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Kalte Schatten

KurzgeschichteDrama, Angst / P18 / Gen
Elphaba Thropp
11.05.2008
11.05.2008
1
1.514
 
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Inhalt: Ein düsteres buchbasiertes Ficlet, das im Wesentlichen auf den zwei folgenden Stellen beruht.
***
"Du denkst das wäre mir alles komplett neu", sagte sie seufzend. "Du hältst mich für komplett jungfräulich."
"Du hast beim ersten Mal nicht geblutet", bemerkte er. "Da muss ich gar nicht erst zu denken anfangen."
***
In der Leistengegend war ein merkwürdiger Schatten - im ersten Moment fragte er sich verschlafen, ob einige seiner blauen Karos in der Hitze des Liebesspiels auf ihrer Haut aufgedampft worden waren. Oder war es eine Narbe?
***
Und als drittes auch auf Elphabas gar so aufgebrachter Reaktion auf die Ankunft eines Soldatentrupps in Kiamo Ko. So, genug Anmerkungen für so eine kurze Geschichte. Viel Spaß wünsch ich an dieser Stelle nicht, allerhöchstens eine Gänsehaut ^^

Warnung: PG-18, Angst

Disclaimer: Gregory Maguire, hab mir den Namen endlich gemerkt XD

Author's Note: Eigentlich ist die Geschichte als Oneshot gedacht, aber bei Interesse kann ich fortführen...

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Kalte Schatten

von Alistanniel



Diese Gegend war einsam, sie war wie ein toter verwesender Teil der großen Stadt mit ihren vielen Gesichtern. Nur der Wind pfiff durch die schon lange aufgegebenen Häuser, von deren Fassaden der Putz abbröckelte, und das Glas der Fenster zerborsten war. Selbst der Mond und die Sterne schienen sich bis hierher nicht zu wagen. Regte sich hier doch einmal Leben, dann nur, weil es keinen anderen Ort gab, an dem es Zuflucht finden konnte.
So wie es bei der hochgewachsenen schlanken Gestalt der Fall war, die mit schweren Schritten durch die Düsternis stapfte. Sie war in einen schwarzen flatternden Umhang gehüllt, der eine weibliche Figur erahnen ließ, die Füße steckten in groben Lederstiefeln, und als der Wind ihr einmal die Kapuze vom Kopf blies, kam darunter eine Fülle seidig glänzenden schwarzen Haars zum Vorschein.

Elphaba fröstelte. Sie drückte den Stoffbeutel, der eine Flasche mit Wasser, eine Packung Kekse, und drei Äpfel enthielt, etwas enger an sich. Zusätzlich zu ihren Vorräten befand sich auch noch eine versiegelte Nachricht darin, die sie am nächsten Tag überbringen sollte. Das war ihre Aufgabe, seit sie sich vor fast einem Jahr dem Widerstand angeschlossen hatte, Botengänge, mehr nicht. Ihre grüne Haut war zu auffällig für alles andere.
Wiederholt spähte sie über die Schulter zurück, alle Sinne darauf ausgerichtet jede Bewegung zu erkennen. Sie fühlte sich beobachtet, schon seit sie die belebteren Stadtteile hinter sich gelassen hatte. In einem Hauseingang entdeckte sie schließlich einen anderen Menschen, doch es war nur eine ältere herunter gekommene Frau, die sich bestimmt in dem Gebäude eingerichtet hatte.
Vielleicht war sie nur übernervös, erst vor wenigen Tagen hatten ein paar TIERE, die sich ebenfalls in der Gegend versteckt hielten, ein totes Mädchen gefunden. Erstochen, ohne dass sich ein Grund erahnen ließ. Es fragte auch niemand danach, zur Zeit geschahen viele schlimme Dinge und keiner wusste warum.

Sich genau umsehend bog Elphaba in eine schmale fast stockfinstere Gasse ein, die sie schneller zu ihrem Unterschlupf bringen würde als die größeren Straßen. Ihre Schritte beschleunigten sich, sie wollte nur so rasch wie möglich die aufgelassene Fabrik erreichen, im Freien war es gefährlich. Erneut hatte sie das beängstigende Gefühl, dass jemand hinter ihr war, verborgen im Dunkel und eins mit den Schatten. Es war wie in einem jener Albträume, in denen man vor etwas Bösem floh, das einen einholen würde, sobald man sich danach umwandte.
Elphaba rannte los, als sie sicher war, hinter sich Schritte über den rissigen Asphalt schaben zu hören. Sie konnte kaum erkennen was vor ihr lag, geschweige denn das Ende der Gasse. Nach beinahe einer Ewigkeit erreichte sie es endlich und lief nach rechts, weg von ihrem Versteck. Bestimmt waren es Leute des Zauberers, die ihr folgten, weil sie erkannt hatten, dass sie dem Widerstand angehörte.

Plötzlich blieb sie mit dem Fuß in einem Riss im Boden hängen, strauchelte und fiel. Pein jagte durch ihr Handgelenk. Zwar war sie schnell wieder auf den Beinen, doch die Verfolger hatten genug Zeit gehabt, sie einzuholen. Sie wurde eisern gepackt, wand sich und trat blindlings um sich. Einem Schmerzenslaut nach zu urteilen, hatte sie den Angreifer getroffen, der Griff lockerte sich. Doch ehe sie auch nur Anstalten machen konnte zu fliehen, blitzte etwas auf. Die scharfe Schneide eines Dolches wurde ihr an den Hals gesetzt. Sie schluckte, versuchte sich ihre Furcht nicht anmerken zu lassen.
„Was wollen Sie von mir?“ stieß sie gepresst hervor.
„Mund halten“, knurrte der Mann unwirsch, der ihr die Klinge gegen die weiche ungeschützte Haut drückte.
Sie waren zu zweit, und sie trugen Uniformen. Elphaba erkannte sofort den waag- und den senkrechten grünen Streifen, die eine Art Kreuz bildeten, die Gardisten des Zauberers stellten dieses Symbol immer stolz zur Schau. Die beiden mussten tatsächlich die Vermutung hegen, sie gehörte dem Widerstand an. Ihr Schicksal war somit besiegelt, doch zumindest würde sie erhobenen Hauptes sterben.
Der andere Mann fixierte sie. „Du trittst ganz schön fest zu, Kleine.“ Er zog ihr die Kapuze vom Kopf und beäugte sie wie Vieh auf dem Markt. „Du bist ja ein eigenartiges grünes Ding, aber ganz hübsch anzusehen.“
Sie spuckte ihm ins Gesicht, woraufhin er ihr einen Schlag verpasste, der sie zu Boden schleuderte. Sein Kumpan zog sie grob in die Höhe, erneut spürte sie den Dolch am Hals.
„Was soll das werden? Lassen Sie mich los!“ zischte Elphaba kalt. Sie widerstand der Versuchung sich die schmerzende Wange zu reiben.
„Du verkennst deine Lage, Schätzchen“, murmelte er gefährlich ruhig. Er setzte sich in Bewegung, zog sie mit sich.

Die beiden jungen Männer schleppen Elphaba zu einem schmalen Durchgang, der in einen kleinen verlassenen Hinterhof führte, und sie versperrten ihr den einzigen Fluchtweg. Obwohl sie sich selbstsicher gab, zitterte sie vor Angst. Gegen einen der zwei hätte sie sich vielleicht noch verteidigen können, sie besaß mehr Kraft, als es ihre dünne Statur vermuten ließ, aber gegen beide hatte sie keine Chance.
Sie spürte gierige Hände über ihren Körper tasten und plötzlich wusste sie, was die Gardisten von ihr wollten. Im Angesicht des Dolches konnte sie nicht mehr tun, als möglichst reglos zu verharren, während ihr die Kleider regelrecht vom Leib gerissen wurden.
„Wie mutig ihr seid, zu zweit über eine wehrlose Frau herzufallen. Von jemandem, der diese Uniform trägt, kann man wohl auch nichts anderes erwarten.“
Die spitze Bemerkung hatte einen weiteren heftigen Schlag zur Folge, der sie gepeinigt aufschreien ließ. Sofort presste sich eine Hand auf ihren Mund.
Der Mann, der immer noch die Waffe hielt, lachte leise. „Lass sie ruhig schreien, wer sollte sie hier schon hören?“
Doch Elphaba gab keinen Laut mehr von sich. Sie biss sich die Lippen blutig, als ihr Körper hart gegen die raue Hausmauer gedrängt wurde, die ihre Haut aufscheuerte, während die Gardisten des Zauberers sie vergewaltigten, sich an der Erniedrigung und dem Leid ergötzten, die sie ihr zufügten.

Endlich nach einer schieren Ewigkeit ließen die Männer von ihr ab. Sie wäre zu Boden gesunken, hätte nicht einer der beiden sie am Arm festgehalten. Ihre Beine weigerten sich das Gewicht ihres Körpers weiterhin zu tragen. Irgendwie fand sie die Kraft den Kopf zu heben, doch hätte sie es besser nicht getan. Alles was sie sah, war nur ein metallisches Aufblitzen. Wie mechanisch versuchte sie auszuweichen, vermochte jedoch nicht zu verhindern, dass etwas ihre Leistengegend traf. Sie keuchte. Eine Welle der Pein überschwemmte ihren Körper.
Sie begriff, dass sie die Klinge des Dolches auf sich zuschnellen gesehen hatte. Der Griff um ihren Arm löste sich jäh, und sie fiel auf den harten Asphalt. Sie hörte die Gardisten leise miteinander sprechen, aber die Worte verstand sie nicht. Die Stimmen und das Scharren der schweren Stiefel wurden leiser, sie entfernten sich, verschwanden so schnell in der Finsternis, wie sie zuvor daraus erschienen waren.

Elphaba presste die Hand gegen die rasend schmerzende Wunde an ihrer Seite, sie fühlte die Feuchtigkeit von Blut auf ihrem zerrissenen Kleid. Dunkelheit hüllte sie ein, nicht einmal die schattenhaften Umrisse der Häuser nahm sie noch wahr. Die beiden jungen Männer, die nicht viel älter als sie selbst mit ihren neunzehn Jahren gewesen sein konnten, hatten ihr keine einzige Frage gestellt, es war ihnen nicht um den Widerstand gegangen, sondern nur darum, sich mit ihr zu vergnügen. Was nun mit ihr geschah, scherte sie nicht, sie hatten ihren missbrauchten verletzten Körper zum Sterben zurück gelassen.
Sie dachte an das Mädchen, das ein paar Tage zuvor aufgefunden worden war. Hatten die Gardisten es auf dem Gewissen? Gab es irgendwo jemanden, der es vermisste, und der um es weinte? Sie war nicht sicher, ob ihr Vater und ihre Schwester noch an sie dachten, nachdem sie alle Brücken hinter sich abgerissen hatte. Wenn sie jetzt hier den Tod fand, würde ihre Familie nie davon erfahren, sie wäre genauso ein namenloses Opfer wie das Mädchen zuvor und vielleicht noch weitere.
Doch Elphaba wollte nicht sterben. Nicht hier, nicht jetzt. Nicht bevor der Zauberer von dem Thron gejagt worden war, auf den er sich selbst gesetzt hatte. Sie wollte nichts lieber als ihn selbst von seinem hohen Ross zu stoßen. Einzig um in den Kampf zu ziehen musste sie weiter leben. Mit diesem Gedanken fiel sie in eine erlösende Ohnmacht.
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