Wenn ich Dich verliere...

von Hara
GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Christian Mann Oliver Sabel
08.06.2008
06.12.2008
35
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08.06.2008 815
 
Er rannte durch eine undurchdringliche Dunkelheit. Er wusste nicht wo er war oder wohin er lief; er wusste nur eines: er wollte zu Olli, er musste zu Olli. Aber wo war er? Plötzlich löste sich die Dunkelheit. Blitzartig zogen Bilder, Geräusche, Gefühle an ihm vorbei. Eine fremde blonde Frau, Ollis wütender Blick, Wut, Judith, „Wie konntest Du?!“ eine Disco, Freude, ein Boxring, das „No Limits“, Schmerz, Gregor und Rebecca, Angst, ein Kuss (er konnte nicht erkennen wer sich da küsste), Liebe und wieder Olli, immer wieder Olli. Die ganzen letzten Monate zogen innerhalb kürzester Zeit an ihm vorbei. Und dann plötzlich: ein Auto, ein Knall und dann Stille und wieder Dunkelheit. Endlose Dunkelheit. Olli! Wo war er? Ihm musste etwas passiert sein…der Knall… Er begann zu rufen „Olli! Olli, wo bist Du?! OLLI!!!!“
„Christian! Christian wach auf!“ Mühsam öffnete er die Augen. Er hatte keine Ahnung wo er war. „Was ist los?“ Erst nach und nach erkannte er den dunkelhaarigen Mann, der ihn besorgt anblickte. „Du bist eingeschlafen.“ sagte Gregor „ist alles okay?“. Christian nickte. Erst jetzt wurde er sich seiner Umgebung bewusst. Er saß in einem kühlen weiß getünchten Raum mit schwarzen unbequemen Stühlen. In der Mitte des Raumes stand ein niederer Tisch auf dem Zeitschriften lagen und an den Wänden hingen Plakate, auf denen Dinge wie „Frühes Erkennen von Brustkrebs“ oder „Leben mit Diabetes“ standen. Es roch nach Desinfektionsmittel.
Ihm gegenüber saß Lars, der seine weinende Schwester im Arm hielt. Judith las in einer Zeitschrift, deren Titel Christian nicht erkennen konnte, da sie sie falsch herum hielt. Und sogar Olivia hatte ihren gewohnt arroganten Blick abgelegt und wirkte tatsächlich ziemlich besorgt.
In dem Zimmer war es so still, dass das Ticken der Wanduhr überlaut schien, fast so als wolle sie die Menschen unter ihr daran erinnern, dass sie noch am Leben waren, als wolle sie diese leere schwarze Stille vertreiben. Er schaute sie an: viertel nach elf sagten die harten schwarzen Ziffern… war es wirklich erst zwölf Stunden her? War das möglich? Es kam ihm vor als wären es Tage, Wochen, Monate… oder doch nur Sekunden?
Die Tür öffnete sich und eine junge Frau trat ein, ihr schwarzes Haar stand im krassen Gegensatz zu ihrer blassen Haut und dem weißen Kittel, den sie trug. Alles hier schien irgendwie schwarz-weiß zu sein: die Wände, die Stühle, der Boden, die Uhr mit dem lauten Ticken, sogar die Menschen… hallo?! Olli würde vielleicht sterben, er würde sterben ohne dass Christian ihm je gesagt hatte, wie sehr er ihn liebte, ohne dass sie sich noch mal aussprechen konnten, nach ihrem Streit und seinem verdammten Fehler… und worüber dachte er nach?! – Über die Farbgebung eines Wartezimmers! „langsam aber sicher werde ich wohl verrückt.“, dachte Christian. Er hatte aber keine Zeit länger darüber nachzudenken, da die Krankenschwester soeben zu reden angefangen hatte. „Frau Schneider?“ fragte sie. Charly richtete sich schnell auf und wischte sich hastig die Tränen aus dem Gesicht. „Doktor Lahnstein möchte mit ihnen sprechen; es geht um ihren Neffen Oliver Sabel.“
„Was Du nicht sagst“, dachte Christian gereizt „um was soll es denn bitte sonst gehen? Leonhard wird Charly wohl kaum seine Briefmarkensammlung zeigen wollen!“. Doch das sprach er natürlich nicht aus. Er blieb einfach sitzen und klammerte sich an seinem Stuhl fest, als suche er Halt während er dabei zusah wie Charly und Lars sich erhoben und der Schwester aus dem Raum folgten.
Wieder war es still und die Zeit verging. Halb zwölf. Olivia stand auf, sie murmelte etwas von „zu Charly und Lars… will wissen was los ist.“ Klar, als Verwandte was das ihr gutes Recht zu erfahren wie es Olli ging… im Gegensatz zu ihm, der ja „nur“ Ollis Freund war. Dreiviertel zwölf. Über was reden die denn da so lange? War das jetzt ein gutes Zeichen, dass es so lange dauerte? Oder ein schlechtes? Zwölf. Irgendwann verabschiedete sich Judith. „Ruft mich sofort an, wenn irgendwas passiert.“, sagte sie und umarmte Christian zum Abschied. Dann ging sie und es war noch stiller als vorher. Und immer noch verging die Zeit. Viel zu langsam und die Uhr tickte viel zu laut… Viertel nach zwölf.
Er spürte eine Hand auf der Schulter; Gregor sah ihn an. „Hey!“, sagte er „alles wird gut.“, traurig lächelte er „mein kleiner Bruder“. Und zum ersten Mal seit dem letzten Morgen spürte Christian, das ihm die Tränen in die Augen traten. Er wollte nicht weinen, er wollte für Olli stark sein. Doch er konnte es nicht verhindern, dass ihm weiter die Tränen in die Augen schossen. Er senkte den Kopf und versuchte sie wegzuwischen, doch es brachte nichts. Gregor legte den Arm um seinen Bruder und zog ihn an sich. Und so saßen sie da, Arm in Arm, bis die Türe sich ein weiteres Mal öffnete und Charly, Lars und Olivia hereinkamen, alle drei mit verzweifelten ungläubigen schmerzvollen Gesichtern und alle drei mit der selben Hoffnungslosigkeit im Blick.
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