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Assassins Creed - Son of None

von Allada
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Al Mualim Malik Al Sayf Rafiq
19.05.2008
31.05.2008
14
64.159
 
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19.05.2008 2.123
 
Das Licht eines neuen Tages erhob sich über Maysaf und kroch träge die Berghänge entlang. Korkut Umat und Hassan verließen durch einen Zugang zur Burg die Höhle, in der die Initation stattfinden würde. Al Mualim hatte ihnen den Auftrag erteilt, ein Ritual vorzubereiten und es war nicht nötig sie darauf hinzuweisen, wer es beschreiten würde. Kaum ein Schüler war je so früh wieder von seinen "Lehrreisen" zurückgesandt worden wie Amir, die meisten kamen ohnehin niemals wieder, sie ließen ihr Leben in den dunklen Straßenschluchten der großen Städte bei dem Versuch, ihrem Ziel nahe zu kommen.
Sie hatten in den letzten Stunden kaum gesprochen, zu beschäftigt waren die beiden Assassinen mit ihren jeweiligen Gedanken. Nun, da die Arbeit getan und der Morgen angebrochen war, ließen sie sich gemeinsam in der Nähe des Turmes wieder, auf dem Amir einst zugestimmt hatte, der Bruderschaft beizutreten.
"Weißt du, Hassan, vielleicht hat das Alles auch eine gute Seite! Unserem Orden fehlt schon lange ein Mann, dessen Mut und Stärke nicht hinter seiner Ehrhaftigkeit zurücksteht. Nicht auszudenken, wo der Junge in ein paar Jahren sein wird! Glaubt man Malik al Sayrs Schreiben, sind seine Fähigkeiten jetzt schon beachtlicher als die unseren!" begann Korkut schließlich. Hassan kaute nachdenklich auf einem Halm und beobachtete, wie das Leben rund um sie langsam erwachte. "Eben das bereitet mir Unbehagen! Amir könnte die Bruderschaft eines Tages zum Ruhm führen...oder in die Zerstörung. Ich bin mir nicht sicher, ob der Meister ihn wirklich unter Kontrolle hat!" "Er besitzt Al Mualims absolute Loyalität, soviel ist gewiss, also sollte er auch die unsere sein eigen nennen!" Schmale Linien im Sand ohne bestimmtes Muster fanden ihren Weg durch Korkuts Hände, der abwesend einen Stock über den Boden zog.
"Meine Freundschaft besitzen jene, die mir ebenbürtig sind, meinen Respekt der Meister, aber wie soll ich einem Bruder gegenüberstehen, der mir des Ranges gleich und dennoch überlegen ist? Es geht hier um Hierachie, Korkut, und Politik, um nichts anderes. Selbst wenn ich alt genug bin, Neid und falsches Denken zu erkennen, wenn es sich mir zeigt, ich sehe meine Schüler, ich höre was sie sagen und ich kann nicht umhin, ihnen zum Teil recht zu geben. Amir wird kein Teil der Bruderschaft sein, er wird eine Legende des Ordens! Nichts erhält unsere Gesetze wirksamer als ihre Anwendung durch hochgestellte Personen...und ich bin nicht sicher,ob Amir dazu fähig ist. Er ist kein einfacher Assassine, Korkut, er ist der Sohn eines Mannes, der über dem Credo stand. Das hat uns schon einmal beinahe den Kopf gekostet!"
Hassan erhob sich, als sich die neuen Novizen langsam im Ring sammelten, wurde aber von Korkut aufgehalten. "Es ist nicht wie damals, mein Bruder, das spüre ich deutlich. Was immer auch passieren mag, Amir Ibn La-Ahad wird eines Tages unsere Rettung sein!" "Und wenn das geschieht," Hassan striff den Griff des anderen ab, "werde ich ihm meine Treue schwören!"  

Von hoch auf dem Turm sah Al Mualim auf seine beiden Untergebenen hinab. Er war zufrieden, dass sie so schnell ihre Arbeit verrichtet hatten, Verzögerungen hätten er jetzt nicht geduldet, jetzt, da sein Wunsch nach Frieden bald Wirklichkeit werden würde. Wie besessen dachte der Meister ständig daran. Er musste es haben, unbedingt, und er musste jemanden erschaffen, der es ihm bringen konnte. So lange wartete er schon darauf, das kleine Stück Ton zu finden, dass alle Verheißungen in sich trug, unzählige Jahre hatte er mit der Suche danach verbracht. Jetzt, alt und zunehmend schwächer, sah er nur mehr einen Weg, jemals seinen Traum zu erfüllen. Woran Cihan durch seine Gefühle gescheitert war, würde Amir kalt und steuerbar mit Leichtigkeit erreichen. Und dann würde es Frieden geben...

Hinter Al Mualims linker Schulter regte sich etwas. Langsam drehte er den Kopf zur Seite und wurde gewahr, das Amir direkt hinter ihm stand, ein Stoß hätte genügt und er wäre in die Tiefe gestürzt. Reglos verharrten sie und betrachteten den hell erleuchteten Horizont, dennoch wirkte Spannung zwischen ihnen. Der Alte spürte den Atem seines Schülers im Nacken, war jedoch nicht gewillt, sich furchtsam zu zeigen.  
"Der Beginn eines Tages ist wie das Erwachen der Erde und es gibt nichts größeres als in diesem Anblick Ruhe zu finden!" Al Mualim wagte nicht sich zu bewegen, stellte aber erleichtert fest, das Amir einen Schritt zurück trat. "Ihr werdet verstehen, dass dies nicht ist, was ich als Begrüßung erwartet habe!" sprach der Junge. Ein scharfer Ton entfuhr dem Alten. "Hm...mir scheint ihr habt nicht an Hochmut verloren!" "Verzeiht, ich bin ungeduldig!" Amir senkte sich auf die Knie, als sein Lehrer sich umwandte.
"Friede sei mit euch, mein Meister! Die Kunde meiner Rückkehr hat euch also erreicht?" "Steh auf, mein Junge. Ja, dein Lehrer Malik al Sayr ließ dir einen Brief vorauseilen, der jenes Schreiben, dass du mir überreichen solltest, unbedeutend macht." Überrascht erhob sich Amir und trat neben Al Mualim. "Hat er seine Bitte, mich zu initiieren zurückgezogen?" fragte er nach einer Weile. Ein kaltes Lächeln erschien auf Al Mualims Gesicht. "Nein. Nur ist es nicht mehr länger eine Bitte, sondern eine Forderung!"
Wieder trat Stille zwischen sie und der Alte fühlte, dass er vorsichtig vorgehen musste, solange er nicht wusste, ob sein Plan Erfolg gehabt hatte. Özcan war der Meinung gewesen, Amir hätte das Interesse an Vergangenem verloren, dennoch waren die Gefühle des Jungen für Al Mualim noch nicht durchschaubar. Noch nicht...
"Hast du in Akkon gefunden, was du suchtest? Hast du den Frieden mit deiner Vergangenheit geschlossen, wie es einst hier an diesem Ort dein Bestreben war?" Hassans Zurufe an seine Schüler drangen wie aus weiter Ferne zu ihnen herauf. "Es gibt keinen Frieden, wo niemals Krieg geherrscht hat, mein Meister. Der Einzige Feind, den ich fand war ich Selbst." "Und hast du dich besiegt?" In Amirs Stimme, in seinem Gesicht, in seinen Augen lag keine Regung als er antwortete: "Ich habe niemals die eine Wahrheit gefunden. Also habe ich entschieden, dass keine von ihnen richtig ist, aber das ist nachrangig, vielmehr zählt, dass ich vorhabe habe zu tun, was mir erlaubt ist."
Endlich hatte sich das ganze Tal mit Licht gefüllt und in Anblick dessen, was er zu schützen gedachte, entsandte Al Mualim seinen Schüler. "So geh und bereite dich vor. Heute Nacht wirst du den Segen erhalten!"

Als Amir sein altes Zimmer betrat, füllte sich der Raum mit Leben. Er war nicht mehr länger der kleine Junge, der beinahe in den Raum schlich, vielmehr erschien er und seine Präsenz hätte jeden, der sich hierbefunden hätte, in Unruhe verfallen lassen. Doch er war allein und froh darüber. Jerusalem, ja selbst Akkon lagen Meilen entfernt seines Denkens und plötzlich fühlte der Assassine sich müde. Mit schweren Schritten trat er an den Tisch und legte sorgfältig eine seiner Waffen nach der anderen ab. Obwohl von ihrer Last befreit, ging er noch schleppender zum Bett und legte sich darauf. Alle Sinne in ihm waren scharf auf seine Umwelt gerichtet, dennoch glitt er mit der Zeit in den Schlaf, den der gepeinigte Körper schon seit Tagen forderte.

Dunkelheit umfasste ihn. Auf der weiten Fläche des Feldes bewegte sich kein Halm. Beisender Geruch stieg von den brennenden Federn auf. In der Asche jedoch regte sich Leben...
Mit einem Ruck riss Amir seine Augen auf. Wie lange mochte er geschlafen haben? Das Zimmer war in das goldene Licht des Abendrots getaucht, der Tag war längst vergangen. Geschmeidig richtete der Assassine sich auf und traf alle Vorbereitungen für das Ritual.

Wenn große Ereignisse geschehen, greift ihre Macht um sich und berührt die Herzen weit entfernter Menschen in einem Moment der Stille. Malik al Sayr küsste Jadwas Stirn im Gefühl sonderbarer Glückseligkeit, während sie sich, von einem plötzlichen Schauder ergriffen, an seine Schulter lehnte.  
Allada krümmte sich unter den Schmerzen der Geburt, als Özcan still aus dem Fenster starrend im Nebenraum auf einen erlösenden Schrei wartete, die Augen gebannt auf die brennenden Fackeln an der Stadtmauer gerichtet, die Saladins Männer auf ihrem Weg über den Schutzwall auf die Häuser dahinter warfen.
Im Palast Jerusalems sank Almarich auf einen Sessel und harrte Angesichts der Botschaft, sein Feind würde die Hafenstadt einnehmen, in einem Moment der Atemlosigkeit aus.

Das Sternbild des Adlers ging leuchtend über der Öffnung der Höhlendecke auf. Al Mualim hatte alle Brüder höheren Ranges versammelt, sie standen im Kreis um den Meister, dessen Schatten von der Mitte des Hohlraumes bis an seine felsigen Wände zog. Vor ihm wuchs ein Tropfstein aus dem Boden, an dem das Zeichen der Assassinen an drei Seiten eingeritzt war.
Züngelnde Fackeln warfen fahles Licht in den Raum und zogen Schlieren in Amirs verwischter Sicht. Ein Trank war ihm gereicht worden, dessen Wirkung sich langsam, aber sicher zu entfalten begann. Eindrücke schossen auf ihn ein, pumpten Energie in seinen Körper, gleichzeitig fühlte er sich sonderbar ruhig, abgehoben, klar.
Langsam trat er auf Al Mualim zu, zog sein Schwert und legte es ihm zu Füßen, bevor er begann, jene Worte zu sprechen, die die Assassinen über Jahrhunderte zu ihrer Überzeugung gemacht hatten.

"Im Kreise meiner Brüder lege ich dir mein Schwert zu Füßen, Meister. Möge deine Hand mich leiten, dein Urteil meinem Heil gesonnen sein!"
Al Mualims Arm bewegte sich unmerklich, richtete sich auf den Schüler und brachte mit einem Ruck den verborgenen Dolch dazu, Millimeter an Armirs Kehle vorbei zu fahren. Der Assassine bewegte sich nicht und Al Mualim konnte kein Zeichen einer Reaktion in seinem Gesicht sehen. Zufrieden zog er die Waffe zurück und gebot Amir aufzustehen.
Ein seltsames Konstrukt wurde herbeigetragen und auf dem flachen Tropfstein abgelegt. In einem länglichen Rahmen steckte ein kleines Fallbeil, dessen Schneide sich direkt auf eine ovale Öffnung im Holz darunter richtete.

Amir verstand nun, welchen Zweck der Trank gehabt haben mochte. Er fühlte sich wie im Traum, als wären die Dinge nicht real, die er sah. Vielleicht konnte ihn das von dem Schmerz ablenken, den das Folgende mit Sicherheit mit sich brachte. Trotzdem ging er festen Schrittes hoch aufgerichtet zu dem Stein und streifte seinen linken Handschuh ab. Als einer der Finger in der Mulde Platz fand, suchte Al Mualim erneut nach Zeichen der Schwäche in der Erscheinung des Assassinen. An diesem Punkt hatte so mancher sich noch verraten, aber Amir strahlte absolute Kälte aus, was sich auch nicht änderte, als er die Sicherung des Fallbeils zur Seite klappte und das Messer auf seine Hand herunterfuhr.

Kein Schmerz nur eine eiskalte Spitze durchzuckte ihn, die sofort einem leicht brennenden Gefühl in der Hand wich. Helles Blut ronn an seinen verbliebenen Fingern hinab und formte eine Lache am Boden.
Der Meister reichte ihm jene Waffe, die ihn endgültig zu einem Bruder der Inneren Kreises machen würde. Der verborgene Dolch war schnell angelegt und Amir betrachtete die ausfahrende Klinge, die sich zwischen den Fäden roten Lebenssaftes im Lichte spiegelte.
"So ist es vollbracht, mein Bruder!" rief Al Mualim laut aus, "Das erste Blut das deine Klinge benetzt sei dein eigen! Niemals finde sie ihren Weg in das Leben Unschuldiger! Niemals diene sie dazu, den Orden der Assassinen zu verraten, oder gar in Feindschaft gegen einen Bruder gewandt zu werden!"
"Vom Anbeginn der Zeit, bis zu meinem Ende!" beschloss der eben geweihte das Ritual und hob seinen Kopf, doch Al Mualim dachte nicht daran ihm die Hände zum Segen auf die Schultern zu senken, sondern begann erneut zu sprechen.

"Was gewesen ist, ist Vergangenheit. Was noch sein wird, beginnt jedoch in dieser Nacht! Es wäre nicht rechtens, dich mit Zwiespalt in die Zukunft gehen zu lassen, denn du hast aufgegeben, was vergangen ist. In unserem Kreis sollst du neu erstehen!"
Endlich berührte der Meister den Assassinen, dessen Blick in den leuchtenden Sternenhimmel gerichtet war.
"Geboren unter dem Zeichen unseres Ordens bist du von jeher bestimmt, Assassine zu sein. Andere haben dir den Weg zu deiner Bestimmung verwehrt aber du hast jenen, der ihnen Glauben schenkte, hinter dir gelassen. Du bist nicht mehr, wer einst zu uns kam. Und du sollst von nun an immer ein anderer sein!

                                                                                  Erhebe dich, ALTAIR Ibn La-Ahad, mein Bruder!"

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Also: Fettes Danke erst mal an Shaina fürs lesetreue halten....

und dann für die, die sich denken was für ein bescheuerter schluss: ich hab von ubisoft gelernt, schließlich hab ich ja schon anfangs gesagt ich will einen Dreiteiler schreiben....... :)
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