For The Ones Who Search For Love [[PAUSIERT]]

von feane
GeschichteDrama, Romanze / P16
Carlisle Cullen Charlie Swan Edward Anthony Masen Cullen Emmett McCarty Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
10.06.2008
27.02.2010
29
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© Die Charaktere von Twilight gehören einzig Stephenie Meyer. Nur diese Fanfiction gehört mir.


Rating: P16

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Zusammenfassung: AH. Bella und Edward helfen sich gegenseitig in Sachen Beziehungen, doch dann stellt sich heraus, das vieles mehr Schein als Sein ist und dass diese Entdeckung beide in eine unerwartete Richtung wirft. Dinge, mit denen vor allem Bella niemals gerechnet hätte, werden aufgedeckt. Ein Problem wird gelöst, doch schon im nächsten Moment taucht ein neues auf. Alles nur Zufall oder zieht jemand im Hintergrund kräftig die Fäden?



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Ein kleiner Zwischenfall


Ich war schon ein seltsames Mädchen.
Einerseits weil ich ständig das machte, was niemand von mir erwartete und andererseits weil ich wirklich mehr als tollpatschig war, wenn es darum ging, einen Jungen für mich zu gewinnen. Es war nicht so, dass ich schüchtern war.
Nur gab es da eine gewisse Kleinigkeit, die es immer wieder verhinderte, dass sich jemand dauerhaft mit mir abgab. Ich war nämlich wirklich peinlich, sobald ich mich in der Öffentlichkeit mit einem Jungen blicken ließ.
Ich konnte mir selbst nicht erklären, weshalb das so war.
Ich versuchte wirklich, es nicht soweit kommen zu lassen, aber irgendwann kam eine Situation, in der es einfach aus mir herausplatzte oder ich mich nicht mehr beherrschen konnte.

Das letzte Desaster hatte ich vor einem Jahr. Mike, so hieß er, war wirklich niedlich mit seinen blonden stacheligen Haaren. Er war mir nicht auf Abhieb aufgefallen. Es war eher so, dass er auf mich zugekommen war.
Und seine Art fand ich wirklich nett. Wie er sich um mich bemüht hatte. Mir war es sofort aufgefallen. Deshalb hatte ich mir damals auch den Ruck gegeben, ihm die Chance zu lassen.
Ich glaube, wir hatten insgesamt drei Dates. Genau konnte ich mich nicht mehr daran erinnern. Unangenehme Erinnerungen verdrängte mein Gehirn ziemlich schnell.
Das erste - und schwierigste - verging mehr als positiv. Ich hatte mich wirklich benommen. Keine Ausrutscher, keine Patzer.
Ich war sicher, dass Mike mich da wirklich noch toll fand.
Beim zweiten war es schon etwas anders. Er hatte sich einfallen lassen, mich in ein richtig teures Restaurant zu führen. Ein französisches.
Mir war bis heute schleierhaft, wie er es geschafft hatte, etwas zu bestellen. Die Kellner dort hatten nur französisch gesprochen. Soweit ich wusste, hatten wir diese Fremdsprache nie in der Schule gehabt. Und Mike war nicht gerade der Typ, der sich Zuhause hinsetzte und freiwillig etwas lernte.

Tatsache war, dass wir wirklich etwas zu Essen bekommen hatten. Auch wenn der Kellner uns am Anfang etwas misstrauisch angesehen hatte.
Zwei Jugendliche in einem Restaurant ohne Begleitung eines Erwachsenen konnten sich normalerweise noch nicht einmal das Etikett der Weinflasche aus so einem Laden leisten. Dank des Geschäftes, das Mikes Eltern besaßen, war es ihm dennoch möglich.
Deshalb wunderte es mich auch nicht, dass er einen 1887iger Bordeaux Brillet bestellt hatte - den Preis mochte ich jetzt noch nicht einmal wissen.
Allerdings fragte ich mich, wie er es geschafft hatte, trotz unseres Alters Alkohol zu bestellen.
Der Kellner kam an unseren Tisch, die Weinflasche in der Hand und eine Handserviette über den Arm gehängt.
Dummerweise kam er aus der Richtung, zu der ich meinen Rücken gedreht hatte, sodass ich ihn nicht bemerkte.
Mir war schon den ganzen Abend unwohl zumute, weil ich erstens in einem pikfeinen Restaurant saß und nicht wirklich wusste, wie ich mich benehmen sollte und zweitens weil ich derart nervös war, ich könnte etwas machen, das mal wieder alle in Verlegenheit brachte.
Unruhig wie ich war, änderte ich meine Position in dem sehr teuer aussehenden Stuhl alle fünf Sekunden.
Und als hätte ich es ahnen müssen, hörte ich plötzlich einen kleinen Aufschrei, das Zerbrechen von Glas und einen dumpfen Aufprall auf dem Boden.
Dort lag jetzt der Kellner, inmitten von Scherben. Zuerst dachte ich, die Pfütze, in der er lag, sei Blut, doch dann atmete ich erleichtert auf. Es war der Wein, der sich durch die kaputte Flasche auf dem ganzen Boden verteilte.
Meine Erleichterung hielt aber nicht lange an, denn im selben Moment wurde mir klar, dass er über meinen Fuß gestolpert war.
Aus irgendeinem Grund hatte ich nämlich meine Beine in dem Moment zur Seite gestreckt, in dem der Ober an mir vorbeigegangen war.
Mein Kopf wurde feuerrot, als mir das klar wurde. Ich brachte keinen einzigen Ton heraus, sondern starrte auf die Gläser vor mir.
In einem kurzen Aufsehen konnte ich erkennen, dass Mike es zwar mitbekommen hatte, es ihn aber nicht weiter störte. Ganz im Gegenteil. Er lächelte mich sogar an, als fände er es komisch.
Zum ersten Mal dachte ich Das ist es. Diesmal habe ich jemanden gefunden, den meine tollpatschige Art nicht stört.
Das gab mir zu dem Zeitpunkt wirklich wieder etwas mehr Selbstvertrauen.

Bis das Essen kam.
Da ich kein einziges Wort verstand von dem, was Mike bestellt hatte, wusste ich natürlich auch nicht, was wir bekamen.
Fakt war, es musste aus einem mir unerfindlichen Grund am Tisch flambiert werden. Warum gerade an unserem?
Ich hätte es wissen müssen. Es war mehr als deutlich. So eine Gefahrenstelle bot sich schließlich nicht jeden Tag.
Statt mich mehr als nur ein paar Meter vom Flambierwagen fernzuhalten, musste ich mich auch noch dichter heranbeugen, um besser sehen zu können. Meine Neugier ging mal wieder über alles.
Jeder normale Mensch blieb einfach sitzen und selbst wenn er das gleiche gemacht hätte, wie ich an dem Abend, so hätte er doch nicht das Weinglas mit dem Arm mitgerissen, es gegen die Feuerstelle gehauen und somit eine Stichflamme erzeugt, die den Kellner in Brand setzte, und das Ganze schließlich mit einem Krankenwagen, einer Menge schaulustiger Gäste und ein paar verärgerten Restaurantmitarbeitern seinen Abschluss fand.

Wie gesagt war Mike danach nicht mehr ganz so gut gelaunt wie noch am Anfang, auch wenn er mir immer wieder sagte, dass ich nichts dafür konnte.
Ich wusste es schließlich besser.
Das dritte Date - ich war damals wirklich überrascht, dass er sich noch mit mir treffen wollte - war das Ausschlaggebende.
Von teuren Restaurants hielten wir uns fern. Noch so eine Lappalie wollte er wahrscheinlich nicht erleben.
Allerdings verstand ich immer noch nicht, warum er mit mir dann unbedingt in ein Museum gehen musste.
Ein Museum für die geschichtliche Entwicklung des Glases.
Ich ahnte dieses Mal bereits Schlimmes und weigerte mich vehement, ihn dorthin zu begleiten. Ich war aber feige genug, ihm nicht zu sagen warum und deshalb hatte ich keine andere Wahl.
Das Museum war wirklich groß und all die Ausstellungsstücke waren sorgfältig mit Glaskästen abgeschirmt.  
Es konnte also eigentlich nichts passieren.
Wenn nur ich nicht da gewesen wäre.
Eine falsche Bewegung, eine etwas zu starke Drehung und schon hatte ich Mike gegen eben einen von diesen Kästen geschubst, den Alarm ausgelöst und zu allem Überfluss auch noch dazu beigetragen, dass er wegen zahlreicher Schnittwunden  für mindestens drei Wochen im Krankenhaus bleiben musste.
Von da an wollte er kein einziges Wort mehr mit mir reden.
Ich sei gefährlich für jedes menschliche Wesen, meinte er. Ein Vulkan, der ständig ausbrach und jeden in seiner Nähe verbrannte.

Eigentlich hatte er Recht. Ich konnte zwar nichts dafür. Ich versuchte auch angestrengt es zu verhindern und doch passierte es mir immer wieder, sobald ich einem Jungen näher kommen wollte.
Kurzum hieß das also, dass ich noch nie wirklich einen Freund und geküsst hatte; von all den anderen Dingen ganz zu schweigen.
Schlimm genug, dass ich seit einem Jahr keinen einzigen neuen Versuch gestartet hatte, jemanden kennen zu lernen. Aber wie konnte Mike Newton überall erzählen, ich wäre ein wandelnder Unglücksbringer? Eine Gefahr für jeden, dem noch etwas an seinem Leben lag? So schlimm war ich doch nun auch wieder nicht.
Bis jetzt war schließlich noch niemand gestorben.

Meine Freundin Claire baute mich glücklicherweise immer wieder auf, wenn ich zu sehr in meine depressive Phase fiel, in der ich glaubte, jeden im Umkreis von fünfzig Meilen zu verfluchen, zu vergiften, anzuzünden, zu ertränken oder was sonst noch so möglich war.
Ich hatte dann sogar das Gefühl, ihr könnte ebenfalls etwas passieren.
“Du solltest mal wieder unter Leute, Bella.”
Bella. Ja, das war mein Name. Eigentlich Isabella. Isabella Marie Swan. Aber alle nannten mich Bella. Das war mir auch irgendwie lieber.
“Komm, wir gehen heute Abend aus.”
Mit dieser Idee kam Claire immer, wenn ich mich gerade unter meiner Bettdecke verkrochen hatte.
Charlie, mein Dad, mochte sie sehr gerne. Sie kamen gut miteinander aus. Es war fast, als würde sie hier wohnen, so oft wie sie uns besuchte.
Charlie war es nur Recht, wenn sie mich aufmunterte. Er selbst konnte das nicht so gut. Es war ihm unangenehm.
Da er mich alleine aufzog, musste er so gesehen sowohl Vater- als auch Mutterrolle übernehmen. Meine Mom hatte sich schon früh von ihm getrennt und lebte jetzt in Phoenix, zusammen mit ihrem neuen Ehemann Phil. Ein Profispieler.
Sie hatte mir erzählt, dass sie damals viel zu überstürzt geheiratet hatten. Es war nicht das, was sie wollte.
Dennoch bereute sie es nicht, mich bekommen zu haben.
Nach ihrer Trennung konnte ich mich entscheiden, bei wem ich leben wollte. Ich hatte mich für Charlie entschieden. Er wohnte in San Francisco. Eine unglaubliche Stadt. All die einzigartigen Stadtteile. Die Piers, wo die Schiffe anlegten, die Cable Cars, Chinatown, einfach alles hatte seinen Reiz. Das traumhafte Wetter war nicht zu vergleichen.
Viele bevorzugten Los Angeles, aber mir persönlich gefiel Frisco - so nannten viele unsere Stadt - am Besten.
Ich besuchte Renée, meine Mom, regelmäßig, also konnte ich nicht behaupten, einen von beiden zu benachteiligen.

“Na los, steh auf.”
Enthusiastisch wie Claire nun mal war, riss sie mir doch glatt meine Decke vom Bett.
Ich brummte sie einen Moment an und schmiss ihr mein Kopfkissen entgegen, doch in meinem Zustand traf ich gar nichts. Sie fing es auf und lachte.
“Das hilft dir auch nicht. Ich werd dich so oder so mitschleifen. Und ich bin mir sicher, dass du lieber in einem ordentlichen Outfit in den Club gehen willst. Vielleicht entdeckst du ja den ein oder anderen, der dir gefällt.”
Das konnte sie nicht ernst meinen. Wer Claire schon mal gesehen hatte, wusste, dass sie das begehrteste Mädchen an unserer Schule war. Lange wasserstoffblonde Haare - von Natur aus - und einen Körper, wie ihn nur Models hatten. Sie war sich bewusst, wie sie auf andere wirkte, war aber auf dem Boden geblieben. Zum Glück war sie nicht eine von denen, die vergessen hatten, wie Denken funktionierte.
Sie hatte es definitiv leichter, einen Freund zu finden, hatte auch bereits den ein oder anderen, doch momentan war sie ebenfalls solo. Sie war sehr wählerisch und viele hatten es bei ihr nicht leicht.
Wer anfänglich glaubte, sie leicht um den Finger wickeln zu können, gab schnell wieder auf, sobald er versuchte, sie ins Bett zu bekommen. Was das anging, hatte sie ihre Prinzipien, die sie für niemanden über den Haufen warf.
Sie wartete auf den Richtigen.
Doch wahrscheinlich wollte sie jetzt unbedingt ausgehen, um wieder jemanden zu finden. Wir standen gerade unter Zeitdruck, könnte man sagen.
Es war das letzte Schuljahr und in ein paar Monaten fand der Abschlussball statt. Das Ereignis schlechthin. Wer dort ohne Begleitung auftauchte…
Sagen wir, man sollte lieber nicht ohne Begleitung auftauchen.
Auch für das persönliche Gefühl war es wichtig. In dreißig Jahren wollte man schließlich nicht zurückblicken und sagen: Ich war alleine auf meiner Abschlussfeier.
Dieses Schicksal würde mich allerdings mit Sicherheit ereilen, soviel Glück, wie ich mit meinen Fast-Freunden bis jetzt hatte.
Und heute Abend im Club? Sobald ich jemanden gefunden hätte, der mir gefiel und ihn dann an unseren Tisch brächte, hätte er mit Sicherheit nur noch Augen für Claire. Gewollt oder ungewollt. Ich wäre dann nicht einmal mehr Luft. So lief es immer ab.
“Ich komm ja schon.”
Etwas grummelnd stand ich dann doch auf. Ich tat ihr den Gefallen und begleitete sie. So konnte wenigstens sie eventuell jemanden entdecken.
Da ich nicht die tollsten Kleider im Schrank hatte, fuhren wir immer zu ihr und sie suchte mir dann etwas heraus, das ihrer Meinung nach gut zu mir passte und meine Reize besser zur Geltung brachte.
Wenn sie meinte…

Der Club, in den wir gingen, war einer der Angesagtesten der Stadt. Fast jeder, den man kannte, war hier anzutreffen. Also auch unsere gesamte Schule.
Das Gebäude war von außen schon mehr als auffällig und im Innern hatte man das Gefühl, drei große Familienhäuser würden hineinpassen.
Das hieß also, eine Unmenge an jungen Leuten, die tanzten und tranken und versuchten, sich durch die laute Musik zu unterhalten.
Der DJ hatte wirklich alle Hände voll zutun, die Massen zu unterhalten. Doch wie vom Besitzer nicht anders zu erwarten, engagierte er nur die Besten.
Claire bestellte uns zwei Drinks - alkoholfrei, versteht sich - und ich fragte mich, wie sie es wohl geschafft hatte, bei den bunten Lichtern überhaupt ihr Geld zu sehen. Denn auch wenn es mehr als genug rote, grüne, blaue, gelbe, violette und was sonst noch für Scheinwerfer gab, die wild durch den ganzen Saal tanzten, war es nicht wirklich hell hier.
Die ersten Minuten saßen wir erstmal an der Bar und betrachteten die Leute auf der riesigen Tanzfläche. Es war erstaunlich, wer sich alles hier her traute. Das sollte jetzt nicht negativ klingen, aber von einigen hätte man es sicher nicht erwartet. Nicht nur junge Leute waren da, sondern auch vereinzelt ein paar, die aussahen, als hätten sie die Vierzig schon lange hinter sich gelassen.

“Und? Schon jemanden entdeckt?” Claire war mehr als neugierig. Ein Seufzer meinerseits gab ihr die Antwort, doch zu meinem Bedauern ermunterte sie das dazu, mich auf die Tanzfläche zu zerren.
“Dann sollten wir ein wenig mehr Körperkontakt zeigen.”
Wie gesagt, Claire war zu enthusiastisch, dabei tanzte ich überhaupt nicht gerne.
Drei Songs hielt ich durch, dann schleppte ich meinen Körper wieder zurück zur Bar, um etwas zu trinken.
Claire folgte mir.
Als ich sie ankommen sah, fiel mir plötzlich jemand auf, den ich vorher nicht gesehen hatte.
Seine große, muskulöse Statur und sein blondes Haar ließen ihn ziemlich gut aussehend wirken. Und seine Art, wie er sich bewegte und mit den anderen umging, war keineswegs eingebildet oder arrogant. Nein, eigentlich eher nett und höflich, vielleicht ein wenig albern. Sein Lächeln hatte etwas Besonderes.
“Was ist los?” Claire musste meinen Blick mitbekommen haben.
“Wer ist das? Da, neben Edward Cullen.”  
“Der Große? Das ist Tayk. Den müsstest du eigentlich kennen. Er hat mit dir zusammen Philosophie.”
Musste ich? Das war kein Fach, bei dem man unbedingt wach blieb. Eher das Gegenteil war der Fall.
Allerdings fiel es mir jetzt selbst wieder ein. Ja, er war eigentlich kein unbekanntes Blatt an unserer Schule.
Leider hatte ich bis jetzt noch nicht soviel mit ihm zutun gehabt.  
Claire grinste mich an. Spätestens jetzt musste ich Angst haben.
“Ist er dein Typ?”
Ich sollte vehement den Kopf schütteln, damit sie nicht auf dumme Gedanken kam, doch seltsamerweise nickte ich. In meinem Körper breitete sich ein wohliges Gefühl aus und ich verspürte den Drang, all die Energie, die sich in mir unbemerkt angesammelt hatte, freien Lauf zu lassen.
Ich sprang Claire entgegen und zog sie mit auf die Tanzfläche. Sie war selbst erschrocken über meine plötzliche Aktivität, doch hielt mich nicht auf. Vielleicht freute sie sich ja für mich. Vielleicht dachte sie, ich hätte die depressive Phase wieder überwunden.

Das nächste, an das ich mich erinnern konnte, war dass mir nach fast unendlich langen Stunden, die ich ununterbrochen getanzt und um mich herum kaum etwas wahrgenommen hatte, außer den Lichtern, die vor meinen Augen verschwammen, schlecht wurde.
Das musste ja so kommen. Es gab einen Jungen, den ich einigermaßen gut fand und prompt passierte das nächste peinliche Unglück.
Doch noch war es nicht eingetreten und ich versuchte, mich unauffällig von der Tanzfläche zu bewegen. Mehr unbeholfen, denn noch immer war alles verschwommen. Der Raum und die Leute schwankten. Ich spürte, wie ich gegen einige stieß und wütende Aufschreie erntete.
Bis sich plötzlich zwei Arme um meine Taille legten und mich stützten.
“Warten Sie. Ich helfe Ihnen.”
Unverkennbar eine tiefe, männliche Stimme. Ich kannte sie nicht und der Versuch, sein Gesicht zu sehen, scheiterte am Schleier vor meinen Augen.
Das einzige, was ich wahrnahm, war dass wir uns aus dem großen Raum bewegten. Immer weniger Leute kamen uns entgegen und der Gang, auf dem wir uns jetzt befanden, wurde enger, so schien es.
Eine Tür wurde geöffnet, wir gingen hinein, die Tür wurde wieder geschlossen. Klick.
Der Raum war weiß und kalt. In der Ferne konnte ich kaum noch die Musik hören.
Ich spürte, wie ich benommen immer wieder fast wegsackte. Der Griff verstärkte sich nur.
“Was…?” setzte ich an, doch ich konnte mich selbst nur wage hören.
“Schh…”
Dann wurde ich plötzlich auf etwas kaltes gesetzt. Es waren Fliesen. Statt des Rockes hätte ich mir doch lieber eine Hose anziehen sollen.
Mein Körper wurde an die Wand neben mir gelehnt. Ich selbst konnte mich nicht mehr alleine aufrecht halten.
Meine Augen flackerten. Der Schwindel nahm einfach nicht ab.
Plötzlich konnte ich den heißen Atem an meinem Hals spüren und eine Hand, wie sie langsam unter meinen Rock fuhr.
Der Versuch, sie zu stoppen, schlug aufgrund des Schwächegefühls fehl. Mein ganzer Körper fühlte sich taub an.
“Nicht…”
“Keine Sorge. Du wirst kaum etwas mitbekommen, Kleines.”
Unterschwellig machte sich langsam etwas Panik bemerkbar. Wer immer hier war, seine Absichten waren keineswegs nobel.

Ein Rütteln an der Tür ließ ihn zurückschrecken.
“Wir sind beschäftigt”, rief er etwas wütend.
Wider Erwarten wurde das Rütteln heftiger. “Bella?”
Eine andere männliche Stimme, die ich momentan nicht einordnen konnte. Mir kam sie aber bekannt vor und außerdem kannte mich derjenige scheinbar.
Ich wollte antworten und hier weg, aber meine Stimme wollte mir nicht mehr gehorchen.
“Ich hab doch gesagt, dass wir gerade beschäftigt sind.”
Das Rütteln hörte auf.
Nein! Die Person vor der Tür sollte bleiben und hereinkommen. Sollte mir doch helfen.
Der Mann vor mir war offenbar der Meinung, der andere hätte sich zurückgezogen und kam mir wieder dichter.
Ein lauter Knall ließ ihn sich abermals von mir abwenden.
Jetzt war der andere ebenfalls im Raum.
Durch den Nebel vor meinen Augen erkannte ich nur etwas kupfern schimmerndes.
“Was zum Teufel…?” hörte ich ihn aufgebracht sagen.
Er ging auf den Mann zu und schlug ihm ins Gesicht, welcher mit einem lauten Knall zu Boden fiel.
“Bella, alles okay?”
Zwei Hände lagen plötzlich auf meinen Wangen und hielten mein Gesicht empor. Ich war dankbar für die Rettung. Auch wenn ich nicht sehen konnte, wer es war.
Das Schwindelgefühl übermannte mich letztendlich ganz und ich nahm nur noch wahr, wie ich auf die Arme genommen wurde.

Das nächste, was passierte, war, dass ich kalten Wind in meinem Gesicht spüren konnte.
Ich atmete tief ein und in meinem Kopf klärte sich die Taubheit langsam. Ich konnte auch wieder deutlicher sehen. Dafür machte sich ein stechendes, drückendes Gefühl in meinem Kopf breit und in meinen Ohren klingelte es.
“Argh…” Ich legte eine Hand auf meine Stirn, als würde das die Kopfschmerzen lindern.
“Die Drogen klingen langsam ab.”
“Drogen?” Erschrocken hob ich meinen Kopf. Jetzt wusste ich, wer mich da rausgeholt hatte. Edward Cullen.
Jemand, den ich nur flüchtig kannte. Wir hatten ein paar Kurse zusammen, mehr auch nicht. Wenn ich mich jedoch recht erinnerte, war er mit Tayk Rooney befreundet.
Er hatte mich auf eine Bank neben dem Gebäude gesetzt, stand vor mir und hielt mein Gesicht mit einer Hand.
“Was ist überhaupt…? Wie hast du…?” wollte ich wissen.
“Ich hab gesehen, wie es dir plötzlich nicht mehr so gut ging. Du hattest dich seltsamerweise etwas zu sehr verausgabt. Wenn du mit Claire unterwegs bist, tanzt du entweder nie oder nur unfreiwillig. Es war schon komisch, dass du das plötzlich gemacht hast. Und als du dann etwas benommen getorkelt bist und auf einmal dieser Kerl bei dir aufgetaucht ist und dich aus dem Saal gezogen hat, war mir klar, was passiert sein musste. Du solltest besser auf deine Getränke achten und sie nicht aus den Augen lassen. Du bist schließlich nicht der Typ, der freiwillig Drogen nimmt, oder?”
Er klang besorgt und ein wenig vorwurfsvoll.
War er etwa genauso oft im Club wie wir? Mir war er nie aufgefallen.
“Also bist du uns gefolgt?”
Er nickte.
Ich musste lächeln. “Danke.”
“Keine Ursache. Mike scheint ja Recht zu haben, mit dem, was er so über dich erzählt. Du ziehst jede Gefahr an.”
Ich gab ihm einen finsteren Blick und sofort bereute er, was er gesagt hatte. “Nicht dass ich etwas darauf gebe.”

In meinem Kopf pulsierte es immer noch unaufhörlich. Ich stöhnte auf und kniff meine Augen zusammen.
“Wie geht es dir?” fragte Edward besorgt.
“Kopfschmerzen”, presste ich hervor.
“Die Nachwirkungen…”
Er setzte sich neben mich und eine Weile saßen wir schweigend da. Ich versuchte, das Hämmern in meinem Kopf zu unterdrücken.
“Ich bin dir wohl was schuldig, dafür dass du mich gerettet hast, was?” Ich sah ihn aus den Augenwinkeln an.
“Vielleicht…” Etwas übertrieben spielerisch legte er den Kopf schief.
“Also, was soll ich tun?”
“Darf ich mir alles aussuchen, was ich will?” Jetzt grinste er verschlagen und ich bereute meine Frage sofort.
Eigentlich kannte ich ihn ja kaum und wusste nicht, ob er einer von den Leuten war, die erst den Retter spielten, um dann eine weniger sittliche Gegenleistung zu erwarten.
“Keine Angst, so einer bin ich nicht”, entschuldigte er sich etwas erschrocken, als er meinen Gesichtsausdruck sah und hob abwehrend die Hände hoch.
“Also?” fragte ich zögerlich.
Er schwieg kurz und blickte verlegen zur Seite, ehe er endlich etwas sagte.
“Du bist doch die beste Freundin von Claire Stanfield, nicht wahr?”    

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