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(Un-) Glückstränen

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Jonathan Palmer Richard Rokeby
17.06.2008
17.06.2008
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(Un-) Glückstränen



Zufrieden steuerte Richard die Studierstube des vierten Jahrgangs an. Äußerlich sah er selbstbewusst, beherrscht und stolz aus, doch innerlich war er mehr als aufgeregt, endlich bei Jonathan zu sein. Seinem dunklen Engel, den er heute kaum zu Gesicht bekommen hatte.

Nach einem kurzen Anklopfen, öffnete er die Stube und trat ein. Selbst wenn eine Verweigerung gekommen wäre, hätte Richard dies nicht aufgehalten, dem anderen Jungen näher zu kommen. Schließlich gehörte der Jüngere ihm und deshalb hatte er jedes Recht auf seinen dunklen Engel.

Allerdings musste Richard feststellen, dass das Zimmer leer war. Seine Stirn zog sich vor Wut zusammen, während sich sein Herz verkrampfte. Seine Freude schwand dahin und stattdessen kam Sorge um den anderen Jungen in ihm hoch. Wo war Jonathan abgeblieben und wieso war er nicht hier? Richard mochte es gar nicht, wenn sein Engel ihm wiedersprach.

Schließlich hatte er soviel für ihn getan, damit er bei ihm blieb. Damit er ihm ganz gehörte. Er hatte Weasley und seine Kumpanen aus dem Weg geräumt, er hatte dafür gesorgt, dass er sich vor Ackerley nicht mehr ängstigen musste. Und nun stand er hier alleine in Jonathans Studierstube.

„ Jon “, flüsterte Richard drohend. Dann drehte er sich auf dem Absatz um, mit dem Ziel den braunhaarigen Jungen zu suchen, der vor langem sein Herz gestohlen hatte.



„ Es ist schön, dass du hier bist “, kommentierte Jonathan und ein gelöstes Lächeln lag auf seinen Lippen.

Gemeinsam mit dem anderen Mann, ging er etwas abseits im Wald spazieren. Genoss die sonst eher seltene Anwesenheit dieses Mannes, zumal er ihn über ein Jahr nicht mehr gesehen hatte. Daher war er auch überrascht gewesen, als er an seiner Tür geklopft hatte und ihn zu einem Spaziergang überredete.

„ Ja, ich freue mich auch, dich endlich wieder zu sehen, Jon “, erwiderte Mr. Palmer mit einem milden Lächeln. Es war wirklich zu lange her, dass er seinen Sohn gesehen hatte. Er war in der letzten Zeit noch ein bisschen gewachsen und dass Lächeln hatte er eindeutig von seiner Mutter. „ Wenn ich früher gekonnt hätte, wäre ich eher vorbeigekommen. “

„ Ist schon gut Dad, die Hauptsache ist doch, dass du vorbeigekommen bist “, beschwichtigte ihn Jonathan und konnte sich ein zufriedenes Lächeln nicht zurückhalten.

„ Ja wenn man es so sieht, aber ich war zu nachlässig, verzeih. Das nächste Mal werde ich früher bei dir vorbeischauen oder du kommst nach London. Ich würde dir gern unser Historisches Museum mit seiner altertümlichen Ausstellung zeigen, wo Geschichte richtig auflebt. “

„ Wirklich? “ Jonathans Augen leuchteten, bei dem Gedanken nach England zu fahren. Allein um bei seinem Vater zu sein wäre schon toll, dann aber noch zu hören, dass es ein Museum für Altertümliche Geschichte hatte, brachte sein Herz vollkommen in Wallung.

„ Wü… würdest du mir das wirklich mal zeigen? “ fragte Jonathan nach, während er alles um ihn herum vergaß.

„ Klar mein Junge, du weißt doch, ich würde für dich alles tun. “

„ Hier steckst du Jon “, mischte sich plötzlich eine harsche Stimme ein.

Erschrockne zuckte der braunhaarige Junge zusammen und drehte sich um. Gott, dass hatte er ja glatt vergessen. Richard wollte nach dem Unterricht zu ihm kommen. Seine aufkommende Freude über das Angebot seines Vaters verschwand dahin, ebenso wie sein Lächeln.

„ Hi Richard “, begrüßte ihn Jonathan zögerlich.

„ Wer ist das? “ fragte ihn Richard misstrauisch, als er zu ihnen rüberkam.

„ Hallo Richard, ich bin Jonathans Vater “, stellte sich Mr. Palmer selber mit einem freundlichen Lächeln vor. „ Schön zu sehen, das Jonathan hier Freunde gefunden hat. “

„ Freut mich Sie kennenzulernen “, meinte Richard spöttisch und ein böses Grinsen zierte sein Gesicht. „ Ja, Jon ist mein Freund. Er hat auch viel von Ihnen erzählt. “

So viel, dass Richard ihn allein mit seinen Blicken gern getötet hätte. Deswegen hatte er dem Jüngeren irgendwann ausgetrieben, über seinen Vater zu reden, da er sonst Mittel und Wege gewusst hätte, um dieses lästige Problem aus der Welt zu schaffen.

„ Freut mich ebenfalls “, sprach Mr. Palmer mit Vorsicht. Irgendwie hatte dieser Junge etwas an sich, was ihn nicht gefiel. Es war wie ein ungutes Gefühl das sich in ihm breit machte und ihm das Atmen erschwerte. Nicht normal, ging es ihm durch den Kopf. Der Junge war nicht normal.

„ Entschuldigen Sie, wenn ich euer Gespräch unterbreche, aber Jon und ich haben zusammen noch etwas zu erledigen. Wenn sie uns entschuldigen wollen “, erklärte Richard ruhig, während er bestimmend nach Jonathans Arm griff.

„ Gern “, erwiderte Mr. Palmer, auch wenn er lieber das Gegenteil gesagt hätte.

Vielleicht lag es an Jonathans Lächeln, das verschwunden war oder seinen Augen die bei Richards auftauchen, leichte Panik gezeigt hatte. Jetzt blickten sie geschlagen nach unten und es schien so, als würde er seinen Vater nicht mehr richtig wahrnehmen.

„ Jonathan, ich werde noch die nächsten Tage in der Stadt sein. Du kannst jeder Zeit zu mir kommen, okay? “ sprach Mr. Palmer aufmunternd auf seinen Jungen ein. Er merkte dass er gerade einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt hatte, doch wollte er seinem Sohn die Chance geben, mit ihm alleine zu reden, wenn ihm etwas auf dem Herzen lag.

„ Mhm “, nickte ihm Jonathan stumm zu und wagte nicht den Kopf zu heben.

Richards Augen verschmälerten sich bei dem Gespräch der Beiden und sein Griff um das dünne Handgelenk wurde fester. „ Da das dann alles war, wünsche ich ihnen noch einen schönen Tag. Auf wiedersehen. “

„ Den wünsche ich euch auch “, verabschiedete sich Mr. Palmer von den beiden Jungs und sah ihnen nachdenklich hinterher.

Damals hatte er seinen Sohn auf diese Schule geschickt, weil es sein eigener Traum war, aber heute, als er Jonathan gegenüberstand und seine Reaktion auf den anderen Jungen bemerkte, war er sich da nicht mehr so sicher. Als er sich langsam zum gehen wandte, hoffte er, dass er trotzdem die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Richard hörte den letzten Satz von Jonathans Vater nicht mehr und zog stattdessen den Jüngeren hinter sich her. Er schritt mit raschen Schrittes durch den dichten Wald und hatte mit sich zu kämpfen, seinen Zorn nicht gegen seinen Engel selbst einzusetzen. Wie konnte Jonathan es wagen, ihn zu hintergehen? Vor allem nach dem letzten Gespräch was sie geführt hatten, dachte er eigentlich das der andere Junge nun wusste, was Richard von ihm erwartete.

„ Richard, nicht so schnell “, bat Jonathan verzweifelt. Er hatte immer mehr Mühe, dem anderen Jungen hinterher zu kommen. „ Bitte. “

Wenn er sich in einem Wurzelwerk verhedderte und kurz vorm hinfliegen war, zog ihn Richard unerbittlich weiter. Dabei hatte Jonathan immer mehr das Gefühl, er würde ihm bald den arm brechen, wenn nicht sogar ausreißen. Er fühlte sich schon fast taub an oder kam es ihm bloß so vor?

Als sie tief in den Wald vorgedrungen waren und Richard sicher sein konnte, dass sie hier ungestört waren, schmiss er den Jungen auf den Waldboden. Unsanft kam dieser auf und verzog sein Gesicht, bevor er sein halb, betäubtes Handgelenk rieb, um die Durchblutung wieder zu fördern.

„ Jon, was hatte dein Vater hier zu suchen? Habe ich dir nicht gesagt ich werde mich um ihn kümmern, solltest du ihn mir vorziehen “, begann Richard dunkel und eindringlich auf das zitternde Bündel vor sich einzureden.

„ Nein Richard, dass… so war es nicht “, stammelte Jonathan verzweifelt und wagte es nicht, aufzustehen. Hielt ihn Richards Blick auf dem Boden, zumal er sich noch nicht einmal traute, richtig Luft zu holen. „ Mein Vater hatte geschäftlich hier zu tun und wollte mich überraschen. Wirklich ich… ich habe mich nicht heimlich mit ihm getroffen. “

„ Ach und wieso warst du dann nicht in deiner Studierstube, wie ich es dir gesagt habe? Hast du vergessen, dass wir uns nach dem Unterricht dort treffen wollten? “ fauchte ihn Richard wütend an.

„ Ri… Richard “, brachte Jonathan zaghaft hervor, während er seine Tränen nicht mehr halten konnte.

Ihm machte der ältere Junge immer mehr Angst und das, wo Jonathan früher zu ihm heimlich aufgeschaut hatte. Aber jetzt, jetzt wünschte er sich nichts sehnlicher wieder bei seinen alten Freunden zu sein und Richard nur von der Ferne zu sehen. Doch durch seine eigene Dummheit, hatte er sich an diesen Jungen gebunden und kam nun nicht mehr los von ihm. Selbst wenn er wollte, Richard würde ihn nie gehen lassen, dass hatte er nur zu deutlich unter Beweis gestellt.

„ Ich habe es vergessen. Bitte Richard, es tut mir Leid “, flehte Jonathan mit zittriger Stimme. Das kühle Nass, was über seine Wangen lief, bemerkte er dabei nicht. „ Du weißt doch, ich habe ihn so lange nicht mehr gesehen und da… “

„ … da bist du einfach mit ihm mitgegangen “, schloss Richard kühl den Satz. Gefährlich ruhig, kam er einen schritt auf den am Boden liegenden Jungen zu, als er weiter auf ihn einsprach: „ Du wärst doch auch mit ihm gegangen, wenn er dich gefragt hätte, über die Sommerferien mit ihm nach London zukommen, oder? “

„ Richard “, warf Jonathan zögerlich ein.

„ Und wenn er dir dann angeboten hätte, für immer bei ihm zu bleiben, wärst du doch nie zu mir zurückgekommen! “ schrie Richard weiter. Seine Augen glühten vor Wut, während seine Hände zu Fäusten geballt waren. „ Dabei war ich immer für dich da! Immer! Und du undankbarer Kerl wolltest mich verlassen! “

In seiner Raserei hob Richard seine rechte Hand und ließ sie auf seinen dunklen Engel niedersausen.

„ Nein! “ schrie Jonathan entsetzt und kniff verängstigt seine Augen zusammen. Sein Herz schien ihm auszusetzen und ihm war so, als würde er keine Luft bekommen. Einzig auf den bevorstehenden Schlag konzentrierte er sich und wünschte, dass es bald vorbei sein würde.

„ Aber das lasse ich nicht zu “, hörte er plötzlich Richards ruhige und irgendwie sanftere Stimme.

Sie war nah bei ihm und ehe Jonathan realisierte woher das kam, spürte er schon zwei Arme die ihn umschlangen und besitzergreifend festhielten. Er wurde an den harten Oberkörper des anderen Jungengezogen, der ihn bestimmend festhielt, während er den warmen Atem von ihm, nahe an seinem Ohr fühlen konnte.

„ Hörst du Jon. Das werde ich nicht zulassen. Du gehörst mir, dass habe ich dir schon mal gesagt. Und ich werde es nicht zulassen, dass man mir noch einmal einen Menschen nimmt, der mir wichtig ist. “

Dann zog sich Richard von ihm weg, nur um kurz darauf vor Jonathans Gesicht zu sein und seine schmalen Lippen in seinen Besitz nahm. Hart, verlangend und bestimmend. Wie immer, wenn Richard seine Dominanz zeigen wollte und was für eine Macht er auf den Jüngeren ausübte. Stumm ließ Jonathan sich in diesen bedingungslosen Kuss ziehen, während er geschlagen seine Augen schloss.

Er würde diesem Jungen nicht mehr entkommen. Deshalb musste er den Menschen die ihm viel bedeuteten, ja die er sogar geliebt hatte, wegstoßen. Nach allem was er mit Richard durchgemacht hatte, wusste er, dass dieser Junge zu allem bereit war. Sei es nun ein Leben zu zerstören, um andere unglücklich zu machen oder die Menschen zu quälen, die ihm… Jonathan… zu nahe kamen.

Eine Hand, die grob nach seinem Kiefer griff, signalisierte ihm das kommende. Bereitwillig öffnete Jonatahn seinen Mund, um den ungeduldigen Eindringling vorstoßen zu lassen und seine Mundhöhle zu plündern. In diesen Momenten war Richard meist wie berauscht und ließ erst von ihm ab, wenn er sich beruhigt hatte.

Was heute länger anhalten würde, da Richard jeden Zentimeter dieser Haut überprüfen musste, ob er nicht doch irgendwo unerlaubt angefasst wurde. Er musste diese Stellen reinigen, die Mr. Palmer angefasst und seinen dunklen Engel damit beschmutzt hatte. Es würde zwar einiges an Arbeit sein, aber er würde sich die Zeit nehmen und seinen süßen Engel wieder reinwaschen und ihm dann vergeben. So wie er es immer tat, wenn er nach seiner Gier auf diesen schlanken und reizvollen Körper fertig war und dann in die gehorsamen, gesenkten Augen seines geliebten Engels sah.

Denn dieser Junge gehörte ihm. Mit Leib und Seele.


Ende
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