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Unerwartete Konkurrenz

von ayrenni
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Demir Azlan Freddy Sedlack Konny von Brendorp
24.03.2008
26.05.2008
12
26.783
 
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71 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
24.03.2008 2.956
 
Anmerkung der Autorin: Ein großes Sorry an alle, die so lange auf die Fortsetzung gewartet haben – ich hatte was diese Story betrifft in letzter Zeit eine kleine Schreibblockade, die ich hiermit hoffentlich überwunden habe…^^
Vielen Dank an Blinki, die mir Mut gemacht hat und danke für die vielen lieben Reviews!
Viel Spaß euch jetzt!

Disclaimer: Mir gehört keiner der Charaktere und ich verdiene kein Geld.

Kurzbeschreibung: Konny führt ein Gespräch mit Edouard.




Erinnerungen





Argwöhnisch betrachtete Demir Chevalliers Sohn auf dem Bildschirm. Edouard. Wer um Himmels willen nannte seinen Sohn schon Edouard? Allerdings wunderte ihn bei dem streng und ernst aussehenden Monsieur Chevallier eigentlich nicht einmal das.

Der Kerl hatte so was an sich, dass Demir sich ein Lächeln auf dem Gesicht des etwa sechzigjährigen Mannes eigentlich so gut wie gar nicht vorstellen konnte – zumindest kein echtes. Und das ließ Demir auch vermuten, dass das Leben seines Sohnes mit Sicherheit alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen beziehungsweise wohl immer noch war.

Abfällig ließ Demir seinen Blick über den jungen Mann gleiten. Er war wohl ein paar Jahre jünger als Demir selbst es war. Also mit größter Wahrscheinlichkeit so Mitte zwanzig. Und auch wenn Demir es sehr ungern zugab, so musste er doch eingestehen, dass der andere durchaus attraktiv war.

Mit seinen dunklen Locken, dem fein geschnittenen Gesicht und der durch und durch sportlichen Figur schien der Franzose doch durchaus ein anziehender, junger Mann zu sein.
Beunruhigend gut aussehend in Demirs Augen. Der Gedanke, dass Konny mit diesem Schnösel unter vier Augen reden sollte wollte ihm ganz und gar nicht behagen.

Und nein, er war nicht eifersüchtig…

Na ja, zumindest war er nicht der Einzige, dem dieser Franzose äußerst suspekt zu sein schien, wie Demir mit einem kurzen Seitenblick auf Freddy feststellte. Auch der schien nicht gerade begeistert von „Edouard“, musterte ihn ebenso abfällig wie Demir.

Im nächsten Augenblick waren Konny und der junge Franzose allerdings auch schon vom Bildschirm verschwunden. Demir wusste zwar, wohin Konny gehen wollte – immerhin hatte er es vorhin laut und deutlich vorgeschlagen und er und Freddy hatten natürlich aufmerksam zugehört.

Dennoch hätte er doch lieber ein Auge auf Konny gehabt – irgendwie fühlte er sich doch sicherer, wenn er den anderen sehen konnte. Der Tipp, dass ein Anschlag auf die Konferenz geplant war, war bis jetzt weder weiter bestätigt noch entkräftet worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passierte, war also immer noch relativ hoch – denn wenn Anhoff es für nötig erachtete, einen Mann allein Undercover zu schicken, dann verhieß das meist nichts Gutes…

Tja, aber Konny war ein ausgebildeter Neuner – was sollte ihm auf dieser Terrasse schon groß passieren? Dennoch verfluchte Demir die Tatsache, dass sie nur Zeit gehabt hatten, die paar  Kameras im Inneren des Saals anzubringen. Jetzt waren sie nämlich komplett darauf angewiesen, bei Konnys Gespräch mitzuhören.

Demir warf noch einen weiteren Blick auf das Bild, das sich ihm auf dem Bildschirm bot. Er konnte absolut nichts Ungewöhnliches oder Auffälliges feststellen. Alles, was er sah waren ein Haufen alter und nicht ganz so alter Kerle in langweiligen – aber sicher sauteuren – Anzügen, manche von ihnen begleitet von hübschen, meist ziemlich jungen Frauen in aufwendigen Abendkleidern, die sich miteinander unterhielten und wahrscheinlich damit prahlten, wessen Yacht am größten oder welche Ferienvilla am teuersten sei…

Kurzum – alles war so, wie es bei einem Treffen der wichtigsten Wirtschaftsvertreter Europas zu sein hatte.


******

Konny blickte sich möglichst unauffällig in alle Richtungen um. Er wollte vor Edouard nicht den Eindruck erwecken, dass er nervös war – oder dass er bewusst nach etwas Ausschau hielt.

Doch auch bei genauerem Hinsehen konnte er nichts auch nur im Entferntesten Verdächtiges entdecken.

Von der Terrasse, auf der ein paar vereinzelte Tische mit jeweils vier Stühlen drum herum standen, führte eine Treppe weiter nach unten zu einem ziemlich weitläufigen Park – soweit Konny das beurteilen konnte. Das Licht war inzwischen nicht mehr wirklich gut, aber er konnte noch einige Bäume und Sträucher sehen…

Doch nichts bewegte sich dort, alles schien ruhig zu sein.

Hier draußen auf der steinernen Terrasse war die Abendluft gerade angenehm – nicht so unangenehm drückend wie in dem Kongressraum oder dem Empfangssaal, aber auch nicht kühl genug, um Konny frieren zu lassen. Also konnte er endlich wieder richtig durchatmen.

Konny wunderte sich ein bisschen, dass er und Edouard die Einzigen waren, die sich auf die Terrasse verirrt hatten – doch wenn er genauer darüber nachdachte, so machte das doch auch wieder Sinn. Immerhin waren die Menschen da drinnen alle Geschäftsmänner die daran gewöhnt waren, ganze Tage in engen Büroräumen zu verbringen…

Das war noch einer der Gründe gewesen, warum es für Konny nie in Frage gekommen war, in das Geschäft seines Vaters einzusteigen. Er liebte es einfach viel zu sehr, an der frischen Luft zu sein, sich draußen zu beschäftigen. Es war nicht vorstellbar für ihn, den ganzen Tag in einem Betonbunker zu sitzen und die Sonne nicht ein einziges Mal zu sehen.

„Das ist wirklich schön hier – der Park dort hinten, das sieht alles so friedlich und ruhig aus, man kann sich nicht vorstellen, dass irgendetwas diesen Frieden stören könnte, nicht wahr?“,  meinte Konny daraufhin zu Edouard, der mit etwas verwirrtem Gesichtsausdruck nickte.

Nun, eigentlich wollte Konny sowieso nur Freddy und Demir mitteilen, dass ihm nichts aufgefallen war – und er ging jetzt mal davon aus, dass die beiden seine Botschaft verstanden hatten. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass er und Demir einen solchen Einsatz mitmachten.

„Sollen wir uns vielleicht setzten?“, fragte Konny dann an den schwarzhaarigen Franzosen gewandt, der bis jetzt noch immer kein Wort mit ihm gesprochen hatte.

„Ja, sehr gerne“, antwortete dieser jetzt jedoch – und Konny musste überrascht feststellen, dass der junge Mann so gut wie ohne Akzent deutsch sprach – ganz im Gegensatz zu seinem Vater.

Überhaupt schien Edouard mit seinem Vater nicht all zu viel gemein zu haben. Die dunklen Augen sprühten geradezu vor Leben, während die kalten, grauen Augen von Monsieur Chevallier beizeiten sogar Konny Angst einjagen konnten. Auch das sanfte Lächeln auf den Zügen des Jungen war alles andere als unangenehm – und Konny musste durchaus zugeben, dass Edouard ein einnehmender und äußerst gut aussehender Mann war.

Doch Konny konnte nicht umhin, Edouard mit zwei anderen Männern zu vergleichen, die ihm in letzter Zeit immer häufiger durch den Kopf spukten. Und wenn er ehrlich war so konnte der junge Franzose mit keinem von beiden wirklich mithalten – dafür war er für Konnys Geschmack einfach ein wenig zu schmal gebaut und schien auch nicht so durchtrainiert wie Freddy oder Demir.

Wenn Konny da an die Kampfszene von gestern zurückdachte…Im Vergleich dazu war Edouard wirklich keine Konkurrenz.

Erst jetzt fiel Konny auf, dass Edouard ihn erwartungsvoll anschaute – und dass er offenbar schon seit einiger Zeit einfach ins Leer gestarrt hatte.

Na ganz toll – Edouard musste ihn langsam echt für einen Volltrottel halten…

„Ähm…Sie spreche außergewöhnlich gut deutsch“, begann Konny also einfach blind drauf los zu reden, um die peinliche Situation ein wenig zu überspielen. Wie gut, dass er nicht all zu sehr dazu neigte, rot zu werden…

„Bitte sagen sie doch du, ich bin es nicht gewohnt, dass man mich mit Sie anspricht“, erwiderte der junge Franzose lächelnd und erst als Konny daraufhin nickte, sprach er weiter, „ja, ich habe ziemlich lange ein Internat hier in Deutschland besucht – meine Mutter ist…nein, war Deutsche, wissen Sie“

„Oh…ist Ihre – ich meine deine – Mutter erst vor kurzem verstorben?“, fragte Konny nach. Er hoffte, dass Edouard ihn nicht für zu aufdringlich hielt – aber die Frage hatte sich ihm jetzt irgendwie aufgedrängt, so wie Edouard gerade von ihr gesprochen hatte…

Edouard nickte – und Konny konnte deutlich die Trauer im Blick des jungen Mannes erkennen: „Ja, vor zwei Monaten – sie starb an…an Leberkrebs…es war ein harter Kampf – den sie schließlich vor zwei Monaten verloren hat…“, antwortete er dann leise.

Konny konnten nur zu gut nachempfinden, wie es dem anderen in diesem Moment gehen musste.

„Ja, ich weiß, dass das eine wirklich schlimme Erfahrung ist, die Mutter früh zu verlieren – ich habe meine Mutter schon vor einiger Zeit verloren, damals war ich gerade 13. Danach war nichts mehr wie vorher. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie die Einzige war, die mich wirklich verstanden hat. Und plötzlich war sie nicht mehr da…“, meinte Konny daraufhin ohne groß über seine Antwort nachzudenken.  

Die Erinnerung an diese Zeit machte ihm immer noch zu schaffen. Er erinnerte sich so ungern an diesen Teil seiner Vergangenheit.

„Was…was ist ihr passiert?“, fragte Edouard und sah Konny fragend an.

„Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort. Anscheinend hatten ein paar Schläger ein Mädchen bedrängt und meine Mutter – als die wunderbare, couragierte Frau, die sie war – hat natürlich sofort eingegriffen, hat mit der Polizei gedroht und den Kerlen gesagt, dass sie das Mädchen in Ruhe lassen sollten. Und die Typen hat das anscheinend nicht das kleinste bisschen gestört – stattdessen haben sie sich dann auf sie konzentriert…Sie haben sie ausgeraubt und sie wirklich übel zugerichtet…Ich kann bis heute einfach nicht verstehen, wie Menschen einem anderen Menschen – und noch dazu einer Frau – so etwas nur antun können…ich habe sie nach diesem Tag noch ein paar Mal im Krankenhaus besuchen können…Sie lag im Koma – drei Wochen lang, bevor ihr Herz schließlich endgültig aufhörte, zu schlagen. Sie war schon immer eine Kämpferin“

Ein wehmütiges, von tiefer Trauer durchzogenes Lächeln erschien auf Konnys Zügen, als er weiterredete: „Ich kann sie heute noch vor mir sehen…Sie war immer so eine hübsche Frau gewesen – aber nachdem, was diese Schweine ihr angetan hatten…“, Konny brach ab.

Er bemerkte, dass er sich komplett in seinen Erinnerungen verloren hatte und dem jungen Edouard gerade eines der schlimmsten Ereignisse seiner Vergangenheit erzählt hatte. Aber nicht nur das – denn vor allem war ihm jetzt auch klar, dass sowohl Freddy als auch Demir die ganze Geschichte mit angehört hatten.

Dabei hatte er doch immer versucht, diese Geschichte keinem seiner Kollegen hören zu lassen – auch wenn er ziemlich sicher war, dass Geb und Anhoff durchaus davon wussten. Tja, Helmholtz wahrscheinlich ebenfalls, wenn Konny so darüber nachdachte…

Aber nun war es wohl zu spät – was er gesagt hatte, hatte er gesagt. Und das ließ sich jetzt nicht mehr rückgängig machen.  Er hoffte nur, dass keiner seiner Kollegen das in Zukunft noch einmal erwähnen würde.


******


Gespannt lauschte Demir Konnys Worten. Und je länger Konny redete, von seiner Mutter und ihrem tragischen Tod erzählte, desto mehr Sinn ergab Konnys ganzes Verhalten gegenüber anderen Menschen.

Jetzt war Demir auch klar, warum Konny so ungern von seiner Familie erzählte, warum er so verschlossen war. So wie er seinen Kollegen kannte wollte er auf der einen Seite nicht an den Verlust erinnert werden, den er bei dem Gedanken an seine Mutter offenbar immer noch so sehr spürte – und andererseits wollte Konny wohl auch kein Mitleid von seinen Kollegen.

Er wollte ernst genommen werden als Neuner, nicht bemitleidet oder mit anderen Augen gesehen werden, als einer seiner Teamkollegen. Denn wenn Konny eines hasste – das wusste Demir wirklich nur zu gut – dann war das Mitleid.

Nicht, dass Demir das anders gesehen hätte.

Aber auch Konnys Berufswahl konnte mit diesem Vorfall in seiner Jugend erklärt werden. Demir hatte schon immer den Eindruck gehabt, dass es bei Konny einen persönlichen Grund gab, warum er sich für die Polizei entschieden hatte. Im ganzen Lagezentrum existierten inzwischen die wildesten Gerüchte, wie Konny dazu gekommen war, gerade Polizist zu werden.

Immerhin war er adlig, der einzige Erbe einer der reichsten Familien in Berlin und ganz sicher nicht auf den Kopf gefallen – eigentlich beste Aussichten für einen wirklich guten und hoch bezahlten Job im Familienunternehmen. Doch Konny hatte sich für die GSG 9 entschieden – und sich somit für mittelmäßiges Gehalt und ständiges Risiko, bei einem Einsatz getötet zu werden, entschieden.

Demir blickte kurz zu Freddy, der ebenfalls aufmerksam zuhörte, was Konny sagte. Demir tat sich schwer, in dem Blick seines neuen Teamkollegen zu lesen. Was hielt der von der ganzen Geschichte?

Doch Freddy verriet nicht durch die kleinste Regung was er dachte oder fühlte. Schulter zuckend wandte Demir seine Aufmerksamkeit wieder zu dem Mikrophon, aus dem inzwischen nicht mehr Konnys Stimme drang – sondern wieder Edouards, der dem blonden Adligen offenbar gerade eine Frage stellte.


******


„Sind die Menschen, die ihrer Mutter das angetan haben jemals geschnappt worden?“, fragte Edouard mit Mitgefühl – aber nicht mit Mitleid in der Stimme.

Konny schüttelte den Kopf.

„Nein“, antwortete er mit tonloser Stimme, „…es gab keine Zeugen, meine Mutter hat das Bewusstsein nicht mehr wieder erlangt und die Polizei ist natürlich wie immer viel zu spät am Ort des Geschehens eingetroffen“

Edouard nickte.

„Danach war mein Vater wie ausgewechselt“, sprach Konny weiter, „Er hat nur noch gearbeitet, hat mich in ein teures Internat abgeschoben – nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte. Ohne unsere Mutter, die zwischen uns vermittelt hat, waren wir einfach keine Familie mehr. Mein Vater und ich, wir waren einfach schon immer viel zu unterschiedlich – und als er dann auch noch verlangt hat, dass ich ins Familienunternehmen mit einsteige und er mich förmlich dazu gedrängt hat, BWL zu studieren, da stand für mich fest, dass ich niemals in seine Fußstapfen treten würde…“

„Aber…wieso haben sie sich dann schließlich doch noch dafür entschieden? Immerhin sind sie jetzt doch Geschäftsleiter in einer der größten Firmen Europas – soweit mein Vater mir das richtig erklärt hat. Also, wie kommt es, dass jemand, der sich so entschieden dagegen gewehrt hat, in die Fußstapfen des Vaters zu treten schließlich doch soweit gebracht wird?“, fragte Edouard jetzt und Konny hörte ganz genau, dass sein Ton zum Ende hin immer kritischer wurde.

Und jetzt wurde Konny auch klar, dass er einen wahnsinnigen Fehler begangen hatte. Er hatte nicht als Marcell Borchert mit Edouard geredet, so wie Monsieur Chevallier es von ihm verlangt hatte.

Nein, ganz im Gegenteil hatte er als Konstantin von Brendorp mit dem Jungen geredet. Er hatte ihm seine eigene, wahre Geschichte erzählt – und nicht beachtet, dass Marcell Borchert im Moment genau das tag, was Konnstantin von Brendorp nie im Leben getan hätte.

Er leitete eine der größten Exportfirmen Europas…zumindest angeblich.

Und jetzt hatte Konny also keine andere Wahl, als sich von Edouard als unglaubwürdiger Heuchler abstempeln zu lassen, wenn er seine Tarnung nicht auffliegen lassen wollte. Das war jetzt wohl alles andere als ideal gelaufen…Solche Dinge passierten Konny normalerweise nicht bei Undercover-Einsätzen.

„Nun…ich habe schließlich doch eingesehen, dass dieser Beruf genau das Richtige für mich ist. Und ich konnte meinen Vater nicht noch mehr enttäuschen – er hatte meine Mutter schon verloren, da konnte ich ihn nicht auch noch…“, begann er, zu erklären.

Jedoch wurde er von Edouard jäh unterbrochen:
„Mit anderen Worten – es war einfacher, dem Drängen ihres Vaters nachzugeben. Und irgendwann haben sie einfach den Weg des geringsten Widerstandes genommen…und all ihre revolutionären und rebellischen Gedanken waren auf einmal verschwunden, als sie sahen, wie viel Geld sich mit dem Geschäft ihres Vaters doch machen lässt…!“

„Nein, so ist es nicht!“, versuchte Konny, den aufgebrachten Jungen wieder zu beruhigen, „Glaub mir, ich verstehe dich vollkommen. Alles, was ich sagen will, ist, dass du nicht die gleichen Entscheidungen treffen musst, wie ich. Du solltest deinen eigenen Weg finden und dich von niemandem zu irgendetwas überreden lassen, das du nicht willst. Du kannst alles werden oder machen, was du willst…!“

„Wagen sie ja nicht, mir mit diesen verdammten Phrasen zu kommen…Haben sie denn das gemacht, was sie wollten? Sie leben selbst nicht danach, haben sich selbst zu etwas drängen lassen, das sie nie wollten – und wollen mir jetzt irgendetwas raten oder einreden…“, mit diesen Worten sprang Edouard von seinem Stuhl auf.

Auch Konny stand auf, schaffte es allerdings nicht mehr, den jungen Franzosen einzuholen, ehe dieser sich schon auf den Weg die steinerne Treppe in Richtung des verlassenen Parks machte.

Eilig machte sich Konny daran, Edouard zu folgen – er konnte ihn ja jetzt wohl kaum alleine hier draußen rumlaufen lassen, vor allem nicht so wütend und aufgebracht wie er im Moment zu sein schien.

„Edouard, bitte, warte!“, rief er ihm nach.

Doch der schien davon völlig unbeeindruckt, stürmte weiter dir Treppe nach unten – das Ganze in halsbrecherischem Tempo. Konny folgte ihm, allerdings etwas langsamer, da das Licht wirklich nicht mehr gut genug war, um die unebene Treppe schneller zu meistern.

Und wie er es vorausgesehen hatte, sah Konny Edouard ganz am Fuß der Treppe schließlich auch ins Straucheln kommen. Für einen Augenblick glaubte Konny, dass der Junge das Gleichgewicht noch einmal wiedererlangen würde – doch stattdessen stürzte er hart auf den Boden.

Gott sei Dank war Edouard schon auf der letzten Treppenstufe gewesen, als er ins Stolpern geraten war – so war er wenigstens nur auf den gepflasterten Weg, der von der Treppe wegführte, gestürzte.

Fast sofort war Konny nun auch schon bei dem Jungen, der sich zu seinem großen Schrecken nicht rührte…

„Edouard?“, fragte Konny atemlos und kniete sich neben den leblosen Körper. Mit zitternder Hand berührte Konny den jungen Franzosen an der Schulter. Er rührte sich nicht…

Eiskalter Schreck durchfuhr Konny, als er plötzlich den kalten Stahl einer Handfeuerwaffe im Nacken und eine Hand, die sich über seinen Mund legte und ihn so daran hinderte, auch nur einen Laut von sich zu geben, spürte.

Mit weit aufgerissenen Augen kniete Konny jetzt auf dem kalten Pflasterboden. Ungläubig beobachtete er, wie Edouard sich offensichtlich völlig unverletzt aufrappelte und offenbar keineswegs erschrocken oder verwirrt zu sein schien, als er bemerkte, in welcher Lage Konny sich gerade befand.

Das eiskalte, berechnende Grinsen, das plötzlich auf dem Gesicht des jungen Franzosen erschien, als er Konny vor sich knien sah – und das so gar nicht zu dem schüchternen, unsicheren Mann passte, den er gerade auf der Terrasse kenne gelernt hatte -  machte Konny richtiggehend Angst.

Und erst jetzt wurde ihm etwas klar: Er war soeben in eine verdammte Falle getappt.


*******

Okay, auch wenn’s lange gedauert hat – Reviews würde mich wieder sehr freuen. ^^
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