Aller Neuanfang ist schwer

von Shio
GeschichteAllgemein / P6
Bartimäus Kitty Nathanael alias John Mandrake
04.06.2008
04.06.2008
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Kitty

Nun waren schon 3 Monate vergangen seit Nathanael sich geopfert hatte um den Dämon Nuoda aufzuhalten, damit dieser nicht weitere Dämonen in Menschen bannen konnte, denn das hatte die schlechte Konsequenz für die jeweiligen Menschen gehabt dass sie leider nicht mehr von den Dämonen befreit hatten werden können. Dank Gladstones Zauberstab hatte man die meisten von ihnen aufhalten können, nur Nouda war zu stark gewesen. Nathanael hatte die Sicherheitssigel entfernen müssen und die Dämonen die darin gefangen waren frei gelassen. Dabei war er selber umgekommen. Kitty ballte die Fäuste, das Glas dass sie in der linken Hand gehalten hatte zerbrach. Sie hatte gerade Gläser im „Frosch“ dem Lokal indem sie arbeitete poliert als sie ihr wieder einmal die Geschehnisse der letzten Wochen überwältigt hatten. Sie atmete einmal durch und fragte sich kurz warum sie sich diesen Job überhaupt antat, hatte man ihr doch eine Stelle in der Regierung als Vertreterin der Gewöhnlichen wie die Zauberer sie nannten, doch sie hatte dies ausgeschlagen, weil sie einfach nicht glaubte dass sie den nötigen Individualismus dafür aufbringen würde können.
Auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollte vermisste sie Nathanael. Sie war gerade dabei gewesen sich mit ihm anzufreunden und einem Zauberer zu vertrauen, als man ihn mit noch nicht mal 18 Jahren aus dem Leben gerissen hatte. „Nein“ dachte sie und schüttelte den Kopf. Er war nicht aus dem Leben gerissen worden sondern hatte es freiwillig gegeben um die Menschen und London zu retten. Kurz vor seinem Tod hatte er noch versprochen dass er zurückkommen würde, ein Versprechen dass er nicht eingehalten hatte.
Kitty machte sich daran die Scherben vom Tresen zu putzen. Sie gab George, der gerade die Tische abwischte einen kurzen Wink und sagte „Ich bin hier hinten fertig. Gute Nacht“ Sie hängte ihre Schürze an einen der Hacken hinterm Tresen und nahm ihre Mütze von der Garderobe. Diese setzte sie auf ihr inzwischen wieder schulterlanges seidiges schwarzes Haar. „Nacht Clara. Ach ja bevor ich es vergesse, Mr Button lässt dir ausrichten dass er seinen Aufenthalt in Amerika noch einmal um 2 Wochen verlängern muss. Du sollst dich bis dahin noch um sein Heim kümmern.“ Viel mehr zu sich selbst sagte er noch „Komischer alter Mann. Und den schicken sie wirklich auf Friedensmission nach Amerika nachdem wir unsere Truppen abgezogen haben“ ´Kitty biss sich unterdessen auf die Lippe. Warum musste sie auch immer noch ihre zweite Identität Clara Bell benutzten? Aber es war nun einmal Fakt dass Clara Bell nicht wegen Staatsverschwörung von der Polizei gesucht wurde, Kitty oder besser Kathleen Jones schon. Im Rauslaufen warf sie noch ein kurzes „Mach ich George“ in den Schankraum und schon war sie draußen auf den nächtlichen Londoner Straßen. Sie beschleunigte ihre Schritte bis sie ein kräftezehrendes Lauftempo erreicht hatte. Oh ja sie musste sich nun endlich Klarheit verschaffen. Was war damals im Glaspalast passiert nachdem Nathanael sie weggeschickt hatte. War er wenigstens einen schnellen Tod gestorben? Wenn jemand der im Glaspalast anwesenden es überlebt haben konnte dann nur einer und an den musste sie sich jetzt wenden.
Kitty zitterte und war ausser Atem als sie den Schlüssel zu Mr Buttons Haus ins Schloss steckte. Es war mitten in der Nacht, aber der Drang nach Antworten hatte sie überwältigt. Sie verschloss die Tür nicht mal hinter sich bevor sie in den Beschwörungsraum stürmte, so aufgeregt war sie. Sie machte sich sogleich an die Vorbereitungen. Zum dritten Mal in ihrem Leben musste sie so tun als ob sie eine Zauberin war, aber dieses Mal wenigstens für einen guten Zweck. Das Mädchen seufzte als sie sich im Pentagramm aufstellte und die Formel noch einmal im Kopf durchging. Wenn Mr Button wüsste was sie hier gerade bei ihm machte wäre er bestimmt nicht erfreut. War sie doch nur sein Mädchen für alles, keine Zauberin. Selbstbewusst wie immer sagte sie ihr Sprüchlein und wartete. Nichts passierte. Abermals an diesem Tag ärgerte sie sich über ihre eigene Dummheit. Wie konnte sie nur glauben dass Bartimäus diesen Anschlag überlebt hatte? Wahrscheinlich waren die dabei entfesselten Mächte auch für einen Dschinn vierter Stufe wie ihn zu stark gewesen.
Plötzlich erfüllte eine kalte Briese den Raum und riss ein paar lose Blätter mit sich in die Mitte des Gegenüberliegenden Pentagramms. Kittys Herz hüpfte in ihrer Brust. Bartimäus erschien, er war noch am Leben. Der Strudel zog sich zusammen und verhüllte für einen Moment die Gestalt die darin auftauchte. Kitty musste die Augen schließen, als ein heller Blitz durch den Raum fuhr. Als sie wieder sehen konnte starrte sie erschrocken auf den Dämon, oder besser gesagt war überrascht über dessen Erscheinungsform. Vor ihr stand Nathanael.

Bartimäus
Als ich vom Anderen Ort gerufen wurde und meine Substanz sich auflöste hatte ich schon so ein Gefühl wer das wohl sein könnte, hoffte aber damit nicht richtig zu liegen. Bitte lass mich dieses Mal auf einen anderen Gewöhnlichen treffen der sich darin überschätzt mich Bartimäus Rekhyt, Sakhr al Dschinni, den noch immer angeschlagen zu rufen. Wenn dem so wäre und er nur den geringsten Fehler machte würde ich ihn mit Haut und Haaren auffressen. Doch dieser Wunsch wurde mir leider nicht erfüllt denn vor mir stand in Lebensgröße Kitty. Zu meinem Glück hatte ich vorsichtshalber die Erscheinungsform von Nathanael, früher auch als John Mandrake bekannt, gewählt. Es schien sie aus dem Konzept zu bringen den Zauberer leibhaftig vor ihr zu sehen und das unversehrt und schmuck gekleidet wie zu Lebzeiten, sogar den Anzug und die Manschetten hatte ich meinem früheren Herrn und Meister zu liebe haargetreu nachgebildet. Doch hatte ich in Hautfarbe wohl etwas übertrieben. War er eher immer der blasse Typ dem man das Solarium anrät gewesen hatte er nun eine fast schokoladenbraune Hautfarbe, die ihm etwas Ägyptisches verlieh, wie ich zumindest hoffte. Ich weidete mich an dem Anblick der sich mir bot, denn schließlich war ich immer noch ein erhabener Dschinn von dessen Taten man heute noch in den mit Ehrfurcht geschriebenen Werken der Chronisten lesen kann, und ein nicht ganz unwichtiger Aspekt ist auch dass ich ein Dämon bin, und der will nicht immer nur das beste für die Menschen, was heißen soll eigentlich will er nie das beste für die Menschen.
Kittys Augen wurden groß, ihre Hände wurden zu Fäusten und für einen Moment war die Verzweiflung in ihrem Gesicht so deutlich wie die Schreie meiner Feinde damals im alten Ägypten. Doch schnell hatte sie sich wieder gefangen. Sagt mal hatte ich diese Fähigkeit an ihr nicht vor allzu langer Zeit mal bewundert? Heute erschien mir das lästig, konnte ein Dschinn nicht einmal seine Ruhe haben. Mit einer tieferen Stimme wie Nathanael sie gehabt hatte und bei deren Klang die Luft im Zimmer zu beben schien verlautbarte ich “Was willst du Gewöhnliche schon wieder von einer erhabenen Wesenheit wie der meinen?“ Zusätzlich ließ ich noch ein wenig Wind durchs Zimmer fegen. Zu solchen Hilfsmitteln hatte ich schon lange nicht mehr gegriffen, dass wollte schon ein Kompliment für das Mädchen sein. Doch dieses blieb völlig unbeeindruckt, während ich hier meine ganze Trickkiste was furchterregende Effekte anging, mit welchen ich schon Salomo zu erschrecken gewusst hatte. Zweifellos lag es an der Gestalt meines ehemaligen Herrn und Meisters dass dies keinen Erfolg hatte, er war ja nicht der Typ vor dem man davonläuft. Das heißt wenn man ihn von hinten sah, mit einem leichten Sehfehler und in einem Schneesturm.
Mit der gewohnten Selbstbeherrschung sagte meine neue Meisterin:“Bartimäus du kannst mich nicht täuschen und nimm gefälligst eine andere Gestalt an“ Wo kommt man denn hier als gutes Substanzwesen hin, dass man schon Befehle von einer Gewöhnlichen annehmen muss? Ganz charmant wie es eben meine Art war entgegnete ich hier folgendes“ Dieses mal nicht von gleich zu gleich? Ich hab gewusst dass du eine Zauberin wirst und noch mal diese Herr Knecht Nummer abziehst. Hast deine Prinzipien aber schneller über den Haufen geworfen als ich das erwartet hatte“ Klar versuchte ich sie zu reizen und hatte damit überraschenderweise auch Erfolg. Kitty schrie mich fast an, nein das heißt sie kreischte regelrecht „Niemand hat hier seine Prinzipien über den Haufen geworfen. Ich vertraue dir noch immer, oder hast du vergessen dass ich der zweite Mensch war, der zum anderen Ort gereist ist, und das weil ich einem Dschinn vertraut habe“ Demonstrativ trat sie aus dem schützenden Pentagramm heraus, womit auch für mich die Fesseln aufgehoben waren. Ich konnte raus und tun was ich wollte. Für die meisten anderen Dämonen hätte das bedeutet dass sie sich ihren Beschwörer geschnappt hätten und das ganz ohne Salz oder Pfeffer, wenn ihr versteht was ich meine, aber nicht für mich. Ich hatte schon seit Jahrhunderten keine Menschen mehr verspeist, und das aus dem einfachen Grund heraus dass ich dergleichen gar nicht nötig habe. Ein schwacher Kobold, ein machtgieriger Foliot oder sogar ein wahnsinniger Afrit oder Marid, wobei ich an Nuoda erinnern möchte, aber ein Bartimäus? Niemals. Stattdessen hob Nathanael fragend eine Augenbraue und lies sich in die Hocke sinken, wie Kitty es schon von Ptolemäus kennen sollte. Musste ungewöhnlich ausgesehen haben diesen geziemten und gestriegelten Zauberer mitsamt todschicken Anzug auf dem Boden sitzen zu sehen. „Bartimäus, ich habe dich nur aus einem einzigen Grund gerufen und zwar damit du mir sagst was in der Nacht im Glaspalast geschehen ist nachdem er mich fortgeschickt hatte.“ Ihre Stimme bebte und ihr Körper zitterte, dass konnte ich durch die gelangweilt Halb geschlossenen Augen erkennen. Irgendwie hatte ich geahnt dass es darum gehen würde. „Ich mach’s kurz: Nuoda kam auf uns zu, der kleine Nathanael entließ mich und ging in den Tod. Hat zum Schluss noch mal richtigen Schneid bewiesen, hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Was danach passiert ist weiß ich nicht, ich war ja nicht mehr anwesend. Kann mir aber vorstellen dass vom Glaspalast nicht mehr viel übrig ist. So jetzt kannst du mich ja wieder heimschicken. Auftrag erledigt.“ Nathanael klatschte in die Hände und erhob sich. Ich war sicher die Entlassungsformel zu hören, doch denkste die Kleine wurde nur wütend. „Ändere deine Gestalt sofort und dann hör auf zu lügen. Nathanael kann nicht tot sein, das will ich nicht glauben“ siehe da, es hatte sich sogar eine einzelne Träne über ihre Wange verirrt und ihr Selbstvertrauen löste sich auch allmählich in Luft auf. Aus Mitleid mit der Schminke des Mädchens, ihr dachtet doch nicht aus Mitleid mit ihr, wechselte ich die Gestalt und vor ihr stand wieder der bewährte Ptolemäus, der immer noch eine meiner Lieblingsgestalten war. Ptolemäus verbeugte sich gekünstelt vor Kitty. Ich glaube so habe ich zu meinen Lebzeiten noch nie einen Ägypter verbeugen sehen.