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Devil in a Midnight Mass

GeschichteMystery / P18 / Gen
06.04.2008
06.05.2008
9
15.867
1
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13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.04.2008 3.140
 
Keine der hier erwähnten Figuren existiert wirklich, Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Ich habe zudem auch keinerlei Recht an „The Crow“.


@Lady of Sorrows: Ich glaube, du hast da einen sehr guten Riecher, was meine Geschichten angeht - du ahnst natürlich sehr richtig, wie es weitergeht. Gratulation^^.

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Er hatte als Kind auch immer Angst im Dunkeln gehabt, erinnerte sich der junge Mann, während er die abgetretenen Stufen der steinernen Treppe hinabstieg, die in den Keller führte.
“Es gibt nichts, vor dem du dich fürchten musst...es ist genau wie bei Tag, nur, dass jemand dabei das Licht ausgeknipst hat”, hatte seine Mutter ihn damals beruhigt, als er fast jede Nacht panische Angst davor hatte, dass sie das Licht ausmachen würde, nachdem sie ihn ins Bett gebracht hatte. “Du musst keine Angst haben....”

Er hatte die Angst vor der Dunkelheit auch überwunden...doch sie war zurückgekehrt, nachdem...
Selbst mit sechzehn Jahren hatte er nachts stets seine Nachttischlampe brennen lassen, weil er sich an die lächerliche Hoffnung klammerte, dass wenigstens das tröstliche Licht die Albträume fern halten könnte. Aber es hatte nicht geholfen.

“Habt keine Angst... ich bin ja da...”, wisperte er leise vor sich hin, während er sich seinen Weg durch die Dunkelheit tastete; er brauchte diesmal kein Licht, er kannte seinen Weg. “Habt keine Angst...ich bin bald bei euch...” Das Weinen hallte fast schon misstönend in seinen Ohren wider und er hätte sie sich am liebsten zugehalten, weil es so schmerzte, dieses hoffnungslose Schluchzen zu hören, das so schwach war, weil es so lange ungehört geblieben war. “Habt keine Angst...” Er erreichte die schwere Tür, die ihm so bekannt war...

Er zerrt an den Fesseln, doch sie lockern sich kein bisschen. Er schreit um Hilfe bis seine Stimme versagt, aber niemand hört ihn. Ihm bleiben nur die Wunden, an denen das Metall der Ketten in seine Handgelenke geschnitten hat und der Blick auf die dunkle, schwere Tür, die ihn von der Freiheit trennt...

“Sh, ich bin ja gleich da...”, die Tür war wie zu erwarten verriegelt, aber der Schlüssel hing direkt daneben an einem Haken an der Wand, so als habe der Mann nie erwartet, dass jemand überhaupt auf die Idee kommen würde, hier nach den vermissten Kindern zu suchen oder überhaupt etwas zu vermuten.
Das geformte Stück Metall drehte sich mit einem Knacksen, das wie Musik in seinen Ohren klang, im Schloss, dann drückte er die Klinke nach unten, betrat den düsteren Kellerraum.

Zuerst konnte er in der scheinbar völligen Dunkelheit, die ihn umgab, nichts erkennen, doch dann gewöhnten sich seine Augen an das mangelnde Licht und er sah zwei Augenpaare, die ihn völlig hoffnungslos anstarrten, wohl in Erwartung, dass es ihr Entführer sei, der den Raum betrat. Als ihre schon längst an die Dunkelheit gewöhnten Augen ihn erkannten, veränderte sich ihr Blick-
“Sh, ihr braucht keine Angst zu haben”, versicherte Patch leise, “Ich will euch helfen...” Er konnte die beiden Kinder noch immer nicht genau erkennen; nur ihre Augen schimmerten in dem schmalen Lichtstreifen, der durch einen Spalt in der Wand die einzige Beleuchtung des Raumes bildete, in dem er selbst ein viertel Jahr verbracht hatte, bevor der Mann ihn schließlich getötet hatte. “Alles wird wieder gut...”, wisperte er, während er versuchte, die Fesseln zu öffnen - und kam sich dabei wie ein schrecklicher Lügner vor; nichts würde so einfach wieder gut werden. Vielleicht würden die Kinder das, was hier passiert war, eines Tages vergessen können... aber dahin war es ein langer Weg, der mehr als schmerzhaft sein würde...

Aber um sie zu befreien musste er erst den verdammten Schlüssel zu diesen Handschellen finden, was jedoch mehr als schwierig war, da es in dem Raum si auf den kleinen Lichtschimmer völlig dunkel war und er zudem ständig die hoffnungsvollen, flehenden Blicke der Kinder spürte, die ihn weiter antrieben.
Seine Bewegungen waren hastig und unkontrolliert; er fühlte sich plötzlich schwach - tot. Jeder kleinste Schritt tat schon weh in seinen Muskeln...
So als ob er gerade am Sterben sei...

“Lass sie...das ist nicht deine Sache...”, hörte er das gelangweilte Krächzen der Krähe. “Sie sind nicht deine Aufgabe...ihn zu töten war das, weshalb du zurück gebracht wurdest...und du hast versagt...”
“Nein...”, der junge Mann schüttelte den Kopf, raffte sich wieder auf. “Das habe ich nicht... ich muss die beiden retten. Sie sind wichtiger als meine Rache... ich bin sowieso schon tot. Vergeltung wird mich auch nicht wieder lebendig machen”, er überlegte fieberhaft, was er tun konnte.
“Nein...aber so wirst du ewig zwischen den Welten wandeln”, erwiderte die plötzlich eisekalte Stimme in seinem Kopf.
“Whatever”, der Junge zuckte die Schultern, dann, aus einem plötzlichen Einfall heraus nahm er einfach das Stück Kette, das die beiden Metallbänder um die Handgelenke eines der Jungen miteinander verband in beide Hände, riss es auseinander. “Sh...sorry, es geht im Moment leider nicht anders....aber vorläufig wird es doch so gehen, oder?”, fragte er leise.
“Hm...”, der Junge schluchzte leise, es klang jedoch nicht traurig.
“Sh, alles wird wieder gut...”, wisperte Patch, streichelte ihm übers Haar - nur vorsichtig, weil er nicht wusste, ob der Junge es zulassen würde, dass er ihn berührte.
Der Junge gab wieder einen unartikulierten Laut von sich, doch es klang dankbar, glücklich.

“Er....er nicht sprechen”, sagte der andere Junge leise; seine Stimme klang fremdländisch mit einem melodischen Akzent darin.
“Er ist stumm?”, fragte Patch, sah den Jungen fragend an.
“Nicht immer...seine Zunge herausgeschnitten”, erwiderte der Junge völlig verängstigt.
“Mein Gott”, der junge Mann wusste nicht, was er sagen sollte. Er wusste, dass es unendlich viel Grausamkeit unter den Menschen gab, aber er hatte nie gedacht, dass jemand in der Lage wäre, so etwas einem unschuldigen Kind anzutun.
“Damit....damit er nicht sagen, wer sie... uns her gebracht”, dem Jungen fiel es offensichtlich schwer, die richtigen Worte zu finden, da es nicht seine Muttersprache war, wie es wirkte. “Bei mir...wegen mir sie keine Angst. Weil ich nicht sehen kann- ich habe gehört...wie sie reden-“
Patch begriff, auch wenn es dank seines Akzentes schwer war, den Jungen zu verstehen. “Du meinst, es waren noch andere...die euch entführt und hier her gebracht haben...?”
Der Junge nickte. “Ja.... sie haben Geld gegeben...und uns dafür mitgenommen”, er schluchzte leise, “Es waren noch andere....andere Kinder..”
Der junge Mann war wie erstarrt; er hatte gedacht, Jamies Schicksal sei schon das schlimmste, aber das hier, was der Junge ihm erzählte war so unendlich viel grausamer und unmenschlicher. Ihn überkam eine kalte Wut auf die, die den beiden Kindern und so vielen anderen das angetan hatten, die vermutlich noch immer frei herumliefen und von so kranken Perversen lebten wie dem, der ihm sein Leben gestohlen hatte.
Er durchtrennte die Handschellen des Jungen, dann nahm er das weinende Kind in den Arm - er fühlte sich so klein und zart an, doch seine Stimme verriet, dass er älter war als er wirkte, vielleicht dreizehn oder vierzehn, nahm er an. Patch wollte ihn so gerne trösten, aber er wusste auch, dass es für den Jungen keinen Trost gab, genauso wenig wie für den anderen. Ihr Leben war zerstört...

“Kannst du...könnt ihr beide laufen?”, fragte der junge Mann; die beiden Jungen nickten, soweit er das im Dunklen erkennen konnte. “Ich werde euch beide nämlich jetzt hier raus holen...”, versprach er, nahm die beiden Kinder an die Hand, die ihn unsicher folgten.
“Was tust du da?”, fragte die Krähe drohend.
“Das Richtige”, erwiderte der junge Mann.

Gemeinsam brauchten sie viel länger nach oben, als Patch normalerweise alleine gebraucht hätte, doch er selbst fühlte sich noch immer schwach, sodass er kaum schneller laufen konnte als die beiden Jungen.
Das Licht, das sie nun oben zurück im Flur umgab, schien im Vergleich zu der Düsternis des Kellers gleißend hell und brannte in den Augen, aber dennoch, es kaum dem jungen Mann als eines der schönsten Dinge vor, die er je gesehen hatte.
“Ihr braucht jetzt keine Angst mehr zu haben...”, versicherte der den Jungen, von denen der eine geblendet von der Helligkeit blinzelte. Er sah Patch mit großen mandelförmigen Augen an und sein Blick war so voller Dankbarkeit, dass es den jungen Mann fast zum Weinen gebracht hätte.
“Danke...”, sagte der andere Junge, der ebenfalls asiatisch wirkte, drehte seinen Kopf instinktiv in Patchs Richtung, seine blinden Augen begegneten toten, die von dunkler Schminke umgeben waren. Der junge Mann wusste nicht, was er erwidern sollte, drückte statt dessen die Hand des Jungen.
“Ich wünschte, ich hätte euch das alles ersparen können, nicht nur einen Teil...”, sagte er leise.

“Warum tust du das, du dummer Junge?”, fragte die Krähe.
“Das verstehst du nicht”, erwiderte der Junge. Wie sollte man jemandem, der nie geliebt hatte Liebe beschreiben?

Die Seelen der Kinder waren noch immer dort, wo Patch sie zurück gelassen hatte, um die beiden Jungen aus ihrem Gefängnis zu befreien. Sie standen in einem engen Kreis, so als suchten sie gleichzeitig auch die Nähe zueinander, um sich Kraft zu geben.
Als sie ihn kommen hörten, wandten sie die Köpfe, sahen ihn fragend an.

“Sie brauchen jetzt keine Angst mehr im Dunkeln zu haben”, sagte Patch sanft, hielt weiter die Hände der beiden Jungen fest, woraufhin der kleine Junge, der vorhin zu ihm gesprochen hatte, ihm ein Lächeln schenkte. “Aber ihr auch nicht...”
Er ließ die beiden Jungen los, trat auf die Kinder zu. “Ihr habt es noch nicht vollendet?”, fragte er erstaunt.
“Nein...”, der knapp elfjährige Patch schüttelte den Kopf, “Wir haben auf dich gewartet.”
Der ältere lächelte. Die Krähe gab ein zustimmendes, aber auch leicht ungeduldiges Krächzen von sich. Sie war schließlich schon ungehalten genug.
“Er ist schwach....sehr schwach”, sagte der kleine Patch, “Aber er ist noch am Leben...”
Der ältere nickte, trat dann langsam auf den Mann zu, der halb ohnmächtig am Boden lag.
“Ihr habt auf mich gewartet...”, murmelte Patch, kniete sich dann neben den Mann, “Ich glaube, es fehlt nur noch eine Kleinigkeit...” Er sah die beiden Jungen an, die er mit nach oben gebracht hatte. “Nur noch etwas...” Er gedeutete ihnen, näher zu kommen, wartete, bis sie ihn erreicht hatten, dann ergriff er ihre Hände. “Du hattest nie eine Ahnung, wie es ist, ein Kind zu sein und Angst zu haben, oder?”, der Mann gab einen undeutlichen Laut von sich, doch Patch wartete eine Antwort gar nicht ab. Er nahm die Hände des stummen Jungen...und sofort rauschte eine Flut an Erinnerungen auf ihn ein, so intensiv, dass er sie kaum ertragen konnte...

Der Junge steht hinter einer Tür, die für einen Spalt weit geöffnet ist, verfolgt dadurch, wie ein älterer Mann mit zwei westlich aussehenden Männern verhandelt. Der asiatische Mann schüttelt den Kopf, doch die beiden Männer geben so einfach nicht auf. Sie reden weiter auf ihn ein; schließlich legt einer ein paar Geldscheine auf den Tisch - den Gegenwert eines Paares neuer Turnschuhe in einem westlichen Land. Der asiatische Mann ruft nach dem Jungen, der mittlerweile vor Angst zittert. Als er nicht reagiert, zerrt der Mann ihn am Arm herbei, schubst ihn hinüber zu dem beiden Fremden.
“Du gehst mit ihnen”, sagt er...

Er sitzt in einem kahlen Zimmer, das nur von einer nackten Glühbirne beleuchtet wird. Mehrere Männer stehen um ihn herum, reden in einer Sprache auf ihn ein, die er nicht versteht. Englisch, wie Patch erkennt. Der Junge sieht sie nur ängstlich an, zittert aus Furcht vor den Männern, die einen bedrohlichen Eindruck machen.
“Du...komm her”, sagt einer von ihnen gebrochen in der Muttersprache des Jungen. Es interessiert ihn nicht, wie der Junge heißt, er ist schließlich nicht mehr als eine Ware für ihn. Ein Stück Fleisch.
Als es dem Mann nicht schnell genug geht, zerrt er den völlig verschüchterten Jungen einfach hinter sich her.
“Du...uns...erkennen?”, fragt der Mann ihn wieder mit diesem seltsamen Akzent. Der Junge schüttelt hastig den Kopf, weil er sehr genau weiß, worauf der Mann hinaus will. Es geht hier um sein Leben, daher schüttelt er den Kopf.
“Der Kleine lügt doch wie gedruckt”, wirft einer der Männer ein, “Diese Bälger sind doch alle gleich...wenn er abhaut, wird er uns verpfeifen....”
“Wird er nicht, Jack”, erwidert ein anderer, “Mach dir nicht gleich in die Hosen, er wird nicht abhauen...und selbst wenn”, er überlegt einen Moment, zückt dann ein Messer, “Er wird nicht reden...”

Schmerz, Angst, das ist mittlerweile alles, was der Junge noch kennt. Er ist von so vielen zum nächsten gereicht worden, dass er mittlerweile zu zählen aufgehört hat. Er nimmt kaum noch etwas wahr, versucht, sich abzuhärten und seine Seele zu verbarrikadieren...aber es tut jedes Mal weh.

Sie haben ihm alles genommen. Außer seine Träume, die er fast jede Nacht hat, wenn er nicht gerade von all dem träumt, was ihm widerfahren ist...
Dann sieht er einen Mann - es ist eigentlich noch nicht wirklich ein Mann, eher fast noch ein Junge. Er sieht nie sein Gesicht, da er sich in den Schatten zu verstecken scheint, die ihn umgeben. Er erscheint jedesmal in anderer Gestalt, aber er erkennt ihn doch wieder...an der Krähe, die ihn begleitet...

“Du wusstest, dass ich kommen würde?”, fragte Patch den Jungen, der den Kopf schief legte, ihn fragend ansah. Der junge Mann überlegte, soweit das möglich war bei den Schmerz, den er fühlte, seit die Erinnerungen des Jungen auf ihn übergegangen waren. Dann zeigte er erst auf sich, machte eine Geste, als schlafe er und deutete dann auf den Jungen, machte einen fragenden Gesichtsausdruck. Das Gesicht des Jungen hellte sich auf, er überlegte einen Moment, dann nickte er, gab einen zustimmenden Laut von sich. Er legte eine Hand vor sein Herz, berührte dann mit der Hand Patchs Brustbein auf ungefähr der selben Höhe. Dann umarmte er den jungen Mann.
“Sh, ich bin ja da...”, sagte er leise, streichelte dem Jungen übers Haar, wobei es ihm schwer fiel, nicht einfach weinen über der Last des Schmerzes, der durch seinen Körper floss, zusammen zu brechen.

Dann nahm er die Hände des anderen Junge. Was er fühlte, war ähnlich wie bei den anderen Junge, wobei die Erinnerungen diesmal nur aus Stimmen, Geräuschen und Gefühlen bestanden, da der Junge nicht sehen konnte. Aber trotzdem war der Eindruck ebenso stark und schmerzhaft, wenn nicht sogar noch schlimmer, weil er nicht sah, was mit ihm geschah, wer ihm das antat, sondern nur den Schmerz, die Angst und die Demütigung fühlte.

Fremde Stimmen, deren Sprache er nicht verstehen kann, schreien auf ihn ein, ein Schlag trifft ihn im Gesicht, als er nicht antwortet.
Aber er versteht doch nicht, was sie von ihm wollen...
Dann eine Stimme in seiner Muttersprache. “Du...mitkommen.” Er folgt unsicher, auch wenn er nicht weißt, wohin er geht; aber er fühlt, dass er keine andere Wahl hat.


Er hört das Weinen eines Kindes...
“Kann dieses blöde Balg nicht endlich aufhören zu flennen? Das treibt mich noch in den Wahnsinn.”
“Jesus, Gary, du hast ihm gerade die Zunge herausgeschnitten....”, der andere Mann klingt unsicher, angewidert und auch etwas ängstlich.
“Na und? Ich hatte gehofft, dass das den kleinen Bastard wenigstens zum Schweigen bringen würde...verdammt”, er seufzte, “Das ganze Blut ist ja eine höllische Sauerei...aber wir müssen sie ja nicht weg machen....he, was ist mit ihm?” Der Junge spürt instinktiv, dass er wohl auf ihn zeigt oder zumindest ihn meint. “Was ist mit seinen Augen.”
“Er ist blind...”, sagt jemand.
“Na wunderbar...”, der andere Mann klingt verärgert, “Bringt sicher weniger Geld...verdammt. Na ja, bringt ihn einfach zu dem anderen.” Er wird derb auf den Boden geschubst, fällt, fühlt etwas weiches, menschliches neben sich, das vor Angst zittert und leise schluchzt. Der andere Junge, von dem sie gesprochen haben müssen  - er hat nicht ganz verstanden, was sie gesagt haben, aber er weiß, dass sie ihm etwas Schreckliches angetan haben, so viel hat er mitbekommen.
“Nicht weinen, ich werde auf dich aufpassen”, wispert er in seiner Muttersprache, sodass die Männer es nicht hören können, wie er glaubt, legt den Arm um den anderen Junge, der sich dankbar an ihn kuschelt.
“Was hat der verdammte kleine Bastard gerade gesagt?”, fragt einer der Männer; jemand übersetzt es ihm, was ihn zum Lachen bringt. “Wirklich niedlich...man mag sie gar nicht mehr trennen...vielleicht werden wir sie ja zusammen los.”
Patch zitterte vor Schmerzen; es fiel ihm schwer überhaupt noch die Hand zu heben und dem blinden Jungen über den Kopf zu streicheln. “Du bist unheimlich tapfer...”, sagt er zu ihm, zieht ihn dann spontan auch in die Arme, “Weißt du das? Du bist ein richtiger Held.”
“Nein”, der Junge schüttelt traurig den Kopf, “Ich hätte ihn mehr beschützen sollen...vor dem bösen Mann-“

Er versucht, den anderen Jungen zu beschützen, doch, er kann nicht. Seine Hände sind gefesselt, so wie der Rest seines Körpers. Er ihn weinen, aber er kann nicht zu ihm. Dann hört er Ihn sprechen; er sagt etwas in der fremden Sprache seines Landes, die er nur bruchstückhaft versteht. Er sagt es in so einem seltsamen, zuckersüßen Tonfall, der dem Jungen Übelkeit bereitet.
Aber er kann nichts tun...
Gar nichts...
Auch, wenn er sich an ihm vergreift.

Nachts, wenn die Albträume kommen, hört er den anderen Jungen im Schlaf schreien, weinen. Er selbst setzt sich auf, kriecht ein Stück hinüber, soweit es seine Ketten erlauben, ruft leise nach dem anderen Jungen, tastet nach ihm, bis er seine ebenfalls gefesselte Hand fühlen kann, ergreift sie.
“Ich bin bei dir... alles wird wieder gut werden...”, sagt er.

“Du hast alles getan, was du konntest”, erwiderte der junge Mann, empfand dabei mehr als nur Bewunderung für den Jungen, der höchstens dreizehn Jahre alt sein mochte, vielleicht sogar jünger war und doch so tapfer gewesen war und auf den anderen aufgepasst hatte, der sein Schicksal teilte. “Du bist ein Held...” Er ließ ihn los, ging dann wieder zu dem Mann zurück, der noch immer krampfend auf dem Boden lag, die Augen völlig verdreht hatte.
“Ich habe noch etwas für dich...ein Geschenk”, er beugte sich hinunter, nahm die Hände des Mannes und ließ die ganzen Bilder, die er eben hatte ertragen müssen, auf den Mann übergehen, der daraufhin vor Schmerz aufschrie. “Schön, nicht wahr?”, fragte Patch, dann überlegte er einen Moment, verstärkte seinen Griff, dachte an all die Angst und die Schmerzen, die er selbst hatte erdulden müssen, bevor er gestorben war.  “Und das hier...das ist von mir...” Der Mann gab einen gurgelnden Laut von sich, seine Brust hob sich noch einmal, dann erstarrte er, gab kein Lebenszeichen mehr von sich.

Die Krähe krächzte zustimmend, doch Patch schüttelte den Kopf. “Es ist noch nicht vorbei...”
“Doch, das ist es...das war, wofür du zurück gebracht wurdest-“
“Nein....”, bekräftigte der junge Mann erneut, “Es gibt noch etwas, das ich tun muss...”


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ich rede mir gerne ein, dass es ja immerhin bisher...nun, ehm, gut ausgegangen ist, aber es fällt mir wirklich schwer, mich für dieses Kapitel nicht zu hassen, das voller reichlich kranker Ideen ist. Aber, leider passieren solche Dinge wirklich...  
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