Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Behind the Light

SongficAllgemein / P12 / Gen
11.07.2008
11.07.2008
1
2.071
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
11.07.2008 2.071
 
A/N: Ich hoffe man merkt, dass die Hauptperson eine Toreador ist. Toreador gehören zwar nicht gerade zu meinen Lieblingsclans, aber der Clan hat einfach am besten zu dem Song gepasst. (Zumindest meiner Meinung nach^^) Ich hab das Spiel auch nie auf Deutsch gespielt und hab deshalb manche Begriffe auf Englisch gelassen, weil ich keine Ahnung hab, wie die in der deutschen Version heißen.

Disclaimer: Vampire the Masquerade Bloodlines gehört White Wolf, Troika, Aktivision und wer sonst noch alles Rechte an dem Spiel hat und „Behind the Light“ gehört L’âme Immortelle.



Behind the Light


I have a gift for you tonight
More precious than pure gold
More than these lines I write
Before it’s getting cold


Ich tat so, als würde ich an meinem Drink nippen, während ich auf ihn wartete. Jetzt war es gleich so weit, jeden Moment würde er durch die Tür kommen. Und wirklich, kaum hatte ich den Gedanken zu Ende geführt, öffnete sich die Tür des Clubs und er kam rein. Ich lächelte. Pünktlich auf die Sekunde, wie jede Nacht. Ich beobachtete ihn jetzt schon seit Wochen und er kam jeden Tag zur selben Zeit in diesen Club, bestellte sich ein paar Drinks, wurde von etlichen Frauen angebaggert, ging am Ende aber immer alleine nach Hause. Aber nicht in dieser Nacht, dafür würde ich sorgen. Heute würde ich ihn nicht nur aus dem Schatten heraus beobachten, sondern ihn endlich ansprechen. Heute Nacht würde er endlich mir gehören. Ich würde ihn aus diesem trostlosen Leben befreien, das er führte und ihm ein neues geben.


Without you I am nothing
And nothing I will be
But there is just that one thing
I want you to see

I’ll show you the world
The world behind the light
I’ll take you there
Tonight


Natürlich waren mir die Konsequenzen bewusst, die mich erwarten würden, wenn ich ihn ohne Erlaubnis zu meinem Childe machte, aber was wäre, wenn ich die Erlaubnis nicht bekam? Ich musste ihn einfach an meiner Seite haben! Sicher würde der Prinz Verständnis dafür haben, wenn ich ihm die Situation anschließend erklärte. Ich hatte mir ja sonst nie etwas zu schulden kommen lassen, also würde ein einziger kleiner Regelverstoß bestimmt nicht so schlimm sein.

Ich wurde durch ein lautes Kichern aus meinen Gedanken gerissen und ich blickte auf, um zu sehen, wie mein zukünftiges Childe von einem jungen Mädchen angebaggert wurde. Meine Augen verengten sich. Er wurde ständig angesprochen und normalerweise machte es mir nichts aus, aber heute Nacht gehörte er mir. Ich stand auf und ging auf die beiden zu. „Bist du nicht ein bisschen zu jung, um hier rein zu dürfen?“, fragte ich das Mädchen. „Was geht dich das an? Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!“, blaffte sie zurück. “Oh, das tue ich.” “Ach ja? Gehört dir etwa der Club, oder was?“ Ich lächelte betont freundlich. „Nein, aber ich kenne den Besitzer ziemlich gut und weiß, dass er es gar nicht gern hat, wenn sich Minderjährige in seinen Club einschleichen.“ Das Mädchen warf mir einen giftigen Blick zu, stand dann aber auf und verschwand unter leisem Fluchen. Ich grinste ihr triumphierend hinterher und setzte mich dann auf ihren freigewordenen Platz. Dadurch saß ich jetzt endlich neben ihm und nun gab es kein zurück mehr. Nicht dass ich einen Rückzieher machen wollte, ich hoffte nur, dass ihn meine kleine Aktion gerade nicht abgeschreckt hatte.
„Du kennst also den Besitzer?“ In seiner tiefen Stimme klang leiser Spott mit, was zeigte, dass er mir kein Wort geglaubt hatte. Ich setzte mein verführerischtes Lächeln auf und antwortete: „Nur flüchtig. Na ja, ehrlich gesagt, habe ich ihn nur einmal kurz gesehen, aber ich bezweifle, dass er mich auch gesehen hat.“ „Verstehe. Dann bist du also einer dieser Moralapostel?“ Ich unterdrückte ein Grinsen. Ein Moralapostel? Was Vampir-Standards anging vielleicht, aber unter menschlichen Aspekten war ich wohl eher das genaue Gegenteil. „Vielleicht wollte ich auch einfach nur verhindern, dass sie dir weiter auf die Nerven geht.“ Er seufzte. „So sehr mich das auch ehrt, ich versteh nicht, was ihr alle von mir wollt. Es gibt so viele andere gutaussehende Männer in diesem Club, warum könnt ihr nicht mal denen auf die Nerven gehen und mich in Ruhe lassen?“ „Du bist eben was Besonderes. Und ich weiß, dass du hier her kommst, weil du hoffst, dass du eines Abends die Person triffst, die deiner Einsamkeit ein Ende bereitet.“ Er öffnete den Mund um etwas zu erwidern, aber ich brachte ihn mit einer Geste zum Schweigen. „Nein, sag nichts, ich weiß, dass es so ist. Wenn du dich einfach nur in Ruhe betrinken wolltest, könntest du das auch zu Hause machen. Aber zu Hause bist du ganz allein, keine Frau, keine Kinder, die Familie lebt weit weg, deine Kollegen langweilen dich genauso wie dein Beruf und du wünschst dir nichts sehnlicher, als jemanden, der für dich da ist, jemanden den du lieben kannst.“ „Was?“ Er sah mich mit einer Mischung aus Überraschung, Misstrauen und einer Spur von Angst an. „Woher weißt du das alles? Hast mich ausspioniert?“ Ich musste unwillkürlich lachen. „Nein, keine Angst! Ich bin nur, genau wie du, jede Nacht hier-“ dass ich das erst war, seit ich ihn das erste mal gesehen hatte, verschwieg ich besser „-und du redest ziemlich viel, wenn du betrunken bist.“ „Ach so.“ Er grinste erleichtert und ein bisschen verlegen. „Aber es ist schon ziemlich unheimlich, wenn auf einmal eine wildfremde Frau auftaucht und einem sein eigenes Leben erzählt.“ „Tut mir leid, vielleicht hätte ich nicht so direkt sein sollen.“ Ich setzte eine entschuldigende Miene auf, obwohl es mir nicht wirklich leid tat. Ich hatte ihn durch meine Direktheit neugierig gemacht und das war genau das, was ich damit bezwecken wollte. „Schon OK. Aber habe ich das wirklich alles gesagt, wenn ich betrunken war?“ „Nicht alles. Aber dass du einsam bist, kann man in deinen Augen sehen. Außerdem geht es mir genau wie dir. Auch ich will nicht länger einsam sein. Und du bist derjenige, der meine Einsamkeit beenden kann, so wie ich deine beenden kann.“


Since that day I saw you
You walked into that room
I knew my dreams had come true
I knew you’d be my doom


Wir saßen ein paar Sekunden schweigend da und er spielte unsicher mit einem Zipfel seines roten Hemds. Anscheinend wusste er nicht, was er von meinem letzten Statement halten sollte oder was er darauf antworten sollte. Dann blickte er auf, sah mich direkt an und fragte mit leiser Stimme: „Woher weiß ich, dass du nicht auch nur auf einen One-Night-Stand aus bist? Ich kenne dich noch nicht mal. Und wie kannst du dir so sicher sein, dass du mich willst? Wahrscheinlich hättest du schon nach ein paar Wochen genug von mir. So war es bisher immer...“ Ich legte beruhigend meine Hand auf seine und er zuckte leicht zusammen, als er merkte, wie kalt meine Hände waren. „Ich kann deine Zweifel verstehen. Aber ich bin mir sicher, dass ich dich an meiner Seite möchte. Schon seit ich dich das erste Mal gesehen habe, bin ich mir dessen sicher. Und ich sage das nicht nur, um dich rumzukriegen, ich meine das ernst.“ Das meinte ich wirklich ernst. Seit ich ihn das erste Mal in diesem Club gesehen hatte, bekam ich ihn nicht mehr aus dem Kopf und je länger ich ihn beobachtet hatte, desto sicherer wusste ich, dass ich ihn als mein Childe und Geliebten wollte.


I tried so hard to make you see
That I’m the one for you
The one who is and who will be
Your love for eternity


Sicher, ich könnte ihn auch einfach zu meinem Ghoul machen und ihn dadurch zwingen mich zu lieben, aber das wollte ich nicht. Ich wollte ihn nicht einfach durch Blut an mich binden, ich wollte, dass er aus freien Stücken bei mir blieb. Und wenn das bedeutete, dass ich mir seine Liebe erst mühsam erkämpfen musste, dann war ich bereit das zu tun. Wir hatten schließlich die Ewigkeit vor uns und irgendwann würde er mich genauso lieben, wie ich ihn liebte, dessen war ich mir sicher.
Er räusperte sich und riss mich dadurch aus meinen Gedanken. „Hör mal, sei mir nicht böse, aber ich weiß wirklich nicht, was ich von dir halten soll. Ich muss zwar zugeben, dass du eine seltsame Anziehung auf mich auswirkst, aber ich kenne dich erst seit ein paar Minuten und du bist mir ehrlich gesagt auch ein bisschen unheimlich...“ Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf und es war ihm deutlich anzusehen, dass er sich alles andere als wohl in seiner Haut fühlte. Es war wirklich immer wieder erstaunlich, wie viel die Menschen durch kleine Gesten und ihre Körperhaltung unbewusst von sich preisgaben. Er fühlte sich von mir angezogen, daran gab es keinen Zweifel und er wünschte sich, meinen Worten Glauben schenken zu können, aber sein Verstand sagte ihm, dass er sich besser vor mir in Acht nehmen sollte, gerade weil er mich nicht kannte und es nun wirklich nicht oft vor kommt, dass eine fremde Person auf einen zukommt, einem ewige Liebe schwört und das dann auch noch ernst meint. Ich konnte also gut verstehen, warum er immer noch Zweifel hatte. Aber damit hatte ich gerechnet. Ich hatte ihn schließlich nicht umsonst wochenlang beobachtet.
„Warum gibst du mir nicht eine Chance? Wir lernen uns erst mal ein bisschen kennen und falls du dann entscheiden solltest, dass ich doch nicht die richtige für dich bin und ich aus deinem Leben verschwinden soll, dann werde ich das tun.“ Dieses Versprechen konnte ich ruhig geben, da ich genau wusste, dass ich es niemals einlösen musste. Sein Herz hatte sich schon längst für mich entschieden, ich hatte nur noch ein Argument gebraucht um seinen Verstand zu überzeugen. Und das war mir anscheinend gelungen, denn nach einem kurzen Zögern sagte er: „OK, lernen wir uns erst mal besser kennen.“


We’re meant to be together
I know that you agree


Alles war nach Plan verlaufen. Wir hatten uns erst noch eine Weile unterhalten und waren dann zu meinem derzeitigen Haven gefahren. Dort hatte ich ihm meinen unsterblichen Kuss gegeben und nun wartete ich darauf, dass er aufwachte. Ich saß gegenüber von dem Bett, auf dem er lag und beobachtete seinen bewusstlosen Körper. Jeden Moment würde er die Augen aufschlagen und dann waren wir für immer vereint. Endlich war er mein Childe. Ich hatte so lange auf diesen Moment gewartet. Sein Körper auf dem Bett begann sich langsam zu bewegen. Er betastete vorsichtig seinen Hals, dort wo ich ihn gebissen hatte und setzte sich dann auf. Unsere Blicke trafen sich und ich lächelte ihn aufmunternd an. Nichts würde uns jetzt noch trennen können.
Plötzlich erstarrte ich. Da war jemand im Haus. Andere Vampire, ihrer Aura nach zu urteilen. Wie konnte das sein, wie hatten sie uns so schnell gefunden? Woher wussten sie überhaupt davon? Jedenfalls mussten wir so schnell wie möglich hier weg! Doch bevor ich auch nur von dem Sessel aufspringen konnte, auf dem ich saß, wurde die Tür aufgestoßen und dann versank alles in Dunkelheit.

Wo war ich? Ich schien auf dem Boden zu knien und jemand hielt mich im Nacken fest. Außerdem hörte ich ein leises Stimmengemurmel und jemand hielt eine Rede. Nach ein paar Sekunden erkannte ich, dass es die Stimme des Prinzen war. Ich öffnete die Augen und erstarrte, als ich erkannte, wo ich war und was es bedeutete. Aber das konnte nicht sein! Der Prinz würde mich doch nie hinrichten lassen, ohne mich vorher anzuhören, oder? Ich versuchte den Kopf zu drehen, um den Prinzen anzusehen und seine Aufmerksamkeit zu bekommen, aber der Griff in meinem Nacken verstärkte sich und zwang meinen Kopf wieder nach vorne. Ich schaffte es aber trotzdem aus den Augenwinkeln einen Blick auf mein Childe zu erhaschen und sah dass er neben mir kniete. Sie würden ihn also auch hinrichten. Ich spürte Verzweiflung in mir aufsteigen, ein Gefühl, dass ich nicht mehr gefühlt hatte, seit ich zum Vampir geworden war. Es konnte doch nicht so enden! Plötzlich hörte ich die Stimme des Prinzen direkt neben mir. „Vergib mir.“ Ich versuchte noch einmal, mich loszureisen, ich musste mit ihm sprechen, ihm alles erklären, doch dann hörte ich, wie er dem Sheriff den Befehl gab, das Urteil zu vollstrecken und ich wusste, dass es zu spät war. Ich würde sterben und mein Childe mit mir.
Zumindest im Tod sind wir vereint.


I’m dying here tonight
And I’ll take you with me
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast