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Special Unit 2: Gnom-Pocken

GeschichteHumor / P6 / Gen
02.04.2008
02.04.2008
1
1.905
1
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Dieses Kapitel
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02.04.2008 1.905
 
Titel: Gnom-Pocken
Autor: Lady Charena
Fandom: Special Unit 2
Paarung: Kate Benson, Nick O’Malley, Carl, Capt. Page, Sean
Rating: gen, Humor
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Nick hat sich was eingefangen. Und ich wette, eine gewöhnliche Grippe wäre ihm lieber gewesen...

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


„Du bist zu spät dran, O’Malley“, zischte Kate, als Nick endlich an seinen Schreibtisch schlich. „Und wie siehst du überhaupt aus?“ Ihr Tonfall änderte sich zu Besorgnis, als sie ihren Partner näher in Augenschein nahm. Nick wirkte nicht einfach verkatert, wie häufiger bei Dienstantritt, sondern als hätte er den Großvater aller Kater. Sein Gesicht war eindeutig gelb und unter seinen Augen lagen graue Schatten. „Du siehst ja furchtbar aus.“

Nick schnitt eine Grimasse. „Danke, Benson“, erwiderte er ätzend. „Es geht doch nichts über nette Kollegen. Ich habe mir nur eine Erkältung geholt, das ist alles.“

Doch mit „nur eine Erkältung geholt“ schien es nicht getan zu sein. Es war ein ungewöhnlich ruhiger Tag, offenbar trieben sich selbst die Links bei diesem Nieselwetter nicht gerne auf den Straßen Chicagos herum und so blieben auch Nick und Kate an ihren Schreibtischen, brachten ihren Papierkram auf Vordermann und studierten die neuen Unterlagen, die Sean über Medusen aufgetrieben hatte. Um sie herum herrschte die übliche Betriebsamkeit: Beamte kamen und gingen, trugen Aktenstapel von einem Ende des Raumes zum anderen, unterhielten sich gedämpft, tranken Unmengen an Kaffee und freuten sich über eine seltene Ruhepause.

Mit einmal fiel Kate auf, wie still es war und sie warf einen Blick auf die Uhr. Die meisten Kollegen waren Mittagessen gegangen. Sie wandte sich Nick zu, um ihn einzuladen, mit ihr Essen zu gehen – doch Nick hatte den Kopf auf den Schreibtisch gelegt und schien fest zu schlafen. Kate grinste und stand auf, um ihn an der Schulter zu rütteln. Erst nach einer viel zu langen Zeit reagierte Nick endlich und hob den Kopf, er blinzelte Kate aus roten, angeschwollenen Augen an. „Nick!“ Kate musterte ihn erschrocken. Zu der fahlen Gesichtsfarbe hatten sich jetzt zahllose grünliche Bläschen gesellt, die sein gesamtes Gesicht und den Hals bedeckten. „Nick, du bist wirklich krank. Das ist keine Erkältung.“ Sie berührte mit dem Handrücken seine Stirn, die fiebrig heiß war.

„Was’n los?“, murmelte Nick und richtete sich auf – um schwer gegen die Stuhllehne zu sacken. „Mir ist schwindlig.“

Inzwischen waren auch die anderen, noch anwesenden, Beamten auf Nick und Kate aufmerksam geworden und Benson wandte sich an einen von ihnen. „Wir müssen einen Arzt rufen.“

„Ich bin nicht krank!“, protestierte Nick, doch niemand schenkte ihm Gehör.

„Ich schlage vor, Sie bringen O’Malley in eines der Besprechungszimmer, Benson.“ Captain Page war unerwartet aufgetaucht um nach der Ursache für den Aufruhr zu sehen. „Und ich piepe inzwischen Sean an.“

„Dann wissen Sie, um welche Krankheit es sich handelt, Sir?“ Kate sah ihren Vorgesetzten fragend an.

Captain Page musterte Nick. „Ich fürchte, es sind Gnom-Pocken.“

Nick sackte aufstöhnend in sich zusammen, als er das Wort Gnom hörte. „Ich bringe ihn um, dieses Mal bringe ich ihn um!“, murmelte er.

* * *

Etwa eine Stunde später tauchte Sean in dem Besprechungszimmer auf, in das Kate mit der Hilfe zweier Kollegen Nick geschafft hatte. Sie atmete erleichtert auf. Irgendwie eignete sie sich nicht als Krankenpflegerin und aufmunternde Sprüche waren noch nie ihr Ding gewesen.

Sean trug einen Mundschutz, Handschuhe und einen Laborkittel über seinen normalen Klamotten. „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht“, begann er.

Nick richtete sich auf, sein Gesicht nahm den üblich-drohenden Ausdruck an, doch irgendwie verhinderten die grünlichen Bläschen, dass er wirklich bedrohlich aussah. Eher... schräg. „Lass’ den Quatsch, Sean und komm’ schon zur Sache“, forderte er.

Sean lehnte sich gegen die Tür. „Die schlechte Nachricht ist, du hast tatsächlich Gnom-Pocken. Und das ist, wenn man ein überstrapaziertes Klischee verwenden will – faszinierend. Ich konnte nirgends Aufzeichnungen darüber finden, dass ein Mensch jemals daran erkrankt war. Für Gnome ist es keine schlimme Erkrankung, die meisten bekommen die Pocken, wenn sie noch Kinder sind. Das ist so wie mit den Windpocken bei uns Menschen.“

Nick nahm diese Neuigkeit mit düsterem Schweigen entgegen.

„Und was ist die gute Nachricht?“, fragte Kate. „Mach’ es nicht so spannend, Sean!“

„Gnom-Pocken können von Mensch zu Mensch nicht übertragen werden. Nick hat sich also bei einem Gnom angesteckt, aber er kann keinen von uns infizieren.“

Kate schüttelte den Kopf, obwohl sie selbst sehr erleichtert war, dass ihr die grünen Bläschen erspart blieben. „Warum tauchst du dann in diesem Aufzug hier auf?“, fragte sie scharf.

„Reine Vorsichtsmaßnahme“, entgegnete der Wissenschaftler. „Außerdem finde ich, ich seh’ in dem Kittel schick aus. Die Mädels fliegen auf so was.“

Kate seufzte. „Ja, Sean. Und jetzt verrate uns doch bitte, was man gegen diese Gnom-Pocken tun kann?“

Sean zuckte mit den Schultern und nahm den Mundschutz ab. „Nichts“, verkündete er mit der Fröhlichkeit eines Unbeteiligten. „Alles deutet darauf hin, dass die Krankheit in ein paar Tagen wieder weg ist, wie ne Erkältung. Der Captain meint, du sollst solange Zuhause bleiben, Nick, und dich erholen. Oh, und du hast doch sicher nichts dagegen, wenn ich dir ein wenig Blut abzapfe? Vielleicht kann ich ein Impfserum entwickeln...“

Nick knurrte und Kate sah ihn beunruhigt an. Entweder aus Wut – oder aber vom Fieber – verfärbte sich sein Gesicht langsam rötlich, so dass er einen noch groteskeren Anblick als zuvor bot. „Kann ich irgendwas für dich tun?“, fragte sie.

„Schaff’ mir diesen Gnom her, damit ich ihn in seine Einzelteile zerlegen kann.“ Nick kam auf die Beine, taumelte kurz und stützte sich am Tisch ab, bis der Schwindel vorbei war und die Welt aufhörte, so komisch zu wogen und zu wackeln. „Carl ist der einzige Gnom, mit dem ich es in den letzten Tagen zu tun hatte. Er muss mich angesteckt haben! Und dafür bringe ich ihn um. Und dann verfüttere ich ihn Häppchen für Häppchen an den Müllschlucker im Schacht. Ich werde ihm sogar hinterher die Tentakel schütteln.“

„Jetzt sei’ nicht albern, Nick...“, begann Kate im Tonfall vernünftige-große-Schwester. Aber sie kam nicht weiter, denn Nick kippte plötzlichen hintenüber und schlug lang auf den Boden.

* * *

Ein Kreischen weckte Nick und er schlug die Augen auf. Er fühlte sich immer noch miserabel: sein Kopf pochte; sein Hals fühlte sich an, als habe er mit Sandpapier gegurgelt und seine Arme und Beine schienen bleischwer. Langsam drehte er den Kopf und sah sich um. Befand er sich wirklich in einer der Arrestzellen? Und wer zum Teufel veranstaltete hier so einen Krach?

Mühsam setzte Nick sich auf und schüttelte den Kopf, um die Benommenheit daraus zu vertreiben. Keine sonderlich tolle Idee, er hatte ganz vergessen, dass er ja an Kopfschmerzen litt. „Kann’ mir hier keiner mal ein Aspirin besorgen?“, brummte er und rieb sich die Schläfen. Wer schrie hier nur so rum?

„Ich will auf der Stelle hier raus! Ihr habt kein Recht, mich einzusperren! Ich habe nichts getan! Ich will hier raus! Ihr könnt mich doch nicht mit O’Malley in eine Zelle stecken. Der Kerl ist gemeingefährlich. Ich bin ein Gnom, ich kenne meine Rechte!“

Carl! Dieser kleine.... Nick blinzelte erneut und drehte den Kopf zur Tür, wo Carl seinen lautstarken Protest erhob. Oh, wenn er nur seine Arme und Beine besser bewegen könnte, aber das war so wahrscheinlich wie mit gekochten Spaghettis Mikado zu spielen. Nick schloss ergeben die Augen und lehnte sich gegen die Wand.

„Hey, O’Malley!“

„Halt’ die Klappe, Carl.“

„Sag’ denen, die sollen mich hier raus lassen, O’Malley. Ich habe überhaupt nichts getan und außerdem kann mir keiner was beweisen.“

Nick starrte den Gnom wütend an. „Ich wäre an deiner Stelle nicht so großmäulig, Carl. Deinetwegen fühle ich mich wie durchgekaut und ausgespuckt und wenn ich mich nicht so mies fühlen würde, dann würde ich dir deinen kleinen Gnomenschädel so lange gegen die Tür donnern, bis sie ein Loch hat. Und dich dann rausschmeißen“, meinte er giftig.

Carl machte vorsichtshalber – und nicht etwa, weil er vor Nick Schiss hatte – einen großen Schritt rückwärts und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich weiß ja nicht, in welcher Gosse du dir das geholt hast, O’Malley, von mir jedenfalls nicht. Ich hatte Gnom-Pocken im zartesten Alter. Und wie jeder weiß, kriegt man die nur einmal im Leben.“ Carl rümpfte die Nase. „Es ist wirklich empörend, dass man mich mit so einem zusammen in eine Zelle steckt. Ich könnte mir ja sonst was holen.“

Unter Aufbietung aller Kraft die in seinen müden Knochen steckte, stemmte sich Nick hoch und griff nach Carl.

* * *

„Aber war das wirklich notwendig, Captain, die beiden in einen Raum zu stecken?“ Kate konnte ihre Verständnislosigkeit nicht länger für sich behalten.

„Ich musste das Risiko so gering wie möglich halten, Benson. Carl hat O’Malley schon angesteckt und ich kann diesem Gnom nicht erlauben, hier weiter herum zu spazieren und meine Beamten mit Gnom-Pocken zu infizieren. Das war die einzig freie Zelle.“ Captain Pages künstliche Hand knirschte ein wenig, als er seine Chipkarte in das elektronische Schloss steckte. „Außerdem hat er versprochen, sich zur Abwechslung einmal ordentlich zu benehmen. Seine Bewährung läuft in zwei Tagen aus.“

„Eigentlich mache ich mir eher Sorgen um O’Malley, Sir.“ Kate zuckte mit den Schultern. „Er hat zwar geschlafen, als wir ihn im Arrestraum ließen, aber wenn er wach wird und Carl sieht... Sie wissen ja, wie er ist, Captain.“

Die Tür ging auf. Captain Page hob eine Augenbraue, als er Nick auf Carls Beinen knien sah, die Hände um den stämmigen Hals des Gnoms gelegt. „Benson, holen Sie O’Malley von Carl runter und bringen Sie ihn nach Hause.“

Nick brachte keine große Gegenwehr mehr zustande, als seine Partnerin ihn von dem Gnom zog und auf die Beine half.

„Das war pure Absicht!“, beklagte sich Carl, der ohne Hilfe aufstand und seinen malträtierten Hals betastete. „Sie haben mich absichtlich hier eingesperrt, damit dieser Verrückte mich umbringt.“ Er starrte Captain Page anklagend an.

Der Chef der SU2 musterte den Gnom eindringlich.

„Was?“, fragte Carl gekränkt.

„Sagtest du nicht, du hättest die Pocken schon gehabt?“, meinte Kate, der ebenfalls die merkwürdigen Punkte in Carls Gesicht aufgefallen waren.

„Natürlich. Im zarten Alter von 75 Jahren.“ Carl verschränkte die kurzen Arme vor der Brust. „Oder war es Sumpffieber?“

Nick begann zu lachen, was aber in einem Hustenanfall endete. Er legte den Arm um seine Partnerin und fühlte sich schon erheblich besser, obwohl es in seiner Kehle kratzte und brannte, als sie ihn aus dem Raum führte.

„Ich denke, das ist ein Irrtum.“ Captain Page trat zurück und die Tür glitt zu. Er blickte durch das Sichtfenster auf den Gnom. „Du stehst unter Quarantäne, Carl. Viel Vergnügen beim Aufenthalt in unserer Luxussuite. Dir sind die Räumlichkeiten ja bestens vertraut.“

Nick atmete genießerisch die frische Luft ein, als sie aus der Wäscherei auf die Straße traten. Es hatte endlich aufgehört zu regnen. „Hey, Kate, darf ich mich in meinem Auto nach Hause fahren?“

„Ich fahre dich in meinem Auto nach Hause“, berichtigte Kate trocken.

„Okay, wie du willst.“

Einen Moment sah ihn Kate verblüfft an. Sie hatte mit Widerworten gerechnet. Doch Nick grinste nur und pfiff leise vor sich hin. Erstaunlich. Vielleicht eine Nebenwirkung des Fiebers. Oder der Pocken. Auf jeden Fall würde es nur vorübergehend sein. Und das war gut so. Wer wollte schon so einen langweilig-normalen Partner...


Ende
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