Die Ehre der Dunkelelfen: Vergangenheit und Zukunft (Buch I: Die Reise beginnt)

von Robidu
GeschichteAbenteuer, Krimi / P12
Fyodor Liriel Baenre OC (Own Character)
26.06.2008
03.10.2019
20
70515
1
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Hinweis: Diese Fanfiction kann Spuren von Neverwinter Nights 2: Mask of the Betrayer enthalten.

WARNUNG: Enthält SPOILER zu "Daughter of the Drow" und "Tangled Webs"!

10.000 Jahre vor Beginn der Zeitrechnung: Ein schwerwiegender Fehler

Kael'lyn war entsetzt. Was hatte diese Stimme eben gesagt?
Für Eure Sünden gegenüber dem elfischen Volk sollt ihr verflucht sein! Nie wieder werdet ihr unter der Sonne, von der ihr euch abgewendet habt, wandeln können. Auch sollt ihr bis in alle Ewigkeit für diese Freveltat gebrandmarkt sein. Hinfort mit Euch, dhaeraow, in die tiefsten Tiefen der Welt!
Entgeistert schaute die Ilythiiri sich um, und ähnlich wie sie empfanden auch zahlreiche andere der dunkelhäutigen Elfen um sie herum.
Freveltat gegenüber dem elfischen Volk, dachte sie entgeistert. Welche Freveltat denn?
Beschwörend erhob sie die Arme, um sich an die Wesenheit, die die unheilvolle Botschaft überbracht hatte – es war niemand anderes als der Schöpfer der Elfen, Corellon Larethian, zu wenden, doch plötzlich durchzuckte Kael'lyn ein heftiger Schmerz, fast so, als wollte sie jeden Augenblick bersten. Im nächsten Augenblick wurde ihr schwarz vor Augen.

Als Kael'lyn erwachte, war es schon dunkel. Verwundert schaute sie sich um, und der Anblick, der sich ihr bot, füllte sie mit Entsetzen. Rings um sie herum lagen zahlreiche Elfen – Ilythiiri, wie sie annahm – und regten sich nicht. Zudem fielen ihr einige Veränderungen an diesen auf, die vorher definitiv nicht dagewesen waren.
War ihre Haut vorher zwar vergleichsweise dunkel und bei einem Menschen eher als südländisch zu bezeichnen, so waren die Körper der Übrigen jetzt ebenholzfarben, und auch deren Haare hatten sich verändert. Statt hellbraunen oder blonden Farbtönen konnte man hier nur noch Weiß erkennen.
Der Magierin wurde bei dem Anblick ganz flau im Magen, und sie schaute an sich herunter – und obwohl sie damit schon gerechnet hatte, erschrak sie dennoch. Ihr ganzer Körper war genauso schwarz wie bei den anderen Elfen auch!
Was zum..., dachte sie noch und griff unwillkürlich nach ihrem Symbol, doch es war fort. Offensichtlich hatte Corellon Larethian ihr sein Vertrauen entzogen.
Wieder sah Kael'lyn sich um und konnte das Geschehene immer noch nicht fassen. Mit welcher Begründung hatten sie dies verdient?
Sie hatten eigentlich vorgehabt, in diesem unsäglichen Krieg zu schlichten, doch waren sie unvermittelt zwischen die Fronten geraten, als Truppen der Ilythiiri im Schutze einer sich zusammenbrauenden Dunkelheit auf die Verbände der übrigen Elfen stießen. Um dabei nicht selbst mit abgeschlachtet zu werden, waren sie gezwungen gewesen, sich zu verteidigen, auch wenn sie dabei ihre Waffen gegen ihre Brüder erheben mußten, wenngleich sie dies gar nicht gewollt hatten, und es hatte sehr schlecht um die Truppen der Elfen gestanden.
Doch dann mußten die Götter höchstselbst interveniert haben, jedenfalls verflog die Finsternis schneller als sie aufgetaucht war, und die Angreifer zogen es vor, sich in die Dunkelheit zurückzuziehen. Einen Moment später konnte sie diese mächtige Stimme in ihrem Kopf vernehmen, und dann setzte Kael'lyns Erinnerung aus.
Doch wußte sie immer noch nicht, von welchem Frevel hier die Rede war. Immer wieder stellte sie diese Frage im Gebet, doch eine Antwort blieb, wie schon zuvor, aus.
Die Magierin fühlte sich, als bildete sich ein Kloß in ihrem Hals, und Tränen rannen ihre Wangen herunter.
Was auch immer hier geschehen war, Kael'lyn fühlte sich zutiefst enttäuscht und verraten.
Währenddessen kamen auch die anderen Elfen wieder zu sich und schauten sich zunächst verwirrt, dann jedoch zunehmend geschockt, um, allerdings hatte Kael'lyn sich zwischenzeitlich soweit gefaßt, daß ihr noch einige weitere Veränderungen auffielen.
Gerade eben ging Selûne auf, und die Mondsichel warf ihr weniges Licht auf die Szenerie, jedoch erschien es der Magierin fast so, als wäre es kurz vor Sonnenaufgang.
Verwirrt schaute sie zum Himmel und erkannte, daß noch etwa zwei Stunden bis zum Einsetzen der Morgendämmerung zu verstreichen hatten, und sie überkam ein schlimmer Verdacht: Anscheinend war ihre Sicht so empfindlich, daß das Tageslicht sie unweigerlich blendete und im Extremfall erblinden lassen konnte. Also mußten sie hier schnell einige Vorkehrungen treffen.
„Hört mir bitte alle zu,“ begann sie, und die anderen drehten sich zu ihr herum.
„Wie ihr mit Sicherheit erkannt haben werdet, hat man uns verändert. Ich fürchte, daß wir in wenigen Stunden nicht mehr hier draußen bleiben können, ohne geblendet zu werden,“ erklärte sie das Problem, „daher schlage ich vor, daß wir zunächst einmal irgendwo Unterschlupf suchen, bis es wieder Nacht wird.“
Einer der anderen überlegte kurz. „Wenn ich diese Gegend hier richtig im Kopf habe, gibt es hier eine nahegelegene Höhle, in der können wir uns verstecken. Wir können sie noch vor Tagesbeginn erreichen.“
„Einverstanden,“ entgegnete Kael'lyn, „gehen wir. Vom langen Herumstehen wird die Situation auch nicht besser.“
Gemeinsam brachen sie zu der benannten Höhle auf, die sie mit dem Einsetzen der Morgendämmerung erreichten. Unterwegs hatten einige der Elfen noch Beeren, Pilze und anderes Eßbares gesammelt, und auch drei Kaninchen konnten sie fangen. So brauchten sie wenigstens nicht zu hungern.
Darüber hinaus, und sehr zur Freude der versammelten Elfen, floß ein kleines Rinnsal durch die Höhle, so daß sie sich mehr als ausreichend mit Wasser versorgen konnten, und so warteten sie ab.
Es wurde zusehends heller draußen, und irgendwann wurde das Licht so unangenehm grell, daß sie sich vom Höhleneingang zurückziehen mußten.
So wollen sie also verhindern, daß wir jemals an die Oberfläche zurückkehren, schoß es Kael'lyn durch den Kopf.
Und auch eine zweite Erkenntnis kam ihr währenddessen: Anscheinend beruhte der Frevel, von dem die Rede gewesen war, wohl darin, daß sich einige Elfen in ihrem Streben nach Macht mit finsteren Mächten zusammengetan hatten, und dies war offenbar die Quittung dafür.
Bei diesen Gedanken wurde Kael'lyn zornig. Erstens empfand sie es als höchst ungerecht, daß offenbar alle Ilythiiri einfach so ohne genauer hinzusehen über einen Kamm geschoren wurden, und zweitens gab es unter den hellhäutigen Elfen mit Sicherheit auch genügend schwarze Schafe, die die Gunst der Stunde genutzt hatten, jedoch bezweifelte sie, daß man sich in dem Zuge dieser Widerlinge angenommen hatte. Man hatte ja eine Zielgruppe, die man für diese Misere verantwortlich machen konnte. Wozu also noch weiter suchen?
Verbittert lachte die Magierin einmal kurz auf.
Nun denn, dachte sie, wenn Ihr das so wollt, Herr von und zu, dann soll es wohl so sein. Das wird aber nicht das Letzte sein, was Ihr von uns gehört oder gesehen habt!
Sie würden sich sehr wohl in die Tiefen der Welt zurückziehen, doch nicht auf Dauer. Eines fernen Tages, so schwor sie, sollten ihre Nachfahren wieder unter der Sonne wandeln können, und dann wäre es an der Zeit, diese Fehlentscheidung revidieren zu lassen!
Doch in ihrer momentanen Situation konnten sie nicht viel unternehmen. Mit Sicherheit beäugten die Götter das Treiben mit sehr viel Argwohn, und sie mußten sich nicht noch mehr göttlichen Zorn zuziehen als ohnehin schon.

Irgendwann ließ das Licht wieder nach, und so wagten sich die dunklen Elfen wieder aus ihrer Höhle hinaus.
Unter der blendenden Sonne konnten sie nicht bleiben, soviel war sicher. Jedoch wollten sie ihr Hab und Gut auch nicht den Anderen einfach so überlassen, und so suchten sie ihre alte Siedlung auf, um sich auszurüsten.
Kael'lyn begab sich in ihren Turm und packte alle ihre Zauberbücher sowie diverse Gerätschaften, die sie als Magierin benötigte, zusammen und ging wieder zu den anderen ins Freie.
Bedächtig schaute sie in die Runde, und alle schienen ihre Gedanken zu erahnen, jedenfalls nickten alle geschlossen.
Dann drehte sich die Magierin um, und als sie einen Feuerball in Richtung eines der größeren Gebäude schleuderte, rann eine einzelne Träne ihre Wange hinunter.

Wieder zurück in der Höhle, in der sie den vorigen Tag abgewartete hatten, begann Kael'lyn erneut zu beten. Doch diesmal war ihr Ziel nicht eine der elfischen Gottheiten, die – so nahm sie an – ohnehin nicht zuhörten, sondern gingen in eine ganz andere Richtung.
Zuerst war die Magierin alleine, doch dann schlossen sich immer mehr Dunkelelfen ihrem Gebet an.
Der Ruf nach Gerechtigkeit wurde immer lauter – und dieser Ruf wurde erhört...