5.Glorfindels Putztag

GeschichteAllgemein / P6
Glorfindel
14.03.2008
14.03.2008
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2004
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Oneshot aus meinem Leben und meinen Inspirationen:

… Und es rumste erneut in meinem Bücherregal. Meine Tolkien Sammlung hat überhaupt keine Standfestigkeit. Marúhls lakonischer Kommentar war nur: „Ist Gondolin* schon wieder gefallen?“
„Nein, Gondolin* liegt hier auf dem Tisch.“
Später sang das Nachbarskind ununterbrochen das nun wirklich sinnfreie Lied „36 Grad“. Nach vergeblichen Hoffens, es würde das Radio anmachen und sich einen neuen Ohrwurm suchen, zogen wir die Möglichkeit in Betracht, es mit Gondolin zu erschlagen.
[* „Tour und seine Ankunft in Gondolin“]

Vielleicht sollte ich das einfach so stehen lassen…

Disclaimer: Gehört nicht mir (nicht mal ganz die Idee… erinnerst du dich, Marúhl?) und Geld krieg ich auch keins *sniff*
A/N: Gewidmet Marúhl und Mandy. HEL


GLORFINDELS PUTZTAG


oder:


Schürze steht nicht jedem



Er stolperte und nicht einmal seine guten, durch jahrelange Kampferfahrung geschulten Reflexe vermochten ihn vor dem Fall zu retten.

Fürst Glorfindel ò Gondolin und Imladris, Balrogtöter, Held aus dem 1. und 3. Zeitalter und Inhaber diverser anderer Titel – sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieser Erzählung sprengen – fiel äußerst unelegant zu Boden. Auf den Bauch, um genau zu sein.

Da lag er nun, alle viere von sich gestreckt, im wahrsten Sinne des Wortes, und sah sich vorsichtig um, ob nicht vielleicht doch jemand… nein, er war allein. Niemand hatte diesen peinlichen Zwischenfall gesehen. Zum Glück passierten ihm solche Sachen nur in seinen eigenen Räumen. Wenn auch ziemlich oft in letzter Zeit. Schuld daran, das gab er so langsam auch zu, war er selbst: Glorfindel.

Was hatte er sie auch vergraulen müssen, Puigiell, sein einziges Zimmermädchen. Die es immerhin mehr als ein Jahrtausend mit ihm ausgehalten hatte. Doch dann hatte sie sich mit Hênbess angefreundet. Ausgerechnet mit der! Und plötzlich war sein liebes, kleines Mädchen gar nicht mehr so lieb gewesen. Sie hatten sich so gewaltig miteinander verkracht, dass Glorfindel nun wohl schon zum hundertsten Male über seine Stiefel gestolpert war, die, da sich Puigiell seit Wochen weigerte, seine Gemächer zu betreten, keiner mehr wegräumte.

So konnte es nicht weitergehen! Ganz eindeutig nicht. Selbst Glorfindel war sich dessen inzwischen bewusst. Der Rest Bruchtals mochte das wohl schon etwas länger wissen, spätestens aber seit dem Abend, als er mit zwei verschiedenen Socken und einem Loch in der Hose in der Kaminhalle erschienen war. Elrond hatte ihn schon damals ganz dezent darauf hingewiesen, dass er sich doch wohl lieber mit Puigiell aussöhnen sollte, auch zum Wohle der restlichen Bewohner des Tales. Hatte Glorfindels Chaos doch bereits sein Arbeitszimmer erreicht und machte sich, sehr erfolgreich übrigens, daran, von dort den Rest des Hauses zu erobern.

Doch Glorfindel war stur und Puigiell nicht minder.

Darauf dass sie sich in naher Zukunft wieder vertragen würden… eine Utopie, auf die Elrond wohl bis zum Ende von Arda würden warten können.

Glorfindel würde sich also irgendwas anderes ausdenken müssen. Nachdenklich lag er also hier, in seinem Wohnzimmer, inmitten der geliebten Unordnung, auf den Bauch, alle Viere – aber das hatten wir ja bereits.

Ein bisschen schmutzig war es schon, das gab er zu. Vielleicht hätte er doch das Tablett mit dem Geschirr, als ihm letzte Woche das Essen aufs Zimmer gebracht worden war, zurück in die Küche bringen sollen. Neue Lebensformen bevölkerten es nun, ganz sicher ihn, Glorfindel, als ihren Schöpfer verehrend. Dann war da noch die Schmutzwäsche, die in mehreren Lagen seinen schönen Marmorfußboden bedeckte. Sicher, es schonte den Stein, aber so langsam… tja, so langsam ging ihm die saubere Unterwäsche aus. (Dabei hatte er bereits bei Erestor geklaut…)

„Jaja, ich seh’s ja ein…“ Leise vor sich hin murmelnd stand Glorfindel endlich auf und besah sich das Dilemma noch einmal von oben. Soviel stand fest: Hier musste aufgeräumt werden!

Puigiell kam nicht wieder, auf ein neues Zimmermädchen brauchte er nicht zu Hoffen (er hatte längst den Ruf, schwierig zu sein…), was blieb da noch?

Nicht viel jedenfalls. Glorfindels Zukunft sah wirklich düster aus, sah er sich jetzt doch mit der Aufgabe konfrontiert, um die er sich seit zwei Leben und zwei Zeitaltern immer erfolgreich gedrückt hatte: Putzen! Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre er viel lieber noch mal gegen den Balrog angetreten, als das er freiwillig einen Lappen in die Hand genommen hätte. Aber eine Wahl hatte er nicht.

Wenn er nicht im Dreck ersticken, auch noch nächste Woche noch etwas anzuziehen und sich nicht zum Gespött der Leute machen wollte. Obwohl, sie lachten sowieso schon über ihn. Der Gedanke daran gab Glorfindel Kraft. Denen würde er es schon zeigen! Wer einen Balrog töten konnte, der konnte erst recht seine eigenen Wohnung in Ordnung bringen. Sollte Puigiell doch bleiben, wo der Pfeffer wächst! Er brauchte kein Zimmermädchen!

Voller Tatendrang machte sich Glorfindel bereits einen Tag und drei weiteren Stürzen über seine Stiefel später an die Arbeit.

Da er früher, als Puigiell Hênbess noch nicht gekannt hatte, sich immer sehr gerne mit Puigiell unterhalten hatte (irgendwann würde er Hênbess als schlechten Einfluss auf Zimmermädchen verklagen) und ihr das ein oder andere Mal bei ihrer Arbeit zu gesehen hatte, hatte Glorfindel eine ungefähre Ahnung, was er zu tun hatte. Er besorgte sich reichlich von diesen Stoffsäcken, in denen die Zimmermädchen immer die schmutzige Wäsche zum Waschen brachten, und begann.

Ich würde ja auch gerne berichten, dass er sich die Haare hoch- und eine Schürze umband, in die Hände spuckte und sich ans Werk machte. Aber ich will nicht lügen. Und seien wir ehrlich: Schürze würde Glorfindel nicht wirklich stehen.

Es dauerte, bis Glorfindel all seine Wäsche zusammengeklaubt hatte, und so stand die Sonne schon tief am Himmel, als er endlich wieder seinen Fußboden zu Gesicht bekam, vom Licht des ausklingenden Abend rot entflammt, und es schon Zeit für das Abendbrot würde. Auf dem Weg in den Speisesaal entsorgte er noch sein lebendes Geschirr auf Elronds Schreibtisch und fiel schließlich wie ein ausgehungertes Tier über das Essen her. Die fragenden Blicke ignorierte er.

Zufrieden mit seiner Leistung, hatte er sich am Abend, nach dem Löschen der Kerzen mit einem erleichterten Seufzer auf sein Bett sinken lassen, nur um einen Wimpernschlag später schreiend wieder hochzufahren: Er hatte leider nach dem Morgentraining sein Schwert nicht weggeräumt, sondern nur auf seinem Bett abgelegt.

Er fluchte in jeder ihm bekannten Sprache, als er Minuten später in den Häusern der Heilung auf einer Behandlungsliege saß und sich von Elrond seinen zerschnittenen Rücken versorgen ließ. Im Endeffekt verlegte er sich auf Orkisch. Zum Fluchen eignete sie sich definitiv am besten.

„Will ich wissen, wie diese Verletzung zustanden gekommen ist?“ Nach Glorfindels Kopfschütteln fügte Elrond noch hinzu: „Interessante Sprache übrigens.“

Als er getan hatte, was in seinem Möglichkeiten stand, wünschte Elrond seinem obersten Krieger eine Gute Nacht und machte sich auf den Rückweg zu seiner Familie. Er amüsierte sich großartig, Glorfindel konnte es an dem vergnügten Glitzern in Elronds Augen erkennen. Hah! Der würde noch sein blaues Wunder erleben! Morgen schon, wenn er seinen Plan vom Putztag in Tat umgesetzt hätte…

Leichter gesagt als getan.

Am nächsten Tag musste Glorfindel feststellen, dass erstens, die kleinsten Wunden am schlimmsten zu schmerzen pflegen und Putzen bei weiten einfacher aussieht, als es letztlich ist. Mit schmerzenden Rücken und völlig unausgeschlafen hatte er sich einen Bottich besorgt, Wasser im Kamin erhitzt und sogar die Seife zum Schäumen gebracht.

Bloß…

Eventuell hatte er die Mengenangabe wohl etwas falschverstanden, nach einmal Umrühren im Bottich hatte er genug Schaum um sein Badezimmer damit füllen zu können.

Ach was, viel hilft viel.

Ganz nach diesem Grundsatz machte sich Glorfindel eifrig daran, den Schaum großzügig auf seinen Fenstern zu verteilen und diese zu schrubben. Man muss ihm lassen, dass er sich wirklich Mühe gab, aber… den Dreh mit dem Streifenfrei hatte er nicht wirklich raus. Egal, er hatte schon immer mattierte Fensterscheiben haben wollen. Und sollte Erestor oder einer seiner Handlanger aus dem Baubüro kommen, wegen der Gesamtansicht des Gebäudes und so. Die konnten ihn mal!

Er hatte bereits Staub gewischt (das Kristall von seiner Kommode war zu Bruch gegangen, aber auch das machte nix, er konnte sich neues besorgen) und wollte sich jetzt an seinen Boden schmeißen. In Ermangelung eines Wischmopps zerschnitt er einfach eines seiner alten Hemden. Glorfindel begann schließlich seine Teppiche zusammen zu tragen und nach draußen in den Garten zu bringen. Die Klopfstange war besetzt von Elronds Söhnen, gerade mal sechs Jahre alt übten sie sich schon fleißig in Hängerose und Überschläge.

Mit schmerzenden Gliedern, er hatte sich neben die zwei an die Stange gehängt – wer konnte diesen großen Augen schon etwas abschlagen? – war er schließlich auf dem Weg zurück. Fest entschlossen, sich gleich am nächsten Tag mit Puigiell auszusprechen. Nicht, dass er sie brauchte, aber es war einfach nur gesundheitsschädlich dieses Putzen! Und auf seinen Schultern ruhte noch immer die Sicherheit Bruchtals. Er konnte sich einfach keine Rückenschmerzen leisten.

Und überhaupt, eigentlich war es doch sowieso alles Hênbess’ Schuld! Die Galadhrim war vor einiger Zeit als Lehrerin für die Zwillinge nach Imladris gekommen und hatte neben Schulbüchern, Stickgarn und einem schrecklichem Parfum auch noch solch revolutionäre Gedanken mitgebracht.

Mindestlohn! 35-Stunden-Woche! Bezahlter Urlaub!

Soweit kam’s noch!

Von Elrond akzeptiert, von Erestor unterstützt (aber das war ja klar gewesen, alter Verräter!) hatte Hênbess schnell eine große Anhängerschaft um sich geschart und als dann selbst SEINE Puigiell von Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen gesprochen hatte, war Glorfindel der Kragen geplatzt.

Worum es genau in dem Streit gegangen war, wusste Glorfindel schon nicht mehr. Aber hoch hergegangen war es! Porzellan war an Wände geworfen worden, Besteck war durch die Luft geflogen und Bettwäsche war zerrissen worden doch der Höhepunkt war mit Sicherheit die Dusche mit gebrauchten Wischwasser gewesen, in deren Genuss Glorfindel am Ende gekommen war.

Glorfindel hatte gerade erst mit dem Wischen begonnen, als er auf dem nassen, weil bereits gewischten, Boden ausrutschte und ohne irgendwo Halt zu finden unaufhaltsam in Richtung Bottichs fiel. Und getreu dem Gesetz von der größten Sauerei kam es, wie es kommen musste:
Glorfindel fiel, er landete in dem schaumigen Wasser, stürzte bei dem Versuch, sich ins Trockene zu retten vollends und riss den Bottich mit.

Dass er dabei mal so eben den gesamten ersten Stock des Hauses flutete, bekam Glorfindel schon gar nicht mehr mit, denn das Tischbein, mit der sein Kopf kollidierte, schickte ihn erst einmal ins Land der Träume. Lorien freut sich schließlich immer über Besuch.

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Ein Kichern war es, dass ihn schließlich weckte. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages kämpften sich durch die verschmierten Scheiben und in der Luft hing schon, beinah völlig übertüncht vom Seifenlaugengeruch, der Duft des kommenden Abendessens.

Glorfindel fand sich mal wieder am Boden wieder, diesmal aber in einer Pfütze mit Seifenschaum im Mund. Abwechslung muss auch mal sein. Und über ihm stand, auch etwas Neues, mit einem feinem Lächeln Puigiell.

„Euch kann man aber auch nicht alleine lassen.“, meinte sie kopfschüttelnd, als sie ihm auf die Beine half. Sie sah sich kurz um und beseitigte flink das Schlimmste, wischte das Wasser vom Boden, polierte einmal kurz über das Fensterglas und öffnete sie schließlich weit. Dieser Reinigungsgeruch musste raus.

„Eru beschütze Eure zukünftige Ehefrau.“, seufzte Puigiell, während sie sich bückte, um die Scherben der Vase aufzulesen, die Glorfindel unfreiwillig vom Tisch gestoßen hatte.

„Ich werde niemals heiraten.“, stöhnte Glorfindel, ließ sich auf sein Bett sinken und hielt sich seinen dröhnenden Kopf.

„Ihr werdet eine Frau brauchen, mein Fürst.“ Puigiell kicherte. „Es sei denn…“

Glorfindel schloss die Augen, er wünschte sich jetzt eine weitere Ohnmacht herbei. „5 Prozent mehr.“

„Zehn. Mindestens…“



Lassen wir die Beiden damit allein. Tarifverhandlungen finden immer hinter verschlossenen Türen statt. Vielleicht verrät mir Puigiell bei Gelegenheit mal, wie viel Goldstücke mehr sie Glorfindel aus dem Kreuz leiern konnte, oder ob Glorfindel am Ende doch noch heiratet… ihr werdet es als erste erfahren.

Finis.
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