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Patient X

von Seraphin
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Gen
Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Ronald "Ron" Weasley
21.04.2008
20.02.2009
24
122.333
83
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
8 Reviews
 
21.04.2008 2.997
 
Beta: Alraune

Beta der Überarbeitung: aiko melody *knuddel*

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Kapitel 2: Patient X  


Am nächsten Morgen begann ihre Schicht um sechs Uhr. Sie und etwa zwanzig andere freiwillige Helfer, die an diesem Montag beginnen würden, fanden sich in der Eingangshalle von St. Mungo's wieder, wo sie von Oberschwester Claris begrüßt wurden.
Schwester Claris war eine ungepflegt wirkende Hexe von etwa fünfzig Jahren. Seit langem führte sie ein strenges Regiment über alle Schwestern und Pfleger dieser Einrichtung. Nach festen Regeln musste es zugehen, und zweckmäßig.

Jedem die bestmögliche Hilfe, so ließ sie die Hörenden wissen. Und im Moment sei dies erbärmlich wenig, deswegen, wandte sie sich erneut an ihr Publikum, deswegen waren nun sie hier. Die freiwilligen Helfer ... weil ein Mindestmaß an Pflege nicht unterschritten werden durfte.

Egal, wie viel Stress, wie viel Arbeit und wie viele Patienten zu bewältigen waren, jedem Patienten stand Menschenwürde und eine angemessene Behandlung zu.
Stolz nickten all die, die sich freiwillig gemeldet hatten. Sie würden in den nächsten Wochen und Monaten helfen, den Opfern des Voldemort-Krieges ihre Würde zurück zu geben.

Dann ging die Führung durch das Krankenhaus los. Hermine war entsetzt über die Zustände. Nirgends schienen auch nur annähernd genug Pflegekräfte und Heiler anwesend zu sein. Oder Putzkräfte ... ein Gänsehaut erzeugender Geruch aus einer Mischung nach Urinflaschen, getrocknetem Eiter, Blut und Erbrochenem durchdrang jeden Flur der besichtigten Stationen. Schreie waren aus jeder Ecke zu hören. Überall standen Menschen mit merkwürdigem Ausdruck in den Gesichtern herum und schienen darüber nachzugrübeln, welche Verbrechen sie unter dem Imperiusfluch begangen hatten. Wenn sie überhaupt noch richtig denken konnten ...

Die Zimmer waren magisch vergrößert. So hatten nun zwar alle Patienten ein Bett, jedoch kamen auch die schwereren Fälle mit teilweise bis zu 12 Personen pro Zimmer nicht zur Ruhe. Ein unheimlicher Chor aus irren Rufen, Schmerzensschreien und Alarmglocken hallte durch die überfüllten Gänge, auf denen nicht wenige Patienten „geparkt“ wurden, um sie zumindest im Vorübergehen im Auge behalten zu können.
Und zwischen all dem Stöhnen, Schreien und Gestank wuselten abgehetzte Personen in limonengrünen Umhängen herum und schienen denen, die da lagen, Medikamente nur noch zuwerfen zu können. Für mehr war keine Zeit.

Hermine brauchte genau zwei Stunden um sich bei Oberschwester Claris rundherum unbeliebt zu machen. Seit Jahrzenten arbeitete Schwester Claris hier und hatte in all der Zeit nie die Muße gehabt, ihre Arbeitsmethoden zu überdenken.
Überall wusste Hermine gute Ratschläge zu geben. Einfache kleine Heil- oder Pflegezauber, die manches schneller und besser hätten erledigen können.

Claris, ein grauer, merkwürdig steil aufragender Haarknoten wippte bei jedem Schritt auf ihrem Kopf mit (Hermine fühlte sich bei dem Anblick an den schiefen Turm von Pisa erinnert), wurde von Ratschlag zu Ratschlag reservierter.
Gegen acht Uhr morgens platzte ihr dann wohl endgültig der Kragen. Sie schrie Hermine vor all den anderen Helfern an, als wäre sie ein Feldwebel beim Militär und Hermine ein aufmüpfiger Soldat. Vermutlich, so dachte Hermine, war das auch genau die Art und Weise, wie Oberschwester Claris die Lage einschätze.
Wenn Hermine alles besser wüsste, dann wäre es ja nicht nötig sie unter die Anleitung der anderen Schwestern zu stellen. Dann solle sie nun gleich eine Spezialaufgabe bekommen, bei der sie ihre ach-so-guten Ratschläge selber befolgen könne. Sie würde schon sehen, was ihre Weisheiten ihr bei dieser Aufgabe nutzten. Sie habe Besseres zu tun als auf das dumme Geplapper einer achtzehnjährigen Göre zu hören ... Hermine sollte nach unten in den Keller, dort würde sie neue Anweisungen bekommen.

xxx

Hermine Schritt wütend und doch stolz auf ihren Mut, dieser alten, verbohrten Diktatorin zu widersprechen (denn sie HATTE es besser gewusst, sie hatte all das doch nur gesagt, um effektiver arbeiten zu können) marschierte sie geradewegs in das unterste Stockwerk.
Obwohl sie gerade erst fünf Minuten zuvor Claris verlassen hatte, wurde sie unten schon von einer weiteren Schwester erwartet. Schwester Helen machte einen freundlicheren, wenn auch ebenfalls strengen Eindruck.
„Ach guten Tag, Sie müssen Miss Granger sein?" begrüßte sie eine hochgewachsene, gertenschlanke Hexe mit kurzen blonden Haaren, die Hermine auf Anfang oder Mitte 40 schätzte.
Hermine nickte. „Ja, ich bin hier, weil ... Schwester Claris meinte, ich sollte ihnen hier unten helfen."
Helens Mund verzog sich zu einem spöttischen Lächeln. „Ja, ja ... Schwester Claris. Sie waren schnell, junge Frau, die meisten Leute, die neu anfangen, brauchen länger, um sie so wütend zu machen. Sei´s drum. Ja, wir haben wirklich Arbeit für Sie ... kommen Sie bitte mit." Sie eilte schnellen Schrittes einen langen, dunklen Gang voraus, bis sie vor einer großen, steinernen Tür Halt machte, die Hermine stark an einen Kerkereingang erinnerte.

Helen zückte den Zauberstab, zeigte Hermine die richtige Handbewegung und den passenden Spruch und öffnete. „Sie müssen ihren Zauberstab nachher oben abgeben. Wir werden ihnen einen speziellen Zauberstab aushändigen, dessen Magie auf die unteren Stockwerke begrenzt ist. Wir sind hier sozusagen im Hochsicherheitstrakt des Krankenhauses. Hier bewahren wir eigentlich niemanden auf. Unter den momentanen Umständen aber schon. Hier kommen nur Patienten hin, die wir mit absoluter Sicherheit vor dem Rest des Krankenhauses fern halten müssen."

Hermine überkam ein eisiges Frösteln. „Eine Isolierstation? Sind die Leute hier schwer krank?" Hatte Claris sie zu Todkranken geschickt, in der Hoffnung, Hermine würde sich anstecken? Aber Helen schüttelte auch schon den Kopf, was Hermine zunächst noch beruhigte.
„Nein, nein ... es ist eher … nun, die Schwestern oben wollen die anderen Patienten nicht beunruhigen. Wir könnten auch nicht verantworten, ihn oben bei den anderen Menschen zu lassen. Es würde zu viel Unruhe und Angst aufkommen. Hier entlang bitte." Helen führte Hermine durch einen nun etwas helleren Gang, der links und rechts mit einer langen Reihe brennender Kerzen erleuchtet war. Zu ihrem großen Erstaunen führte Helen sie an einer Tür vorbei, vor der zwei Auroren mit grimmig wachsamer Miene Wache zu stehen schienen. Sie nickten ihr kurz zu, und Hermine glaubte für einen Moment, einen besorgten Ausdruck in ihren Augen zu erkennen. Sie wirkten keinesfalls glücklich, das junge Mädchen, die junge Frau, HIER anzutreffen. Als sie an ihnen vorbei waren, konnte Hermine gerade noch aus den Augenwinkeln erkennen, wie beide ihr mit dem Finger nachzeigten und aufgeregt tuschelnd die Köpfe zusammen steckten.

Obwohl Hermine nicht einmal genau sagen konnte warum, fühlte sie sich mit jedem weiteren Schritt, den sie der hastig vorauseilenden Helen folgte, unbehaglicher und beklommener zumute. Sie schauderte und schlang die Arme um sich, als wolle sie sich selbst vor irgendetwas Unbekanntem beschützen.

„Wie viele Patienten sind den hier unten?" Wollte Hermine wissen. Die Flure wirkten verlassen. Hier waren außer ihr, Helen und den beiden Auroren keine Menschen zu sehen. Das hektische Treiben von oben schien hier unten nicht angelangt zu sein. Und doch … die Stille die hier unten herrschte war keine friedliche, entspannte. Hier unten wirkte alles kalt und beklemmend. Hätte Hermine es nicht besser gewusst – und sie hoffte inständig, dass dem wirklich so war- so hätte sie geglaubt, dass sie eben eine Leichenhalle betreten hätte.

Das Klappern ihrer Schuhe hallte gespenstisch von den Wänden wieder. Fast meinte sie, sogar den Atem der hinter ihnen zurückgelassenen Auroren hören zu können. Hier unten war es still … wie in einem Grab. Etwas stieg vor ihr auf und sie dachte im ersten Moment, das es ihr eigener Atem war der in der Eiseskälte dieser Räumlichkeiten kondensierte. Erkannte dann jedoch, als es zu ihrer Rechten leise zu zischeln begann, dass es nur eine Kerze war deren abgebrannter Docht auf das Wachs traf und verkohlten Rauch von sich gab.
„Eigentlich nur einer", unterbrach die blonde Krankenschwester Hermines Gedanken, blieb kurz stehen und deutete zu der Tür, vor der ihr die Auroren kurz zum Gruß zurücknickten. „Ich sagte ja, es ist nur eine Person, aber die müssen wir von allen anderen fernhalten. Zur Sicherheit der anderen, und weil sich alle weigern würden, ihn in ihrer Nähe auszuhalten. Selbst die Schwestern und Pfleger weigern sich, in seine Nähe zu kommen, auch die Heiler finden Ausreden, um nicht allzu oft nachsehen zu müssen." Helen schenkte Hermine ein trauriges Lächeln. „Sie müssen Schwester Claris sehr verärgert haben, Sie müssen nun leider eine Arbeit tun, die nicht einfach sein wird, die aber keiner außer Ihnen machen will."
Hermine verstand immer noch nicht recht. „Aber warum? Bewachen die Auroren den Patienten? Ist er gefährlich oder wird er bedroht?"

Helen wiegte den Kopf nachdenklich hin und her, benetzte nervös ihre Lippen und verengte die Augen, dann nickte sie jedoch entschieden und antwortete mit langsamer, gedehnter Stimme
„Nun, in gewisser Weise wohl beides."

Hermine kam langsam eine Idee. „Ist es vielleicht ein Todesser? Wollen die Kriegsopfer deswegen nicht in seine Nähe?"
Helen schien erneut einen Moment zu überlegen, dann nickte sie knapp. „So könnte man es auch sagen. Jedenfalls wurde diese Abteilung früher als Forensik genutzt, als noch nicht alle Verbrecher nach Askaban kamen, als man …“ sie unterbrach sich, biss sich auf die Lippen als wäre sie eben kurz davor gewesen, etwas verbotenes zu sagen, gab sich dann aber einen Ruck und fuhr und gefassterem Ton fort „Kommen Sie, Miss Granger. Ich werde Ihnen Arbeit geben."
Helen führte Hermine in einen Raum, der unschwer als Lager zu erkennen war. Hunderte von Decken, Matratzen, Reinigungsmitteln und Putzutensilien standen in großen Schränken feinsäuberlich getrennt und aufgestapelt hier herum. Während Helen für Hermine Materialien zusammen stellte, begann sie zu erzählen ... sorgsam darauf achtend, Hermine nicht anzublicken.

„Also, er ist seit der Schlacht hier. Zuerst dachten sie, er wäre tot, war er aber nicht. Er lag im Koma. Während der Schlacht war kaum Zeit, die Leute wirklich intensiv zu untersuchen. Er war nicht der Einzige, ein paar Leute hatte es ebenfalls sehr übel erwischt, aber manche Leute sind eben überraschend zäh. Nicht tot zu kriegen.“ Helen verzog angewidert das Gesicht. „Jedenfalls wurde er danach hier her gebracht, was jedoch Geheim gehalten werden soll, weil ... nun, das Ministerium möchte nicht, dass die Leute wissen, dass er noch lebt." Hermine wunderte sich doch sehr über das, was sie hörte. Wer konnte es sein? Es musste ein sehr hoher Todesser sein, soviel Aufregung, wie aus Helens Stimme herauszuhören war. „Sie haben auch überlegt, ihn nach Askaban zu bringen, dort sind aber nach dem Dementorenaufstand und den vielen Sprengungen die Sicherheitsstandards wohl nicht mehr hoch genug."

Nun war Hermine wirklich beunruhigt. Sicher ... Askaban hatte Schäden erlitten, aber konnte es wirklich möglich sein, dass dieses Hochsicherheitsgefängnis für diesen Patienten nicht sicher genug war? Wer konnte es sein? Rodolphus Lestrange, Yaxley, Nott ... ging sie in Gedanken all die Namen durch, die sie mit Gesichtern verbinden konnte ...
Ein eisiger Schauer kroch ihr bei dem Gedanken über den Rücken, einer dieser Personen nahe kommen zu müssen.
„Also, er lag vier Wochen im Koma, vor ein paar Tagen ist er aufgewacht. Wenn sich vorher schon alle davor gedrückt haben, zu ihm zu gehen, dann jetzt erst recht. Sie haben Angst vor ihm." Helens Stimme klang beiläufig, doch Hermine meinte, auch bei ihr eine Spur von Furcht zu erkennen. Sie verstand immer noch nicht recht. „Ist er denn gefährlich? Greift er das Personal an?", forschte die junge Hexe nach. Helen schüttelte nachdenklich den Kopf. „Nein, er macht eigentlich gar nichts. Es geht um das, was er vorher getan hat. Wir haben ihm natürlich den Zauberstab abgenommen, aber man weiß ja nie, wie viel er ohne zustande bringt. Hier bei uns macht er eigentlich gar nichts. Er ist sehr schwach und wir haben Zauberbanne über ihn gelegt, die ihn praktisch lähmen. Aber er spricht auch nicht, auch wenn er könnte." Helen legte frische Bettbezüge auf einen Schiebewagen und begab sich zu einem anderen Regal, wo sie Waschlappen, Handtücher und Pflegeartikel zusammen suchte. „Es geht auch nicht darum, ihn zu heilen. Wir müssen ihn hier nur lange genug am Leben halten, bis er ausreichend verhört werden konnte. Das Zaubergamot wird ihn dann hinrichten lassen."

Hermine zuckte erschreckt zusammen. Bisher dachte sie, dass der Kuss der Dementoren das wäre, was die schlimmsten Verbrecher der Zaubererwelt erwarten würde. Helen suchte nun in einem weiteren Regal Tränke und Pasten zusammen. „Du wirst jeden Tag zwei Stunden bei ihm sein. Das wird unangenehm. Er stinkt, musst du wissen, nun ja ... wir windeln ihn. Bewegen kann er sich ja nicht. Da sich eigentlich fast alle Pfleger davor drücken, in seiner Nähe zu sein, hat er dieselbe Windel dann den ganzen Tag an. Das ist sehr unangenehm für uns. Du darfst Magie benutzen, um deine Nase zu schützen."
Hermine wollte empört etwas erwidern, eine Windel pro Tag klang auch für den Patienten mehr als unwürdig. Helen ließ sie jedoch ihre Bedenken nicht äußern. „Außer diesen zwei Stunden wird niemand bei ihm sein. Wir haben versucht, ihn künstlich zu ernähren, irgendwie hat er es aber immer geschafft, die Schläuche wegzubekommen. Versuche, ihn zu füttern. Du darfst den Imperius- und den Crutiatusfluch anwenden ... du darfst auch andere Flüche benutzen, wenn sie dir angemessen erscheinen. Es geht nur darum, ihn noch einige Monate am Leben zu halten. Akute Selbstmordgefahr, achte darauf. Er soll verurteilt werden, das ist dem Minister wichtig. Er darf sich nicht selbst etwas antun, bevor über ihn Recht gesprochen wurde. Außerdem weiß er vieles, das dem Ministerium wichtig ist. Im Moment redet er aber gar nicht. Schreib Dir alles auf, wenn er etwas sagen sollte, auch wenn er im Schlaf redet."

Helen war nun fertig. Sie schob den fertig bepackten Wagen zur Tür hinaus und wies Hermine erneut an, ihr zu folgen. In ihrem Kopf wucherten Fragen über Fragen. Wer konnte es sein? Ein Todesser, ein hochrangiger zweifellos. Eigentlich hatte auch Hermine alles andere als Lust mit zum Beispiel Walden Macnair alleine in einem Zimmer zu sein, ihm verkrustete, grauenhaft stinkende Windeln zu wechseln, ihn zu lagern oder zu füttern. Ekel überkam sie. Sie wollte doch den Opfern helfen ... aber sie war zu stolz, um im Voraus aufzugeben. Zuviel hatte sie ihren Freunden von ihrer Absicht erzählt ... und Oberschwester „Oberwichtig" Claris sollte den Triumph, sie in die Flucht geschlagen zu haben, schon gleich gar nicht genießen können.
Helen schob den Wagen langsam in Richtung der Auroren, während sie ihren Vortrag beendete. "Du wirst die Tür hinter dir magisch verschließen wenn du das Zimmer betrittst oder verlässt. Die beiden Auroren sind immer da, wenn es gefährlich wird. Hinein darfst aber nur du zur Pflege. Du kannst rufen oder mit dem Zauberstab ein Signal aussenden, falls du dich bedroht fühlst.
Du musst ihn täglich aufsetzen und versuchen, ihn zu aktivieren. Er soll zumindest sitzen, hörst du? Du musst ihn soweit kriegen, dass er vernünftig ansprechbar ist. Aber eigentlich Quatsch, wenn du mich fragst, er redet ja eh nicht. Naja, das sind die Anweisungen. Also setz ihn auf, bezieh das Bett neu. Wasch ihn, windel ihn und reibe die wunden Stellen mit dieser Salbe ein." Helen hob ein braunes Tiegelchen hoch. „Einmal täglich genügt. Eigentlich lagern wir ihn viel zu selten, diese Salbe ist aber magisch sehr potent. Sie wirkt tagelang. Weiterhin versuchst du, ihn zu füttern. Es geht nicht darum, ihn fett zu mästen, er soll nur die nächsten Wochen nicht verhungern. Sieh ihn nicht direkt an. Rede nicht mit ihm. Schreibe aber alles auf, was er zu dir sagt. Wenn du fertig bist, sendest du mit dem Zauberstab ein Signal nach draußen und die Auroren werden dich hinaus lassen. Schreib jeden Tag einen Bericht über ihn. Wir müssen unbedingt wissen, ob wir die Vorsichtsmaßnahmen verstärken müssen. Im Moment scheint er sich wirklich kaum bewegen zu können. Es ist ungefährlich, ihn anzufassen, wenn du auch, und das muss ich dir leider gleich sagen, sicher Abscheu dabei verspüren wirst. Solltest du das Gefühl haben, dass er wieder mehr Macht über seinen Körper erlangt, dann werden wir neue Zauberbanne sprechen müssen. Stärkere. Hast Du alles verstanden?"

Helen drückte Hermine den Wagen in die Hand und blieb vor der Tür stehen. Hermine war nach all dem, was sie gehört hatte, ganz mulmig geworden. Einen Tyrannosaurus Rex zu pflegen könnte nicht schlimmer sein. Trotzdem nickte sie schwach. Gryffindormut war gefragt ...

Helen gab ihr die Hand zum Abschied. „Ich muss nun wieder hinauf. Du findest mich bei Fluchschäden, wenn du Fragen hast. Ach, noch was ... der Patient hat bei uns keinen Namen. Wir führen ihn unter Patient X. Dir ist sicher klar, dass du mit niemandem darüber reden darfst, was du hier tust?", ermahnte Helen streng. „Niemand darf wissen, um wen du dich kümmerst. Verstanden?" Erneut nickte Hermine.

Ein namenloser Schrecken lauerte also hinter dieser Tür. Ihre schlimmsten Ängste traten ihr kurz vor Augen ... dann wandte sie sich zur Tür um, während Helens Schritte klappernd den Gang von ihr weg, hinauf zur Oberwelt, entlang eilten.
„Wir öffnen jetzt die Tür. In zwei Stunden senden sie ein Signal, ja?" sprach der rechte Auror sie an. Hermine nickte schwach. Die Tür sprang auf und Hermine betrat ein Krankenzimmer, das einem dunklen Kellerloch zum Verwechseln ähnlich sah. Mit einem kurzen Schwenk des Zauberstabes entbrannten die Kerzen an der Wand, die den Raum leidlich erhellen konnten.
Der Patient lag am anderen Ende des Raumes, verborgen von einem weißen Vorhang. Langsam kam Hermine näher, obwohl sie gesagt bekommen hatte, dass sie so wenig wie möglich reden sollte, versuchte sie es doch mit einer Begrüßung. Um ihn, oder sich selbst zu beruhigen.

„Hallo, ich bin Hermine Granger. Ich bin eine freiwillige Helferin und wurde eingeteilt, mich ab jetzt um sie zu kümmern." Sie versuchte, ihre Stimme freundlich klingen zu lassen, doch die Angst, die darin mitschwang, verwischte diesen Ausdruck. Langsam zog sie den weißen Vorhang zurück, der diesen Teil des Zimmers vom Rest des Kellerzimmers trennte.
Ein schriller Aufschrei echote im Raum. Hermine taumelte ein paar Meter zurück, fiel rücklings über den von Schwester Helen bestückten Wagen und krallte sich panisch an den zu beiden Seiten herunterrieselnden Handtüchern fest. Einige Handtücher als Schutzschild vor die Brust gepresst, stürzte sie in die hinterste Ecke des Raumes. Laut keuchend versuchte sie, zu verstehen, ob sie verrückt geworden war, oder ob Patient X, der da reglos vor ihr lag und ohne eine Reaktion zum Kellerfenster hinaus starrte, wirklich der war, für den sie ihn hielt.

Lord Voldemort.
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