Zweifel oder Zauber

von helynn
GeschichteDrama / P12
Aphrodite Xena
15.04.2008
15.04.2008
1
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Dies ist meine allererste Fanfiction und ich musste sie einfach schreiben, nachdem ich “Am Ende der Reise2” gesehen habe. Es spielt irgendwo in Xenas dunkler Vergangenheit, wo sie “noch” eine gefürchtete Kriegerprinzessin war. Und auch Gabrielle noch nicht kannte.
Noch großes Dankeschön an meinen tollen beta-leser.
Feedback ist immer toll. Hoffe es gefällt euch.

Zweifel oder Zauber
By Helynn


“Xena!”
“Wer ist da? Zeig dich wenn du mit mir sprichst!“ Xena legte ihr Schleifwerkzeug aus der Hand und sprang in Kampfposition. Die Schlacht heute mittag hatte die Kriegerprinzessin ermüdet, aber sie war lange nicht so müde, dass sie sich nicht mehr verteidigen konnte.
„Xena, leg das weg du willst doch niemanden verletzen. Ich will dir helfen!“
„Hah!“ Xena lachte laut. Seit ihr Dorf überfallen worden war und sie bitterliche Rache geschworen hatte wollte ihr niemand mehr helfen. Nicht das sie es nötig gehabt hätte. Eine Kriegerprinzessin, die hunderte von Menschen getötet hatte, brauchte niemanden!

„Sag mir wer du bist und ich verschone dich vielleicht.“ Xena sah grimmig um sich und schwenkte ihr Schwert in verschiedene Richtungen. Aber sie sah niemanden. Wütend demonstrierte sie die Schärfe ihres Schwerts an einem nahestehenden Baum und säbelte eine tiefe Kerbe ins Holz.
„Oho, die große Heimatlose will mir Angst machen. Da sollte ich mich doch lieber zeigen.“ Xena hörte ein glockenhelles Lachen, und dann knackten einige Zweige über ihr. In dem Baum mit der Kerbe saß eine blondgelockte Frau mit einer Rose in der Hand. ,Die traut sich was‘ dachte Xena. ,Kommt einfach in das Lager einer Kriegerin marschiert und trägt nichts bei sich außer einer Blume. Na, der wird ich’s zeigen. Niemand hat sich bis jetzt ungestraft mit mir angelegt.‘

„Komm da runter, sonst komm ich rauf! Und sag mir endlich wer du bist!“
Wieder hörte sie dieses Lachen, aber es klang nicht so als würde es von der Frau kommen. Eher so als trüge es der Wind herbei. Und obwohl es eher freundlich und wirklich amüsiert klang stellten sich einige Haare auf Xenas Rücken auf, und ihre Hand fasste das Schwert noch fester als sie es ohnehin schon hielt.

„Hey, Süße. Du willst doch wohl nicht etwa sagen, dass du mich nicht erkennst.“ Sie sah den verwirrten Ausdruck in Xenas Augen und seufzte. „Wie klar war’s,“ murmelte sie. Aber Xenas Ohren waren trainiert, sie hörte es trotzdem.
Die Frau seufzte noch mal. „Mein Name ist Aphrodite, Göttin der Liebe. Du hast bestimmt schon von mir gehört. Oder etwa nicht...?“ ihre Stimme wurde leiser als sie keine Veränderung in Xenas Gesicht sah, kein Zeichen von Erkenntnis oder überhaupt irgendeine Reaktion.

Xena entspannte sich. Sie war nicht überrascht, dass es eine Göttin war, die sie mitten Wald aufgespürt hatte. Mal ehrlich, sie hatte nie wirklich geglaubt das ein Mensch so verrückt war und sie mit einer Blume angreifen wollte. Aber die Göttin der Liebe..., die hatte hier gar nichts zu suchen. Xena liebte niemanden und niemand liebte Xena. Außer vielleicht ihre Mutter. Doch selbst die war inzwischen enttäuscht von ihrer einzigen Tochter. So viel Blut an ihren Händen. So viele geschlagene Schlachten, so viel Tod.

Die Stimme von Aphrodite riss sie aus dem Strudel von Bildern, der sie jedesmal wieder fing, wenn Xena an ihre Mutter denken musste.
„Naja, wie auch immer. Mit der Zeit wird es etwas langweilig Göttin der Liebe zu sein. Alle Menschen streben nach Liebe und Cupido erledigt fast alles allein. Ich meine, wer sucht heutzutage schon noch nach der wahren Liebe. Hauptsache verliebt, oder?“

Xena begann sich zu langweilen. Sie hörte auf, sich für das in ihren Ohren belanglose Geschwätz der Göttin zu interessieren. Das war schlecht für Aphrodite, denn Xena hatte gelernt, dass Leute für gewöhnlich schwiegen, wenn sie tot waren oder Angst hatten. Und außerdem hatte sie auf ihrem Rachefeldzug Spaß am töten gefunden. Sie blendete die Stimme der Frau aus und schwang probehalber ihr Schwert ein paar mal hin und her. Sie hackte eine weitere Kerbe in den Baum. Die Eiche erbebte unter der Wucht ihres Schlags, einige Blätter begaben sich langsam auf den Weg Richtung Boden. Xena lächelte grimmig, als sie bemerkte, dass der Redeschwall Aphrodites aufgehört hatte. Die Kriegerin war nie ein Freund langer Reden gewesen.
Aber ihr wurde keine Ruhe gegönnt, denn kaum hatte Aphrodite sich von dem ersten Schrecken erholt, redete sie wieder auf Xena ein.
„Also, das war nicht sehr nett von dir. Einfach eine Göttin beim Reden zu unterbrechen. Aber vielleicht macht man das heute ja so. Ich war lange nicht mehr unter Menschen, wie gesagt, Cupido macht fast alles allein.“ Xena holte zu einem weiteren Schlag aus.
„Hoho, immer langsam mit den jungen Pferden. Wer wird denn da gleich wütend werden. War doch nur ein kleiner Witz.“

„Komm zum Punkt!“ unterbrach Xena sie. Ihre Stimme war heiser vor unterdrückter Wut. Inzwischen war sie nicht mehr nur gelangweilt, sondern genervt. Und wenn dieses Geplapper nicht bald aufhörte musste sie Aphrodite doch töten. Göttin hin oder her. Sie wurde sowieso nicht gebraucht, das hatte diese  unerträglich fröhliche Person oft genug gesagt. Niemand würde sie vermissen.

Aphrodite sah, wie die Hand der Kriegerprinzessin zu ihrem Chakram wanderte. Das und der eisige Gesichtsausdruck in ihrem Gesicht machten ihr doch irgendwie Angst. Die Göttin hatte zwar gewusst, dass es schwierig werden würde,  sie war schließlich oft genug gewarnt worden, aber irgendwie hatte sie es sich doch einfacher vorgestellt. Ein bisschen reden; weiter nichts. Von ihrem Anliegen würde sie diese dunkle Frau ohne Familie schon überzeugen können. Die Menschen waren doch alle gleich. Doch anscheinend hatte sich die Göttin der Herzen doch geirrt: Xena war anders. Sie war dunkler, gefährlicher, wilder.

„Süße... ähm, große Kriegerin... ähhh, Xena. Ich wollte eigentlich nur sagen, ich sollte sagen das...“ ,Hör auf zu stottern, das macht sie nur noch wütender‘ ermahnte sie sich selbst.
„Du brauchst dringend etwas Liebe in deinem Leben! Die Götter wollen, dass du aufhörst böse, nein! Sie wollen, dass du aufhörst wütend, traurig und einsam zu sein. Du richtest zu viel Schaden an. Du bringst das Gleichgewicht der Welt, oder zumindest das Gleichgewicht Griechenlands durcheinander!“

„Gut.“ Mehr sagte Xena nicht. Mehr war nicht zu sagen. Was interessierten sie die Menschen, die Götter, die um sie herum waren. Die große Kriegerprinzessin interessierte sich nur für sich selbst. Alle Kriegsherren taten das, sie war da nicht anders. Sie nahm sich was sie wollte, tat das, was ihr Spaß machte, woher sonst sollte auch das ganze Blut an ihren Händen kommen. Diese Göttin hatte Recht, Xena war böse, aber es war ihr egal. Sie hatte Spaß dabei und das war das Einzige, was sie manchmal erschreckte. Aber jedes mal überkam es sie wieder, dieser Rausch, der Wille nach Macht. Und sie stellte sich nicht dagegen, sie ließ sich einfach treiben, als wäre nicht sie es, die das Schwert führte, sondern jemand anders. Jemand anderes wollte den Tod all dieser Menschen, jemand anders führte sie, wie eine Marionette. Es war eine andere Xena.

Es musste so sein. Denn tief in sich drinnen, hinter all ihren unsichtbaren Mauern, die im Laufe der Zeit gebaut worden waren, da spürte sie noch immer das Kind. Das Kind, das sie einst gewesen war, das sie immer noch war, irgendwo. Als sie mit ihren Brüdern gespielt, mit den Nachbarskindern gerangelt, mit ihren Eltern gekuschelt und mit ihrer Freundin gelacht hatte. Damals, als sie noch gedacht hatte die Welt sei ein guter Ort, es gäbe Gerechtigkeit und alles würde gut werden, so wie ihre Mutter es immer gesagt hatte. Doch diesen Glauben hatte sie schon lange verloren, es gab keine Gerechtigkeit, außer man kümmerte sich selbst darum, und selbst dann noch...

Xena erinnerte sich an eine Begebenheit aus ihrer Kindheit. Sie hatte mit ihrer jungen Katze gespielt und diese hatte sie gekratzt. Die kleine Xena war zu ihrer Mutter gerannt und hatte ihr aufgeregt heulend alles erzählt. Ihre Mutter hatte nur gelächelt, ihr eine heilende Salbe gemacht und ihr ins Ohr geflüstert: „Alles wird gut meine Kleine, glaube mir alles wird gut.“ Und dann war sie gegangen, um mit der Katze zu reden. Seit dem Tag hatte die Katze Xena nie wieder verletzt.

Aber irgendwann war sie gestorben, so wie Xenas Glaube. Und das kleine Mädchen von damals hatte angefangen seine Gefühle hinter Mauern zu verbergen. Und immer wieder neue Mauern. Und irgendwann würde es nur noch Mauern geben und dahinter ein kleines verängstigtes Mädchen, das ganz allein war in der großen, bösen Welt. Und dann würde...
Xena wusste nicht, was dann passieren würde. Vermutlich würde sie sich irgendwann auflösen, und es würde keine Xena mehr geben. Nur noch einen Haufen Mauern, der immer weiter wuchs.

„Ohhh, Süße. Ist das traurig. Fühlst du dich wirklich so?“ Xena fühlte eine Hand auf ihrer Schulter und eine andere Hand, die die ihre umschloss. ,Was? Wie sollte sie sich fühlen? Einsam, verlassen. Hatte Aphrodite das gehört, was sie eben gedacht hatte? Hatte sie das überhaupt gedacht. War sie nicht eigentlich eine Kriegerprinzessin. War sie nicht stark, mächtig?‘  „Doch!“ sie sagte es laut. Sie glaubte es. „Ich bin stark! Ich brauche niemanden! Ich tue was ich will!“ wie sie es schon so oft gesagt hatte. Als Kind, als Heranwachsende, als Frau, als ihr Dorf überfallen wurde.... immer und immer wieder.

Und Aphrodite stand neben ihr, und hielt ihre Hand. Sie hielt sie fest und sah in Xenas Herz. Das können Göttinnen, vor allem die Göttin der Herzen, denn dazu war sie ja schließlich da. Und in Xenas Herz sah sie ein Mädchen, das sich nach Geborgenheit sehnte, die ihr verwehrt worden war. Und eine Frau, die sich nach Liebe sehnte, die sie nicht bekam. Und Aphrodite lachte, denn die Menschen waren doch alle gleich. Sie alle wollten nur dasselbe, einen Teil ihres Herzens teilen.

Deswegen verschwand Aphrodite, um sich auf den Weg zu machen. Um eine Freundin für Xena zu finden. Eine Liebe, die ihr Licht sein konnte, und die ihr helfen würde gut zu sein. Denn die Seele dieser dunklen Frau konnte gerettet werden. Von einer reinen Seele, die wahrhaft liebte. „Alles wird gut Xena, ich werde jemanden finden.“, flüsterte sie und lachte. Sie lachte ihr glockenhelles Lachen, weil sie sich freute.
„Du kannst noch so viel Gutes tun, du wirst es tun, ich bin mir sicher, Süße.“

Xena fuhr herum das Chakram in der Hand. Jetzt reichte es wirklich. Schön und Gut für Aphrodite, dass sie Göttin der Liebe war, aber sie war zu weit gegangen. Sie hatte Xena mit einem Zauber belegt, bestimmt hatte sie das getan. Anders konnte diese sich nicht erklären, was da so plötzlich über sie gekommen war. Es musste an diesem geisterhaften Lachen liegen. Es war so hell und klar.

Es hatte sie zweifeln lassen. Aber das war jetzt vorbei. Wie hatte sie so unvorsichtig sein können, selbst eine Göttin mit einer Blume konnte gefährlich werden. Die stolze Kriegerin sah sich um, aber sie war wieder allein. Und so nahm sie ihr Schleifzeug wieder in die Hand und versuchte die Kratzer, die das Holz der Eiche auf ihrem Schwert hinterlassen hatte verschwinden zu lassen. Sie summte ein Lied. Das Lied von Hercules und der Hydra.