Auf frischer Tat ertappt

von ChrisDiva
GeschichteAllgemein / P12
Christian Mann Gregor Mann Oliver Sabel
25.05.2008
25.05.2008
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25.05.2008 1.447
 
„Scheisse“, entfuhr es Christian. Er war so in einer anderen Welt gewesen, hatte die Küsse und Berührungen so genossen, dass er ihn nicht hatte kommen hören. Er war derart perplex, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Daher sass er einfach kerzengerade und splitternackt in seinem Bett. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. „Schlimm genug, dass er mich beim Sex erwischt hat, aber dann auch noch mit einem Mann“, dachte er gerade, als die Person, die er die ganze Zeit mit grossen Augen und offenem Mund angestarrt hatte, sich umdrehte und aus dem Zimmer lief. Nun kam ruckartig Bewegung in Christian und er schoss wie eine Rakete aus dem Bett. Auf dem Weg Richtung Tür zog er sich hektisch an. Mit einem „Jetzt warte doch“, lief er aus dem Zimmer und Richtung Wohnzimmer.

„Das darf doch jetzt nicht wahr sein“, schoss es ihm durch den Kopf. Er hatte einen lockeren Spruch auf den Lippen gehabt, als er die Klinke der Schlafzimmertür langsam herunter drückte. Etwas im Stil von „So du Schlafmütze, jetzt aber endlich raus aus den Federn. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern … und die durstigen Kehlen warten“. Er öffnete die Tür und bevor er sie sah, hatte er sie gehört. Erst ein Stöhnen und als Antwort darauf ein kehliges Lachen. Er wollte gerade wieder verschwinden, als aus dem Gewühl aus Laken und Kissen ein Kopf auftauchte. Es war aber nicht Christian, sondern Oliver. Nun kam auch sein Gegenüber zum Vorschein und diesmal war es dann sein Bruder. Jetzt stand er im Wohnzimmer und wusste nicht so recht, was er denken und fühlen sollte. Mehr als das er es hörte, spürte er, dass jemand den Raum betreten hatte. Er drehte sich um und sah in das leicht erhitzte und errötete Gesicht seines Bruders. Ob dies noch vor Erregung war oder doch eher vor Scham, konnte er nicht sagen. Da Christian in nur hilflos und stumm anblickte, begann Gregor zu sprechen. „Seit wann geht das schon mit euch?“ fragte er. Da Christian ihn auch nach dieser direkten Frage immer noch nur hilflos anblickte und keine Anstalten machte, seinen Mund auseinander zu kriegen, legte er nach „Läuft das mit euch Beiden etwas schon, seit ich euch damals am helllichten Tag in Unterhosen erwischt habe und sagte, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, ihr beide hättet gerade eine Nummer geschoben?“. Ein leises, unsicheres und auch etwas schuldbewusstes „Ja“ war alles, was Christian herausbrachte. Also war es wieder an Gregor, den Faden aufzunehmen. „Christian, verdammt, wie konntest du nur…“ Weiter kam er allerdings nicht, denn nun schien von einem Moment auf den anderen wieder Leben in sein Gegenüber gekommen zu sein und dieser starrte ihn wütend an. „Das war ja so was von klar, dass mein Casanova von Bruder ein Problem damit hat, wenn ich mit einem Mann in die Kiste steige“, warf er Gregor wütend an den Kopf. Bevor dieser jedoch den verbalen Angriff kontern konnte, war der aufgebrachte Christian schon an ihm vorbei und aus der Wohnung hinaus gestürmt.

Oliver hatte sich mit Absicht zurück gehalten und war ich Schlafzimmer geblieben. Er wollte den beiden Brüdern die Chance geben, sich auszusprechen. Er wollte aber auch für Christian da sein, falls dieser ihn brauchte. Daher hatte er sich, kaum hatte sein Freund das Zimmer verlassen, schnell etwas angezogen und dann gewartet. Plötzlich hörte er eine Tür knallen und als er ins Wohnzimmer kam, stand da nur noch einer der beiden Manns.

„Was ist passiert“ fragte Oliver und schaute Gregor fragend an. „Ich habe ihn nur gefragt, wie lange das mit euch beiden schon läuft und wie er das tun konnte“, sagte ein durch den plötzlichen Stimmungswechsel und Gefühlsausbruch seines Bruders immer noch leicht verwirrter Gregor. „Du hast was? Mensch Gregor. Das war das letzte, was Christian in diesem Moment hören wollte. Ja klar, er hätte dir vielleicht schon lange sagen sollen, dass wir zusammen sind und ich habe ihn auch immer wieder dazu ermutigt, mit dir darüber zu sprechen. Aber er hatte einfach so grosse Angst. Ich meine, es war für ihn nicht leicht, seine Gefühle für mich zu zulassen. Es war ein rechter Kampf, bis ich ihn dazu bringen konnte, dazu zu stehen und mich an ihn heran zu lassen.“ „Wie kam es eigentlich dazu?“, unterbrach ihn Gregor. „Das ist eine lange Geschichte, die dir besser Christian erzählt. Ich sage nur so viel: Alles begann mit einem Kuss zwischen Coco und mir, der dann zu einem Kuss zwischen Christian und mir führte, der uns dann wiederum im Endeffekt zusammen gebracht hat“. „Mir wird ganz schwindlig von all den Küssen und ich bin mir auch nicht ganz sicher, dass ich das jetzt alles richtig verstanden habe. Aber das ist im Moment auch egal, denn jetzt muss ich erstmal unbedingt mit Christian reden.“ erwiderte Gregor. „Ich gehe ihn suchen. Wahrscheinlich ist er …“ „im Boxkeller“, sagten Gregor und Oliver wie aus einem Munde. Sie sahen sich kurz an und mussten dann lachen, dass die beiden Personen, die Christian auf dieser Welt am nächsten standen, im gleichen Moment das selbe gedacht hatten.

Er war etwas ausser Atem. Allerdings lag es wohl weniger an dem kurzen Lauf, den er auf dem Weg hierher zurück gelegt hatte, sondern eher an den verschiedensten Gefühlen, mit denen er gerade zu kämpfen hatte. Erleichterung, Traurigkeit, Angst, Wut … alles das fühlte er in einem. Wenigstens war es jetzt raus. Er hatte so oft ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn Gregor sich Sorgen gemacht hatte, dass er wohl noch nicht über das Kapitel Coco hinweg sei, da er ja anscheinend noch kein neues aufgeschlagen habe. Dabei war er in den letzten Wochen so glücklich, wie schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich sogar, wie noch nie in seinem Leben. Es war einfach unglaublich. Oli war sein bester Freund und ein toller Liebhaber in einem. In einem Moment konnten sie so richtige Männergespräche führen, um dann im nächsten Augenblick übereinander herzufallen. Oft genügte eine leichte Berührung oder sogar nur ein Blick aus diesen unvergleichlichen dunklen Augen und er konnte sich nicht mehr zurück halten und musste ihn einfach berühren. Und schnell reichte ihm dann meist auch das nicht mehr und er wollte ihm noch näher sein, ihn fühlen und spüren. Ganz tief.
Etwas, dass sich so gut anfühlte, konnte doch nicht falsch sein… Aber dann hatte er vorhin den Blick von Gregor gesehen. Und all seine Befürchtungen und Ängste waren wieder da. In seinem tiefsten Inneren hatte er sich so gewünscht, dass sein Bruder, der doch so tolerant zu sein schien, wirklich kein Problem damit haben würde, dass er nun einen Mann liebte. Aber da hatte seine innere Stimme, die ihn immer davor gewarnt hatte, wohl doch recht behalten. Es war unglaublich, dass er noch vor einigen Minuten so unendlich glücklich in Olivers Armen gelegen hatte. Nun sass er hier und fühlte sich so traurig und allein.

Er hatte also Recht gehabt. Er wusste einfach, wie sein Bruder tickte, auch wenn sie in vielen Dingen unterschiedlich waren und deshalb auch öfters aneinander gerieten. Als er in den Boxkeller kam, sah er seinen Bruder, der den Sandsack umklammert hielt und seine Stirn daran angelehnt hatte. Auch wenn er immer den starken Kerl markierte, wusste Gregor doch, dass er in seinem tiefsten Inneren sehr unsicher war und einfach geliebt und akzeptiert werden wollte.
Er ging langsam auf ihn zu. Christian schien so in seine offenbar trüben Gedanken vertieft zu sein, dass er gar nicht mitbekam, wie sein Bruder immer näher kam. Erst als er direkt hinter ihm stand, drehte er sich erschreckt um. Er wollte gerade etwas sagen, aber Gregor liess ihn gar nicht zu Wort kommen. „Nein, Christian, du hörst mir jetzt zu und unterbrichst mich nicht wieder, wie vorhin in der Wohnung. Ja, ich bin wütend und sehr enttäuscht. Allerdings nicht, weil du auf Männer stehst und dich in Oliver verliebt hast, sondern weil du so wenig Vertrauen in mich hattest, dass du es mir nicht gesagt und mir stattdessen wochenlang was vorgemacht hast. Du bist meine Familie und ich will doch nur, dass du glücklich bist. „Das bin ich“, antwortete Christian, „Oli macht mich sehr glücklich“.

Langsam machte er sich wirklich Sorgen. Er hatte eine Weile, die sich für ihn anfühlte wie eine Ewigkeit, in der Wohnung gewartet, aber weder Christian noch Gregor waren zurück gekommen oder hatten sich gemeldet. Da er seine Dramaqueen kannte und wusste, dass er sich manchmal sehr in etwas hineinsteigern konnte, hatte er sich dann irgendwann auf den Weg zum Boxkeller gemacht. Als er die Tür langsam öffnete, sah er gerade, wie sich die beiden Brüder umarmten. Bei diesem Anblick breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, er machte einen Schritt zurück und schloss leise die Türe von aussen.