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Momentaufnahmen

von ayrenni
GeschichteAllgemein / P12 / MaleSlash
Caspar Reindl Demir Azlan Frank Wernitz Gebhard Schurlau Konny von Brendorp
27.03.2008
01.01.2009
9
9.316
 
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
27.03.2008 2.030
 
Anmerkung der Autorin: Also, viel Spaß beim Lesen, über Kommentare jeglicher Art würde ich mich sehr freuen.

Disclaimer: Mir gehört keiner der Charaktere und ich kriege für meine Stories kein Geld.

Pairing: Konny/Demir

Kurzbeschreibung: Nach „Die Botschaft“ muss Demir Konny wieder aufbauen.




Selbstzweifel



**********



Demir fühlte sich erleichtert, als er endlich seinen Kollegen folgen und Anhoffs Büro verlassen konnte. Er blickte noch einmal zurück. Durch die Glastür konnte er Geb und Anhoff erkennen, die sich gegenüber saßen und anscheinend heftig miteinander diskutierten.

Wahrscheinlich über ihn und seine Abmahnung. Aber die war ihm herzlich egal, solange Geb nicht erfuhr, warum Demir seinen eigenen Bruder verprügelt hatte. Er konnte sich gut vorstellen, was Geb dazu sagen würde, dass sein bester Freund ihm verschwiegen hatte, dass Demirs Bruder eine Affäre mit Gebs Frau hatte.

Doch im Moment hatte Demir andere Sorgen. Als er sich wieder umdrehte, bemerkte er plötzlich, dass er alleine auf dem Gang stand. Wo waren seine Kollegen hin? Naja, um ehrlich zu sein, suchte Demir nur einen seiner Kollegen.

Also, wo war Konny hin? Demir wusste, dass er der Erste gewesen war, der den Raum zuvor verlassen hatte. Demir hatte eigentlich vorgehabt, ihm zu folgen, doch er hatte ihn - so ganz in seine Gedanken vertieft – aus den Augen verloren.

Mit einem Schulterzucken setzte Demir seinen Weg fort. Er würde ihn schon irgendwo im Lagezentrum finden. Zuerst betrat er die Umkleideräume. Dort traf er allerdings nur auf Caspar und Frank, die sich gerade umzogen und wohl auf dem Weg nach Hause waren.

„Hey Jungs, hat einer von euch unsere Frau Gräfin gesehen?“, fragte er in möglichst beiläufigem Tonfall.

Frank schüttelte den Kopf, doch Caspar antwortete: „Ja klar, der ist gerade ins Büro verschwunden. Ich glaub der macht sich echt einen Kopf wegen dem Einsatz und dann hat ihn Geb auch noch dazu verdonnert, dass er den Bericht heute noch fertig schreibt. Das hätte echt nicht mehr sein müssen, wenn du mich fragst.“

Demir war verwirrt. Er hatte eben noch gehört, wie Geb Konny gesagt hatte, dass der Bericht Zeit bis morgen hätte. Warum blieb Konny freiwillig hier, wenn er doch eigentlich die Erlaubnis hatte, nach Hause zu gehen?

Konny und er hatten die Frau des Ministerpräsidenten schon drei Tage geschützt, bevor diese Verrückte in der Botschaft aufgetaucht war und eigentlich hätten sie nicht vor übermorgen zurückkommen sollen.

Anhoff hatte es wohl für eine Strafe gehalten, Demir mit Konny nach Weißrussland zu schicken, wo sie sich ein Hotelzimmer teilen und eigentlich den ganzen Tag miteinander verbringen mussten. Wenn der nur wüsste.

Demirs Gedanken schweiften ab zu letzter Nacht… Das Zimmermädchen musste sich darüber gewundert haben, dass eines der Betten morgens nie durcheinander war.

Als Demir schon zum zweiten Mal an diesem Tag – er war wohl auch nicht mehr ganz auf der Höhe – aus seinen Gedanken wieder auftauchte, bemerkte er, dass ihn Frank erwartungsvoll ansah. Er musste ihn wohl irgendetwas gefragt haben.

„Äh, was?“, gab Demir eloquent von sich. Mit einem verwirrten Blick wiederholte Frank, was er zuvor gesagt hatte: „Warum brauchst du Konny?“

„Ich wollte nur nach ihm sehen und ihm wenn nötig noch ein bisschen helfen“, gab Demir immer noch etwas zerstreut zurück. Mit diesen Worten und unter dem zweifelnden Blick seiner beiden Kollegen, verließ er die Umkleide und betrat anschließend den Büroraum.

Das Licht brannte. Vier der fünf Schreibtische, die im Raum verteilt standen, waren leer. Nur Konny saß auf einem der unbequemen und hässlichen Bürostühle, die sie alle so hassten.  

Das ununterbrochene Tippen und die Tatsache, dass Konny sich nicht einmal umwandte, um von ihm Notiz zu nehmen, ließ Demir vermuten, dass er ihn nicht hatte  reinkommen hören.

Anscheinend war der Tag auch an Konny nicht spurlos vorüber gegangen. Langsam näherte sich Demir Konny, vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, um den anderen nicht auf sich aufmerksam zu machen.

Erst als Demir direkt hinter dem Stuhl zum Stehen kam, hörte Konny auf zu tippen und blickte auf.

„Was willst du? Warum bist du nicht schon auf dem Weg nach Hause?“, fragte er genervt und begann seine Tastatur mit eindeutig mehr Heftigkeit zu traktieren, als es nötig gewesen wäre, nachdem er erkannt hatte, dass es Demir war, der ihn unterbrochen hatte.

Etwas verwundert über Konnys schlechte Laune, begann Demir – er war noch nie so dankbar dafür gewesen, dass ihr Büroraum noch nicht renoviert worden waren, die Tür also noch nichts aus Glas bestand – Konnys Nacken zu massieren. Er hatte Konny nach einem erfolgreich – na ja, wenigstens glimpflich – abgelaufenen Einsatz noch nie so verspannt und schlecht gelaunt erlebt.

„Ich wollte“, begann er dann, völlig unbeeindruckt von Konnys halbherzigen Versuchen, seine Hände abzuschütteln, zu antworten, „nur fragen, ob alles in Ordnung ist. Du bist gerade so schnell aus Anhoffs Büro abgehauen. Und was hat dir deine Tastatur eigentlich getan? Ich dachte der Bericht hat Zeit bis morgen.“

Konny hörte auf zu tippen und seufzend lehnte er sich in seinem Stuhl zurück. Demirs Hände lagen noch immer auf seinen Schultern, doch er hatte aufgehört, sie zu bewegen. Langsam begann Demir sich wirklich Sorgen zu machen.

„Was ist los?“, fragte er deshalb noch mal, dieses Mal ernsthafter und sanfter als zuvor.

Konny schüttelte nur den Kopf, seinen Blick immer noch auf das geheftet, was er geschrieben hatte und wobei ihn Demir unterbrochen hatte. Demir beugte sich vor, um seinem Kollegen über die Schulter schauen und den Bericht lesen zu können.

Er war gerade an der Stelle, wo er und Konny von Janina Lissuk, die den falschen Sprengstoffgürtel trug, gezwungen worden waren, ihre Waffen abzugeben. Demir konnte sich an die Angst erinnern, die er in diesem Moment gespürt hatte und die unglaubliche Wut auf die Frau, als sich herausstellte, dass der Sprengstoff nur eine Attrappe war.

Bevor Demir eine weitere Frage stellen konnte, ergriff Konny das Wort: „Ich habe Geb gesagt, dass wir richtig gehandelt haben, dass wir keine Wahl hatten und keine Chance, zu erkennen, dass die Bombe nicht echt war. Aber stimmt das wirklich? Hatten wir wirklich keine Möglichkeit, das ganze zu verhindern?“, fragte Konny, dieses Mal mit seinem Blick auf Demir gerichtet.

Demir war verwirrt. Er hatte Konny noch nie so unsicher erlebt. Seit sie sich kannten, hatte er Konny  für selbstbewusst und - vor allem anfangs -  für zum Teil sehr arrogant gehalten. Und selbst seit sie sich näher gekommen waren und gelernt hatten, dass sich Gegensätze scheinbar doch anzogen, hatte er in Konnys Augen nie Selbstzweifel gesehen.

Doch Konny ließ Demir keine Zeit, zu antworten: „Wir sind doch angeblich das Beste, was unser Land zu bieten hat. Also warum lassen wir uns dann von jemandem wie Lissuk linken? Werden wir unserem Ruf als Helden wirklich gerecht?“

Demir schüttelte den Kopf.

„Nein, tun wir nicht. Und das können wir auch gar nicht. Wir haben keine Superkräfte. Alles was wir tun können, ist, unser Bestes zu geben. Du hast Geb die Wahrheit gesagt.

Wir hatten keine Chance, keiner kann von uns erwarten, dass wir unser Leben und das von zwei Geiseln riskieren, weil wir nicht sicher sagen können, ob der Sprengstoff echt ist oder nicht. Außerdem hast du heute das Leben der Frau des Bundespräsidenten gerettet. Du bist ein echter Held. Wir sind Helden.“

Als auch seine Worte nicht viel zu helfen schienen, nahm Demir seine Hände von Konnys Schultern und umarmte ihn dann von hinten, während er sein Gesicht in Konnys Schulter vergrub.

Bei dieser Geste sog Konny mit einem schmerzerfüllten Zischen die Luft ein und Demir ließ ihn sofort los.

„Was ist los?“, fragte Demir alarmiert. Und da fiel es ihm plötzlich wieder ein. Konny hatte immerhin gerade erst eine Kugel abgefangen. Demir wusste aus eigener Erfahrung, dass das alles andere als angenehm war. Trotz Konnys Versuchen, ihn davon abzuhalten, wollte Demir die Verletzung untersuchen.

„Ist es schlimm?“, fragte er, immer noch beunruhigt.  

„Ach, das ist nicht so schlimm, ist ja nicht das erste Mal“, versuchte Konny ihn auch sofort zu beruhigen. Doch so leicht ließ sich Demir nicht von etwas abbringen, das er sich vorgenommen hatte.

Vorsichtig zog er Konnys T-Shirt hoch, um die Stelle zu begutachten, wo die Kugel eingeschlagen wäre, hätte Konny nicht seine Schutzweste getragen.

„Wenn es in etwa so weh tut, wie es aussieht, dann hast du gerade gelogen“, gab Demir zurück, als er den Bluterguss betrachtete, der sich rechts auf Konnys Brustkorb befand und inzwischen dunkellila und etwa so groß wie eine Faust war.

Demir konnte sich nicht vorstellen, was diese Kugel angerichtet hätte, wenn Konny nicht geschützt gewesen wäre.

„Sag mal, hast du das beim Doc schon durchchecken lassen? Du weißt dass auch so eine Verletzung gefährlich sein kann, wenn sie nicht so oberflächlich ist, wie sie aussieht“, ermahnte er dann ernst.

„Darf ich dich erinnern, Demir Azlan, dass du nicht mein Vater bist und dass dir die Rolle des Moralapostel absolut nicht steht?“, gab Konny sarkastisch zurück.

„Und darf ich dich daran erinnern, Konstantin von Brendorp, dass du dich gerade alles andere als verantwortlich verhältst und dass ich dich zum Arzt schleppen werde, koste es was es wolle?“, antwortete Demir unbeeindruckt.

„Also, los jetzt!“, forderte Demir Konny auf, der keine Anstalten machte, aufzustehen.

Konny sah in verständnislos an. „Komm schon, steh auf, ich bring dich jetzt runter zum Doc, dann lässt du dich durchchecken“.

„Nein Demir, ich muss den Bericht noch fertig machen und es ist überhaupt nicht nötig, dass mich der Doc untersucht, der stellt nur das gleiche wie immer fest. Ein paar Tage werd ich’s spüren und dann geht’s schon wieder. Es ist echt nicht nötig dass du dich jetzt um mich kümmerst nur weil du glaubst dass du es mir irgendwie schuldig bist nur weil wir…“

Plötzlich ging Demir ein Licht auf: „Und du glaubst, dass ich das alles nur mache, weil wir zwei uns seit neuestem privat näher gekommen sind, als es für zwei Kollegen normal ist. Da liegst du aber falsch. Ich würde das Gleiche für Geb oder Caspar tun“, und mit diesen Worten erschien ein Grinsen auf seinem Gesicht, „nur dass weder Geb noch Caspar von mir die gleiche Belohnung kriegen würden, wenn ich sie zum Doc gebracht habe, wie du!“

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen und um Konny zu zeigen, wie Demir sich diese Belohnung vorstellte, küsste Demir den Punkt an Konnys Nacken, wo sich Hals und Schulter trafen.

„Ach, und wer sagt dir, dass ich so scharf darauf bin?“, fragte Konny mit scheinbar desinteressierter Stimme – auch wenn Demir sehr genau das leichte Zittern heraushörte.

„Tja, ich kann mich da noch an etwas erinnern, ich glaube das war erst gestern Nacht, da hat es sich allerdings so angehört als wärst du mir gar nicht so abgeneigt“, flüsterte Demir in Konnys Ohr.

„So, also los jetzt, je mehr Zeit wir hier vergeuden, desto später kommen wir zu mir nach Hause“, sagte Demir, während er sich wieder aufrichtete, und indem er auf den Bildschirm deutete, der noch immer den halben Bericht zeigte, den Konny schon geschrieben hatte „das da kannst du auch morgen noch fertig machen!“

Mit einem Seufzen speicherte Konny den Bericht und fuhr den Computer herunter.

„Du weißt, dass du sturer sein kannst, als jeder Esel?“, fragte er an Demir gewandt, während er vorsichtig aufstand.

Das Grinsen auf Demirs Gesicht war ihm Antwort genug.

„Na los, dann lass uns gehen!“, forderte Konny nun Demir auf, weil dieser nicht vorzuhaben schien, sich vom Fleck zu rühren. Als Konny an Demir vorbeigehen wollte, hielt ihn dieser plötzlich zurück und als sich Konny zu ihm umwandte, fühlte er plötzlich Demirs Lippen auf seinen eigenen.

Der Kuss war langsam und gefühlvoll, mehr als Beruhigung und Bestätigung gedacht – auch wenn keinem von beiden klar war, wer mehr beruhigt werden sollte, man selbst, oder der andere.

Als Konny seine Augen wieder öffnete, blickte er in Demirs zufriedenes Gesicht.

„Ich bin echt froh, dass das alles so ausgegangen ist und dass keinem von uns etwas Ernsthaftes passiert ist“, meinte Demir dann mit leiser Stimme.

Mit einem letzten flüchtigen Kuss für Konny drehte sich Demir endgültig um und erst als er an der Tür angelangt war, sah er sich um, wo sein Kollege blieb.

„Und, kommst du jetzt endlich?“, fragte Demir, nun wieder ungeduldig.

Konny, der immer noch etwas verdutzt mitten im Raum stand, nickte und folgte langsam seinem Kollegen in Richtung Krankenflügel.


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