little silly

von Caiti
GeschichteRomanze / P16
05.05.2008
24.11.2009
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Dieses Kapitel
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blood and other suprises

Den Rest der Woche war mein Boss noch schlecht gelaunter als sonst. Immer wenn er mich sah, zogen sich seine Mundwinkel noch weiter nach unten und weil er so gut auf mich zu sprechen war, überhäufte er mich mit Arbeit, die kein Anderer für das fünffache meines Gehaltes getan hätte.

Ablage ließ er mich gerne machen. Dafür musste ich in den staubigen Keller. Jedes mal, wenn ich dort gewesen wat, juckte meine Haut wie verrückt und ich musste drei Mal duschen um den Juckreiz überhaupt wieder los zu werden.

Das Archiv im Keller war riesig. Überall zogen sich Spinnenweben lang und die Regale reichten bis an die Decke. Das hieß, wenn ich Pech hatte, was in der Regel der Fall war, musste ich auf eine ziemlich wacklige Leiter klettern um an die richtigen Ordner dranzukommen. Dem Himmel sei Dank hatte ich mir bis jetzt noch nichts gebrochen.

Ich sah mich um. Es gab nur noch einen Vertrag, den ich irgendwo unterbringen musste, aber ich fand die Akte dazu einfach nicht. Im Keller war sonst niemand aber ich wusste, dass wegen der ganzen Originalverträge ab sechs die Alarmanlage hier scharf geschaltete wurde. Na Super! Es war zehn vor sechs.

Was nun? Ich suchte verzweifelt weiter, wobei mir schon klar war, dass ich gesuchten Ordner nicht finden würde. Innerlich wurde mir klar, dass ich tun musste, was ich nun mal tun musste um diesen verfluchten Vertrag doch noch ablegen zu können. Aber diese Alternative gefiel mir gar nicht. Wenn ich das jetzt täte, würde Mr. Die-Welt-geht-unter-ohne-mich-unter wahrscheinlich denken, ich wäre der unfähigste Mensch der Welt. Aber ich glaube, dass tat er eh schon.

Also, was hatte ich schon zu verlieren?

Ich ging in die Ecke wo ein kleines Telefon stand, dass mit allen anderen in der Firma verbunden war, griff nach dem Hörer und wählte etwas widerwillig dir Nummer meines Chefs.

„Johnson.“, meldete er sich barsch. Ich schluckte und es dauerte einige Sekunden, ehe ich überhaupt etwas sagte.

„Ähm…ja Hallo Mr. Johnson hier ist Holly Evans.“, Ich hörte, wie er ein genervtes Schnauben von sich gab. Sofort wurde ich wieder wütend. Was dachte der Kerl sich eigentlich. Jeder machte mal Fehler und brauchte Hilfe. Aber nicht er! Er war ja schließlich perfekt oder was?!
Wenn der mal nen Fehler machen sollte, würde ihn so auslachen! Das schwor ich mir, während ich ihn so genervt schnauben hörte.

„Ich bin gerade im Keller und versuche, den einen Kaufvertrag abzuheften, finde aber die dazugehörige Akte nicht.“

„Um welchen Fall handelt es sich?“, fragte er kalt. Mir lief ein Schauer über den Rücken.

„Ähm…Kellerman.“, beeilte ich mich zu sagen. „Ich habe schon überall gesucht, kann die Akte aber nirgends finden und gleich wird doch die Alarmanlage scharf geschaltet.“ Ich hatte nicht vorgehabt so verzweifelt zu klingen, tat es aber trotzdem.

„Kellerman…?“, hörte ich ihn leise murmeln. „Gut, ich komme kurz runter.“ Piep, piep, piep!
Er hat einfach aufgelegt. Ohne sich zu verabschieden. Dieser arrogante…! Mir fiel bald keine passende Beleidigung für ihn ein.

Kaum hatte ich auch aufgelegt, fragte ich mich, ob er selber jemals im Keller gewesen war. Ob er wusste, wo was stand? Wahrscheinlich nicht. Egal! Es waren seine Verträge, er hatte die verdammte Akte gefälligst zu finden!

Ich lehnte mich gegen die Wand, die Augen geschlossen, und wartete. So lange dauerte es ja schließlich nicht, mit dem Fahrstuhl aus dem zwanzigsten Stockwerk hier runter zu fahren. Vielleicht fünf Minuten, wenn er sofort losfuhr.

Die Minuten vergingen. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass es bereits vier vor sechs war. Allmählich wurde mir mulmig zumute. Wo blieb der nur solange. Gleich kam ich hier nicht mehr raus ohne einen riesigen Tumult zu starten mit Polizei und allem, was dazugehörte. Und das wollte ich schon mal gar nicht.

Ich sah zur Tür. Zwei vor. Hallo!? Gleich ging ich hier raus. Ich wollte den Alarm nicht auslösen. Dann hätte mein lieber Chef ja noch mehr Gründe, mich wie ein Dummchen zu behandeln.

Eins vor! Ich ging zur Tür und griff nach der Klinke. In dem Augenblick wurde sie von der anderen Seite aufgestoßen und ich spürte nur einen stechenden Schmerz in der Nase, der mir die Tränen in die Augen trieb. Ich taumelte rückwärts und drückte mir eine Hand gegen die Nase. Etwas Warmes floss an ihr hinab und tropfte auf den Boden.

„Evans verdammt noch mal!“, hörte ich Johnson unwirsch sagen. Durch das ganze Wasser in meinen Augen konnte ich ihn nur verschwommen wahrnehmen aber es war mir im Augenblick auch egal, wie wütend er auf mich war, schließlich hatte er mir gerade die Nase gebrochen oder so was. Und das tat scheußlich weh!

Ich bemühte mich, mich zusammenzureißen. Mir wurde etwa schwindelig. Blutverlust. Das floss aber auch in Strömen. Oh man!

Ich hörte ein klickendes Geräusch. Oh nein, jetzt war die Alarmanlage an! Verflucht!

„Hier.“, hörte ich meinen Boss leise sagen. Verwirrt sah ich, wie er mir ein Stofftaschentuch hinhielt, das er aus seiner Hosentasche gezogen hatte. Ich nahm es entgegen und drückte es mir auf die Nase.

„Geben Sie den Vertrag her. Ich lege ihn schnell ab, dann gehen wir hier endlich raus.“ Was sollte denn bitte schön >endlich< heißen? Er war keine Minute hier, ich schon seit guten zweieinhalb Stunden.

Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und sah, wie er sehr zielstrebig auf ein Regal zu steuerte, eine Akte hervor zog und den Vertrag dort rein heftete. Verwundert musste ich feststellen, dass er wohl doch schon mal hier unten gewesen sein muss. So schnell, wie er die Akte gefunden hatte. Hmm…hätte ich nie gedacht.

„Evans, geht es wieder?“, fragte Johnson und kam auf mich zu. Das Jackett offen und die Hände lässig in den Hosentaschen. Ich nahm das Taschentuch weg und merkte, dass es kaum noch blutete. Dann nickte ich mit hochrotem Gesicht. Man sollte meinen, nach dem Blutverlust müsse nicht mehr so viel da sein um noch rot zu werden –welch ein Irrtum.

Es war mir peinlich, so vom ihm gesehen zu werden. Obwohl er schuld war. Mein Gesicht war blutverschmiert um meine Augen ein Bisschen geschwollen, vermutete ich.

„Dann können wir ja gehen.“

„Aber die Alarmanlage?“, warf ich hastig ein. Er winkte bloß ab, ging zur Tür und öffnete sie. Sofort hörte man einen lauten, sirenenartigen Ton im ganzen Gebäude. Viele schreckten sicher auf und wunderten sich darüber. Ich zuckte auf jeden Fall zusammen. Himmel war das laut.

Ich hatte gewusst, dass die Alarmanlage losgehen würde, aber dass sich die Tür verriegeln würde, davon hatte ich keine Ahnung gehabt.

„Mist.“, zischte mein Chef und versuchte noch einmal, vergeblich, die Tür zu öffnen. Natürlich, ein Sicherheitsmechanismus, damit der eventuelle Dieb nicht abhauen konnte. Machte Sinn, auf jeden Fall! Aber in diesem Falle machte es mich nur noch wuseliger.

Schlimm genug, dass ich meinen Boss hatte herrufen müssen, jetzt mit ihm hier eingesperrt zu sein, das Gesicht blutig, als hätte ich mich gerade geprügelt, behagte mir gar nicht.

Ich fragte mich kurz, wieso er das nicht gewusst hatte. Denn hätte er es gewusst, wäre er nie und nimmer noch hergekommen. Das war doch schließlich seine Firma! Er sollte etwas besser informiert sein als ich, oder?

„Gut, dann warten wir eben. Die Polizei müsste gleich kommen.“ Wie das klang! Oh man, als wären wir Verbrecher.

Mr. Johnson lehnte sich gegen die Wand neben der Tür und ich hörte ihn murmeln: „Gefangen in meiner eignen Firma. Oh man.“ Dabei massierte er sich die Schläfe. Ich suchte mir ein Stückchen Wand etwas Abseits von ihm aus und lehnte mich ebenfalls dagegen. Dabei versuchte ich, mit dem Taschentuch so viel Blut wie möglich aus meinem Gesicht zu entfernen. Was würde die Polizei bloß denken wenn sie uns hier fand? Ich meine, ich war voller Blut und er ein Mann. Oh oh! Hoffentlich verstanden die das nicht falsch!

Einige Minuten vergingen, in den keiner von uns was sagte. Was sollte ich auch zu ihm sagen? Wir hatten uns noch nie wirklich unterhalten. Er hatte mir Arbeit gegeben, ich hatte sie gemacht. Ganz einfach. Ein stumpfes Arbeitsverhältnis. Eigentlich schade. Früher hatte ich mir immer gewünscht, mit meinen Kollegen und meinem Chef ein vertrauliches, gutes Verhältnis zu haben. Diesen Wunsch hatte ich bei meinem ersten Treffen mit Mr. Johnson sofort verworfen. Mit ihm konnte man einfach kein gutes Verhältnis haben. Dafür war er viel zu verklemmt und unfreundlich.

„Das mit Ihrer Nase tut mir leid.“, sagte er plötzlich. Sein Ton war zwar unwirsch, aber die Tatsache, dass er sich überhaupt entschuldigte, riss meine Augen auseinander. Ich wandte meinen Kopf zu ihm und starrte ihn ungläubig an. Ich brauchte einige Sekunden, um zu reagieren, doch dann öffnete ich endlich den Mund und erwiderte: „Schon okay. Ist ja nichts Schlimmes passiert.“

„Das wäre ja auch noch was! Immerhin müssen Sie mir morgen das Protokoll vom Geschäftsessen vorlegen. Kranke kann ich nicht gebrauchen.“

Sofort verflog mein Hochgefühl, wenn es jemals wirklich da gewesen war. Wie hatte ich auch nur eine Sekunde lang glauben können, er wollte wirklich nett zu mir sein? Tja, ich war einfach zu naiv. Das musste ich unbedingt abstellen.

„Keine Sorge, morgen früh liegt es fertig auf Ihrem Schreibtisch.“, erwiderte ich so kalt, wie ich es hinbekam. Trotzdem klang es nicht einmal annähernd so gefühllos wie bei ihm.

Dann schwiegen wir uns wieder an. Was glaube ich auch besser war. Innerlich brodelte es schon in mir und wenn er noch so ein paar liebe Sachen zu mir sagte, könnte ich etwas tun, was mich meinen Job kosten könnte. Und das würde ich definitive bereuen.

Nach guten zehn Minuten wurde die Tür aufgebrochen und zwei Polizisten stürmten mit gezückten Waffen herein. Als sie Mr. Johnson erblickten, ließen sie ihre Waffen sinken und schauten perplex von ihm zu mir und wieder zurück.

Mein Boss klärte die Sachen mit einigen knappen Worten und verließ dann den Keller. Ich folgte ihm so unauffällig wie möglich. Im Erdgeschoss schlüpfte ich schnell ins Bad und besah erstmal das Debakel in meinem Gesicht.

Ich sah wirklich zum fürchten aus. Mein ganzes Gesicht war blutverschmiert, als hätte ich gerade rohes, blutendes Fleisch gegessen. Alleine bei der Vorstellung wurde mir übel. Hastig wusch ich mir das Gesicht.

Meine Nase blieb allerdings rot und pochte schmerzhaft. Ich glaubte nicht, dass sie gebrochen war, trotzdem tat es höllisch weh. Als ich fertig war, machte ich mich auf den Weg zurück in mein Büro. Durch meine große Klappe vorhin musste ich mich jetzt noch an das Protokoll setzen, was natürlich noch nicht einmal angefangen war.

Wegen all der Zusatzarbeit, die er mir wegen meiner >Konversation< mit Mr. Stevens aufgebrummt hatte, hatte ich bis jetzt noch zu nichts anderem Zeit gehabt. Deswegen musste ich es jetzt machen. Super, und es war schon halb sieben.

Jeden Tag kam ich später nach Hause. Nicht, dass da irgendjemand auf mich warten würde, aber trotzdem war es nicht so schön, die Wohnung zu verlassen, wenn es dunkel war und wiederzukommen, wenn es dunkel war. Die Sonne sah ich nur durch das Fenster. Wenn Johnson so leben konnte, bitte schön. Für mich war das nichts.

Na ja, was blieb mir anderes übrig. Ich hatte ihm schließlich großschnäuzig zugesagt, dass er es morgen früh fertig auf dem Tisch liegen hatte. Also dann mal los.

Ich rieb mir kurz die schmerzende Nase und begann dann zu tippen. In meinem Rücken war das Fenster, das mir zeigte, dass es draußen immer dunkler wurde. Ich gähnte.
Es wurde acht. Halb neun. Müde streckte ich mich und fuhr mir über die Augen. Ich wusste, wenn ich jetzt auf den Flur trat, wäre es stockduster, weil außer mir keiner mehr da war.

Aber einen Kaffee brauchte ich trotzdem. Also erhob ich mich und begab mich auf den, für mich heute so endlos erscheinenden Weg zum Kaffeeautomaten, der keine zwei Meter von meinem Büro entfernt war. Das einzige Büro, an dem ich vorbei musste, war das von Johnson und der war sicherlich auch schon weg.

Irrtum. Durch den Spalt unten an der Tür konnte ich Licht scheinen sehen. Er war tatsächlich noch da. Ich überlegte kurz, ob ich nett sein wollte. Immerhin hatte er mir das Taschentuch vorhin gegeben. Ich könnte ihm auch einen Kaffee bringen. Ich wusste, wie er ihn trank. Brachte ihm schließlich jeden Morgen eine Tasse.

Also brühte ich ihm auch eine Tasse Kaffe – schwarz, mit haufenweise Zucker. Wie er das Gebräu so trinken konnte, wusste wohl nur Gott. Seufzend ergriff ich beide Tassen. Ich klopfte an seine Bürotür. Keine Reaktion. Ich versuchte es noch mal. Wieder nichts. War er vielleicht doch schon weg und hatte nur das Licht vergessen?

Mit dem Ellenbogen drückte ich die Klinke runter und stieß die Tür auf. Das Licht brannte, auf dem Schreibtisch stapelten sich die Akten und Unterlagen und hinter dem Tisch, in einem großen, weich aussehenden Ledersessel saß Johnson. Die Augen waren geschlossen und seine Atmung ging regelmäßig.

Er schlief.

Verwirrt durch diesen unbekannten Anblick machte ich einige Schritte vor und sah noch mal genauer hin. Ohne diesen grimmigen Gesichtsausdruck wirkte er ja fast niedlich. Seine Züge waren markant, aber irgendwie auch weich. Die Nase war gerade und die Lippen leicht rosa.
Mein Chef sah nicht schlecht aus. Nur in der Regel Furcht einflößend.

Ich ließ ihn schlafen, nahm die Tasse Kaffee wieder mit und ging wieder. Nicht dass er, wenn er aufwachte, noch dachte, ich hätte rumgeschnüffelt oder so was.

Als ich die Tür schon fast geschlossen hatte, warf ich noch einen letzten Blick zurück auf den schlafenden Chris Johnson. Ob er schon immer so hart und emotionslos gewesen war? Das konnte ich mir gar nicht vorstellen. So friedlich, wie er gerade schief. Und wenn nicht, wieso war er dann so geworden? Was hatte ihm zu dem gemacht, der er jetzt war? Das interessierte mich schon brennend.

Ich riss mich los und schloss leise die Tür hinter mir. Seinen Kaffee schüttete ich weg. Meine Nahm ich mit auf mein Büro und machte mich wieder an die Arbeit.

>>><<<


Es war Samstag. Endlich ausschlafen! Kein Wecker, der einen um sechs Uhr weckte. Ich sah auf meine Uhr und stellte fest, dass es erst halb neun war. Dann konnte ich ja ruhig noch ein Bisschen liegen bleiben.

Johnson hatte gestern nichts mehr zu meinem Protokoll gesagt. Nichts bedeutete immer, dass alles okay war. Innerlich genoss ich es richtig, wenn er nichts zu kretisieren hatte. So was kam ziemlich selten vor.

Ich hatte sogar schon um fünf gehen können. Das kam noch seltener vor. Na jedenfalls hatte ich heute frei und ich nahm mir vor nur das zu machen, worauf ich Lust hatte. Und jetzt hatte ich Lust auf Faulenzen.

Kaum hatte ich die Augen geschlossen, klingelte mein Handy. Am liebsten hätte ich es an die Wand gepfeffert. Stattdessen warf ich meine Decke zur Seite, ertrug den eiskalten Schauer, der mir über die Haut jagte und stand auf. Mein Handy lag auf der Fensterbank. Ich griff danach und warf einen Blick drauf. Haley – meine beste Freundin. Was war die denn schon wach?

„Ja?“, meldete ich mich träge.

„Morgen Holly.“, flüsterte sie zurück. Ich zog verwundert die Augenbrauen zusammen.

„Wieso flüsterst du?“, fragte ich. Sie kicherte am anderen Ende.

„Weil ich nur schnell aufgestanden bin um die zu sagen, dass ich heute Nacht den besten Sex meines Lebens hatte und der Mann, der dafür verantwortlich ist, liegt noch in meinem Bett.“ Obwohl sie so leise redete, verstand ich jedes Wort. Ich grinste und erwiderte: „Aha. Na das freut mich doch für dich. Wo hast du den denn aufgegabelt?“

Haley machte so was öfter: Für sie war es auch ein leichtes, Männer kennen zu lernen. Sie war wirklich schön mit ihren blonden, leicht gewellten Haaren, dem süßen Gesicht mit der Stupsnase und den vollen rosa Lippen. Und schlank war sie zu allem Überfluss auch. Alles in einem könnte sie glatt als Model arbeiten, wenn sie nicht zu faul wäre, sich irgendwo zu bewerben.

Wieder kichert sie. „Gestern war eine Ausstellung, bei der ich kellnern musste.“ Haley arbeitet bei einer Kateringfirma, die das Essen und die Kellner für alle möglichen Veranstaltungen stellt.

„Aha.“, machte ich wieder. „Und da hast du den gefunden? Den trollen Hecht?“

„Genau.“, hauchte sie atemlos. „Er hat sich die Ausstellung angeguckt. Da wurden so komische Motoren ausgestellt. Ich konnte damit nichts anfangen, aber er schien da voll die Ahnung von zu haben. Egal. Jedenfalls haben wir uns nett unterhalten und sind später noch in einer Bar was trinken gegangen. Na ja und irgendwie sind wir schließlich in meinem Bett gelandet. Ich sag dir, der sieht so was von gut aus!“

„Na dann. Ich kann das ja nicht beurteilen. Ich kann ihn leider nicht sehen, den Traummann.“, witzele ich. Haley atmet schwer ein am anderen Ende.

„Doch. Warte ich schick dir ein Foto auf´s Handy. Den musst du einfach sehen. Ich mach schnell eins, bevor er aufwacht. Dann kriegst du es gleich. Wir müssen uns heute Abend unbedingt treffen. Ich muss dir alles genau erzählen.“

Und wenn Haley sagte genau, dann meinte sie das auch. Meistens erzählte sie so genau, wie es eigentlich keiner wissen wollte. Und sie redete wieder so schnell. Ich konnte ihr kaum folgen. Aber dass sie mir ein Foto von Mr. Dreamy schicken wollte, war bei mir angekommen. Wir verabschiedeten uns und ich legten auf.

Es dauerte keine zwei Minuten, da piepte mein Handy wieder und kündigte eine SMS an. Ich öffnete sie, gespannt, wie der tolle Mann, den meine beste Freundin da abgeschleppt hatte, wohl aussah.

Das Foto brauchte einige Sekunden, in denen es hoch lud. Dann erblickte ich ein schönes, markantes Gesicht. Die Augen geschlossen, die Lippen leicht geöffnet. Die Züge ebenmäßig, die dunkeln, kurzen Haare umrahmten wirr das Gesicht. Das Herz sank mir in die Hose.

Mr. Stevens!