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Freiheit

von cora-baby
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
15.03.2008
07.04.2008
4
6.144
 
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.03.2008 1.787
 
@Dhana: Hallo! Danke für dein Review. Ich habe mich darüber gefreut! Ja, weißt du...beim Schreiben von emotionalen Szenen (und diese ganze Story ist im Grunde nichts als emotional) höre ich immer Dido. Sie versetzt mich in eine so melancholische Stimmung, das mir das Schreiben viel leichter fällt :D aber das nur nebenbei. 'Freiheit' ist Definitionssache! Sicher würde kein Normaler Freiheit so definieren wie Hope lebt, diese ständige Flucht, die Angst und so weiter, aber...du hast Recht. Im Gegensatz zu Manticore ist wahrscheinlich schon die Illusion von Freiheit genug. Das Glücksspiel...irgendwie muss Hope ja an Geld kommen und wenn sie Verfolger hat, kann sie wohl kaum irgendwo einen Job annehmen ;-) Jetzt lernst du im Übrigen Franklin kennen, bin gespannt, was du von ihm hältst! Viel Spaß!!

@Vorkriegskind: Hallo! Freut mich, dass du dir auch diese meiner Storys durchliest. Und natürlich, dass sie dir gefällt. Ja, dieses Nicht-Alec-und-Asha ist Neuland für mich ;-) Danke für das liebe Lob!! Baby gefällt mir auch! Ich denke Hope würde vor Einsamkeit eingehen, wenn sie keinen Gefährten hätte und ein Hund ist perfekt. Sie sind treu, man muss keine Angst haben, dass sie einen an den meistbietenden - in diesem Fall Manticore - verraten!

So, jetzt geht es aber weiter!

Teil 3

Am nächsten Vormittag, schlich ich mich von hinten an das Haus von Lucille heran. Ich zog meine Dietriche und brach das Schloss auf. Die Hintertür ließ ich unverschlossen, aus mehreren Gründen, zum einen konnte ich so das Haus schnell betreten ohne Angst haben zu müssen doch einmal beim Einbruch beobachtet zu werden, zum anderen konnte ich so auch schneller fliehen. Wenn der Manticore-Sicherheitsdienst kam, würde er sich zuerst an der Vordertür versuchen, in der Zeit konnte ich hinten abhauen.

Die Alarmanlage neben der Tür piepte einmal kurz. Ich ging hinüber, nahm das Gehäuse ab und schloss die Anlage kurz. Wenn ich wieder verschwand – am Samstag in zwei Wochen – würde ich sie wieder scharf stellen. Ich sah mich um. Es gab diesmal kein zweites Stockwerk. Alles war ebenerdig. Ein kleines, gemütliches Wohnzimmer, eine Küche, ein Schlafzimmer und ein Kinderzimmer. Draußen gab es eine Garage und unter dem Haus einen unaufgeräumten Keller. Nachdem ich mir einen Überblick verschafft hatte ließ ich Baby allein und ging einkaufen. Voll bepackt kam ich zurück und richtete mich ein wenig ein.

Schon nach zwei Tagen fühlte ich mich in dem Haus heimisch genug um entspannt schlafen zu können. Nachdem ich am Abend noch ein Buch gelesen hatte, schlief ich langsam ein.


Das Mädchen war nun siebzehn Jahre alt und kurz zuvor mit einer Schwester dabei erwischt worden, wie sie sich nachts aus ihrer Baracke geschlichen hatte.

Der Sicherheitschef, über den das Mädchen schon viele schreckliche und brutale Geschichten gehört hatte, hatte sie aufgegriffen und zu ihrem Ausbilder gebracht. Dieser hatte sie angeschrieen und Strafaufgaben verteilt. Das Mädchen hatte mit nichts anderem gerechnet.

Als er fertig war, sah er wieder den Sicherheitschef an: „’763 muss zum Küchendienst. ’728 in die Baracke.“

„Ja, Sir“, murmelte der schwarzhaarige Mittdreißiger.

Er nickte Richtung Tür. Ihre Schwester und sie gingen voran. Sie lieferten die Brünette in der Küche ab und machten sich dann auf den Weg über den dunklen Hof.

Der Normale hatte zwar eine Waffe, aber er hatte sie nicht gezogen. Das Mädchen hätte ihn innerhalb von Sekunden töten können, doch ihrer Erziehung entsprechend dachte sie keine Sekunde daran so etwas zu versuchen.

„Warum habt ihr das gemacht? Ihr wisst doch, das alles bewacht wird.“

Das Mädchen sah ihn an, schwieg aber.

Der Mann kam charmant lächelnd ein wenig näher: „Na, komm schon. Ich erzähl es auch keinem. Wolltet ihr die Jungs besuchen?“

„Wir...machen das ständig.“

„Die Jungs besuchen?“

„Nachts die Baracken verlassen“, murmelte das Mädchen.

„Warum?“

Die Frage verstand sie nicht wirklich, dennoch versuchte sie die einzige Antwort die ihr einfiel: „Weil wir es können.“

„Was macht ihr, wenn ihr draußen seid?“

„Nichts. Wir tun es einfach nur so.“

Der Sicherheitschef blieb mit ihr vor der Baracke stehen: „Lass dich das nächste Mal nicht erwischen, Kleine. Wäre doch schade, wenn ich dich erschießen müsste.“

„Das schaffen Sie nicht, Sir.“

„Nenn mich Franklin und ich würde mich an deiner Stelle nicht darauf verlassen. Jetzt geh rein und schlaf. Morgen wird ein hässlicher Tag für dich.“

„Ja, Si...Franklin“, verwirrt öffnete sie die Tür und ging hinein.


Ich wachte auf. Mir wurde bewusst, dass ich von meiner ersten Begegnung mit Franklin geträumt hatte. Er hatte tatsächlich, obwohl ich nicht daran geglaubt hatte, dicht gehalten. Und auch in der Folgezeit griff er nicht mehr von uns, die nachts heimlich auf dem Gelände herumschlichen, auf als vorher. Er hatte es niemandem gesagt und auch keine höheren Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Er war der erste Normale – eigentlich der Einzige – in Manticore gewesen, der je ein nettes Wort an mich gerichtet hatte. Ich drehte mich im Bett und schlief traumlos weiter.

Mein Leben lief wie die letzten Wochen. Ich verbrachte viel Zeit mit Baby draußen und damit Leute kennen zu lernen. Zwar waren meine Bekanntschaften allesamt oberflächlich, weil ich mich nie lange genug an einem Ort aufhalten konnte um echte Freundschaften zu schließen, doch ich liebte es mit Menschen zu reden und ihnen zuzuhören. Baby war geradezu ein Magnet für alle Menschen und so kam ich mit vielen ins Gespräch.

Mitte der kommenden Woche sah ich dann einen weißhaarigen Mann zum zweiten Mal. Beim ersten Mal hatte er einen Anzug und eine Aktenmappe getragen und ständig auf die Uhr gesehen, so als warte er auf einen Kunden oder Kollegen. Ich hatte mich noch ein wenig über ihn amüsiert. Jetzt sah ich ihn an einem Zeitungskiosk stehen, in Joggingsachen und mit einem fleckigen Rucksack zu den Beinen. Diese beiden Bilder passten so wenig zusammen, dass ich mich verfolgt fühlte. Also lief ich zurück zum Haus, aktivierte die Alarmanlage und lief mit Baby in die nächste Stadt zum Bahnhof. Ich kaufte ein Ticket und fuhr einfach weiter in den Süden. Waren sie mir auf den Fersen? Hatte mich Franklin gefunden? Auf einem unbequemen Sitzplatz schlief ich ein, während Baby Wache hielt.

„Was machst du hier?“

Erschrocken drehte sich die Siebzehnjährige um. Franklin stand mit gezogener Waffe und finsterem Gesichtsausdruck hinter ihr. Sie war in der Küche und aß gerade einen Schokoriegel.

„Ich habe Hunger.“

„Warst du nicht zum Abendessen?“

„Meine Kompanie hat Lebensmittelentzug.“

„Warum?“

„Weil die Ausbilder es angeordnet haben.“

„Mir ist nichts von einem Regelverstoß deiner Einheit zu Ohren gekommen.“

„Es gab keinen Regelverstoß. Es ist ein Versuch, wie lange wir ohne Nahrung auskommen.“

„Offensichtlich nicht sehr lange.“

„Wir sind in der dritten Woche ohne Essen. Heute hatten wir einen Außeneinsatz.“

„Und?“

„Ich bin schwach, na und? Bring mich zu einem Ausbilder oder lass mich weiter essen.“

Er senkte die Waffe und setzte sich neben sie auf den Boden: „Wie hießt du?“

„X-6 728.“

„Ich meine deinen Namen.“

„Wir haben keine Namen.“

„Aber ihr sucht euch doch selbst welche aus. Das weiß ich.“

„Ich nicht.“

„Warum nicht?“

„Weil es keinen Sinn gibt. Wenn ich einen Einsatz habe, bekomme ich vom Auftraggeber einen Namen.“

„Okay, ich werde dich Seven nennen. Warum bist du hier allein?“

„Was meinst du?“

„Wo sind die anderen aus deiner Kompanie?“

„Sie schlafen.“

„Haben sie keinen Hunger?“

„Sie halten länger durch als ich.“

„Ja?“

„Ich war schon immer die Schwächste in der Gruppe“, es war eine Tatsache die ihr oft egal war, nur manchmal, wenn sie wegen Schwäche, Langsamkeit oder anderen Dingen bestraft wurde, hasste sie es nicht so gut zu sein wie ihre Geschwister.

„Du erscheinst mir nicht schwach.“

„Stärker als du bin ich“, murmelte sie unkonzentriert und suchte in dem Haufen Lebensmittel zu ihren Füßen nach etwas anderem, was sie essen konnte.

Franklin griff zu und wickelte sich selbst einen Schokoriegel aus: „Darauf würde ich an deiner Stelle nicht wetten.“

„Doch, das kann ich ganz leicht. Du bist jetzt nur im Vorteil, weil du bewaffnet bist.“

Franklin hob seine Waffe und legte sie neben sich: „Gleichberechtigung.“

„Willst du kämpfen?“, sie sah ihn verdutzt an.

„Nein“, er hob seine Hand wieder und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. Sie erstarrte und blickte in seine grünen Augen.

„Du hast ein sehr hübsches Gesicht, Seven. Dich groß, schlank und kräftig zu machen leuchtet mir ja noch ein, aber was hat es für einen Sinn dich wie Helena von Troja aussehen zu lassen?“

Sie legte eine Hand an ihre freie Wange. Sie war sich ihres Aussehens meistens nicht bewusst. Es gab in Manticore keine Spiegel, nur wenn sie zu einem Außeneinsatz unterwegs war, sah sie sich hin und wieder.

Sie war 1,70 Meter groß, da gab es keinen Unterschied zwischen ihr und ihren Schwestern, einige waren kleiner, andere größer aber sie lag im Mittelfeld. Sie hatte helle blonde Haare und große grüne Augen. Ihre Augen mochte sie, sie konnte etwas von der Farbe ihres Haares darin sehen, besonders, wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel einfiel. Ihre Wangenknochen waren hoch und ihr Mund groß und sinnlich. Ihre Nase war klein und unauffällig, ebenso ihr Kinn. Meistens vergaß sie, wie sie aussah.

Wenn sie im Wald durch den Dreck schlitterte machte es keinen Unterschied, ob man – wie Franklin gerade gesagt hatte – wie Helena von Troja aussah oder wie Quasimodo – über den sie einen Zeichentrickfilm gesehen hatte, als sie einmal eine Außenmission gehabt hatte.

Doch als Franklin das zu ihr sagte, erinnerte sie sich plötzlich an ihr aussehen. Ihr Magen zog sich auf eine merkwürdige, unbekannte Art zusammen und ihr Blutdruck stieg an. Sein Daumen strich sanft über ihre Wange.

Plötzlich hörte sie Geräusche. Schnell richtete sie sich auf und kramte die Lebensmittel zusammen. Sie stopfte sie in einen Schrank.

Franklin sah einen Augenblick verwirrt aus, dann nahm er ihren Arm und zog sie hinter einen Tresen: „Duck dich, Seven.“

„Warum?“

„Tu's!“

Also hockte sie sich auf den Boden. Die Tür ging auf.

„Boss?“, fragte eine überraschte, männliche Stimme.

„Ihr solltet doch die Südseite bewachen.“

„Ja, Sir. Wir haben Pause und wollten uns einen Snack genehmigen. Was tun Sie hier?“

„Ich mache meinen Job, das solltet ihr besser auch tun. Ihr habt in den Gebäuden nichts verloren. Nicht in den Baracken und auch nicht in der Mensa. Geht in den Pausenraum, wenn ihr was essen wollt.“

„Ja, Sir“, murmelten zwei Stimmen pflichtschuldigst und Schritte entfernten sich.

Franklin zog sie auf die Beine: „Los jetzt, verschwinde.“

„Warum machst du das?“

„Was?“

„Ich halte mich unerlaubt hier auf, wenn sie herausfinden, dass du...“

„Das findet keiner raus, es sei denn du sagst es jemandem.“

„Nein, natürlich nicht.“

Er nickte bedächtig, legte erneut seine Hand an ihre Wange und strich mit seinem Daumen über ihre Unterlippe, bevor er sich abwandte: „Verschwinde, Seven, und lass dich das nächste Mal nicht erwischen.“

„Ja“, murmelte sie verwirrt und ging davon.



Fortsetzung folgt...
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