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Assassin's Creed - Samira's Tale

von Delirium
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
18.04.2008
13.05.2008
16
54.303
7
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Dieses Kapitel
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18.04.2008 3.890
 
Delirium zockt Assassin's Creed am PC, immer wieder führt sie das pixelige Ich Altairs zu einem der lauernden Templer und lässt ihn sich ohne Gegenwehr abschlachten, bis sie von hinten angesprochen wird
A: "Hör auf damit, ich habe schon Kopfschmerzen von der ständigen Umfallerei..."
D:"Geschieht dir recht...Sich einfach gestern aus dem Staub machen, ohne auf mich zu warten und dann noch die nassen Handtücher auf dem Boden liegen lassen, die müffeln doch sofort...Du hast Strafe verdient!"
A: ungläubig: "Indem du mich permanent umbringen lässt?"
D: "Ja..." steht wieder mit ihm vor dem Templer und lässt ihn erstechen, dass das Blut nur so spritzt...
A: "Wenn du dich morgen wieder beruhigt hast, komme ich wieder vorbei..."
D: ruft ihm wütend nach: "Ja klar, wer's glaubt und so..."

P.S.: MamaJV: Konnte diesmal deine Grüsse nicht übermitteln ich war zu sauer, beim nächsten Mal...



Und hier das nächste Kapitel, sorry, ich musste noch einmal Ifrit auftreten lassen, ich liebe dieses Pferd...



Willkommen in der Familie

Wenn ich gewusst hätte, was auf mich am Ende der Frist meines Vaters auf mich wartete, hätte ich die nächten eineinhalb Wochen noch mehr genossen und mir noch dringender gewünscht, dass die Zeit, die mir in Masyaf noch blieb, niemals enden möge.

Doch die Zeit vergeht nun einmal, das ist ihre Art. Sie ließ sich nicht von meinen Wünschen anhalten. Jeder Tag brachte ein neues Treffen mit Altaïr und ich genoss jedes einzelne bis zum Schluss. Mit ihm durfte ich auch wieder die Dorfgrenzen verlassen. Er zeigte mir viel in der näheren Umgebung, jeden Tag einen anderen geheimen, aufregenden Ort, er selbst musste viel Zeit damit verbracht haben die Gegend um Masyaf zu erforschen.

Sein Verhalten mir gegenüber hatte sich kaum geändert, er schaffte es immer noch mit Leichtigkeit mich zu ärgern, und was ihn persönlich anging, war er wieder ziemlich verschlossen. Doch trotzdem, ich spürte, dass er entspannter in meiner Gegenwart war, offener, gelöster. Wenn wir uns unterhielten gab er mir immer wieder Kostproben seines irrlichternden Humors oder seines erstaunlichen Wissens über die Welt. Und er wurde nie müde meine vielen Fragen zu beantworten, solange sie sich nicht um ihn drehten.

Zwar kamen wir uns nie wieder so nahe, wie wir uns auf der Plattform waren und das Gespräch, das wir dort führten, schnitten wir beide, in einer Art stiller Übereinkunft, nicht an. Doch ich spürte, dass ich in ihm einen Freund gefunden hatte und er auch in mir so etwas in der Art sah. Am ehesten ließ sich das an der Tatsache ableiten, dass er mir erlaubte auf das förmliche ‚Ihr‘ und ‚Euch‘ zu verzichten, und jedesmal wenn ich ihn so vertraulich ansprach, flatterten meine Magenwände.

Eines Tages nahm er mich erneut mit zu den Pferdeställen, wo Ifrit bereits gesattelt an einen Pfosten gebunden stand, und daneben…daneben stand eine zierliche, cremefarbene Araberstute, die jedes delikate Detail ihrer Rasse zeigte. Sie war makellos. Auch sie war gesattelt.

Altaïr meinte auf mein wortloses Staunen: „Wenn du fertig bist mit gucken, darfst du sie gerne aus der Festung führen. Und keine Angst, sie ist um einiges umgänglicher als Ifrit. Sie heißt übrigens Dilara (1) und ich denke, du wirst mit ihr zurecht kommen…“

Langsam näherte ich mich dem Tier und berührte vorsichtig ihr Maul. Sie rieb sich sofort an meiner Hand, ihre großen dunklen Augen sahen geduldig und aufmerksam in meine. Ich streichelte ihren Kopf, kraulte sie kurz und löste dann ihren Zügel vom Pfosten.

Auch Altaïr hatte Ifrit losgebunden, dieser stampfte ungeduldig mit den Hufen auf und drängte mit einem lauten Schnauben Richtung Ausgang. Und er warf mir einen, wie ich dachte, mehr als bösen Blick zu. Warum musste ich auch so lange mein Reittier bewundern, wenn der hochwohlgeborene Staubgeist sich die Beine vertreten wollte?

Altaïr sprach beruhigend auf Ifrit ein und langsam wurde der Hengst entspannter. Wir verließen hintereinander den Bereich der Pferde und führten unsere Tiere auch noch den Weg durch das Dorf. Während Dilara ganz brav hinter mir herging, tänzelte Ifrit immer wieder auf der Stelle, blähte die Nüstern, warf sich in Positur. Altaïr hatte ziemlich zu kämpfen mit dem Tier, doch er blieb ganz friedlich dabei, keine Sekunde, dass er auch nur die Spur von Wut über den übermütigen Hengst zeigte. Er redete ihm nur gut zu und bahnte sich dabei so geschickt einen Weg durch die Menge, so dass Ifrits Hufe niemanden gefährden konnten.

Mit Schaudern dachte ich daran, wie im Haus meines Vaters die Pferde behandelt wurden. Ein Tier, dass sich so aufgeführt hätte, wäre schon längst blutig geprügelt worden, um ihm ‚den Respekt vor seinem Herrn einzubläuen…‘ Schnell verdrängte ich den Gedanken an mein Vaterhaus, ich hatte das Gefühl dort schon seit Ewigkeiten nicht mehr hin zu gehören.

Endlich erreichten wir das Stadttor und Altaïr schwang sich in den Sattel. Während er mit einer Grazie auf dem Hengst saß, die mir den Atem verschlug, mühte ich mich Dilara zu besteigen. Meine wenigen Reitstunden lagen lange zurück, mein Vater hielt nichts davon, dass eine Frau das Reiten erlernte. Doch meine Stute war so geduldig und brav, dass sie ohne zu Murren meine vielen Versuche erduldete, die ich brauchte, um in den Sattel zu kommen.

Und Ifrit, dieses Biest, er hatte nichts Besseres zu tun, als ein Wiehern von sich zu geben, dass in meinen Ohren wie gehässiges Lachen klang. Als ich wütend, mit einem Fuß im Steigbügel an der Seite von Dilara hing, zu den beiden hinüber sah, glaubte ich auch auf Altaïrs Gesicht ein Grinsen zu sehen, doch er senkte so schnell seinen Blick, dass ich mir nicht sicher war.

Endlich saß ich oben und trieb Dilara neben meinen Begleiter. Der musterte mich von oben bis unten, nickte dann kurz und wendete Ifrit. Der Hengst fiel in einen gleichmäßigen langsamen Trab, und Dilara folgte zu meinem Glück den beiden ganz brav, so musste ich nicht viel tun, außer mich bemühen im Sattel zu bleiben. Die wenigen, wahrscheinlich unzulänglichen Hilfen, die ich der Stute geben konnte, genügten ihr, um den beiden hinterher zu kommen.

Als wir die Ebene hinter dem Hügelland erreichten, wandte sich Altaïr kurz zu mir um, und den Ausdruck, den ich auf seinem Gesicht sah, konnte man nur als teuflisch bezeichnen, dann drehte er sich wieder im Sattel und trieb Ifrit mit einem leisen Schrei an. Das Pferd begann sofort raumgreifend zu galoppieren, die Schönheit seiner Bewegungen, die natürliche Anmut, die sein Reiter auf seinem Rücken ausstrahlte, die Leichtigkeit mit der die beiden davon sprengten und mich in einer Staubwolke zurück ließen, ließ mir den Atem stocken, doch ich hatte nicht viel Zeit die beiden zu bewundern, denn Dilara wurde von Ifrits Vorbild mitgerissen, auch sie fing an zu galoppieren.

Zunächst war ich mehr als erschrocken, als die Stute über die Ebene dahinflog, doch dann machte sich in mir ein Gefühl der Freiheit breit, die gleichmäßigen Bewegungen des Pferdes, der Wind in meinem Gesicht, die verschwimmende Landschaft und Altaïr vor mir, der wie ein Zentaur vor mir hinwegfegte, all das führte dazu, dass ich den Griff um die Zügel lockerte und Dilara einfach laufen ließ. Sie schien meine Bereitschaft zu spüren, dass ich ihr freie Hand lassen wollte und sie dankte es mir, indem sie wie der Wind hinter Ifrit her rannte.

Ich lachte laut auf, als ich den beiden bis auf wenige Zentimeter nahe kam und mich am Ende sogar neben Altaïr schieben konnte. Er drehte sich zu mir um und diesmal war ich mir sicher, sein Blick strahlte Bewunderung aus. Ich wusste zwar nicht wofür, denn ich tat nichts, außer mich auf Dilara zu halten, doch es brachte mich erneut zum Lachen.

Er beugte sich tiefer über den Pferdehals und trieb Ifrit dazu noch schneller zu werden, und die Hufe des Hengstes donnerten wie ein mächtiges Crescendo über den trockenen Boden, als die beiden wie eine schwarzweiße Flammenkugel dahin schossen.

Ich näherte mich vorsichtig den vor mir aufragenden Pferdeohren und rief Dilara über den brausenden Wind zu: „Du willst dich doch nicht von diesem unverschämten Gaul abhängen lassen…!“ und auch sie beschleunigte erneut ihr Tempo. Der Rausch der Geschwindigkeit machte mir den Mund trocken und brachte mein Herz zum Rasen, doch ich wollte nicht anhalten, ich wollte auf ewig über die Ebene fliegen.

Doch bevor ich Altaïr und Ifrit einholen konnte, drosselte der Hengst sein Tempo und fiel nach und nach in einen gemütlichen Trott. Um nicht wie eine komplett wahnsinnig Gewordene an den beiden vorbei zu jagen, versuchte ich mich krampfhaft an mein rudimentäres Wissen über das Reiten zu erinnern, und ich schaffte es tatsächlich Dilara durch zu parieren und sie ebenfalls in einen langsamen Schritt zu bringen. Ich klopfte ihr dankbar den Hals, als sie ganz brav neben Ifrit herging.

„Gut gemacht…“ hörte ich Altaïr sagen. „Da wolltest du mir einmal mehr deinen Mut beweisen, oder?“ Täuschte ich mich, oder lachte er leise?

„Ich weiß nicht was du meinst?“ sagte ich schnippisch ohne ihn anzusehen. Jetzt würde er mich wieder mit irgendeiner Gemeinheit ärgern wollen…

Und, tatsächlich, er meinte ganz gemütlich: „Du hast seit Jahren nicht mehr auf einem Pferd gesessen und deine Erfahrung als Reiter tendiert gegen Null, und trotzdem konntest du nicht widerstehen und hast dir mit mir ein Wettrennen geliefert. Wenn Dilara nicht so zuverlässig wäre, würdest du jetzt mit zerschmetterten Knochen irgendwo da hinten am Wegesrand liegen…“

„Und das hättest du zugelassen? Ich hätte tot sein können, weil du und dein Dämonenpferd unbedingt angeben wolltet, wie schnell ihr sein könnt! Na, da wäre ich aber gespannt gewesen, wie du Al Mualim von meinem Ableben berichtet hättest!“ Er hatte es wieder geschafft, ich spürte wie ich wütend wurde.

„Warum, ich wusste doch, was die Stute leisten kann…Und ich weiß auch, was ich dir zutrauen kann, zwar nicht viel, aber für einen Spurt über die Ebene reicht es allemal…“ seine Stimme neckte mich.

Ich schnaubte nur beleidigt und sah starr über die Pferdeohren vor mir. So bemerkte ich nicht, wie er Ifrit näher an mich heranführte und sich zu mir beugte. Erst als er mir leise ins Ohr flüsterte: „Nicht schmollen, Samira. Es hat dir doch gefallen, oder?“ drehte ich mich zu ihm um.

Sein Gesicht war dicht vor mir und der Ausdruck darin ließ mich erbeben, ich sah Stolz, Wärme und etwas, was man am Ehesten mit Zärtlichkeit beschreiben konnte. Ich spürte, wie ich in seinen Augen versank.

Endlich schaffte ich es mich davon loszureißen und räusperte mich heftig. Dann fragte ich möglichst unbeteiligt: „Wohin reiten wir eigentlich? Oder haben wir gar kein festes Ziel?“

Seine Antwort klang unerwartet ernsthaft: „Ich möchte dir etwas zeigen…“ Doch mehr wollte er mir nicht sagen, und so ritten wir weiter über die Ebene.

Endlich sahen wir vor uns ein kleines Dorf auftauchen, Kinder liefen uns schreiend entgegen und die Frauen am Brunnen musterten uns neugierig. Altaïr umrundete das Dorf und führte mich in einen kleinen Zypressenhain, der dahinter lag.

Dort saß er ab und ging zu einem seltsam verdrehten Baum. Ich rutschte schnell von Dilaras Rücken und ging zu ihm. Er kniete auf dem Boden und berührte leicht mit seiner linken Hand die Erde unter dem Baum.

Als ich mich neben ihn setzte, meinte er leise: „Das Grab meiner Eltern. Hier hatten sie meine Mutter verscharrt, nachdem sie sie gesteinigt hatten. Später brachte ich die Leiche meines Vaters hierher. Ich hatte das Gefühl, er hätte es so gewollt…“ Seine Finger verkrallten sich im Erdboden.

Ich nahm seine Hand in meine und drückte sie leicht, die Erde die daran klebte, fühlte sich kalt an. Er murmelte kaum hörbar: „Ich denke, ich sollte mich endgültig bei ihnen verabschieden und sie gehen lassen. Und ich sollte ihnen vergeben…“ Er löste seine Hand aus meiner und schlang seinen Arm um meine Taille. Mich näher an sich ziehend, verharrten wir einige Zeit schweigend vor dem Grab.

Ich sah, wie seine Lippen sich bewegten, doch ich hörte keinen Laut seiner tonlosen Ansprache, ich wollte auch nicht wissen, was er seinen Eltern zum Abschied mitteilen wollte, es ging mich nichts an, es ging niemanden auf dieser Welt etwas an.

Danach erhoben wir uns beide und standen dicht voreinander. Ohne zu wissen was ich tat, hob ich meine Hand und legte sie an seine Wange und ich wisperte ihm zu: „Danke, dass du mich hierher mitgenommen hast. Mögest du jetzt Frieden finden…“

Er legte seine Arme um mich und zog mich an sich, er löste meinen Schleier, dann beugte er seinen Kopf zu mir, sein Blick versengte mich wie ein Brandeisen, ich sah, wie seine Lippen sich leicht öffneten und nur Millimeter von den meinigen entfernt waren. Ich schloss, mich ihm ergebend, meine Augen und wartete auf seinen Kuss, doch stattdessen hörten wir lautes Rufen auf uns zukommen: „Altaïr? Altaïr Ibn La-Ahad? Bist du da, Bruder? Der Vater der Geisel ist zurück und wünscht seine Tochter zu sehen und mit ihm ist ihr Onkel, der Sultan gekommen! Du solltest dich beeilen…“

Altaïr ließ mich sofort los, als ob er sich an mir verbrannt hätte und wirbelte zu den Ankömmlingen um, drei Assassinen, die schnell heran geritten kamen. Sie forderten uns erneut auf, sie zu begleiten und wir ritten zusammen zurück nach Masyaf. Meine Gedanken rasten. Warum hielt mein Vater sein Versprechen und was mich noch mehr verwirrte, warum begleitete ihn mein Onkel? Als ich mich einmal verstohlen zu Altaïr umdrehte, sah ich wie sein Gesicht nachdenkliche Sorge zeigte, auch er grübelte wohl über den rätselhaften Besuch nach.

Zu meiner Schande muss ich sagen, dass meine Gedanken bald in die Richtung abgelenkt wurden, in der ich mir wünschte, dass die Männer ein paar Minuten später gekommen wären um uns zu suchen. Nur eine Minute länger und ich wüsste jetzt, wie sich Altaïrs Lippen auf den meinen anfühlen würden…

Doch diese sündigen Gedanken wurden bald durch den Schrecken abgelöst, als wir uns Masyaf näherten. Um die Festung herum lagerte ein gewaltiges Heer, die Männer meines königlichen Onkels, es war eine brutale Demonstration seiner Macht. Aber warum?


Die kleine Gruppe erreichte Masyaf und übergab ihre Pferde den bereits wartenden Dienern am Tor. Derjenige, der Ifrits Zügel übernahm, verzog missmutig das Gesicht, woraufhin der Hengst nach ihm schnappte. Altaïr rief seinem Pferd noch zu, er solle sich benehmen und dann gingen sie ins Innere der Festung.

Samira bemerkte überall Bewaffnete, Assassinen und andere, die vermutlich zu Salah ad-Dins Begleitung gehörten. Beide Gruppen beäugten sich misstrauisch und wachsam. Der Hof brummte wie ein Bienenkorb.

Ihre Begleitung nahm davon keinerlei Notiz, sondern führte sie und Altaïr zu Al Mualims Schreibtisch. Dort wartete bereits Hamid Al-Zenghi und Salah ad-Din Yusuf Ibn Ayyub, Sultan von Ägypten und Syrien, auf sie. Die Männer drehten sich zu den Ankömmlingen um.

Altaïr ließ sich ein wenig zurückfallen und verschmolz mit den anderen anwesenden Assassinen. Samira stand am Ende allein vor den drei Männern. Ihr Vater trat auf sie zu und begrüßte sie mit falscher Freundlichkeit: „Meine liebe Tochter! Dein Anblick beglückt mich, denn ich sehe du bist wohlauf!“

Samira verneigte sich nur demütig vor ihm, sie wusste nicht was sie darauf sagen sollte. Als auch noch ihr Onkel mit einem wohlwollenden Lächeln auf sie zutrat, sie leicht in die Arme schloss und verkündete: „Nach so langer Zeit kann ich meine Nichte wieder begrüßen und Allah ist ihr gnädig, sie ähnelt meiner verehrten Schwester!“

Sie grübelte fieberhaft, was das alles zu bedeuten hatte. Was wollten sie von ihr? Verwirrt stotterte sie eine Begrüßung an ihren Onkel und senkte dann wieder den Kopf.

Endlich ergriff Al Mualim das Wort und seine tiefe, befehlsgewohnte Stimme dröhnte durch die Halle: „Endlich nimmt heute diese Angelegenheit ein glückliches Ende. Unser verehrter Verbündeter, Hamid Al-Zenghi, hat sein Versprechen eingelöst und ist zu uns mit den versprochenen Schwertern aus Damaskus zurück gekehrt. Darüber hinaus hat er uns wichtige Kunde aus dem Lager des Löwenherz mitgebracht. Heute ist ein großer Tag für Masyaf! Doch auch die erhabene Anwesenheit unseres Sultans, Salah ad-Din, erfreut mein Herz an diesem Tag. Die Ehre, die uns sein Besuch erweist, lässt alle kleinlichen Differenzen zwischen unseren Häusern vergessen und uns eine neue Zukunft einleiten…!“

Sogar in Samiras unerfahrenen Ohren klang das sehr übertrieben, wusste sie doch, dass die Assassinen oftmals auch gegen Salah ad-Din und seine Männer eingeschritten waren und ihn als Kriegstreiber sahen, und dass der Sultan die Bruderschaft aufs Heftigste verabscheute. Was also stand dahinter? War es die berechtigte Furcht vor der Übermacht vor dem Tor?

Ihre Überlegungen wurden jäh unterbrochen, als ihr Vater sie am Arm nahm, ihr den Schleier nach hinten zog. und sie näher an den Schreibtisch heran schob. Dabei meinte er ölig-vertraulich zu Salah ad-Din: „Habe ich es Euch nicht gesagt, Schwager? Sie ist eine wahre Schönheit. Eure Entscheidung unsere Familien erneut zu verbinden, wird Euch nicht enttäuschen…“

Samiras Kopf ruckte zu ihrem Vater hin und er presste warnend ihren Arm, so dass sie vor Schmerz zusammen zuckte. Dabei zischte er ihr aus dem Mundwinkel zu: „Sei ja still, Mädchen…!“ Dann schenkte er seinem Schwager ein falsches Lächeln.

Dieser antwortete: „Du hast Recht, sie wird eine Zierde meiner Familie sein…Und du sagst sie ist auch wohlerzogen, scheu und nachgiebig?“

„Oh, ja, sie entspricht den Forderungen des Propheten, sie ist bescheiden, demütig, respektvoll und gottesfürchtig.“

Samira traute ihren Ohren nicht, als sie diese Beschreibung ihrer Selbst hörte. Hatte es zuvor schon nicht der Wahrheit entsprochen, so würde sie jetzt, nach diesen Wochen in Masyaf, noch viel weniger dem Bild entsprechen, das ihr Vater hier entwarf.

Die nächsten Worte, die ihr Onkel sagte, erklärten ihr hinreichend, was hier geschah und sie sorgten dafür, dass sie vor Schrecken erbleichte. „Liebe Nichte, ich freue mich, dass ich mit deinem Vater deine Heirat mit meinem Neffen Samid Ibn Hassan vereinbart habe, denn dadurch wirst du wieder vollständig in meine Familie aufgenommen und ich kann mich deinem Vater für seine geleisteten Dienste erkenntlich zeigen. Die Hochzeit werden wir gleich hier in der Festung meines lieben Vertrauten Al Mualim feiern, da du ja schon hier bist, als Zeichen der Versöhnung…“

Auf diese Worte hin trat ein großer wuchtiger Mann vor, der in üppige Pracht gekleidet war und verschwenderisch überall Edelsteine befestigt trug. Seine Haare und seine Augen waren nachtschwarz und seine Gesichtszüge ließen Grausamkeit erahnen. Als er Samira ansichtig wurde, kräuselten sich seine dünnen Lippen kaum merklich. Sie verspürte sofort Abscheu und Angst vor diesem Mann.

Die Erkenntnis traf Samira wie ein Schlag, ihr Vater hatte sie an ihren Onkel verschachert, um wieder Zugang zur königlichen Familie zu haben und ihr Onkel hatte den Köder begierig geschluckt diese Hochzeit mit einer Demonstration seiner Stärke zu verbinden. Die Ausrede, sie befinde sich ja schon hier, hatte ihm die Möglichkeit gegeben mit einer Streitmacht aufzumarschieren und den Assassinen seine Überlegenheit zu zeigen und von Al Mualim und seinen Männern würde sie keine Hilfe erwarten können, ihr Leben und ihre Zukunft zählten nichts im Vergleich zu der Zerstörung die Salah ad-Din anrichten konnte. Sie war nichts weiter als ein Bauernopfer, zerrieben zwischen drei machthungrigen intriganten Männern, verkauft an einen Mann ohne Seele.

Ihr Bräutigam war inzwischen an sie heran getreten und musterte sie lange von oben bis unten. Dann schenkte er ihr ein Lächeln, das ihr kalte Pfeile der Angst ins Herz jagte, denn es hatte nichts Menschliches an sich. Er taxierte sie wie eine Ware auf dem Markt und das was er sah, schien ihm zu gefallen, denn seine Augen begannen gefährlich zu funkeln und er hob eine ringbeschwerte Hand um ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu wischen. Sein widerlicher Geruch nach saurem Schweiß und einem aufdringlichen Moschusduft ließ sie würgen.

Als seine Finger ihre Haut berührten, schlug sie seine Hand weg, sprang angeekelt zurück und rief zornig: „Fasst mich nicht an!“

Sofort hatte er sie mitten ins Gesicht geschlagen, so dass ihr Kopf zur Seite flog und sie Blut schmeckte. Dann sagte er gefährlich ruhig zu ihrem Vater: „Deine Tochter lässt die versprochenen Eigenschaften schmerzlich vermissen…“

Hamid Al-Zenghi zog sie mit dem Rücken an sich, verdrehte ihr den Arm, dass es in ihrer Schulter knirschte und meinte scheinheilig: „Aber nein, lieber Cousin, sie ist nur aufgeregt und nervös, wie es einer glücklichen Braut ansteht, nicht wahr mein Täubchen?“ und er ruckte ihren Arm noch ein Stück höher, dass sie Sterne sah und vor Schmerz nach Luft schnappte.

Doch sie ließ sich nicht einschüchtern und sagte keuchend: „Niemals werde ich ihn heiraten, lieber heirate ich einen Hund…“

Bevor Samid erneut zuschlagen konnte, trat Salah ad-Din dazwischen und versuchte sie zu beruhigen: „Keine Sorge, liebe Nichte, Samid wird dir ein guter Mann sein, du hast nichts zu befürchten. Aber ich denke, du solltest dich ausruhen, du scheinst erregt zu sein…“ Er gab den versammelten Assassinen ein Zeichen und sagte laut: „Einer von Euch soll sie in das Frauenhaus zurück begleiten, damit sie sich vorbereiten kann. Morgen um diese Zeit wird die Hochzeit stattfinden…“

Samira bemerkt nicht wer neben sie getreten war, da die nächsten halblaut gesprochenen Worte Samids sie in haltlose Panik versetzten: „Ich denke, meine kleine Frau wird mit der Hundepeitsche lernen müssen, was eine gute Ehefrau ausmacht…Aber das macht nichts, ich bin ein geduldiger Lehrer… Und ein wenig Sport vor dem Vergnügen hat noch niemandem geschadet…“

Bevor sie darauf reagieren konnte, hatte der Assassine, der sie wegbringen sollte, sie Richtung Treppe geschoben, dabei zischte er ihr zu: „Beruhige dich, oder willst du, dass er seinen Umgang mit der Peitsche gleich hier demonstriert…“ es war Altaïr, der beschwörend auf sie einsprach.

Als sie ihn erkannte, flüsterte sie ihm, sobald sie die verlassenen Flure in Richtung Serail erreicht hatten, drängend zu, während sie vor Angst zu weinen begann: „Bitte, du musst etwas tun…Ich kann diesen Mann nicht heiraten…Bitte, hilf mir…!“

„Wie denn? Al Mualim hat dieser Eheschließung zugestimmt, Salah ad-Dins Übermacht ist zu groß, es steht zu viel auf dem Spiel…“ murmelte er.

„Zu viel, als dass man dafür mein Leben retten sollte, oder wie? Verdammt, Altaïr, dieser Mann wird mich umbringen! Aber das kann Euch ja egal sein, solange Eure Bruderschaft in Sicherheit ist. Ihr seid ein Feigling, Altaïr Ibn La-Ahad, und ich dachte Ihr seid mein Freund…!“ wütend über seine Reaktion entwand sie sich ihm und wollte davon stürzen, doch er holte sie ein und hielt sie fest.

Samira hob ihr tränennasses Gesicht zu ihm und flehte ihn erneut an: „Bitte…lass mich nicht im Stich, nicht nach allem, was geschehen ist…Sag mir nicht, dass ich mich in dir getäuscht habe…Lass nicht zu, dass dieses Vieh mich in die Hände bekommt…“

Ihr die Tränen von den Wangen wischend, flüsterte er ihr zu: „Ich werde mir etwas überlegen, in Ordnung? Ich werde tun was ich kann…“ dann gab er sie bei Ridwan ab, der bereits informiert war und sie sofort zu den Frauen brachte, damit diese Samira für ihre Hochzeit vorbereiteten.

TBC

(1) "Die mit viel Liebe im Herzen"

P.S.:@MamaJV: Wie könnte ich jemanden hauen, der sich zu meinen Ergüssen äußert, ich freue mich, dass es Dir bis jetzt so gut gefällt. Deine Grüsse konnte ich noch nicht überbringen (siehe oben) ich war leicht verärgert, räusperräusper...
@Shaina: Mütter können eine Last sein, nicht wahr...Vor allem wenn sie einen so überfallen *g* Gelle, Altair ist ein echtes Schnuckelchen, wenn er mal warm geworden ist, doch jetzt darf er sich erstmal mit den neuen Problemen herumschlagen...Ich freu mich schon auf Deine Story...
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