Tears

GeschichteRomanze / P16 Slash
Lucius Malfoy Severus Snape
03.04.2008
03.04.2008
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1886
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Er hatte ihm gezeigt, was es heißt, zu leben, zu fühlen, etwas zu genießen und auch wie es ist, zu lieben, zu begehren genau so, wie man selbst begehrt und geliebt wird. Auch wenn diese wunderbare Zeit nicht lang war, war sie die schönste und wichtigste, die der Schwarzhaarige je erlebt hatte.
Selbst nachdem sein Liebster geheiratet hatte, blieben die beiden  befreundet. Er begab sich seinetwegen in eine Gesellschaft, in der er eigentlich verachtet wurde, nur um seinen Freund nicht aus den Augen zu verlieren. Viele Erniedrigungen erlitt er freiwillig, wählte für sich einen Pfad der Schmerzen und des Todes.
Er sah zu, wie Menschen grausam ums Leben kamen und gleichzeitig, wie in diesen Zeiten eine Familie heran wuchs. Er selbst blieb allein, immer auf der Suche.
Hin und wieder versuchte er sich ein neues Leben auf zu bauen, eines in dem sein bester Freund nicht mehr als das war.
Doch egal wie viele Chancen er sich und anderen gab, nie fand er das, wonach es ihm dürstete. Einmal nur noch wollte er wissen, wie wunderbar es vor 13 Jahren war. So lange war es also schon her...

Severus beendete gerade die Korrektur des letzten Aufsatzes, als eine Eule an seinem Fenster kratzte. Er legte sorgfältig die Feder beiseite und ließ das edel aussehende Tier herein. Er kannte dieses schon und wie erwartet brachte sie ihm einen Brief von Lucius. Sein Freund schrieb ihm eine Einladung mit einer inzwischen nicht mehr ungewöhnlichen Begründung.
Der Hauslehrer von Slytherin seufzte. Schon wieder brauchte der Blonde jemanden, um sich die Zeit zu vertreiben, während er darauf wartete, dass die Wut seiner Frau abgeflaut war. Lucius und Narzissa hatten viele Auseinandersetzungen, besonders, wenn es um die Erziehung ihres Sohnes Draco ging.

Inzwischen war seine Frau nämlich dazu übergegangen, sich für einige Tage auf das zweite Anwesen der Malfoys zurück zu ziehen. Nun gut, Severus hatte sowieso nichts mehr zu tun und dachte, dass auch er wieder die Gesellschaft seines Freundes gebrauchen konnte.
Er verschloss sorgfältig die Tür, sodass keine Schüler in sein Büro konnten, jedoch seine Kollegen schon und hinterließ eine Nachricht über seinen Aufenthaltsort. Danach trat er zu seinem Kamin, nahm eine Hand voll Flohpulver und fand sich sogleich ,von Ruß verstaubt, im Malfoy Manor wieder.

„Ich sehe du hast Zeit gefunden, mein Freund.“ begrüßte Lucius ihn. Severus nickte flüchtig und zog seinen Zauberstab, um seine Robe zu säubern. Er kam natürlich auch sofort der Aufforderung nach, es sich  bequem zu machen. Der Hauself servierte den beiden Tee und sie sprachen eine Weile miteinander.
Als es draußen dunkel wurde, wurden mehrere Kerzen und der Kamin entzündet. Der Tränkelehrer sah ein wenig ins flackernde Feuer und erlaubte es sich, mit den Gedanken ab zu schweifen. Nach einer Zeit des Schweigens fragte der Blonde: „Severus, was ist, du wirkst so abwesend.“

„Nichts, ich denke nur ein wenig nach.“ antwortete der Schwarzhaarige ohne auf zu blicken.
„Du denkst in letzter Zeit sehr viel nach, nicht wahr? Was geht dir durch den Kopf?“ fragte sein Gegenüber erneut.
„Nichts von Bedeutung.“ Er sah dabei in Lucius graue Augen, die ein wenig das Feuer wieder spiegelten, doch dieser seufzte nur.
„Ich kann dir nicht helfen, wenn du mir nicht vertraust.“ Severus stand auf und ging hinüber zum Fenster, wobei er seinem Gesprächspartner den Rücken zu wand. Zuerst sah er nur hinaus, bis er anfing eine Antwort zu formulieren.
„Du weißt, ich vertraue dir mehr, als allen anderen, Lucius, jedoch bürde ich dir keine Probleme auf, die nicht die deinen sind und bei denen du mir nicht helfen kannst.“

Der Blonde wiederholte diese Worte in Gedanken und rief schließlich seinen Hauselfen herein: „Dobby, bring uns eine Flasche Feuerwhisky und zwei Gläser.“
„Jawohl mein Herr.“ Dann stand er selbst auf und öffnete die Balkontüre.
„Herrliche Nacht, findest du nicht auch, Severus?“ Beide Männer traten hinaus und wurden von der Dunkelheit eingehüllt, allein die Sterne, der Mond und das gedämpfte Licht aus dem Wohnzimmer erhellte die Umgebung etwas. Ein leichter Wind zog über die Ebene und zerrte an ihren Umhängen. Dobby war ihnen gefolgt und stellte das Tablett auf einem Beistelltisch ab, um sich anschließend mit einer tiefen Verbeugung wieder zu entfernen.
Der Schwarzhaarige nahm ein Glas und murmelte: „Ein zu offensichtlicher Versuch meine Zunge zu lockern und zu erfahren, über was ich nachdenke, mein lieber Lucius.“
Dieser sah amüsiert zurück und nahm einen Schluck. „Ist dem so? Jedoch bin ich wohl der einzige, der es überhaupt versucht.“ Severus nickte leicht. „Wie du selbst sagtest, du vertraust mir und du weißt, ich würde nicht nach fragen, wenn ich deine Probleme nicht hören wollte.“

Das war bestimmt richtig, doch ob er wirklich diese Art von Schwierigkeiten hören wollte? Sicher nicht, er führte eine gute Ehe, hatte einen Sohn und sollte sich nicht damit herum schlagen, dass ein Freund was von ihm wollte. Der Tränkemeister seufzte. „Du akzeptierst kein nein und würdest mich nicht in Ruhe lassen, bis du es wissen würdest, nicht wahr?“
„Ausnahmsweise hast du Recht.“
„Dann lass mir eben keine Ruhe.“ Erwiderte Severus mit einem Anflug von einem Lächeln. Erneut standen sie einige Zeit schweigend da und nahmen hin und wieder einen Schluck vom Whisky. Irgendwann befand Lucius dann, dass sie lange genug nichts mehr gesagt hatten und er schlagartig ein neues Thema anfing, zumindest für sich neu.
„Jetzt dachte ich lange Zeit über Zissa nach... Wie sieht es eigentlich bei dir aus, Severus, hast du inzwischen jemanden zum leben gefunden?“ Sein Gegenüber sah zur Seite, wollte eigentlich auf diese Frage nicht antworten und tat es auch nicht, als ihm nichts einfiel. Der Blonde bemerkte die abweisende Reaktion. Egal wie oft der Hauslehrer der Slytherins eine Maske vor anderen getragen hatte, sein alter Freund hatte ein Gespür für die Wahrheit.
„Darüber willst du also nicht reden.“ stellte er nüchtern fest.
Severus lehnte sich gegen das Marmorgeländer des Balkons und sah hinauf in die Sterne. „Mein ganzes Leben lang bin ich auf der Suche...“ begann er zu murmeln „... auf der Suche nach jemanden, bei dem ich bleiben kann. Nach jemand, der mir nicht schon nach kurzer Zeit zuwider ist ... Jemand der mich genauso kennt, wie ich bin und umgekehrt genauso...“

Es war kaum mehr als ein Flüstern, der Wind trug es wie ein Wispern hin fort und dennoch verstand Lucius jedes Wort. „Aber ich werde immer wieder enttäuscht, es lässt sich anscheinend niemand finden, der - „ Er brach ab und sah einer Sternschnuppe hinter her, die vor seinen Augen dahin rauschte.
Der Blonde wartete interessiert und fragte schließlich nach: „Der was?“  
„Der so ist wie du.“ Eigentlich wollte Severus diese Worte gar nicht laut aussprechen, aber sie waren einfach wie von selbst über seine Lippen gekommen. Er senkte den Kopf und sah Lucius in die Augen.

„Mein Leben lang auf der Suche nach einem Menschen wie dir, der mir das geben kann, was du mir gezeigt hast, vor langer Zeit.“ Sofort ließ er den Blick weiter sinken, auf den Steinboden vor ihm. Ohne, dass er es geahnt hätte, wurde sein Kinn sanft nach oben gedrückt und Lucius küsste ihn. Seine Lippen waren zart und strichen beruhigend über die des Schwarzhaarigen.
Dann flüsterte er ihm leise zu: „Du bist ein Lügner, ich kann dir sehr wohl helfen.“
„Das solltest du aber nicht können.“ seufzte Severus zurück, ließ sich aber dennoch zu einem weiteren, intensiveren Kuss hin reißen. Er konnte nicht anders, zu lange hatte er sich danach gesehnt. Ihre Zungen strichen sanft übereinander und erkundeten die Mundhöhle des jeweils anderen. Er war mehr als nur ein Ausdruck sexueller Anziehung, er spiegelte die Zärtlichkeit wieder, die der Tränkelehrer suchte, die seine Seele streichelte.

Es dauerte lange, bis Lucius den sanften und gleichzeitig leidenschaftlichen Kuss löste. Als er seinem Gegenüber ins Gesicht sah, bemerkte er eine Träne, die an dessen Wange hinunter lief. „Wieso weinst du?“ fragte er sacht.
„Ich weine nicht, ich vergieße nur Tränen. Eine vergieße ich für dich, da ich dich in eine schwierige Lage bringe. Eine vergieße ich für deine Familie, die es nicht verdient hat so von mir in den Dreck gezogen zu werden. Und eine vergieße ich für mich selbst, wenn ich erkannt habe, dass mein Traum zerplatzt ist.“ Er hatte sie einzeln aufgezählt, gerade so wie sie sich ihren Weg von seinen Augen über seine Wangen bahnten und schließlich vom Kinn auf den Boden tropften.
Der Blonde nahm Severus Gesicht in beide Hände und küsste ihn erneut. Doch seine Hände verweilten dort nicht, sie strichen langsam über seinen Hals entlang. Strichen über den schwarzen Stoff der Robe und begannen diese auf zu knöpfen. Wie von selbst trugen ihre Schritte sie wieder ins Innere der Villa, auf das einladende, weiche Sofa.
Auch der Schwarzhaarige machte sich daran seinen Liebhaber langsam zu entkleiden. Auch wenn es ihm in diesem Moment wohl gereicht hätte, einfach hier zu sitzen und zu spüren, dass alte Gefühle wieder tief in ihm brodelten. Einfach nur hier zu sein, um Lucius zu küssen und zu wissen, dass er diese eine Person war, nach der er suchte. Es war ein herrliches Gefühl sich in den Armen des Mannes zu wissen, der alles für ihn bedeutete. Nichts war mehr wichtig, außer, dass sie wieder so zusammen gefunden hatten.

Es war früh morgens, die Sonne noch nicht einmal aufgegangen, als eine dunkle Gestalt sich vom Sofa erhob und sich langsam anzog. Gerne wäre er weiter in den Armen seines Liebsten liegen geblieben, doch statt dessen legte er einen Brief auf den Tisch und verließ eilends die Villa.
Lucius erwachte später und fragte sich, wo er war. Wo war sein Severus? Müde sah er sich um und entdeckte den für ihn verfassten Brief. Er setzte sich auf, zog seinen Umhang um sich, nahm den Brief und ging damit zum Fenster. Durch die dunklen Vorhänge drang das erste Licht und er begann zu lesen.

Lieber Lucius,
ich wollte dir danken, danken dafür, dass du mir ein weiteres Mal gezeigt hast, wie es ist wirklich geliebt zu werden. Wie gern hätte ich dieses Geschenk und vor allem diese wohltuenden Gefühle aus gekostet, doch dazu habe ich nicht das Recht. Ich habe mich entschieden, dass deine Familie es nicht verdient hat, auf solche Weise hintergangen zu werden. Narzissa und Draco sind wunderbare Menschen und ich wäre der Letzte, der dich ihnen wegnehmen möchte. Deswegen schreibe ich dir diese Zeilen. Ich verabschiede mich also als der, der ich gestern sein dürfte und werde diese Rolle niemals wieder einnehmen. Ich werde nicht mehr sein, als dein Freund, der ich die letzten 13 Jahre war. Doch ich werde nicht traurig sein, denn ich habe bereits gestern meine Träne vergossen.
Ich habe nur eine Bitte, vergiss uns niemals.

In Liebe dein Severus

Der Blonde las den Brief einige Male durch. Schließlich zog er den Umhang enger und ging auf den Balkon. Von dort aus sah er eine rote Sonne auf gehen und im Licht des neuen Tages blitzten drei Tränen. „Nun steh ich hier und vergieße Tränen. Eine für dich, weil du eine schwere Entscheidung gegen dein eigenes Glück gewählt hast. Eine für meine Frau und meinen Sohn, da ich sie aufgeben wollte. Und eine letzte für mich selbst, weil ich deine Entscheidung, unsere Bindung auf zu geben, akzeptieren muss.“
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