Politik

von Aku
GeschichteAllgemein / P6
10.04.2008
10.04.2008
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Henry war dreizehn. Inzwischen hatte er das spöttische Grinsen seines Vaters perfektioniert und er fluchte seltener. – Wenn er es tat, dann noch immer so gotteslästerlich, das die meisten von Londons Gerbern und Hafenarbeitern rot angelaufen wären, hätten sie es hören müssen, aber immerhin war es nicht mehr so häufig. Und nicht mehr in Gegenwart der Person, die seinen Zorn auf sich gezogen hatte.

John war geneigt, stolz auf seinen Bruder zu sein. – Wenn er so weitermachte, würde er wahrscheinlich tatsächlich noch Papst werden... und dann nur noch alleine in seinem Gemach fluchen. Das war kein so schlechter Schnitt für einen Bastard.

Er lehnte sich in dem bequemen Sessel zurück, drehte seinen Weinbecher in der Hand und wartete noch einen Augenblick ab, verzog schmerzhaft das Gesicht ob der Vorstellungen, die sein Bruder von diversen Dingen, die man mit Ziegen tun konnte, hatte, und erhob sich dann schließlich.

„Gut, das sollte genügen“, stellte er ruhig fest.

Wie immer hielt Henry sofort inne. – Es hatte eine Weile gedauert, bis John das entdeckt hatte, aber nichts kühlte das Gemüt seines in Rage gebrachten Bruders so schnell ab, wie die ruhige Feststellung, dass es reichte.

„Versuch es gar nicht, John.“

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Oh? Was soll ich nicht versuchen?“

„Mich davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist. Dass es etwas ist, was ich eigentlich will. Denn das ist es nicht. Ich weiß ziemlich genau, was ich will und weder rote Gewänder noch Keuschheitsgelübde kommen darin vor.“

Bedauernd zuckte John mit den Achseln. „Rot würde dir gut stehen, weißt du?“

„Ich habe es satt! – Es ist schon genug der Bastard des reichsten Mannes Englands zu sein, ich will nicht auch noch eine der Stufe zur Erfüllung seiner gesammelten größenwahnsinnigen Träume sein! Nicht, wenn ich dafür Priester werden muss!“

„Er ist dein Vater.“

„Richtig. Und deiner. Wie wär’s: Weihe du dein Leben der Kirche.“
„Ich denke... nicht.“

„Eben. ...Es ist ungerecht, dass er sich nimmt, was er will und mir genau diese Chance versagt!“

John seufzte. Natürlich war das ungerecht.

„Ich will doch nicht viel. Ich will in den Krieg ziehen, heiraten, auf ein paar Turnieren reiten, Kinder kriegen... ich habe keinerlei Interesse an Politik!“

„Henry...“

Sein Bruder hatte zu grinsen begonnen. Natürlich hatte er keinerlei Interesse an Politik... Natürlich nicht. Noch nicht. John gab ihm noch ein halbes Jahr, bis er seine erste kleine Intrige zusammengesponnen haben würde. – Immerhin war er sein Bruder. Und ihres Vaters Sohn.

„Die Sache ist eigentlich ganz einfach. – Es gibt grundsätzlich zwei Wege, das zu bekommen, was du willst: Glück oder Gewalt. Glück ist so eine Sache... Wenn Gott will, bekommst du es. Wann Er es will. Und Er nimmt es dir, wann Er will. Das ist zu unsicher. Gewalt ist praktischer, aber auch so verflucht unelegant. – Politik ist nur ein Ersatz für Gewalt. Aber viel schöner anzusehen.“

„John...“

„Ja, Brüderchen?“

„Du bist...“

„Unverbesserlich? Ein Lancaster?“

„Ein Beaufort.“

„Das will ich hören, Brüderchen, genau das.“


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