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Devil in a Midnight Mass

GeschichteMystery / P18 / Gen
06.04.2008
06.05.2008
9
15.867
1
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13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.04.2008 2.919
 
Keine der hier erwähnten Figuren existiert wirklich, Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Ich habe zudem auch keinerlei Recht an „The Crow“.


@Lady of Sorrows: Ganz viele Reviews, extra für mich^^. Dankeschön. Und Jamie... ich glaube, seine Albträume sind das schlimmste, was ihm droht.

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Es war schon spät, aber der Mann fand einfach keinen Schlaf - er hatte erst gar nicht den Versuch unternommen; heute würde etwas Entscheidendes passieren, das ahnte er - wobei er sich keinen Reim auf diese Emotion machen konnte. Es war halb zwölf abends, was sollte da schon passieren?
Was?
Rein gar nichts, lautete die Antwort. Er kannte noch nicht einmal jemanden, der um diese Zeit noch wach war, weshalb es ihn auch verwunderte, als er ein leises Klopfen an der Tür vernahm. Es war ansonsten völlig leise im Haus, sodass er manchmal fast den Eindruck hatte, schon sein eigenes Atmen hören zu können. Vielleicht wurde er ja langsam wahnsinnig und hatte sich das Klopfen nur eingebildet, nahm er an, als er vorsichtig die Türe öffnete, dort jedoch niemand stand.

“Seltsam”, murmelte er, rieb sich die Augen, “Ganz seltsam...” Eigentlich kannte er nämlich überhaupt niemanden, der ihn hier hätte aufsuchen können; er hatte weiters keine Freunde, Arbeitskollegen waren Menschen, die er tagsüber sah und nichts weiter - und eine Familie hatte er nicht.

Er schloss die Tür wieder hinter sich, ging zurück ins Haus - er erstarrte, als er den dunklen Schatten am Ende des Flures sah.

“Wieso seltsam?”, der junge Mann schüttelte erstaunt den Kopf, “Wieso sollte es seltsam sein, an die Tür zu klopfen, bevor man herein kommt?”
“Ich habe dich nicht hereingebeten”, erwiderte der Mann, sah ihn schockiert an - er erkannte ihn nicht gleich wieder, dennoch, etwas an dem Jungen kam ihm bekannt vor.
“So lange wollte ich auch nicht warten”, der Junge kam näher, strich sich eine zerzauste dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht und sah den Mann abwartend aus dunkel geschminkten Mona-Lisa-Augen an. “Erkennst du mich?”
“Nein”, der Mann zuckte die Schultern. “Woher sollte ich-?”
“Ich weiß, nicht dein Typ”, der junge Mann sah ihm fest in die Augen, “Nicht jung genug, nicht wahr?” Er machte langsam Schritte, so als müsse er immer überlegen, ob er wirklich näher kommen sollte, “Weißt du... ich würde dir gerne eine Geschichte erzählen. Sie handelt von einem kleinen Junge...”, er lächelte, jedoch nicht zu dem Mann hin, “Er war eigentlich ein Junge wie viele andere, sodass es sich gar nicht wirklich lohnen würde, über ihn zu erzählen, weil es jeder sein könnte...aber eines Tages, eines Tages traf er auf jemanden, der sein Leben verändern sollte. Und dieser jemand war ein Dieb”, er sah den Mann ernst an, “Er war kein gewöhnlicher Dieb, die sich mit einem Gegenstand zufrieden geben, sondern er war gierig...und wollte immer mehr. Erst stahl er dem Jungen nur sein Lächeln, dann seine Kindheit - und schließlich hatte er ihm jegliche Lebensfreude genommen. Das Herz des Jungen verkümmerte, fror ein und...er starb. Aber-“, er lächelte, “Er war nicht wirklich tot. Denn, Eis kann man schließlich wieder auftauen...”

“Was soll das?”, die Hand des Mannes zitterte leicht, als er auf den Jungen zeigte, “Verschwinde, sonst rufe ich die Polizei.”
“Sicher doch...”, spottete der Junge, “Aber ich will vorher zumindest noch meine Geschichte beenden, bevor die Bullen herkommen und herausfinden, was du all den Jungen angetan hast...” Er schob die störrische Haarsträhne wieder beiseite, “Also... Wie gesagt, das Eis seines Herzens begann tatsächlich Jahre später wieder etwas zu tauen, als er einen wirklichen Freund fand - ein kleiner Junge, an Alter wesentlich jünger als er, aber dennoch... er liebte ihn wie einen Bruder und hätte alles für ihn getan. Doch dann...eines Tages war das Lächeln seines Freundes verschwunden...der Dieb war wieder da gewesen. Aber”, er stand nun unmittelbar vor dem Mann, der abwehrend eine Hand erhoben hatte, obwohl der junge Mann keinen Versuch unternommen hatte, ihn zu bedrohen, “Aber diesmal wollte er dafür sorgen, dass ein für alle Mal Schluss war... dass der Dieb nie wieder einem Kind etwas stehlen konnte. Und genau deshalb stehe ich hier. Exakt hier, wo du mir damals mein Lächeln gestohlen hast-“ Er ergriff die Hand des Mannes, bevor dieser reagieren konnte, “Meines fordere ich gar nicht zurück...aber Jamies”, er betrachtete die Hand des Mannes gedankenversunken, dann bog er einen Finger um, bis ein hässliches Knacksen ertönte, “Du hast doch noch nicht einmal einen Schimmer, was du ihm angetan hast, du kranker Bastard, oder?”
Der Mann antwortete nicht, sondern wimmerte leise vor Schmerzen. “Was willst du von mir?”, brachte er hervor, sah den Jungen zornig an, doch es war eindeutig auch Wut, die in seinen Augen glitzerte, “Was-?” Das Wort blieb ihm im Hals stecken, als er erkannte, wer da vor ihm stand.

Er kannte ihn.
Sogar sehr gut..

“Hab keine Angst...du bist zurück gekommen, mein Engel. Dafür bin ich dir dankbar”, flüstert er dem bewusstlosen Jungen zu, küsst ihn vorsichtig auf den Mund, der sich so unschuldig, kindlich anfühlt, auch wenn er vorhin so erwachsene Worte geäußert hat. “Du bist so schön...weißt du das?”
Die Augenlider des Jungen flattern, er öffnet mühevoll die Augen, sieht den Mann mit einem so seltsamen Blick an. “Nein...”, bittet er mühevoll, doch der Mann schüttelt nur den Kopf.
“Du warst leider gar nicht artig...und dafür muss ich dich bestrafen”, er streichelt über das Haar des Jungen, der vor Schmerz zusammenzuckt, als der Mann den Rand der Platzwunde berührt, die durch den heftigen Schlag auf den Kopf, den dieser ihm vorhin versetzt hat, verursacht wurde.
“Es macht mir keinen Spaß, dir weh zu tun...du bist eigentlich viel zu schön dazu...” Er seufzt, “Aber so schön du auch bist, mein Engel... “, er holt aus, gibt dem Jungen eine Ohrfeige, “Vergiss nicht, gibt auch schöne Huren...”, wispert er ihm dann ins Ohr...

“Was ich will?”, der junge Mann lachte trocken, “Was wohl?” Er beugte sich etwas vor, “Eine Reise nach Hawaii? Einen Satz Steakmesser? Oder einfach nur Rache?.. ich denke...”, er bog einen weiteren Finger des Mannes um, “Also ein paar Tipp gebe ich dir - Hawaii ist es nicht... und ich esse kein Fleisch.” Er sah auf die Hand des Mannes, “Tut das weh?”
“Was denkst du denn?”, der Mann bebte vor Wut, “Es tut höllisch weh, du kleiner Bastard...”
“Ich muss mich wirklich sehr wundern”, der Junge schüttelte den Kopf, “Wie man so kalt und gefühllos gegenüber anderen Wesen sein kann, aber dann selbst-“
“Ich bin nicht gefühllos, verdammt”, fiel ihm der Mann ins Wort. “Ich wollte dir nicht-“
“Ja, du wolltest mir nicht weh tun, sicher doch”, der Junge lachte höhnisch. “Und gleich wirst du noch behaupten, es hätte mir doch auch Spaß gemacht”, er sah den Mann drohend an. “Hast du eigentlich eine verdammte Ahnung, wie es ist, ein Kind zu sein und Angst zu haben?”, fuhr er ihn an, “Nein, oder? Du weißt nicht, wie es ist, jede Nacht vor Albträumen nicht einschlafen zu können und sich vor sich selbst zu ekeln, oder?”, er schob den Ärmel seines Shirts hoch, sodass die unzähligen Narben sichtbar wurden, “Glaubst du, das hätte nicht weh getan?”
“Das warst aber du, nicht ich-“
“Irrtum”, der Junge zog die Augenbrauen zusammen, runzelte die Stirn, “In gewisser Form...” Er zuckte die Schultern, “Aber hier geht es nicht um mich...”
“Ach nein?”, der Mann lachte trocken, obwohl er offensichtlich kaum dazu in der Lage war, da seine Hand einfach zu sehr schmerzte. “Ich kenne deine Sorte zu genüge...du willst nur eine Show aus allem-“ er verstummte, weil der Junge ihm entschlossen den Mund zuhielt.
“So, dann halt anders. Bisher bin ich noch nett gewesen”, erklärte er, “Aber ich werde das wohl ändern müssen...ich will, dass du mir zuhörst. Und mir eine Frage beantwortest”, er kam noch näher, “Also, weißt du, wie es ist, ein Kind zu sein und Angst zu haben?”
“Hmpf”, der Mann wollte etwas sagen, doch der Junge ließ ihn erst gar nicht reden.
“Oh nein, das weißt du nicht. Du hast nicht den Schimmer einer Ahnung. Du begreifst doch noch nicht einmal-“

Nachts sieht er in seinen Träumen nie Wesen, sondern immer nur dunkle Schatten, die immer näher kommen - bis er schreiend und schweißgebadet aufwacht und erkennt, dass es nur ein Traum war. Doch trotzdem rast sein Herz vor Angst...

“Sh, was hast du denn?”, seine Mutter sitzt an seiner Bettkante; er hat sie gar nicht bemerkt, aber sie wirkt wirklich besorgt. “Alles ist doch gut...du brauchst keine Angst zu haben...” Sie will ihn umarmen, doch etwas in ihm sträubt sich gegen diese Zärtlichkeit; er will nicht, dass sie ihn anfasst, weil er so...schmutzig ist, obwohl er sich nach Zuneigung und menschlicher Nähe sehnt.

“Dann nicht...”, seine Mutter zuckt die Schultern, doch sie wirkt verletzt. “Sag mir doch wenigstens, was los ist...”, sie legt vorsichtig den Arm um ihn, was er für einen Moment zulässt. “Du zitterst ja vor Angst-“
Er würde ihr so gerne alles sagen, aber er hat zu große Angst.
Nicht vor ihm, sondern...dass sie ihn hassen wird. Dass sie angewidert sein wird, wenn sie erfährt, was er hat mit sich machen lassen.
Und er will ihr nicht weh tun...
Er will nicht, dass sie sich Sorgen macht...

“Nein”, sagt er leise, das, was er eigentlich hätte sagen sollen, als er ihn zum ersten Mal berührt hat.
Aber er war zu schwach und hatte zu große Angst.
Genau wie jetzt.
Er kann es ihr nicht sagen.
“Du kannst jederzeit mit mir reden, Schatz”, sie streichelt ihm übers Haar, “Ich wüsste so gerne, was mit dir los ist...” Sie steht auf, gibt ihm einen flüchtigen Gute-Nacht- Kuss...

Als sie das Zimmer verlassen hat, ihn wieder die Dunkelheit von vorhin umgibt, kann er einfach nicht anders, als zu weinen. Weil er sich so einsam fühlt.
Und weil er Angst hat.
Angst vor Morgen.
Wie vor jedem Tag...

Der Mann zuckte zurück, als er alle den Schmerz spürte, der mit dieser Erinnerung des Jungen verbunden war.
Es waren nicht seine Gedanken, dennoch, er spürte den Schmerz genauso, wie ihn dieses Wesen gespürt haben musste, das nun vor ihm stand und ihn mit diesem seltsamen Schattenlächeln ansah.
Es war ein Schmerz, wie er ihn noch nie gefühlt hatte, schlimmer als alles Körperliche, das ihm je widerfahren war.  

“Fühlt sich gut an, oder?”, fragte der Junge mit höhnischer Stimme. “Aber mach dir keine Sorgen...”, er berührte mit den Händen die Wangenknochen des Mannes, der vor Schock noch immer wie gelähmt war. “Warte...fühlst du es schon?”
“Was?...”, der Mann sah ihn erstaunt an, doch dann verzog er das Gesicht vor Schmerz, schrie gequält auf.
“Ganz genau das”, der Junge lächelte nur.
“Was ist das?”, keuchte der Mann unter schrecklichen Schmerzen.
“Ach, nichts, was dir je von Bedeutung war”, der Junge machte eine wegwerfende Handbewegung, “Nur die Angst und Schmerzen all der Kinder, denen du je weh getan hast...”

Der Mann zuckte zurück; sein Gesicht war eine Grimasse des Schreckens und des Schmerzes, doch der Junge ließ ihn nicht los, auch wenn es ihm selbst weh tat, da er alles genauso fühlte wie dieser. Aber er musste es ertragen.. Diesmal konnte er stark sein.
Für Jamie.
Und für all die anderen...

“Bitte...”, flehte der Mann, doch der Junge schüttelte den Kopf.
“Nein..”, das war alles, was er sagte, während der Mann sich die Hände vor die Augen hielt, sich die Haare raufte, nur, um den Schmerz irgendwie zu betäuben, sich davon abzulenken, was ihm jedoch nicht gelang.
Die Stimmen der Kinder waren lauter.
Und ihre Schreie...

“Nein...bitte...”, er grub seine Fingernägel in die Handballen, wimmerte leise vor sich hin, was jedoch keine Wirkung zeigte. “Bitte...” Er fiel auf die Knie, schlug dann wieder die Hände vors Gesicht. “Ich halt das nicht mehr aus...”, er vergrub die Fingernägel in den Augen, wobei schon nach kurzer Zeit Blut wie Tränen seine Wangen hinab floss. Dabei gab er leise schluchzende Laute von sich. “Bitte...”, flehte er, doch der Junge schüttelte den Kopf.
“Ihre Bitten hast du auch nicht angehört...”

Der Mann sagte nichts mehr, sondern wand sich unter Schmerzen, die die Visionen bei ihm verursachten, wimmerte dabei nur stumm vor sich hin.

“Bitte, gib mir doch Gnade...”, winselte der Mann mit letzter Kraft, erhob seine blutverschmierten Hände bettelnd.
“Nein”, der Junge schüttelte den Kopf, “Das kann wenn dann nur Gott, nicht ich.” Er legte seine Hand auf die Stirn des Mannes, hielt ihn einfach fest, während sich dieser hin und her wand, undeutliche Schreie von sich gab.

“Du fühlst es, oder?”, fragte der Junge, “Du kannst sie jetzt auch hören, oder? Und weißt du, was sie wollen?”, der Mann schüttelte im Todeskampf den Kopf, sah den Jungen angsterfüllt aus blutunterlaufenen Augen an. “Gut, dann werde ich es dir erklären...”, der Junge lächelte fein, “Vergeltung. Vergeltung für das, was du ihnen angetan hast.”
“Ich habe sie geliebt”, würgte der Mann mühsam hervor, “Sie waren doch alle meine kleinen Engel-“
“Du hast ihnen ihre Kindheit gestohlen”, der Junge schüttelte den Kopf, “Du hast ihnen die Chance auf ein normales Leben ohne Angst und Albträume genommen...” Seine kühlen Finger fühlten sich angenehm auf der Stirn des Mannes an, der jedoch noch immer vor Furcht zitterte. “Mir hast du die Chance darauf genommen, je erwachsen zu werden.” Seine Hände schlossen sich um die Kehle des Mannes, begannen, ihm die Luft abzudrücken...

“Nein...”, erstaunt drehte der junge Mann sich um, sah in die dunklen, fragenden Augen eines kleinen Jungens. Er  mochte vielleicht zehn sein, oder auch elf Jahre alt, aber definitiv noch prä-pubertär, mehr Kind als Jugendlicher - dennoch, er hatte etwas Ernsthaftes an sich, das ihn älter und reifer wirken ließ.

Der junge Mann kannte den Jungen...er kannte ihn sogar sehr gut.
Denn, der kleine Junge war er selbst....

“Aber...wieso..?”, der junge Mann sah sein sieben Jahre jüngeres Ebenbild fragend an. “Ist das nicht, was du willst?”
Der kleine Junge schüttelte den Kopf, “Weil... du hast schon so viel getan, Patch...das hier ist jetzt unsere Aufgabe.” Der junge Mann verfolgte verblüfft, wie immer mehr Silhouetten von Kindern neben seinem jüngeren Selbst auftauchten- das älteste war ein androgyn wirkender Junge von vielleicht vierzehn, das jüngste war schätzungsweise gerade im Grundschulalter.
Der junge Mann ging in die Hocke, sodass er dem kleinen Jungen in die Augen sehen konnte.
“Wer seid ihr?”, fragte er.
“Du kennst die Antwort doch, oder?”, sein jüngeres Selbst lächelte nicht, wirkte nur ernst und traurig - aber auch entschlossen, wie er sich nie erinnern konnte, als Kind gewesen zu sein.
Patch nickte. Sie waren die kindlichen Seelen aller, die seine Opfer geworden waren; selbst, wenn sie entkommen waren, was ihm nicht gelungen war, so waren ihre Erinnerungen doch hier in diesem Haus zurück geblieben. Er hatte sie damals schon gespürt, als er hier im Keller gefangen gewesen war, bevor der Mann ihn getötet hatte. Und jetzt waren sie gekommen, um Vergeltung zu üben für das, was man ihnen angetan hatte.
Sie waren gekommen, um ihre gestohlene Kindheit wieder einzufordern.

Der junge Mann nickte, trat einen Schritt zurück. Er verfolgte, wie die Kinder langsam, ohne Eile und alle völlig ernst und ohne ein Lächeln an ihm vorbei gingen, auf den Mann zu, der vor Angst zitternd auf dem Boden kauerte, bildeten einen Kreis um ihn und sahen ihn einfach wortlos an; doch ihre Blicke sagten alles, angefangen von namenloser Angst über Trauer und Depressionen bis hin zu mörderischer Wut.

“He...”, der junge Mann fühlte sich seltsam in dieser Situation, “Aber...ist das nicht eigentlich, weshalb ich zurück geholt wurde?”
Die Krähe krächzte zustimmend, funkelte die Kinder wütend an, doch diese sahen plötzlich noch niedergeschlagener aus.
“Bitte....rette du die, die noch nicht verloren sind”, bat sein jüngeres Selbst, sah ihn kindlich unschuldig an, “Bitte...”
“Aber-“
“Hörst du sie denn nicht?”, fragte ein Junge mit lockigem Haar und Sommersprossen, der tiefe dunkle Ringe unter den Augen hatte. Ein kleinerer Junge, der wie ein noch jüngeres Pendant von ihm wirkte - offensichtlich waren sie Brüder - hielt die ganze Zeit die Hand des Älteren, so als suche er Trost bei ihm inmitten all dessen, was ihnen widerfahren war. “Sie rufen doch ganz laut”, fiel er schüchtern ein.
Der junge Mann schüttelte den Kopf, doch dann vernahm er etwas. Es war nur leise, dennoch, es klang wie ein Weinen.
Ein menschliches Weinen - das eines Kindes...

“Bitte...”, flehte sein jüngeres Selbst.
“Ja....”, Patch nickte.
“Sie brauchen deine Hilfe...”, der Ältere der beiden Geschwister sah ihn bittend an.
“Aber wie soll ich ihnen helfen?”, der junge Mann wusste selbst, dass er etwas tun musste, weil das Weinen so hoffnungslos und verängstigt klang.
“Sie haben Angst im Dunkeln”, sagte der kleinere Junge schüchtern, kuschelte sich an die Schulter seines Bruders.
Der junge Mann nickte; er wusste plötzlich, was zu tun war. “Keine Angst, Kleiner”, versicherte er, “Sie können bald wieder zu ihrer Mommy...” Er lächelte den kleinen Jungen an, der ihm ein sanftes, schüchternes Lächeln zurück gab; es war das erste Mal, das einer der Geister Emotionen zeigte ab von Angst oder Wut.
“Ja....”, der Kleine umklammerte fest die Hand seines Bruders. “Sie sind so alleine...”
“Ich weiß...”, der junge Mann warf noch einen letzten Blick auf die Kinder, die den Mann, der mittlerweile halb ohnmächtig war vor Angst, immer stärker einkreisten.
“Ihr wart doch alle meine kleinen Engel...”, wisperte der Mann, dann verdeckten die Kinder dem jungen Mann die Sicht auf das, was passierte. Aber er wollte es auch nicht sehen; er wusste, dass sie das Richtige tun würden. Er hatte eine andere Aufgabe...



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ein relativ langes Kapitel..aber ich wollte das nicht trennen; es gab keinen passenden logischen Einschnitt.
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