König Drosselbart - Ein Kunstmärchen

von Enyo
GeschichteRomanze / P6
04.05.2008
04.05.2008
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Vorwort
Ein Märchen, das ich wieder in Folge einer Schulaufgabe geschrieben habe. Ich sollte ein normales Volksmärchen in ein Kunstmärchen verwandeln. Ich habe „König Drosselbart“ gewählt, obwohl mir die Entscheidung nicht leicht fiel. Es gibt so viele schöne Märchen.
Außer den Verlauf der Geschichte, habe ich auch die wörtliche Rede aus dem Märchen geliehen.





„Vergangen sei vergangen
und Zukunft ewig fern:
In Gegenwart gefangen
verweilt die Liebe gern.“

Clemens Brentano


König Drosselbart – ein Kunstmärchen

eine Geschichte von Enyo


Ein König hatte eine Tochter, die wunderschön, aber auch sehr stolz und übermütig war, dass sie einen Freier nach dem anderen abwies und verspottete.
Der König war schon völlig verzweifelt, weil es die Pflicht einer Prinzessin war, zu heiraten und für einen Erben zu sorgen.
Er beschloss, ein großes Fest zu veranstalten und alle heiratswilligen Männer einzuladen. Die Männer kamen in Scharen, weil die Schönheit der Prinzessin über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. Außerdem würden sie durch die Heirat einen großen Verbündeten in den Vater des Mädchens finden.
Der König ordnete die Männer nach ihren Rang und ihren Stand, zuerst die Könige, dann die Herzöge, Fürsten, Grafen und Barone, zuletzt die Edelleute. Sie standen aufgeregt da, gespannt ob die Tochter des Königs wirklich so schön war wie die Gerüchte behaupteten...



Ungeduldig ließ ich die Zofe meine Haare machen. Ich wusste, dass ich schön war, aber warum nicht den Effekt verstärken? Als ich meinte es sei genug, verscheuchte ich das Mädchen und machte mich auf den Weg zum Festsaal.
Ich kam zu spät, aber das war geplant. Die Männer würden, noch bevor das Fest zu Ende war, auf Händen und Knien vor mir kriechen und mich anbetteln, dass ich sie als Ehemänner wähle. Nicht das ich dies vorhatte. Ich meine, warum heiraten, wenn ich doch gut im Schloss meines Vaters leben konnte?
Wenn ich heiraten würde, hätte ich doch nur einen Mann, der mein Leben bestimmte. Aber wie immer tat ich meinen Vater den Gefallen und stimmte ein Fest zu.

Nun standen sie hier und ich begutachtete die Männer und gab spöttische Kommentare. Das tat ich aus zwei Gründen. Zum einen wusste ich, dass ein Mann, den ich beleidigt hatte so schnell nicht wiederkommen würde. Zum anderen hatte ich eine gute Ausrede warum ich keine Entscheidung traf.

Ich entschied mich heute für wirklich verletzende Reden. Ein bisschen taten sie mir ja leid, aber sie waren auch selbst Schuld. Warum kamen sie auch? Wenn ich mit ihnen fertig bin, wird Vater einsehen, dass die Heirat noch einige Jahre warten kann.
Ich meine, das war wirklich ein Witz. So einen bleichen Typen würde ich nie im Leben heiraten, selbst wenn ich das vorhatte.

„Der bleiche Tod!“, meinte ich.
Daraufhin wurde er tatsächlich rot. Ich grinste etwas. Der nächste war wirklich dick. „Das Weinfass...“
Die anderen kicherten, aber die bekamen auch ihr Fett weg. Bei dem nächsten musste ich aufsehen.
„Lang und schwank hat keinen Gang.“
Der Vierte Mann war wirklich hübsch, aber ziemlich klein. Sogar kleiner als ich.
„Kurz und dick hat kein Geschick.“
Der nächste Freier ist vor kichern schon ganz rot im Gesicht. „Der Zinshahn.“

Kopfschüttelnd ging ich zum nächsten Kandidaten. Langsam bekam ich den verdacht, dass einige nur kamen, um sich meine Sprüche anzuhören.
Nun stand irgendein Fürst, Namen waren noch nie meine Stärke, vor mir, der ziemlich windschief aussah.
„Grünes Holz, hinterm Ofen getrocknet!“
Oha, jetzt sah er richtig wütend aus. Hat er sich tatsächlich Hoffnung gemacht?!
Schließlich kam der letzte Freier. Ich hatte auch langsam keine Lust mehr. Es war jemand den ich kannte. Ein Fürst aus dem Nachbarkönigreich, der mit ihrem verbündet war. Er war in etwa genauso alt wie ich. Ich begutachtete ihn lange.

Es dauerte eine Weile, bis ich einen Makel entdeckte, denn er war wirklich schön. „Der hat ein Kinn wie eine Drossel einen Schnabel“
„König Drosselbart“, rief ein abgewiesener Verehrer laut in dem Raum. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Männer sind doch wie Kinder. Ein wenig regte sich auch mein schlechtes Gewissen, als ich in sein enttäuschtes Gesicht sah. Tja, nicht mehr zu ändern.

Als ich mich umwandte und in das wütende Gesicht meines Vaters sah, ahnte ich böses. Tatsächlich sollte es noch viel schlimmer kommen, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Mein Vater regte sich noch mehr auf, als ich erwartete. Das Ende vom Lied war, dass er schwur, dass ich den nächsten Bettler, der vor der Tür stünde heiraten solle. Ich glaubte ihn nicht. Ich war sein kleines Mädchen und außerdem die Prinzessin. Er würde mich nie, niemals mit einem Bettler verheiraten.

Langsam wurde mir bewusst, dass ich es mit meinen spöttischen Kommentaren übertrieben habe. Wie ernst es mein Vater meinte, erfuhr ich erst am nächsten Tag, als ein Spielmann vor dem Fenster spielte, um ein paar Almosen zu verdienen. Kurzerhand holte der alte König ihn in die Halle. Ich konnte es nicht glauben, als ich seine Lumpen und seine schmutzige Gestalt sah.
Mein Vater befahl ihn zu spielen, was er auch tat und das gar nicht mal so schlecht. Das schien auch mein Vater zu denken, denn er sprach: „Dein Gesang hat mir so wohl gefallen, dass ich dir meine Tochter da zur Frau geben will.“

Ich fasste es nicht. Ich, die Prinzessin, sollte einen Spielmann heiraten? War mein Vater von allen guten Geistern verlassen? Sollte ich einen Medicus rufen?
„Ich habe den Eid getan, dich dem ersten besten Bettlermann zu geben; den will ich auch halten.“
Der meinte das tatsächlich ernst. Unnötig zu erwähnen, dass ich versuchte ihn umzustimmen, aber als noch nicht einmal der Deiner-Tochter-kannst-du-keine-Kleinigkeit-abschlagen Bettelblick  funktionierte, wusste ich, dass ich ihn nicht umstimmen konnte. Nein.
Er holte tatsächlich gleich noch den Pfarrer und ich wurde sofort mit dem dreckigen Typen getraut.
Ich glaubte es nicht. Was meine verstorbene Mutter wohl dazu sagen würde? Das war bestimmt nicht das Leben, dass sie sich für ihre Tochter vorstellte. Oder meine Freundinnen, denen ich immer vorgespielt habe, dass ich nur den perfekten Mann heiraten würde? Ich konnte mir nicht einmal annähernd vorstellen, wie mein Leben an der Seite dieses Mannes aussehen sollte.

Nach dieser bizarren Trauung, kam es noch härter. Mein Vater hatte einen Blick drauf, den ich noch nie zuvor an ihm gesehen habe. Erst dachte ich, es könne nicht noch schlimmer kommen, aber ich irrte mich.
„Nun schickt sich's nicht, dass du als ein Bettelweib noch länger in meinem Schloss bleibst, du kannst nun mit deinem Manne fortziehen.“

Waaas? Ich durfte noch nicht einmal mehr im Schloss leben?! Mein ganzes Leben brach in diesem Augenblick vor meinen Augen zusammen. Ich ließ die Aussage meines Vater unkommentiert, ich war ehrlich sprachlos. Alle meine Sachen ließ ich hier. Insgeheim dachte ich immer noch, dass es einfach ein riesigen Spaß war und mein Vater mich gleich wieder zurück rufen würde.

Er rief nicht.
Mein neuer Gemahl führte mich zu Fuß - ich musste wirklich zu Fuß gehen - zu seinem Heim, welches jetzt auch mein neues Heim war, wie ich mir erst einmal zu Augen führen musste.
Zum ersten Mal schaute ich mir meinem Mann genauer an. Er trug, wie schon gesagt, Lumpen und seine Haut darunter war sehr weit entfernt von sauber. Er hatte braune Haare, die er, wie es üblich war, zu einem kleinen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte.

Ich lief schon seit, wie es mir vorkam, Stunden und mir war langweilig. Außerdem taten meine Füße weh. Daher begann ich meine Umgebung zu beobachten. Sie waren in einem Wald. Mehr aus langeweile als aus Neugierde fragte ich: „Ach, wem gehört der schöne Wald?“ - „Der gehört dem König Drosselbart; Hätt'st du'n genommen, so wär' er dein.“

Ja, netter Gemahl, streu' nur Salz in meine Wunden, aber du bist nicht der einzige hier der sich auf Worte versteht.

„Ich arme Jungfer zart, Ach, hätt' ich genommen den König Drosselbart!“

Belustigt beobachtete ich, wie sich sein Gesichtsausdruck verdüsterte. Mal sehen, wie weit ich dieses Spiel noch treiben konnte.

„Wem gehört die schöne, grüne Wiese?“ - „Sie gehört dem König Drosselbart; Hätt'st du'n genommen, so wär' sie dein.“ - „Ich arme Jungfer zart, Ach, hätt' ich genommen den König Drosselbart!“

Ich unterdrückte ein Kichern. Das begann Spaß zu machen. Außerdem musste ich dabei nicht über mein vertracktes Leben nachdenken.

„Wem gehört diese schöne, große Stadt?“ - „Sie gehört dem König Drosselbart; Hätt'st du'n genommen, so wär' sie dein.“ - „Ich arme Jungfer zart, Ach, hätt' ich genommen den König Drosselbart.“

Seinem wütenden Ausdruck im Gesicht zu urteilen, hatte ich es geschafft: Er war wütend.

„Es gefällt mir gar nicht“, sprach der Spielmann, „dass du dir immer einen andern zum Mann wünschest; bin ich dir nicht gut genug?“

Ihr Gemahl war nicht nur dreckig, sondern auch dämlich. Warum fragte er so was? Ist doch logisch, dass er nicht gut genug war.

Endlich kamen sie an ein wirklich Häuschen an. Ich wäre wirklich daran vorbeigegangen, hätte mein Gemahl mich nicht darauf hingewiesen. Ich war schockiert. Das erste was mir einfiel war: klein. Dann kamen Wörter wie eng oder schlicht und das waren noch die netten Sachen, die mir im Moment durch den Kopf schwirrten.

„Ach Gott, was ist das Haus so klein! Wem mag das elende, winzige Häuschen sein?“ Der Spielmann antwortete: „Das ist mein und dein Haus, wo wir zusammen wohnen.“

Schön, echt. Ich war begeistert. Ich musste mich bücken, um in ein Haus zu kommen, dass kleiner als mein ehemaliges Zimmer war.

„Wo sind die Diener?“, fragte ich. „Was Diener!“, antwortete der Bettelmann, „du musst selber tun, was du getan haben willst. Mach' nur gleich Feuer an und stell' Wasser auf, dass du mir mein Essen kochst; ich bin ganz müde.“

Ich hätte es ahnen müssen. Jetzt musste ich ihn auch noch bedienen, wenn ich es denn könnte. Ich merkte, wie ich rot im Gesicht wurde. Es kostete eine ganze Menge von meinen Stolz zugeben zu müssen, dass ich nichts von all dem beherrschte und die Art, wie er es mir erklärte, beschämte mich noch mehr. Ich hasste es, wie er mir das erklärte wie man das Feuer entzündete oder kocht, weil ich mich dadurch dumm fühlte. Dumm und nutzlos.
Zu diesem Zeitpunkt wünschte ich mir mehr denn je, ich hätte wirklich König Drosselbart geheiratet. Er war gutmütig, reich und gutaussehend und bei ihm gab es bestimmt mehr Essen als hier.

Nach ein paar Tagen kam ich zu mehreren Erkenntnissen. Stolz und Redegewandtheit genügten nicht, um zu überleben und aus mir würde nie eine gute Hausfrau werden. Das wurde auch meinen Gemahl klar.

„Frau, so geht’s nicht länger, dass wir hier zehren und nichts verdienen. Du sollst Körbe flechten.“

Nach diesen Worten ging er heraus. Toll. Noch mehr Arbeit, als hätte ich nicht genug zu tun.
Er brachte eine paar Weidenzweige mit und ich fing an diese zu flechten. Leider hielten das meine Hände nicht lange aus.
Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich nicht für Arbeit jeglicher Art geschaffen bin? Jetzt sind auch noch meine ganzen Hände wund und das sah auch mein Mann.

„Ich sehe, das geht nicht“, sprach er, „spinn' lieber, vielleicht kannst du das besser.“

Natürlich versuchte ich das auch. Während der harte Faden in meine weichen Finger schnitt, dachte ich mit einem Anflug Selbstironie daran, was wohl meine Freundinnen sagen würde, sähen diese sie in dieser Situation. Blut begann an meinen Händen herunterzulaufen. Wenn das so weiterging, kann ich meine Hände vergessen.

„Siehst du“, sprach ihr Mann, „du taugst zu keiner Arbeit, mit dir bin ich schlimm angekommen. Nun will ich's versuchen und einen Handel mit Töpfen und irdenem Geschirr anfangen; du sollst dich auf den Markt setzen und die Ware feilhalten“

„Ach", dachte ich verzweifel, „wenn auf den Markt Leute aus meines Vaters Reich kommen und sehen mich da sitzen, wie werden sie mich verspotten!"

Mein Gejammer half nichts - hätte mich auch gewundert - und ich musste tun was er sagte. Schließlich wollte ich nicht verhungern. Es klappte auch recht gut, was meiner Schönheit zu verdanken war. Die Leute kauften Töpfe und Geschirr von mir. Das erste mal seit Tagen, schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Ihr Mann kam mit noch mehr Geschirr und ich setzte mich damit an eine Ecke des Marktes und bot es zum Verkauf an.

Da kam plötzlich so ein betrunkener Trottel dahergeritten. Ich meine, warum reitet er, wenn er so viel Alkohol intus hat? Nicht nur das, er ritt geradewegs in meinen Töpfestand.
Mein erster Gedanke war, dass sie unbedingt ihren Vater dazu bringen müsste, ein Gesetz zu erlassen, dass Betrunkenen verbot zu reiten. Dann wurde mir zwei Sachen klar. Ich war nicht mehr in  Vaters Reich und ich habe schon wieder eine Aufgabe vermasselt.

Vor Wut begann ich zu weinen. Dabei habe ich mir doch so viel Mühe gegeben. Voller Angst suchten meine Augen meinen Mann. Bisher hat er mich noch nicht geschlagen, aber was nicht war, konnte ja noch kommen. Ungebeten kam eine Erinnerung meiner Zofe, wie sie erzählte, dass ihr Nachbar seine Frau regelmäßig schlug und das ganz normal war.

„Ach, wie wird mir's ergehen!“, rief ich, „was wird mein Mann dazu sagen!“

Schnell lief ich nach Hause zurück. Besser früh hinter sich bringen, als auf die Bestrafung zu warten.

„Wer setzt sich auch an die Ecke des Marktes mit irdenem Geschirr?!“, sprach ihr Mann, „lass' nur das Weinen, ich sehe wohl, du bist zu keiner ordentlichen Arbeit zu gebrauchen. Da bin ich in unseres Königs Schloss gewesen und habe gefragt, ob sie nicht eine Küchenmagd brauchen könnten, und sie haben mir versprochen, sie wollten dich dazu nehmen; dafür bekommst du freies Essen.“

Schön, wie er mich aufmuntert. Wo ich doch als Hausfrau und Verkäuferin versagt habe, darf ich im Schloss arbeiten. Ich fragte mich, ob ich noch tiefer sinken konnte, aber es half nichts. Ich wollte noch immer nicht verhungern.

Die Arbeit war auch wirklich einfach. Der Küchenchef, ein dicker Kerl mit aufgeblasenen Gesicht, brüllte die Befehle ja auch laut genug herum. Ich bemühte mich wirklich und musste trotzdem die schmutzigste Arbeit von allen tun. Das war einfach nicht fair.

Von den Resten, die ich hier bekam, ernährten wir uns. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mich jemals von Resten würde ernähren müssen, aber ich habe damals vieles nicht gedacht und es ist trotzdem geschehen. Es ist komisch, wieder in einem Schloss zu arbeiten, bloß diesmal auf der falschen Seite.

Ich sah reiche Edelfräulein, wie sie zusammen kicherten. Oh, ich war früher auch so. Ich glaube, ich könnte niemals wieder so unbeschwert kichern. Die kleinen Mädchen, die keine Ahnung haben, wie es ist in einem kleinen Haus zu leben und für sein Essen zu arbeiten.

Der Königssohn heiratete und das bedeutete für mich, dass ich mehr Arbeit den je habe. Es soll schließlich ein riesiges Festmahl geben. Der Küchenchef war lauter, wie noch nie zuvor und wir waren alle im Stress. Ich schaffte es trotzdem mich abzuseilen.

Neugierig stand ich vor der Saaltür und sah hinein. Ich war von all den Wochen in Armut überwältigt von der Pracht und Herrlichkeit der Halle. Wenn ich mich doch nicht so stur gewesen wäre, dann wäre ich auch bei ihnen. Es war alles meine Schuld. Nur weil ich nicht heiraten wollte.
Jetzt darf ich mich mit Resten abgeben, die die Diener mir zuwerfen.

„Kopf hoch, Prinzessin“, machte ich mir selber Mut.
Ich habe mich mit meinen Stolz und Übermut in diese Lage gebracht, nun muss ich damit leben.

Erschreckt wirbelte ich herum, als mich jemand an der Schulter berührte. Der Prinz stand hinter mir und lächelte mich an. Er war wirklich schön, hatte braune Haare und war in Samt und Seide gekleidet. Um seinen Hals trug er eine Goldkette und an seinen Handgelenken kostbare Armbänder.

Er forderte mich tatsächlich zum Tanz heraus. Ich weigerte mich natürlich. Ich war bloß eine kleine Küchenmagd und wenn er mit mir tanzen würde, dann würde er sich blamieren und das wollte ich nicht.
Ich schaute ihn mir noch einmal genauer an und erkannte dann tatsächlich König Drosselbart. Jetzt wollte ich erst recht nicht mit ihm tanzen, aber er ließ nicht mit sich diskutieren und zog mich einfach in den Saal.
So was von dreist.

Mein Töpfchen, wo ich die Essensreste aufbewahrte und die ich an mein Rock genäht habe, zeriss und all die Reste wurden auf den Boden verteilt.
Ich spürte förmlich, wie die Röte mir ins Gesicht stieg. Das war ja so peinlich und alle begannen mich auszulachen.
Wo ist das Mauseloch hin, in das ich mich verkriechen kann? Schließlich griff ich zur altbewährten Methode und lief so schnell ich konnte weg. War ja klar, dass ich noch nicht einmal das schaffte, denn König Drosselbart holte mich an der Treppe ein und zog mich wieder zurück. Ich wehrte mich nicht mehr.

Jetzt weiß ich wenigstens, wie sich meine Freier immer gefühlt haben. Irgendwie habe ich Angst davor, wieder in den Saal zurückzugehen. Der Königssohn merkte dies, denn er sprach freundlich zu ihr:
„Fürchte dich nicht, ich und der Spielmann, der mit dir in dem elenden Häuschen gewohnt hat, sind eins. Dir zuliebe habe ich mich verstellt, und der Husar, der dir die Töpfe entzweigeritten hat, bin ich auch gewesen. Das alles ist geschehen, um deinen stolzen Sinn zu beugen und dich für deinen Hochmut zu strafen, womit du mich verspottet hast."

Was? Die haben mir alle nur etwas vorgespielt? All die Demütigungen und Erniedrigungen umsonst? Das konnte doch nicht wahr sein? Ich wurde richtig wütend, aber genau rechtzeitig schaltete sich mein Verstand wieder ein. Hatte ich das alles nicht verdient? War das nicht eh alles meine Schuld gewesen?
Ich sollte ihm nicht böse sein. Die Tränen begannen über mein Gesicht zu laufen und sagte:
„Ich habe großes Unrecht getan und bin nicht wert, deine Frau zu sein."
Er aber antwortete: „Tröste dich, die bösen Tage sind vorüber, jetzt wollen wir unsere Hochzeit feiern."

Er brachte mich in ein prachtvolles Zimmer und Kammerfrauen und Zofen zogen mir die prächtigsten Kleider an. Ich wurde wieder zu einer Prinzessin und all mein Stolz und Hochmut verschwand. Ich wusste jetzt, was es hieß zu arbeiten und ich würde niemals wieder jemanden verspotten. Ich hatte meine Lektion gelernt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...


Ende