Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Konfrontation

von Luca
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
17.06.2008
05.11.2008
2
5.753
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
17.06.2008 2.707
 
„Oh Herr, hör gnädig mein Gebet..“
Das war es, was noch zu hören war, was der Gottesdiener seinem Herrn weiter mitteilte, wurde in lautlose Worte gekleidet, nur für Gott selber bestimmt.

De La Roque kniete vor dem Altar der Kathedrale.
Das mächtige Gotteshaus war, bis auf ihn, leer, doch er fühlte sich nicht allein. Es war still und dennoch hörte er.
Sein Atem klang laut in den eigenen Ohren, hin und wieder vermeinte er, eine Gestalt zu erspähen, die zwischen den Säulen verschwand, die das Kuppeldach der Kirche trugen.
Und doch.. es konnte niemand hier sein, er selbst hatte alle Besucher hinausbefohlen, einschließlich der Domwächter.
Man war seinen Befehl zügig nachgekommen, so zügig, wie er es gewohnt war. Bevor sich die wuchtigen Flügel des Kirchenportals schlossen, hatte er angewiesen niemanden hineinzulassen, eine Order, die Jaques mit knappen Nicken quittierte. Der Mann würde dafür sorgen, dass seine Eminenz ungestört blieb.

Er war zwischen den Bankreihen nach vorn geschritten, die Gewänder aus Satin und Seide hatten leise geraschelt. Von ihm selber unbemerkt hatte sich seine Rechte gehoben und in gewohnter Manier das protzige, goldene Kreuz auf seiner Brust zurechtgeschoben. Der Blick des Kardinals hatte sich auf das wuchtige Kreuz geheftet, das über dem Altar von einem schwarzen Balken herabhing. Er blinzelte nicht einmal, bis er davor stehen blieb um dann erst demütig das Haupt zu senken und sich langsam auf der Stufe, die zum Altarbereich hinaufführte, auf die Knie sinken zu lassen.
„Oh Herr..“
Er hatte die Handflächen auf Brusthöhe aneinandergelegt und würde sie anstarren, wären die braunen Augen de La Roques geöffnet. Doch wie immer waren die Lider geschlossen, wenn er zu Gott sprach, ihn um Weisung und Hilfe anflehte.
Das grausilberne, schulterlange Haar bewegte sich sacht, irgendwo drang der kühle Wind ein und zog durch das Kirchenschiff, dazu tropfte es irgendwo..

Und zudem.. Herr im Himmel, hier musste doch noch jemand sein. Waren da nicht Schritte? Er schrak auf, aus seinen Gedanken gerissen, hob den Kopf und ließ den Blick kurz durch den von Kerzenleuchtern erhellten Beeich schweifen. Nichts. Niemand..
Kopfschüttelnd sank er zurück und konzentrierte sich wieder auf sein Gebet. Immerhin gab es viel zu sagen, zu erläutern… und nicht alles fiel ihm leicht. Er hatte Verfehlungen zu gestehen, offen zu legen, dass auch ihm Fehler unterliefen, Fehler, die es auszumerzen galt.

Der Plan, den der Herr ihm offenbart und so verlangt hatte, dass er ihn gehorsam ausführte, war umfangreich und nicht leicht zu durchschauen.
Aber soviel war leicht zu verstehen: dem Allmächtigen waren diejenigen ein Dorn im Auge, die seine Lehren auf ihre eigene, allzu menschliche Art auslegten, sich auf der Basis der Heiligen Schrift eine eigene Religion schufen, die zu nichts Anderem nütze war als den Herrn zu schmähen und zu leugnen.
Diese Häretiker, die ihre blasphemischen Lehren verbreiteten, gehörten von Erdboden gebannt – und sofern sich eine Möglichkeit ergab, ließ er gefangene Hugenotten qualvoll verbrennen.. auch wenn diese vorher ihren Irrlehren abschworen.
Doch nun ging es um Größeres.
Nicht um einzelne Leute, nein, um befestigte Städte, um die wehrhaften Bastionen der Ketzer an den Küsten. Es galt, England in einen Krieg zu zwingen um es mit der Unterstützung Spaniens und Schwedens zu vernichten. Damit würde auch den Ketzern der Boden entzogen und sie ließen sich sicherlich weit leichter unter Kontrolle bringen.
Solange sie England hinter sich wussten waren sie dreist, frech.. und unverschämt.
Doch nicht mehr lange und er sähe sich seinem – und Gottes – Ziel nahe.

Dennoch… etwas nagte an ihm, zerrte mit aller Gewalt an seinem Innern.. ganz so, als wolle diese „Etwas“ nicht, das er umsetzte, was ihm Gott befahl.
Dieses Etwas teilte mit penetrant mit, dass es seine Pläne und nicht die des Herrn waren, die er verfolgte, eine leise Stimme im Hinterkopf nannte ihn Lügner, wortbrüchig und Betrüger.. und wie immer dauerte es einige Zeit, bis er sich soweit zusammenreißen konnte um dieser quälenden Stimme den Mund zu verbieten.
Für Gott, nicht für sich, nur für den Allmächtigen...!
Für niemanden sonst nahm er auf sich, was er tat, für niemanden sonst ging er so rücksichtslos und kaltherzig vor.
Er wusste, dass man ihn für unnachgiebig und berechnend hielt, ihm ein Herz aus Stein nachsagte.. diese Narren, sie verstanden doch so wenig von alldem, vermochten nicht zu ermessen, welches Unheil die Ketzer anrichten konnten, wurden sie losgelassen… und waren auch nicht in der Lage nachzuvollziehen, wie sehr er den Herrn bat, diesen Kelch an ihm vorübergehen zu lassen.
Aussichtslos, das war ihm klar.

Er hatte sich das Amt des Kardinals erarbeitet, als einer der Berater seiner Heiligkeit höchstselbst, zudem diente er dem König als erster Minister.. und stand dem jungen Monarchen mit Rat und tat zur Seite, wenn es um die Geschicke des Landes ging.
Zum seinem Glück war der junge Herrscher offen für seine weisen Worte, nahm an, was er ihm empfahl und machte es so leichter.. machte es ihm leichter… die Fäden des Landes zu führen.
Oh ja, de La Roque gestaltete das Land nach seinen Vorstellungen, setzte Erlasse durch und verfasst Gesetzte, die der Monarch ohne Weinwände absegnete.. und zog so die Schlinge um den Hals der Hugenotten enger. Nicht abrupt, sondern geduldig Stück um Stück, er sah zu, wie die Beute in der Umklammerung der Würgeschlange immer schlechter Luft bekam und verzweifelt um ihr Überleben kämpfte.. nur um am Ende zu verlieren, dessen war er gewiss.
Es würde nicht mehr lange dauern…
Er hatte ihnen Unterstützung und Hilfe abgeschnitten durch geschickt eingefädelte Bündnisse mit Spanien und Holland, nur blieb nur noch zu erreichen, dass die Ketzer auch von Seeseite keine Hilfe mehr erhielten. Zu diesem Zwecke sandten Spanien, Holland und Schweden Kriegsschiffe vor die Küsten Frankreichs – wenn die Engländer wollten, sollten sie sich den Weg nach La Rochelle erkämpfen… dann hätte er seinen Grund für einen Gegenschlag.
Bei Gott, er würde auf ganzer Linie triumphieren!

Seine eigenen Truppen kesselten La Rochelle bereits ein, nicht wirklich auffällig, eher „verirrte“ Militärverbände, die es zufällig in Richtung der Stadt zu treiben schien.
Doch eine jede Truppe hatte ihr Aufgabe.. und sobald sich abzeichnete, dass er zum entscheidenden Schlag ausholen konnte, stünde eine Armee vor den Toren der Küstenstadt, ausgerüstet mit Belagerungsgerät und ausreichend Vorräten, um eine Blockade durchhalten zu können.

So betrachtet, eine durchaus zufriedenstellende Bilanz.
Und doch… es gab da eine Sache, die er gerne ungeschehen machen würde. An sich eine der selbstverständlichsten Sachen der Welt – außer für einen Priester.  
In seiner Position stand er stets im Auge der Öffentlichkeit, ein jeder Fauxpas, den er sich leistete, wurde breitgetreten und erheiterte die Gemüter des einfachen Volkes über Tage hinweg.
Bisher wusste niemand davon, nur er und.. sie. Und sie wusste mit Sicherheit auch, dass sie so alle Mittel in der Hand hatte ihm das Genick zu brechen, wenn sie denn wollte.
Und genau das gefiel ihm nicht.
Sie sagte, sie würde ihr Geheimnis hüten.
Wie lange würde es dauern, bis die richtige Summe fließen würde?
Sie sagte, er sei der Mittelpunkt ihres Lebens.
Wie viele Becher Wein brauchte es um sie eines Besseren zu belehren?
Sie sagte, er wäre der einzige, der ihre Lippen öffnen könnte.
Wie lange würden die Folterknechte dafür benötigen?  

Eindeutig zu viele Unsicherheiten, die dieses eine Mal Wortbrüchigkeit gegenüber seinem Gelöbnis mit sich brachte. Vor allem zu viele Unsicherheiten, als dass er es riskieren konnte, diese nicht einzugrenzen.. auf ein absolutes Minimum.
Am einfachsten war es, einen seiner Leute damit zu beauftragen, dieses.. Problem aus der Welt zu schaffen. Eine andere Option wäre, das Mädchen in der Bastille zu inhaftieren. Selbige verließ nur ein Bruchteil der Gefangenen wieder und wenn, dann als gebrochene Leute, gebrandmarkt, ausgestoßen von der Gesellschaft… aber ungünstigerweise nicht stumm.

Aber wie das dem Herr nun beichten? Wie die Absichten erklären, die er hatte? Immerhin, das war ihm klar, erwog er das Mädchen töten zu lassen. Ließ sich das als Ergebenheit und Reue erklären, die er Gott entgegenbrachte? Heiligte der Zweck nicht die Mittel..?

Er hob den Kopf.
Wieder war es still um ihn geworden, wieder war es ihm gelungen, die leise Stimme zumindest teilweise zu Verstummen zu bringen.
Er hob die Hände und barg das Gesicht in den Händen. Niemand, wirklich niemand ahnte etwas von seinen Ängsten und Selbstzweifeln. Das waren Dinge, die er auf dem Parkett der hohen Politik nur zu gut zu verbergen wusste.
Wenn er darüber nachdachte, kannte niemand den Mensch, der sich hinter dem Kardinal verbarg und der geduldig, aber bestrebt die selbstgesetzten Ziele verfolgte. Vielleicht… war das auch gut so.

„Du und ich zusammen..
Amen.“
Das waren seine letzten Worte an den allmächtigen Vater. Er spürte stechenden Schmerz in den Kniegelenkten, als er sich erhob und kurz schwankte – und doch hatte er beabsichtigt in der unbequemen Position ausgeharrt.
Unsicher fand er sein Gleichgewicht wieder und verneigte sich dann noch einmal vor dem herabhängenden Kreuz, bevor er sich umwandte und langsam auf das Portal zuschritt…
Laut hallten seine Absätze auf den steinernen Platten des Boden. Kunstvolle Mosaike waren ausgelegt worden, wechselten sich ab mit schlichten, massiven Steinfliesen, die jede gut einen halben Schritt maßen.

Doch der Nachhall seiner Schritte war verzerrt… als suche jemand seinen Schritt nachzuahmen um nicht aufzufallen. Er ging langsamer.. das Geräusch passte sich seinem Schritt an. Er lief wieder schneller – und das Gleiche geschah. Abrupt bleib er stehen… und dieses Mal hörte er den letzten verhallenden Schritt des Unsichtbaren sehr deutlich… den Bruchteil eines Lidschlags nach seiner letzten Bewegung verharrte der andere.
De La Roque sah sich um, die Augen dabei verengend, mit wachen Blicken das schummrige Licht zu durchdringen suchend.
„Wer da?“
Seine Stimme klang schneidend, befehlsgewohnt. Und doch jagte ihm nun ein eisiger Schauer über den Rücken, als ihm ein heiseres Kichern antwortete, ein Kichern, dem er nicht einmal entnehmen konnte, ob er es mit Mann oder Frau zu tun hatte.
Das wurde ihm vorerst auch nicht klar, denn außer diesem Kichern kam nichts weiter.
Gute zwnzig Schritt trennten ihn noch von dem Portal, der Tür nach draußen. Allerdings würden seine Wachen seinen Ruf nicht hören, die Doppelflügel waren aus dickem Eichenholz gefertigt und schluckten, ebenso wie die steinernen Mauern, jeden Laut.
Langsam drehte sich der Kardinal um die eigene Achse. Natürlich, er hatte die Möglichkeit auf die Tür zuzuhechten wie ein Fliehender.. aber wovor flüchtete er dann? Kurz hob er die Brauen – er war niemand, der sich so schnell schrecken ließ.
„Wer seid Ihr?“, fragte er erneut, bemüht, den entschlossenen Klang seiner Worte noch deutlicher hervorzuheben. „Ich habe angeordnet, dass niemand die Kathedrale während meines Gebets betritt – Ihr setzt Euch über meine Befehle hinweg?“
„Nicht nur über die Euren“, kicherte es weiter.. und dieses Mal ließ sich kurz ein Schemen zwischen zwei Säulen ausmachen. „Wenn Ihr wüsstet, was Euer Leben hier und jetzt wert ist… nichts..“ Das letzte Wort wurde zu einem Zischen, während die Gestalt sich weiterbewegte, ohne nun aber dabei Geräusche zu verursachen.
Plötzlich wehte Wind in der Kirchenhalle, bauschte die Gewänder des Gottesdieners, blähte ihn auf.. seine Mozetta wehte auf und schlug ihm ins Gesicht.
Mehr irritiert als erschrocken wich er einen Schritt zurück, schob den an sich doch schweren Stoff wieder zurecht und richtete das Kreuz auf der Brust.
Dann hob er den Blick wieder – und prallte nun doch zurück.
Das hatte leider zur Folge, dass er ins Straucheln geriet, zu dicht stand er schon an den Bänken der Kathedrale, als dass er  nicht hätte dagegen stoßen können. So blieb er mit dem Fuß an einer Bank hängen und landete durch den eigenen Schwung des Zurückweichens unsanft auf derselben.
Wieder erklang das schrille Kichern, dieses Mal aber direkt vor ihm. Er hatte keine Ahnung, wie die in eine dunkle Kutte gekleidete Gestalt die Distanz so schnell und leise hatte überwinden können – und doch hatte sie vor ihm gestanden, als er den Kopf wieder gehoben hatte. Und auch jetzt folgte die Gestalt ihm, trat heran und beugte sich über ihn.
Übelriechender Atem schlug ihm ins Gesicht und er versuchte abzublocken, als die Gestalt eine knorrige Hand nach ihm ausstreckte. Die Hand war grau und die Haut schien wie altes Pergament, welches sich über knorrigen Gelenken spannte… und es war das einzige, was von der Gestalt zu erkennen war, alles andere verdeckte die Kutte mit der großen Kapuze.
Aber.. sah er darunter nicht zwei Punkte rot leuchten?
Gebannt starrte er in das dunkel unter der Kapuze, kurzzeitig sogar davon absehend, die Hand
Wegzuschlagen, die nach ihn griff. Aber die eiskalte Berührung derselben brachte ihn sofort zurück ins Hier und Jetzt. Ein Zittern durchfuhr ihn und ihm war nach Aufbäumen.. und doch hatte de La Roque sich soweit in der Gewalt, dass er nur scharf die Luft durch die Zähne stieß und die Hand packte um sie wegzuschieben.
Das hatte er vor. Zu seinem Entsetzen musste er bemerken, dass die Gestalt, die nun wieder schrill kicherte und auch die zweite Hand nach ihm ausstreckte, weit stärker war, als er es der Größe und dem schmächtigen Körper unter der Kutte zuschreiben würde.
„Wehr dich nicht“, kam es gehässig unter der Kapuze heraus, „ich bin dein Verderben.. ich bringe dir, was du so vielen Menschen brachtest.. Wehr dich nicht, es ist nur gerecht…“

Nichts war zu hören, es war still, das einzige, was erklang, waren seine eigenen, scharfen Atemzüge, während er versuchte sich gegen den Griff der Gestalt zu wehren. Er befand sich in einer äußerst ungeschickten Position, rücklings auf der Bank liegend, die Gestalt über sich.
Und er hatte Angst. Der große Kardinal, oft genug Zünglein an der Waage, wenn es um Tod oder Leben Anderer ging, hatte banal Angst.. Angst vor etwas, dass er nicht kannte, dass ihm überlegen zu sein schien. Der Mann, der am Hofe ein und aus ging, Gesetze verabschiedete, intrigierte und Oder gab zu töten, dieser Mann sah sich mit einer ihm unbekannten Situation konfrontiert:
Allein mit einem Gegner – er war durchaus gewillt, den Kuttenträger als solchen zu sehen – den er nicht kannte.. und der wohl noch einige unangenehme Überraschungen mehr auf Lager hatte als die unheimliche Kraft… die grade dazu beitrug, dass er seine Arme niedergedrückt fühlte ohne etwas dagegen tun zu können.
Je mehr er nachgeben musste, desto näher kam ihm das Gesicht der Gestalt, verborgen unter der Kapuze, doch mit den rotleuchtenden Punkten, dort, wo die Augen sein sollten.

„Ich bin dein Tod, Kardinal...“, wisperte es – und dieses Wispern unterschied sich unerfreulicherweise kaum von dem schrillen Kichern zu Beginn.
„Ich bin die Rache derer, die durch deinen Befehl starben, derer, die du verraten und verfolgt hast.. derer, die glaubten und deren Glaube enttäuscht wurde…“
Der übelriechende Atem raubte dem Gottesdiener schier das Bewusstsein.
„Verschwinde!!“
Die eigene Stimme gellte ihm panisch klingend in den Ohren, Ausdruck der bisher mühsam zurückgehaltenen Angst, die nun durchbrach.
Wieder kicherte es schrill und gehässig, wieder hörte er die Worte „Ich bin dein Tod“.. dann war es vorbei.
Von jetzt auf gleich ließ der Druck auf seine Arme nach, gleichzeitig war ihm, als pralle etwas Körperloses auf ihn und eisige Kälte fuhr ihm in die Glieder. Ihm war, als habe er Stunden in winterlicher Kälte verbracht ohne angemessen gekleidet zu sein.
Doch die Gestalt war fort, lediglich grauer Nebel waberte über ihm.. beziehungsweise dort, wo eben noch der Kuttenträger gestanden hatte.

Ruckartig richtete de La Roque sich auf – und war gleich darauf froh, dass er saß, als ihn kräftig schwindelte. Nun eher bedächtig stand er auf und konnte doch nicht verhindern, dass seine Schritte wieder schneller wurden, als er auf das Portal zueilte. Atemlos öffnete er es soweit, dass er sich hindurchschieben konnte.. und fand sich den verwirten Blicken seiner Leute ausgesetzt.
Natürlich, sie hatten nichts mitbekommen von dem, was eben noch im Innern geschehen war.
Sie sahen nur ihren Herrn, dem von der sonstigen Ruhe und Gelassenheit nichts anzusehen war und der sich eher mühevoll auf den Beinen zu halten schien.
„Zum Palais“, ordnete der Kardinal mit heiserer Stimme an und die Gardisten beeilten sich der Order nachzukommen.
Erst als de La Roque in der Kutsche saß und die Distanz zur Kathedrale größer und größer wurde, schien er sich wieder zu fangen. Mit geschlossenen Augen lauschte er dem ruhier werdenden Atem…

… ein Phase der Ruhe, die er sich nicht gegönnt hätte, wäre ihm der graue Nebel aufgefallen, der grade aus dem Gotteshaus waberte und sich auf unheimliche Art zielgerichtet in die Richtung zu bewegen schien, in die die Karosse des Kardinals rollte…
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast