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Darkwing Duck - Drachenauge

GeschichteAllgemein / P12
25.04.2008
25.04.2008
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Drachenauge

Nacht. Ein eventueller Beobachter hätte nur unter großen Schwierigkeiten erkennen können, wie die schwarz gekleidete Gestalt das Turmfenster öffnete. Die genannte Gestalt war offenbar eine Katze und von Kopf bis Fuß in schwarzes Tuch gehüllt. Vorsichtig stieg sie durch den gerade geöffneten Zugang und schloss ihn wieder.
Sie schlich durch den Flur. Im toten Winkel an einem Sehenden Bild vorbei, kriechend unter dem Blitzfeld hindurch. Das Gesicht, das in die Tür zum Drachensaal eingeschnitzt war, runzelte die Stirn. Es schnupperte.
Die Gestalt bog um die Ecke und warf etwas. Kurz war der Flur in helles Licht getaucht, dann war alles wie vorher. Mit der Ausnahme, dass das Gesicht erstarrt war. Die Gestalt öffnete die Tür und betrat den Drachensaal.
Da war es. Das linke Auge.
Der Einbrecher bewegte sich auf die Vitrine zu, die unter dem aufgehängten Drachenskelett stand.
Er zog einen Glassschneidezirkel hervor und platzierte ihn oben auf der Vitrine. Jetzt ganz vorsichtig.
„Was geht denn hier vor?“
Ein hoch gewachsener Erpel im Abendanzug hatte den Raum betreten.
Schnell machte der Eindringling einen Sprung und klammerte sich an einer Rippe des Drachenskeletts fest.
„Wer sind Sie?“, fragte der Erpel.
Die maskierte Gestalt brachte das Skelett zum Schwingen.
„Lassen Sie das sein, oder...“
Bei einem Schwung nach vorne ließ die Gestalt das Skelett los und landete hinter dem Erpel. Und rannte davon.
„Alarm!“

„Quack der Bruchpilot!“, meldete sich Quack, „Eddie? Ja, der ist da. Eddie, für dich!“
„Danke!“
Eddie Erpel nahm den Hörer entgegen.
„Hier Eddie Erpel. Morgana! Was meinst du mit ‚Das ist ein dienstlicher Anruf’?“

„Darauf hatte es der Täter abgesehen!“, erklärte Direktor Friederikus Hex und zeigte auf den großen Smaragd in der Vitrine, „Das Glanzstück unserer Drachen-Sammlung. Neben dem Burschen an der Decke!“
„Was hat der Stein mit einem Drachen zu tun?“, fragte Quack.
„Angeblich handelt es sich um das linke Auge des Drachen Vermithrax!“
Darkwing hatte diesen Namen noch nie gehört.
„Professor Caius hat den Einbrecher gesehen, nicht wahr Professor?“
„In der Tat!“, bestätigte der hoch gewachsene Erpel. Er trug noch immer einen Abendanzug und sein kurzes schwarzes Haar war glatt zurückgekämmt.
„Dann lassen Sie mal hören!“, verlangte der Superheld.
„Der Täter kannte offenbar unsere Sicherheitsmaßnahmen!“, erklärte der Professor.
Sah er für einen Professor nicht ziemlich jung aus? Egal.
„Er wusste genau, wie er vorgehen musste um bis hierher zu kommen ohne den Alarm auszulösen und wo er die Vitrine gefahrlos öffnen konnte. Wäre ich nicht zufällig vorbeigekommen, dann hätte sein Plan wahrscheinlich funktioniert!“
„Können Sie den Täter beschreiben?“
Diese Haare. Und dazu der Anzug. Durfte ein Lehrer so herumlaufen?
„Schlecht, er war vermummt. Aber es handelte sich um eine Katze, so viel ist sicher. Wenn es seine richtige Gestalt war. So wie er sich hier auskannte, würde ich vermuten, dass es ein ehemaliger Schüler war, und da kann ich eine Verwandlung natürlich nicht ausschließen!“
„Und nun soll ich Sorge tragen, dass er nicht doch noch Erfolg hat!“
„Ja. Dieses Mal schien er unbewaffnet zu sein, aber man weiß ja nie...“
„Gar kein Problem. Ich werde einfach über Nacht in diesem Raum bleiben. Aber vorher würde ich gerne wissen, wie viele Katzen es unter den ehemaligen Schülern überhaupt gibt!“
„Ich hole die Jahrbücher!“, sagte der Direktor und verließ den Raum.
„Und ich hätte gern mehr Informationen über diesen Stein!“
„Einen Moment!“
Auch Professor Caius verließ den Raum.
„Ist dieser Caius wirklich zuverlässig?“, fragte Darkwing Morgana, „Er scheint sich sehr sicher zu sein, obwohl es dunkel war. Und er macht einen merkwürdigen Eindruck!“
„Er sieht sehr gut im Dunkeln!“, erklärte Morgana, „Und was das andere betrifft: Kommt dir irgendjemand hier nicht merkwürdig vor?“
„Nun ja...“
„Caius hat schon hier unterrichtet als ich noch Schülerin war. Und man konnte sich immer auf ihn verlassen!“
„Wenn du das sagst!“

Darkwing und Quack saßen auf dem Boden des Drachensaals und sahen sich das Material an, das man ihnen gegeben hatte.
Während Darkwing in einem Buch, blätterte Quack die Jahrbücher durch und machte Bilder von allen Katzen in den Abschlussjahrgängen.
Die Legende von Vermithrax war nicht weiter aufregend. Drache erpresst Königreich und verlangt Jungfrauen als Opfer, Held taucht auf und besiegt ihn. Interessant waren die Erläuterungen dazu: Drachen, die Jungfrauen verlangten taten dies angeblich, um sicher zu gehen, dass sie von den Opfern ihrer Erpressung nichts zu befürchten haben. Wer bereit war, dem Drachen eigene Artgenossen, noch dazu Frauen im gebärfähigen Alter, zu opfern, würde kaum wagen ihn anzugreifen. So mancher Drache hatte sich damit allerdings schon verrechnet.
Auch interessant war der Schluss, in dem es hieß, dass Vermithrax bei einer magischen Explosion gestorben sei, die ihn nicht nur getötet, sondern auch versteinert habe. Die gelösten Mineralien in der Flüssigkeit in seinen Augen sollen dabei kristallisiert sein, was zur Folge gehabt habe, dass aus den Augen Smaragde geworden seien. Eine ziemlich seltsame Geschichte, aber nicht unmöglich.
Leider schwieg sich das Buch darüber aus, was man mit dem Auge tun konnte.
Quack legte das letzte Jahrbuch weg.
„Fertig!“, verkündete er.
„Ich ebenfalls!“, sagte Darkwing, „Zeigen wir dem Herrn Professor unsere Fotos. Wenn er wiederkommt, alleine wandere ich nicht durch diese Schule!“
„Wo steckt überhaupt Morgana?“

Genannte Morgana nahm einen Schluck Tee.
„Sie haben sich seit damals kein Stück verändert, Professor!“, sagte sie.
„Sie schon. Allerdings denke ich, wir können das Sie weglassen. Es ist ja nicht so, dass wir noch Lehrer und Schüler wären!“
„Gerne... Caius!“
„Nun, Morgana, ich habe von dieser Pilz-Sache gehört...“
„Ja, eine unangenehme Sache. Ich hatte sie gewarnt, die Pizza im Versuchsstadium zu essen, aber sie wollten nicht auf mich hören!“
„Sie sind noch immer Pilze?“
„Ja. Sie stehen jetzt im Garten meines Vaters!“
„Ach ja, dein Vater. Ich erinnere mich an ihn. Ein eher ruhiger Schüler, wenn auch gelegentlich etwas aufbrausend, wenn er gereizt wurde. Was sagt er zu deiner Liaison mit diesem Darkwing? Ich meine, er ist doch weder Hexer noch Zauberer, oder?“
„Ein bisschen Hexenblut könnte er haben, so wie er manche Dinge wegsteckt. Aber zaubern kann er kein bisschen, ob mit oder ohne Hilfsmittel. Er macht auch nicht den Eindruck, als hätte er Talent dafür!“
„Und, was meint nun dein Vater dazu?“
„Er akzeptiert es. Etwas widerwillig, aber er akzeptiert es. Es wäre ihm natürlich lieber, wenn ich mich für jemanden entschieden hätte, der etwas... magischer ist!“
„Das kann ich mir vorstellen. Du sagst, du hast dich entschieden...“
Morgana lächelte.
„Bring mich nicht auf dumme Gedanken!“

Obgleich Darkwing in der Nacht noch recht gut sah, war es in einem verschlossenen Raum wie dem Drachensaal doch zu dunkel, um etwas genau zu erkennen. Zum Glück hatte S.H.U.S.H das Nachtsichtgerät noch weiter vereinfacht, von einer Brille zu einer Folie, die er sich hinter die Maske klemmen konnte. Der Raum erschien etwas grünstichig, aber gut  erkennbar.
Während Quack schlief dachte Darkwing über den Fall nach. Der Täter kannte sich hier aus. So weit, so gut.
Er war von draußen gekommen, also war es kein aktueller Schüler oder Lehrer.
Laut Caius gehörte er auch nicht zu den Katzen, die die Hokus-Pokus-Akademie bereits erfolgreich hinter sich gebracht hatten. Allerdings klangen dessen Angaben ohnehin etwas seltsam.
„Es war schon eine Katze, aber anders als diese hier!“, hatte er gesagt, „Irgendwie stämmiger!“
Eine stämmige Katze. Natürlich. Vielleicht hatte sich der Täter doch verwandelt.
Plötzlich schien Licht durch einen Türschlitz. Da kam jemand.
„Quack!“, flüsterte Darkwing und stieß seinen Gefährten an, „Quack!“
„Hmh?“
„Wir müssen uns verstecken, sonst funktioniert mein Auftritt nicht!“
„O. Ja!“

Die Tür öffnete sich. Es war nicht die Tür mit dem Gesicht sondern eine kleinere, einfache, deren einzige Besonderheit das Schloss war, das nur ein Spiegel zu sein schien. Der schwarz verhüllte Einbrecher trat ein. Wie schon das letzte Mal schlich er auf die Vitrine zu. Bis er plötzlich die Tür hinter sich zufallen hörte und sich umdrehte.
„Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert!“
Eine lila Rauchwolke erschien vor der Tür. Der Eindringling lief zur anderen, vor der jetzt allerdings Quack stand.
„Ich bin das Schloss, in dem dein Dietrich abbricht!“
Der Einbrecher lief zur dritten und letzten Tür, wo nun eine zweite Rauchwolke erschien.
„Ich bin Darkwing Duck!“
Darkwing trat aus der Rauchwolke heraus und richtete seine Gaspistole auf die vermummte Gestalt. Diese nahm die Hände hoch.
„Das war... einfach. Maske runter!“
Der Einbrecher gehorchte. Er war ein Tiger. Ein weißer Tiger. Und weiblich.

„Samira Khan!“, erinnerte sich der Direktor beim Anblick der jungen Frau, „Natürlich. Sie verließ die Akademie, nachdem sie die zweite Klasse zum dritten Mal nicht geschafft hatte. Ein wenig magisches Blut und sehr viel Eifer, aber leider nicht das geringste Talent!“
„Daran müssen Sie mich nicht erinnern!“, sagte die Gefangene.
„Das muss vor meiner Rückkehr gewesen sein!“, vermutete Caius, „Sonst könnte ich mich an Sie erinnern. Eigentlich hätte ich selbst darauf kommen können, dass eine Katze mit solchen Proportionen nur ein Tiger sein kann!“
„Schön!“, meinte Darkwing, „Genug geplaudert. Ich schlage vor, wir rufen die Polizei!“
„Moment!“, warf Morgana ein, „Willst du nicht wissen, warum sie es auf das Auge abgesehen hatte?“
„Es ist ein riesiger Smaragd. Genügt das nicht?“
„Das ist tatsächlich nicht der Grund!“, gestand Samira, „Ich wollte das Auge auch nicht behalten, nicht lange jedenfalls!“
„Natürlich nicht!“, sagte Darkwing.
„Wirklich nicht. Ich brauche es nur um...“
„Ja?“, hakte Morgana nach.
„Um den Schatz des Drachenordens zu finden!“
Morgana, Caius und der Direktor atmeten tief ein.
„Ähm... Ihr kennt diesen Orden?“
„Der Orden war ein berühmter Ritterorden!“, erklärte Caius, „Man kennt ihn hauptsächlich im Zusammenhang mit Dracula, aber seine Wurzeln reichen viel tiefer. Er war nach Vermithrax’ Ende in dieser Gegend tatsächlich sehr aktiv...“
„Ich besitze Aufzeichnungen!“, behauptete Samira, „Der Orden hat die Augen des Drachen erbeutet und als Schlüssel für seine Schatzkammer benutzt!“
„Die Schatzkammer des Drachenordens!“, staunte Caius, „Das wäre phantastisch. Man denke nur an die Artefakte, die sie im Laufe der Zeit erbeutet haben...“
„Das klingt mir mehr nach einer Bande von Plünderern, als nach einem Ritterorden!“, fand Darkwing.
„Nun, das war damals so eine Sache...“
„Wenn es möglich ist, die Schätze des Drachenordens mit Hilfe des Smaragdes zu bekommen, dann darf man diese Chance nicht ungenutzt lassen!“, erklärte der Direktor, „Wie findet man die Kammer?“
„Ihr findet sie gar nicht. Und öffnen könnt ihr sie erst recht nicht. Beides verlangt Rituale, die jahrelang trainiert sein wollen!“, erklärte Samira, „Ich wäre natürlich bereit, euch zu helfen, gegen einen angemessenen Anteil!“
„Wir verhandeln nicht mit Einbrechern!“, widersprach Darkwing.
„Und ich kann nicht verantworten, dass diese einzigartigen Zeugen der Geschichte in irgendwelchen privaten Sammlungen verstauben!“, fügte Caius hinzu.
„Mir egal. Aber umsonst rühre ich keinen Finger!“
„Sind unter den Schätzen nicht auch mittelalterliche Münzen?“, fragte Morgana, „Davon gibt es doch genug, die kann man verkaufen!“
„So lange es keine zu seltenen Exemplare sind...“, murmelte Caius.
„Einverstanden. Ich kriege die Münzen und ihr dürft das seltene Zeug in ein Museum stellen!“
„Entschuldigung?“, fragte Darkwing, „Was wird denn bitte hier gespielt?“
„Wir können uns diese Chance nicht entgehen lassen!“, erklärte der Direktor, „Auf gar keinen Fall. Professor Caius, sie nehmen den Smaragd und gehen für uns auf Schatzsuche!“
„Moment!“, rief Darkwing, „Ich lasse diese Diebin keinen Moment aus den Augen!“
„Dann kommen Sie und ihr Gefährte eben auch mit!“
„Ich würde ebenfalls gern mitkommen!“, mischte sich Morgana ein.
„Schön, dann sind Sie zu fünft. Und sie haben sogar ein Flugzeug. Können sie die Kammer jetzt aufspüren?“
„Nein. Dafür brauche ich beide Augen!“, antwortete Samira.
„Und wo ist das andere Auge?“, wollte Quack wissen.
„Um das herauszufinden brauche ich das erste!“

„Kann mir jemand verraten, warum dieses Auge mitten in der Wüste von Ölrabien liegt?“, fragte Darkwing.
„Ich nehme an, die Ritter haben es während der Kreuzzüge hier deponiert!“, vermutete Caius.
„Hier müssen wir runter!“, sagte Samira, die noch immer die Augen geschlossen und den Smaragd in der Hand hielt.
„Bring uns sanft runter, Quack!“
„Wie immer, Darkwing!“

Allerdings.
„Ein interessanter Stil!“, fand Caius, „Haben wir Sonnenmilch dabei?“
„Nein!“, antwortete Darkwing, „Wozu? Wir haben doch alle Federn. Oder Fell. Und wir laufen auch nicht in Badekleidung herum oder so!“
„Nun, ich bin etwas... lichtempfindlich!“
„Etwas lichtempfindlich. Sehr schön. Dann bleiben Sie eben hier!“
„Das geht nicht. Ich muss dabei sein. Ich bin der Leiter der Expedition und außerdem für die Sicherheit des Auges verantwortlich!“
„Dann werden sie wohl mit dem Licht zu Recht kommen müssen!“
„Ich brauche wenigstens etwas Schatten...“

Morgana sah, wie Samira, Quack und Darkwing in der prallen Sonne ein Loch in den Wüstensand gruben.
„Findest du das nicht ein bisschen unfair?“, fragte Morgana, die zusammen mit Caius unter einem großen Sonnenschirm saß.
„Was soll ich machen?“, erwiderte der, „Ich kann nicht raus in die Sonne, dafür ist mein Schutzzauber nichts stark genug!“
„Und warum soll ich nicht graben?“
„Möchtest du denn das?“
Morgana brauchte nicht lange nachzudenken.
„Nein!“

Quack schwitzte, aber das machte ihm nichts aus. Anstrengende Arbeit war er gewohnt, immerhin hatte er ganz alleine ein Flugzeug zusammengesetzt. Und diese schien sich sogar auszuzahlen, denn er traf mit der Schaufel auf etwas Hartes.
„Ich habe etwas!“, verkündete er.
Samira warf sich auf den Boden und grub mit bloßen Händen eine Truhe aus.
„Das muss es sein. Sie müssen es hier verloren haben!“
„Finger weg!“, befahl Darkwing, „Quack, nimm die andere Seite, wir tragen das Ding raus!“
Beide hoben die Truhe an verschiedenen Seiten an. Und setzten damit ein Tier, das darunter gelegen hatte, dem Licht aus.
Sofort ließen sie das Behältnis wieder fallen, doch der riesige Skarabäus kroch unbeschadet darunter hervor.
Und auf Darkwing zu.
„Keine Bewegung!“, rief der und richtete die Gaspistole auf das Insekt.
„Ich bezweifle, dass dich das Tier versteht!“, sagte Samira spöttisch.
Darkwing schoss.

„Wer die Magie beherrscht neigt oftmals dazu, sich über das Gesetz zu stellen!“, philosophierte Caius, „Auch ich kann nicht behaupten, dass ich mich immer an jedes Gesetz gehalten hätte. Auch wenn gelegentlich das Gesetz schuld war!“
„Diese Phase habe ich hinter mir!“, behauptete Morgana.
„Das bezweifle ich!“, widersprach der Professor, „Du hast dich entschlossen, niemandem Schaden zuzufügen, aber das Gesetz interessiert dich so viel wie ein Schnabeltier ein Gemüseladen!“
„Das sehe ich anders. Wenn ein Gesetz...“
„Ähm... Entschuldigung, dass ich dich unterbreche, aber sollte aus der Grube Nebel aufsteigen?“

„Was war denn da unten los?“, fragte Morgana.
„Der Trottel hat den Käfer mit irgendeiner Kartusche beschossen!“, erklärte Samira.
„He, das war hervorragendes K.O.-Gas!“
„Bei mir hat es gewirkt!“, bestätigte Quack.
Caius durchwühlte indessen die Mengen von Schmuck in der gefundenen Truhe.
„Da ist es!“, verkündete er und hielt einen Smaragd hoch.
„Und wo müssen wir jetzt hin?“, fragte Morgana.
„Wohin wohl?“, fragte Samira, „In die Karpaten!“
„Wohin?“, erkundigte sich Darkwing.
„Nach Transsylvanien!“

Als der Donnerquack in den Karpaten landete, war es Nacht. So wie Caius sich vor der Wüstensonne versteckt hatte, schien er den Mondschein zu genießen.
„Eine herrliche Nacht in einem herrlichen Gebirge!“, verkündete er, als er ausstieg, „Wohin müssen wir?“
„In diese Richtung!“, sagte Samira, in jeder Hand einen Edelstein.

Schon nach kurzer Zeit erreichte die Gruppe eine unauffällige Höhle.
„Das ist es!“, sagte die Tigerin.
„Prima!“, sagte Darkwing, „Dann haben wir das hier ja bald hinter uns!“
„Darkwing!“, tadelte Morgana.
„Was?“
„Ach, vergiss es!“

Die Dunkelheit in der Höhle schien für Caius kein Problem zu sein, denn er bemerkte das Tor als erstes.
„Ich habe den Eingang gefunden!“, verkündete er.
Darkwing schob die Folie hinter seine Maske.
„Tatsächlich!“, stellte er fest.
In einer Wand dieser unscheinbaren Höhle befand sich ein zweiflügliges Tor aus eisenbeschlagenem Holz.
Morgana schnippte mit den Fingern und ihre Hand war von einer leuchtenden Kugel umgeben.
Caius lächelte.
Samira kam an das Tor.
„So, da wären wir. Nun öffne das Tor, damit wir fertig sind!“, verlangte Darkwing.
Die Tigerin stellte sich direkt vor den Spalt zwischen den Torflügeln. Sie legte die Smaragde in dazugehörige Vertiefungen und die Hände darauf, dann schloss sie die Augen und murmelte ein paar Worte.
Dann trat sie, mit den Smaragden in den Händen, zurück. Das Tor schwang auf.
„Das war alles?“, fragte Darkwing.
„Noch lange nicht!“, widersprach Samira und zeigte in den Gang, der vor den fünfen lag. Fackeln, die an den Wänden hingen entzündeten sich plötzlich. Am Ende des Ganges warf etwas Goldenes das Licht zurück.
„Fallen?“, fragte Morgana.
„Mehr als genug. Tretet nur auf die Platten, auf die ich trete!“
Sie schloss die Augen und ging weiter.
Darkwing sah nach unten und stellte fest, dass der Boden tatsächlich aus einzelnen Steinplatten bestand.
Morgana ging los. Caius folgte ihr. Darkwing und Quack sahen sich an, dann wagte es auch Quack. Darkwing zuckte mit den Schultern und tat es ihm gleich.
Schließlich erreichte Samira den Raum am anderen Ende.

Morgana staunte nicht wenig. Die Schatzkammer war nicht groß, vielleicht sechs Quadratmeter, aber voll mit Kostbarkeiten. In der Mitte lag ein Haufen von Münzen und Schmuckstücken, an den Wänden hingen Regale mit erstaunlichen Gegenständen. In jeder Ecke stand ein besonderes Artefakt und an der Rückwand war ein versteinerter Drachenkopf aufgehängt.
Ein Artefakt zog Morgana besonders an: In der linken hinteren Ecke stand die Statue einer Art Kobra mit Stacheln auf dem Rücken. Morgana kannte diese Darstellung, das war Kar, die Mutter der Erddrachen. Und ein mächtiger Fokus für jeden Zauber, der mit seismischen Aktivitäten zu tun hatte.
Staunend trat sie darauf zu. Schade, dass so etwas in ein Museum musste. Sie könnte damit Goldadern freilegen, Diamanten aus dem tiefsten Erdinneren hervorholen...
Auch Caius schien etwas Interessantes gefunden zu haben. Es war eine alte Rüstung, besetzt mit echten Drachenschuppen. Morgana konnte verstehen, warum ihn das faszinierte, diese Rüstung bot angeblich den optimalen Schutz vor Feuer – und Sonnenlicht.
Er setzte den Helm auf.
„Was tut sie da?“, durchbrach Darkwings Stimme die Stille.
Morgana sah in die entsprechende Richtung. Quack war offenbar nicht sicher, welche Platte als nächstes kam und Darkwing hinter ihm gefangen.
„Morgana. Tu etwas!“
Erst jetzt realisierte Morgana, dass Darkwing quer durch den Raum zeigte. Zum Drachenkopf. In den Samira gerade die beiden Augen eingesetzt hatte.
„Vermithrax!“, sprach sie, „Ich habe dir gebracht, was dir fehlte. Nun gib mir meinen Lohn!“
Morgana machte sich bereit, einen Blockierzauber auszuführen, als Kar zuschnappte.

Darkwing sah entsetzt, wie Morgana im Rachen der Statue verschwand. Caius, der ihr offenbar zur Hilfe eilen wollte kam nicht von der Stelle, sondern wurde von der Rüstung vollständig eingeschlossen.
„Die Schuhe kleben irgendwie am Boden!“, rief er, „Und zaubern kann ich in dem Ding auch nicht!“
Samira lachte und der Drachenkopf an der Wand erwachte zum Leben. Die grünen Augen begannen zu leuchten und Blitze sprangen von ihnen auf die Tigerin über, die in ein grünes Energiefeld gehüllt wurde.
„Weia!“, sagte Quack, „Was tun wir jetzt?“
„Was schon?“, fragte Darkwing und steckte die Seilrolle auf und den Enterhaken in seine Gaspistole.
„Zwo, eins Risiko!“
Darkwing schoss und der Enterhaken blieb an einem Regalbord hängen. Dann drückte er den Aufrollknopf und hoffte, dass das Regal an der Wand befestigt war. Es war, und Darkwing landete sicher in der Schatzkammer. Ehe er die Gaspistole wieder vom Seil lösen konnte drehte sich Samira zu ihm um.
Ihre Augen waren nun grün und spiegelten das Licht der Fackeln, so dass es aussah, als würden darin Flammen züngeln. Sie streckte die Hände und offenbarte ihre Krallen, die plötzlich von grünem Feuer umlodert wurden. Und sie sprang auf Darkwing zu.
„Warum habe ich nur das Gefühl im falschen Film zu sein?“, fragte sich der, und ging in Verteidigungshaltung.
Zunächst war es ein waffenloser Kampf. Samira beherrschte eine Kampfsportart, die Darkwing völlig unbekannt war, und sie beherrschte sie offenbar gut. Im Normalfall wäre Darkwing ihr ebenbürtig, wenn nicht überlegen gewesen, doch wie er feststellte war das grüne Feuer nicht nur ein Lichteffekt sondern äußerst schmerzhaft. Kurz erwog er, die Kreissägen-Manschettenknöpfe einzusetzen, dann erachtete er diese Methode aber doch als zu brutal.
Nachdem Samira ihn mit einem Tritt in den Goldhaufen befördert hatte, änderte sich die Lage etwas.
„Fangen Sie!“, rief Caius und warf Darkwing das zur Rüstung gehörende Schwert zu.
Darkwing fing.
„Ergib dich!“, befahl er.
„Du kannst mir gar nichts!“, behauptete Samira, „Ich besitze die Macht der Vermithrax. Ich bin Drachenauge. Das Schwert in deiner Hand ist aus dem Zahn eines Drachen geschnitzt, es genügt ein Fingerschnipp von mir um es zu Staub zerfallen zu lassen!“
Sie schnippte mit den Fingern. Nichts geschah.
„Nun?“, fragte Darkwing.
„Nun? Nun nimm das!“
Drachenauge griff nach einem Kristallschwert, das in einem größeren Kristall steckte und zog es heraus.
Ein Fechtkampf folgte. Und auch fechten konnten beide, auch wenn ihre Manöver durch Dinge wie herumliegende Perlen und Münzen etwas behindert wurden. Schließlich, als sich beide an der Rückwand gegenüberstanden und gewaltige Schatten auf diese warfen, geschah etwas, mit dem auch Drachenauge nicht gerechnet hatte.
Vermithrax öffnete das Maul und spie Feuer.
Beide Kontrahenten sprangen zurück.
„Was geschieht hier?“, fragte Darkwing, als der Kopf sich bewegte und dabei den ganzen Raum zum Beben brachte.
„Irgendetwas hat Vermithrax verärgert!“, rief Caius.
In der Tat.
Leben kam in die Kar-Statue, die auf Darkwing und Drachenauge zu kroch. Auch Caius war nicht mehr unbeweglich – nur schien er selbst nicht zu entscheiden, wohin er sich bewegte.
„Na dann... Macht’s gut!“, rief Drachenauge und rannte davon. Es war quasi unvermeidlich, dass sie dabei mit Quack zusammenstieß und beide fielen. Quack hatte Glück und landete auf einer harmlosen Platte. Drachenauge ging es weniger gut. Der Boden brach unter ihr weg und sie stürzte schreiend in die Tiefe.
Vermithrax schloss die Augen und Stille zog in die Schatzkammer des Drachenordens ein.
Morgana kroch aus dem Maul der Kar hervor.
„Was war das?“, fragte sie.
„Ich weiß es nicht!“, antwortete Darkwing, „Sie hatte nicht die Kräfte, die sie haben wollte. Und der Drachenkopf war sauer auf sie. Aber warum?“
Caius ging auf den wieder versteinerten Kopf zu und zog dabei Stück für Stück die Rüstung aus.
„Ich glaube ich weiß, woran es lag!“, sagte er, nach eingehender Betrachtung der geschlossenen Drachenaugen, „Die gute Samira hat einen kleinen Fehler gemacht!“
„Und welchen?“, fragte Morgana.
„Sie hat das linke und das rechte Auge verwechselt!“
„Entschuldigung!“, meldete sich Quack, der noch immer da lag, wo er hingefallen war, „Aber könnte mir jemand helfen hier raus zu kommen?“

„Ich muss ehrlich zugeben, dass ich deinen Darkwing unterschätzt habe!“, gab Caius zu und stand auf, „Einen Tee?“
„Es überrascht mich, dass du überhaupt Tee hast!“, gab Morgana zu.
„Ich trinke ihn zwar nicht selbst, aber ich bin immer auf Gäste vorbereitet. Es ist erstaunlich. Er hätte mit ihr fertig werden können, auch wenn Vermithrax nicht eingegriffen hätte!“
„Und du bist sicher, dass Samira nicht hilflos da unten im Abgrund liegt?“
„Absolut. Du weißt doch, ich finde Leben, wenn ich danach suche und da unten war keines. Entweder ist sie tot oder entkommen. In Anbetracht der Fallhöhe vermute ich ersteres. Möchtest du nun den Tee?“
Morgana zögerte. Caius war... anziehend, wie alle seiner Art. Es gehörte offenbar einfach dazu.
„Nein!“, entschied sie, „Darkwing hasst Berichte, er dürfte dem Direktor schon alles gesagt haben. Ich sehe lieber mal nach ihm, ehe er sich noch verläuft, oder so!“

Einige Minuten später, draußen beim Donnerquack.
„Wo bleibt denn Quack?“, fragte Darkwing, „Er war doch hinter uns?“
„Ich habe ihm gesagt, er soll sich ein Stündchen frei nehmen und die Akademie besichtigen!“, gestand Morgana.
„Und warum sind wir dann hier? Ich meine, was macht man in einem Flugzeug ohne Pilot?“
„Fällt dir da wirklich nichts ein?“
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