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Devil in a Midnight Mass

GeschichteMystery / P18 / Gen
06.04.2008
06.05.2008
9
15.867
1
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13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.04.2008 1.492
 
Keine der hier erwähnten Figuren existiert wirklich, Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Ich habe zudem auch keinerlei Recht an „The Crow“.




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“Erkennst du mich wieder?”, das ist alles, was der Junge sagt, der an dem Abend vor einem halben Jahr einfach an der Tür des Mannes aufgetaucht ist.

Das hatte ihn völlig überrascht, vor allem, weil er keinen blassen Schimmer hatte. Gut, er hatte ihn möglicherweise schon einmal gesehen, ausschließen wollte er es nicht, aber dennoch nicht bewusst.

“Nein...wie denn auch?”, der Junge streicht sich sein seltsam punkartig verschnittenes Haar aus dem Gesicht, “Ich bin jetzt ja auch ein großer Junge, nicht wahr?” Er sieht ihm in die Augen -unter der Schicht von Schminke, die sie umrandet, sind sie dunkel und traurig. Aber auch voller Wut, einer Wut, die dem Mann Angst macht. Er kann den Jungen nicht genau einordnen, doch, irgendwie kommt er ihm bekannt vor.
“Wer bist du?”, fragt der Mann verwirrt, “Und was willst du von mir?”
Der Junge sieht ihn hasserfüllt an. “Antworten...”, er beugt sich vor, “Warum hasst du ihnen das angetan, all den Jungen? Warum, du verdammter Bastard? Macht es dir Spaß, das Leben von Kindern zu zerstören und-“
Der Mann sah sich ängstlich um; es war niemand auf der Straße, der sie beide hören konnte; Zeugen waren das letzte, was er gebrauchen konnte.

“Ich hatte so viele Jahre lang Albträume...erst vor kurzem haben sie aufgehört....aber jetzt sind sie wieder da”, stieß der Junge hervor. “Weißt du eigentlich, wie es ist, ein Kind zu sein und Angst zu haben?”
“Was redest du denn da für einen Unsinn, Junge?”, der Mann versuchte, gelassen zu bleiben, “Hast du Drogen genommen? Weil du bist eindeutig-“
“Ja...hab ich, aber nicht jetzt”, der Junge lachte ein trauriges, heiseres Lachen, “Aber sie haben leider nie geholfen, die Erinnerungen verschwinden zu lassen...”

Er hatte den Jungen gekannt, da war er sich ziemlich sicher; diese Augen waren einfach zu bekannt und auch die Form des Mundes, der noch immer kindlich gewirkt hatte, auch wenn er Junge mittlerweile längst ein Teenager war, vielleicht sogar schon älter - er war schlecht einzuordnen und es war schon so viel Zeit vergangen.
Aber er hatte ihn doch wieder erkannt, auch wenn er etwas erschrocken darüber gewesen war, wie er sich verändert hatte.
Er war so ein niedliches Kind gewesen, dass er einfach nicht anders gekonnt hatte...
Und jetzt...der Junge war blass gewesen, sein Haar war halb ausrasiert und sein Gesicht war von Schminke überdeckt gewesen, sodass es fast schon grotesk gewirkt hatte. Und er war erwachsen geworden...
Doch seine Augen waren noch immer die großen Dunklen des Kindes gewesen - und das war seine Schwachstelle, an der der Mann erkannt hatte, dass der Junge noch genauso verletzlich war wie früher.
Gottverdammt, er hatte ihm nicht weh tun wollen, er hatte ihn nicht....töten wollen.
Aber es war ihm keine andere Wahl geblieben.
Er hatte ihn doch nicht so einfach wieder gehen lassen könne, und...der Junge war noch so zart gewesen, so schutzlos unter all der Schminke und dieser Fassade von Ruppigkeit...
Er hatte einfach nicht anders gekonnt...

“Es tut mir Leid, ich wollte dir nicht weh tun...”, er streichelt über das Haar des Jungen, “Aber von jetzt an wird Daddy wieder besser auf dich aufpassen...” Er küsst ihn auf den Mund. “Du wirst mein sein...für immer.” Der bewusstlose Junge war überraschend leicht, als er ihn hochhob, dann, wenn auch etwas schwankend ihn hinunter in den Keller trug...

Er hatte ihn gar nicht töten wollen...aber der Junge war so aufmüpfig gewesen und- er hatte das Gefühl gehabt, dass er langsam den Verstand verlor.
Er hatte gesagt, er könne die anderen Kinder hören...
Aber mittlerweile hörte er sie manchmal auch. Aber das war auch normal, schließlich waren sie alle seine Kinder gewesen.
Seine kleinen Engel...

Er sah in den Regen hinaus; es war mittlerweile Nacht. Normalerweise beruhigte ihn das, aber heute war es anderes; er fühlte sich unruhig, unruhiger, als er je gewesen war.
Ganz so als ahne er, dass da draußen jemand auf ihn wartete...

Er hinüber zum Nachbarhaus, wo nur noch leichtes Licht hinter den Vorhängen brannte; er hoffte, dass der kleine Junge von gegenüber - Jamie, dachte er mit einem Lächeln - nicht noch wach lag, sondern schon mit einem süßen Lächeln schlief, das er jedoch leider viel zu wenig zeigte. Er hatte ihn lachen sehen, als er mit seinen Freunden gespielt hatte - aber, wenn er mit ihm zusammen war, lächelte Jamie nie. Und das machte den Mann in gewisser Form traurig...
Er wollte ihm doch nicht weh tun..aber manchmal ging es einfach mit ihm durch. Dann verlor er die Beherrschung über sich selbst...
Jedesmal kam er sich hinterher so unendlich schlecht vor - und doch tat er es immer wieder.

Er hoffte einfach, dass Jamie schlief... und das er schöne Träume hatte.


Der kleine Junge ahnte währenddessen nicht, dass er beobachtet wurde; er schlief auch nicht, sondern lag wach.
Seine Eltern lagen längst im Bett, nahm er an, oder sie sahen noch ein bisschen fern - aber sie wären sicher nicht damit einverstanden gewesen, dass er noch wach lag, glaubte er. Aber, was sollte er schon tun? Jedesmal, wenn er die Augen schloss, kamen die Albträume wieder...
Oft wachte er schreiend auf, konnte sich jedoch an nichts mehr wirklich erinnern - seine Eltern machten sich mittlerweile schon große Sorgen um ihn, das wusste er und das wollte er nicht. Aber, er konnte ihnen auch nicht sagen, was der Grund war- er war vielleicht kein Psychiater oder wie man diese Ärzte mit der Couch nannte, aber er wusste ziemlich genau, woher das alles kam. Seine Eltern hatten schon erwogen, ihn zu einem Therapeuten zu schicken, diesen Entschluss jedoch auch wieder begraben, als er angefangen hatte, zu weinen und ihnen versucht hatte, klar zu machen, dass er nicht krank war. Seine Eltern hatten sich angesehen, die Schulter gezuckt und genickt, auch wenn sie nicht überzeugt schienen - sie dachten sowieso, dass es wegen Patch war. Er war oft traurig, weil Patch weg war - er war von Zuhause weg gelaufen, sagten seine Eltern, aber er wollte das nicht glauben. Patch war sein Freund und er würde ihn nie so im Stich lassen.
Er vermisste ihn...

Er wischte sich über die Wange, erkannte, dass er geweint haben musste, ohne es zu merken.
Wie so oft in letzter Zeit.
Er war keine Heulsuse, aber... in letzter Zeit passierte das einfach so oft.

Er kuschelte seinen Teddy an sich, weinte stumm in sein weiches Fell, weil er nicht wollte, dass seine Eltern ihn hörten. Manchmal wollte er ihnen so gerne alles erzählen, aber... sie würden ihn entweder nicht glauben, oder...sie würden böse auf ihn sein. Sie würden mit ihm schimpfen, ihn dafür hassen...
Er wünschte sich, Patch wäre da gewesen, weil er der einzige gewesen war, mit dem er immer über alles hatte reden können.

“Sh, nicht weinen... ich bin doch da”, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich.
“Patch?”, Jamie riss die Augen auf.
“Ja...”, der ältere Junge saß auf seiner Bettkante, schenkte ihm ein halbes Lächeln.
“Patch”, wiederholte Jamie glücklich, umarmte seinen Freund und schien ihn gar nicht mehr los lassen zu wollen.
“He...weinst du?”, der ältere Junge hielt den jüngeren für einen Moment weg von sich, obwohl er ihn selbst am liebsten nie mehr los gelassen hätte. “Sh”, er wuschelte ihm durchs Haar, “Was ist denn los?” Eigentlich musste er gar nicht fragen, er ahnte es. “Nein....ich weiß”, er drückte den kleineren Jungen, der fast wie ein Bruder für ihn war, an sich, “Er... er wird dir sehr bald nie wieder weh tun...Dann musst du nie wieder Angst haben-“ Aber davon würden Jamies Albträume nicht verschwinden, das wusste er selbst...  “Ich bin ja da...Alles wieder gut”, er wünschte sich, das hätte damals auch jemand zu ihm gesagt. Und er hätte es glauben können.

“Hör endlich auf damit...diese Geschichte ist doch erstunken und erlogen”, die Worte seines Vaters schmerzen mehr als alle Schläge, “Du solltest dich schämen, so etwas zu erfinden, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen...” Er sieht ihn, seinen Sohn, voller Verachtung an. “Ich frage mich, wie du auf solche...Ideen kommst. Das muss das Fernsehen sein...”, er schüttelt den Kopf, “Aber...ich begreife es einfach nicht. Ich schäme mich für dich... und du wirst dich bei dem Mann entschuldigen.”
“Nein”, er starrt seinen Vater entsetzt an.
“Oh doch...” Langsam kommt er sich so vor, als würde er ihn... verstoßen. Ihn ihm ausliefern.
“Bitte...nein”, er bettelt schon fast, doch sein Vater bleibt hart. Und ihm kommt es wie ein Todesurteil vor.

“Alles wird wieder gut werden”, versprach er Jamie, “Ich verspreche es. Vergiss nicht, dass wir Freunde sind.”
“Die besten”, ergänzte Jamie, wie Patch es sonst immer getan hatte.
“Ja, die besten”, erwiderte der ältere Junge, “Für immer, egal, was passiert. Und vergiss nicht, dass ich dich lieb habe...”

Er ließ den kleinen Jungen ungern alleine...aber er musste.

Es ging nicht anders.

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