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Assassin's Creed - Samira's Tale

von Delirium
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
18.04.2008
13.05.2008
16
54.303
7
Alle Kapitel
96 Reviews
Dieses Kapitel
19 Reviews
 
 
18.04.2008 1.747
 
Hinweis: Der Verlauf des Spieles wird hier nicht berücksichtigt, nur die Figuren werden auftauchen und müssen nach meiner Pfeife tanzen. Die Schreibweise wechselt immer von Dritter Person in die Erste, wenn Samira selbst zu Wort kommt, ihre Passagen sind kursiv geschrieben. Rechtschreib- und sonstige Fehler sind natürlich beabsichtigt und dürfen vom ehrlichen Finder gerne behalten werden...

Disclaimer: Gehört alles UbiSoft und UbiSoft Montreal. Dazu kann ich nur sagen, leider, denn Altair würde sich auch gut hier bei mir machen, such a delicious piece of man-meat...

Prolog: Hochzeitsvorbereitungen

1236 n. Chr

Morgen wird meine geliebte Enkeltochter heiraten, mein Sohn und seine Frau haben eine prachtvolle Hochzeit vorbereitet, alle werden kommen. Am meisten freut mich, wie verliebt Layla in ihren Omar ist und er scheinbar auch in sie. Zu ihrem großen Glück kennen sie sich schon lange, da ihre Väter Kollegen sind und diese Verbindung mehr als gut heißen. Und aus dieser Kinderfreundschaft ist inzwischen Liebe geworden. Ich bin dem Allerbarmherzigen zutiefst dankbar dafür.

Jetzt bin ich gerade dabei, aufzuschreiben, was morgen noch alles zu tun ist. In meinem Alter kann ich mich nicht mehr nur noch auf mein Gedächtnis verlassen. Und morgen muss noch viel erledigt werden. Eine Hochzeit ist immer ein Erlebnis und ich weiß wie viel die Männer der Bruderschaft bei so einem Fest verdrücken können. Ich sollte noch einen Hammel mehr in die Grillgrube packen lassen.

Mein Sohn Tarik kommt zu mir, er setzt sich neben mich und blickt auf mein Pergament, als er liest was ich geschrieben habe lächelt er. ‚Du solltest so spät nicht mehr hier sitzen und arbeiten, Mutter.‘ sagt er zu mir. ‚Geh zu Bett, morgen wird ein anstrengender Tag.‘ Er ist immer so besorgt um mich, mein Sohn, mein einziges Kind, Ebenbild meines Geliebten bis auf die Augen, seine Augen sind nicht braun wie dunkler Bernstein, sondern besitzen mein helles Grün.

Wie schön wäre es, wenn er jetzt auch hier sein könnte. Er wäre jetzt siebzig Jahre alt, grauhaarig wie ich es inzwischen bin, vielleicht hätte seine Sehkraft nachgelassen, er, der für seinen scharfen Blick berühmt war, er wäre auch sicher nicht mehr so kräftig und agil. Heute könnte er garantiert nicht mehr eine hundert Meter hohe steile Felswand erklimmen um zu mir zu kommen. Eher würde er sich auf einen Stock stützen, wobei ich mir das nicht wirklich vorstellen kann. Oh, ich wünschte er wäre hier, er fehlt mir so, obwohl er seit über dreißig Jahren tot ist.

Ob er mich heute noch schön finden würde? Ich bin alt, über sechzig, die Falten auf meinem Gesicht zeugen davon, mein Körper scheint mit jedem Jahr kleiner und gebückter zu werden, meine Gelenke schmerzen, wenn das Wetter umschlägt, manchmal höre ich schlecht. Ich bin nur noch jung, wenn ich von ihm träume.

Ich bin sehr froh hier im Haus meines Sohnes und seiner Familie wohnen zu dürfen und mich um nichts mehr kümmern zu brauchen. Meine Schwiegertochter Fatima ist eine wunderbare Frau, die Tochter die ich nie haben durfte. Und meine Enkelkinder, Layla und ihre beiden Brüder Raschid und Yusuf, ich liebe sie alle so sehr, doch das Loch das sein Tod in meinem Herzen hinterlassen hat können auch sie nicht heilen.

Mein Sohn unterbricht meine trüben Gedanken. Er bittet mich erneut zu Bett zu gehen und ich sage zu ihm ich würde gleich gehen, ich wolle nur noch ein wenig nachdenken. Er sieht mich lange an, mit seinem Gesicht und meinen Augen, die ersten grauen Fäden im Haar, dann beugt er sich zu mir und küsst mich leicht auf die Stirn. ‚Gute Nacht, Mutter.‘ Dann verlässt er mein Zimmer, der Schein der Lampe beleuchtet für einen Augenblick scharf die Lücke, an der sich sein linker Ringfinger befinden sollte und ich schließe die Augen. Erinnerungen an früher blitzen in meinem Kopf auf, inzwischen glaube ich mein ganzes Leben besteht nur noch aus Erinnerungen. Doch ich will nicht mehr traurig sein, morgen beginnt ein neuer Schritt in die Zukunft, eine weitere Generation verbindet sich und wer weiß, vielleicht darf ich ja bald meinen ersten Urenkel in die Arme schließen. Ja, das Leben geht weiter, auch wenn es für mich vor einunddreißig Jahren stehen geblieben ist.

Seufzend sehe ich auf meine Aufzeichnung, sechs ganze Hammel, ein Ochse, Gemüseplatten, die vielen Pilaw-Gerichte, frische Salate, Nachspeisen, Obst, es ist eine lange Liste. Ich denke an mein Hochzeitsgeschenk für Layla, ein schweres goldenes Armband, bestehend aus zwei in sich verschlungenen Ranken in deren Zwischenräumen funkelnde Smaragde befestigt sind. So grün wie ihre Augen, keines der Kinder hat seine Augen, was ich immer noch heimlich bedauere.

Ist das Armband genug für meine liebste Enkelin? Hat sie nicht noch mehr verdient, sie die mein jüngeres Abbild sein könnte, in der ich so viel von mir wiederfinde? Ich will ihr noch etwas schenken, etwas von mir. Etwas, was ihr vielleicht die Angst um Omar ein wenig erleichtert, denn auch er ist in der Bruderschaft, und obwohl der Krieg lange vorbei ist und momentan Frieden in Palästina herrscht, lebt ein Assassine nie sicher. Ich weiß, Layla fürchtet sich, ihn zu verlieren, wahrscheinlich war ich ihr ein schlechtes Vorbild mit meiner Trauer um meinen Geliebten.

Plötzlich fällt mir etwas ein, ich werde ihr meine Geschichte schenken, sie soll sehen, dass ich sogar um meine Trauer dankbar bin, denn würde ich nicht so empfinden, hätte ich ihn nie gehabt, hätte ich nie kennengelernt, was es heißt wahrhaftig zu lieben. Selbst wenn ich es könnte, würde ich nie auf diesen Schmerz verzichten wollen, würde doch sein Verlust bedeuten, ihn nie geliebt zu haben und nicht von ihm widergeliebt worden zu sein. Layla soll wissen, dass es richtig ist, sich so auf einen Menschen einzulassen und jeden Tag mit ihm zu genießen und niemals an das Ende denken.

Ja, ich werde meine Geschichte aufschreiben, für sie und vielleicht für die nächsten Generationen. Sie alle sollen wissen, dass ich nichts bereue und dankbar für alles bin, was ich je bekommen habe. Ich schließe noch einmal kurz meine Augen und sehe ihn vor mir, die dunklen Augen, sein intensiver Blick, höre seine Stimme, die wie schwerer Honig geklungen hat, spüre seine Berührung, federleicht auf meiner Haut. Ich habe schon einmal gedacht, damals vor fünfundvierzig Jahren, ich hätte ihn an den Tod verloren und er ist zurück zu mir gekommen, ich werde ihn auch jetzt bald wieder sehen, der Tod ist keine ewige Grenze.

Ich stehe mühsam von meinem Stuhl auf und hole mir neue Bögen Pergament, spitze eine neue Feder an und tauche sie in mein Tintenfass. Für einen Moment sehe ich auf die leere Seite vor mir, dann setzte ich die Feder an. Ich werde wohl bei meinem Vater beginnen müssen um alles erklären zu können, auch wenn der Name des Verräters eigentlich nicht mehr genannt werden soll. Doch er ist der Grund, warum ich nach Masyaf gekommen bin, die uneinnehmbare Festung der Assassinen-Bruderschaft. Dort hat alles angefangen, an einem milden Frühlingstag, mitten im dritten Kreuzzug der Ungläubigen gegen unsere Heimat. König Richard von England hatte sich in den Kopf gesetzt die heiligen Stätten der Christen zurück zu erobern und hat damit das Land in tiefes Unglück gestürzt. Es hatten nicht nur Gläubige gegen Ungläubige gekämpft, auch untereinander gab es Krieg innerhalb der Gruppen, Templer gegen Johanniter, Anhänger Saladins gegen seine ehrgeizigen Cousins, und mitten unter ihnen die Anhänger der Assassinen, die es mit allen aufgenommen hatten. Düstere Zeiten waren das gewesen und doch für mich, ein junges Mädchen von gerade siebzehn Jahren, war alles so spannend und aufregend erschienen. Das Leben war ein Abenteuer gewesen, genau so, wie die Reise nach Masyaf. Ich hatte ja nichts von den Plänen meines Vaters gewusst, die mich beinahe das Leben gekostet hätten. Ich erinnere mich noch an die leichte Frühlingsbrise, die durch das offene Fenster der Kutsche gedrungen war, als wir die felsige Anhöhe zur Festung hinaufgefahren waren. Damals, vor so langer Zeit.

Mein Name ist Samira und mein Vater war der Kaufmann Hamid Al-Zenghi, der das Glück hatte als junger Mann eine Halbschwester Saladins zu heiraten und so für kurze Zeit zu Macht, Reichtum und Ansehen gekommen war. Nach dem frühen Tod  seiner Frau blieb ihm nur der Reichtum, den er durch allerlei zwielichtige Geschäfte zu vermehren versuchte. Meine Kindheit war nicht wirklich glücklich zu nennen, doch ich hatte keine Not zu leiden, ich besaß alles, was ich mir nur wünschen konnte. Obwohl ich für eine Frau erstaunlich gebildet war, ich konnte lesen, schreiben und ein wenig rechnen, muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich keine Ahnung hatte was jenseits der Mauern unseres Hauses geschah, ich wusste nichts vom Krieg, vom Elend, von der bitteren Armut der anderen Menschen in meiner Heimatstadt.

Ich lebte allein mit meinem Vater in unserem großen Haus in Damaskus und er bemühte sich, mich die meiste Zeit zu ignorieren. Doch dann kam er eines Tages zu mir und forderte mich auf ihn auf einer geschäftlichen Reise zu begleiten. Er wirkte nervös auf mich und duldete keinen Widerspruch. So zog ich mich schnell um folgte ihm zu der gemieteten Kusche im Hof. Als ich ihn schüchtern fragte, wohin wir fuhren, knurrte er nur knapp: „Nach Masyaf.“

Ich spürte, wie sich mein Herzschlag bei dieser Nachricht kurz beschleunigte, wenn ich auch sonst nichts vom Leben wusste, so hatte ich doch die Gerüchte gehört die über die Bruderschaft kursierten, die sich in Masyaf, der mächtigen Bergfestung, versammelt hatte. Hinter vorgehaltener Hand wurde geflüstert, dass es sich dabei um als Menschen handelte, die ihre Seele verkauft hatten und jetzt nichts weiter als gewissenlose Meuchelmörder waren, die jeden töteten, zu dessen Beseitigung sie den Befehl bekamen. Sie sollten ein teuflisches Kraut rauchen, das ihnen das Paradies vorgaukelte. Sie fürchteten sich nicht vor dem Tod, sondern suchten ihn bei jedem Auftrag. Ihr Wahlspruch war: ‚Nichts ist wahr, alles ist erlaubt‘. Und dorthin, in diesen Vorhof der Hölle, wollte mich mein Vater mitnehmen.

Beschämt muss ich sagen, dass ich weniger Angst und Panik verspürte, als das Gefühl meiner verdammten Neugier, die mich solange ich denken kann, quälte. Neugier, die zu einem wohlerzogenen Mädchen nicht gut passte, und die mich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit überkam. Und heute beschränkte sich dieses Gefühl nicht auf ein neues Buch, das ich verschlingen wollte, oder ein Mensch, der zu Besuch in unser Haus kam, sondern auf einen ganzen Ort inklusive seiner sagenumwobenen Bewohner.


TBC

Ach ja, da hier in dieser Ecke des Fan-Fiktion-Archives sich nicht allzu viele Leser herumtreiben, würde ich mich über jedes Feedback freuen, nur mal so am Rande erwähnt...
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