Panama

von Lea1988
GeschichteDrama / P18
Dr. Sara Tancredi Lincoln "LJ" Borrows Junior Lincoln Borrows Michael Scofield
15.05.2008
03.01.2009
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15.05.2008 1.426
 
Kapitel 1: Ankunft

Sara saß, ihren Kopf an die Fensterscheibe gelehnt, in einem kleinen, überfüllten Bus, der durch den dichten Urwald rumpelte. Sie war müde, so müde. Aber sie war auch aufgeregt und das ließ sie nicht schlafen. Sie starrte durch die schmutzige Scheibe in das dichte Grün. Unter anderen Umständen hätte sie sich an der wunderschönen Natur nicht satt sehen können. Doch jetzt starrte sie durch sie hindurch.
Lange waren sie jetzt schon unterwegs. Erst die lange Zeit auf dem Schiff, die alles andere als komfortabel gewesen war. Das war ihr von Tag zu Tag deutlicher geworden. Doch ihr war es auf dem großen Schiff noch gut ergangen. LJ hatte die ganze Zeit über mit seiner Seekrankheit kämpfen müssen.
Doch trotz der unbequemen Reise hatte Sara ihre Entscheidung keine Sekunde lang bereut. Endlich hatten Michael und sie einmal Zeit gehabt, sich ganz in Ruhe unterhalten. Ohne Zeitdruck. Ohne die Gefahr, entdeckt zu werden. Auch Lincoln und LJ hatten diese Situation sichtlich genossen. Als das Schiff endlich im Norden Panamas ankam und sie das Schiff endlich verlassen konnten, war Saras Erleichterung nichts gegen die, die sie in LJs Gesicht sah. Und es dauerte nicht lange,  bis LJs bleiches Gesicht wieder eine normale Farbe annahm.
Doch mit der Ankunft in Panama war die Reise noch nicht zuende gewesen. Kaum angekommen, waren sie in einen Zug gestiegen, der sie in Richtung Süd-Westen nach Armuelles bringen sollte. Die Fahrt hatte mehrere Tage gedauert und der Zug war auch nicht viel besser gewesen, als das Frachtschiff, aber wenigstens schaukelte er Zug nicht die ganze Zeit, was besonders LJ sehr zu schätzen wusste.
Doch die lange Reise hatte auch ihre Vorteile gehabt. Sie hatten viel Zeit zum Reden gehabt und Sara hatte Michael und auch Lincoln und LJ immer besser kennengelernt. Und das war wichtig. Schließlich wollte sie mit den dreien zusammenleben.
In Armuelles angekommen, traten sie den letzten Teil ihrer Reise an. Und das war wohl der unbequemste. Sie hatten sich in einen schon völlig überfüllten Bus gezwängt, der wohl in den USA nicht mehr hätte fahren dürfen. Er sah so aus, als würde er jeden Moment zusammenbrechen. Und so fühlte es sich an. Aber sie waren jetzt schon einige Stunden unterwegs und der Bus fuhr immer noch und hatte auch keine Teile auf dem Weg verloren.
Auf der Fahrt hatte der Bus in immer kleiner werdenden Städten und Dörfern gehalten und es waren mehr und mehr Leute ausgestiegen. Und endlich hatten sie es auch geschafft, alle vier einen Sitzplatz zu bekommen. Die zerschlissenen Sitzpolster kamen Sara vor wie die bequemsten Sessel, die an sich nur vorstellen konnte. Endlich konnte sie ihre Beine ausruhen. Sie hatte versucht, sich anzulehnen, um ein wenig zu schlafen, aber es gab keine Kopfstützen und so wollte der Schlaf nicht kommen.
Als auch der Platz neben ihr frei wurde und Michael sich neben sie setzte, lehnte sie sich dankbar an ihn an und schloss die Augen. Doch auch in dieser viel bequemeren Haltung schaffte sie es nicht, einzuschlafen. Schließlich gab sie es auf und beschloss stattdessen aus dem Fenster zu schauen. Und so saß sie jetzt da, die Stirn an die leider nicht wirklich kühle Scheibe gelehnt.
Hinter ihr schliefen LJ und Lincoln. Und auch Michael hatte die Augen geschlossen. Aber Sara wusste, dass er nicht schlief. Sie kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass er nicht riskieren würde, die Haltestelle zu verschlafen. Zumal er darauf bestanden hatte, den anderen nicht zu sagen, wohin genau die Reise gehen würde. Es sollte eine Überraschung werden. Doch Sara war es mittlerweile relativ egal, wo und wie ihr neues Zuhause sein würde. Die Hauptsache war, es gab ein Bett und eine Dusche.
Sie fuhren immer weiter in den Urwald und der Bus wurde immer leerer. Außer ihnen waren nur noch ein alter Mann, der auch zu schlafen schien, und eine Frau mit ihrem Baby in dem Bus. Sara fragte sich, wie weit sie wohl noch in den Urwald fahren würden. Der Busfahrer rief etwas auf spanisch nach hinten und Sara sah, wie Michael die Augen öffnete und sich aufrichtete. ,,In ein paar Minuten sind wir da”, sagte er zu ihr. Dann drehte er sich um, um seinen Bruder und seinen Neffen zu wecken.
Sara rieb sich die Augen. Bald war es geschafft. Bald war die lange Reise endlich zu ende.
Sie hörte hinter sich LJ leise Fluchen, weil er aus dem Schlaf gerissen worden war.
Der Bus wurde langsamer und hielt schließlich quietschend an. Sie holten ihre Taschen unter den Sitzen und von den Gebäckablagen hervor und stiegen aus dem Bus.
Die Luft war Gott sei Dank nicht so stickig wie im Bus, aber dafür knallte nun die Sonne ohne Hindernis auf die vier erschöpften Reisenden. Sara hielt sich schützend die Hand vor die Augen und sah sich um. Das, was da um sie herum stand, konnte man kaum noch als Dorf bezeichnen. Die Häuser konnte man an beiden Händen abzählen. Doch obwohl es nur so wenige Häuser gab, entdeckte Sara einen kleinen Laden und sogar eine Kneipe. Sie waren also nicht vollkommen in der Wildnis.
Sechs Augen richteten sich nun auf Michael. Wo würden sie nun wohnen? Michael bemerkte die auf ihn gerichteten Blicke und brach das Schweigen. ,,Ich muss noch zum Verkäufer, den Schlüssel abholen. Am besten sucht ihr euch ein schattiges Plätzchen und ich bin dann gleich zurück. Sara seufzte leise auf. Sie mussten also immer noch warten. Sie wünschte sich so sehr, endlich anzukommen und sich ausruhen zu können.
Michael wendete sich von ihnen ab und ging in Richtung der Häuser. Sara sah ihm hinterher. Hoffentlich würde es nicht zu lange dauern.
Sie spürte eine Hand auf ihrem Rücken und drehte sich um. Lincoln deutete auf einen Baumstand, der einige Meter entfernt und im Schatten eines großen Baumes lag. ,,Wollen wir uns dahin setzen?”, fragte er. Dankbar sah sie, wie Lincoln und LJ die vier Reisetaschen nahmen und zu dem Baumstamm trugen. Es hatte doch manchmal große Vorteile eine Frau zu sein, erkannte Sara lächelnd und folgte den beiden in den Schatten. Dort angekommen ließ sie sich auf den Baumstamm fallen, der erstaunlicherweise sehr bequem war. Aber ihre Ansprüche waren auf der Reise auch gesunken.
Im Schatten war es deutlich kühler, was die drei sehr genossen. Sara öffnete ihre Handtasche und holte eine Flasche Wasser heraus. Sie trank einen Schluck und bot die Flasche dann LJ an. Dieser nahm sie dankbar an, trank etwas und reichte die Flasche dann an seinen Vater weiter.
Nachdem Sara die jetzt nur noch halbvolle Flasche wieder verstaut hatte, saßen die drei eine Weile schweigend und fast bewegungslos da. Es kam Sara so vor, als hätten sie endlos lange so da gesessen, auch wenn es wahrscheinlich nur wenige Minuten waren, da hörte sie ein herannahendes Auto. Es dauerte nicht lange, bis sie den Jeep sah, der um die Ecke bog und auf sie zu fuhr. Zu ihrem Erstaunen erkannte sie, dass Michael auf dem Fahrersitz saß. Der Wagen kam neben ihnen zum stehen und Michael stieg aus. ,,Zum Glück hat er sich an unsere Abmachung gehalten. Ich hatte das Haus und den Jeep angezahlt und er hat sie für uns aufbewahrt. Außerdem haben wir Wasser und Lebensmittel, mit denen wir erst mal hinkommen sollten.” Saras Blick richtete sich auf die Ladefläche des Jeeps und da standen einige Wasserkanister und Einkaufstüten mit verschiedenen, haltbaren Lebensmitteln. Michael hatte wirklich alles genau geplant und an alles gedacht.
,,Wenn die Wegbeschreibung stimmt, sollte es jetzt nicht mehr weit sein.”, meinte Michael.
Sie luden die Taschen ins Auto und setzten sich hinein. Als Michael den Wagen startete und losfuhr, merkte Sara, wie ihre Erschöpfung immer mehr von der Neugierde auf ihr neues Zuhause verdrängt wurde. Sie merkte, wie auch die anderen merklich wacher wurden. Nun war es wirklich nicht mehr weit.
Sie fuhren über einen holprigen Weg, der mitten durch den Urwald führte. Ein salziger Geruch stieg Sara in die Nase. War das das Meer? Auf dem Weg hierher hatte sie zwischendurch das leuchtendblaue Wasser sehen können.
Sie bogen um eine Kurve und da war es. Ihr neues Zuhause. Ein kleiner weißer Bungalow am Rande des Urwalds. Und vor dem Haus war ein kleiner weißer Sandstrand. Und nur etwa 100 Meter vor dem Haus erstreckte sich das weite blaue Meer. Der pazifische Ozean.
Sara konnte ihren Augen kaum trauen. Sobald das Auto zum stehen gekommen war, sprang sie hinaus und sog ihre Umgebung mit ihren Blicken auf. Die kleine Bucht, an der ihr Haus stand, war wunderschön. Der Strand und das Meer wirkten unberührt. Es war ein kleines Paradies.
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