Helden in der Zeit

von Terazuma
GeschichteAbenteuer / P12
Darunia Ganondorf Link Ruto Salia Zelda
08.06.2008
18.08.2019
33
160433
7
Alle Kapitel
175 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
Im Schloss


Kakariko war ordentlich gewachsen in den sieben Jahren ihrer Ausbildung. Eine kleine Stadt war daraus geworden, die am Fuße des Todesberges lag und einen regen Austausch mit den Goronen pflegte. Diese unterstützen auch den beginnenden Bergbau und so wuchs die Gemeinde, die mittlerweile einen Bürgermeister und einen kleinen Gemeinderat hatte, immer weiter an.

Die Jungs waren bekannt, mehr als bekannt. Man konnte sagen, sie waren berühmt. Alle wussten um Impa und ihre Verdienste und um die ihrer Nachfolger, die ihr Haus ‚geerbt’ hatten. Manche Eltern junger Mädchen waren ihnen gegenüber ein wenig vorsichtig eingestellt, doch ihre Ausbildung beinhaltete auch höfisches Benehmen. Und man konnte es kaum glauben, aber gerade Van hatte in dieser Sparte seine Chance gewittert und seinem Auftreten und Benehmen, in der Öffentlichkeit zumindest, einen Touch gegeben, der ein wenig frech, aber galant und überaus einnehmend war.
Und ihre Verdienste für Hyrule, schon während ihrer Ausbildung, machten sie zu Stars von Kakariko.

Trotz ihres zeitigen Aufbruchs wartete Sukka schon vor der Pferdekoppel, in der die stolzen Tiere der Stadt untergebracht waren. Link sah aus den Augenwinkeln wie Vans Miene sich verdüsterte, während das überaus hübsche Mädchen auf Link zulief und sich an seinen Hals schmiss. Ihre braunen, halblangen Haare waren noch wirr, wahrscheinlich war sie ebenfalls erst vor kurzem aufgestanden.

„Impa war bei Vater. Sie sagte, dass ihr für längere Zeit wieder weg müsst. Ich versteh das nicht. Warum musst du Zelda immer den Vortritt geben. Immer!“ Schluchzend hing sie an ihm. Ihr Vater war der Bürgermeister von Kakariko. Natürlich wusste sie Bescheid.

„Wir müssen gehen Sukka. Wir haben keine Zeit. Es drängt.“

„Immer drängt etwas, immer seid ihr, vor allem du, mit Zelda beschäftigt. Ich will das nicht mehr!“

Link sah, wie die beiden anderen weitergingen, in die Koppel hinein.

„Sukka, du weißt, dass das meine Arbeit ist. Ich komme ja wieder. Und Zelda ist die zukünftige Königin, der wir verpflichtet sind.“ Zart wollte er sie küssen, aber sie entzog sich ihm. Schniefend und anklagend sah sie ihn an.

„Ich glaubte ihr hättet ein paar Tage frei, du hättest ein wenig Zeit für mich.“ Sie zog eine kleine Schnute, die er sonst ungeheuer süß und unwiderstehlich fand, doch jetzt nervte es ihn. „Da hätte ich ja gleich mit Van zusammen bleiben können.“ Trotzig verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust.

„Was hat das damit zu tun?“ Link verstand die Welt nicht mehr. „Ich dachte du hättest dich in mich verliebt?“

„Hab ich ja. Aber alles was dich bewegt ist Zelda, Zelda, Zelda! Und Van sah immer allen anderen Mädchen nach. Er beachtete mich nicht so wie er sollte!“ Schniefend hing sie wieder an seinem Hals.

„Da ist doch kein Zusammenhang. Zelda ist wichtig für Hyrule, für meine Arbeit. Du bist wichtig für mich.“

„Wirklich?“ Seufzend sah sie ihn an. Link nickte nur und küsste sie. Schmelzend gab sie nach.

„Link!“ Rocks drängende Stimme holte ihn aus der Verzückung. Mit einem letzten Blick trennte er sich von Sukka und sprang mit einem kraftvollen Anlauf auf Eponas Rücken, welche der große Junge mit aus der Koppel gebracht hatte. Sie durften sich vor zwei Jahren Pferde aussuchen. Für Link hatte es da nie eine Frage gegeben. Er war von Anfang an von Epona begeistert gewesen und das Pferd hing an ihm genauso. Eine bessere und treuere Gefährtin hätte er nicht finden können. Auch wenn sie nicht die Schnellste oder Kraftvollste war. Rocks Pferd stammte ebenfalls von der Lon-Lon Farm, ein großer schwarzer, sehr kraftvoller Hengst und Van nahm sich eine schlanke Stute, die durch ihre Schnelligkeit und Zähigkeit hervorstach.

Der weißblonde Junge war ihnen schon vorausgeritten.  Flugs folgten sie ihm und galoppierten das kurze Stück zu Hyrule-Stadt und gleich den Weg von hinten herum zum Schloss, das sie in kurzer Zeit erreichten.
Sie hatten schon gelernt sich auf Shiekah-Art fortzubewegen, sich zu teleportieren. Doch das war ein Konzentrationsakt und die Nutzung eines besonderen Steines, der mit einer gewissen Mixtur bearbeitet wurde. Dieser Stein wurde in einem Gebiet gefunden, das nur den Shiekah bekannt war und jetzt auch ihnen. Auch die Zubereitung der Mixtur lernten sie und die Bearbeitung des Steines, der auch die richtige Größe für bestimmte Distanzen haben musste.  Jeder von ihnen war ausgerüstet damit, aber der Gebrauch war zu kostbar um für längere Distanzen und Zeiten verwendet zu werden. Das Pferd war hier noch immer das beste Transportmittel.
Doch Vans schnelle Stute einzuholen war ein Ding der Unmöglichkeit. Als sie ankamen lehnte er gelangweilt an einem Pfeiler, seine Stute schon versorgt in einem der königlichen Ställe.

„So lahm wie ihr seid, hätte ich euch vorausreiten lassen sollen und mich inzwischen noch lange mit Mala vergnügen können.“

„Gib nicht so an. Die hat doch auch schon genug von dir“, meinte Link böse. Mala war eine Tochter der Dame, bei der sie oft aßen und die schon immer den stachelhaarigen Burschen offen anhimmelte.

Rock, der wieder eine Auseinandersetzung befürchtete, was er eigentlich schon bei Sukkas Auftauchen erwartet hatte, schritt dazwischen.

„Wir haben anderes zu tun. Das wisst ihr.“

Link biss sich auf seine Lippen. „Ich weiß. Es tut mir leid. Aber ich kann es nicht leiden, wie du von Sukka sprichst“, wandte er sich Van zu.

„Lassen wir das“, meine der nur abwinkend, „Du wirst noch draufkommen. Bist ihr auf den Leim gegangen, so wie ich.“

Link schluckte den Ärger, der ihm wieder aufstieg, herunter. Das brachte nichts. Sie brauchten einander. Vor allem bei dem was sie jetzt erwarten würde. Nachher könnten sie sich aussprechen oder sonst was.

„Na kommt, gehen wir“, brummte Rock mit seiner tiefen Stimme und ging voraus.

*******

Link hatte es nicht über sich gebracht den anderen etwas davon zu erzählen, was er so viele Jahre zuvor gesehen hatte, zwischen Impa und dem König. Manchmal fragte er sich, ob es nicht eine Täuschung gewesen war. Es war all die Jahre nichts zu bemerken gewesen im Umgang der beiden miteinander. Nicht einmal Zelda schien davon etwas zu wissen oder zu ahnen. Ihre einzige Sorge war ihre Gouvernante, doch das erwies sich bis jetzt als haltlos.

Seine Freundschaft mit Zelda hingegen wäre natürlich nicht zu verheimlichen gewesen. Spätestens seit sie mehr im Schloss zu tun bekamen. Aber er hatte das schon vorher seinen Freunden gegenüber erwähnt, was diese zuerst nicht glauben wollten. Als die Aufgaben und Lehren der höfischen Sitte sie schließlich öfter ins Schloss führte, erkannten auch Rock und Van, die eine anfängliche, königliche Scheu hatten, dass es tatsächlich stimmte und dass Zelda obendrein ein nettes Mädchen war. Ohne Allüren.
Über ihre Mitstudentinnen, Ella, die Tochter der Gouvernante und Adela, bildeten sie sich dagegen eine etwas andere Meinung. Auch Link fand sie, vor allem Ella, ein wenig hochnäsig. Wie man sich eben Töchter aus höherem Hause vorstellte. Nur Adela schien sich mit der Zeit ein wenig zu wandeln. Vielleicht war Rock da ein Auslöser, dem sie heimlich immer glühende Blicke nachwarf. Alle, außer Rock natürlich, hatten das bemerkt. > Wie typisch <, dachte sich Link und schüttelte den Kopf.

Die Burschen gingen geradewegs in den Konferenzsaal, der von der großen Empfangshalle aus links über die breiten, prächtigen Treppen zu erreichen war. In der Empfangshalle mussten sie auch ihre Waffen ablegen. Das war aber schon ein bekanntes Ritual, das sie schnell erledigten. Die Bediensteten und Wachleute kannten sie bereits sehr gut und so drückten sie dem heutigen Verantwortlichen ihre Güter in die Hände und folgten dem Zeremonienmeister hinauf.

Der Konferenzsaal war ein großes Besprechungszimmer, das immer zur Erteilung der Aufträge oder andere Bekanntmachungen, diente. Impa und der residierende Monarch waren schon anwesend. Es war ein schön getäfelter Raum, in dessen Mitte ein ausladender, gediegener Mahagonitisch stand, an dem die beiden bereits Platz genommen hatten. Schwere, rote Gardinen waren vor den großen Fenstern angebracht und zur Seite gezogen worden, was einen schönen Schein im holzgetäfelten Raum hervorrief. Ein kunstvoller, wuchtiger Leuchter hing über dem Tisch von der Decke herab und gab dem ganzen Raum einen erhabenen Eindruck.

Freundlich begrüßte König Daltus die drei jungen Männer, die mit einer förmlichen, vollendet gekonnten Verbeugung antworteten. Ihre Kokirikappen trugen sie nur mehr der Höflichkeit halber, wenn sie etwas in das Dorf der kleinen Leute oder in den verlorenen Wäldern zu tun bekamen. Somit hatten sie nichts, was sie der Etikette halber vom Kopf ziehen mussten. Mit einer einladenden Geste forderte der Regent sie auf, ebenfalls Platz zu nehmen.

Ohne Umschweife fing König Daltus zu sprechen an: „Wie ich erfahren durfte, hat Impa  euch das Nötigste bereits berichtet. Ich muss wohl nicht extra betonen, wie wichtig mir diese Angelegenheit ist.“ Sie nickten einhellig.
„Obwohl es mir leid tut, dass ihr so schnell in solche gewichtigen Aufgaben gestoßen werdet, möchte ich euch für eure volle Bereitschaft danken.“

„Das ist doch selbstverständlich. Dafür sind wir ausgebildet worden.“ Link staunte immer wieder, wie Van in der Gegenwart des Königs in ein einwandfreies, klares Hochhylianisch wechseln konnte.

„Das ist uns bewusst“, sagte der Monarch lächelnd. Dann wurde er wieder ernst.
„Die Lage ist die: Die alten Schriften und Verträge sind komplett in Vergessenheit geraten. Wir haben sie erst nach langem Suchen in einem alten Schreibtisch gefunden. Etwas, das unverzeihlich ist, aber nicht zu ändern. Es bringt auch nichts nachzuforschen, welchem Ahnen wir dieses Vergessen zu verdanken haben. Wir müssen uns jetzt um diesen Haarriss kümmern, die Hebung des Lichttempels, mit dem wir den Vertrag lösen können und somit unser Königreich und auch Prinzessin Zelda, vor einer Zwangsheirat bewahren können.“

Nubidianer! Link schauderte. Sie waren der männliche Teil der Gerudo. Alle männlichen Kinder, welche die Gerudo-Frauen gebaren, schickten sie im Alter von fünf Jahren, zu deren Vätern zurück. Meistens waren das Nubidianer. Die Töchter behielten sie und bildeten sie aus. Man wusste auch nicht mehr wann sich das einst einheitliche Volk in Nubidier und Gerudo oder männlich und weiblich gespalten hatte. Wobei sich die Gerudo Hyrule angeschlossen hatten, die Nubidier aber für sich blieben.
Seit jeher gab es mit dem aggressiven männlichen Teil dieses Volkes Spannungen. Der letzte große Krieg, der beinahe beide Rassen und Länder, Hyrule wie Nubidia, in den Untergang trieb, lag 300 Jahre zurück, und brachte das Verschwinden des Lichttempels mit sich, der bei der Zitadelle der Zeit gestanden haben soll und an Schönheit nicht zu überbieten war; den Überlieferungen nach.
Er war eigentlich das Herzstück des Elfenvolkes, der Hylianer. Ihr Wahrzeichen. Dass er nicht unwiederbringlich verschwunden war, sondern ein so langer Zauber auf ihm lag, verknüpft mit dieser Heiratsklausel, war ein Schock.

Link wusste, das war auch Teil ihrer Studien, dass der Monarch mit den Gerudo schon seit Jahren in Verhandlung stand, das gespaltene Volk wieder zu vereinen. Nubidianer und Gerudo wieder zu einem Volk zu machen, was viele Konflikte und Spannungen aus der Welt schaffen würde. Hier gab es von Seiten der Gerudo langsam Aufweichungen in ihrer Haltung dieser Idee gegenüber und auch Pläne der Zusammenführung wurden entworfen. Mit dieser Heirat, der Vereinigung von Hyrule und Nubidia, wäre alles anders. Wäre alles mit einem Schlag in deren Hand und das auf ganz einfache Weise.

Der große Krieg vor 300 Jahren war auch der Grund, dass die Shiekah, ein kriegerisch erfahrenes Volk von Hyrule, bis auf ein paar Überlebende ausgelöscht wurden. Diese bemühten sich ihr Volk wieder aufzubauen, doch es waren zu wenige. Mit der Zeit dünnte ihr Blut immer mehr aus, ihre Rasse verlor sich im hylianischen Volk. Es war zwar eine sehr langlebige Rasse, ein Alter von 150 Jahren war keine Seltenheit, doch mit Impa verlor sich das letzte direkte Glied der reinen Linie. Link schauderte es wieder. Ihre Ausbildnerin war ihm nicht umsonst so unheimlich.
Die Nubidianer brauchten ebenfalls lange, um als Volk wieder zu wachsen. Auch wenn sie ihre Söhne zurück bekamen, hatten diese Kinder nur geringe Überlebenschancen. Die Anforderungen, die an sie gestellt wurden waren so hart, dass nur die Stärksten und Gerissensten überlebten. So erholten sie sich nur langsam, aber sie erholten sich und waren mittlerweile nicht zu unterschätzen.

Link wurde wieder aus seinen Gedanken herausgerissen. Er hörte gerade noch wie König Daltus sagte: „... war ein Fehler, Zelda nach Nubidia mitzunehmen. Prinz Modar hatte Zelda kein einziges Mal aus den Augen gelassen, obwohl sie noch so jung war. Aber wer weiß schon was der Grund war.“ Müde schloss er die Augen. Die ganze Nacht war er mit Impa und seinen engsten Vertrauten munter gewesen, um alles zu durchsuchen und durch zu gehen. Seine Vertrauten, darunter auch General Harusch, ein enger Freund von ihm und Vater von Adela, waren auch jetzt noch damit beschäftigt, ließ er die Burschen wissen. Man konnte sehen, wie ihn die ganze Anstrengung erschöpfte, der Jüngste war er nicht mehr.

„Wir werden das schon schaffen“, meine Van zuversichtlich.

„Sei dir nicht so sicher“, meldete sich Impa. „Unseren Nachforschungen nach, müssen aus jedem Tempel Artefakte geholt werden, die zusammengesetzt eine Figur bilden sollen, welche die Zauberkraft aufhebt, die auf dem Lichttempel ruht. Diese Artefakte sind aber nur innerhalb dieser eine Woche zugänglich.“

„Das glaube ich auch. Wir haben ja alle Tempel schon durchgemacht, alle Räume und Rätsel entschlüsselt und alle magischen Barrieren und Schlüssel gefunden und aufgemacht. Etwas Derartiges wie diese Artefakte wären uns aufgefallen.“ Rocks tiefe Stimme grollte ein wenig. „Wo sollen die Artefakte überhauptsein?“

„Das ist nicht bekannt. Das müsst ihr selbst herausfinden. Ihr kennt die Tempel, wisst wie schwer es ist sie durchzugehen. Ohne den Lichttempel, der alle anderen Tempel in Harmonie hält, unterliegen diese ihrem jeweils eigenen Zauber und ihrer eigenen Verwünschung. Die heilige Macht, die sie innehaben, hat sich gegen sie selbst gerichtet. Erst mit dem Lichttempel werden alle anderen Tempel ebenfalls wieder frei und offen für alle zugänglich sein.“

„Sie haben uns unseres Glaubens, unseres Selbstbewusstseins beraubt.“ Link fiel es wie mit Schuppen von den Augen. „Ohne unserer Identität, unserer Tempel, sind wir geschwächt. Frei für alle Einflüsse und Manipulationen.“

„Ja, so sieht es aus. Wir haben noch mehr alte Schriften entdeckt, für die erst ein Gelehrter kommen muss, da sie niemand mehr entziffern kann. Es ist einfach zu viel Zeit vergangen. Nicht einmal ich kann damit etwas anfangen, und wir haben in unserem Volk viele Schriften und Geheimnisse bewahrt. Unsere Hoffnung ist, dass ihr etwas findet, was uns vielleicht Hinweise gibt. Ihr solltet auch, der Zeit wegen, die Tempel alleine machen. Traut ihr euch das zu?“

Sie sahen einander an und nickten dann.

Ein Klopfen und das Öffnen der Doppeltüre unterbrach sie. Der Zeremonienmeister kam herein und kündigte den Wunsch des Abgesandten der Nubidier an, mit dem Monarchen sprechen zu wollen. Mit einem Nicken, bestätigte der Regent seine Bereitschaft ihn zu empfangen. Die Burschen sahen neugierig zur Türe. Ein hochgewachsener Mann betrat den Raum. Seine Schritte waren schwer und zeugten von Selbstbewusstsein und Arroganz. Seine Statur kam der von Rock gleich. Sein Gewand war schwarz, mit roten kleinen Verzierungen und einem roten Umhang. Bezeichnend, wie für alle Nubidianer, trug er einen Edelstein auf der Stirne, der aussah, als wäre er in einem magischen Ritual eingearbeitet worden. Link spürte wie ihm beim Anblick dieses Mannes eine Gänsehaut herablief, die alle Haare auf seinem gesamten Körper zum Aufrichten brachte. Er konnte gerade noch ein Schütteln unterdrücken.
Mit einer Verbeugung grüßte der Abgesandte den König und die Anwesenden. Der Blick seiner gelblichen Augen blieb dabei kurz an Link hängen.

„Majestät. Habt Ihr schon eine Antwort für uns, die ich meinem Herrscher übermitteln kann?“, fragte der Eingetretene mit einem leichten Akzent.  

Daltus ließ ein wenig Zeit vergehen bevor er antwortete. Das tat er dann in aller Würde seiner jahrelangen Regentschaft.

„Ja, das haben wir“, sprach er langsam. „Wir akzeptieren, doch werden wir alle unsere Mittel einsetzen.“

Der Abgesandte verneigte sich leicht.
„Dieses Recht habt ihr. Eine Woche lang ist die Magie aufgehoben. In dieser kann der Bann des Lichttempels gebrochen werden, doch nur in dieser einen Woche. Falls ihr es früher schaffen solltet“, hier machte er eine betonte Pause, welche den Hohn deutlich hervorhob, „könnt ihr uns eine Nachricht zukommen lassen, damit wir uns überzeugen können.“

Mit einer weiteren gekonnten Verbeugung, die in ihrer höfischen Ausführung den unverhohlenen Spott erkennen ließ, verabschiedete sich der Nubidianer und ging geschmeidig nach draußen.

Eine Zeit lang war es still im Konferenzraum. Link saß immer noch wie betäubt da. Er konnte kaum atmen, so hatte ihn der Anblick des Abgesandten erschüttert. Bis ins Mark fühlte er sich getroffen, er konnte aber nicht sagen warum. Sein Körper reagierte von ganz alleine.

„Link?“ Eine laute, fragende Stimme holte ihn aus seiner Starre. Irritiert blickte er zu Impa.

„Hast du irgendetwas? Ist dir etwas aufgefallen?“

Langsam schüttelte er den Kopf. „Nichts, was ich irgendwie ausdrücken könnte. Mein Körper reagierte von ganz alleine.“

„Ihr wisst durch eure Ausbildung, dass das immer etwas zu sagen hat. Unser Körper erinnert sich an Dinge, die unser Gedächtnis leicht vergisst. Warte ab, vielleicht kommen noch mehr Signale und es formt sich ein konkretes Bild oder Wissen daraus in deinem Inneren.“

Link nickte. Es war für ihn zur zweiten Natur geworden, alle Signale des Körpers ernst zu nehmen. Sie stehen zu lassen, bis sich die Puzzleteile zu einem ganzen Bild zusammenfügten. Es war eine Grundhaltung der Shiekah und eine fast mystisch angesehene Kunst, von außen betrachtet, die aber auf simplen, erlebten Abdrücken in den Körperzellen beruhte. Dem körperlichen Hirn. Eine einfache Technik, die den Geist, die Gedanken hinten anstellte und auf die Einfachheit der Dinge vertraute.

Sie besprachen dann noch ihr Vorgehen und teilten die Tempel untereinander auf. Link würde den Waldtempel übernehmen, Rock den Feuertempel und Van den Wassertempel. Impa versprach den Schattentempel zu erkunden. Somit blieb nur der Wüstenkoloss. Da die Zeit so kostbar war, sollten Van und Rock gemeinsam den letzten Tempel durchforsten, während Impa und Link sich um die anderen anfallenden Dinge kümmern würden. Wenn Gefahr im Verzug war, wussten sie, wie sie einander, oder Impa, um Hilfe rufen könnten. Die Shiekah gab noch letzte Anweisungen, dann brachen sie auf.

Unten trafen sie Zelda, die kalkweiß im Tor zum Hof stand. Mit vor Grauen geweiteten Augen, blickte sie sich zu den ankommenden Burschen um und lief auf Link zu, den sie dann am Arm packte. Er spürte wie sie zitterte und zu keinem Wort fähig war.
In Rocks Gesicht sah er Mitgefühl und Sorge, als dieser ihre Prinzessin ansah. Auch Van legte ihr mitfühlend seinen Arm auf die Schulter.

„Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, Prinzessin“, sagte er. Doch sie schüttelte nur den Kopf und sah zu Boden.

Beruhigend strich Link über ihren Handrücken, bis sie sich langsam entspannte und wieder aufrichtete. Betroffen sah sie Link in die Augen und dann auch in die der anderen.

„Es ist nicht nur wegen der Heirat. Ich habe gerade den Abgesandten gesehen und mir wurde übel. Ich kann es nicht erklären. Ich habe Vorahnungen. Ich glaube, ich werde dieses Gesicht, diese Gestalt, mein ganzes Leben nicht vergessen. Es hat mich geschockt bis in meine Knochen.“ Entsetzt sah sie wieder zu Link. „Was kann das nur bedeuten?“

„Ich weiß es auch nicht, aber mir ging es ähnlich. Wir müssen aufpassen. Irgendetwas stimmt nicht.“

„Am liebsten würde ich mit euch kommen. Doch das geht nicht. So werde ich eben mit den Gelehrten die Schriften studieren. Ich kann sämtliche Sprachen und auch alte Schriften. Impa hat mich ihr gesamtes Wissen gelehrt. Es muss etwas herauszufinden sein.“

Link stimmte ihr zu. So konnten sie sich gut ergänzen. Langsam bekam Zelda wieder Farbe auf ihre Wangen. Der Schock schien vorüber zu gehen.
König Daltus kam zu ihnen. Impa würde erst ein wenig später aufbrechen erklärte er, dann kamen auf seinen Wink Bedienstete hinzu, die große Truhen vor den jungen Männern abstellten.

„Ich möchte, dass ihr diese Rüstungen anlegt. Sie sind aus dem einzigartigen Tarin angefertigt worden, ein kostbares Material, das auch magisch gefestigt wurde. Damit sind sie leicht, weich und gleichzeitig so hart und undurchdringlich, wie kein anderes uns bekanntes Material. Es wird euch helfen eure Aufgaben zu erfüllen. Es müsste für jeden von euch Passendes dabei sein. Betrachtet das als mein bescheidenes Geschenk. Es sind alles Stücke vergangener Herrscher oder ranghoher Generäle.“

Sie dankten und begannen sich aus den kostbaren Stücken etwas auszusuchen.

Link nahm sich einen Brustharnisch mit Schulterklappen und einen Helm aus einer hellen, fast silbrigen Farbe. Der Helm war wie eine Maske geformt und nur seine Augen, die Nasenspitze und die Kinnpartie blieben dabei frei.
Rock hatte sich für einen schwarzen Brustharnisch mit Schulterklappen und einem Helm in derselben Farbe entschieden, der aber keinen Gesichtsschutz hatte.
Van dagegen nahm sich eine geschmeidige, goldene Rüstung, die aus einem Brustharnisch, Schulterklappen und einem ebenfalls offenen Helm bestand.  

Sie sahen jetzt kriegerisch und gleichzeitig edel aus. Rock wunderte sich immer noch, dass auch er passende Rüstungsteile gefunden hatte, doch der Herrscher versicherte ihm, dass unter seinen Vorfahren und wichtigen Würdenträgern des Staates, auch Männer seiner Statur dabei gewesen waren, wenn nicht sogar noch Größere und Schwerere.
Die jeweiligen Waffen, Pfeile und Bogen und bei Link auch ein hochglänzendes Schild, passten wunderbar über die Rüstungen, die sie angelegt hatten und die durch das einzigartige Tarinmaterial, wie eine zweite Haut saßen.

Zelda gab noch jedem von ihnen einen Kuss auf die Wange, bei Link weilte sie dabei am Längsten. Dann wandten sich die Burschen um und bestiegen ihre Pferde, die schon mit Proviant bepackt, für sie hergerichtet worden waren.

Van war hier wieder der Erste, schwang sich gekonnt auf seine Stute und preschte nach einer kurzen Verabschiedung mit einem lauten „Hoi!“ durch den Hof und zum Tor hinaus. Rock schloss sich ihm nur einige Sekunden später an.

Link drückte Zelda nochmals versichernd die Hände, dann sprang er auf seine einzigartige Weise Epona auf den Rücken und blickte mit einem aufmunternden Lächeln zu Zelda und ihrem Vater, um ihnen noch zuzunicken, bevor er seinem Pferd leicht in die Flanken drückte und losgaloppierte, seinen Freunden hinterher.

Während Zelda Link nachblickte, merkte sie aus den Augenwinkeln, wie ihr Vater sich ans Herz griff. Erstaunt drehte sie sich zu ihm und eilte dann erschrocken auf ihn zu.

„Was hast du Vater? Ist dir nicht gut?“

König Daltus atmete ein paar Mal tief durch, dabei schüttelte er den Kopf, so als ob er etwas vertreiben wollte.
„Nein, es ist schon gut Zelda, nur eine schmerzliche Erinnerung.“ Sein trauriger Blick löste sich nur langsam auf, doch auch er lächelte seiner Tochter aufmunternd zu.

„Komm, wir haben viel zu tun.“

Die Prinzessin nickte nur, raffte ihre Röcke und eilte ihrem Vater voraus ins Schloss hinein.
Review schreiben