedanke war, dich anzuschreien. Wie konntest du nur? Wir haben beide gewusst, dass dein Vater mit unserer Liebe nicht einverstanden sein und uns das Leben in jeder erdenklichen Hinsicht schwer machen würde. Doch ich schluckte meinen Ärger hinunter, nickte nur. Mein Vertrauen zu dir war trotz der Sache heute ungebrochen, du würdest schon dafür sorgen, dass uns nichts passiert, dachte ich mir. Wie ich mich irren sollte. Ein flüchtiger Abschied, wir fremdelten doch du merktest nichts, und lange sah ich deinem Wagen nach, bis er hinter der nächsten Hügelkuppe verschwunden war.

Ich machte mich auf den Weg zum Haus, grübelnd und in Gedanken versunken. Jeder Schritt, der mich meinem Zuhause näherbrachte, schien mir schwerer zu fallen als der vorherige. Angespannt betrat ich das Wohnzimmer und wünschte mir im selben Augenblick, ich hätte es nicht getan. Nie zuvor in meinem Leben bin ich  so geschockt gewesen. Sie waren dort, Mum und Dad. Doch nicht mehr lebendig.

Kaum noch zu erkennende, menschliche Überreste, blutverschmiert, niedergemetzelt, mit unvorstellbarer Wut zerstört. Ich stand einfach da, wusste nicht, was ich tun sollte.

Unfähig zu einem klaren Gedanken, aber zu meinem größten Entsetzen auch unfähig zu weinen. In meinem Inneren herrschte eine eisige Kälte, die keinen Platz ließ für Gefühle jeglicher Art. Minute um Minute verstrich, während ich auf das starrte, was einmal meine Eltern gewesen sind. Mum lag auf dem Boden, das Gesicht zur Decke gedreht, unbegreiflicher Schmerz in ihren Augen. Ich wagte mir nicht vorzustellen, was man sonst noch mit ihr angestellt hatte. Dad zusammengekrümmt daneben, die Hände in den Teppich gekrallt. Nichts hat sich dauerhafter in mein Gedächtnis gebrannt als dieses Bild.

Ich wollte weg, nur fort von hier, aber mein Körper gehorchte mir nicht. Stundenlang hatte ich meine toten Eltern im Blick, während sich ein Gedanke immer klarer in meinem Gehirn abzuzeichnen begann. Lionel Luthor. Der einzige Mensch, den ich kannte, der zu solch einer Grausamkeit fähig war. Warum nur hast du ihm von uns erzählt? Und warum nur habe ich auf dich gehört? Heißer Zorn wallte in mir auf, erstickte mein rationales Denken. Ich dachte nur an Rache. Egal, wer dafür herhalten musste.

Ich wusste, es war nicht fair, dir die Schuld am Tod meiner Eltern zu geben. Doch fegte meine rasende, lodernde Wut jeden vernünftigen Gedanken einfach beiseite. Ich habe den Weg zu deinem Schloss noch nie so schnell hinter mich gebracht wie heute. Die Sonne ging gerade unter, tauchte die Landschaf  in glühendes Rot. Den Angestellten, der mich am Betreten des Schlosses hindern wollte, schob ich einfach auf die Seite. Nichts und Niemand konnte mich an jenem Tag aufhalten. Ich wollte nur eins: Rache für meine Eltern.

“LEX!“

Erschrocken drehtest du dich um, als ich ins Wohnzimmer gestürmt kam, bebend vor Zorn. Ich habe es dir sofort angesehen, du wusstest, ich würde kommen. Es war dir klar, seit du deinem Vater von uns erzählt hattest. Billigend hast du in Kauf genommen, dass er mir das antat. Wolltest du deswegen heute mit mir weg? Damit er ungestört war und ich meine Eltern nicht beschützen konnte?

“Sag mir nur, warum, Lex! Sag‘s mir und dann gehe ich wieder!“

“Was meinst du?“

Ach, tu doch nicht so. Du hast es genau gewusst, oder warum sonst konntest du mir nicht in die Augen sehen?

“Du hast meine Eltern getötet,“ brüllte ich, “du hast sie getötet, du allein. Warum, Lex, warum? Warum hast du mir das angetan?

Ich habe dir vertraut und das hast du schamlos ausgenutzt. Ich dachte, wir hätten vereinbart, deinem Vater nichts von uns zu erzählen und was tust du? Du hintergehst mich. Du hast sie auf dem Gewissen. Ich hasse dich, dich und deinen verfluchten Vater. Ich bereue den Tag, an dem ich mich mit dir eingelassen habe. Meine Eltern haben mich immer vor dir gewarnt und sie hatten wie immer Recht. Warum nur habe ich nicht auf sie gehört?“

Immer leiser werdend, beendete ich schließlich meinen Monolog. Ich konnte nicht mehr, war ausgebrannt. Kein Hass, kein Zorn mehr, nur noch Enttäuschung. Du sahst mich an, schweigend. Und eindeutig schuldbewusst.

Dein schlechtes Gewissen schien dich zu erdrücken, oder warum sonst standest du vor mir wie das sprichwörtliche Häufchen Elend?

”Es tut mir Leid,“ murmeltest du. “Das habe ich nicht gewollt. Ich dachte nicht, dass er so reagiert.“

Natürlich dachtest du das. Schließlich kanntest du deinen Vater besser als jeder andere. Aber weshalb sollte dich das kümmern? Zwei Menschen mehr oder weniger auf diesem Planeten, was machte das schon in deinen Augen? Nichts.

”Ich will dich nie wieder sehen. Niemals, hast du gehört? Nie, nie wieder!“

Hastig stieß ich diese Worte hervor, drehte mich um und floh aus deiner Nähe. Ich höre dich meinen Namen schreien, ich solle warten, es täte dir ja so Leid, aber ich ignorierte es. An einem einzigen Tag hatte ich alles verloren, meine Eltern, dich und mein Leben, mein Vertrauen in die Menschen, einfach alles. Blind rannte ich durch dein Schloss, hielt es nicht mehr hier aus, deine Gegenwart lastete auf mir wie ein schwarzer Schatten, der mich am Atmen hinderte. Eine Gestalt trat mir in den Weg und ich brauchte nur Millisekunden, um sie zu erkennen. Lionel Luthor, personifizierte Grausamkeit, Luzifers rechte Hand. Wir standen uns gegenüber, er lachte, wenn man seine verzerrte Grimasse ein Lachen nennen konnte. In meinem Kopf flüsterte eine kleine boshafte Stimme, ich solle ihn töten, Rache üben, doch ich konnte es nicht. Mein Zorn war verraucht, zurück blieb eine nicht wieder zu füllende Leere, Trauer und Resignation. Das Böse in dieser Welt hat immer triumphiert und wird immer triumphieren, solange es Menschen auf diesem Planeten gibt.

”Wie geht es dir, Clark?“ fragte er schadenfroh, amüsierte sich anscheinend köstlich. Ich reagierte nicht, starrte ihn einfach nur an. Warum war das Schicksal so ungerecht, dass es einen solchen Menschen leben ließ, mir aber meine Eltern nahm und den besten Freund, den ich jemals hatte?

”Wie geht es Lex?“ fragte er weiter und ich hatte das ungute Gefühl, dass er es bereits wusste. Jedoch war mir nicht ganz klar, was er mit dieser Frage bezweckte.

”Was soll das heißen?“ erwiderte ich müde. Lionel lachte. Es war das erste Mal, dass ich ihn lachen hörte und ich wünschte, ich hätte es nie gehört. Es löste Panik in mir aus und ich dachte nur noch an Flucht. Bis heute verfolgt mich sein höhnisches Gelächter in meinen Träumen.

“Warum siehst du nicht mal nach ihm?“ Keine Frage, sondern ein Befehl. Leise gesprochen, aber gerade deswegen auch extrem wirkungsvoll. Wie in Trance drehte ich mich um, machte mich auf den Weg zurück zu Lex. Ein besorgniserregendes Gefühl stieg in mir hoch, je näher ich dem Wohnzimmer kam. Ich schob es auf die Nähe von Lionel, der kaum zwei Schritte hinter mir ging. Ich spürte seine Blicke auf meinem Rücken und ich konnte auch fast bildhaft sein diabolisches Lächeln vor mir sehen. Die Tür stand noch offen. Ich betrat den Raum, Lionel dicht hinter mir.

“LEX!“

Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Eisige Kälte kroch in mir hoch, lähmte mich von Kopf bis Fuß. Lex saß im Sessel und sah mich an. Er lächelte. Ich stürmte zu ihm, alles vergessend, was ich vorher zu ihm gesagt hatte. Tränen stiegen in mir hoch, als er seine Augen schloss. Weinend brach ich neben ihm zusammen, griff nach seinen blutigen Händen, ignorierte die Glasscherben, die um ihn herum verstreut lagen.

“Er hat dich geliebt, Dummkopf,“ hörte ich die kalte Stimme Lionel Luthors hinter mir. “Er hat dich mehr geliebt als irgendeinen anderen Menschen. Das habe ich sofort gemerkt, als er mir von dir erzählte. Ich konnte es in seinen Augen sehen. Jedes Mal, wenn er dich erwähnte, haben sie vor Glück geleuchtet. Dieser Trottel. Gefühle sind etwas für Memmen. Und wie man sieht, hat es ihm nicht wirklich viel Glück gebracht, oder?“

Er sprach noch weiter, doch ich hörte ihm nicht mehr zu. Ich heulte, wie ich noch in meinem Leben geheult habe.

Umklammerte seine Arme, als wolle ich ihn damit wieder zum Leben erwecken. Aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass er tot war. Wegen mir. Ich hatte ihn getötet.

“Er war so verliebt, dass er nicht ohne dich leben wollte, du Narr. Nun ja, das muss er ja jetzt auch nicht mehr.“

Ich spürte, wie Lionel näher kam. Er hatte erreicht, was er wollte. Lex war tot, durch meine Schuld. Weil ich ihm nicht geglaubt hatte. Langsam stand ich auf, drehte mich zu ihm. Er lachte noch immer. War sich seines Sieges voll bewusst. Er hatte uns alle besiegt, Lex, meine Eltern und mich. Sein Motto “Gefühle sind etwas für Memmen“ hatte gesiegt, über die Liebe meiner Eltern, über meine Liebe zu Lex, seine Liebe zu mir. Warum ist es nur so weit gekommen? Ohne weiter darüber nachzudenken, legte ich meine mit Lex‘ Blut besudelten Hände um seinen Hals und brach ihm das Genick. Er starb, ohne mit dem Lachen aufzuhören. Menschen sind so einfach zu töten, so anfällig. Ich ließ ihn auf den Boden fallen, ein dreckiges Stück Abfall, des Lebens nicht wert. Leer, völlig erschöpft und am Boden zerstört, verließ ich das Schloss und ließ dort mit Lex mein bisheriges Leben zurück.

Es war Nacht mittlerweile, als ich an der Farm ankam. Nichts hatte sich verändert, Mum und Dad lagen immer noch im Wohnzimmer. Ich plünderte das Sparschwein und machte mich auf den Weg, weit weg von hier, denn ich zweifelte nicht, dass man mir sämtliche Morde in die Schuhe schieben würde. Ich hatte getötet, das stimmt, doch ich fühlte mich nicht schuldig. Eine gewisse Erleichterung hatte ich verspürt, als ich Lionel getötet hatte.

Kein anderer Mensch würde mehr unter ihm zu leiden haben, doch das Opfer, dass ich dafür gebracht hatte, war zu groß. Mein ganzes Leben lang würde ich mit dieser Schuld leben, für den Tod eines geliebten Menschen verantwortlich zu sein. Es gibt keinen größeren Schmerz in dieser Welt als das Gefühl von Schuld. Es war meine Schuld.


~ * ~



Es regnet noch immer, als ich Kansas hinter mir lasse. Ein letzter Blick zurück, auf die so vertrauten Maisfelder, dann laufe ich weiter, laufe vor mir selbst davon, doch eines weiß ich genau: Die Schuld wird mich auf ewig begleiten. Ich habe dich getötet, keine Zeit der Welt kann diese Wunde heilen. Es war meine Schuld.

_____________________________________________________________


Sodala, das wärs auch schon. Kritik ist natürlich wie immer erwünscht ;)

Floeckchen
Review schreiben