Zwielicht

von Kathyana
GeschichteThriller, Suspense / P12
Kai Sturm
22.04.2008
11.06.2008
22
19.593
 
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22.04.2008 1.045
 
Fandom: Die Motorrad-Cops - Hart am Limit
Autorin: Aiyana
Disclaimer: Ich habe keine Rechte an der Serie und verdiene kein Geld damit.


Die Motorrad-Cops – Hart am Limit
- Zwielicht -


Nach Dienstschluss waren die Cops noch etwas zusammen trinken gegangen. Als sie jetzt aus der Bar kamen, ging jeder zu seiner Maschine und stieg in den Sattel. Doch als Kai gerade seinen Helm aufsetzen wollte, trat eine Frau in Jeans und Lederjacke direkt vor sein Vorderrad, stellte einen Fuß auf den Reifen, warf ihr langes dunkles Haar zurück und grinste ihn charmant an. Verwundert hob Kai den Blick.
„Ihr Motorrad ist wohl kaputt,“ sagte sie zu Kai. Es klang wie eine Feststellung.
„Nein,“ gab er zurück und legte den Helm wieder auf den Tank, während sein Blick über ihre schlanke Gestalt huschte. Sie gefiel ihm. „Wieso? Sollte es?“
„Das müssten Sie doch besser wissen als ich. Also, raus damit, was ist dran kaputt? Vielleicht kann ich Ihnen ja irgendwie helfen.“
„Hören Sie,“ schaltete sich nun Tom ein. „Er sagte doch bereits, dass seine Maschine noch funktioniert.“
Grinsend wandte die Dunkelhaarige sich ihm zu: „Wenn das so ist können Sie mir vielleicht auch verraten, warum ihr Freund dann nicht auf seiner Ducati hockt?“ Mit diesen Worten langte sie an Kai vorbei und steckte den Schlüssel, den sie in der Hand gehalten hatte, ins Zündschloss und drehte ihn herum. Schnurrend erwachte das Motorrad zum Leben.
Verwundert über den Auftritt der Frau starrte Kai sie wortlos an. Und obwohl er eigentlich gerne etwas erwidert hätte, schwieg er nur und sah sie aus geweiteten Augen an. Es kam wirklich nicht oft vor, dass es ihm die Sprache verschlug, aber heute fiel ihm nichts ein, das er hätte antworten können.
Die blauen Augen der Frau blitzten fröhlich, als ihr dies bewusst wurde.
„Anderer Vorschlag, Kumpel,“ äußerte sie sich wenig später, als Kai noch immer keine Anstalten machte abzusteigen. „Du gibst mir die Schlüssel deiner Ducati und wir tauschen die Bikes dort, wo immer du jetzt hinfahren wolltest. Ich wollte sowieso noch ein bisschen in der Gegend herumkurven.“
„Okay, ich bin einverstanden. Ich bin übrigens Kai Sturm. Und das sind Sunny Labonne und Tom Geiger,“ gab Kai zurück.
„Nett, euch kennen zu lernen. Ich heiße Giannina Minelli,“ stellte sie sich nun ebenfalls vor, dann ließ sie sich Kais Schlüssel geben und schwang sich auf die andere rote 900er Ducati, die direkt neben der geparkt war, auf der Kai jetzt saß.
Schnell hatte sie ihren Helm aufgesetzt und die Maschine gestartet, dann fuhren sie alle gemeinsam los. Und während Sunny mit Geiger vorausfuhr, hielt sich Giannina neben Kai. Immer wieder warfen sie sich Blicke zu, bis sie schließlich kurz vor einer Kreuzung am Straßenrand anhielten. Hier trennten sich ihre Wege, denn Kai wohnte in einer anderen Richtung. Seine beiden Kollegen hingegen konnten noch eine Weile zusammen weiterfahren, ehe sie sich auch trennen mussten.
„Gute Nacht,“ rief Geiger ihm zu und zwinkerte viel sagend. „Und versuch morgen pünktlich zu sein.“
„Schon klar,“ erwiderte Kai, hob zum Abschiedsgruß den Arm und fuhr dann weiter. Giannina folgte ihm, bis er erneut stoppte. Dieses mal vor seiner Haustür.
Er zog den Helm vom Kopf und wartete, bis sie das auch getan hatte. Dann wandte er sich ihr zu: „Möchtest du noch mit rein kommen?“
„Gern,“ gab sie zurück, bockte die Ducati auf und tauschte mit Kai die Schlüssel.
Als sie gegen später auf seinem Sofa saßen, das er in aller Eile frei geräumt hatte, und an dem Drink nippten, den er ihnen gemixt hatte, sahen sie sich eine Weile lang nur schweigend an. Irgendwann, als Kai schon etwas sagen wollte, ergriff die hübsche Italienerin das Wort.
„Deine Maschine hat einen guten Durchzug. Du bewegst sie wohl häufig am Limit, oder?“
Kai lächelte. Es war schon eine Weile her, seit er sich das letzte Mal mit einer anderen Frau außer Sunny über Motorräder unterhalten hatte.
„Ich bin Polizist, da ergibt sich das öfters,“ versuchte er die Sachlage zu erklären und dabei gleichzeitig vorsichtig abzuchecken, ob sein Beruf sie abschreckte.
„Wenn das so ist sollte ich es mir überlegen, ob ich auch zur Polizei gehe,“ meinte sie und sah ihm tief in die Augen. „Meiner 996er könnte etwas mehr Bewegung auch nicht schaden.“
„Aber du fährst doch eine 900 SS,“ wunderte er sich. Lachend schüttelte sie den Kopf. „Das ist gar nicht meine. Die hab ich nur von einem Kumpel ausgeliehen, weil meine gerade durchgecheckt wird. Ich fahre eigentlich eine 996 Biposto.“
„Das ist aber ne ziemliche Rennsemmel,“ erkannte Kai erstaunt.
„Ja, genau. Da gibt’s schon ein bisschen einen Unterschied zu deiner Sportler.“
„Die 996er ist eben schneller.“
„Nur etwa 35 km/h. Aber ist die Sitzhöhe niedriger. Da komm ich besser mit den Füßen auf den Boden. Und vom Komfort her ist deine sicher auch besser als Cop-Bike geeignet. Die 996er will eher auf die Rennstrecke, als auf enge Sträßchen und Gässchen.“
„Ich hatte schon mal das Vergnügen eine 996er auf der Strecke zu testen,“ erzählte ihr Kai und musste unwillkürlich im gleichen Augenblick daran denken, dass seine eigene Ducati ihm bei diesem Auftrag auch um ein Haar das Leben gekostet hätte, als er bei Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn ausgebremst worden war. Schnelligkeit war eben nicht immer alles. Manchmal war es besser, wenn man das Limit nicht in gar so wenigen Sekunden erreichte.
„Willst du darüber reden?“ erkundigte Giannina sich bei ihm. Ihr war nicht entgangen, dass sein Blick nachdenklich geworden war.
„Ich wär’ schon mal fast draufgegangen,“ war alles, das Kai ihr erwiderte. Er erwartete nicht, dass sie ihm darauf etwas antwortete und doch tat sie es. Aber das, was sie sagte, erschütterte ihn.
„Meine Schwester war eine gute Motorradfahrerin. Sie ist Rennen gefahren. Ich bin oft bei ihr mitgefahren, bis wir einen Unfall hatten. Es ging so schnell, ich weiß nicht was passiert ist. Mehrere Wochen lag ich im Koma. Grazia hab ich nie wieder gesehen. Man sagte mir, dass sie den Unfall nicht überlebt hätte. Mehr weiß ich nicht... aber ich bin es ihr schuldig, dass ich weiterhin fahre.“
Kai schluckte hart und sah sie mitfühlend an. Bis eben hatte er geglaubt, dass er dem Tod schon mal begegnet war, aber jetzt wusste er es besser. Er hatte ihn nur aus der Ferne gesehen, aber Giannina hatte ihm die Hand geschüttelt.
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