Die Gnade des Moments

von Kathyana
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Kai Sturm
03.04.2008
09.04.2008
3
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03.04.2008 886
 
Fandom: Motorrad-Cops – Hart am Limit
Autorin: Aiyana
Disclaimer: Ich habe keine Rechte an der Serie und verdiene kein Geld damit.


Die Motorrad-Cops – Hart am Limit
- Die Gnade des Moments -


Noch immer leicht benommen rappelte Kai sich hoch. Vor seinen Augen tanzten schwarze Punkte und in seinem Rücken pochte ein dumpfer Schmerz. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, fiel ihm das Atmen schwerer als sonst. Unweit von ihm lag seine Sporttourer im Graben. Die Ducati 900 war zwar sehr zuverlässig, aber eben keine Geländemaschine. Für Sunny wäre dieser kurze Abstecher neben die Fahrbahn, von der er in einer Kurve abgekommen war, kein Problem gewesen, aber sie fuhr auch eine Enduro. Doch es lohnte sich nicht, sich jetzt darüber Gedanken zu machen, ob Sunny auch abgeschmiert wäre, denn ändern konnte er am Geschehenen ohnehin nichts mehr.
Mit zitternden Fingern zog er schließlich den Helm ab und ließ sich dann noch einmal zurücksinken, damit die Welt endlich aufhörte, sich um ihn zu drehen. Als ihm das schließlich gelang, stand er auf. Seine Knie waren zwar noch sehr weich, aber es ging wieder. Mit noch etwas unsicheren Schritten ging er zu seiner Maschine. Doch um sie wieder auf die Räder und zurück auf die Fahrbahn zu bringen musste er seine ganze Kraft aufbringen. Erschöpft hielt er inne, als er es geschafft hatte. Erste nach einigen Minuten holte er sich dann seinen Helm, setzte ihn auf und bestieg sein Motorrad. Noch einmal verharrte er für einige Momente, dann startete er den Motor seiner Ducati und fuhr los.
Fast die ganze Strecke bis zum Revier fuhr er wesentlich langsamer als es erlaubt gewesen wäre. Es war einfach so, dass er sich noch immer etwas benommen fühlte und sich nicht sicher war, ob er die Maschinen bei einer höheren Geschwindigkeit unter Kontrolle halten konnte. Außerdem tat ihm sein Rücken noch vom Sturz weh. Und wegen der harten Federung seiner Sporttourer, bemühte er sich Bodenunebenheiten nach Möglichkeit zu meiden. Und das war nur dann möglich, wenn er nicht sehr schnell fuhr, so dass er sie kommen sah und ausweichen konnte.
Als er die Wache endlich erreicht hatte, fuhr er direkt bis in den Raum, in dem sie ihre Maschinen für gewöhnlich parkten. Es war eine Mischung aus Garage und Werkstatt und grenzte an ihr Büro an. Schon von hier aus konnte Kai durch die gläserne Trennwand sehen, dass nur Abendroth da war. Der LKA-Beamte saß am Computer, in irgendwelche Recherchen vertieft, und hatte ihn noch nicht einmal bemerkt. Im Grunde war es ihm auch lieb, wenn niemand ihn jetzt sah, denn wenn er so aussah, wie er sich fühlte... trotzdem musste er seine Kollegen darüber in Kenntnis setzen, dass der Flüchtige, den er verfolgt hatte, ihm entkommen war.
Mit zitternden Händen stellte er den Motor der Ducati ab, löste den Kinnriemen seines Helms und nahm ihn ab. Dann erst schwang sich von der Sitzbank, musste sich aber im nächsten Augenblick daran festhalten, weil seine Knie noch immer sehr weich waren. Wahrscheinlich ’n Schock, erklärte Kai sich selbst seine Symptome. Es war immerhin möglich, denn er hatte einen Unfall gehabt.
„Hallo, Abendroth,“ begrüßte er wenig später seinen Kollegen, als er das Büro betrat. Der LKA-Mann sah auf und erstarrte.
„Was ist passiert?“ erkundigte er sich sofort und sah mit einem Mal recht besorgt aus.
„Ich hab mich abhängen lassen,“ erwiderte Kai leicht gereizt, als wollte Abendroth ihn in seiner persönlichen Ehre angreifen.
„So war das nicht gemeint,“ bemerkte der gleich darauf. „Ich wollte eigentlich wissen, was mit dir passiert ist.“
„Bin bloß abgeschmiert und in ’nen Graben gefahren,“ verharmloste Kai den Unfall, bei dem er von der Straße abgekommen und samt seinem Motorrad im Unterholz gelandet war. „Ich sollte jetzt duschen gehen.“
„In der Tat, das wäre kein Fehler,“ bestätigte Abendroth nur wenig beruhigt, dann sah er dem 28jährigen Polizisten nach, der sich jetzt auf den Weg zur Dusche machte.
Mit seltsam schleppenden Schritten ging Kai davon, doch unter dem Rahmen der Bürotüre blieb er dann stehen, um sich daran festzuhalten. Plötzlich fiel es ihm wieder sehr schwer Luft zu bekommen und seine Knie zitterten so stark, dass er schwankte. Auch die dunklen Punkte tanzten jetzt wieder vor seinen Augen, so dass er für einen Moment lange die Lider über die Pupillen senkte, um gegen die Benommenheit anzukämpfen.
Er hörte Abendroth nicht, der besorgt fragte, ob es ihm nicht gut gehen würde, sondern bemerkte ihn erst, als er neben ihm war und ihm unter die Arme griff.
„Setz dich erst einmal,“ wies der LKA-Beamte ihn an und bugsierte ihn zu einem Stuhl. Als er endlich saß war sein Gesicht noch farbloser als es schon gewesen war, als er das Büro betreten hatte. Schmerzwellen wogen durch seinen Körper und er musste darum kämpfen nicht ohnmächtig zu werden.
Abendroth kniete jetzt vor ihm, sah ihn besorgt an und hielt ihn fest, damit er nicht vom Stuhl kippte.
„Schnell, wir brauchen hier einen Notarzt!“ rief er durch die Bürotür, die Kai offen gelassen hatte, hinaus. Er wusste, dass die anderen Kollegen ihn gut hören konnten und seiner Aufforderung augenblicklich nachkommen würden. Dann widmete er sich wieder Kai, dessen Atem jetzt beängstigend zu rasseln begonnen hatte.
„Halte durch, Kai. Hilfe ist unterwegs,“ teilte Abendroth ihm mit, obwohl er sich nicht einmal sehr sicher war, dass der ihn auch hörte.
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