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Und der Himmel war grau...

GeschichteDrama / P12 / Gen
Dr.Cooper Freedman Dr.Violet Turner
13.05.2008
13.05.2008
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13.05.2008 967
 
~Ein trostloser, grauer Himmel. Dunkle Wolken und Nebelschwaden.
Es hatte geregnet, als würde es nie wieder aufhören.  N ie wieder…
Der Unterschied zwischen Regentropfen und Tränen wird sich zeigen, spätestens, wenn sie im Trockenen steht… ~

„Violet?“
„Violet!“

Die besorgten Rufe der anderen erreichten sie nicht mehr. Der Schmerz hatte sie bereits in seinen beruhigenden, kalten Mantel gehüllt und würde sie nicht wieder freigeben. Die Stimmen der anderen prallten an ihm ab, hatten keine Chance. Nichts kam durch.
Der Wind peitschte gegen die Fensterscheiben, der Himmel war dünkler als zuvor.
Naomis Worte waren leise gewesen, als sie es ausgesprochen hatte, doch selbst diese leisen, fast geflüsterten Worte konnten eine unglaubliche Kraft freisetzen. Irgendetwas in Violets Innerem zerbrach.

Was empfand sie in diesem einen, kurzen Moment? Schrecken, Traurigkeit, Unglauben, Hilflosigkeit? Worte konnten es nicht beschreiben. Es war mehr als nur ein Gefühl. Es war viel mehr.
Es ließ ihren Körper erstarren und brachte ihn gleichzeitig zum Zittern.
Es füllte ihre Augen mit Tränen und vertrieb jegliche Farbe aus ihrem Gesicht.
Eine innerliche Leere war alles, was zurückblieb.
Sie hätte schreien können, das hätte vielleicht für einen kurzen Augenblick befreiend gewirkt, doch im Endeffekt war sie machtlos. Gegen manche Dinge konnte man nichts tun.
Diese bittere Wahrheit musste sie nun am eigenen Leib erfahren.

Kalte Wassertropfen fielen von ihren durchnässten Haaren. Ausdruckslos blieb ihr Blick an einem der Tropfen hängen, verfolgte seinen Weg von der Haarspitze bis zum Boden, als könne sie alles andere vergessen, wenn sie sich nur an ihn klammerte.
„Violet… setz dich erstmal..es hat uns alle getroffen..“ Addisons beruhigende Stimme drang an ihre Ohren, doch sie wollte jetzt nichts hören. Nichts, nicht, nichts!
Sie sollten sie alle in Ruhe lassen.  Sie wollte ihre traurigen Blicke jetzt nicht sehen. Nicht jetzt. Nicht hier.
In diesem Moment war Violet keine Psychiaterin, sondern eine Patientin.

~Als der Sturm in ihrem Inneren tobte, war sie nach außen hin ganz ruhig. Fast schon zu ruhig. Der Regen war stärker geworden. Wenn er tatsächlich nie wieder aufhörte, würde er viel Schaden und Zerstörung anrichten. Denn gegen die Mächte der Natur war man machtlos. Es würde weiterregnen…  solang bis auch der letzte Funke des Lebensfeuers erlischen würde… ~

Kein Laut kam über ihre Lippen, als sie die Tür öffnete, an der „Cooper Freedman, MD.“ stand.
Die Stille war nahezu beängstigend, alles was sie hörte, waren die großen Regentropfen, die aufs Fensterbrett aufklatschten.
Das Büro erschien ihr mit einem Mal so leblos. Ein beklemmendes Gefühl überkam sie und ließ ihre Knie nachgeben. Wortlos sank sie vor seinem Schreibtisch zu Boden.
Wenn sie gedacht hatte, sie wüsste, was Schmerz bedeute, hatte sie sich geirrt. Sie wusste es erst jetzt. Erst seit ein paar Minuten. Nichts was sie je zuvor empfunden hatte, kam an das Chaos heran, das nun ihr Innerstes durchwühlte.
Doch alles, was sie von diesem Sturm an die Außenwelt gelangen ließ, waren Tränen. Stille, sanfte Tränen, die, obwohl sie so ruhig und harmlos wirkten, von großem Schmerz zeugten.

Ihr Leben würde nie wieder so sein wie zuvor. Ihr bester Freund war tot.
Weinend strich Violet mit ihren Fingern über Coopers Schreibtisch. Ein paar Akten und einige lose Blätter, die er wohl noch unterschreiben hätte müssen, lagen darauf.
Aber seine Augen würden sich nie wieder für diese Akten öffnen… seine Augen würden sich nie wieder für Violet öffnen.
Nie wieder…
Ein erneuter Weinkrampf überkam sie, als sie sich so verloren an den Schreibtisch klammerte. Wie sollte sie denn ohne ihn weiterleben?  Er war immer für sie dagewesen…und nun…

~ „Komm zurück! Lass mich nicht allein… ich brauch dich doch, du kannst nicht einfach… Es tut mir Leid, bitte… ich tue alles..aber komm zurück..COOPER! Cooper…“ ~

Ihr Innerstes schrie vor Verzweiflung, während ihr Verstand ihr sagte, dass Cooper für immer gegangen war.  Er hatte sie einfach allein gelassen.

~Mit jeder Träne, die ihre Augen verlässt, mit jedem Wort, das sie spricht, wird sie den tobenden Regensturm beruhigen können, bis er irgendwann aufhört. Es liegt in ihrer Macht, ihn zu beenden und wenn sie stark ist, kann sie es schaffen. ~

***

Sanft umwehte das schwarze Kleid ihre Beine, während ihr Blick gerade nach vorn gerichtet war.
Der Himmel über ihr war in ein hoffnungsloses Grau gekleidet. Aber immerhin hatte der Regen aufgehört.
Als der Pfarrer zu sprechen begann, fingen einige an zu weinen. Unter ihnen waren Naomi und Addison und zu guter Letzt auch sie selbst.
Violet wusste, dass das nicht das Letzte mal sein würde, dass sie um Cooper weinen würde. Es würde bei weitem nicht das letzte Mal sein. Viele durchweinte Nächte und einsame Stunden, in denen sie am liebsten sterben würde, lagen noch vor ihr.

Ihre Finger berührten die rote Rose, als sie nach vorne ging, um vom wichtigsten Menschen in ihrem Leben Abschied zu nehmen. Eine ihrer Träne tropfte von ihrer Wange und fiel auf die Rose, doch sie wischte sie nicht weg.
Langsam lösten sich ihre Finger von der Pflanze und die Rose fiel ins dunkle Grab hinab. Violets Augen folgten ihr, bis sie unten angekommen war. Erst dann trat sie schweigend zurück und machte den anderen Platz.
Traurig sah sie hinauf in den grauen Himmel. Die Wolken hatten sich gelichtet und ein heller, warmer Sonnenstrahl hatte es geschafft, durchzubrechen. Dieser Anblick zauberte ein leichtes Lächeln auf Violets Lippen, das erste seit Tagen.

Naomi , Addison, Pete und Sam kamen auf sie zu und umarmten sie, einer nach dem anderen. Und diesmal ließ Violet es  zu und blockte nicht mehr ab.

~An einem einzigen Tag war ihr Leben vollkommen aus der Bahn gerissen worden und in tausend Scherben zerbrochen. Es würde viel Zeit brauchen, vielleicht Jahre, bis sie die Scherben wieder alle in mühsamer Arbeit zusammengesucht hatte, und einige würden für immer verloren bleiben. Untergegangen in den Tiefen eines Regenmeeres. ~

Ende
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