Opposites attract

von Alexil
GeschichteDrama / P18 Slash
27.05.2008
16.06.2008
2
6051
 
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
Hallo an alle interessierten Leser,

das hier ist ein Versuch. Ich will wissen, wie ihr das erste Kapitel einschätzt. Eure Meinung wird darüber entscheiden, ob ich weiterschreibe oder nicht. Noch dazu muss ich sagen, dass ich diese Geschichte wahrscheinlich eine lange Zeit dann nicht updaten werde, wenn ihr sie gut findet. Ich will sie vielleicht als einen Challenge Beitrag verwenden, wenn mir keine bessere Idee kommt. Aber dafür seid ihr ja jetzt da: Ist das erste Kaitel gut, kann man sich unter der Geschichte was vorstellen?

Ich würde mich über Feedbacks freuen. Danke.

LG
Alexil

*~*~*~*~*~*~*~

Kapitel 1

Cuddy stand vor dem Scherbenhaufen ihrer Existenz. Obwohl der Scherbenhaufen hier weniger aus Glas, als aus Asche bestand. Aber das Bild sprach für die Verwüstung, die das Feuer hinterlassen hatte. Das einzige, was von ihrem Haus noch stand, waren wenige Außenmauern und ein paar Teile des Grundgerüstes. Den Rest hatte die Flamme verschlungen. Als die Feuerwehr am Ort des Geschehens eintraf, konnte sie nicht mehr viel tun. Das Haus mit all seinem Inhalt war bereist bis zur Hälfte niedergebrannt und es drohte jede Sekunde einzustürzen.

Das sich auch keine Menschen mehr im Haus befanden, waren die Feuerwehrleute nicht reingegangen, sondern hatte von draußen das Übergreifen der Flamme auf die Nachbarhäuser versucht zu verhindern. Denn bereits nach wenigen Minuten Löscharbeit hatte festgestanden: Das Haus werden sie nicht mehr retten können. Cuddy stand im Moment da, wo vor wenigen Stunden noch ihr Eingang gewesen war. Eine hübsche dunkelblaue Tür war es gewesen, die nun verkohlt, schwarz, rußig zu ihren Füßen lag. Cuddy legte den Kopf in den Nacken, stützte die Arme in die Seite und stöhnte laut auf.

Ihr war zum Heulen zu Mute. Warum sie? Warum jetzt? Warum so? Hätte nicht ein Wasserrohr brechen können? Das hätte man reparieren können. Aber so…? Das konnte man nicht reparieren, nur abreißen und neu bauen. Doch Cuddy hatte nicht das Geld, nicht für ein Haus und nicht… Sie schluckte schwer. Langsam hob sie wieder den Kopf und sah in die Ruinen. Überall qualmte und tropfte es noch etwas und Wasser bahnte sich seinen Weg nach draußen in den Garten. Die Feuerwehr hatte ihr Verboten, den Ort zu betreten. Zurzeit stand noch nicht die Brandursache fest. Man vermutete zwar, dass es ein Funken gewesen ist, aber sicher war sich da keiner.

Also blieb Cuddy an der Tür stehen und suchte in den Trümmern nach noch erhalten gebliebenen Sachen. Doch auf den ersten Blick fand sie nichts. Weiter hinten konnte sie ihre Couch erkennen, da ihren Schrank, ihre kleine Kommode, der Fernseher, der zu einem einzigen Knäuel zusammen geschmolzen war, an der einen Wand vorbei konnte man in ihre Küche sehen. Auch dort sah es schlimm es. Es sah überall schlimm aus. Doch Cuddy war im Moment noch nicht bereit das Ausmaß ihres Verlustes genau zu erkennen. Sie war noch zu geschockt.

Cuddy zuckte leicht zusammen, als ein Feuerwehrmann von hinten an sie herantrat.

„Entschuldigen sie Miss, wir haben noch ein paar Fragen an sie. Würden sie vielleicht kurz mitkommen?“ Cuddy drehte sich zu dem Mann um, der ihr einen Blick gemischt aus aufmunternd und traurig schenkte. Erst jetzt bemerkte Cuddy wirklich die Menschenmassen, die sich hinter dem Absperrband ihres Grundstückes befanden. Sie tuschelten, zeigten mit den Fingern und es war ein Gewirr aus ständigem Gemurmel, was nun zu ihr vordrang. Cuddy sah kurz in die Menge, nickte dann dem Mann zu und ließ sich von ihm zu einem der Einsatzwagen bringen, wo auch schon die Polizei auf sie wartete.

Die gesamte Straße war zugestellt mit Feuerwehrwagen, Polizei und Krankenwagen. Die blinkenden Lichter zuckten in der Straße und in der sonst so Sternenklaren Nacht. Einige der Leute packten bereits ein und fuhren wieder ab. Einige Polizisten versuchten die Schaulustigen wieder nach Hause zu schicken, was ihnen nur mäßig gelang. Andere waren auf dem Weg in die Trümmer, um sich den Brand und die mögliche Ursache ansehen zu können. Als sich Cuddy und der Mann der Absperrung näherten, hob ein Polizist das gelbe Band für sie hoch und beide tauchten drunten hindurch.

Cuddy wurde zu dem Einsatzwagen der Polizei geführt, man öffnete die Beifahrertür für sie und setzte sie hinein. Sie machte ein so niedergeschlagenes Gesicht, dass man wahrscheinlich vermutete, dass sie gleich in Ohnmacht fallen würde, doch Cuddy blieb standhaft. Der Feuerwehrmann blieb an ihrer Seite, während sich ein Polizist und ein Mann mit einer blauen Jacke näherten. Der Polizist zog einen Notizblock und trat auf Cuddy zu.

„Dr. Cuddy?“ Der Mann sah nett aus, hatte allerdings einen ernsten Gesichtsausdruck aufgesetzt, was ihm einen komischen Blick verlieh. Der zweite Mann war noch ruhig, musterte Cuddy aber auffällig.

„Ja…!“ Sagte Cuddy mit leicht wackliger Stimme. Der Polizist nickte und machte eine Notiz auf seinem Block.  

„Ich bin Detektiv Winters und das ist unser Brandexperte Mr. Brady.“ Cuddy sah zu dem kleinen Mann mit Vollbart und den kleinen braunen Augen. Sie nickte freundlich, was dieser allerdings nicht erwiderte.

„Wir haben ein paar Fragen an sie, wenn sie gestatten.“ Das war weniger eine Frage, als eine Aussage. Die Fragen würden kommen, ob Cuddy nun wollte oder nicht. Dieser Mr. Brady blieb ruhig und schien im Moment nur zu zuhören. Cuddy sah wieder zu dem anderen Typen… Detektiv Winters und nickte leicht.

„Gut… wie haben sie von dem Feuer in ihrem Haus erfahren?“ Detektiv Winters sah sie nicht mehr an, sondern hatte seinen Blick auf den Notizblock gerichtet, bereit jede Sekunde etwas aufzuschreiben. Als er merkte, dass da nichts kam, sah er wieder auf. „Dr. Cuddy?“ Cuddy war versunken gewesen in der Erinnerung an den Moment als sie vorgefahren war und die vielen Feuerwehrautos gesehen hatte.

“Ich wusste davon nichts…“, sagte sie etwas zaghaft. „Ich bin gerade von meiner Arbeit gekommen und bog in die Straße ein, als ich die vielen Einsatzwagen sah. Ich dachte nicht, dass es mein Haus sein könnte… Als ich näher kam, da sah ich, dass mein Haus brannte. Ich bin ausgestiegen und sofort her gelaufen. Ich…“, sie schluckte. „ich kann mir das nicht erklären… wie konnte das nur passieren…?“ Cuddy schüttelte den Kopf und der noch anwesende Feuerwehrmann neben ihr legte ihr die Hand auf die Schulter, um sie zu beruhigen. Allerdings half das wenig. Der Polizist machte eine Notiz.

„Sie arbeiten in einem Krankenhaus?“ Vor Cuddys geistigem Auge sah sie die Flammen tanzen, die Flammen, die ihr Haus vernichtete hatten. So langsam kam der Schmerz durch.

„Ja… ich arbeite im PPTH, das ist etwas eine halbe Stunde von hier. Ich bin die Klinikleiterin.“ Wieder eine Notiz.

„Warum hat sie keiner der Nachbarn informiert?“ Cuddy sah zu ihm auf und dann wieder weg. Sollte sie ihm das wirklich sagen…? Sie musste. Cuddy wusste nicht, ob sie belangt werden konnte, wenn sie log, aber warum sollte sie auch lügen…?!

„Ich pflege zu meinen Nachbarn kein gutes Verhältnis… ich arbeite viel zu lange, als das ich mich mit ihnen verabreden könnte, oder so etwas. Ich kenne sie, habe aber keinen Kontakt. Ich denke nicht, dass sie meine Nummer haben…“ Jetzt war es raus. Sie arbeitete lange, hatte in der Straße keine Freunde und deshalb… deshalb kam sie hier an, wie der letzte Idiot und wusste nichts von dem Brand. Cuddy bereute das jetzt aber sie hätte es auch nicht ändern können.

Der Detektiv machte wieder ein paar Notizen und fragte dann weiter. „Sie leben alleine in dem Haus?“ Cuddy ließ den Kopf sinken. Es konnte ja nur noch schlimmer kommen. Jetzt musste er sie nur noch nach ihrem Alter fragen und der Abend war perfekt. Abgeurteilt von einem Polizisten. Cuddy merkte, dass es in ihrem Kopf ziemlich wirr von sich ging. Sie versuchte sich einzureden, dass der Mann nur seine Arbeit machte und diese Fragen stellen musste, doch das wollte ihre Gefühlswelt im Moment nicht zulassen.

„Ja, ich lebe alleine in diesem Haus… ich bin Single und 42 Jahre alt… müssen sie mir alle diese Fragen jetzt stellen?“ Der Polizist reagierte nicht, stattdessen drückte die Hand auf ihrer Schulter wieder etwas fester zu. Noch immer half es Cuddy nicht, um sich zu beruhigen.

„Gibt es etwas, was sie wissen, was den Brand in ihrem Haus ausgelöst haben könnte? Herd angelassen, Licht, Kerzen…?“ Cuddy sah den Polizisten nur an, die Antwort war einfach.

„Nein!“ Beide Männer musterten Cuddy auffallend. Anscheinend war ihr Erscheinungsbild, der leicht verwirrte, bis panische Ausdruck, der sich in den letzten Minuten gebildet hatte, die Trauer in ihren Augen, kein gutes Indiz für eine gesunde Frau, die auch immer brav alle ihre Elektrogeräte im Haus ausmachte und die Kerzen auspustete. Doch auf die Spitze wurde das getrieben von diesem Mr. Brady, der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte, sich einen Kommentar nun scheinbar aber nicht verkneifen konnte.

„Sind sie sicher?“ Sein Blick beendet den Satz, der deutlich sagte, dass ihr momentaner Zustand etwas anders sagte. Nun wurde Cuddy sauer. Das war zu viel. Zu viel für sie jetzt, alles, die Männer, um sie herum, die Fragen, die Feuerwehr, die Erinnerung an all die Sachen im Haus. Cuddy konnte nicht mehr und jetzt schien ein Knoten bei ihr zu platzen.

„Wie können sie es wagen?“ Abrupt stand sie aus dem Autositz auf und baute sich vor den beiden Männern auf. Das alles geschah so schnell, dass selbst die hart gesottenen Polizisten vor ihren einen Schritt zurück machten. „Wie können sie es wagen…?“, donnerte Cuddy ein zweites Mal. „Mein Haus ist gerade abgebrannt, all meine Sachen sind weg, verbrannt, zunichte gemacht, all meine Erinnerungen, meine Wertsachen, Papiere, Unterlagen, Familienerbstücke, meine Möbel, mein Haus, mein gesamtes Leben liegt da verkohlt vor mir und sie wagen es, sich vor mir zu stellen und anzudeuten, ich wäre zu dämlich eine bescheuerten Lichtschalter auszumachen?“ Cuddy schnaufte und der Feuerwehrmann, der die ganze Zeit an ihrer Seite war und ihr versuchte zu helfen, musste sie zurückhalten, dass sie nicht auf die Männer losging.

„Wir haben nie angedeutet…!“ Der Detektiv wollte sich noch rechtfertigen, Cuddy wollte noch zu ihm aufsehen, doch da ergriff der Mann an ihrer Seite das Wort:

„Haben sie ihre Fragen gestellt, Detektiv?“ Er trat einen Schritt vor und stellte sich vor Cuddy. Der Detektiv sah von Cuddy zu dem Mann und zurück, nickte, machte seinen Notizblock zu und zog mit Mr. Brady von Dannen.
Cuddys Wutausbruch hatte derweil zu einer ganz anderen Reaktion bei ihr geführt. Anstatt dass sie jetzt noch immer vor Wut schäumte, hatte sie wieder im Polizeiwagen Platz genommen und weinte. Jetzt erst hatte sie gemerkt, was in dem Feuer wirklich alles verloren gegangen war. Und zwar alles… Einfach alles… Familienalben, Erbstücke, alles… sie hatte alles innerhalb einer Nacht verloren. Einfach so. Nun stand sie da, ohne Haus, ohne ihr Leben, den einzigen Besitz, den sie noch hatte, war das, was sie bei sich trug und ihr Auto. Cuddy weinte und es störte sie nicht, dass die Menschen zu ihr sahen, sie anstarrten. Es war die pure Trauer, der pure Schmerz über den Verlust.

In der Zeit hatte sich der Feuerwehrmann vor sie gekniet und sah sie von unter her an. „Geht es…? Soll ich ihnen ein Taschentuch bringen?“ Sein Gesicht zierte ein sanftes Lächeln und sah Cuddy direkt in die verweinten Augen. Cuddy sah zurück und zum ersten Mal an diesem Abend spürte sie den Halt, den er ihr gab.

„Danke… aber nein danke…!“ Cuddy zog ein eigenes Taschentuch aus ihrer hervor und trocknete sich die Tränen. Sie hatte sich etwas beruhigt, doch noch immer fühlte sie die Tränen in sich. Gleich könnte es wieder losgehen. Der Mann lächelte leicht und nickte.

„Möchten sie etwas trinken? Ich kann ihnen Wasser holen…“ Cuddy atmete tief durch und sah ihn weiterhin an.

„Warum tun sie das? Warum sind sie so nett zu mir… Ich bin doch nur die Verrückte, die die Kerzen hat brennen lassen…!“ Murmelte sie in ihr Taschentuch. Der Mann verzog leicht den Mundwinkel, blieb diesmal aber ernst.

„Ich kenne das Gefühl… letztes Jahr hat ein Brand das Haus meiner Familie zerstört. Alles was wir über Jahre hin angesammelt hatten, war in einer Nacht weg. Ich kann verstehen wie sie sich fühlen.“ Er hielt sich mit der Hand an der offenen Wagentür fest und versuchte erneut ein aufmunterndes Lächeln. Irgendwie wirkte es beruhigend auf sie.

„Sie sind verheiratet…?“ Er nickte. Cuddy nickte auch und schnaubte noch einmal in ihr Taschentuch.

„Aber lassen sie sich von den beiden Idioten nicht verrückt machen… So ein Feuer, so ein heißes Feuer, dass schafft kein Kurzschluss oder eine Kerze, dass ging alles viel zu schnell. Und was die Typen abziehen ist Routine. Das klingt hart, aber so wollen sie schauen, ob die Person, der das Haus gehört, es nicht vielleicht selber angezündet hat, wegen der Versicherung.“ Cuddy nickte. Sie sah an ihm vorbei zu ihrem ehemaligen Haus, nur um ihn dann wieder anzusehen.

„Ich kenne gar nicht ihren Namen…!“ Es war gut, wenn sie sich jetzt etwas ablenken konnte. Weinen, dazu würde sie noch lange genug Zeit haben.

„Ich heiße Nick und sie sind Dr. Cuddy.“ Ein schmales Lächeln auf seinen Lippen. Es war so selbstverständlich. Er lächelte und Cuddy fühlte sich besser. Er war verheiratet, nahm sich dennoch die Zeit, um sie nach ihrem Befinden zu fragen, um sich um sie zu kümmern.  

„Lisa, mein Name ist Lisa…!“ Auch Cuddy versuchte nun ein zaghaftes Lächeln, aber so richtig wollte das noch nicht gelingen.

„Freut mich Lisa.“ Cuddy atmete noch einmal tief durch und ihr Blick wanderte jetzt wieder zu ihrem Haus. Was sie heute noch alles vorgehabt hatte. Sie wollte sich gemütlich auf die Couch setzen und sich ihre Lieblingsserie Grey´s Anatomy ansehen, sich schön ein Glas Wein gönnen und dann früh zu Bett gehen. Nun hatte sie nichts mehr von ihren schönen Ideen, nun musste sie überlegen, wie es weiterging.

„Was wird jetzt noch weiter geschehen?“ Sie sah wieder zurück zu Nick.

„Mr. Brady ist unser Feuerexperte. Er wird sich die Überreste ansehen und versuchen herauszufinden, wie das Feuer zustande gekommen ist. Dann wird er einen Bericht anfertigen und diesen einreichen. Danach entscheidet sich, ob sie von der Versicherung Geld noch zurückbekommen oder nicht. Und wenn ja, wie viel.“ In seinen Augen spiegelte sich die Erfahrung wider, die er selber vor einem Jahr mit diesen Dingen gemacht hatte. Leichter Schmerz war zu erkennen, wenn er daran dachte, was er alles verloren hatte.

„Und was ist mit meinen Sachen… ich meine denen, die man noch gebrauchen kann?“ Nick sah ich wieder tief in die Augen. Er holte etwas Luft und legte leicht den Kopf schief.

„Wie gesagt, das Feuer war sehr heiß, sehr ungewöhnlich für einen „normalen“ Brand. Ich kann nicht sagen, ob überhaupt etwas das Feuer überstanden hat. Aber ich werde sehen, ob ich was finde und alles noch brauchbare sammeln und an sie weiterleiten.“ Nick wollte ihr keine falschen Hoffnungen machen, er wusste, dass das sehr wehtat, wenn man dann enttäuscht wurde.

„Kann ich nicht mit rein, selber suchen?“ Cuddy sah ihn hoffnungsvoll an. Doch Nick schüttelte den Kopf.

„Einsturzgefahr. Sie dürfen da nicht rein. Und außerdem darf nichts von seinem Platz genommen werden, solange Mr. Brady noch nach der Ursache forscht. Und wenn ich mal eine Prognose aufstellen soll, so kann das eine Zeit lang dauern. Aber ich verspreche ihnen, ich gehe persönlich und sammle jeden kleinsten Zipfel ein, den ich finden kann.“ Cuddy ließ traurig den Kopf sinken. Wieder spürte sie die Tränen aufsteigen.

„Okay…“, sagte sie mit einer von Traurigkeit geprägten Stimme. „ich glaube, ich gehe dann mal…“ Sie erhob sich und kramte in ihrer Handtasche. „Hier das ist meine Telefonnummer auf Arbeit. Wenn sie was wissen, rufen sie mich an?!“ Nick nickte und nahm die Karte und steckte sie ein, Cuddy wollte gehen, nur weg von hier.

„Soll ich sie wohin fahren?“ Cuddy sah ihn an, kämpfte die Tränen weg.

„Nein, danke… und danke für alles…!“ Nick lächelte traurig und nickte, dann ging Cuddy weiter zu ihrem Auto, stieg ein und fuhr weg. Nur weg von hier, so weit weg wie möglich. Wohin, dass wusste sie nicht.

Eine Stunde später lag sie auf der Couch in ihrem Büro. Sie hatte sich von einer der Schwestern eine Decke geben lassen und war damit - ohne Kommentar - in ihr Büro gegangen, hatte die Sichtschutze zugezogen und nun lag sie auf der Couch, mit der Decke und weinte sich in den Schlaf.  

****

Mit einem Blick in Camerons Wohnzimmer hätte man glauben können, dass hier eine Bombe eingeschlagen hatte. Zumindest war es gerade genau der Gedanke, der ihr durch den Kopf ging. Mit einem Weinglas in der Hand stand sie an den Rahmen ihrer Küchentür gelehnt und besah sich ihren Esstisch. Voll mit Bergen von Papieren und Kontoauszügen und Kreditanträgen. Mit einer frustrierten Miene ließ Cam das Weinglas sinken und tapste auf ihren Socken zurück ins Chaos.

Heute, genau heute war das eingetreten, was sie vor 4 Monaten schon gewusst hatte. Unterschwellig gab sie mal wieder Kate die Schuld. Denn wer sollte auch anderes Schuld sein als sie. Wenn sie mit dem gesamten Schlamassel nicht angefangen hätte, würde sie jetzt nicht auf diesem Berg von Papieren sitzen und sich den Kopf zermartern. Es war ungerecht. Cam kam zu dem Tisch und stellte ihr Glas ab. Wie sollte man schön wohnen, wenn man sich ständig Gedanken um das liebe Geld machen musste?

Genervt wand sich Cam wieder dem Brief zu, den sie heute bekommen hatte. Die Monatsmiete war wieder fällig und Cameron bekam – wie nun schon eigentlich regelmäßig – einen Brief von ihrem Vermieter, der sie daran erinnerte. Einmal, nur einmal hatte sie das vergessen. Gut weniger vergessen, sie hatte das Geld zum damaligen Zeitpunkt nicht gehabt. Und wie will man etwas von etwas bezahlen, wenn man das kleine etwas nicht hatte?! Ihr griechischer Vermieter – Mr. Dermatitis – fand das damals gar nicht lustig. Schließlich lebe sie ja in einer 34.000 Dollar Wohnung auf Miete. Da wäre es ein Unding, wenn man sich mit der Zahlung verspäte und er hätte ja auch noch viele andere Interessenten, die sich für die Wohnung interessieren würden und pünktlich zahlen könnten.

Cameron verdrehte allein bei dem Gedanken daran die Augen und warf das Stück Papier wieder auf den Tisch. Sie schnappte sich ihr Weinglas und setzte sich auf die Couch. Von hier aus konnte sie den Berg auf ihrem Esstisch nur bedingt sehen, was sie ungemein beruhigte. Im Schneidersitz kuschelte sich Cam in die Kissen und legte den Kopf zurück.

Sie hatte es gewusst. Kate hatte es ihr gesagt. Aber Cam… Was hat sie gemacht? Sie hat sich eingeredet sie würde es schaffen. Sie könnte die Miete bezahlen. Mit ihrem Lohn würde das schon gehen. Doch genau in dem Moment, wo sie das gesagt hatte, wusste ihr Kopf es besser. Ein paar Monate, vielleicht, aber mehr nicht. 4 Monate hatte es gehalten, das Geld. Und nun war es vorbei. Cameron schloss die Augen und stöhnte etwas.

Sie liebte diese Wohnung. Sie konnte nicht einfach ausziehen. Schon als sie damals den ersten Schritt durch die Eingangstür gesetzt hatte, war sie verliebt und schwor sich, so schnell hier nicht mehr auszuziehen. Kate hatte da allerdings andere Pläne gehabt. Und nun, da sie nicht mehr da war, kam sie mit den Beiträgen nicht mehr klar.

Verdammt. Die junge Immunologin öffnete wieder die Augen und sah auf. Sie trank den letzten Schluck ihres Weines und blickte sich um. Es war ja nicht so, als hätte sie den heutigen Tag nicht kommen sehen. Nein, so war das nicht. Sie wusste es und hatte schon gesucht. Ehrlich… Sie war auf Wohnungssuche gegangen. Sie hatte es sogar wieder in ihrem alten Haus versucht, doch das war bereits voll. Es konnte doch nicht sein, dass es in Princeton keine Wohnung für Verdienende gab, die halt nicht so viel verdienten.

Ja, diese Wohnungen gab es zwar… aber… Cameron hatten sie alle nicht gefallen. Wenn man auf einem Schatz sitzt, dann gefällt es einem nirgendwo genauso wie auf diesem Schatz. Und Cameron liebte ihre Wohnung. Die hohen Fenster, die hellen Räume, der Ausblick auf den großen Garten, die Sonne, die jeden Morgen in ihre Schlafzimmer schien. Alles. Damit konnte keine Wohnung in ganz Princeton mithalten.

Und während sie sich so in ihren vier Wänden umsah, kamen ihr die Worte der Jungs wieder in den Kopf. „So kann es nicht weitergehen…!“ hatten Chase und Foreman zu ihr gesagt und sie hatten Recht. So konnte es nicht weitergehen. 4 Monate hatte Cameron von Entbehrungen gelebt, um die Miete aufbringen zu können. Als ihr Wagen den Geist aufgab, war der erste Monat, in dem sie nicht zahlen konnte und der Grund für nun die regelmäßige Post von Mr. Dermatitis.

Verdammt. Leicht wütend stand Cameron wieder von der Couch auf und lief in ihrer Wohnung auf und ab. Verdammt, sagte sie nun noch einmal, diesmal aber so laut, dass mindestens die Nachbarn ein dumpfes Geräusch gehört haben mussten. Sie stemmte die Arme in die Seite und blieb in Augenhöhe ihres Arbeitszimmers stehen. Ein Arbeitszimmer. Sie sah in den Raum und musste lächeln. Wozu braucht eine Immunologin, die den gesamten Tag arbeitete bitte ein Arbeitszimmer?

Diese Fragen hatte nicht nur sie sich gestellt. Das waren auch Bemerkungen von Foreman und Chase gewesen, als sie ihr beim Renovieren geholfen hatten. Cameron lief zu der Tür ihres Arbeitszimmers und sah sich darin um. Es war nur unwesentlich größer, als ihr Schlafzimmer, hatte einen interessanten Schnitt und lag an einer der ruhigen Ecken des Hauses. Der Ausblick war toll und jeden Morgen schien auch hier die Sonne rein. Es lag neben ihrem Zimmer und beide Räume wurden durch eine Tür miteinander verbunden. Wenn sie also…

Die junge Ärztin legte leicht der Kopf schief und versuchte sich das vorzustellen. Sie könnte den Schreibtisch und den Hometrainer auch in ihre anders Zimmer stellen. Ein Vorteil, wenn man in einer 4 Zimmer Wohnung lebte, die 100m2 fasste. Man hatte Platz, um die Möbel umzustellen. Sie könnte gemütlich den Trainer und den Schreibtisch in ihre Relax Zimmer stellen oder in ihre kleine Bibliothek, egal wie man es nennen wollte. Genug Platz war dafür. Dann hätte sie ein freies Zimmer und könnte…

Das Bild setzte sich in ihrem Kopf langsam zusammen. Sie hatte ein großes Bad, eine große Küche, zwei große Zimmer, wobei eines davon frei war, sie selber war nett und freundlich und sehr umgänglich. Wenn sie jemanden finden könnte, der mit ihr hier einzog, dann musste sie nicht raus. Cameron versuchte sich mit einer netten jungen Frau hier vorzustellen zu wohnen. Vielleicht im selben Alter, mit der man sich gut unterhalten und vielleicht auch mal etwas unternehmen könnte.

Das Bild, was sie nun im Kopf hatte, gefiel ihr. Warum eigentlich nicht sich einen Mitbewohner beschaffen. Aber wie ging so etwas? Cameron betrat ihr Arbeitszimmer und setzte sich an ihren PC. Konnte man nicht im Internet Leute finden?

Sie verbrachte einige Zeit damit, sich eine paar Börsen anzuschauen und die Wohnungsbeschreibungen durchzulesen, aber je mehr sie las, desto weniger wollte sie sich da anmelden, geschweige denn jemanden von da bei sich wohnen haben. Sie wollte jemanden nettes, sauberes… jemanden… Cameron überlegte. Sie wollte auch jemanden, der vielleicht auch Ärztin war. Cameron grübelte weiter. Bis ihr die Lösung für das kleine, aber feine Problem, wie Schuppen von den Augen fiel.

Warum suchte sie nicht zuerst im PPTH nach jemandem? Kaum war der Gedanke da, wurde er für gut befunden und Cameron setzte ihn sogleich in die Tat um. Am PC erstellte sie ein Aushängeblatt mit ihren Angaben zu der Wohnung und was für einen Menschen sie suchte. Als sie das ausgedruckte Stück Papier in der Hand hielt war sie glücklich. Morgen würde sie das im Personalzimmer an das schwarze Brett hängen und dann… mal sehen, wer sich alles melden würde.