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Sterne und Idioten Teil 2

von Amberlove
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Ben Kessler Katja Metz
04.04.2008
04.04.2008
1
4.046
 
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So standen Dirk, Ben und Katja gemeinsam in ihrem Flur.
„Habt ihr schon die Kamera in deinem Wohnzimmer gefunden, die der Typ da wie sagt man noch gleich“, Dirk sah irritiert vom einen zum anderen.
„Installiert“, half Ben ihm auf die Sprünge.
„Genau“, kam es von Dirk, „installiert.“
Dirk schritt ins Wohnzimmer, Katja gingen neben ihm, während Ben sich hinter Katjas Rücken genauer in diesem etwas unbekannten Gebiet umschauen konnte.
„Was war denn zu sehen, als Harry das Band entdeckt hat?“, wollte Katja wissen und sah Ben an. Dieser schaute daraufhin seine Kollegin an und löste seinen Blick von den Bildern, die an der Wand hingen. Bevor Katja ihn erwartungsvoll ansehen konnte, um eine Antwort abzuwarten, folgte sie Bens Blick Die Bilder also. Bilder von ihr, als sie noch klein war, mit ihrem Vater. Ein Bild, auf dem sie mit Dirk zusammen abgebildet war, mit dem Rücken an ihn gelehnt, die Krawatte frech in ihrer Hand. Sie liebte dieses Bild. Und auch das Bild darunter gefiel ihr sehr, denn dies zeigte sie, Harry, Henning und Dirk zusammen, als sie den Ausflug auf das Land gemacht hatten. Ein weiteres Bild zeigte Katja mit einer Freundin oder war es eine Schwester? Sie sah Katja jedenfalls ähnlich. Ben grübelte, ob seine Partnerin Geschwister hatte. Das weitere Bild mit einem Mann an der linken und rechten Seite, waren wohl auf jeden Fall ihre Brüder.
„Da hängt ja gar kein Bild von mir“, meinte Ben, als er nun doch bemerkte, dass Katja gesehen hatte, womit er sich beschäftigt hatte.
„Ich sehe dich jeden Tag im Dienst. Das ist mehr als genug“, klärte Katja ihren Kollegen auf.
Dirk schaute die beiden an, sah dann an die Wand mit den Bildern und grinste in sich hinein.
„Ja, mein Lieber“, meinte Dirk, ging zu Ben und legte ihm seinen Arm um seine Schulter, „das mit den Frauen musst du noch lernen.“
„Achja und was bringst du ihm da bei?“, fragte Katja  ihren Chef belustigt.
„Danke, das schaff ich schon alleine“, sagte Ben trocken, „wenn ich mit 50 noch Single bin, melde ich mich bei dir.“
Dirk räusperte sich, kam wieder zum eigentlichen Thema zurück, „also die Kamera muss irgendwo gegenüber vom Sofa sein.“
Ben beäugte seinen Chef auf eine arrogante Art und Weise, bevor er seine Gedanken schließlich abschüttelte und ebenfalls nach einer Kamera suchte.
„Hier ist nichts“, stellte Katja schließlich fest.
„Komisch, Harry hat es doch gesehen“, meinte Dirk und sah Katja verwundert an, „Ben geh noch mal rüber und guck nach.“
Ben wollte gerade eine bockige Antwort geben, als Katja ankündigte, dass sie ebenfalls mitkommen wollte, „mal gucken, wie ich mit blutigen Augen aussehe.“ Dirk und Ben überhörten die Abenteuerlust, die in Katjas Stimme lag.
„Halt ihr die Augen zu, wenn das zu unschön wird“, gab Dirk Ben noch mit.
„Ich glaub da müssen jemand anders die Augen zugehalten werden“, meinte Katja spöttisch.
Ben sah seine Kollegin mit einem feindsseligen Blick an, woraufhin sie verschmitzt ein Lächeln unterdrückte.
Die Wohnungstür stand offen, einige unbekannte Polizisten wuselten in der Wohnung herum. Katja und Ben standen vor er Tür, als sie schon ein riesengroßes Poster von Katja an einer ferner liegenden Wand erkennen konnten. „So eines schenk ich dir von mir, das kannst du dann im Schlafzimmer aufhängen“, schlug Ben ihr vor.
„Damit mich jede Nacht Albträume verfolgen?“, erwiderte sie und konnte nur erstaunt klingen, als ein weiteres kleines Plakat in einer Ecke sehen konnte, auf dem ihre Augen mit roter Farbe versehen waren, es wirkte, als würde sie rote Tränen, Blut, weinen.
„Uh“, machte Ben, „komischer Kerl.“ Skeptisch beäugte er Katjas Bild mit diesen blutigen Tränen.
„Das ist pervers“, war Katjas Kommentar dazu.
„Ich hatte mir das schlimmer vorgestellt, so wie Harry das erzählt hat. Sieht immer noch hübsch aus“, meinte Ben und war dem Bild noch immer verfallen.
„Sie können hier nicht rein“, kam es auf einmal von einem Beamten, „oh, Sie sind das Opfer“, bemerkte er und war schon wieder beschäftigt.
Ben drehte sich verwundert um, denn seine Kollegin stand nicht mehr neben ihm, sie sprach auch nicht mehr von dem Bild, das er so fasziniert angeschaut hatte. Sie sah wie gebannt an eine Wand um die Ecke.
Bilder, unzählige Bilder, blutverschmiert, halb zerrissen, Blut, das aus dem Herz strömte. Blut, überall Blut.
„Das ist doch krank“, meinte Ben, „das sieht außerdem total unecht aus.“

„Was ist denn hier los? Katja“, hörte Ben auf einmal eine unbekannte männliche junge Stimme von hinten.
„Marc“, Katja drehte sich um und lächelte einen gutaussehenden, dunkelhaarigen, jungen Mann an. Sofort legte er eine Hand auf ihre Schulter und sah Katja liebevoll an. Viel zu liebevoll, nach Bens Geschmack.
„Oh nein, du warst das Opfer dieses Irren?“, fragte dieser Mark nach.
„Ja, aber wir haben ihn eben festgenommen, er wollte meinen Kollegen und wohl auch mich erschießen“, erzählte Katja.
„Hab ich schon gehört, aber ich wusste nicht, dass du das Opfer warst“, sagte er und konnte nicht aufhören Bens Partnerin auf unheimlich dämliche Weise anzugrinsen, fand Ben zumindest. Katja mochte dieses charmante, ehrliche Lächeln.
„Wolltest du denn zu mir?“, harkte Katja nun auf eine Weise nach, mit der Katja noch nie mit Ben gesprochen hatte.
„Ja, ich wollte dich zum Essen abholen. Ich dachte, du hättest frei. Hast du gestern Abend zumindest gesagt“, erinnerte Mark Katja. Ben stellte fest, dass Katja die Hand noch immer nicht von ihrer Schulter gewiesen hatte. Ben mochte diesen Typen nicht. Er schien ihm viel zu nett zu sein, diese Charmeure, so arrogant, als gehörten ihm alle Frauen der Welt ...
„Das müssen wir verschieben“, sagte Katja bestimmt, als erinnerte sie sich in diesem Moment wieder daran, wie viele Menschen um sie herum standen, „ich muss gleich noch mal zur Wache, den kranken Kerl vernehmen.“
„Das ist wohl auch wichtiger. Ich melde mich dann bei dir?“, sagte Mark und lächelte sie aufmunternd an, woraufhin sie ihn wieder lächelnd ansah.
„Ja, ist gut“, antwortete sie, „ich hoffe, dass das nicht so lange dauert.“
„Bis später dann, ich muss auch noch rüber“, sagte Mark, nahm seine Hand von ihrer Schulter, um auf seine Uhr zu gucken, „ich bin schon wieder zu spät.“
„Immerhin warst du mal pünktlich bei mir“, fing sie leicht an zu lachen.
„Ja, zieh du mich nur wieder auf“, er zwinkerte ihr zu. Er drückte ihr flüchtig einen kurzen Kuss auf die Wange, „bis später.“
„Ich glaub dein Kollege ist eifersüchtig auf mich“, flüsterte er ihr noch unauffällig ins Ohr, grinste sie ein letztes Mal an und zwinkerte.
„Tschüss“, meinte sie und sah Mark nach, bevor sie mehr oder weniger beabsichtigt in die kampfseligen Augen ihres Kollegen schaute. Eindeutig eifersüchtig, dachte sie, wandte sich von ihm ab und musste lächeln.

„Wo ist jetzt der Bildschirm, der meine Wohnung zeigt“, fragte Katja sachlich, als ihr wieder auffiel, dass sie sich wirklich mit dem Fall beschäftigen musste. Sie war ehrgeizig geworden, wollte wissen, was hinter all dem steckte.
„Da vorne“, meinte Ben und sah Katja auf eine merkwürdige Weise an, die Katja zutiefst genoss.
„Das sieht aus als wäre die Kamera oben an der Decke oder so“, überlegte Katja laut.
„Kann schon sein“, Bens Stimme klang beinahe desinteressiert. Sie sah genervt zu ihm, „Hallo?! Guckst du vielleicht auch mal?“
„Ja, tu ich doch. An der Decke“, bestätigte er.
„Das hätte ich doch sehen müssen“, stritt Katja irritiert ab.
„Warst du wohl anders beschäftigt, nicht?“, Ben fing wieder an das alte Spiel mit dem Grinsen anzufangen. Katjas Blick blieb kalt, „stimmt.“
„Lass uns hier raus und drüben die Decke angucken“, schlug Ben vor und sah sehnsüchtig zum Ausgang, „der Typ hat seine ganze Wohnung mit deinem Parfum vollgesprüht, ich brauche frische Luft.“
Auch Katja war es aufgefallen und sie nickte.
„Woher weiß er, welches Parfum ich benutze?“, fragte sie sich selbst, „das ist unheimlich, der muss mich ja ewig beobachtet haben, er wohnt schon fünf Monate hier.“
„Wer weiß, wie oft er in deiner Wohnung war“, gab Ben zu bedenken.
„Das will ich gar nicht wissen“, Katja widerte dieser Gedanke an.

Dirk strahlte die beiden an, als sie auf ihn zukamen, „ich hab die Kamera gefunden, die war an der Decke“, stolz hielt er ihnen eine weiße Kamera vor die Nase, sie war winzig.
„Toll Dirk“, sagte Katja belustigt über seine Freude und legte ihm anerkennend ihre Hand auf seine Schulter, „und jetzt 14/2 fahren und zur Wache?“
„Das klingt gut“, meinte Dirk.
„Ich fahre“, kam es sofort von Ben und er nahm seine Schlüssel von Katjas Kommode, die er vorhin, als er reingestürmt gekommen war, dort abgelegt hatte.
„Der hat Angst, dass er hinten sitzen muss“, raunte Dirk Katja zu, während Ben schon rausging.
„Der ist beleidigt“, erklärte Katja Dirk.
„Oh wie kommt das denn?“, tat Dirk gespielt überrascht. Die alten Partner lächelten sich vielsagend an.
Katja nahm auf dem Beifahrersitz platz, Dirk saß hinter Ben und sie fuhren zur Wache.

„Da ist sie, die wunderschönste Frau auf Erden“, wurde Katja von ihrem Nachbarn begrüßt. Dieser wollte mit offenen Armen auf sie zulaufen. Lothar und Nicky lachten, Dirk sah sie böse an. Wieso lief dieser Mann frei in der Wache herum?
Ben stürzte sich sofort schützend vor seine Kollegin, „Hey, hey hallo?!“, brüllte er ihn an.
„Sie schon wieder“, sagte der Nachbar angeekelt, „lassen sie sie in Ruhe und der andere Kerl auch!“
„Habt ihr denn gar nichts im Griff?“, fing Dirk an zu meckern. Nicky und Lothar sahen zuerst irritiert zu ihrem Vorgesetzten.
„Der ist total abgespaced“, meinte Nicky begeistert.
„Abgewas?“, Dirk sah seine junge Kollegin irritiert an, „der wollte Ben ne Kugel verpassen.“
„Was?“, Nicky sah ihn überrascht an, „aber der sitzt doch in der Zelle.“
„Oh man, das glaube ich ja wohl nicht“, meinte Katja aufgebracht.
„Haben Harry und Henning denn nicht gesagt, wer er ist“, Dirk zweifelte an seinem Team.
„Doch, Lothar dir haben sie es doch gesagt oder?“, fragte Nicky.
„Joa“, meinte er nachdenklich, „da waren zwei, Heinz hat mit Kollege auch einen festgenommen.“
„Ihr könnt doch nicht den falschen in die Zelle sperren“, meinte Katja und konnte es kaum fassen, welche Merkwürdigkeiten Nicky und Lothar immer wieder fertigbrachten.
„Lassen Sie mich los“, bockte der Kerl wieder mit Ben rum, der ihn allerdings fest im Griff hatte. Nicky sah nun angeekelt zu ihm und stellte fest, dass er unbedingt zu Katja wollte. Krank, einfach krank, dachte sie und ihr wurde bewusst, dass sie in ihrem Job mal wieder etwas falsch gemacht hatte.
„Ist ja zum Glück alles gut gegangen“, meinte sie, „was habt ihr jetzt mit dem vor?“
„Dem müssen wir noch ein paar Fragen stellen“, Bens Stimme war lauter geworden, er nickte Katja zu, sie verließen den Wachraum, um in das kleine Büro von Henning und Harry zu gehen. Dirk folgte ihnen.
„Und wer sitzt jetzt in der Zelle?“, fragte Lothar Nicky.
„Ja, der, der den Unfall verursacht hat“, Nicky sah ihn geknickt an
„Oh, scheiße“, auch ihm wurde bewusst, dass sie es mal wieder vermasselt hatten.

Inzwischen hatte Ben den Übeltäter auf einen Stuhl gepresst und hatte auch vor weiterhin bei ihm stehenzubleiben. Durch Handschellen war er ohnehin mit der einen Hand an ihn gekettet. Dirk stand im Schatten einer Ecke, um das Ganze zu beobachten und Katja, die saß tatsächlich ihrem Nachbarn gegenüber.
„So“, fing Katja an und sah ihren Nachbarn, dessen Namen sie noch immer nicht genau wusste an, „wie sind Sie in meine Wohnung gekommen?!“
„Ach Schatz“, säuselte der werte Herr, „immer wenn du bei ihm warst.“
„Bei wem?“, wollte Katja wissen.
„Naja, bei dem“, er nickte zu Ben, „oder deinem anderen Kerl.“
„Ach, Mark“, murmelte sie.
„Sie will nicht wissen wann, sondern wo!“, mischte Ben sich nun wütend ein.
„Schonmal was von Dietrich gehört?“, zickte er rum, „dumm ist er auch noch.“
„Wie lange geht das schon?“, interessierte sich nun Dirk für diese Frage.
„Ach, den Typen hier“, wieder nickte er zu Ben, „den hat sie ja schon länger.“
„Das ist mein Kollege Sie ...“, Katja beherrschte sich doch noch, nachdem ein „na na“ von Dirk kam.
„Wie auch immer. Der Neue, der kommt seit einem Monat öfter. Viel zu oft, schmieriger Kerl“, gab er nachdenklich zu bedenken.
Ben hatte ein komisches Gefühl bei der Sache. Mal flirtete dieser Typ mit Katja,  machte sie dumm von der Seite an, machte Anspielungen auf irgendwelche Freunde, gab Dinge zu und tat als würde ihm all das nichts bedeuten. Wie ein gewöhnlicher Freak wirkte er nicht.
„Irgendwas stimmt hier doch nicht“, meinte Ben, bückte sich zu ihm runter und sah ihn an.
„Auf deine scheiß blauen Augen steht sie, oder?“, gab er von sich. Ben sah ihn weiterhin scharf an, „möglich“, war sein Kommentar dazu.
„Aber noch viel mehr steht sie auf den Dunkelhaarigen“, meinte er mit einem fiesen Grinsen.
Ben erhob sich wieder, es hatte keinen Zweck, er würde nicht herausfinden, was mit ihm war. So wollte er seine Kollegin ansehen, doch es war nicht weiter erstaunlich, dass sie seinem Blick auswich.

Plötzlich spürte Ben eine Hand an seinem Bein, seine Waffe. Bevor er es realisieren konnte, wusste er, dass er verloren hatte. Der Mann, der an ihn gekettet war, hatte seine Waffe in der Hand und nicht nur das, er hielt sie ihm an den Kopf. Katja war vor Schreck aufgesprungen, hatte ihre Hand schon an ihrer Waffe. „Keine Bewegung“, wurde sie aber auch schon aufgehalten und auch Dirk stand machtlos in seiner Ecke, war nur einige Schritte vorgegangen.
„Dein Bruder“, kam es plötzlich von Dirk.
„Was ist mit meinem Bruder?!“, fragte Katja irritiert.
„Nicht deiner“, Dirk starrte zu dem Mann, der seinen Mann bedrohte, „ich kannte ihn, Jakobsen.“
„Ich kannte auch deine Verlobte“, erwiderte er und sah Dirk scharf und überrascht zugleich an, „aber was spielt das noch für eine Rolle? Für ihn?“ Er nickte heftigst zu Ben.
„Du bringst ihn nicht um“, kam es von Dirk, „du hast nie einen Kerl umgebracht.“
„Sind nicht alle so Traditionsmenschen wie du“, gab Ben zu bedenken. Katja sah ihn empört an, er könnte jede Sekunde sein Leben verlieren und ihm fiel nichts besseres ein als dumme Sprüche zu klopfen.
„Mach die Handschellen los“, befahl Jakobsen und sah gebieterisch zu Katja. Ohne ihn aus dem Blick zu verlieren, ging sie langsam auf ihn zu, sah ihrem Stalker in die Augen, warf Ben einen kurzen flüchtigen Blick zu.
„Die Rache für deinen Bruder“, suchte Dirk mal wieder das Gespräch, „du hast ihn gerächt! Es sind viele Frauen gestorben.“ Katja hielt Inne, sah zu Dirk. Warf Ben einen vielversprechenden Blick zu, nickte zu ihrer Waffe, dann zu ihm. Ben verstand.
„Es kann nicht noch genug Schönheit für ihn sterben“, auf einmal schien er verzweifelt zu sein, zerbrechlich, als würde er. Gequält redete er weiter, es wurde gruselig, Katja wagte sich kaum an ihn heran, Ben sah sie ruhig an. Jakobsen hatte nur noch Augen für Dirk.
„Ich will sie alle leiden sehen!!!!!!!!“, er kreischte nun, „und er hat genau die Augen meines Bruders.“ Er meinte Ben, eindeutig. „Warum darf er leben und mein Bruder nicht?!“, vollkommen verzweifelt warf er Dirk all diese Argumente entgegen, „was, wenn sie ihn umbringt?“
„Oh, machen Sie sich keine Sorgen um mich“, meinte Ben. Katja hätte ihm am liebsten eine Ohrfeige verpasst.
„Die Handschellen“, wütend sah er Katja an und sie ging wieder auf sie zu, während Dirk weiterredete.
„Pha“, meinte er spöttisch, „Sie haben keine Ahnung, ich weiß, wie Schönheiten ticken!“ Er redete mit Dirk, obwohl Ben mit ihm gesprochen hatte. Was hatte er auf einmal an Dirk gefunden?
„Sie spinnen doch, was hab ich mit Ihrem Bruder zu tun?“, keifte Katja ihn an, sie vergaß, dass er Ben in seiner Gewalt hatte.
„Die Haare, die Augen, die Figur, die Schönheit“, auf einmal schien er wieder Katja zu verfallen.
„Wir befragen einen Psychopathen“, flüsterte Katja ihrem Partner zu.
„Nein, ein Psychopath hält deinem Partner die Waffe an den Kopf“, raunte er zurück.
„Jetzt mach schon die Handschellen ab“, befiehl er erneut.
Was führten Katja und Ben im Schilde? Dachte Dirk, sie konnten die Lage unmöglich so ernst nehmen, oder heckten  sie etwas aus? Irgendetwas stimmte hier nicht. Und Dirk lag richtig, denn er hatte nicht gesehen, wie Katja Ben ihre Waffe zusteckte und auch er spürte dies erst einige Momente später. Dirks Intuition sagte ihm, dass es seine Aufgabe war Jakobsen abzulenken. Aber es war zu spät, Katja und Ben waren mit ihren Flüsterreichen aufgefallen und Dirk ahnte, dass es Absicht gewesen war.
„Was flüstert ihr da?“, abrupt drehte sich Jakobsen auf einmal um. „Ihr glaubt mir nicht oder!“, hasserfüllt sah er Katja an. Und dann? Er ging mit Ben einige Schritte zurück langsam, bedachte jeden Schritt, fing an die Waffe nun auf Katja zu richten. Katja sah ihren Partner schnell an, er nickte ihr zu, sie warf ihm einen entsprechenden Blick zu. Ein Schuss ertönte aus Jacobsens Waffe, Katja hatte sich längst geduckt, Ben, der nicht mehr durch die Handschellen an ihn gefesselt war, was außer ihm und Katja niemand bemerkt hatte, überwältigte ihn, schlug ihm die Waffe aus der Hand und stürzte sich auf ihn. Saß auf ihm, legte ihm Handschellen um.
„Mensch Kinder, ihr macht Sachen“, kam es erleichtert von Dirk.
„Was ist passiert?“, die Tür wurde geöffnet, Henning und Harry steckten den Kopf in die Tür. Vollkommen wütend brachte Ben Jakobsen in eine Zelle, ging stur, ohne auch nur ein Wort zu sagen an ihnen vorbei.
„Ich wusste nicht, was er für einer ist, tut mir Leid“, meinte sie zu Dirk.
„Das wussten wir alle nicht“, meinte Dirk, „wie geht’s dir.“
„Geht schon“, war ihr Kommentar dazu und sie verschwand ohne ein weiteres Wort zu sagen im Aufenthaltsraum.

„Katja ist im Aufenthaltraum“, meinte Dirk ,als Ben wieder reinkam. Er nickte.
„Ben“, forderte Dirk ihn doch auf ihm noch kurz zuzuhören und Ben erwartete ein Donnerwetter.
„Gute Arbeit“, meinte Dirk gegen seinen Willen. Ohne etwas zu sagen ging Ben in den Aufenthaltsraum.

Katja saß da, rührte sinnlos im Kaffee herum ... Sie sah auf, als Ben hereinkam, ihre Blicke blieben hängen.
„Mark“, meinte Katja mehr oder weniger erfreut und Ben sah sich verwundert um, Mark stand wieder hinter ihm. Genervt atmete er aus.
„Ich hab nur von draußen einen Schuss gehört“, meinte Mark lachend, „ich dachte schon, du wolltest deinen Kollegen doch loswerden.“ Katja war nicht zu Lachen zumute.
„Sprüche, die könnt ihr beide klopfen“, meinte sie mehr genervt als belustigt, wie es normalerweise ihre Art war, wenn Mark in der Nähe war.
„Ach Süße, was war denn los?“, er eilte auf Katja zu, um sich neben sie zu setzen und in den Arm zu nehmen. Ben sah dem Ganzen missbilligend zu und entschied sich für die Kaffeemaschine, um diesen Anblick nicht länger ertragen zu müssen.
Katja fasste die Geschichte kurz zusammen, Mark wusste nichts zu sagen, strich Katja eine Strähne aus dem Gesicht, wie Ben unschwer erkennen musste.
Ben drehte sich um, als er das sah, „was wollen Sie eigentlich hier?“
„Oh, ich bin Mark Me ...“, er hielt kurz inne, „Mark Memphis.“
Katja fing an zu lachen, was Ben sich nun überhaupt nicht erklären konnte. „Ben Kessler“, sagte er nur kalt.
„Schön, hab noch nicht so viel von ihnen gehört“, meinte er wieder, mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht. Ben schritt nun näher auf ihn zu, er konnte diese Ironie nicht ertragen.
„Aber um Ihre Frage zu beantworten, ich wollte Katja eigentlich mitnehmen, aber die Arbeit geht ja immer vor“, meinte er, „da kann man richtig neidisch werden, so viel Zeit, wie Sie mit ihr verbringen dürfen.“
„Jetzt hör doch mal auf“, Katja fing wieder an zu lachen und musterte Ben mit Genugtum.
Marks Handy klingelte, „oh, entschuldige Schatz.“
„Mark“, meinte Katja tadelnd.
„Oh nein, Sven schon wieder“, stöhnte er, „ich werde dann mal wieder, sehen wir uns morgen wie immer?“
„Ja, du Nervensäge“, war Katjas Kommentar dazu und sie musste noch immer lächeln. Mark verschwand und schloss die Tür hinter sich.
„Wozu war der Besuch jetzt gut?“, knurrte Ben, „der Typ nervt.“
„Ja, so seid ihr Männer“, Katja tat als wäre es die Weisheit des Lebens.
„Ich hatte nicht den Eindruck, als würde es dir nicht gefallen“, meinte Ben kalt und setzte sich nicht wie gewohnt neben sie, sondern ihr gegenüber.
„Hast du auch Recht“, war ihr Kommentar dazu.
„Ist das schon lange mit euch?“, fragte Ben gespielt wie beiläufig, „du hast gar nichts erzählt, du erzählst sowieso nie etwas.“
„Das geht dich gar nichts an“, meinte sie lächelnd und sah ihn kopfschüttelnd an, „du bist doch nur eifersüchtig.“
„Wir sind doch nur Kollege“, kam es von Ben wie aus der Pistole geschossen.
„Oh, kann ich das schriftlich haben?“, fragte sie verwundert über diese Aussage.
„Den Jacobsen“, wollte Ben anfangen.
„Lass es, Ben“, unterbrach Katja ihn, „das ist vorbei.“
„Wir sind ja auch ein gutes Team“, meinte Ben.
„Das war ein Tag“, meinte Katja.
„Und du wolltest mir nicht glauben, dass dein Nachbar ...“, erinnerte Ben sich.
„Ben“, tadelte sie ihn genervt. Ihr Handy klingelte und als sie anfing zu lachen, ahnte Ben, wer es war.
„Was willst du schon wieder“, hörte Ben sie fragen.
„Ja“, gab sie eine Antwort. „Nein, niemals, lass mich doch“, noch immer lachte sie und während er etwas zu sagen schien, legte sie auf.
„Immerhin hast du noch nie einfach aufgelegt, wenn ich mit dir rede“, versuchte Ben etwas positives an seiner Beziehung zu ihr zu finden. Ben schien noch immer nicht wieder bester Laune. Wo waren seine Sprüche? Katja stand auf, sie hielt es nicht mehr aus, ihn so lustlos an der Welt zu sehen, auch wenn es gut tat, wenn er mal einigermaßen ruhig war.
Sie stand also auf und Ben reagierte nicht ,starrte Katjas Tasse Kaffee an, als er auf einmal ihre Hände auf seinen Schultern spürte.
„Na, ob dein Mark das gerne sieht?“, war sein sofortiger Kommentar und er musste wieder lächeln.
„Was?“, fragte sie interessiert, „was glaubst du denn, was ich mit dir vor habe?,“ sie lächelte verschmitzt.
„Massage?“, fragte er hoffnungsvoll. Sie fing wirklich so halbwegs an ihn zu massieren, doch wie gesagt, nur halbwegs.
„Das kannst du aber besser“, meinte Ben. Auf einmal wurden ihre Bewegungen fester, beinahe schmerzhaft.
„Ah, was hab ich dir denn getan“, sprang er auf einmal auf und sah sie etwas verwundert, mit einem böseren Blick als üblich an.
Er sah sie an und ihre Blicke verfingen sich schon wieder, „er hatte Recht, du magst meine Augen“, stellte Ben fest und hatte wieder seine Flirtposition eingenommen. Die ließ Katja aus ihren Gedanken schrecken, „möglich.“ Das war Katjas Kommentar zu dieser Aussage, was Ben zu einem zufriedenen Lächeln veranlasste.
Dirk steckte den Kopf in die Tür, „oh stör ich?“
„Nein“, meinte Katja und sah ihn an, „was gibt’s?“
„Dein Bruder steht schon wieder vorne in der Wache“, meinte Dirk.
„Wieso kommt er nicht nach hinten?“, fragte Katja.
„Was weiß denn ich“, Dirk hatte die Tür schon wieder zugemacht. Katja ging auf die Tür zu, doch wurde von Ben aufgehalten.
„Dein Bruder?“, fragte er fassungslos und es schien fast, als wäre er erleichtert.
„Ja“, meinte sie lachend und gab ihm schon den dritten Kuss auf die Wange an diesem Tag, „und du warst doch eifersüchtig.“
„Das hast du extra gemacht“, empörte Ben sich, „du regst dich immer auf und dann machst du mir ne Szene damit ich eifersüchtig werde.“
„Ha, du gibst es also zu?“, gab sie zurück, als sie schon auf dem Weg in den Wachraum waren. „Außerdem hat Mark damit angefangen“, meinte sie lachend.
„Womit hab ich angefangen?“, fragte Mark.
„Mark Memphis?“, erinnerte sie ihren Bruder. Sie lachten beide
„Tut mir Leid, Kumpel“, meinte Mark zu Ben.
„Sehr komisch“, meinte Ben sarkastisch.
„Ich wollte mich verabschieden“, kam es nun von Mark.
„Wie immer also“, Katja atmete bedauernd aus. Nach einigen Umarmungen war er schließlich verschwunden.
„Wie schade, so ein netter Typ“, meinte Ben und hatte seine alte fröhliche Stimme wieder aufgesetzt, sah seine Kollegin mit einem charmanten Lächeln an.
Wieder verfingen sich ihre Blicke. Ben lächelte, Katja sah ihn genervt an.
„Ob ich dich beim nächsten Stalker mal küssen darf?“, überlegte Ben plötzlich aus heiterem Himmel, „wenn man den wirklich eifersüchtig machen muss.“
„Ach weißt du, für den Fall, frag ich einfach meinen Bruder“, Katja sah ihn mit einem überlegenen Lächeln an.
Nun war es ausnahmsweise mal Ben, der aufgab, sich an den Schreibtisch setzte und anfing den Bericht des heutigen Tages zu tippen.
Das Team des 14. Reviers beäugte diese Szene der beiden mit einem zufriedenen Lächeln. Sie waren ein gutes Team, Katja und Ben.
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