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Devil in a Midnight Mass

GeschichteMystery / P18 / Gen
06.04.2008
06.05.2008
9
15.867
1
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.04.2008 2.274
 
Keine der hier erwähnten Figuren existiert wirklich, Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Ich habe zudem auch keinerlei Recht an „The Crow“.



@Lady of Sorrows: nicht ganz...aber damit hast du mich an etwas Wichtiges erinnert, das ich fast vergessen hätte. Daher wird im Anschluss an dieses, das ursprünglich eigentlich das letzte sein sollte, noch ein Kapitel folgen....extra für dich. Danke, dass du mich nicht hasst^^.

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Es war ein langer Tag gewesen, dachte der Mann mit einem flüchtigen Lächeln, bewegte die Computermaus ein Stück, sodass der Bildschirmschoner verschwand und das Textfeld frei legte, das ihn wiederum aufforderte, ein Passwort einzugeben, was er auch tat. Man konnte schließlich nicht vorsichtig genug sein, wenn es um Geschäfte ging - vor allem, wenn es nicht gerade legal war, was man tat. In seinem Fall war das sogar noch untertrieben und er war sich ziemlich sicher, dass die Polizei sich sicher sehr für den Inhalt der Festplatte seines Computers interessiert hätte.

Es mochte vielleicht ein dreckiges Geschäft sein, aber es brachte Geld. Mehr als genug Geld - es gab wohl mehr von diesen Perversen auf der Welt, als man vermutet hätte, musste er jeden Tag immer wieder feststellten. Sie widerten ihn allesamt an, aber dennoch, sie waren es, die sein Konto füllte. Er hasste sie allesamt - hätte sich einer von ihnen an seiner Tochter, die er seit der Scheidung von ihrer Mutter viel zu selten sah, vergriffen, so hätte er kurzen Prozess mit ihm gemacht - aber so lange sie sein Einkommen sicherte und weit genug weg blieben, tolerierte er sie notgedrungen.
Sein letzter Kontoauszug hatte ergeben, dass sich diese Politik bezahlt gemacht hatte; so sehr, dass er aussteigen und sich eine neue Existenz irgendwo in der Gegend von Rio aufbauen konnte. Er würde sich Annie schnappen, ihrer geldgeilen Hure von Mutter eine lächerlich hohe Abfindung zahlen, von der sie von ihm aus tun konnte, was sie wollte, so lange er sein Kind hatte. Und mit allem hier würde Schluss sein...

Auf seine alten Tage wurde er etwa noch ein ehrlicher Mann, dachte er amüsiert. Aber, seine Hände waren mehr oder minder rein; schließlich tat er nicht die Schmutzarbeit. Er hatte nie einem der Kinder in die Augen blicken müssen, die er ihren armen Familien oder noch besser Waisenhäusern für einen Gegenwert, für den man hier noch nicht einmal einen vernünftigen Anzug bekam, abkaufte und sie an diese perversen Kerle, die ihn offen gestanden einfach nur anwiderten, über entsprechende Internetseiten verscherbelte. Die moderne Technik hatte auch ihre Vorteile, da war er überzeugt; er fand seine Kunden über Foren, Websites mit pornografischem Inhalt oder manche hatten auch einfach von ähnlich gesinnten von ihm gehört - und sein Geschäft blühte.

Er hatte selbst ein Kind, dennoch, die Kinder, die er gewissenlos auslieferte, kümmerten ihn nicht im Geringsten. Wieso sollte er Mitleid mit diesen Bälgern haben, dachte er bei sich; in ihren Heimatländern ginge es ihnen vermutlich noch schlechter als hier. Die meisten waren schließlich Straßenkinder oder aus so armen Familien, das sie vermutlich schon längst tot gewesen wären, hätte er sie nicht gekauft. Eigentlich sollten sie ihm fast dankbar sein.
Dass es für viele schlimmer war als der Tod, was sie hier erwartete, kam ihm nicht in den Sinn. Er wollte auch gar nicht darüber nachdenken, denn, das hätte seine Geschäftsidee behindert, hätte er Gewissensbisse bekommen...
Mit einem zufriedenen Lächeln schaltete er den Computer aus, dann begann er, den Rechner auseinander zu bauen; die meisten Teile der Hardware konnten ruhig bleiben, wenn er sich auf den Weg nach Rio machte, aber die Festplatte musste vernichtet werden, sonst würde er es vermutlich noch nicht einmal zum Flughafen schaffen...

Genau in dem Moment, als er daran war, einfach mit einem schweren Zimmermannshammer auf das technische Bauteil einzuschlagen, klopfte es leise an der Tür, fast schüchtern, wie ihm vorkam.

Wer verdammt...?
Wer wusste überhaupt, dass er hier war? Das Bürogebäude, in dem er sich seine Geschäftsräume unter der Angabe, er betreibe ein Online-Reisebüro, angemietet hatte, war um diese späte Zeit meist wie ausgestorben, schließlich war es schon nach Mitternacht.

“Ja?”, fragte er ungehalten, ging zur Tür und öffnete sie. Doch da war niemand. “Seltsam...”, murmelte er, schlug sie wieder zu, doch, als er sich umdrehte, war er nicht mehr alleine.
Ein junger Mann stand vor ihm; er war vielleicht gerade volljährig, oder auch nicht - er vermochte das schlecht einzuschätzen, denn der Junge hatte sein Gesicht so sehr mit dicker weißer Schminke verkleistert, dass nichts von ihm zu erkennen war. Die einzigen Linien auf seinem Gesicht waren mit schwarzer Schminke aufgemalt, sie umrandeten seinen Mund, verzerrten ihn so zu einem grotesken Lächeln, während unter jedes seiner Augen eine schwarze Träne gemalt war.

“Interessant”, murmelte der Junge, weidete sich an dem überraschten, aber auch, wenn er sich nicht täuschte, leicht erschreckten Gesicht des Mannes, den man auf den ersten Blick wirklich für einen völlig normalen Geschäftsmann hätten halten können. Er war im mittleren Alter, trug Anzug und Krawatte und hob sich in keiner Form von den anderen Männern ab, die man morgens oft auf dem Weg zur Arbeit beobachten konnte. “Wirklich interessant... ich wollte schon immer mal wissen, wie man sich so einen kranken Bastard vorstellen muss, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Leben von unschuldigen Kindern zu zerstören.”
“Wer sind Sie überhaupt?”, erwiderte der Mann, aber seine Stimme klang unnatürlich hoch; offensichtlich war er wirklich verängstigt - aber das war ja auch Sinn der Sache. “Und was soll der Mist?”
“Eine gute Frage...”, Patch setzte sich auf die Kante des Schreibtisches, “Aber leider die falsche. Tut mir Leid, keine 100 Dollar für Sie. Die richtige Frage wäre gewesen-“, er stand auf, bewegte seinen Kopf so weit nach vorne, dass seine Nase fast die des Mannes berührte, “Denken Sie manchmal an die Kinder?”
“Welche Kinder verdammt?”, fuhr der Mann ihn an, “Ich habe nur eine Tochter-“
Der Junge fuhr zurück, als habe man ihm einen Schlag versetzt. Das hatte er nicht erwartet, dass so ein Monster eine Familie haben könnte, Vater war.

“Außerdem...”, vermutlich war dieser seltsam wie ein Clown geschminkte Kerl nur irgendein jugendlicher Junkie, der völlig high in das Gebäude eingebrochen war, “Was willst du überhaupt hier? Wenn du nicht sofort verschwindest, rufe ich den Sicherheitsdienst.”
“Von mir aus...”, der junge Mann zuckte die Schultern, “Aber die werden sicher die Polizei rufen, wenn sie zufällig dabei ein paar Ihrer...Geschäftsakten finden sollten, die vielleicht bei Ihrem Kampf mit dem Einbrecher, also mir, verstreut wurden-“ Der Mann sah den jüngeren voller Wut an, aber auch Überraschung, denn ganz offensichtlich wusste dieser seltsame Freak mehr, als er gedacht hatte. Er war nicht zufällig hier; das war geplant.

“Was willst du?”, fragte der Mann in geschäftsmäßigem Tonfall, “Geld? Wie viel?”
“Damit ich den Mund halte?”, erkundigte sich der junge Mann, “Warum schneiden Sie mir denn nicht einfach die Zunge heraus? Das scheint doch in Ihren Kreisen...oder denen Ihrer Helfer zumindest, eine völlig gängige Vorgehensweise zu sein-“ Er griff einen Aktenhefte, der noch auf dem Schreibtisch lag, blätterte darin herum, runzelte die Stirn. “500 Dollar?”, er ließ den Hefter fallen, sah den Mann schockiert an, “So viel ist das Leben eines Kindes für Sie wert? Mehr nicht?”, er ging wieder zu dem Mann zurück, “Mir tut Ihre Tochter Leid...ob die Kleine weiß, dass ihr Dad seine Seele, falls er je eine hatte, an den Teufel verkauft hat? Ob sie weiß, dass ihre Geburtstagsgeschenke durch das Leid von unschuldigen Kindern erkauft wurden? Dass ihr Dad solche perversen Schweine fördert, die Kinder mit Bonbons ködern,  vor denen sie von ihren Lehrern in der Schule immer gewarnt wurde?”
“Das reicht verdammt!”, fuhr der Mann ihn wütend an. “Das brauche ich mir nicht anzuhören...”
“Müssen Sie auch gar nicht”, der Junge schüttelte den Kopf, “Wenn Sie mir endlich eine Antwort geben. Also...denken Sie manchmal an die Kinder?”
“Sollte ich das denn?”, der Mann sah ihn herausfordernd an, “Wieso? Dort, wo sie herkommen, wären sie vermutlich längst tot oder würden sich prostituieren oder-“
“Und das, was Sie mit ihnen tun, ist besser?”, Patch sah den Mann erstaunt an, lachte dann humorlos auf, weil es einfach zu grotesk war, dass dieser Mann, der selbst Vater war, sich noch nie darum geschert hatte, dass er hauptberuflich das Leben von Kindern zerstörte und ihnen die Kindheit nahm. “Sie haben keine Ahnung, oder? Sie haben keinen Schimmer, wie es für ein es sich für ein Kind anfühlt, von gewissenlosen Monstern wie Ihnen an irgendwelche perversen Spinner ausgeliefert zu werden, oder? Sie wissen nicht, wie es ist, in einem dunklen Keller in einem fremden Land eingesperrt zu sein und zu wissen, dass sie von den Menschen, die auf Sie aufpassen sollten, für einen elenden Betrag gewissenlos verschachtert wurden”, er holte aus, schlug dem Mann mit der Faust ins Gesicht. “Wissen Sie, ich bin außer Ihnen erst einmal in meinem Leben einem Menschen begegnet, der mich wirklich von Sekunde zu Sekunde mehr anwidert. Und er war einer ihrer...Kunden.”
Der junge Mann legte den Kopf schief. “Sie haben es wirklich geschafft, Ihre Hände immer sauber zu halten und völlig die Augen vor allem zu verschließen, oder? Sie haben immer andere die....Arbeit machen lassen und-“, er schluckte, “Entschuldigen Sie, das ist einfach zu widerlich. Ich halte das einfach nicht mehr länger aus...” Er sah den Mann an, “Aber bevor ich gehe, habe ich nur noch etwas für Sie-“
Der Mann zuckte nervös mit dem Augenlid, wollte etwas sagen, doch der Junge hielt ihm den Mund zu. “Nein, Sie werden mir schön brav weiter zuhören...weil ich habe wirklich etwas für Sie...” Er nahm den Kopf des Mannes in beide Hände, sah ihm fest in die Augen. “Fühlen Sie es....?”, er sah die Bilder und Erinnerungen vor sich und wusste, dass der Mann sie genauso sah.
“Was...?”, krächzte dieser völlig panisch.
“Was das ist?”, fragte Patch, lächelte, “Nun ja...die Angst und der Schmerz von nur zwei der Kinder, denen Sie ihre Kindheit genommen haben. Einem der Jungen haben Ihre Helfer übrigens die Zunge herausgeschnitten, damit er sie nicht verraten kann”, er lächelte den Mann mit einem Mona-Lisa-haften Lächeln an, “Nett, oder?”

Der Mann antwortete nicht, sondern gab einen gurgelnden Laut von sich, verdrehte die Augen, brach schließlich in Tränen aus. “Mein Gott..”, murmelte er leise.
“Ich denke, Gott kann auch nichts mehr für Ihre verdorbene Seele tun”, erwiderte der junge Mann traurig, “Wirklich nicht. Wer Kindern völlig gewissenlos so etwas antut, der kann nur eine Kreatur der Hölle sein. Abschaum, mehr nicht.”  Er sah zum Fenster hinaus, “Ich könnte Sie jetzt töten...aber was hätte ich schon davon? Es würde alles auch nicht ungeschehen machen...statt dessen lasse ich Sie mit diesen Erinnerungen”, er griff nach dem schnurlosen Telefon, das auf dem Tisch in der Ladestation stand, “Und...na ja, ich glaube, die Polizei hat heute abend einfach zu wenig zu tun. Was halten Sie davon, wenn Sie ihnen etwas Arbeit geben würden?” Er wählte die Nummer, reichte dem Mann das Telefon. Dieser sah ihn dumm an.

“Wie wäre es mit einem Geständnis?”, meinte Patch, spielte scheinbar gedankenverloren mit dem Brieföffner, der verlassen auf dem Schreibtisch gelegen hatte. “Na los...”, er hielt die scharfe Klinge an die Schlagader des Mannes, “Erzählen Sie den netten Jungs Ihre Geschichte... sie kommen später sicher extra hier her, um sie mitzunehmen...wissen Sie, ich habe so das Gefühl, dass Sie im Gefängnis erfahren werden, wie sich diese Kinder gefühlt haben. Dort haben die so ihre Methoden...”


Während wenig später tatsächlich die Handschellen klickten, die Polizei einiges an Beweismaterial sicher stellte, stand Patch einsam auf dem Dach des Gebäudes, sah hinunter auf die Lichter der Stadt, die so ruhig und friedlich wirkten.
Um die anderen Männer, die er in den Erinnerungen der Jungen gesehen hatte, hatte er sich schon gekümmert; es waren relativ schnelle Tode gewesen, das wusste er selbst, aber es hatte ihn alles schon mehr Zeit gekostet, als er gedacht hatte - er hatte sich schon unendlich müde gefühlt, bevor ihm der letzte der Männer, der, der dem Jungen die Zunge abgeschnitten hatte und dem er eine ähnliche Behandlung hatte zugute kommen lassen, ihm vorher den Namen ihres Auftraggebers verraten hatte. Aber er wusste, dass das hier in gewisser Form auch seine Aufgabe gewesen war, jedoch eine, die er sich selbst gewählt hatte; entgegen dem Protest der Krähe hatte er einfach dagegen angekämpft, zu sterben, bevor er nicht getan hatte, was er tun musste.

Aber jetzt war es vorbei....
Seine Lider fühlten sich schwer an...so schwer...
Er war müde...

“Patch, komm her...komm zu uns”, sein jüngeres Selbst stand plötzlich direkt vor dem Abgrund, winkte ihm vertrauensvoll zu, verschwand dann wieder,  “Komm nach Hause. Wir warten auf dich...”
Er würde bald wieder zu Hause sein, bald...

Er trat langsam an den Rand des Daches heran, sah noch einmal hinab, dann breitete er die Arme aus, als wolle er fliegen und sprang. Und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich völlig frei und unbeschwert, während er mit einem Lächeln in Richtung Boden segelte, wo seine Leiche auf dem Asphalt aufschlug.  


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ich fand, dass das einfach noch sein musste...sorry für den “kleinen” Zeitraffer in diesem Kapitel, aber ich wollte mir das alles im Detail nicht antun und euch allen als Lesern auch nicht. Ich denke, es reicht, dass man weiß, was passiert ist. Es war so, als wären mir meine eigenen “schlechten” Figuren sogar zu widerlich, um über ihren Tod zu schreiben, ob ihr es glaubt oder nicht. Aber diese Szene hier... ich denke, für den Letzten in der Reihe ist das Leben mit diesem Wissen und dem Erinnerungen der Kinder in seinem Kopf schlimmer und eine angebrachtere Strafe als egal wie grausam zu sterben..  
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