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Die Norrington-Piratin

von Shamandra
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Captain Jack Sparrow James Norrington Tia Dalma
24.03.2008
12.01.2013
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24.03.2008 2.105
 
Jeder kann wütend werden, das ist einfach.

Aber wütend auf den Richtigen zu sein,

im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck

und auf die richtige Art, das ist schwer.

                               -Aristoteles



Sie hätte es nie zugegeben, aber es entsprach den Tatsachen.
Eva versteckte sich bis in die frühen Morgenstunden vor der Crew. Nachdem sie sich Hosen und Hemden, sowie ein paar etwas zu große Stiefel herausgesucht hatte, war sie wie vom Erdboden verschluckt.
Caroline hatte zweimal in die alte Putzkammer hineingesehen, das unangetastete Bett vorgefunden und ihre Suche anderweitig vorgesetzt. In Luft aufgelöst haben, konnte sie sich jedenfalls nicht.
Während der Blondschopf in das Zimmer sah, hockte Eva nur eine Armlänge neben ihr.
Nämlich hinter der Tür auf dem Stuhl.

Sie rührte sich nicht, sondern saß wie erstarrt auf dem hölzernen Sitzmöbel, die Füße mit auf der Sitzfläche und die Arme um die Knie geschlungen und starrte auf das Bett vor sich.
Wenn Jack nicht diesen überaus dummen Befehl gegeben hätte, läge dort jetzt Paul und sie hätte ihn beim Schlafen beobachten können. Eva wusste genau, wie es ausgesehen hätte, wenn er dort jetzt ruhen würde. Mit bloßem Oberkörper, die Decke bis zur Bauchmitte, die Knie nur leicht angezogen, seinen Kopf auf dem einen Unterarm und den anderen Arm besitzergreifend neben sich ausgestreckt, wo sie immer geschlafen hatte; eine stete Umarmung und Schutzposition. Seine Haare wären zerzaust gewesen und sein Gesicht friedlich.
Es tat weh. Es tat weh, zu wissen wie es hätte sein können und zu wissen, dass es nicht so war, dass es nie so sein würde! Und alles wäre anders gekommen, wenn es diesen Befehl nicht gegeben hätte.

Die Schritte in den Gängen waren längst verstummt- nur die Nachtbesetzung war um diese Zeit noch wach und so löste sich Eva aus ihrer Position und streckte ihre Glieder.
Ihr rechtes Bein war eingeschlafen und ein unangenehmes Kribbeln erfasste es. Nachlässig schüttelte es das Mädchen und öffnete dann vorsichtig die Tür, um auf den Gang zu spähen.

Zwei Öllampen brannten auf kleiner Flamme und erhellten das Innere der Pearl nur notdürftig, es reichte, um nicht gegen die Wände zu laufen und war zu spärlich, um wirklich erkannt zu werden. Jede Person im Gang wurde zwangsläufig zu einem dunkelgrauen Schemen, an dessen Umriss man höchstens erkennen konnte, wen man vor sich hatte. Jack würde man überall erkennen- spätestens an der Rumfahne oder am Hut. Meistens aber schon am Gang. „Jack...“ grummelte Eva finster und liebäugelte einen Moment mit dem Gedanken in seine Kajüte zu stürmen, um ihn zu verprügeln. Aber selbst das könnte ihren Verlust niemals wettmachen. Nichts konnte das.

Tief seufzend wandte sie sich nach rechts und stieg die Treppen zum Oberdeck hinauf, hinein in das klare silberne Mondlicht. Der Wind war kühl und Eva umklammerte sich mit ihren Armen selbst, um das frösteln zu unterdrücken.
Sie tat es nicht bewusst, aber instinktiv.
Wie von selbst trugen ihre Füße sie zu der Stelle an der Reling, in der sie in der verhängnisvollen Nacht gestanden hatte. Sie sah hinab auf das Meer, dessen dunkle Fluten nicht besonders stark waren. Der Wind fauchte leise durch die Segel und die Taue knarrten unter der Böe.

Damals war es genau so gewesen. Nur viel schlimmer.
Energisch wischte sie sich über die Augen, noch bevor die ersten verräterischen Tränen über ihre Wange kullern konnten. Das brachte Paul auch nicht zu ihr zurück.
Sie wehrte sich gegen die Bilder, die in ihrem Kopf aufkamen. Momente, die sie sorgsam vermied, da sie Angst hatte darüber den Verstand zu verlieren. In einem Rausch von Adrenalin schlug ihr Herz schneller als gewöhnlich. Schneller, als es unbedingt gesund war. Die Wellen tanzten vor ihren Augen heftiger und um das Gleichgewicht in diesem Schwindelanfall nicht zu verlieren griff sie nach der Reling und klammerte sich daran fest, den Blick auf das schwarze Meer unter sich gerichtet.

Stimmen hallten in ihrem Kopf. Gedankenfetzen, die sie quälten.
‚Er kommt nicht zurück.’ ‚Er hat sein Versprechen gebrochen.’ ‚Es ist allein Jacks Schuld.’ ‚Er wusste genau was er tat- vielleicht tat er es absichtlich, um-’ „… fort von mir zu gehen?“ vollendete sie den stummen Satz und schmeckte nach, wie er auf ihrer Zunge klang. „Nein.“
Verzweiflung überrollte sie wie eine haushohe Welle, die ein Schiff unter sich begrub. „Nein.“ wiederholte sie und spürte das Zittern, dass von ihren Händen, die sich am Holz festkrallten durch ihre Arme bis hinein in ihre Schultern lief. „Er hätte mich nicht verlassen. NIEMALS!“ schrie sie hinaus und holte bebend Luft. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, da war sie wieder, die Erkenntnis, dass er nicht zurückkam und sie traf sie schmerzhaft hart in einem der wenigen schwachen Momente, die Eva hatte.

Ihre Knie sackten einfach ein und mit einem dumpfen Poltern landete auch ihr Kopf auf den rauen Planken des Schiffes. Es tat nicht weh. Gar nichts tat ihr weh. Sie fühlte ihren Körper überhaupt nicht mehr. Aber innen, tief in sich, nagten die Bilder in ihr und ließen sie sich zusammenkrümmen, als wenn sie den Schmerz zusammendrücken, klein halten konnte. Sie zog die Knie an und umschlang sie, verbarg das Gesicht und weinte. Es half überhaupt nichts, der Schmerz breitete sich einfach aus. Die ganzen bitteren Tränen sollten den Schmerz fortspülen, als wenn man eine Wunde reinwusch, aber stattdessen sammelten sie sich immer wieder wie in einem See, dessen Flüssigkeit zu einem hochkonzentrierten Gift für sie wurde. In Port Royal hatte es nur einmal so eine Situation gegeben, ganz zu Anfang. Danach war sie standhaft geblieben. Aber jetzt, auf der Pearl, an der Stelle, wo er… nein.

„Eva.“ Sie reagierte nicht.
„Eva, Liebes, komm. Steh auf.“
„Paul?“ wisperte sie leise, von einem leisen Hoffnungsfunken erfüllt.  „Nein, Kleines.“
Da war etwas, eine warme Hand an ihrer Schulter, eine Hand, die über ihren Kopf streichelte und ihr die offenen Haare aus dem Gesicht strich. „Ich kann nicht.“ flüsterte sie heiser. Ihr ganzer Körper war taub, leblos, nur innen brannte ein Feuer, lichterloh. Es verbrannte sie.
„Doch, du kannst.“ Sie wurde sanft hochgezogen und lehnte an irgendjemandem. „Siehst du, das ist doch schon besser.“ Eva gab keine Antwort darauf. Was nützte denn das alles?
„Er kommt nicht mehr zu mir zurück.“ sagte sie leise und ihr versagte doch wieder die Stimme. Es sollte eine Frage sein, aber sie sprach es aus als das, was es war. Eine Feststellung, eine unumstößliche Tatsache.
Beruhigend strich ihr die Hand weiter über Kopf und Rücken, Arme und dann legten sich sanft zwei Arme um sie und wiegten sie wie ein Baby. Sie fühlte sich beschützt. „Nein… er kommt nicht mehr wieder. Aber das heißt nicht, dass du ihn nicht doch irgendwann wiedersiehst.“
„Aber wann?“ „Ich glaube, dass wird noch eine Weile dauern… und das ist vielleicht auch ganz gut so.“

Nein, so war das nicht. Es war NICHT gut, wenn Paul nicht hier war, weil sie dann auch nicht komplett war. Sie war hilflos ohne ihn- sie brauchte ihn wie ein Fisch das Wasser. Er war derjenige, der dafür sorgte, dass ihr Herz regelmäßig und kräftig schlug. Seit zwei Monaten war es nur ein verzweifelten und erbärmliches Klopfen.
Wut kehrte in sie zurück und heftig entwand sie sich aus den Armen und drehte sich um.
Es war Jack, der da hinter ihr gesessen und sie so scheinheilig und unschuldig getröstet hatte.

„Das DU es wagst mich auch nur ANZUFASSEN, geschweige denn ANZUSEHEN!“ schleuderte sie ihm entgegen und war binnen Sekunden auf den Füßen. Wackelig, aber sie stand. Der Zorn in ihr gab ihr ihre Kraft zurück. „Was?“ Jack erhob sich ebenfalls.
Er hatte sie gehört, als sie geschrieen hatte, denn er hatte selber Nachtwache. Besorgt war er an Deck gekommen und hatte sie auf dem Boden liegend vorgefunden. Wie kam dieser Launenwandel zustande? War es seine Anwesenheit?

„Du hast richtig verstanden Jack Sparrow.“ „Eva ich habe keinen blassen Schimmer, wovon du redest. Ich habe dir nur helfen wollen.“ verteidigte er sich.
„MIR? HELFEN?“ fuhr sie ihn an und lachte hysterisch auf. „Das ist jawohl ein Witz.“
„Nein, das war kein Witz.“ „Doch, war es und du solltest dich damit eigentlich auskennen, schließlich bist du selbst ein Witz.“ sagte sie bockig und verschränkte die Arme. Ihre Augen funkelten voll Zorn und… ja.. war es tatsächlich Hass?
„Was ist denn in dich gefahren?“ fragte der Captain der Black Pearl, der innerlich nur darauf wartete, dass diese Furie vor ihm handgreiflich wurde. Er hatte Eva Norrington noch sie so erlebt und dankte den Göttern- sollte es welche geben- dafür, dass er ihr so noch nie begegnen musste.
„Ich frage mich eher, was damals in dich gefahren ist.“ zischte sie und starrte ihn aus zusammengekniffenen Augen an.
Da begriff er endgültig.

„Du wirfst mir immer noch vor, es wäre MEINE Schuld gewesen?“ „Nein, ich werfe es dir nicht vor.“ schleuderte sie ihm entgegen und ging auf ihn zu, bis ihre Gesichter nur noch um eine Handbreite getrennt waren. „Ich WEIß es.“
Jack versuchte sie zu beruhigen und legte ihr eine Hand auf dem Arm, doch bevor er beginnen konnte zu sprechen klatschte es, aber gewaltig. „Wage es ja nicht, mich noch einmal anzufassen.“
Ein unterdrücktes „…au…“entfuhr ihm. Das war eine Ohrfeige sondergleichen gewesen.
Er hätte sie nicht trainieren lassen sollen. Während er sich die schmerzende Wange rieb ging er einen Schritt rückwärts- Sicherheitsabstand. „Ok… gut… ich werde dich nicht anfassen. Aber du musst mir zuhören.“ „Nein.“ widersprach sie simpel. „Ich MUSS überhaupt nichts.“
„Eva-Maria-Susanna-Caroline-Carlotta Norrington!“ donnerte Jack und sah sie ernst an. „Solange du ein Teil der Crew bist, hast du dich an meine Befehle zu halten! Und der Befehl lautet mir jetzt zu zuhören!”

Von Wut getrieben ging sie auf ihn zu -und er rückwärts. „Sowie Paul sich an deine Befehle halten musste?“ fragte sie hasserfüllt. „Ich muss überhaupt GAR NICHTS, Captain Jack Sparrow.“ spie sie verächtlich aus. „Erstens: Was tust du, wenn ich mich weigere? Mich wegsperren? Mich zurück zu Vincent bringen? GUT! Oder drohst du mir, wie du PAUL GEDROHT HAST? Zweitens: Ich lasse mich von keinem unfähigen und verlausten Mann herumkommandieren, der sich selbst überschätzt und keine Verantwortung für seine Crew übernimmt! Drittens: Ich bin KEIN Teil dieser Crew! Ich WILL es gar nicht sein!“

Für einige Momente war er sprachlos und sah sie an. Diese Gefühlswelle, die sie offenbarte überraschte ihn, dann aber hob er skeptisch die Braue. „Wenn du kein Teil dieser Crew bist: Was tust du dann hier?“
„Ganz einfach.“ fauchte sie und musste an sich halten, um nicht blindlings auf ihn einzuschlagen und schenkte ihm stattdessen einen Blick, der Medusa eifersüchtig gemacht hätte. „Ich bin von euch, Captain Jack Sparrow, entführt worden und ich habe nicht die Geringste Ahnung, WARUM.“ Damit drehte sie sich um und stapfte über das Deck und entschwand die Treppen hinab.

Zurück blieb ein geschockter Pirat. So hatte noch nie eine Frau mit ihm gesprochen… oder… geschrieen. Orientierungslos sah er von links nach rechts. Hatte sie vielleicht irgendwie Recht?
Nun, die Sache mit Paul – darin betraf ihn seiner Meinung nach keine Schuld.
Aber was ihre Entführung anging… tja, warum eigentlich, wo sie doch in nunmehr sechs Tagen zurück sein musste- und sie würde darauf bestehen.
In seinem Kopf arbeitete es. Ursprünglich war es eine reine Befreiungsaktion gewesen, nun aber war dies faktisch nicht mehr möglich, denn sie war zwar befreit, aber noch gebunden, wegen dieses blöden Vertrags nämlich. Was also brachte es ihr nun, auf der Pearl zu sein? Höchstwahrscheinlich Ärger- denn ihr Bräutigam fand es bestimmt nicht gut, dass seine Zukünftige so kurz vor der Hochzeit verschwand.

Aber eigentlich, so gestand Jack sich ein, hatte er sie auch vermisst und geglaubt, es könnte sie vielleicht freuen, wieder unter Freunden zu sein. Nur, dass er offenbar mittlerweile ihr absolutes Hassobjekt geworden war. „Ich bin vollkommen unschuldig!“ sagte er sich, aber eine leise und fiese Stimme in seinem Hinterkopf fragte: ‚Bist du dir da ganz sicher?’
Er ignorierte sie oder vielmehr brütete er über einem Ausweg, denn er wollte diese vermeintliche Schuld auch nicht auf sich sitzen lassen. Nachdenklich verließ er das Deck und grübelte.
Vielleicht würde eine Flasche Rum dabei helfen.


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Ihr Allerbesten, auch diesmal nur ein allgemeines Dankeschön- ich kann im Moment einfach rein gar nichts und mir rennt überall und immer die Zeit davon. Dabei sollte man meinen, dass ich gar nciht so viel Stress hätte.... naja, jedenfalls komme ich einfach zu nichts, weshalb es auch erst jetzt das nächste Chap gibt- vorraussichtlich gibt es Nr.8 nächstes Wochenende... ich hoffe, ihr überlebt das. :)
(Wuuuhhaaa, mein eh kleiner Vorsprung schrumpft... Hlfe! Ich hab nicht mal Zeit, neue Chaps zu schreiben!)
Ich hab euch lieb :D
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