Mit Tränen aus Stein

GeschichteAllgemein / P16
11.03.2008
20.10.2008
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EINS

New York City, heute


Goliath warf einen raschen Blick auf den Feuerteufel, dem er soeben das Handwerk gelegt hatte und der gerade in Handschellen von Eliza abgeführt wurde, doch nur den Bruchteil einer Sekunde später wurde seine Aufmerksamkeit wieder in das Zwielicht der dunklen Seitengasse gezogen, in welcher er sich vor dem Menschenauflauf der Verhaftung versteckte. Seine Sinne sagten ihm deutlich, wie schon Momente zuvor, dass dort jemand war, der ihn beobachtete.

„Komm heraus und zeige dich!“, erklang Goliaths Ehrfurchtgebietende Stimme, und sofort schälte sich aus dem Schatten eine ihm nur allzu gut bekannte Figur.

„Xanatos! Ich hätte wissen müssen, dass Sie dahinterstecken!“ Goliath brauchte seinen Augen beim Anblick des verhassten Mannes nicht erst befehlen aufzuleuchten, sie taten es automatisch.

„Ich weiß nicht zu welchem Zweck Sie Ihre eigenen Firmengebäude anzünden, doch dies wird nun enden!“ Dies war keine Bitte, sondern eine Feststellung, wie Xanatos ganz genau wusste, doch wie immer schien er überlegen und dem Anführer der Gargoyles weit voraus. Er machte sich nichtmal die Mühe, sein halb im Dunkeln verborgenes Gesicht unter die Straßenlaterne zu bewegen, sondern lächelte nur arrogant.

„Ich habe mein Ziel erreicht, da ich mit diesem kleinen Feuer nichts anderes erreichen wollte, als die Aufmerksamkeit von euch Gargoyles. Ich wusste, dass einer von euch hier auftauchen würde.“, sagte er, wobei sein Lächeln ein wenig im Gegensatz zu der leichten Ungeduld in seiner Stimme stand.
Goliaths Augen kehrten vor Überraschung zu ihrem normalen Licht zurück, und er hob eine der wulstigen Erhebungen seiner Knochen, dort, wo bei den Menschen eine Augenbraue gesessen hätte.

„Sie brennen ein ganzes Firmengebäude im Wert von mehreren Hunderttausend Dollarn nieder, nur um einen von uns anzulocken? Was kann so wichtig sein?“

Xanatos überlegte sich seine Worte genau.
„Ein wichtiges Anliegen aus der Vergangenheit, das euch betrifft.“
„Ein Anliegen welcher Art?“, fragte Goliath.
„Dringlicher Art.“, sagte Xanatos knapp. „Ich werde es euch zeigen, wenn ihr morgen Nacht auf Schloss Wyvern erscheint.“

Goliath knurrte und streckte seine Schwingen bedrohlich in die Lüfte.
„Woher weiß ich, dass es keine Falle ist, wie so viele Male zuvor?“ Seine Augen begannen erneut zu glühen, doch Xanatos grinste nur.
„Ich würde sagen, dass ich dir mein Wort gebe, aber da dir das nicht reicht, überzeugt dich vielleicht das hier.“, erwiderte Xanatos, und mit einer eleganten Bewegung zog er etwas aus seiner Manteltasche, schmiss es Goliath zu, welcher es mit Leichtigkeit auffing, und wandte sich zum Gehen um.
„Ach, Goliath, was den Brand angeht, so sind diese paar Dollar nur Peanuts für mich, wie du weißt. Ich müsste nicht zu solchen Mitteln greifen, würdet ihr mir endlich sagen, wo euer neues Heim ist.“
Mit diesem Worten verschwand der Millionär endgültig in den Schatten und war nicht mehr wahrnehmbar.

Mit einem finsteren Blick starrte der mächtige Gargoyle dem Mann nach. Er traute ihm nicht, egal wie oft er ihm sein Wort geben würde. Schließlich hatte er es fast jedes Mal gebrochen. Er löste sich aus seinen Gedanken und öffnete seine Hand, um das Ding darin zu betrachten, und Mund und Augen des großen Gargoyles weiteten sich vor Ungläubigkeit; in seiner Hand lag eine Hälfte des Phönixtors, arg ramponiert, welches er eigentlich sicher in seiner Bibliothek wusste.

Ja, Xanatos hatte fast  jedes Mal sein Wort gebrochen. Fast.
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