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Assassins Creed - Son of None

von Allada
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Al Mualim Malik Al Sayf Rafiq
19.05.2008
31.05.2008
14
64.159
 
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19.05.2008 5.866
 
Ein leiser Anflug von Nach-Hause-kommen wurde in Malik Al Sayr wach, als er Maysaf in der staubigen Hitze des Nachmittags erreichte. Während sein Leben in den letzten Jahren einem stetigen Wandel unterworfen war, schien sich hier nichts geändert zu haben. Friedlich lag die Stadt vor ihm und die Burg warf ihren großen Schatten auf die Dächer. Natürlich wusste Malik, dass auch hier die Zeit nie stillstand. Für ihn aber, der von den Begebenheiten hier nur durch kurze Briefe eines Mädchens erfuhr, schien es, als würde sie in Maysaf langsamer verrinnen.
Adalla hatte bis vor wenigen Monaten seinen Nachrichten immer Botschaft folgen lassen, während Amir die Zeilen unbeantwortet ließ. Malik hatte nichts anderes von seinem Freund erwartet. Zu klar hatte er noch ihre letzte Begnung vor Augen.

Amir war gerade langsam gesundet und sein Freund war gekommen, um Abschied zu nehmen. Malik hatte seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, das Ritual beschritten und war nicht mehr länger ein Novize. In den Inneren Kreis der Bruderschaft aufgenommen, sollte er als Meisterassassine dringliche Aufträge mit Sorgfalt und Erfolg erfüllen. Sein Ruf war tadellos und schon mehrmals hatte er Lob von anderen Brüdern empfangen. Dennoch war Maliks Persönlichkeit unverändert, er zog es weiterhin vor, nicht als wie der Todesengel persönlich durch die Gegend zu laufen, sondern das Leben mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten.
Sein Freund hingegen hatte, so schien ihm, in seinem langen, fiebernden Schlaf jede Art von Humor verloren. Nicht einmal die besten Witze konnten Amir aus der Reserve locken. Malik hatte Wert drauf gelegt, dass der Junge der Letzte war, den er besuchte bevor er in die Welt hinaus zog, und Amir wusste das auch zu schätzen. Er war nur fest entschlossen, ab jetzt keine Fehler mehr zu begehen. Malik hatte das Verhalten des Jungen, der doch noch ein Kind war, beeindruckt. Die Bestimmtheit, mit der er Amir Al-Mualim seine Forderungen entgegen gebracht hatte. Die Art wie er sich von Malik verabschiedete. "Es wird nicht lang hin sein und ich werde an deiner Seite kämpfen, mein Freund!" hatte der Knirps gesagt.

Die Wächter der Burg riefen dem Heimkehrer freundliche Grüße zu, als er durch die Tore ritt. Früher, als er als Novize seine Kampfstunden absolvierte, war ihm der Hof groß vorgekommen. Nun, als er als erwachsener Mann den Platz betrachtete, auf dem Schüler übten, wie auch immer zu seinen Zeiten, hatte sich seine Auffassung der Dinge verändert.
Malik hatte viel gesehen in den letzten Jahren. Fremde Städte, große Hallen, Menschenmassen, in denen er untertauchte. Und nicht zuletzt das Glänzen völliger Überraschung in den Augen seiner Ziele, wenn er seinen Dolch langsam wieder aus ihren Herzen zog. Er, der mit einem Lächeln auf den Lippen gegangen war, kehrte nun mit demselbigen als Maske auf dem Gesicht, dass vom Leben gezeichnet war, zurück.
Hassan hatte auf Malik gewartet. Die Kunde von seiner Ankunft war mit Erleichterung aufgenommen worden, den selbst Al-Mualim betrachtete den Assassinen als vielleicht einzige Möglichkeit, die Dinge in den Griff zu bekommen. Als Malik vor ihm zu stehen kam, grüßte er ihn mit offener Freundlichkeit.
"Malik Al Sayr, wie lange mag es her sein, dass ich deine schiefe Nase das letzte Mal betrachten durfte?" Der Angesprochene ließ sich vom Pferd gleiten. "Mich dünkt es müssen Jahrzehnte sein, so wie ihr gealtert seit, mein Freund!" Malik band das Pferd an einen Pflock und streckte gähnend seine Glieder. "Nun, was tut sich so bei euch? Hat mein junger Freund wieder einmal für Aufregung gesorgt? Ein Rennen veranstaltet oder dergleichen?" Hassan wandte seinen Blick ab. Er hatte gewusst das Amir der erste sein würde, nach dem der Assassine fragen würde.
"Malik, es mag euch unvorbereitet treffen, wenn ich euch sage, dass er in Ketten unten im Verließ liegt," er hob die Hand um die eilige Frage seines Gegenübers zurückzuhalten. "doch glaubt mir, dass dies das Einzige war, dass der Meister tun konnte. Er hat alle Regeln gebrochen, mein Bruder. Er hat sich Befehlen widersetzt. Im Moment scheint es, als wäre er völligem Wahnsinn verfallen, den wir nur kurieren können, indem wir ihn eine Zeitlang mit sich alleine lassen." Malik ließ sich nicht länger aufhalten. "Was soll das heißen?" drängte er ungeduldig und in Sorge. Hassan schritt voran um ihn zu führen. "Ich denke, dass solltest du dir selbst ansehen." warf er über seine Schulter.

Ein Tropfen nach dem anderen traf auf ausgehöhlten Stein und trug dazu bei, das das Loch in ihm immer größer wurde, auch wenn dieser Vorgang bereits mehrere Jahrhunderte über dauerte. Der Klang des fallenden Wassers erlöste Amir aus seinem gewohnten Traum. An das erdrückende Halbdunkel der Zelle hatte er sich schnell gewöhnen können, er sah immer noch ausgezeichnet, was um ihn vor sich ging. Aber die Feuchtigkeit und die Haltung, mit der Al-Mualim ihn an die Wand ketten ließ, nagten an seinen Sinnen. Müde ließ er sich auf seine Knie nieder, blieb jedoch nicht lange in dieser Position und erhob sich wieder, um die straff gestreckten Arme zu entspannen. Dünne Fäden hellen Bluts ronnen seine Handgelenke herunter.
Wie lange er in diesem Zustand schon hing, vermochte Amir längst nicht mehr zu sagen. Er wusste nur, dass er keine Schwäche zeigen würde, niemals, selbst dann wenn der Meister ihn hier für immer hängen ließ. Al-Mualim hatte seinen Standpunkt nur allzu klar gemacht. Als Amir nach dem Angriff auf Özcan und Adalla in sein Büro gebracht wurde, ergriff er Maßnahmen, die ihm längst überfällig schienen.

"Lasst uns allein!" hatte er den Wächtern befohlen, die ihn ungläubig anstarrten. Amir hatte erst eingehalten zu toben, als der Meister den Raum betrat und ihm eine schallende Ohrfeige versetzte. Nun stand er mit hängenden Schultern und blickte wirr zu Boden. Al-Mualim scheuchte wütend seine Untergebenen aus dem Raum, bevor er sich wieder dem Schüler zuwandte. Er schritt auf Amir zu und drückte ihn auf die Knie. Kraftlos folgte der Novize. "Sieh mich an!" Nie zuvor hatte der Meister seine Stimme ihm gegenüber so erhoben, trotzdem konnte Amir einfach nicht reagieren. Sein Blick bohrte sich tiefer in den Boden, erst ein weiterer Schlag in sein Gesicht half ihm, den Kopf zu heben.
Al-Mualim stand hoch aufgerichtet vor ihm. "Gut so. Und jetzt hör mir zu." setzte er etwas leiser als zuvor fort.
"Wärst du immer noch der kleine Junge, der als Schützling zu mir kam, würde ich dich jetzt übers Knie legen und derart prügeln, dass du Monate nicht mehr sitzen könntest. Doch diese Zeiten sind vorbei, Amir." Schwindel ließ den Jungen wanken, er musste eine Hand auf den Grund stützen um nicht umzufallen. "Du bist ein ernsthafter Novize unserer Bruderschaft und als solcher hast du meine Befehle zu befolgen! Es spielt keine Rolle, ob dein Vater mein Freund war oder ob du der beste Schüler bist, den Maysaf nach ihm gesehen hat, ich verlange verdammt noch einmal Respekt!" Amir lallte leise. "Was brabbelst du da?" Der Versuch, klar zu sprechen, misslang. "Isch habe nur ihre Ehre verteidigt. Es ischt mein gutes Recht!" Der Meister fluchte verächtlich. "Dein gutes Recht? Mein Junge, du bist dir offensichtlich nicht im Klaren das ich dir jedes Recht entzogen habe! Du missachtest meine Anweisungen, lässt dich von törichten Mitschülern überreden die Burg zu verlassen, wohnst einer Hure bei und landest schließlich betrunken vor meinen Füßen, weil du deine eigene Schwester geschlagen hast! Amir," Al-Mualim musste verweilen, um in seiner Aufregung Atem zu holen, "das hat nichts mehr mit dem Recht zu tun, dem du als angehender Assassine verpflichtet bist. Das sind deine eigenen Gesetze. Und ich werde sie hier nicht dulden!"
Der Geist des Jungen war nicht fähig, sich zu beruhigen, er fuhr auf und kam schwankend zu stehen. "Dann werde ich mich euch nischt mehr weiter unterwrf...euch nicht länger über mich bestimmen lassen! Ich habe auch nie darum gebeten, euer Schüler zu werden. Ihr habt mich gefragt!" Mit der Ganzen Kraft seiner Autoriät baute der Meister sich vor Amir auf und fing ihn in seinem Blick. Der Novize wurde von einer Wucht aus mentaler Kraft getroffen, als Al-Mualim sein Urteil sprach. "DU wirst so lange im letzten Loch Maysafs versauern, bis du dich für jedes Detail deiner unzähligen Verfehlungen vor allen Brüdern dieses Ordens entschuldigt hast!"

Seitdem kämpfte Amir gegen den härtesten Gegner, den es nur geben konnte: Gegen sich selbst. Die ersten Stunden waren geprängt von Raserei, mit der er sich gegen die Ketten warf und Verwünschungen ausstieß. Nach einer Weile hatte er sich beruhigt und versucht, Schwachstellen an seinen Fesseln zu erkennen. Wieder später hatte er festgestellt, dass es keine gab. Letztendlich war nicht mehr übrig geblieben, als sich Gedanken über das Geschehene zu machen. Amir schmollte vor sich hin. Wäre er bereits initiert, hätte er sie alle getötet, Özcan, Al-Mualim, Adalla. Es schien ihm, als hätten sie eine Verschwörung aufgebaut, in deren Zentrum er nichts ahnend gewandelt war, bis die Falle zuschnappte. Still schwörte er Rache für diesen Frevel.
Einige Tage vergingen, bis Amir des Denkens müde wurde. Das einzige, dass ihm nun noch geblieben war, war sein Stolz. Keine Fehler konnte er in seinem Handeln erkennen, keinen einzigen Schritt zur falschen Stelle. So kam es auch, dass er den täglichen Besuchen seines Meisters keine Beachtung schenkte. Betrat Al-Mualim sein Gefängnis, war Amir an der Wand hoch aufgerichtet und hüllte sich mit solz erhobenen Kopf in Schweigen.
Mehrmals hatten ihn Adallas Bitten erreicht. Sie fand immer wieder Wege, einem seiner Wächter einen Gefallen zu entschlagen und forderte ihn in ihren kurzen Briefen auf, endlich die Forderungen zu erfüllen. Seine Schwester ließ ihn wissen, dass sie Maysaf bald verlassen würde und das sie hoffte, ihn noch einmal zu sehen. Doch Amirs Seele war leer geworden unter den Anstrengungen und der Wut von ihr geblendet worden zu sein.      
Mehr aus Reflex denn aus Willen schnellte er in die Höhe, als der Riegel an der Tür zurückgeschoben wurde. Eine weitere Stunde Al-Mualims herrischer Gegenwart würde er, so fürchtete Amir, nicht mehr ertragen. Er hatte seit Tagen nicht geschlafen und konnte kaum noch Traum und Wachsein unterscheiden. Aus diesem Grund glaubte er wieder eingenickt zu sein, als er im Lichtschein, der durch die Türe fiel, seinen Freund Malik erkannte.

"Bei Allah!" entfuhr es dem Assassinen. Malik hatte erwartet, Amir wütend und unbeherrscht zu finden, doch dieser Anblick brach ihm das Herz. Leere Augen starrten ihm entgegen, als die Spannung seines Freundes nachließ und er wieder in die Ketten fiel, die verhinderte, dass sein Körper völlig den Boden berühren konnte. Etwa eine Armlänge über Amirs Kopf hingen seine Hände lose in eisernen Schellen und Malik erkannte, dass das wahre Ausmaß der Geschehnisse weit über das hinausgegangen sein musste, was er sich vorgestellt hatte. Einfachen Ungehorsam hätte der Meister nicht so bestraft.
Er warf Hassan einen fragenden Blick zu, den dieser sofort verstand, sich umwandte und den Raum verließ. Der Assassine trat langsam näher, als Amir mühevoll seinen Kopf hob. Nichts war von dem kleinen Jungen geblieben, vor Malik stand ein kräftiger, junger Mann, der trotz seiner misslichen Lage nichts von seinem Charisma verloren hatte. "Ich bin wohl zur rechten Zeit gekommen! Du bist faulgeworden und lässt dich hängen, mein Freund!" Malik war fest entschlossen, sich nicht von dem Bild beirren zu lassen, das sich ihm zeigte. Wenn Adallas schriftliche Schilderungen der Wahrheit nahekamen, musste irgendwo unter der zusammengesunkenen Gestalt der aufbrausende, leicht reizbare Amir stecken, den er kannte. Er hatte Erfolg. "Malik! Seit ihr gestorben und hier um mich auf meinem letzten Weg zu begleiten?" wisperte der jüngere. "Nein, Amir, ich bin gekommen um dir deine Flausen aus dem Kopf zu treiben. Was ist los mit dir? Ich meine, als ich wegging sah doch alles noch ganz gut für dich aus." Während Amir nach Kraft für eine Entgegnung suchte, sah sich Malik in der Zelle um. An der hinteren Wand entdeckte er einen Eimer, nahm ihn zur Hand und rümpfte die Nase. Nicht perfekt, aber besser als gar nichts. Malik lehrte den Inhalt ungeachtet auf den Boden. Ein paar Heusäcke, die er auf der anderen Seite des Raumes entdeckten, taten den Rest. Aufeinandergelegt bildeten die Utensilien einen improvisierten Stuhl und Malik half Amir, darauf Platz zu nehmen. Dankbar sah ihn der Junge an. "Das ist besser. Viel besser!" "Freut mich. Und jetzt," der Assassine ließ sich im Schneidersitz auf einen weiteren Sack Heu fallen, "fang an zu erzählen."

Einige Zeit später hatte Amir seinen Bericht beendet. Der Fluss der Worte war von Hustananfällen und gelegentlichem Stöhnen unterbrochen, wenn der Junge das Gleichgewicht verlor und in die straffen Fesseln fiel. Malik richtete ihn jedesmal wieder auf und wartete geduldig, bis er forsetzen konnte. Jetzt saß er nachdenklich vor Amir und blickte in die Luft. "Also, wie lautet dein Urteil über mich? Bist du auch der Meinung, dass ich alles falsch gemacht habe?" Der ältere Assassine wählte seine Worte vorsichtig. "Es geht nicht darum, über Schuld zu entscheiden, mein Freund, es geht darum wer am längeren Ast sitzt, du oder der Meister. Sicher, über die Sache mit Adalla müssen wir beide uns noch einmal eingehend unterhalten und glaube ja nicht, dass du ohne Schmerzen aus diesem Gespräch entkommen wirst, aber für den Moment ist es wichtiger, dass du endlich begreifst!"
Ob es Erschöpfung, Maliks gewinnende Art oder einfach nur Einsicht war, die Worte des Älteren gelangten in Amirs Herz. "Du BIST etwas Besonderes, Amir, hör auf es beweisen zu wollen. Jeder kann es sehen, selbst in Jerusalem und Akkon stieß ich auf Brüder, die von dir berichteten, und Al-Mualim hat dich immer noch nicht verstoßen. Er bemüht sich nur aus einem Grund um dich und den kennen alle, nur scheinbar nicht du. Wenn du endlich deinen verdammten Hochmut in Griff bekommen würdest, wäre dir klar, warum der Meister dich so födert und unterstützt."
"Diesen Grund kenne ich schon. Er war ein Freund meines Vaters." "Du irrst. Freundschaft mag etwas sein, dass für dich und mich sehr viel zählt, aber Cihan und Al-Mualim waren niemals Freunde in diesem Sinne. Sie schätzten einander, weil sie wussten, dass der jeweils andere sie problemlos töten konnte, wenn er nur wollte. Sie verfolgten ähnliche Ziele und das war es, was sie aneinander band. Al-Mualim hat nur einen Grund, so ein Interesse an dir zu finden: Du wirst einmal der Beste von uns sein."
Dieses Geständnis des Freundes ließ Amir ein wenig Hoffnung schöpfen. Vielleicht war er doch nicht einfach nur ein Gefangener seiner eigenen Vergangenheit. Vielleicht lag mehr in ihm als nur der Sohn des berühmten Cihan zu sein. "Du denkst also, ich sollte auf seine Forderungen eingehen und mich im Staub wälzen?" Wenn Malik ein anderer gewesen wäre, wäre wohl seine Geduld gerissen. "Genaugenommen ja. Wenn du es zustande bringst, einmal in deinem Leben <Tut mir leid!> zu sagen, werde ich sehen, was ich für dich tun kann." Damit war Amir immer noch noch nicht überzeugt. "Was nützt es mir, hier herauszukommen, wenn ganz Maysaf gegen mich ist?" "Sie werden froh sein, dich möglichst schnell los zu werden, wenn du mit mir reitest."  

Adallas Wunde war beinahe geheilt und die kleine Narbe ließ sich leicht hinter einer Haarsträhne verstecken. Sie hatte etwas Zeit gebraucht, um sich wieder zu beruhigen, inzwischen war Özcan aber davon überzeugt, dass sie sich wieder gefangen hatte und er wollte nicht zulassen, dass diese Veränderung zerstört wurde.
"Ich möchte nicht, dass du zu ihm gehst. Versteh mich nicht falsch, ich kann dir keinen Wunsch abschlagen, aber wenn er sich besonnen hätte, würde ich das wissen. Du fügst dir nur unnötigen Schaden zu, mein Schatz." Seine Geliebte hielt ein, ihre Sachen in Kisten zu verpacken. "Ich kann nicht einfach gehen, Özcan. Amir ist mein Bruder, er ist alles was von meiner Familie geblieben ist!" "Nun, wenn er genau so denkt, wird er es schaffen noch rechtzeitig zu dir zu kommen. Anderenfalls hat sein Stolz gewonnen, wie so oft."
Leises Knistern sorgsam gefalteter Kleidung war das einzige Geräusch. Eine Weile ließ Özcan das Schweigen zwischen ihnen stehen. "Adalla, ich bitte dich nur um diese eine Sache. Du hast mir die Augen geöffnet und ich habe gesehen, welchen Weg ich beschritt. Ich habe alles für dich aufgegeben. Erfüll mir nur diesen einen Wunsch! Jeder von uns hat eine Vergangenheit, mein Engel, jeder von uns eine Familie. Aber irgendwann," er nahm ihre Hand, "wird es Zeit diese Dinge hinter sich zu lassen. Das hast du mich gelehrt." Adalla war zerrissen zwischen seinen Worten und dem, was ihr Gefühl ihr sagte. Wenn nur ihr Leben nicht so schwierig gewesen wäre! Amir war jahrelang an ihrer Seite gewesen, sie hatte ihm vertraut, ihn geliebt, doch er war längst nicht mehr der, dessen Gegenwart sie genoss. Özcan war es, der sie glücklich machte. Das Mädchen entschied, ihr neues Leben mit ihm beginnen zu lassen. "In Ordnung. Wenn er nicht zu mir kommt, werde auch ich nicht zu ihm gehen."

Im Grunde war der Vorschlag des Meisterassassinen nicht schlecht, aber Al-Mualim und die anderen Lehrer zogen es vor, sich erst einmal zu beraten. Malik hatte darum gebeten, von ihnen gehört zu werden, und angesichts seines Erfolges wollte der Meister ihn nicht demotivieren. "Sicher es ist gewagt!" führte Hassan ins Feld. "Aber es wäre eine gute Möglichkeit, hier wieder etwas Ruhe einkehren zu lassen." Er blickte in die Runde der Lehrer, viele nickten zustimmen. Al-Mualim bemerkte es ebenfalls. "Ich weiß nicht Hassan, mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass Amir unbeobachtet in Jerusalem herumläuft. Malik al Sayr mag ein fähiger Mann sein, sonst würde ich ihn nicht zum Verbindungsmann berufen, aber er hatte noch keinen Schüler. Sollen wir ihm wiklich einen Jungen anvertrauen, den wir selbst nicht unter Kontrolle haben?" Wieder regte sich Zustimmung unter den Anwesenden. Die Luft war zum Zerreißen gespannt.
Einer von ihnen hatte die Diskussion bisher wortlos verfolgt, schaltete sich dafür in diesem Moment sehr eindrucksvoll mit ein. Es war Korkut Umat. "Mein Meister, es mag töricht sein, euch zu widersprechen. Der Junge mag auch ein Narr gewesen sein, als er dieses verdammte Rennen ritt. Trotzdem wäre es angebracht uns zu erinnern, dass wir hier über jemanden sprechen, der die Jahre der Weisheit noch nicht erreicht hat. Wir alle behandeln Amir Ibn La-Ahad wie ein Heiligtum, machen uns Sorgen über ihn und grübeln wie wir ihn leiten sollen. Wir sind dabei einen verdammten Mythos zu erschaffen! Wen wundert es da, dass Amir versucht, dem Bild gerecht zu werden? Ich sage euch: Lassen wir den Adler fliegen. Wenn er sich die Federn an der Sonne verbrennt, wird er von alleine wiederkommen!"
Nachdem Krokut geendet hatte, setzte er sich wieder hin. Was er sagen wollte, hatte er gesagt, sollten doch jetzt die anderen sich weiter ihre Köpfe zerbrechen. Der Junge war ein ausgezeichneter Reiter, ein begnadeter Kämpfer und Kletterer und er hatte den Mut zu tun, was die Situation erforderte. Gesamt betrachtet konnte der Lehrer überhaupt keinen Grund sehen, Amir weiter in Maysaf zu halten. Und schon gar nicht, wenn er den verdammten Gaul mit sich nahm...
Al-Mualim blickte immer noch an die Stelle, auf der Korkut Umat während seines Vortrages gestanden hatte. Die Entwicklungen gefielem ihm nicht. Er wollte Amir noch nicht aus seiner Obhut entlassen, es war noch zu früh. Der Junge musste gebrochen werden, um jemals zu dem zu werden, wozu der Meister ihn machen wollte, doch die anderen Assassinen durchkreuzten seinen Plan. Ein letzter Versuch, alles wieder auf den rechten Weg zu leiten, kam Al-Mualim in Gedanken. "Bisher scheint mir dieser Vorschlag nur dem Kopf Malik Al Sayr's entsprungen. Sollte Amir jedoch wirklich bereit sein, die Forderungen zu erfüllen, die zu seiner Freilassung führen, sind eure Argumente, ihn gehen zu lassen, überzeugend für mich. Geht und holt den Jungen!"

Gleißendes Licht, schoss auf ihn zu und traf auf gebrochene Flügel. Der Wind rauschte wild um seine Ohren. Der Mönch schien tief aus sich zu leuchten. Lächelnd sah er auf den Adler hinab. "Du wirst wieder fliegen!" sprach er.
Der Traum hinterließ pochende Kopfschmerzen und erneutes Blut an den bis zum Zerreißen gespannten Armen. Malik hatte ihm gut zugesprochen, noch ein wenig durchzuhalten. Amir hoffte, dass sein Freund den Meister überzeugen konnte. Mit ihm aus Maysaf wegzugehen, war dem Jungen wie ein Wink des Schicksals. Malik hatte ihn hier hergebracht, er würde ihn auch wieder in die Welt führen. Nur das sie inzwischen beide jemand anderer waren. Trotz seiner Schwierigkeiten war Amir aufgefallen, dass sein Freund seit ihrer letzten Begegnung etwas von seinem Auftreten eingebüßt hatte. War er ihm früher mehr wie ein Nomade vorgekommen, der mit Fröhlichkeit seinen Weg durch das Leben bahnte, nahm Amir nun eine seltsame Aura rund um Malik war. Der Assassine war beherrscht in seiner Art, er war kühler in seinem Denken. Malik roch nach Tod.
Wohin mochte dieser Weg Amir führen? Was musste er noch erleben, um der Wahrheit näher zu kommen? Fragen über Fragen, immer diesselben, seit der Flucht aus Akkon. Auf keine einzige hatte er bisher eine Antwort gefunden.
Amir dachte an Laziz und die Nacht mit ihr. Sie hatte ihn nachhaltig irritiert, nicht weil sie ihn mit einer völligen ungezwungenen Art zu einem Mann gemacht hatte, als wäre das nichts Besonderes. Der junge Assassine dachte nur oft über die Gefühle nach, die sich in ihm geregt hatten. Seltsam, aber es schien, als könne er sie nicht mehr benennen. Amir wusste durchaus was Stolz war, wie es sich anfühlte berüchtigt zu sein und es gefiel ihm. Doch für Sanftheit, Liebe, Zärtlichkeit fehlten ihm die Wörter, er hatte sie aus seinem Denken gestrichen, während er im Schlaf seiner tiefen Krankheit lag. Seine Welt unterlag einer neuen Ordnung, die von egozentrischen Ideen bestimmt war, doch Amir erkannte nicht die Lügen, die er sich selbst damit zuflüsterte. Er war auf dem besten Wege, innerlich kalt zu werden.

Ein Wächter trat in die dunkle Zelle und brachte einen Schlüssel mit sich. Wie von weit entfernt nahm Amir war, dass seine Fesseln gelöst, er selbst an den Schulter hochgezogen und von zwei weiteren Wächtern gestützt wurde. Steif versuchte er, einen Fuß vor den anderen zu setzten, um nicht mitgeschliffen zu werden. Sie führten ihn eine Treppe empor, an deren Ende Amir ein helles Rechteck gleißenden Lichts sehen konnte. Er wurde geblendet von der Kraft der Nachittagssonne, die ihm unbarmherzig mit staubiger Hitze empfing. Niemand schenkte ihm Beachtung, als er zum Haupthaus geführt wurde, die Novizen sahen schlichtweg durch ihn hindurch, niemand richtete ein Wort an ihn.
Langsam bekam Amir seinen Körper wieder besser unter Kontrolle, blieb stehen und bewirkte damit, dass die Wächter fester zugriffen. "Ich danke euch für eure Hilfe, Brüder, aber ich kann alleine gehen!" sprach er mit fester Stimme und schritt augenblicklich wieder vorran. Die beiden Assassinen warfen sich einen hilflosen Blick zu und beeilten sich, zumindest wieder auf einer Höhe mit dem Gefangenen zu gehen.

Al-Mualim war nicht alleine, sämtliche Lehrer Amirs warteten mit ihm und weiter hinten, an eine Säule gelehnt, konnte der Junge Malik wahrnehmen. Er lächelte Amir aufmunternd zu und zwinkerte. Das Gesicht des Meisters hingegen blieb regungslos und ließ keinen Schluß auf seine Gedanken zu. Er verbarg auch seine Überraschung als der Novize zu ihm trat, sich hinkniete und den Kopf senkte. "Friede sei mit euch, Meister." Die Worte versiegten im Raum. Niemand atmete.
Al-Mualim sah sehr wohl, wie Amir darum kämpfte, ihn nicht seine Schwäche spüren zu lassen und beeilte sich ihn Druck auszusetzten, solange der Geist des Jungen schwach war. "Amir Ibn la-Ahad, wisse, dass dein Bruder Malik Al-Sayr zu uns gekommen ist, um für dich zu sprechen. Er bat mich, dich anzuhören, obwohl ich eigentlich den Eindruck habe, dass du selbst keinen Wunsch hegst, mich zu sprechen. Ich ließ dich holen, um mich von seinen Worten zu überzeugen. Also, was habt ihr zu sagen?" Auch wenn Amir Malik in dieser Haltung nicht sehen konnte, er spürte, dass der Assassine sich versteift hatte. Er fürchtete wohl, dass sein Freund mit gewohntem Hochmut auf die Worte des Meisters reagieren und somit das Vorhaben zunichte machen würde. Doch Malik hatte sich getäuscht. Amir hatte in der Zeit seiner Gefangenschaft nicht gelernt demütig zu sein, im Gegenteil. Aber es war ihm klar geworden das es Situationen gab, in denen man sich demütig verhielt, jedoch nicht ohne sie auf einer Liste persönlicher Rache in der Zukunft zu vermerken.
"Ich habe meinen Bruder gebeten, euch meine Nachricht zukommen zu lassen, da ich fürchtete, bis zu eurem nächsten Besuch nicht mehr die Kraft für Einsicht zu besitzen. Ihr habt von mir verlangt, mich zu entschuldigen und dass ist es, was ich zu tun gedenke." Niemand traute sich zu sprechen. Al-Mualim wartete auf Fortsetzung des Gesagten. Amir erhob sich und drehte sich im Raum herum. "Mein Meister, meine Lehrer, meine Brüder! Es war dumm von mir anzunehmen, ich könnte euch zum Narren halten. Jugendlicher Leichtsinn war es, dem meine Taten entsprangen. Eure Führung jedoch hat mich meine Fehler erkennen lassen. Ich begebe mich vollends in eure Hände und erwarte geduldig euer Urteil über mich. Mögt ihr nach bestem Gewissen über meine Zukunft entscheiden!"  
Alle Augen richteten sich auf den Meister, der nach wie vor unbeweglich stand. "So ist das also," dachte Al-Mualim bei sich, "du hast gelernt wann es besser ist zu heucheln. Guter Zug!" Laut aber sprach er: "Falsche Ehre hat dazu geführt, dass du unter Arrest gestellt wurdest. Einsicht und Reue sind es, die ihn hiermit aufheben!"

Özcan schnürrte die letzte Kiste an der Kutsche fest. "Fertig!" rief er Adalla zu, die mit Taci und ihren Töchtern auf einer Bank vor dem Haus saß und eilige Worte austauschte. Taci hatte erst mit Adalla geschimpft, später ihren Segen zu der Verbindung mit Özcan gegeben, als sie erfuhr, dass er seine Ausbildung aufgegeben hatte. Nicht das Taci ihren eigenen Ehemann verabscheute, weil er ein Assassine war, sie trachtete jedoch danach dem Mädchen in ihrer Obhut Jahre voll fragenden Wartens und treibender Sorge zu ersparen. Mit ihrem untrügbaren weiblichen Instinkt hatte sie gemerkt, dass Adallas Liebe auf den rechten Mann gefallen war, was ihre Trauer, dass das Mädchen sie verließ schmälerte. Dennoch konnte sie nicht umhin, die Zerrissenheit zu bemerken, der Adallas Gesten und Worten unterlegen waren.
Taci achtete darauf, dass Özcan nicht in Hörweite war. "Adalla, es gibt da ein paar Dinge, die ich dir noch sagen sollte, aber die Zeit reicht nicht dazu. Wisse nur, wenn du des Nachts neben einem Manne weilst, dann kann es sein, dass er Dinge von dir verlangt. Sie mögen dich erst erschrecken, aber hab keine Angst, mit der Zeit wirst du lernen, dass es völlig natürlich ist!" Röte schoss in Adallas Gesicht und sie stotterte: "Ja, äh, tja, hm, danke Taci. Ich werde an deine Worte denken!" Die Frau nahm Adallas Hände in die ihren. "Mein Kind, ich bin sicher dass du mit Özcan ein wunderbares Leben führen wirst. Dennoch steht dir meine Tür immer offen. Es ist wichtig, dass wir Frauen zusammen halten. Solltest du wissen wollen, was sich in Maysaf so verändert, scheue nicht mir zu schreiben und ich werde dich über die Vorgänge in Kenntniss setzten." Schlanke Finger wurden ihr entzogen. "Taci, es gibt nichts mehr, dass mich an Maysaf interessiert, außer deinem Wohlergehen und dem meiner Schwestern!" flüsterte Adalla wütend. Sanft strich die Frau ihr die Strähne aus dem Gesicht und berührte die Narbe. "Das mag sein, Adalla. Aber vielleicht kommt der Tag, an dem du wünschst zu wissen, was mit ihm geschehen ist."
Özcan kam langsam zu ihnen und so blieb Adalla keine Möglichkeit, etwas zu erwiedern. Sie hatten aufgehört über Amir zu sprechen und Liebster war sehr darauf bedacht, dass dies auch so blieb. Sie sah sein gelöstes Gesicht, die Liebe in seinen Augen, als er sich zu ihr beugte, sie küsste und an der Hand nahm. Sie wusste das es richtig war. "Meine Liebe, es wird Zeit."

Amir hatte sich gewünscht, sich länger als nur zwei Tage erholen zu können, aber Malik drängte unmissverständlich zum Aufbruch. Einerseits konnte er es als neuer Verbindungsmann Jerusalems nicht dulden, dass die Brüder dort allzu lange ohne Führung blieben, andererseits schien es noch einen Grund zu geben, warum er die Vorbereitungen hektisch vorantrieb. Alle Fragen und bösen Worte hatten Amir nichts genutzt, sein Freund war nicht gewillt, ihn in Kenntnis zu setzten. Jetzt ritten sie schon einige Zeit still über den Weg zur Grenze Maysafs'. Schon als sie sich kennenlernten, war Amir der unerklärliche Zwang zu sprechen aufgefallen, der ihn in Mailks Gegenwart befiel. Es war als würde das Schweigen des Älteren ihn herausfordern, konnte es doch endlos sein wenn der Assassine sich bemühte. Auch diesmal hielt Amir nicht lange stand. "Malik, wenn du mich nicht sofort losbindest, wird es keine Nacht mehr geben, in der du ruhigen Gewissens schlafen kannst!" Vorsichtig bewegte er seine Hände in den Fesseln, mit denen er auf Maysaf an Shaitans Sattel gebunden worden war, was er nach einigem Protest und Stunden gut Zuredens durch Malik geschehen hatte lassen. "Ich denke gar nicht daran, mein Freund. Ich habe Al-Mualim versprochen, sorgsam mit dir umzugehen und dir erst dann völlige Freiheit zu erlauben, wenn ich mir deiner Treue sicher bin." "Du kannst dir sicher sein, dass ich dir den nächsten Holzpflock, den ich finde, in den Hintern rammen werde!" Malik lachte amüsiert. "Siehst du, und genau das ist der Grund warum ich es momentan für sicherer erachte, dich gebunden zu lassen. Reg dich ab, wenn wir Maysaf erst einmal verlassen haben und auf dem Weg nach Jerusalem sind, werde ich dich befreien. Mir liegt nur nichts daran der nächste zu sein, den Al-Mualim in einem Loch an die Wand kettet."
Brummend gab sich Amir zufrieden, er hatte auch nicht wirklich damit gerechnet, dass sein Freund ihn lange derart behandeln würde. Nach einer weiteren Weile sturen Schweigens erreichten sie die Grenze Maysafs. Sie bestand aus einer Enge einer Bergschlucht, durch die sich der Weg sanft schlängelte. Zwei große Felsen neben ihm markierten die sonst unscheinbare Stelle. Amir stellte überrascht fest, das auf ihnen das Zeichen der Assassinen prangte und versuchte sich zu erinnern, ob er es bei seiner Ankunft vor fünf Jahren bemerkt hatte. Auch die Wächter, die auf den Steilhängen zwischen Bäumen und Felsen verborgen saßen, hatte er damals nicht wahrgenommen, doch sein Blick für Dinge dieser Art war ein anderer geworden.
Nun begann also die Reise, die ihn ins Unbekannte führen sollte. Was über über die Jahre der Lehre außerhalb des Assassinenreiches wusste, war spärlich und mehr von Mythen durchdrungen als von Wahrheit. Als Schüler älterer Brüder, die Aufträge für Al-Mualim in der Welt erfüllten, erlangte man die letzte Fähigkeit, die von Nöten war, um in den Innneren Kreis der Bruderschaft zu gelangen: Man lernte ein guter Mörder zu sein oder man kehrte niemals nach Maysaf zurück. Vorbei die Theorie, vorbei das stundenlange Eindreschen mit Holzschwertern auf Strohpuppen. Wenn sein Schwer von nun an auf ein Ziel traf, würde es den metallischen Klang von Eisen haben. Al-Mualim hatte verfügt, das Amir vorerst nur diese eine Waffe tragen durfte. Malik trug er auf, dem Jungen erst nach und nach weitere Messer, Blasrohre, Giftpfeile und Haken zukommen zu lassen, damit dieser lernte mit jedem einzelnen der Ausrüstungsteile perfekt umzugehen und sich in Geduld zu üben, des Meisters Meinung nach eine der Eigenschaften, an denen es Amir am meisten mangelte.
Malik al Sayr hatte sich ganz bewusst dafür entschieden, den Jungen zu seinem Schüler zu machen, obwohl sie Freundschaft verband. Die Worte seines eigenen Lehrers hallten in ihm wieder, als er Amir unauffällig von der Seite betrachtete.

Es war der Abend gewesen, bevor Cihan in den Flammen des Hauses starb. Gerade war er damit beschäftigt, sich für sein Vorhaben zu rüsten und Malik hatte gewissenhaft dabei geholfen. Sein Lehrer hatte ihm einen Auftrag erteilt, der ihn zwar nicht unbedingt freute, den er jedoch mit Sorgfalt zu erfüllen gedachte. Als sie fertig waren und sich zum Gehen anschickten, hatte Cihan Malik noch einmal zurück gehalten. "Mein junger Bruder, es ist meine Pflicht, dich auf etwas aufmerksam zu machen. Gewiss ist dir klar, dass dieser Auftrag nichts mit dem Orden zu tun hat, er entspringt meiner selbst und der Vergangenheit, die ich habe. Es ist nicht deine Pflicht, an ihm teilzunehmen." Malik war stolz, dass Cihan so offen zu ihm sprach. "Ihr seid nicht nur mein Lehrer, Cihan, ihr habt für mich gesorgt wie für einen Sohn. Dementsprechend werde ich euch wie ein Sohn folgen!" Das Lächeln Amirs' Vater war ehrlich gewesen. "Eines Tages, Malik, werdet ihr selbst einen Novizen leiten. Verfahrt bei eurer Wahl wie ich mit euch und nehmt einen, von dem ihr überzeugt seit, dass seine Fähigkeiten die euren übersteigen. Nur dann könnt ihr einst mir gleich zufrieden sterben!"

Von Korkut Umat hatte Malik sich versichern lassen, dass Amir seiner Hände nicht bedurfte, um Shaitan zu reiten und so trieb er sein Pferd zum Gallopp, sobald sie die Enge durchquert hatten. Der Assassine schlug nicht den Weg nach Jerusalem ein, sondern lenkte sein Tier über einen steilen Hang nach oben und überließ es seinem Freund, ihm zu folgen. Erst war da noch etwas, dass es zu erledigen galt...

Adalla saß auf dem Kutschbock neben Özcan, der lose die Zügel in der Hand hielt. Sie hatten sich einer Karawane nach Akkon angeschlossen, es schien der sicherste Weg in die Stadt zu sein. Ihr Bruder hatte sich nicht gemeldet und bis zuletzt hatte sie auf seine Ankunft gewartet. Das Mädchen wollte einfach nicht glauben, dass Amir so kalt geworen war, dass er nicht einmal kam um sie ein letztes Mal zu sehen. Adalla hatte sich nicht umgewandt, als sie Maysaf verlassen hatten, sie ertrug es nicht, die Burg auch nur einen Moment länger zu sehen. Als sie jedoch die Bergenge durchschitten und in die weite Wüste eintauchten, erinnerte sie sich an Maliks Worte zum Abschied und konnte nicht widerstehen einen Blick zurück zu werfen.
Auf einem Berg hinter ihr erkannte sie schemenhaft zwei Reiter und ihr Herz tat einen Sprung. Er war also doch gekommen.

Amirs Augen folgten der Karawane und er brauchte einige Zeit um zu entdecken, was er suchte. Da saß sie stolz aufgerichtet neben seinem Feind, ihr Gesicht zu erkennen, war ihm nicht vergönnt. Dennoch war es ihm, als würde sie sich plötzlich umwenden und ihn ansehen, über so eine Entfernung getrennt war er dennoch sicher, dass sie ihn erkannte. Er war plötzlich dankbar für seine Fesseln, sie hinderten ihn daran ihr zuzuwinken. Erst als die Gruppe nicht mehr war als ein Streifen am Horizont, sprach Malik. "Es war wichtig, dass zu tun. Jetzt lass und nach Jerusalem gehen!"
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