Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Assassin's Creed - Samira's Tale

von Delirium
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
18.04.2008
13.05.2008
16
54.303
7
Alle Kapitel
96 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
18.04.2008 2.359
 
Disclaimer: Delirium klammert sich fest an Altairs Bein und geifert dabei wie Gollum nach der Mandeloperation: "Er gehört mir, er ist mein Schatzzzzz! Meiner ganz alleine!" Doch leider sind die Anwälte von UbiSoft anderer Meinung, Verdammter Mist!

Die Geisel

Die kleine Kutsche rumpelte über den Schotterweg, die beiden Zugpferde mussten sich gewaltig ins Geschirr legen, um die Steigung zu überwinden. Samira, Tochter von Hamid Al-Zenghi, saß in der Kutsche und verrenkte den Hals um durch das Fenster einen Blick auf das sagenumwobene Masyaf zu werfen. Alles an ihr kribbelte vor Spannung, dies war ihre erste Reise und dazu gleich an einen solchen Ort. Sie konnte es kaum erwarten. Ihr Vater hatte ich nicht mitgeteilt warum er hierher musste, oder warum er ausgerechnet sie mitgenommen hatte, doch das störte das Mädchen nicht. Ihr Vater sprach sowieso nicht viel mit seiner Tochter und von seinen Geschäften wusste sie auch nichts.
     
Ihr Vater sah Samira streng an und knurrte: „Hör auf, so herum zu zappeln! Benimm dich endlich deinem Alter entsprechend. Und zieh den Schleier über. Wir sind gleich da und du sollst mir keine Schande machen…“

Samira gehorchte pflichtschuldig ihrem Vater und legte sich den Schleier aus brauner Seide über den Kopf und zog eine Seite über ihre untere Gesichtshälfte, so dass nur noch ihre Augen hervor sahen. Mit einer kleinen elfenbeinernen Nadel befestigte sie den Schleier, so dass sie die Hände frei hatte. Sie bemühte sich nicht mehr ihre Aufregung zu zeigen, sondern saß ganz ruhig, mit gesenkten Blick ihrem Vater gegenüber. Der war inzwischen zufrieden mit ihrer Erscheinung, solange sie den Mund hielt und nicht aus der Rolle fiel, sollte alles glatt laufen. Hamid war nervös, es musste alles klappen, sein Leben hing davon ab.

Endlich hielt die Kutsche im Innenhof der Festung, der Kutscher sprang ab und öffnete die Türe. Zuerst stieg Hamid aus, dann reichte er seiner Tochter die Hand und half ihr aus dem Gefährt. Samira blieb kurz stehen, um den Rock ihres Kleides glatt zu streichen. Das sattgrün gefärbte Leinen umschmeichelte ihre schlanke Figur ohne zu viel davon zu offenbaren. Sie mochte dieses Kleid, denn es blieb sogar in der größten Hitze leicht und luftig.

Ihr Vater räusperte sich energisch und sie ging zu ihm. „Komm endlich, Mädchen. Der ehrenwerte Meister wartet auf uns.“ Er ergriff ihren linken Unterarm und schob sie in Richtung Freitreppe, die sich auf beiden Seiten um den Hof herum, in Richtung Eingangsportal wand. Im Hof standen mehrere Männer, alle trugen eine weiße Kutte, die sie bis zu den Füssen verhüllte, auf dem Kopf hatten sie weiße Kapuzen, die sie tief in die Augen gezogen hatten. Alle waren bewaffnet und alle beobachteten die Ankömmlinge aufmerksam. Es war gespenstisch still. Was Samira nach einigen Sekunden ins Auge fiel, war, dass allen Männern der linke Ringfinger fehlte, und alle an diesem Unterarm eine dick gepolsterte Ledermanschette trugen.

Endlich löste sich einer der Männer aus der Gruppe und trat zu Hamid und Samira. Er musterte beide argwöhnisch dann sagte er kühl: „Ihr seid Hamid Al-Zenghi? Ihr seid spät. Kommt, Al Mualim erwartet Euch.“ Er ging vor ihnen die Treppe empor, vor dem Tor kam ein weiterer weiß gekleideter Mann auf sie zu und fragte streng: „Seid Ihr bewaffnet? Alle Waffen haben vor dem Tor zu bleiben, händigt sie mir sofort aus!“

Hamid griff an seine Seite und löste, sich sichtlich unbehaglich fühlend, den Dolch von seinem Gürtel und reichte ihn dem Mann. Dieser sah auch Samira auffordernd an und sie zuckte nur die Schultern und murmelte: „Ich habe keine Waffe…“

Der Mann deutete auf die Nadel, mit der sie zuvor ihr Kopftuch befestigt hatte und Samira nestelte sie schnell los und reichte sie ihm. Jetzt musste sie mit einer Hand den Schleier vorm Abfallen bewahren, was sie leicht verärgerte. Wem hätte sie denn mit ihrer Nadel bedrohlich werden können?

Der Mann trat wieder einen Schritt zurück und Hamid und Samira betraten endlich mit ihrem Führer die Halle der Festung. Innen erwartete sie dämmriges Licht, dass durch die hohen verschlungenen Eisengitter der Fenster fiel, Reihen über Reihen hoher Bücherregale, die Samira zu einer anderen Gelegenheit sicher interessiert hätten und noch mehr Bewaffnete. Sie gingen die Treppe zur Empore hoch, ihre Fußtritte waren das einzige Geräusch.

Oben wurden sie vor einen wuchtigen Schreibtisch am Ende des Raumes geführt, hinter dem ein weiteres Fenster auf einen Garten hinab führte. Hinter dem Schreibtisch stand ein alter Mann mit einem weißen Vollbart. Er trug ein blaues Gewand und eine ebensolche Kapuze. Trotzdem konnte man sehen, dass eines seiner Augen blind und trüb war, das andere sah stechend auf seine Besucher. Auch ihm fehlte der linke Ringfinger. Er wartete, bis die beiden direkt vor dem Tisch standen, dann sagte er scharf: „Hamid Al-Zenghi, welche Ausflüchte erzählst du mir heute? Ich habe genug von deinen Geschichten. Wo ist das, was du mir schuldest?“

Samira bemerkte, wie ihr Vater zusammenzuckte, bevor er scheinbar gelassen antwortete: „Ich habe es nicht bei mir. Aber ich werde es bekommen und dazu noch wichtige Informationen, direkt aus Richards Lager. Vertraut mir, Herr.“

Der alte Mann schlug mit der Faust auf die Tischplatte und brüllte: „Lügen! Du erzählst nur Lügen! Meine Geduld ist am Ende, du wirst entweder sofort liefern oder ich werde dich den Zorn eines Assassinen spüren lassen.“

Bei diesen Worten kamen die Bewaffneten bedrohlich näher. Samira konnte es nicht glauben, was hier passierte. Das war kein Abenteuer mehr, das war blutiger Ernst und ihr Vater hatte sie einfach so da mit hinein gezogen. Ängstlich zog sie den Kopf zwischen die Schultern und versuchte sich so klein und unauffällig wie möglich zu machen, doch die nächsten Worte ihres Vaters sorgten dafür, dass sie sich erschrocken wieder zu ihrer vollen Größe aufrichtete.

„Nein, hört mich an, Meister, ich bitte Euch. Ich habe einen Vorschlag. Ich werde heute noch nach Akkon aufbrechen und die Ware und die Informationen besorgen. Dafür lasse ich Euch meine Tochter hier als Geisel zurück. Wenn ich in vier Wochen nicht wieder zurückkommen sollte, verfahrt mit ihr nach Euren Wünschen.“

„Warum solltest du für deine wertlose Tochter zurückkommen?“ Die Stimme des alten Mannes klang abschätzig.

„Sie ist mein einziges Kind, die Freude meiner Seele, wie könnte ich sie einem solchen Schicksal überlassen, in Eurer Gewalt zu bleiben.“

Samira musste sich zusammenreißen, um nicht laut aufzulachen. Sie war zwar das einzige Kind ihres Vaters, aber mit Sicherheit nicht seine Freude. Er hasste sie aus tiefsten Herzen, das wusste sie. Er machte sie dafür verantwortlich, dass sie ein Mädchen war und ihre Mutter, eine Prinzessin des Herrscherhauses, eine Halbschwester Saladins, bei der Geburt verstorben war ohne ihm noch Söhne zu schenken, die seine Position bei ihrer Familie festigen konnten. Danach hatte sich für ihn nie wieder eine solche günstige Gelegenheit zum Heiraten geboten.

Al ob er wissen konnte, woran sie dachte meinte Hamid noch: „Ihr dürft auch nicht vergessen, sie ist über meine Frau mit dem Sultan verwandt, ich möchte mir doch nicht seinen Zorn zuziehen, seine Nichte im Stich zu lassen. Ich bitte Euch vertraut mir.“ Inzwischen klang seine Stimme flehend.

Der Alte strich sich nachdenklich über den Bart. Dann meinte er. „Gut, ich bin einverstanden. Doch du wirst einen Brief an Saladin schreiben, in dem du die Verantwortung über ihr Schicksal auf deine Schultern nimmst. Ich möchte nicht einen aufgebrachten Sultan vor der Tür stehen haben, weil er denkt, wir halten seine Verwandte ohne Grund gefangen. Und du wirst sofort aufbrechen und mir von unterwegs regelmäßig Bericht erstatten.“

„Ja, Herr, ich danke Euch, Herr…“ Hamid verneigte sich vor dem Mann. Dann trat er an den Schreibtisch, ließ sich von einem der anderen Männer eine Seite Pergament reichen, Tinte und Feder, und fing an zu schreiben.

Das Kratzen der Feder löste die Erstarrung, die Samira befallen hatte. Wie konnte er es wagen? Sie wusste so gut wie er, dass ihr Onkel sie erst einmal in ihrem Leben gesehen hatte und seitdem keinerlei Notiz von ihr genommen hatte. Samira wusste, dass ihr Vater sie einfach hier zurücklassen würde und er würde mit Sicherheit nicht nach vier Wochen zurückkehren. Sie wollte zum Schreibtisch stürzen und dem alten Mann erzählen, dass ihr Vater ihn betrog, doch das wäre gleichbedeutend mit ihren beiden Todesurteilen gewesen. Sie musste schweigen und hoffen, dass er sie gegen alle Vernunft doch nicht im Stich lassen würde, oder dass ein anderes Wunder geschehen möge um sie zu retten.

Endlich hatte Hamid den Brief beendet und siegelte ihn mit seinem Ring. Dann las der Alte das Geschriebene, nickte bestätigend, rollte das Pergament klein zusammen und trat zu einem großen Käfig am Fenster. Dort holte er eine kräftig wirkende Brieftaube hervor, befestigte den Brief an ihrem Bein und streichelte das Tier am Kopf. „Der Brief wird Saladin spätestens morgen Abend erreichen. Bis dahin solltest du dich auf den Weg gemacht haben.“ Er trat ans Fenster, öffnete eine Luke und entließ den Vogel nach draußen. „Und jetzt verschwinde und komm erst zurück, wenn du hast, was du mir schuldest…“

Hamid Al-Zenghi brauchte keine weitere Aufforderung, er raste die Treppe hinunter ohne sich noch einmal an Samira zu wenden und verschwand im Hof. Zurück blieb eine Gruppe schwer bewaffneter Männer, ein alter Mann und ein Mädchen, das zu Tode erschrocken hinter ihrem Vater her starrte.

Nach ein paar Minuten der Stille wandte sich der Alte an Samira: „Wie heißt du?“

„Samira.“ Wisperte sie.

„Und was soll ich jetzt mit dir tun, Samira?“ er seufzte kurz und meinte dann mehr zu sich selbst: „Diese ganze Geschichte ist äußerst unerfreulich. Statt der versprochenen Ware habe ich jetzt ein halbwüchsiges Mädchen zu bewachen…Wie alt bist du, Mädchen?“ sagte er wieder zu ihr.

„Ich bin gerade siebzehn geworden…“

„Ich kann dich nicht im Dorf leben lassen, zu gefährlich, du könnest die Chance nutzen um zu fliehen. Ganz abgesehen davon, was die Bewohner mit einem siebzehnjährigen alleinstehenden Mädchen  anstellen würden. Nein, du musst hier in der Festung bleiben. Nimm den Schleier ab, Mädchen.“

Samira löste zögernd das Seidentuch von ihrem Kopf und alle starrten sie an. Sie war wirklich eine bemerkenswerte Schönheit, lange, schwarze Locken umrahmten ihr zartes Gesicht, ihre Augen funkelten in einem hellen Grün, ihr Mund war perfekt geschwungen. Dazu kam ihre Figur, die sich trotz ihrer Schlankheit verführerisch an den richtigen Stellen rundete. Wieder durchbrach der alte Mann das Schweigen: „Gut, ich sehe, ich kann dich auch nicht in der Küche oder der Wäscherei beschäftigen, du würdest meine Männer zu sehr verwirren und sie ablenken. Mir bleibt nur eine Möglichkeit, du wirst in mein Frauenhaus ziehen müssen, dort stehst du unter meinem Schutz und kannst gleichzeitig nicht fliehen.“

Er wandte sich um und sagte zu dem Mann, der sich entspannt hinter ihm an eine Säule gelehnt hatte: „Altaïr, bring sie zu Ridwan, er soll sie bei sich aufnehmen. Er soll ihr ein Gemach direkt am Eingang geben, und er soll meiner ersten Gemahlin erzählen um was es sich bei ihr handelt. Ich kann jetzt keine unbegründete Eifersucht in meinem Haus dulden.“

Der Mann an der Säule nickte ergeben und trat vor. Er ging zu Samira, nahm ihren Arm, sagte kurz zu ihr: „Komm mit.“ dann ging er mit ihr die Treppen hinunter bis zum Eingang des Frauenhauses, wo er sie mit den gewünschten Anweisungen bei dem Vorsteher abgab, einem gut zwei Meter großen, wuchtigen Mann, der Samira kritisch beäugte. Dieser führte sie anschließend durch die schwere, eisenbeschlagene Tür, die mit einem dumpfen Schlag hinter ihr zufiel.

Damals standen wir uns zum ersten Mal gegenüber, als er mich auf Al Mualims Befehl in dessen Frauenhaus brachte. Ich weiß noch, wie mir seine Worte, ‚Komm mit‘ Schauer über den Rücken trieben, die nichts mit meiner Angst zu tun hatten. Seine Stimme, oh, seine Stimme, dieser warme honigsüße Ton, der mich damals schon zum Zittern brachte. Sonst sah ich noch nicht viel von ihm, er trug die Uniform wie alle anderen, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Doch er war groß und breitschultrig, er überragte die anderen um einige Zentimeter, über mir ragte er wie ein Turm auf. Dennoch bewegte er sich mit katzenhafter Geschmeidigkeit, die so gar nicht zu seiner Gestalt zu passen schien. Außerdem bemerkte ich seine Aura, er strahlte so viel Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit aus, dass es fast an Arroganz grenzte. Seine Präsenz war einschüchternd.

Doch ich muss ehrlich sein, wenn ich mir die Frage zu beantworten versuche, ob ich ihn bereits bemerkt habe, als er noch an seiner Säule lehnte und das Geschehen beobachtete. Und die Antwort lautet ‚Nein‘, ich habe ihn nicht bemerkt, so gerne ich mir das heute einreden möchte, dass ich vom ersten Moment seine Gegenwart gespürt habe. Er hatte diese seltene Gabe, in einem Moment vollkommen mit seiner Umgebung zu verschmelzen und praktisch unsichtbar zu werden und im nächsten alle mit seiner puren Existenz zu beeindrucken. Ich muss zugeben, dass ich auf dem Weg ins Frauenhaus vor ihm mehr Angst hatte, als vor Al Mualim und den anderen Assassinen.

Einmal habe ich ihn in der Tiefe der Nacht gefragt, ob er mich von Anfang an bemerkt hatte und was er damals in mir gesehen hatte. Daraufhin hörte ich sein tiefes, glucksendes Lachen, das er so selten von sich gab und das ich so liebte. Er zog mich damals an sich, küsste meinen Scheitel und murmelte an meinem Ohr: „Wie hätte ich dich nicht bemerken sollen, du hattest dir offensichtlich überlegt, ob du als erstes deinen Vater für seinen Verrat oder Al Mualim für seine Geringschätzigkeit dir gegenüber ins Gesicht springen sollst. Und du warst die schönste Frau im Umkreis von vielen Meilen. Ich musste dich bemerken, ob ich wollte oder nicht. Und was ich von dir gedacht habe?“ Sein Flüstern wurde noch leiser, ich konnte seine Stimme kaum noch hören: „Ich dachte: Diese Stute würde ich gerne einreiten…“

Ich weiß noch wie ich daraufhin im Dunkeln errötet bin, noch heute spüre ich die Hitze in meinen Wangen aufsteigen. Die Hitze verstärkte sich damals, als er sich anschickte mir diesen Satz anschaulich erklären zu wollen, doch das führt hier zu weit und ist nicht für unschuldige Ohren bestimmt.

Doch nun weiter in meiner Geschichte, er hatte mich im Frauenhaus abgeliefert und es vergingen einige Tage, bis ich ihn wieder sehen sollte.


TBC
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast