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Ein kleines Licht für die Zukunft

von Amberlove
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Ben Kessler Katja Metz Lothar Krüger
30.05.2008
30.05.2008
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Licht der Zukunft

Noch lange saßen Lothar und Katja abseits des Großstadtgetümmels an dem Todesort von Katjas Vater. Sie hörten die laute Stadt im Hintergrund, einige, wenige Sterne waren am Himmel zu erkennen und schienen Katja ein wenig Hoffnung schenken zu wollen. Katja konnte es nicht glauben, dass ihr langjähriger Freund Joe all dies ihrer Familie angetan hatte.  Katja spürte noch immer Lothars Hand auf ihrer Schulter ruhen und erwiderte diese nette Geste, indem sie auch Lothars Hand hielt.
„Ich muss wieder los“, meinte Lothar betroffen und war sich bis zum Schluss nicht sicher, ob es richtig war, Katja in diesem Moment im Stich zu lassen. Doch sie lächelte ihn aufmunternd an, „schon okay, Lothar.“
Lothar erwiderte, dass sie nicht mehr so lange bleiben solle und verschwand mit diesen Worten in der Dunkelheit.
Prüfend drehte sich Katja um und sah Lothar nach, der anscheinend zu Fuß gehen wollte.
„Lothar!?“, rief sie ihm nach.
Er drehte sich um.
„Du kannst den Wagen nehmen“, sagte sie.
„Aber dann musst du ja laufen“, kam es von Lothar.
„Das macht nichts, ich möchte eh noch ein bisschen ...“, sie brachte den Satz nicht zuende, sah Lothar stattdessen an und erkannte, dass er verstanden hatte, was sie meinte. Katja und nickte zum Wagen, noch immer mit den Gedanken ganz woanders. Lothar drehte um und kam wieder auf sie zu, glaubend, er müsste etwas sagen, „ich muss ja eh gleich in der Wache sein, nicht dass das Stress gibt,“ stammelte er in die Stille.
„Genau“, bestätige Katja nickend und schmunzelte.

Schweigend saß Katja noch einige Zeit vor dem Kerzenlicht, allmählich wurde es ihr kalt und sie beschloss aufzubrechen, sobald die Kerze erlöschen würde. Obwohl die Nachrichten des Tages erschreckend waren, würde sie heute nun endlich abschließen können. Sie erschrak, als sie ein Auto ihr näherkommen hörte. Joe war doch wohl auf der Wache und ihr Mutter auch, oder etwa nicht?
Erleichtert und nicht sicher, ob sie genervt sein sollte, erkannte sie Bens Wagen, sodass sie ihren Blick wieder in die Ferne schweifen ließ.
„Na“, kam es mit ruhiger Stimme von Ben.
„Wie kommst du darauf, dass ich hier bin?“, wollte sie von ihm wissen, ohne ihn anzusehen. Ben kam nun auf sie zu und nahm gleich das Namensschild und die Kerze wahr, bevor er seine Partnerin wieder ansah. „Lothar hat es mir gesagt, als ich gefragt habe, wo du bist“, meinte Ben immer noch mit dieser beruhigenden Stimme, „ich glaube es ist nicht gut, wenn du so lange alleine bist.“
„Ich bin nicht alleine“, kam es von Katja, „Gedanken, Schuldgefühle“, fing sie an, doch Ben unterbrach sie.
„Hey“, kam es von ihm, „du bist nicht Schuld.“
„Ich hätte längst merken können, dass an der Sache was nicht stimmte“, brachte sie das erste Mal das hervor, was sie schon die ganze Zeit dachte und nun hatte sie endlich jemanden gefunden, den sie all dies an den Kopf werfen konnte.
„Du hast Joe vertraut Katja“, meinte Ben beruhigend, „selbst wir haben erst spät an ihm gezweifelt. Das ist doch auch total absurd, dass er was damit zu tun hat.“
„Er am Kofferraum und hat weit und breit niemanden gesehen“, brachte Katja nun fast spöttisch hervor, „das klingt doch schon total komisch.“
„Du kannst es nicht mehr ändern“, meinte Ben nun wieder.
„Ja“, fing sie an zu schreien, „ja, das sagen alle! Und trotzdem, verdammt Ben, ich hätte längst etwas merken können. Er ist mir so oft ausgewichen“, erinnerte sie sich zurück.
Ben bemerkte mal wieder, dass sie es ausnutzte all ihren Dampf an ihm abzulassen und vielleicht war es gut, dass sie das bei ihm konnte, ohne dass er ihr böse war.
„Ja, aber“, wollte Ben einwenden.
„Ich habe sogar geglaubt, dass er sich selbst umgebracht hat“, stieß sie nun fast unter Tränen hervor, diese Erinnerung tat noch immer weh. Bis vor wenigen Sekunden war sie noch ruhig gewesen, sie hatte sich mit dem Gedanken angefreundet, dass das Drama ein Ende gefunden hatte. Doch nun war es Ben der neben ihr stand und an dem sie alles auslassen konnte.
Ben legte einen Arm um sie, „jetzt hast du Klarheit, vergiss doch den Rest.“
„Und ich habe ihm vertraut, wie ich Dirk vertraut habe“, verglich Katja Joe mit Dirk und wurde immer verzweifelter.
„Katja, es ist vorbei“, meinte Ben beruhigend und wollte sie nun in seinen Arm schließen. „Lass, ist schon okay“, meinte Katja abwehrend, doch als er sie im Arm hielt, konnte sie nicht anders, als es anzunehmen und ihre Arme beruhigend um ihn zu schließen, um ruhig zu atmen.
„Es ist vorbei, Katja“, wiederholte Ben, „und ich habe dir doch gleich gesagt, dass er dich nicht im Stich gelassen hätte.“
Er drückte seine Kollegin an sich, bis sie sich beruhigt und sich aus seinem Griff gelöst hatte. In diesem Moment erlosch die Kerze, Katja warf einen letzten Blick erschrockenen Blick zu dem Fleck, auf den sie die letzte Stunde gestarrt hatte. Nun war es vorbei und sie drehte sich um.

Mit einem gezwungenen Lächeln sah sie Ben an, „nein, du hast gesagt, dass du mich nicht im Stich lassen würdest.“
Ben erwiderte sofort das Lächeln, ging neben ihr her und nahm den Schlüssel an sich, den Katja ihm in die Hand drückte.
„Jetzt wo ich von deiner Mutter erfahren habe, dass du mich wohl mögen musst“, meinte er ernster als dass er sie neckte.
„Ach, ich dachte dein intaktes Selbstbewusstsein hätte dir das schon vorher gesagt“, konterte Katja. Sie stiegen ein.
„Interessant ist daran nur, dass du es nicht zugeben willst“, bemerkte Ben als er den Motor startete.
„Woher willst du denn wissen, ob es überhaupt stimmt?“, grinste Katja.
„Na ja, mit acht Kurzen und einigen Bier intus hältst du es hinterher immerhin für möglich, dass du dich zu mehr überreden lässt“, erklärte Ben.
„Und da bildest du dir jetzt natürlich was drauf ein?“, lachte Katja und war überrascht, wie leicht Ben sie ablenken konnte, zumindest ein bisschen.
Als sie an einer roten Ampel zum Stehen kamen, nutze Ben die Gelegenheit sie anzusehen, „allein schon, weil du überhaupt auf diesen Gedanken gekommen bist.“
„Du bist ein Mann, da ist das naheliegend“, kam es von Katja.
„Was kennst du denn für Männer?“, tat Ben unschuldig.
Katja lächelte, „Nur die Schlimmsten, befürchte ich.“ Sie waren inzwischen an Katjas Haus angekommen.
„Was ein Glück, dass du mich hast“, erwiderte Katjas Partner mit einem Lächeln, als sie ausgestiegen waren und auf Katjas Haustür zutraten.
Katja schwieg und ging die Treppen hinauf, eine Stufe vor Ben.
„Mir fällt noch ein Grund ein, der dafür spricht, dass meine Kollegin mich mag“, warf Ben.
„Da bin ich gespannt“, meinte Katja und musste wieder lächeln.
„Sie streitet es nicht ab“, meinte Ben siegessicher, sodass Katja sich umdrehte, geschlagen. Sie blieben stehen. „Na gut, na gut“, gab sie lachen zu, „du hast gewonnen.“
Lachend drückte sie ihm einen kurzen flüchtigen Kuss auf die Wange, schüttelte dann verständnislos den Kopf.
Sie stand nur eine Stufe über ihm und konnte ihm direkt in die Augen sehen, drehte sich aber um, bevor er sie weiter eindringlich anzustarren suchte. Ben blieb noch einen Moment stehen ... sah ihr kopfschüttelnd nach und folgte seiner Kollegin schließlich.
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