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Nebel über Hogwarts

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
24.05.2008
19.08.2014
74
161.845
5
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24.05.2008 2.012
 
A/N: Was lange währt, wird endlich gut – ich glaube, so kann man die Geschichte dieser Geschichte am besten zusammenfassen. Angefangen vor fast sechs Jahren, fertiggeschrieben vor fast einem, hat sie jetzt endlich den Weg von meiner Festplatte in die Weiten des Internets gefunden. Sie ist komplett fertig geschrieben, was einen regelmäßigen Postingrhythmus garantieren sollte (für die alten Hasen unter meinen Lesern, die sich noch an meine Updates erinnern: Diesmal ehrlich! Wirklich! Tatsächlich!), und ich hoffe, dass sie euch trotz der beträchtlichen Länge genauso fesseln kann, wie sie das bei mir beim Schreiben getan hat. Die ersten fünfzehn Kapitel, die bereits online waren, sind noch einmal leicht überarbeitet worden, es haben sich allerdings keine wesentlichen Änderungen am Plot ergeben. Wer sich noch erinnern kann, kann sie allerdings getrost auslassen. Mein Dank für die Mithilfe dieser Story geht vor allem an Francis und Savenia, wobei letztere sich der schlimmsten Kapitel angenommen hat und erstere mich mit ihrer Aufforderung, weiterzuschreiben, bei der Stange gehalten hat. Jetzt bleibt mir nur noch, mich für die lange Verzögerung zu entschuldigen und zu hoffen, dass Nebel über Hogwarts euch auch nach so vielen Jahren der Wartezeit noch immer fesseln kann. Viel Spaß!

Nebel über Hogwarts – Kapitel 1: Der Orden des Phönix

Die altehrwürdige rote Dampflok spuckte weiße Rauchschwaden, doch sie verzogen sich nicht, sondern hüllten den Bahnsteig in helle, dichte Wolken, die sich mit dem in diesem Sommer allgegenwärtigen Londoner Nebel verbanden.

„Beeilt euch, Jungs!“ Mrs Clementine Potter, eine zierliche, dunkelhaarige Frau, fuchtelte energisch mit der linken Hand, während sie mit der anderen drei große, schwere Koffer in einen der Waggons dirigierte. Offenbar wünschte sie sich, genauso mit den drei jungen Männern vorgehen zu können, die neben dem Einstieg warteten und besorgt in Richtung des Tores blickten, das hinaus in die Muggelwelt führte.

„Wo bleibt Wurmschwanz?“, fragte James Potter, ein mittelgroßer Junge, der nervös mit dem Schulsprecherabzeichen, das er an seine Jacke gepinnt hatte, spielte.

„Keine Ahnung“, erwiderte sein Freund Sirius Black, der – etwas größer als er und sehr gutaussehend – sich auf der Schulter des anderen abstützte, um besser sehen zu können, was ihm ein verschämtes Kichern von einigen Mädchen in der Nähe einbrachte. „Ich seh nur McGonagall und diese beiden Auroren, deren Namen ich vergessen habe, die die Köpfe zusammenstecken.“

„Sie heißen Alastor Moody und Frank Longbottom, Sirius“, erwiderte James indigniert und zog die Schultern hoch, während der Dritte im Bunde – Remus Lupin – nur resigniert den Kopf schüttelte. Er hatte schon lange aufgegeben, seinem Freund zu erklären, dass sein Berufswunsch – Auror – gefährlich war. Seine Andeutungen hatte eher noch die Leidenschaft geschürt, mit der er dieses Ziel verfolgte, und somit war es auch nicht verwunderlich, dass James die meisten Ministeriumsmitarbeiter aus dieser Sparte mit Namen kannte.

„Jungs!“ Mrs Potter, die es mittlerweile geschafft hatte, die Koffer in ein Abteil zu dirigieren, machte ungehalten auf sich aufmerksam. Noch immer hielt sie ihren Zauberstab in der Hand und warf ab und zu verstohlene Blicke in Richtung der letzten Waggons des Zuges, bei denen sich eine Gruppe von Schülern mit ihren Eltern zusammengerottet hatte. „Ich weiß, ihr wartet auf Peter, aber das könnt ihr auch im Abteil tun.“

Trotz ihrer aufgesetzten Gelassenheit spürten auch die drei jungen Männer die gedrückte Atmosphäre, die auf dem Bahnsteig herrschte, sie sahen die Mütter und Väter, die ihre Kinder zum Abschied festhielten, so als ob sie sie nie wieder sehen würden, die kleinen Geschwister, die weinten wegen etwas, das sie nicht recht definieren konnten. So fügten sie sich nur zu gerne der Anweisung und stiegen hastig in die Wärme des Zuges, hinaus aus der ungewöhnlichen Kälte des Sommermorgens, um es sich in ihrem Abteil bequem zu machen.

Auch die Abteilung Auroren – so aufregend James sie auch fand – trug nicht dazu bei, die Stimmung aufzuhellen, denn sie machte ihnen eindeutig klar, wie unsicher die Zeiten waren und wie viel die Zauberergemeinschaft bereit war, in den Schutz der nächsten Generation zu investieren.

Mrs Potter hielt die drei jungen Männer durch die Fensterscheibe im Blick, während sie sich gleichzeitig bemühte, den Eingang im Auge zu behalten, und James seufzte enerviert. „Man könnte wirklich meinen, wir wären elf und hätten noch nie einen Zauberstab in der Hand gehalten.“

Sirius grinste nur träge und räkelte sich in einem der bequemen Sitze. „Lass sie doch... gegen meine Mutter ist sie ein wahrer Engel, also fällt es mir wirklich leicht, ihr das bisschen Beschützerinstinkt zu verzeihen. Und für Duelle ist im Zug auch noch genug Zeit, wenn du darauf scharf bist.“

Remus unterdrückte gerade noch ein Kopfschütteln, sie waren noch nicht einmal in Hogwarts – und James war auch noch der neue Schulsprecher – und die beiden hatten schon wieder nur Unsinn im Kopf.

„Seht mal, da ist Dumbledore!“, rief er aus, als er durch das Fenster den Schulleiter entdeckte, der mit seiner üblichen, wallenden Robe auf McGonagall und die beiden Auroren zuschritt.

Diese Neuigkeit überraschte selbst Sirius und James, beide richteten sich in ihren Sitzen auf und spähten durch die ein wenig verrußte Scheibe nach draußen. „Sieht wichtig aus“, bemerkte der neue Schulsprecher. „Ich würde gerne eine Hand geben, wenn ich jetzt zuhören könnte...“ Für einen Augenblick schien er über die Aussage nachzudenken. „Na gut. Vielleicht einen Finger...“

Sirius grinste für einen Moment über den schwachen Witz, doch dann bemerkte er, wie konzentriert Remus aus dem Fenster auf den Schulleiter und seine Stellvertreterin starrte. „Moony?“

Doch dieser antwortete nur mit einer abwinkenden Geste, was Sirius dazu brachte, sich näher zu seinem Freund zu lehnen. „Moony? Was machst du da? Führst du Selbstgespräche?“

Seine Provokation erreichte aber nicht die gewünschte Wirkung, Remus starrte nur weiter aus dem Fenster und bemerkte vollkommen abwesend und nicht im geringsten verärgert: „Sirius, wenn du mich noch für zwei Minuten in Ruhe lassen würdest, dann könnte ich dir sagen, was ich da mache...“

Der Junge hatte zwar eigentlich nicht vor, sich an diesen Vorschlag zu halten, doch die Ankunft von Peter Pettigrew, der aus dem vorderen Teil des Zuges gehetzt kam, seinen Koffer hinter sich herzerrend, hielt ihn davon ab, Remus weiter zu belästigen. „Wurmschwanz! Da bist du ja endlich!“

„Hey“, grinste Peter zurück und wuchtete seinen Koffer auf die letzte noch freie Gepäckablage. „Tut mir leid, dass ich erst jetzt komme, aber meine Eltern dachten, es wäre sicherer, früher zum Bahnhof zu fahren und den größten Ansturm zu verpassen, vor allem wegen meiner Schwester... Mum war eine richtige Glucke und hat uns beide bis jetzt nicht aus den Augen gelassen.“

James nickte. „Stimmt, Suzanne fängt ja ihr erstes Jahr in Hogwarts an... ich hätte daran denken müssen.“

Peter ließ sich in einen der freien Sitze fallen und deutete zum Fenster. „Und was macht Moony da eigentlich?“

„Führt Selbstgespräche“, antwortete Sirius gut gelaunt und packte ein Stück Schokoladenkuchen aus, das James' Mutter ihnen mitgegeben hatte. „Will nicht gestört werden.“

„Natürlich. Die Alternative ist, mit euch zu reden...“, brummte Remus vom Fenster her in das Abteil, nur um sich einen Moment später aufzurichten. „Sie sind weg.“

„Wer?“

„Merlin und Morgana. Standen gerade noch neben der Absperrung“, antwortete Remus genervt – er war müde und erschöpft vom letzten Vollmond und seine Geduld litt unter den Schmerzen, die seine Abschürfungen und blauen Flecken verursachten.

„Wirklich? Cool.“

Remus rollte bei Peters Kommentar nur mit den Augen. „Dumbledore und McGonagall. Ich denke also, dass wir gleich...“ Der Ruck des anfahrenden Zuges nahm ihm die Worte aus dem Mund, und er lehnte sich in seinem Sitz zurück.

„Da der großartige vertrauenswürdige Vertrauensschüler Remus Lupin jetzt mit seinem Selbstgespräch fertig ist, könnte er uns doch verraten, um was es dabei ging?“ Sirius lächelte servil, etwas, das er trotz seines rebellischen Wesens überraschend gut konnte.

„Wenn du dafür aufhörst, zu grinsen... du siehst aus als ob du uns hier gleich in deiner Schleimspur ertränkst.“ Remus rollte genervt mit den Augen, besonders, da James und Peter die Szene offenbar sehr amüsant fanden.

„Schleimspur?“ Sirius blickte verwirrt drein. „Was meinst du?“

„Eine Metapher, Tatze. Kannst du natürlich nicht wissen, außer Wie kriege ich ein Mädchen herum – in zehn Sekunden hast du ja noch nie ein Buch gelesen.“

Bevor Sirius allerdings zu einer gepfefferten Antwort ansetzten konnte, schaltete sich James ein, der ein Lachen unterdrücken musste. „Also, was hast du gemacht?“

„Ich hab versucht herauszufinden, was Dumbledore und die anderen besprochen haben.“

„Und... wie?“ Peter zog fragend die Augenbrauen hoch. „Habt ihr wieder mal einen neuen Zauber entwickelt?“

Ein unausgesprochenes „und mir nichts davon erzählt“ schwang hinter seinem Satz mit, doch Remus schüttelte den Kopf. „Nein, ich habs auf Muggelart versucht... Florence hat mir Lippenlesen beigebracht im Ausgleich dafür, dass ich ihr mit Verwandlung geholfen hab.“

„Florence?“ Peter blickte verwirrt drein.

„Florence?“ James grinste anzüglich.

„Florence Silverspoon?“ Sirius grinste noch anzüglicher, etwas, das er merkwürdigerweise ohne Mühe bewerkstelligte.

„Florence Silverspoon aus Hufflepuff?“

Remus blickte hilfesuchend zur Decke des Abteils. „Könntet ihr bitte damit aufhören?“

„Florence Silverspoon aus der Sechsten mit den blonden Locken?“

„SIRIUS!“

„'Tschuldigung“, nuschelte sein Klassenkollege angemessen – aber nicht sehr – zerknirscht. „Also, weiter im Text?“

„Auf jeden Fall hab ich versucht herauszufinden, worüber sie reden. Ich hab nicht alles verstanden, obwohl ich die Sommerferien geübt hab, aber ich bin mir recht sicher, dass sie über einen Orden des Phönix gesprochen haben – was auch immer das ist.“

James zuckte mit den Schultern. „Die neue Tapferkeitsauszeichnung des Zaubereiministeriums? Der Hexenmeister für Arme?“

„Auf jeden Fall meinte Dumbledore, dass sie während des Jahres viel Arbeit haben würden und dann sind sie eine Liste von Leuten durchgegangen, die sie einladen möchten... wohin auch immer. Hab kaum Namen verstanden, aber ich denke, ein paar Schüler aus den Siebten waren dabei... und dann mussten Dumbledore und McGonagall auch schon wieder weg.“

„Interessant. Wirklich interessant“, meinte Sirius und lehnte sich in Denkerpose in seinem Sitz zurück.

James zuckte mit den Schultern. „Ja. Aber viel zu mysteriös für meinen Geschmack. Nach allem, was Remus gehört hat, könnte das genauso ein neuer Koboldstein-Club mit einem merkwürdigen Namen sein.“

„Vielleicht ein neuer Slug-Club?“, schlug Peter hoffnungsvoll vor, doch Remus schüttelte sofort den Kopf. „Es waren ziemlich viele Namen dabei, die ich noch nie gehört hab, und sie haben nur Schüler aus den höheren Klassen genannt... ich denke also nicht, dass es eine schulinterne Angelegenheit ist. Und bevor ihr fragt: Wir waren nicht dabei.“

„Schade. Hätte doch interessant werden können... jetzt wo die Schule bewacht wird wie ein Hochsicherheitsgefängnis wird das Jahr doch sicher sterbenslangweilig...“ Sirius wirkte enttäuscht bei der Aussicht, ohne den Honigtopf in Hogsmeade auskommen zu müssen, doch James grinste nur trocken. „Siehs doch endlich mal positiv, Tatze. So haben die Mädchen, denen du nachstellst, endlich weniger Raum, um wegzulaufen.“

„Als ob bei mir eine weglaufen würde. Du bist doch der, der davon am meisten profitiert – Lily Evans flüchtet doch schon seit mindestens zwei Jahren vor dir.“

Remus grinste matt bei dieser Fehldeutung der Situation. „Der einzige, der in dieser Konstellation flüchtet, ist Krone – wenn Lily ihm nach dem fünfundsiebzigsten Angebot wieder eine Klatschen will.“

„Wie wahr, wie wahr...“, seufzte James traurig und schüttelte betrübt den Kopf. „Aber irgendwann wird sie feststellen, dass sich hinter meiner rauen Fassade ein einfühlsamer und fürchterlich missverstandener junger Mann versteckt, dessen Gefühle sie nun schon seit Jahren verletzt...“

Sirius tauchte schnell in seinen Rucksack, um seinen Lachkrampf zu verbergen, und rettete sich, indem er seine Zähne in ein weiteres Stück Schokoladenkuchen schlug. „Aber...“ Er presste das Wort gequält heraus, entschied sich dann aber, doch lieber zuerst zu schlucken. „Wisst ihr, was mir aufgefallen ist?“

„Nein?“ Peter blickte ihn interessiert an.

„Unser Remus hat doch ein Sexleben.“

James grinste trocken. „Stimmt. Wir dachten schon, du wärst ein Eunuch, Moony.“

„Ich habe kein Sexleb-“ Er unterbrach sich und starrte für einen Moment aus dem Fenster, die Röte kroch ihm die Wangen hinauf. „Ich meine, nicht mit ihr.“

„Und wir haben uns schon gewundert, warum du immer so lange brauchst, wenn du im Badezimmer der Vertrauensschüler verschwindest...“

„Ich habe nicht... mit ihr...“

Sirius grinste. „Und mit wem dann? Wir wollen Namen hören, Moony.“

Remus verdrehte die Augen zur Decke und blickte hilfesuchend nach oben, so als ob die schmutzigen Lampen des Abteils ihm irgendeine Antwort auf die Frage geben könnten, wie um Merlins Willen er diese Zugfahrt überleben sollte.
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