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Sterne und Idioten

von Amberlove
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Ben Kessler Katja Metz
02.04.2008
04.04.2008
1
2.210
 
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02.04.2008 2.210
 
Es klingelte an Katjas Wohnungstür und völlig wütend ging sie auf diese zu, um ihren aufdringlichen Nachbarn ein drittes Mal an diesem Tage anzuschreien.
Nach dem zweiten Klingeln riss sie die Tür auf und erhob ihre Stimme: „Jetzt hören Sie mal ich hab ...“ Erst dann bemerkte sie, dass es ihr Kollege in Zivilkleidung war, der vor ihrer Tür stand.
„Das ist doch mal ein netter Empfang“, meinte ihr Kollege und sah sie verwundert an.
„Oh, du bist das“, sagte sie nun wieder mit ihrer gewöhnlichen Stimme, „tut mir Leid.“
„Macht nichts, ich bin das ja von dir gewohnt“, meinte Ben wie beiläufig, sah zum Boden, dann wieder zu seiner Kollegin, fing charmant an zu lächeln. Während sie ihren Kollegen anlächelte, erschien wieder der Nachbar in seiner Tür gegenüber und beobachtete die Beiden. Ben wusste es, denn er hatte ihn schon beim Raufgehen gesehen, er wollte gerade an Katjas Tür klingeln, doch er war verschwunden, als er Ben gesehen hatte.
So sah Katja ihren Kollegen mit einem spielerischen Lächeln an, „Was gibt’s denn?“ Aus den Augenwinkeln hatte auch sie nun wieder ihren Nachbarn entdeckt.
„Kann ich reinkommen?“, fragte Ben überflüssigerweise, denn während er fragte, ging er hinein, was Katja ohne Widerstand geschehen ließ, sodass sie sogar einige Schritte zurückgehen musste. Als Ben die Tür jedoch offen ließ, sie noch weiter zurückdrängte, seine Arme um sie schloss und die Tür mit einem Fuß ins Schloss fielen ließ, wurde sie wieder wütend. Zu ihrer Überraschung ließ Ben sie aber schon wieder los, als die Tür geschlossen war und legte seinen Finger zum Glück auf seine Lippen, was ihr sagen sollte, dass sie still sein sollte. Doch sofort setzte sie an sich aufzuregen, woraufhin Ben sofort seinen Finger auf ihre Lippen flitzen ließ.
„Hast du sie noch alle?“, zischte sie ihn wütend an, noch immer vollkommen überrumpelt. Katja lag bis vor wenigen Sekunden noch so halb auf ihrer Kommode, Ben vor ihr, doch inzwischen hatte sie einen gewissen Sicherheitsabstand zwischen ihnen wieder entstehen lassen.
„Dein Nachbar“, sagte er, „ich wollte nicht, dass er denkt, dass ich dienstlich hier bin.“
„Ach, sonst hast du keine Problem oder was?“, machte sie ihn an, „ich hab dir gesagt, dass du dich da nicht einmischen sollst!“
„Beruhig dich mal“, meinte er, „ich muss dir einiges erzählen. Wir ermitteln nämlich schon seit gut sechs Stunden.“
„Wie bitte?!“, fragte sie empört.
„Dein Stalker ist zig mal vorbestraft und hat eine Kamera in deinem Wohnzimmer installiert“, erzählte er ihr hektisch.
Katja schluckte, sah ihren Kollegen an, „woher willst du wissen, ob in meinem Wohnzimmer eine Kamera ist?“
„Wir haben vorhin Harry rübergeschickt und sie hat ein bisschen rumgeschnüffelt, als du gerade den Müll runtergebracht hast und er dir nachgelaufen ist“, erzählte er, als gäbe es noch etwas viel wichtigeres zu sagen. Ben wollte anscheinend einiges loswerden, aber Katja glaube, dass sie all das kaum wissen wollte.
„Und warum sagt mir keiner Bescheid?“, fragte sie ihn, „ihr habt alle meine Handynummer!“
„Er darf nicht wissen, dass wir es wissen, aber das erklär ich dir gleich“, meinte er, „uns bleibt nicht viel Zeit.“
„Kannst du mir nicht einfach mal schnell in 10 Sätzen alles erzählen was du weißt? Ich bin hier doch in keiner Krimiserie“, zickte sie ihn an.
„Ja, wenn du mich ausreden lässt“, sagte er ruhig und sah sie erwartungsvoll an.
Ben schüttelte genervt den Kopf, Ben benahm sich mal wieder wie ein kleines Kind, das stolz darauf war, das es viel erzähle konnte.
„Was denn?“, harkte er nach.
„Jetzt sag schon, was du noch mit mir vor hast“, meinte sie genervt.
„Also er hört garantiert dein Telefon ab und deine Handys auch, sein Bruder sitzt an der Quelle, der kann so was alles machen“, fing er wieder an.
„Ihh, wenn ich mir vorstelle, dass der mich im Wohnzimmer beobachtet hat“, fiel ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen.
„Er hat bisher immer versucht seine Geliebten umzubringen“, sagte Ben, „das haben wir vor zehn Minuten erfahren.“
Katja wusste nichts zu sagen, sah ihren Kollegen skeptisch an. „Ben, der ist zwar nervig, aber so extrem war er nicht. Er hat mich weder mit Anrufen bombardiert, noch Briefe geschrieben. Er klingelt nur an meiner Tür und will rein. Das macht er in gewissen Maßen genau wie du.“
„Nur, dass ich nicht reihenweise hübsche Blondinen in deiner Größe, deiner Augenfarbe und tiefen Stimmen belästige“, meinte Ben.
„Ach, nicht?“, sah Katja ihren Kollegen auf herablassende Weise an.
„Und umgebracht hab ich bisher auch noch niemanden“, meinte er immer noch charmant, „vor allem nicht so schöne Frauen wie dich.“
„Und wie sieht jetzt der Plan aus?“, fragte Katja kalt, um von seiner Flirterei wieder wegzukommen, „warum nehmt ihr ihn nicht einfach fest?“
„Er wurde bisher immer freigesprochen, die Beweise fehlten, er ist raffiniert“, erklärte er ihr nun wieder sachlich.
„Ach, es gibt keine Beweise“, sagte Katja, als wäre alles klar.
„Katja, wir sitzen alle seit Stunden in der Wache, waren am Rätseln und machen uns sorgen“, meinte Ben jetzt etwas aufgebrachter, „und du willst mir jetzt sagen, dass das alles nicht stimmt? Nur weil Frau Metz das nicht in Kram passt, wenn sie einen Fall nicht mal selbst bearbeitet?!“
Sie atmete aus, sah zu Boden, dann wieder in die Augen ihres Kollegen.
„Katja, der will dich umbringen“, sagte Ben, „überall hat der Bilder von dir in seiner Wohnung. Blutige Augen und was weiß ich nicht alles. Als Harry das beschrieben hat, hätte ich kotzen können, echt, der Kerl ist krank.“
„Ja, und wenn du ihn eifersüchtig machst und wie ein Liebhaber auf mich stürzt, lässt er mich in Ruhe oder was?“, fragte Katja gereizt.
„Er hat Harry in seiner Wohnung erwischt, er ist misstrauisch geworden“, meinte Ben.
„Ja, na und? Ben ich versteh deine Aktion nicht. Das passt doch alles nicht zusammen. Was soll er denn schon machen?“, keifte sie ihn an, „Eifersucht macht es doch nur noch schlimmer!“
Es klingelte an der Tür. Erschrocken sahen sie sich an.
„Wir brauchen Beweise, Katja“, sagte Ben, „man konnte ihm nie was nachweisen.“
„Ben, ich versteh das alles nicht. Eine Kamera in meinem Wohnzimmer. Wo fehlt da der Beweis?“, fragte sie.
„Die Morde, die Beweise für die Morde fehlen“, sagte Ben unsicher und erschrocken über sich selbst.
„Wie viele Frauen sind gestorben?“, wollte sie wissen.
„Acht, vermutlich“, sagte er und wusste, dass er Katja überzeugt hatte, sie fragte, um zu wissen, wofür sie es tun würde. Was auch immer dieses es war ...
„Also, was habt ihr euch überlegt?“, fragte sie ihren Kollegen sachlich.
Es klingelte erneut.
Ben gab Katja ihre Waffe, „lass ihn rein.“
„Er muss doch wissen, dass ich Polizistin bin“, meinte Katja.
„Ja, aber er weiß auch, dass du ohne Waffe nach Hause gekomme bist“, sagte er eintrichternd.
„Ja, Mister Oberschlau“, sie steckte ihre Waffe weg, sodass man sie nicht sehen konnte und ging zur Tür.
„Sie schon wieder“, war Katjas Kommentar.
„Kann ich endlich reinkommen mein Stern?“, fragte eine süßliche Stimme und Ben erschien sofort an Katjas Seite.
„Mein Stern“, äffte Ben nach.
„Oh, Besuch“, stellte der Nachbar fest, als hätte er es nicht gewusst.
„Sie lassen ja eh nicht locker, Typen lassen mich generell nicht in Ruhe, wenn ich nein sage“, beschwerte Katja sich bei der Allgemeinheit.
„Bitten Sie doch ihren Kollegen zu gehen“, schlug ihr Nachbar vor und ging genauso einfach rein, wie Ben es eben gemacht hatte. Nur ließ Katja sich dieses Mal nicht an ihre Kommode drängen und wich zu Bens Seite aus. Ben wirkte allerdings sehr angespannt. Katja verstand noch immer nicht, warum er so angespannt und besorgt war.
„Ich bleibe“, sagte Ben bestimmt.
„Achja, tun Sie das?“, fragte der werte Nachbar.
Katja wagte es kaum zu sagen, doch sie tat es, „Ich habe noch keine Methode gefunden, um ihn loszuwerden, der kommt immer wieder und merkt gar nicht, dass ich ihn nicht ausstehen kann. Was kann ich denn nur machen?“, fragte Katja die fremde Person in ihrem Flur. Ben warf seiner Kollegin einen kurzen, fast bösen Blick zu.
„Nun“, sagte er mit einem fiesen Grinsen, „das glaube ich dir nicht, Süße. So wie er eben auf dich gestürzt ist.“
„Da kann man aber auch einfach nicht widerstehen“, wollte Ben provozieren. Es musste doch irgendwie möglich sein, diesen Typen so zu provozieren, dass er ausrastete.
„Es ist doch besser, wenn Sie gehen“, meinte der Kerl, „so einen wie Sie mag meine Katja bestimmt nicht, das war eben gegen Ihren Willen, hab ich Recht?“ Er sah fragend zu seiner Angebeteten.
Katja wich gespielt ängstlich von Bens Seite, „Sie haben Recht und das tagein und tagaus, ich kann nichts gegen ihn machen.“ Zu Bens Überraschung fing Katja an zu weinen. Er hatte nicht gewusst, was sie für eine begabte Schauspielerin sein konnte.
„Er schlägt mich“, setzte sie noch wimmernd hinzu. Allmählich wollte Ben all dies möglichst schnell hinter sich bringen, es war kaum auszuhalten.
„Nein, nicht weinen“, meinte der Kerl besorgt, „er darf dir nicht weh tun, das darf nur ich. Andere haben dieses Gefühl nicht verdient.“
Katja und Ben versuchten auf diese interessante Aussage keine Reaktion zu zeigen.
„Katja liebt nur mich, Sie Scheißkerl“, schrie Ben ihn auf einmal an, „lassen Sie sie los! Nur ich hab das Recht Sie zu quälen!“ Das war jetzt zu viel des Guten, dachte Katja. Ihr Nachbar musste Ben durchschaut haben. Oder etwa nicht?
In diesem Moment zog der Typ auf einmal blitzschnell eine Waffe und schoss.
„Das ist meine“, schrie er währenddessen.
Ben konnte dem Schuss ausweichen und Katja? Die packte ihr Opfer von hinten, seine  Waffe fiel. Nun hatten sie ihre Beweise, dachte sie wütend und erschrocken zugleich, denn Ben lag am Boden, sie wusste nicht, ob er getroffen worden war. Sie blickte kurz auf. Kein Blut, Ben stand vor ihr und ihm fiel nichts besseres ein, als sie lieb anzulächeln. „Was?“, keifte sie ihn an, als es wieder an der Tür klingelte. „Langsam kann ich das Geräusch nicht mehr hören“, meinte sie und drückte Ben den schmierigen Kerl in den Arm. Harry und Henning standen in der Tür. „Alles okay, nichts passiert“, entwarnte Katja die Beiden als sie ihre besorgten Gesichter sah.
„Ein Glück“, meinte Harry.
„Mensch Katja, wir hatten alle solche Angst“, meinte Henning und war froh sie zu sehen.
„Und Ben erst“, zwinkerte Harry ihr zu, „wir übernehmen den mal.“
„Ist gut“, meinte Katja und ließ sie rein.
Harry und Henning übernahmen den Übeltäter, gegen Bens Willen, der wollte die Sache lieber selbst in die Hand nehmen.
„Hey, bleib mal locker“, machte Henning ihn an, woraufhin Ben still war.

Die Tür fiel ins Schloss, Katja und Ben waren alleine in der Wohnung.

„Ich wusste gar nicht, dass du auf Kommando weinen kannst“, sagte Ben ihr beeindruckt.
Sie lächelte, „zwei Jahre Schauspielunterricht, mein Lieber!“
„Aber den Beweis, dass  er mich hätte umbringen wollen, haben wir nicht“, stellte Katja fest.
„Der wollte mich treffen“, meinte Ben empört.
„Du weißt genau, was ich meine“, sagte sie.
„Dann wärest du deinen nerven Kollegen fast losgeworden“, meinte Ben und sah sie gespannt auf ihre Reaktion an, „ärgerlich?“
„Ich dachte zuerst, dass  er dich getroffen hat“, sagte Katja nachdenklich und sah sich nach hinten hin um, sah in ihr Wohnzimmer, eine Kugel in ihrem Sofa. Ben schritt auf sie zu.
„Auch wenn du es nicht zugibst, wir sind ein gutes Team, mein Stern“, Ben grinste und Katja drehte sich um, war etwas überrascht, dass er so dicht hinter ihr stand.
„Wenn du nicht wieder eifersüchtig gewesen wärst, hätte er mich vielleicht wirklich umgebracht“, gab sie zu bedenken und sah ihn noch nachdenklicher an.
„Ich war doch nicht eifersüchtig“, verteidigte Ben sich sofort, „da hab ich bei dir wohl einige Chancen im Vergleich zu dem.
„Ich meine auch den Musiker“, sagte sie.
„Was hat der denn jetzt damit zu tun?“, wollte Ben wissen.
„Wenn du nicht eifersüchtig gewesen wärst, dann ...“, fing sie an zu erklären.
„Ich hab das überhaupt nicht nötig eifersüchtig zu sein“, empörte Ben sich mit einem Grinsen.
„Auf jeden fall wären wir ohne den nicht auf das Thema mit meinem Nachbarn gekommen“, kam sie nun zu dem eigentlichen Sinn des Themas.
„Ja, wir sind schon ein gutes Team geworden, Katja“, sagte Ben und sah sie lieb an.
„Danke Partner“, meinte sie lächelnd und erwiderte den Blick,
„Kein Problem, ich lass mich gern als nerveigen Kollegen bezeichnen, den man nicht los wird“, sagte Ben, sah zu Boden und zuckte mit den Schultern, „achja, schlagen tu ich dich auch noch.“
Katja lachte, „hat doch gewirkt.“
„Du hast mir doch geglaubt, als er dann da war“, erinnerte Ben sie, „ich dachte, dass du nicht mitmachen würdest.“
„Tja, du kennst mich eben nicht gut genug“, meinte Katja und grinste wieder.
„Das liegt aber nicht an mir“, kam es sofort von Ben. Sie standen noch immer im Flur, dicht beieinander, die Wohnungstür stand offen.
„Danke Ben, für alles“, sagte Katja, drückte ihn an sich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Katja wollte sich wieder von ihm lösen, doch er hielt sie fest. „Lässt du mich vielleicht mal wieder los?“, fragte sie überrascht.
„Ungern“, kam es von ihm.
„Ben“, zickte sie ihn empört an.
„Las sie mal los, aber ganz fix“, kam Dirk die Tür reingestolpert.
Ben blieb nichts anderes übrig, ließ sie los. Doch ihre Blicke verfingen sich wieder und trotz allem drückte Katja ihm einen zweiten Kuss auf die Wange, „Idiot.“
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