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Wenn der Partner schweigt ...

von Amberlove
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Ben Kessler Dirk Matthies Katja Metz
31.03.2008
31.03.2008
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„Ben!“, schrie sie wütend durch die gesamte Wache. Der Gerufene befand sich gerade auf dem Flur zum Wachraum, während sie im Aufenthaltsraum nach ihm verlangte. Die Kollegen sahen ihn belustigt an und er drehte sich um, um zu ihr zu gehen.
„Da bist du ja“, keifte sie ihn zornig an.
„Warum hast du mir nicht erzählt, dass Dirk im Krankenhaus ist?!“, sie zog währenddessen ihre Jacke an und starrte ihn enttäuscht und entrüstet zugleich an. Schließlich war es Harry gewesen, die ihr davon erzählt haben musste, dachte er, als diese gerade schuldbewusst aus der Tür schlich und zu ihrem Partner ging.
Katja sah ihren Kollegen scharf an, „Ich will so was wissen, er war mein Partner, Ben!“
„Bevor du wieder den Teufel an die Wand malst, dachte ich, sag ich eben nix“, erwiderte er und war sich nicht mehr sicher, ob er sich richtig entschieden hatte.
„Ja, vielleicht, wenn er eine OP hätte oder, ach“, machte sie ihn wütend an, „aber er liegt im Koma Ben! Und vielleicht wacht er nicht mehr auf und dann ...“, sie stockte. Ja, was wenn er nicht mehr aufwachte, sie ihn nicht wieder sehen würde? Was dann?
Ben legte ihr eine Hand auf die Schulter, wollte sie beruhigen. Sie schüttelte seine Hand sofort von sich runter.
„Lass mich einfach“, sie sprach mit kühler Stimme zu ihm, eiskalt, „lass mich verdammt noch mal endlich in Ruhe.“ Dann drehte sie sich um, mit Gedanken bei Dirk. Angst, dass ... Mit halben Kopf bei Ben, weil er sie mal wieder enttäuscht hatte. War das das Vertrauen zwischen Kollegen? Warum schwieg er? Warum log er? Warum ...? Wieso traf er immer wieder so merkwürdige Entscheidungen?
Doch, sie überlegte kurz, Harry hatte es ihr nicht direkt erzählt. Es schien als wäre ...
Ja, dachte Katja, alle wussten es, nur ihr hatte man es nicht erzählt. Gerade ihr ...
Sie durchschritt den Flur, wusste, dass Ben ihr folgte, ging in den Wachraum.
„Warum habt ihr mir es nicht gesagt?“, fragte sie in die Runde, „ihr wusstet es alle.“
„Wer hat es dir erzählt?“, fragte Nicky sofort etwas betroffen.
„Harry ist es rausgerutscht“, sagte Katja kühl, „was sind wir eigentlich für ein Team? Ich finde das zum Kotzen!“ Mit diesen Worten gingen sie raus. Ben stand in der Tür, sah Lothar, Nicky und Henning an. Sie warfen sich vielsagende Blicke zu. Er war es, der es ausbaden musste, ganz alleine Ben. So folgte Ben Katja in den Wagen und bevor sie den Wagen gestartet hatte, war er auf der Beifahrerseite eingestiegen.
„Wir dachten alle, dass es besser wäre“, sagte Ben bevor Katja ihn wieder rauswerfen konnte.
„Ja, falsch gedacht“, sagte sie noch immer vollkommen kühl, „ich dachte, du wärst mein Partner.“
„Deswegen habe ich es dir nicht gesagt“, sagte er ruhig, sah sie an.
Katja startete den Motor, dachte nicht daran Ben zu sagen, er solle gehen. Viel zu geschockt, als dass sie ihn weiter hätte anschreien können. Vier Tage dachte sie, vier Tage gelogen, vier Tage hatte er geschwiegen, vier Tage, eine halbe Woche ...
Vor dem Krankenhaus parkte sie, stieg aus ohne ein Wort zu sagen, hätte ihn alleine im Auto zurückgelassen, ohne etwas zu sagen. Doch sie kannte ihren Kollegen zu gut, er kam mit ihr.
Gerade wollte sie auf die Rezeption zugehen, als Ben wieder eine Hand auf ihre Schulter legte. Natürlich, er kannte das Zimmer. Und natürlich schüttelte sie seine Hand ab. Ging neben ihm her.
Einverständnis einer Schwester. Sie wollte in das Zimmer, Zimmer 142. Ben wollte ihr folgen. Böser Blick. Er blieb zurück und sie öffnete tapfer die Tür.
Da lag er, Dirk, ihr ehemaliger Partner. Kabel. Kabel. Verband. Reglos lag er da, sie ging immer näher zu ihm hin. Immer näher. Er lächelte leicht. Sie erwiderte das Lächeln, begann zu weinen. Die Tränen liefen ihr die Wangen hinunter. Sie konnte nichts tun, einfach nichts tun. Verzweifelt starrte sie ihn an, die Tränen wurden mehr. „Dirk“, flüsterte sie leise, „was machst du immer für Sachen.“ Wie gebannt sah sie ihn ruhig daliegen, wischte sich immer wieder die Tränen aus dem Gesicht,
als sie wieder Bens Hand auf ihrer Schulter spürte. Die fließenden Tränen begannen weniger zu werden. Noch immer starrte sie stur ihren ehemaligen Kollegen an, ohne Bens Hand von sich zu schütteln.
„Lüg mich nie wieder an“, wollte sie kalt sagen, doch ihre Stimme zitterte.
„Hey“, sagte er mit sanfter Stimme, um sie zu beruhigen. Er hasste es. Er hasste es, wenn er jemanden aufmuntern sollte. Gerade wenn sein Humor an Stellen wie dieser nicht angebracht war. Ohne darüber nachzudenken, drehte er seine Partnerin zu sich und schloss sie in Arm. Katja leistete keinen Widerstand.
„Er wird aufwachen, Katja“, meinte Ben besänftigend. Sollte er ihr sagen, dass die Chance bei 80 Prozent lag. Ben war optimistisch, er war nicht der Typ, der sich schon frühzeitig Sorgen machte. Vielleicht war seine Bindung zu Dirk auch einfach anders. Wenn er daran dachte, dass Katja ... nein, das wollte er sich nicht vorstellen. Er schloss sie noch enger an sich.
„Was ist genau passiert?“, wollte Katja wissen, löste sich von ihm und sah Ben in die Augen, „was hat er gemacht?“
“Das wissen wir nicht“, meinte Ben, „irgendwie weiß es keiner, wo er die letzten zwei Wochen war.“
„Aber unser momentaner Chef muss es doch wissen?“, fragte sie.
„Er sagt nichts, wir wissen es alle nicht“, meinte Ben, „aber Dirk wird es uns sagen ...“
„Nicht einmal er redet mehr mit mir“, stellte sie fest.
„Ich wollte dich nicht mit Tränen sehen“, meinte Ben so lieb wie er konnte, „auch wenn ich niemanden kenne, der so wunderschön ist, wen er weint.“ Es war nicht gelogen, er hatte noch nie jemanden gesehen, der beim Weinen so hübsch aussah. Auf diese Worte hin löste sie sich von Ben und sah Dirk wieder an. Aber er wusste, dass sie wusste,  dass es ausnahmsweise nicht einfach einer seiner doofen Sprüche war. Er lag richtig. Sie lächelte, gegen ihren Willen, was er wiederum nicht sehen konnte.

„So, raus mit Ihnen“, trällerte eine Schwester.
Sie taten wie geheißen.
„Unser neuer Boss wollte nicht, dass ihr es mir sagt, oder?“, fragte die Katja, die sich wieder gefangen und aufgehört hatte zu weinen.
Ben nickte schuldbewusst und zuckte mit den Schultern, „tut mir Leid. Aber es war besser für dich.“
„Woher willst du wissen, was besser für mich ist?“; fragte sie gereizt.
„Weil ich dein Partner bin und du mir vertrauen kannst“, war seine Antwort dazu, „warum vier Tage unnötig Sorgen machen?“
„Falls du mal irgendwann hier liegen solltest“, sagte sie in einem Tonfall als würde sie ihm drohen, „dann schwör ich dir, bin ich die letzte die an deinem Bett steht und sich Sorgen um dich macht.“
„Gut“, meinte Ben, „das will ich nämlich auch gar nicht. Was bringt mir das, wenn du dir 14 Tage Sorgen machst und ich am 15. Tag aufwache?“
„Und wenn er nicht aufwacht?“, fragte Katja, „was wenn nicht?“ Sie war wieder kühl geworden, keine Träne.
Ben zuckte mit den Schultern.
„Toll“, war ihr Kommentar zu dieser Reaktion.

„Und jetzt?“, fragte Ben, „zum Fall Otten?“
„Nein, unserem Möchtegernboss die Meinung sagen“, meinte sie kampflustig.
„Muss ich dich festhalten damit du ihn nicht erwürgst?“, fragte Ben.
„Pass lieber auf, dass ich dich nicht erwürge“, warnte sie ihn wenig belustigt.
„Ich nehme denn das Bett neben Dirk“, schlug er vor und bereute es schon wieder.
Katja blieb stehen, sah ihn an, er sah sie an, eine Weile und dann verpasste sie ihm eine Ohrfeige.
„Bestell doch einfach schon mal deinen Leichenwagen und halt deine Klappe“, schrie sie ihn im nächsten Moment an und eine Träne kullerte ihr die Wange hinunter, Leichenwagen, dachte sie, Leichenwagen ...
Lange sahen sie sich in die Augen, sehr lange, die Menschen gingen an ihnen vorbei. Wunderten sich, dass zwei Polizisten mitten vor einem Krankenhaus standen, vor ihrem Polizeiauto und sich anstarrten. Tiefe Blicke in die Augen.
„Wenn deine scheiß Sprüche nicht wären, du ehrlich wärst, wärst du genau so ein guter Partner wie Dirk“, meinte sie und wollte auf die Beifahrerseite wechseln, ihm den Schlüssel in die Hand drücken. Letzteres gelang, doch Ben hielt sie fest, um sie weiter anzusehen.
„Tut mir Leid“, meinte er und sah ihr wieder in die Augen, „das war nicht so gemeint, ich nehme das nicht so ernst wie du, ich hab nicht drüber nachgedacht.“

„Ich weiß Ben“, sagte sie, „aber ...“
„Ich liebe dich“, sagte er, wich ihrem Blick aus.
Sie blickte wieder zu ihm auf. Warum sagte er es? Warum jetzt und hier?
Vielleicht, damit die Geschichte ein Ende nahm? Sie wollte kein Ende für diese Geschichte, drehte sich ohne etwas zu sagen um, ließ ihn wortlos am Wagen stehen und schritt wieder zum Krankenhaus. Sobald sie die Zimmertür 142 öffnen würde, würde sie wieder in die offenen Augen ihres wahren Partners sehen können. Das war es, was sie wollte. Und nur sie wusste, wer in dieser Geschichte ihr wahrer Partner war, nur sie ...
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