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Darkwing Duck - Der Fluch des Schakals, Adult Version

GeschichteAllgemein / P18
10.03.2008
10.03.2008
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Disclaimer:Die Figuren und Orte in dieser Geschichte sind fast alle © Disney. Ausnahmen sind der Gott Anubis und das Land Ägypten, die frei verwendbar sind, die Figur Neferata, die mir gehört und der Name Neferata, der Games Workshop gehört.

Der Fluch des Schakals

Fiesoduck landete grinsend im Sand. Er war entkommen. Gutmenschen, Superhelden, Geheimagenten, Verräter und außerirdische Hüte hatten ihn nicht halten können. Er war frei. Ohne seinen Hut, aber frei. Aber... Wo war er eigentlich?
Er stand auf und sah sich um. Es war Nacht und er befand sich offensichtlich in einer Sandwüste. Der Himmel war, für Wüsten nicht ungewöhnlich, klar und es herrschte Vollmond, so dass es relativ hell war. War da hinten etwas? Fiesoduck holte ein Fernglas hervor und sah hindurch. Ja, da hinten war die Spitze einer Pyramide zu erkennen. Einer ägyptischen Pyramide. Gut, er war also in Ägypten. Und offensichtlich nicht in seiner eigenen Welt, denn da waren die Pyramiden in einem Krieg vollkommen zerstört worden. Vielleicht hatte es auch zwei Kriege gebraucht, so genau wusste er das nicht mehr.
Wie auch immer, wo eine Pyramide war, waren meist Touristen und wo Touristen waren, musste es auch Wasser geben.
Fiesoduck machte sich auf den Weg.

Etwa eine Stunde später fiel er in ein Loch.
„Was zum Henker hat dieses Loch hier zu suchen?“, fragte Fiesoduck, als er sich wieder aufrappelte, „Warum... Oho!“
Das Loch im Sand war offenbar eine Art Schacht, der sich gebildet hatte, weil der Sand in das steinerne Maul absackte, in dem sich der Erpel nun befand. Das steinerne Maul, das dort wo eigentlich die Kehle hätte beginnen müssen durch eine Mauer unterbrochen war. Eine Mauer mit einer steinernen Tür.
Die Tür war wahrscheinlich viel zu schwer um sie allein zu öffnen, aber ausprobieren konnte ja nicht schaden.
Zu Fiesoducks Überraschung ließ sich die Steinplatte mühelos verschieben. Vermutlich gab es irgendwo ein Gegengewicht oder so. Oder es war Magie.
Hinter der Tür befand sich ein kleiner, leerer und nicht sehr spektakulärer Raum. Das interessanteste an ihm waren die drei Durchgänge am anderen Ende.
Fiesoduck betrat den Raum. Hinter ihm schlug mit einem ohrenbetäubenden Krachen die Tür zu.
„He, was soll das?“
Er versuchte, die Tür wieder zu öffnen, doch es gelang nicht. Die Steinplatte bewegte sich keinen Millimeter.
„Na super. He, spielt da vielleicht irgendein Witzbold von Pharao an ein paar Hebeln herum?“
Fiesoduck erhielt genau das, was er erwartet hatte: Keine Antwort.
Und natürlich hatte er kein Werkzeug dabei um diese blöde Platte zu entfernen. Da half wohl nur noch die Suche nach einem zweiten Ausgang. Der Superschurke betrachtete die drei Durchgänge. Jeder von ihnen führte zu einem langen dunklen Gang und über jedem war ein Zeichen an die Wand gemalt, das kaum noch zu erkennen war. War das eine Waage? Egal. Einer der Gänge führte hoffentlich nach draußen. Aber Fiesoduck würde eine Lichtquelle brauchen, wenn er hindurch ging... Moment mal. Warum war es eigentlich in diesem Raum nicht dunkel? Es war nirgends eine Lichtquelle zu erkennen, aber trotzdem war es taghell. Hm...
Fiesoduck machte einen Schritt in den Gang direkt vor ihm, den linken Gang. Nun war auch er hell. Wie zu erkennen war führte er ein ganzes Stück geradeaus und endete dann oder bog ab.
Und der mittlere Gang? Führte geradeaus, bis zu einem großen Tor.
Der rechte schien wieder geradeaus zu führen und dann abzubiegen.
Verdammt, was konnte das hier nur sein? Ein Tempel? Ein Grab? Wenn es ein Grab war, dann gab es doch in der Grabkammer sicher einen dieser komischen Schächte, durch die die Seele aufsteigen soll, oder? Wenn der breit genug war, war es ein guter Ausgang. Und wo war die Grabkammer? Vermutlich doch hinter dem großen Tor.
Also ab durch die Mitte. Halt. Wenn das wirklich eine Grabkammer war, war sie sicher nicht ungeschützt. Also ganz vorsichtig...
Fiesoduck setzte einen Fuß in den Gang und es wurde hell. Sonst geschah nichts. Der zweite Fuß. Nichts. Noch ein Schritt. Der Boden klappte ohne Vorwarnung weg und Fiesoduck hing über einem Abgrund. Durch heftiges Rudern mit den Armen, gelang es ihm, das Gleichgewicht zur anderen Seite hin zu verschieben und fiel auf den Boden des Eingangsraumes.
„Vielen Dank!“, sagte er und sah sich den Abgrund an. Er füllte den Gang in seiner ganzen Breite aus und war selbst zu breit, um ihn zu überspringen. Und er schien verdammt tief zu sein, auch wenn Fiesoduck das nicht genau sagen konnte, da der Boden in der Dunkelheit verborgen war.
Na gut. Dann versuchte er es eben woanders.
Fiesoduck betrat den linken Gang. Diesmal war er vorsichtiger. Was hatte er denn dabei? Das Fernglas. Nein, das brauchte er noch. Eine Pistole. Die behielt er auch besser. Er musste doch irgendetwas Entbehrliches haben, etwas wie... leere Patronenhülsen. Aber waren die schwer genug? Probieren ging über Studieren.
Fiesoduck warf eine Hand voll Hülsen in den Gang. Es gab ein lautes Krachen und plötzlich ragten jede Menge Kupferstangen von der Decke bis zum Boden. Offenbar waren sie aus Löchern in der Decke herab gefallen. Wenn jemand tiefer im Gang gestanden hätte...
Da die Stangen überall im Gang waren, ging Fiesoduck davon aus, dass das die einzige Falle war. Er begann, sich zwischen ihnen hindurchzuquetschen und gelangte so in einen Raum, der von der anderen Seite nicht vollständig einsehbar gewesen war. Wie er jetzt bemerkte, führten alle drei Gänge in diesen Raum und in seiner Rückwand befand sich das große Tor.
Das Tor hatte zwei Flügel und war mit Gold beschichtet. Es war eine Waage mit zwei Schalen darauf abgebildet und es gab an jedem Flügel einen Ring um daran zu ziehen.
„Was soll es schaden?“, murmelte Fiesoduck und zog an einem Ring. Das Tor schwang fast von selbst auf. Der Erpel blickte in eine Höhle.
Das Tor schien sich etwa auf halber Höhe in einer Wand der Höhle zu befinden. Ein Stück über dem Tor ragte von der gegenüberliegenden Höhlenwand ein Vorsprung auf selbiges zu. Darauf schien sich etwas grünes, Leuchtendes zu befinden, und wenn Fiesoduck sich nicht täuschte, gab es in der Wand, zu dem der Vorsprung gehörte, einen Tunneleingang. Leider war der Vorsprung zu hoch, um ihn zu erreichen. Direkt vor dem Tor befand sich eine Waagschale, die zu einer Waage gehörte, die auf dem Boden der Höhle stand. Fiesoduck sah nach rechts und entdeckte die andere Waagschale, auf der ein behauener Stein lag. Ein Blick nach unten, bestätigte ihm, dass die Waage blockiert war. Er konnte sich schon denken, was das zu bedeuten hatte: Wenn jemand die Schale betrat, würde sich die Blockade lösen. War der Stein schwerer, dann würde ihn die Waage nach oben zum Vorsprung tragen, war er schwerer, dann ging es hinab auf den Höhlenboden.
Der Superschurke sah nach unten. Auch dort öffnete sich ein Tunnel, doch um die Waage herum tummelten sich Schakale und sahen erwartungsvoll nach oben. Und wenn schon. Vor Hunden hatte er sich noch nie gefürchtet. Außerdem sollte er ja wohl leichter sein als dieser Felsen.
Fiesoduck betrat die Waagschale. Die Blockade löste sich. Der Stein stieg nach oben.
Na toll.
„Was geht hier eigentlich vor?“, fragte Fiesoduck, während er von der Waagschale stieg. Die Schakale umringten ihn, doch als er sie böse ansah, zogen sie sich zurück.
„Das ist ein Herzwaage!“, erklärte eine weibliche Stimme, „Die Bösen kommen nach unten!“
Fiesoduck sah von den Schakalen auf und entdeckte eine junge Frau in einem ägyptischen Priesterinnengewand im Eingang des Ausgangstunnels. Auch sie war ein Schakal, jedoch ein menschlicher.
„Da muss ich mich ja geschmeichelt fühlen!“, knurrte Fiesoduck.
„Wie man es nimmt. Eigentlich müsste ich den Schakalen nun befehlen dich zu zerreißen!“
„Sie würden es nicht tun!“
„Verlasse dich nicht darauf. Allerdings verzichte ich darauf, da ich sehe, dass du bereits im westlichen Reich warst!“
„Du meint, du verschonst mich, weil ich Amerikaner bin?“
„Nein. Ich meine, du warst im Land der Hunde!“
„Wo?“
„Im Jenseits!“
„Ach so. Ja, da war ich!“
„Und wenn dich der Herr des Totenreiches wieder herausgelassen hat, dann hast du wohl eine wichtige Aufgabe zu erfüllen!“
„So scheint es!“
Fiesoduck wusste nicht recht, worauf die Frau hinauswollte, aber irgendwie gefiel ihm die Situation.
„Komm mit. Ich zeige dir, wo ich lebe!“

Der Tunnel führte in eine schlichte Wohnung. Es gab keine Schränke drin, abgesehen von einer kleinen Kammer, die vielleicht als Wandschrank durchgehen konnte und zur Aufbewahrung von Kleidung diente. Fließendes Wasser gab es in Form einer hauseigenen Quelle, das einzige Möbelstück war ein großes Bett.
„Was machst du den ganzen Tag?“, fragte Fiesoduck verblüfft.
„Ich liege im Bett!“
„Ist das nicht langweilig?“
„O ja!“
„Und wovon lebst du?“
„Vom Wasser der Quelle. Es ist sehr nahrhaft!“
„Und die Schakale?“
„Sie gehen raus um zu jagen. Und wenn sie nichts finden, fressen sie sich gegenseitig!“
„Wie lange bist du schon hier?“
„Ich habe die Jahre nicht gezählt!“
„Und warum gehst du nicht?“
„Ich bin die Wächterin des Ankh. Ich darf erst gehen, wenn es jemand mitnimmt!“
„Des Ankh?“
„Es liegt oben vor dem Ausgang. In einem Topf aus grünem Wüstenglas!“
„Und was tut es?“
„Das Ankh ist das Zeichen des Lebens. Wer es trägt stirbt nicht und ist geschützt vor bösen Geistern!“
Das klang ja gar nicht schlecht. Das klang sogar hervorragend. Mit diesem Ding konnte er dem alten Beelzebub ein Schnippchen schlagen!
„Gibt es noch einen anderen Weg dort hinauf, als die Waage?“
„Keinen richtigen Weg. Aber es ist möglich, an der Wand hinauf zu klettern. Aber ich muss dich warnen: Wer den Topf öffnet, ohne die Prüfung der Waage bestanden zu haben, den trifft der Fluch des Schakals!“
„So?“
Ein Fluch gegen das ewige Leben. Klang doch nicht schlecht.
„Das Ankh ist wirkungslos bei dem Verfluchten!“
Mist.
„Tatsächlich trifft ihn das umgekehrte Schicksal, der Tod wird überall auf ihn lauern und böse Geister werden ihn belästigen!“
Fiesoduck dachte nach.
„Was geschieht, wenn man den Topf mitnimmt und nicht öffnet?“
„So lange das Ankh im Topf bleibt, wirkt es nicht und so lange der Topf verschlossen ist, bleibt der Fluch darin!“
Wenn Fiesoduck also den Topf mitnahm und ihn von jemand anderem öffnen ließ... Dem nach seinem Tod das Ankh abzunehmen konnte ja nicht schwer sein.
Klang nach einem hübschen Mitbringsel für Darkwing Duck.
„Wer ist dieser Darkwing Duck?“, fragte die Priesterin.
„Was...“
Fiesoduck zog seine Pistole und richtete sie auf die Frau.
„Wer hat dir erlaubt, meine Gedanken zu lesen?“
„Du. Deine Gedanken waren so deutlich in deinen Augen zu erkennen, dass ich sie lesen musste!“
„So?“
„Ja. Und ich weiß nun, wie deine Aufgabe lautet. Du sollst diesen Darkwing Duck beseitigen!“
Das war gar nicht so unwahrscheinlich. Immerhin war dieser Kerl dem Teufel schon länger ein Dorn im Auge.
„Eigentlich müsste ich dich aufhalten, wenn du versuchst, den Topf zu stehlen, aber...“
„Aber?“
„Du bist aus dem Land der Hunde zurückgekehrt und hast einen Auftrag von einer höheren Macht erhalten. Du musst etwas besonderes sein. Das... gefällt mir!“
Sie legte sich auf das Bett und versuchte, verführerisch auszusehen. Theoretisch gelang es, aber Fiesoduck war für weibliche Reize nahezu gänzlich unempfänglich. Für männliche übrigens auch.
Er beschloss, mitzuspielen und legte sich neben sie.
„Du würdest mich also nicht aufhalten?“
„Nein!“
„Und würdest du mir helfen?“
„Vielleicht!“
Er verstand.
„Was verlangst du?“
„Kannst du dir das nicht denken?“
Und sie bekam, was sie wollte.

Die Priesterin kniete auf dem Bett, vorn übergebeugt und mit den Händen abgestützt. Fiesoduck kniete hinter ihr. Er schob ihr Gewand nach oben und sah, dass sie nichts darunter trug. Nun konzentrierte er sich. Es war nicht leicht für ihn, sich in sexuelle Erregung zu versetzen, doch es gelang. Seine Kloake stülpte sich um, so dass eine Röhre entstand, mit der er in sie eindrang. Er kam damit nicht tief hinein, doch nach der Reaktion seiner Partnerin zu urteilen, war es tief genug. Jetzt musste er sich keine Mühe mehr geben, erregt zu sein. Er packte mit beiden Händen ihre Seiten und stieß vor und zurück. Wann hatte er das letzte Mal Sex gehabt? Er war nicht in der Lage, jetzt darüber nachzudenken, denn seine Erregung hatte sich verselbstständigt und näherte sich dem Höhepunkt. Mit zusammengebissenen Zähnen, ergoss sich Fiesoduck in die, zumindest scheinbar, junge Frau. Er war jetzt fertig. Aber da er ihre Hilfe wollte, war es wohl besser, wenn er weitermachte, bis sie es auch war.

Fiesoduck und die Priesterin lagen nebeneinander im Bett.
„Du hast mir deinen Namen noch gar nicht genannt!“, fiel Fiesoduck ein.
„Und du mir deinen nicht!“
„Kannst du ihn nicht aus meinen Gedanken lesen?“
„Ich kann lesen, dass du dich Fiesoduck nennst, aber deinen richtigen Namen schirmst du ab!“
„Fiesoduck muss genügen!“
„Dann muss dir Neferata genügen!“
„Tut es. Hör zu: Um diesen Darkwing Duck auszuschalten muss ich mit dem Topf in eine Stadt namens St. Erpelsburg!“
„Das ist kein Problem. Durch den Ausgang kommst du an jeden beliebigen Ort!“
„An jeden beliebigen Ort?“
„An jeden Ort, der in dieser Welt liegt. Und von dem du weißt, wo er ist!“
Schade.
„Und... Kannst du mir auch zum Vorsprung hinauf helfen?“
„Trinke von meiner Quelle. Das Wasser wird dir die nötige Kraft geben um hinaufzusteigen!“
Fiesoduck stand vom Bett auf und näherte sich der Quelle, an der das Wasser durch einen Riss in der Wand in ein Becken plätscherte.
Dort angekommen zögerte er.
„Woher weiß ich, dass die Quelle nicht vergiftet ist?“
Neferata ging zur Quelle, bildete mit den Händen eine Schale, fing etwas Wasser damit auf und trank es.
„Du überlebst es!“,, stellte Fiesoduck fest, „Aber wer sagt mir, dass ich es überlebe?“
„Es ist das einzige Wasser hier unten. Trinke es, oder lass es sein!“
Fiesoduck trank. Das Wasser schmeckte nach Wasser, aber es wirkte anders. Es stillte nicht nur den Durst des Erpels, sondern auch seinen Hunger. Ja, es schien ihn tatsächlich stärker zu machen.
„Ich bin bereit!“, verkündete er.

Der Aufstieg fiel Fiesoduck vergleichsweise leicht. Es gab nur wenige Vorsprünge und sie waren nicht groß, doch er musste sich nie so lange festhalten, dass Abrutschgefahr bestand. Bald war er oben. Vor ihm stand ein Topf oder großer Krug mit Deckel, aus einem grünen, durchsichtigen Material. Drinnen lag ein leuchtendes Henkelkreuz.
Der Superschurke blickte in den Tunnel, der sich vor ihm öffnete.
„Und nun?“, rief er.
„Stell dir einen Ort vor, und der Tunnel führt dich dorthin!“, antwortete Neferata von unten.
Also gut. Fiesoduck dachte an eines seiner Verstecke in St. Erpelsburg. Dann betrat er den Tunnel.

Als er den Tunnel verließ, stand er vor dem Liquidator.
„Was machst du hier?“, fragte er.
„Von allen gejagt? Ohne Freunde? Ohne ein sicheres Zuhause? Dann verstecken Sie sich doch bei ihrem Boss!“
„Konntest du nicht bei jemand anderem unterkommen?“
„Es gibt keinen anderen mehr. Buxbaum und Megavolt haben die Stadt verlassen und Quackerjack sitzt in der Klapse!“
„Wie konnte denn das passieren? Ich war doch nur einen Tag weg!“
„Geht ihre Uhr auch manchmal nach?“, begann der Liquidator einen Werbespruch, besann sich dann aber und sprach normal weiter.
„Wir sind schon vor einer Woche angekommen!“
Offenbar hatte Fiesoduck irgendwo ein paar Tage verloren. Diesem magischen Kram konnte man eben nicht trauen.
„Schöne Bescherung. Egal, wenn mein Plan funktioniert, brauche ich diese Trottel nicht mehr!“
„Und was wird aus mir?“, fragte der Liquidator.
„Aus dir? Du kommst ja wohl alleine zurecht!“
„Ich bin ein gesuchter Krimineller und noch dazu sehr leicht zu erkennen. Natürlich komme ich zurecht, aber ich habe keine Lust, mich zu verstecken bis meine Verbrechen verjährt sind!“
„Du willst eine Position, in der dich niemand mehr angreifen kann, was?“
„Exakt!“
„Dann schlage ich vor, wir erneuern unsere alte Abmachung. Du hilfst mir und sobald ich die Stadt beherrsche bekommst du dein Viertel!“
„Einverstanden!“
Dann konnte es ja losgehen. Sobald Fiesoduck seinen Reservehut gefunden hatte.

Der entscheidende Punkt war, Darkwing zu finden. Wenn dieser Trottel den Topf erst einmal hatte, würde er ihn auch öffnen. Und der beste Weg, Darkwing zu finden, war, aufzufallen.
Das fiel dem Liquidator offenbar nicht sehr schwer. Am Abend, zu der Zeit, in der Darkwing für gewöhnlich auf Patrouille war, begann er seine Vorstellung.

„Steckt lieber die Pistolen weg!“, rief der Superschurke den Polizisten zu, die ihn umringt hatten. Vor ihm schoss eine Wasserfontäne aus dem Boden, auf der ein voll besetztes Auto halbwegs sicher schwebte.
„Ihr könntet euch wehtun!“
„Lass den Wagen herunter!“, rief ein Polizist, „Oder wir eröffnen das Feuer!“
„Sie wollen etwas erreichen, aber ihre Verhandlungsposition ist schlechter als neun Jahre altes Chiliketchup? Dann vergessen Sie es doch einfach!“
Die Polizisten machten ihre Drohung wahr. Zum Glück schossen sie zu hoch, um den auf dem Boden stehenden Topf zu treffen. Dem Liquidator konnten die Kugeln selbstverständlich nichts anhaben.
„Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert!“
Ah, da war er ja.
„Ich bin der Blizzard, der dich erstarren lässt!“
Natürlich.
„Ich bin Darkwing Duck!“
„Fang!“, rief der Liquidator und warf das Auto nach dem gerade auf der Straße erschienenen Darkwing. Der wich aus. Das Auto prallte auf.
„Ist jemand verletzt?“, fragte der Held die Insassen.
„N-nein, ich glaube nicht!“, antwortete der Fahrer.
„Da sieht man mal wieder, warum man auf jeden Fall den Sicherheitsgurt anlegen sollte!“
Darkwing richtete seine Gaspistole auf den Liquidator.
„Nun zu uns, Liqui!“, rief er.
„Ganz wie du willst!“
Wie eine Flutwelle und verstärkt durch das aus dem Boden kommende Wasser, das vermutlich von einer Leitung unter der Straße stammte stürzte der Superschurke auf seinen Gegner zu.
Der drückte ab. Das Geschoss traf die Flutwelle, die Flutwelle traf Darkwing.
Und das Wasser verschwand in Darkwings Kostüm.
„Es hat sich also doch gelohnt, eine Extraladung Schwamm-Kartuschen mitzunehmen!“
„Aber gereicht hat es nicht!“
Aus der noch immer aus dem Boden sprudelnden Fontäne formte sich der Liquidator.
Plötzlich hörte die Fontäne auf zu sprudeln und der Liquidator klatschte auf den Boden.
„O. Hat man dir das Wasser abgestellt, Liqui? He, hat mal jemand einen Schwamm?“
„Hilflos? Gedemütigt? Dann ergreifen sie jetzt das einmalige Angebot der Flucht und kommen später wieder um ihr Werk zu vollenden!“
Und der Verbrecher floss hinab in das Loch.
„Ja, ja, ja. Selbst der schlüpfrigste Schurke kann sich nicht messen mit der überragenden Überlegenheit von Darkwing Duck. Hm. Sieht aus, als hätte er etwas vergessen!“

Das lief ja mehr als gut. Der Liquidator war entkommen, Darkwing hatte den Topf. Jetzt musste er ihn nur noch öffnen und Fiesoduck würde nicht nur einen Feind loswerden, sondern auch noch unsterblich werden.
Verdammt, wieso öffnete er das Ding nicht? Er konnte es doch nicht… Nein. Er nahm es mit! Verdammt, er nahm, den Topf mit in sein Versteck und Fiesoduck hatte keine Ahnung, wo das war. Nun, vielleicht konnte er dem Rattenfänger unauffällig folgen…

Er konnte tatsächlich mehr oder weniger. Und erlebte eine Überraschung.

„Hallo Morgana!“
„Darkwing! Um diese Zeit habe ich mit dir gar nicht gerechnet!“
„Ich bin dienstlich hier. Es geht um ein Objekt auf das ich gestoßen bin und das mir verdächtig vorkommt!“
„Kann ich es sehen?“
„Deshalb bin ich hier. Ich habe es auf den Rattenfänger gebunden!“
Morgana begab sich zu dem vor dem Gartentor stehenden Motorrad.
„Sieht ägyptisch aus!“, kommentierte sie, „Und es enthält viel Magie. Ich würde es vorerst nicht öffnen. Wo hast du es gefunden?“
„Auf der Straße, neben dem Platz, an dem ich gegen den Liquidator gekämpft habe!“
„Und du meinst, der Liquidator hat es dort verloren?“
„Wer sonst?“
Die Hexe löste die Seile, die den Topf hielten und nahm ihn in beide Hände.
„Der Liquidator ist zwar selbst eine magische Kreatur, aber zaubern kann er nicht und ich bezweifle, dass er die Macht dieses Objekts erkennen oder sogar verstehen kann!“
„Das muss er auch nicht. Ich bezweifle, dass er es selbst nutzen würde, aber er ist genau der Typ, der mit so etwas handeln würde!“
„Aber warum hatte er es dann dabei? Wollte er vielleicht den Käufer treffen?“
„Ich weiß es nicht. Deshalb will ich ja wissen, was das eigentlich ist!“
„Ich schlage nach!“
Morgana kehrte ins Haus zurück. Das war nicht gut. Darkwing war zu vorsichtig. Wahrscheinlich war es das Beste, den Topf zurückzuholen und ihn jemand noch dümmerem zuzuschieben. Aber natürlich bewachte diese Nervensäge das Motorrad samt Ladung. Zu dumm, dass der Liquidator nicht da war, jetzt hätte er ihn gebrauchen können.
Es musste doch einen Weg geben, diesen Möchtegernhelden abzulenken.
Fiesoduck ließ seinen Blick über die Umgebung schweifen. Die Straße, der Friedhof, die Villa Makaber. Keine Nachbarn, keine anderen Häuser. Nur vorbeifahrende Autos.
Vielleicht ließ sich damit etwas anfangen. Er brauchte einen Wagen…

Morgana schlug das Buch auf. Ein Topf aus grünem Wüstenglas. Der musste doch zu finden sein. Das Problem war, dass der Topf nicht verziert und daher kaum einer Epoche zuzuordnen war. Aber soweit Morgana wusste, war Wüstenglas selten und grünes erst recht. Ganze Töpfe daraus konnte es nicht oft gegeben haben. Vorausgesetzt, es war echtes Wüstenglas.
Morgana Makaber schlug das Buch zu. Das brachte doch nichts. Sie musste den Topf selbst untersuchen.

Ein laute Scheppern und Quietschen ließ Darkwing die Straße hinaufblicken. Dort bot sich ein ungewöhnlicher Anblick: Ein Fahrzeug schien ein anderes mit voller Wucht seitlich gerammt zu haben. Und es saß niemand darin. Im gerammten allerdings schon.
Nun, das war offenbar ein Notfall.

Perfekt. Darkwing war beschäftigt, der Topf unbewacht. Vorsichtig schlich sich Fiesoduck an den Rattenfänger heran. Noch ein Stückchen…
„Dark, ich brauche den Topf, ich muss ihn… Darkwing?“
Fiesoduck kauerte sich hinter dem Rattenfänger zusammen. Warum gerade jetzt?
„Ich bin hier!“, sagte Darkwing und kam zu seinem Motorrad, „Es gab einen Unfall mit Fahrerflucht, aber es ist nichts passiert, das wert wäre, dass ich mich darum kümmere!“
„Ich muss den Topf untersuchen. Anders komme ich nicht weiter!“
„Trifft sich gut. Wenn ich hier draußen keinen Topf zu bewachen habe, kann ich ja zu dir hereinkommen!“
„Nun, es ist ein bisschen… Na gut, komm rein!“
Und wieder verschwand der Topf aus Fiesoducks Reichweite.

Morgana war mehr als erstaunt.
„Auf dem Topf liegt ein Zauber!“, erklärte sie, „Und zwar ein sehr komplizierter. Auch in dem Ankh im Inneren steckt viel Magie, aber der andere Zauber schirmt meine Kräfte ab. Ich kann nicht erkennen, was es tut. Der Zauber auf dem Topf wird ausgelöst, wenn man ihn öffnet. Ich würde ihn gründlich untersuchen lassen!“
„Und wo?“
„Auf der Akademie natürlich!“
„Kommt nicht in Frage. Die wären imstande, das Ding irgendwo in der hintersten Ecke ihrer Sammlung verstauben zu lassen und niemandem davon zu erzählen!“
„Das ist ja wohl besser, als wenn es hier Schaden anrichtet!“
„Aber ich will wissen, was es ist!“
„Dann nimm den blöden Topf und finde es selbst heraus!“
„Das werde ich!“

Fiesoduck sah, wie Darkwing wütend und mit dem Topf das Haus verließ. Seine Schwanzfedern waren noch weiß, also konnte der Streit nicht so heftig gewesen sein. Und wieder musste Fiesoduck ihm folgen.

„Er hat dich abgehängt!“, stellte der Liquidator fest.
„Das war reines Glück. Er hat nicht einmal gewusst, dass ich ihn beobachte. Er muss das gemacht haben, weil er in sein Versteck fahren wollte. Ich muss ihn wieder finden!“
„Sie brauchen einen unauffälligen Beobachter? Jemanden, der alles sieht und nie gesehen wird? Dann wenden sie sich an den Liquidator!“

Darkwing stellte den Topf ab. Mitten in der Nacht war bei S.H.U.S.H. niemand geeignetes zu erreichen, und im Brückenpfeiler war das Ding zunächst sicher aufgehoben. Der Superheld fragte sich, ob er wieder losfahren sollte. Immerhin war der Liquidator ja noch da draußen. Aber vielleicht war ja Quack von seiner Verabredung zurück. Mit dem Donnerquack ließ sich der Schurke sicher leichter finden.
Darkwing setzte sich auf den Stuhl. Dieser begann, sich zu drehen. Als er zum Stehen kam, saß anstelle von Darkwing Quack darauf.

Darkwing schlich durch die Wohnung. Kiki schlief wahrscheinlich schon und er wollte sie nicht wecken. Die Fliegerbrille hing nicht mehr an dem Haken, an dem Quack sie aufgehängt hatte, bevor er gegangen war und außerdem war das Licht an. Offenbar war der Pilot da. Aber wo war er?
Nicht im Wohnzimmer. Nicht im Flur. Nicht in der Küche. Auch nicht im Bad. Vielleicht in seinem Schlafzimmer. Halt. Was war, wenn er nicht alleine zurückgekommen war? Vorsichtig klopfte Darkwing an die Schlafzimmertür. Keine Antwort. Dann öffnete er sie. Niemand da. Das Bett war unberührt. Hatte Quack nur seine Fliegerbrille abgeholt und war wieder gegangen? Jetzt hörte Darkwing die Stühle wirbeln.
Schnell ging er ins Wohnzimmer, wo Quack auf einem der Transportstühle saß.
„Da bist du ja!“, rief Darkwing, „Komm mit, wir müssen den Liquidator finden!“
Jetzt sah er, was sein Gefährte in der Hand hielt. Ein goldenes Kreuz, das oben in eine Art Schlaufe überging und an einer Kette hing.
„Wo hast du das her?“
„Aus dem Topf, der im Turm steht. Du weißt nicht zufällig, was es ist?“

Morgana schaltete den Fernseher aus. Dieses Nachtprogramm trug nicht gerade dazu bei, ihre Laune zu verbessern. Vielleicht sollte sie ausnahmsweise einmal früh ins Bett gehen. Der Schrei einer Fledermaus riss sie aus ihren Gedanken. Morgana blickte auf und sah ihre beiden geflügelten Familiare, die ein aufgeschlagenes Buch hielten.
„Danke, aber ich habe keine Lust zu…“
Bevor sie den Satz vollendet hatte, sah sie eine Illustration auf einer der aufgeschlagenen Seiten. So schnell, dass die beiden Fledermäuse erst mitgerissen wurden und dann auf den Boden fielen, griff sie nach dem Werk.
„Das ist der Topf!“, stellte sie fest und blätterte um, „Und da ist auch das Ankh!“
Leise las sie den dazugehörigen Text und kam zu einem Entschluss:
„Ich muss Dark warnen!“

„Hast du irgendetwas gespürt, als du den Topf geöffnet hast?“, fragte Darkwing.
„Nein!“
„Oder als du das… wie nannte es Morgana, Ankh herausgenommen hast!“
„Nein!“
„Herrjeh, wer weiß was jetzt im Pfeiler los ist. Quack, du kannst nicht einfach…“
„Was ist denn hier los?“, fragte Kiki verschlafen.
„Kiki, geh zurück ins Bett. Wir haben hier ernsthafte Probleme!“
„Echt irre. Ist das ein echtes ägyptisches Ankh?“
„Woher kennst du so etwas?“
„Aus ‚Angriff der Kettensägenmumien’!“
„Ist das nicht dieser Film, den du nicht sehen solltest?“
„Habt ihr nicht ernsthafte Probleme?“
„Richtig. Morgana hat gesagt, wenn der Topf geöffnet wird, wird ein Zauber ausgelöst!“
„Ein Fluch?“, fragte Kiki neugierig.
„Das konnte sie mir nicht sagen. Wie auch immer, dir scheint nichts passiert zu sein!“
„Was soll ich jetzt damit machen?“, fragte Quack.
„Das kommt in den Tresor. Aber erst sehen wir nach, ob der Zauber irgendetwas im Versteck verändert hat!“
Darkwing und Quack setzten sich auf die Stühle. Kiki schwang sich auf Darkwings Schoß.
„O nein. Du bleibst hier, bis wir wissen, dass es sicher ist!“
Murrend glitt Kiki wieder zu Boden.

Der Liquidator entdeckte Morgana, als diese auf dem Weg zum Hafen war. Wohin wollte sie? Sie trug ein Buch bei sich, vielleicht konnte er es erkennen, wenn er näher heran floss. Er wurde zu einer unauffälligen Pfütze und beeilte sich, die Hexe einzuholen. Tatsächlich bemerkten sie ihn nicht.
‚Das Buch des zweiten Todes’, las er lautlos. Und abgebildet war eine Gestalt, die der Liquidator zwar nicht erkannte, die aber einen ägyptischen Zeremonienbart trug. Wahrscheinlich hatte das Buch mit dem Topf zu tun. Und das ließ darauf hoffen, dass die Zauberin zu Darkwing unterwegs war.
Jetzt hatte sie den Hafen erreicht. Mit einem Zauber umhüllte sie erst ihren Kopf, dann das Buch mit einer Art Seifenblase. Offenbar wollte sie tauchen. Perfekt. Unter Wasser war der Liquidator nahezu unsichtbar. Moment. Was war jetzt los? Warum starrte sie in seine Richtung? Er war doch nur eine völlig unverdächtige Wasserpfütze. Oder konnte diese Zauberin mehr sehen? Konnte sie sehen, dass da mehr war als Wasser?
Sie hob den Arm und schleuderte einen Blitz, der den Liquidator an der Oberfläche zu Eis erstarren ließ.
Offenbar ja.

Quack saß auf dem Stuhl und erwartete die Drehung. Darkwing drückte auf den Kopf der Maus. Für einen kurzen Moment glaubte Quack, einen anderen Arm zu sehen, der sich aus Darkwings löste und in die Mäusefigur hinein griff. Dann ging es los.

Morgana hoffte, dass der Eiszauber den Liquidator lange genug aufhielt, damit er sie nicht mehr wieder fand. Schade, dass sie kein geeignetes Behältnis dabei hatte, sonst hätte sie ihn gleich einpacken können. Da war der unterseeische Eingang in Darkwings Versteck. Sie hatte keine Fernbedienung um ihn zu öffnen, wusste aber das Signal mit einem Zauber zu kopieren.
Kurz darauf fuhr sie mit dem Aufzug nach oben. Und sah, wie Darkwing und Quack quer durch den Raum geschleudert wurden.

Darkwing Duck spürte den Schmerz. Es war nichts Neues. Er brach oder verstauchte sich selten Knochen, doch Schmerzen erlitt er nahezu bei jedem Kampf. Trotzdem hatte er sich nie wirklich daran gewöhnt. Am schlimmsten war es, wenn es völlig überraschend kam, so wie jetzt.
„Dark!“, hörte er eine Stimme rufen, „Geht es dir gut?“
Morgana?
„Geht schon. Aber wie kommst du hier rein?“
„Durch den unteren Eingang. Du darfst auf keinen Fall den Topf öffnen, sonst trifft dich ein Fluch!“
„Zu spät. Quack hat ihn geöffnet… Quack!“
Quack lag vor der Wand und rührte sich nicht.

„Du hast sie verloren?“, fragte Fiesoduck.
„Es war nicht meine Schuld!“, erklärte der Liquidator, „Ich war eine gewöhnliche Pfütze. Aber sie hat mich trotzdem erkannt. Sie muss eine Art magischen Blick haben!“
„Den Hexenblick!“, bestätigte Fiesoduck, „Damit kann man Geister und solche Sachen sehen. Zumindest in meiner Welt!“
„Kann ihr Gegenspieler sie sehen, obwohl es sonst niemand kann? Wurde sie hinterhältig ausgetrickst, ohne etwas dagegen tun zu können? Dann…“
„Ruhe. Noch ein dummer Spruch und ich stecke dich in eine Flasche und schicke dich an den Südpol!“
„Und… Was machen wir jetzt?“
„Jetzt? Jetzt warten wir ab. Früher oder später muss jemand diesen Topf öffnen und dann sind wir bereit!“

Quack öffnete die Augen.
„Das nächste Mal nehme ich die Treppe!“, erklärte er.
Dann wurde sein Blick klar. Er sah Darkwing, Kiki und Morgana und stellte fest, dass er in seinem Bett lag.
„Du bist mit dem Kopf gegen die Wand geprallt!“, erklärte Darkwing.
„Na da hatte ich ja Glück, dass es nichts Empfindlicheres war!“
„Äh… Ja. Hör zu, du bist verflucht!“
„Was?“
Morgana kam an das Bett und schlug ein dickes Buch auf.
„Hier steht es. Wer den Topf öffnet, den trifft der Fluch des Schakals. Fortan werden die bösen Geister auf ihn lauern und ihm nach dem Leben trachten!“
„Dann habe ich das wirklich gesehen?“
„Was?“, fragte Darkwing.
„Als du auf den Kopf der Maus gedrückt hast, kam ein zweiter Arm aus deinem. Er sah genauso aus, nur schwarzweiß. Und… Ich glaube hell und dunkel waren vertauscht!“
„Horrorduck!“, rief Kiki.
Nun fiel es auch Quack, wie Schuppen von den Augen.
„Genau. Er sah genau aus wie Horrorducks Arme!“
„Horrorduck?“, fragte Morgana.
„Wir haben dir von ihm erzählt!“, erinnerte sie Kiki, „Paps böse Hälfte, nachdem sie noch einmal von Megavolts Dingsda getroffen wurde!“
„Natürlich. Der Fluch erlaubt es ihm, wieder zu erscheinen. Zum Glück nicht in körperlicher Form!“
„Was könnte noch hinter Quack her sein?“, fragte Darkwing.
„Jede Art von bösen Geistern, womöglich sogar Dämonen. Und je länger der Fluch bestehen bleibt, desto mehr werden es bemerken und herkommen!“
„Und wie hebt man ihn auf?“, fragte Quack.
„Den Fluch brechen kann nur die Waage des Herzens!“
„Und wo finden wir die?“, hakte Darkwing nach.
„Im Tempel des Anubis. Das Buch enthält zum Glück eine Karte. Wir müssen nach Ägypten!“
„Na dann los!“

Der Liquidator floss unter der Tür hindurch in das Versteck.
„Keine Sprüche!“, befahl Fiesoduck, „Sag mir einfach, was du gesehen hast!“
„Den Donnerquack. Er fliegt nach Osten. Und… ich habe etwas Seltsames gespürt, als er über mich hinweg flog!“
„Etwas Seltsames?“
„Ja. Ich hatte das Gefühl, als müsste ich das Ding zerstören!“
„Sie fliegen nach Osten… Wissen sie wo möglich etwas über den Topf!“
„Schon möglich. Morgana trug ein Buch über Ägypten bei sich, als sie mir entwischt ist!“
„Du Idiot! Warum sagst du das erst jetzt? Wir müssen hinterher. Zum Glück hat Darkwing nie herausgefunden, wo ich meinen Hubschrauber abgestellt habe!“

Darkwing hatte beschlossen, sich hinten in den Donnerquack zu setzen, in der Mitte weit genug weg von allen Maschinen. Auf diese Art konnte Horrorduck vielleicht nichts tun.
„Irgendwelche bösen Geister?“, fragte Kiki.
Morgana sah wachsam aus dem Fenster.
„Da unten ist ein verfluchtes Piratenschiff, aber es kann nicht fliegen. Wirklich in Acht nehmen müssen wir uns, wenn wir über Ägypten sind. In der Antike wurde dort vielen Seelen der Weg ins Jenseits verwehrt!“
„Und was macht Horrorduck?“
Morgana sah Darkwing an.
„Kein Spur von ihm. Er verhält sich ruhig. Ich glaube, der Fluch gibt Energie an ihn ab. Er wartet ab, bis es genug ist, um deinen Vater zu verlassen!“
„Aber… wenn Horrorduck ihn verlässt, wird er dann zu Superduck?“
„Nein. Ich denke eher er… O natürlich!“
„Was?“
„Das Ankh. Es… es schützt vor bösen Geistern!“
„Das sagst du jetzt?“, fragte Quack.
„Dir würde es nicht helfen. Aber wenn Darkwing es trägt, kann Horrorduck ihn vielleicht nicht mehr verlassen!“
„Einen Versuch ist es wert!“, fand Kiki und holte die Kette mit dem Ankh hervor.
„Goldschmuck?“, fragte Darkwing, „Zu meinem Kostüm?“
„Paps!“
„Ist ja gut!“
Darkwing legte die Kette um.
„Schön, dass wenigstens einer von uns vor bösen Geistern geschützt ist!“, meinte Quack, „Da kommt nämlich einer!“
Alle sahen aus den Fenstern, doch nur Quack und Morgana sahen den altmodischen Trippeldecker, der auf den Donnerquack zuhielt. Und nur sie vernahmen seinen geisterhaften Funkspruch.
„Hier spricht der ruchlose Geisterpirat Don Kanaille. Ihr dürft euch ergeben, aber es wird euch nicht nützen, nicht oder?“

Fiesoducks Hubschrauber flog über das Meer.
„Da ist es wieder!“, stellte der Liquidator fest, „Nicht so stark wie beim letzten Mal, aber es ist da!“
„Was?“, fragte Fiesoduck.
„Der Drang etwas zu zerstören. Etwas Bestimmtes. Und es liegt in der Richtung, in die wir fliegen!“
„Aber natürlich. Doofwing hat den Topf doch noch geöffnet.  Was du da spürst ist der Fluch!“
Der Liquidator sagte nichts dazu. Aber ihm war anzusehen, dass er nachdachte.

„Er ist direkt hinter uns!“, rief Morgana, „Und er schießt!“
„Mit Geisterkugeln?“, fragte Darkwing, „Was soll das denn schaden?“
„Es kann die Elektronik durcheinander bringen!“
„Und es jagt einem einen kalten Schauer über den Rücken, wenn man getroffen wird!“, fügte Kiki fröstelnd hinzu.
„Der Kompass dreht sich wie ein Karussell!“, rief Quack.
„Flieg einfach geradeaus!“, rief Darkwing zurück, „Aber schnell!“
„Der Geschwindigkeitsmesser ist ausgefallen. Und der Höhenmesser!“
„Gibt es nicht irgendein Mittel gegen Geister?“, fragte Darkwing.
„Klar!“, rief Kiki, „Salz hilft immer!“
„Das stimmt!“, bestätigte Morgana, „Kochsalz destabilisiert Ektoplasma!“
„Na dann: Zwei, eins Risiko!“

Die Kuppel des Donnerquacks klappte auf und Darkwing kletterte auf die Tragfläche. Einen Moment lang hatte Morgana Angst, dann ging ihr auf, dass ihm ja nichts passieren konnte, solange er das Ankh trug.
„Wohin soll ich zielen?“, fragte er.
„Etwas tiefer!“, rief Morgana, „Jetzt!“
Der Pirat, ein Fuchs, feuerte mit den Flugzeugwaffen auf Darkwing, doch dank des Ankh lösten sich die Kugeln auf, bevor sie trafen. Sie hätten Darkwing nicht getötet, doch in großer Zahl hätten sie seinen Gleichgewichtssinn stören können.
Darkwing schoss. Eine Kartusche flog durch das geisterhafte Flugzeug und explodierte in einem Regen aus Salz. Der Geist löste sich lautlos auf.
„Der kommt wieder!“, prophezeite Morgana.

Zunächst ließ er sich allerdings nicht wieder sehen. Bis Ägypten blieb alles ruhig.
„Wo ist denn nun der Tempel?“, wollte Darkwing wissen.
„Hier sieht alles gleich aus!“, entschuldigte sich Morgana.
„Kannst du ihn nicht mit irgendeinem Ritual oder so aufspüren?“
„Vielleicht könnte ich, wenn ich das Ankh hätte. Aber Horrorduck ist inzwischen schon zu stark!“
„Also gut. Hilft dir vielleicht die Pyramide dort weiter?“
„Das könnte… Ja, wir müssen dort entlang!“
„Hallo!“
Quack sah zur Seite. Neben ihm schwebte ein Geist. Bis auf den ägyptischen Kopfschmuck, den Zeremonienbart und die Tatsache, dass sein Unterkörper keine wirklich feste Form hatte, sah er aus wie…
„Donald?“
„Wer?“, fragte Darkwing.
„Donald?“, überlegte der Geist, „O ja, Donald Duck. Er war mein letzter Wirt, aber diese Versager konnten nicht verhindern, dass ich aus seinem Körper verbannt wurde!“
„Da ist schon wieder ein Geist!“, rief Morgana, „Diesmal eine Herrscherseele!“
„Zunächst war ich ja ganz froh, ich traf einen alten Freund wieder und hoffte darauf, ins Jenseits eingehen zu können. Aber im Gegensatz zu ihm blieb ich weiterhin auf der Erde und nun ohne Körper!“
„Wir haben kein Salz mehr!“, rief Kiki.
„Weißt du, eine innere Stimme sagt mir, ich soll dich töten, aber… Ich kann nicht!“
„Du willst mich nicht töten?“
„O doch, aber ich kann nicht!“
Er griff durch Quack hindurch.
„Er weiß nichts von Elektronik!“, flüsterte Morgana Darkwing und Kiki zu, „Und ohne Mondlicht kann er keinen Körper übernehmen. Im Moment ist er harmlos!“
„Sind wir bald da?“, fragte Darkwing.
„Ja. Lande hier!“
Bei einer Landung im Wüstensand konnte auch Quack nicht allzu viel verkehrt machen und so kam man unbeschadet an.

„Und wo soll hier nun ein Tempel sein?“, fragte Darkwing und ging vor dem Donnerquack auf und ab.
„Laut dem Buch ist er hier!“, beteuerte Morgana.
„Und wo? Hier ist doch nichts als Sahahahaaaa!“
„Darkwing!“, rief Quack, „Du hast den Tempel gefunden!“
„Ja!“, bestätigte Darkwing von unten, „Ich Glückspilz!“

Ein Hubschrauber flog über die Wüste.
„Hier ist es!“, rief der Liquidator.
„Sicher?“
„Der sicherste Navigator…“
„Keine Sprüche!“
„Ja, ich bin sicher. Außerdem steht da unten der Donnerquack!“
Fiesoduck sah hinunter. Schade, dass er keine Raketen mehr hatte, Darkwings Flugzeug bot ein unverfehlbares Ziel. Man konnte nicht alles haben.
Der Superschurke landete sein Fluggerät auf dem Sand und stieg aus.
„Hier irgendwo muss das Loch sein, in das… das ich hier gefunden habe. Hilf mir suchen!“
„Nicht nötig. Ich kenne eine Abkürzung!“
Fiesoduck drehte sich um und sah den Liquidator im Boden versickern.

„Die Falle hatte es in sich!“, stellte Quack fest.
„Besonders spitz scheinen die Pfeile nicht gewesen zu sein!“, widersprach Darkwing, „Mich haben mehrere getroffen und es hat nicht einmal gepiekst!“
Morgana war versucht, ihrem Freund zu sagen, dass das nicht an den Pfeilen gelegen hatte, entschied sich aber dagegen.
„Hinter diesem Tor muss die Waage sein!“, sagte sie stattdessen.
„Ach wirklich?“, fragte Darkwing und entfernte einen Wurfpfeil, der sich in seinen Hut gebohrt hatte, „Da wäre ich nie drauf gekommen. Ist es eine Falle?“
„Das Buch sagt, es ist nur ein Tor!“
Das ließ sich Quack nicht zweimal sagen. Er zog an einem der Ringe und das Tor schwang auf.
„Die Waage des Herzens!“, verkündete Morgana, „Steige hinauf, und wenn dein Herz leicht genug ist, befreit sie dich von dem Fluch!“
„Schade, dass nicht der Kopf gewogen wird!“, murmelte Darkwing, „Der wäre mit Sicherheit leicht genug!“
Quack zögerte. Einen Moment zu lange, denn plötzlich baute sich vor ihm der Liquidator auf, die Hände zu Hammerköpfen umgeformt.
„Haben sie Angst, ihr Herz könnte zu hart und zu schwer sein? Dann lassen sie es sich doch ein wenig weich klopfen!“
Quack wich zurück, als der wässrige Schurke zuschlug. Er stieß gegen Darkwing, Darkwing fiel. Die Kette rutschte über seinen Kopf und das Ankh fiel auf den Boden.
„Ich hätte es ja unter der Kleidung getragen!“, bemerkte der Pharaonengeist.
Noch ehe Darkwing aufstehen konnte, stieg aus ihm etwas anderes. Es sah aus, wie ein Negativ in schwarzweiß. Und wurde von schwarzen Blitzen umzuckt.
„Horrorduck!“, rief Kiki.
„Ganz genau!“, antwortete der, „Nicht so mächtig wie früher, aber für diesen Clown da, reicht es allemal!“
Morgana begriff die Situation. Sie kannte einen Zauber, der eine Kreatur wie Horrorduck vielleicht zerstören konnte, doch wenn sie ihn einsetzte, würde Darkwing womöglich für immer ein passiver Moralapostel bleiben.
Aber sie konnte zumindest den Liquidator auf Eis legen.
„Hier wird nicht gezaubert!“, rief Horrorduck und ein schwarzer Blitz aus sein er Hand warf Morgana gegen die Mauer.
„Bitte. Das können wir doch friedlich lösen!“, versuchte Darkwing die Kontrahenten zu beschwichtigen, „Mir ist so schwindlig, kann mir bitte jemand aufhelfen?“
Die fehlende Seite machte sich bemerkbar, begriff Morgana. Und sie konnte nichts tun. Irgendwie hatte Horrorducks Blitz den ganzen Magievorrat ihres Körpers zerstreut. Es würde eine Weile dauern, bis sie auch nur zu einem winzigen Zauber in der Lage sein würde.
„Natürlich können wir das friedlich lösen, nicht oder?“, bemerkte der nun erscheinende Kanaille, „Hinterher!“
Der Ausdruck auf Kikis Gesicht verriet, dass sie ihn sehen konnte und tatsächlich wirkte er auch auf Morgana viel massiver. Der Fluch erlaubte ihm, sein Ektoplasma zu verdichten. Er war gefährlich.
„Weg von Quack, ihr Ungeheuer!“, rief Kiki und eilte auf den Piloten zu. Dabei lief sie durch die Herrscherseele und diese verschwand.
„He!“, rief der Pharao durch Kikis Schnabel, „Hier gibt es kein Mondlicht, das Mädchen sitzt nicht auf einem Thron und es sieht mir auch kein bisschen ähnlich. Und es hat trotzdem geklappt!“
Das war es dann wohl. Kiki war besessen, Quack umzingelt von Geistern, die ihn töten wollten, Darkwing ein Pazifist ohne Gleichgewichtssinn und Morgana selbst ohne Magie. Dann sah sie es. Das Ankh. Unbeachtet auf dem Boden. Vorsichtig kroch sie darauf zu.

Quack wich einem Hammerschlag des Liquidators aus und dann einem Blitz von Horrorduck. Die Schläge des Pharaos in Kikis Körper waren zu ertragen, doch Kanailles Säbel war scharf. Der Pilot schätzte selbst, dass er noch etwa zehn Sekunden durchhalten würde.

Fiesoduck hämmerte mit den Fäusten gegen die Steinplatte. Warum ging dieses Ding nun schon wieder nicht auf? Nun gut, im Hubschrauber hatte er doch etwas für solche Fälle.

Der Liquidator holte gerade wieder zum Schlag aus, als ihn der Glanz von Gold ablenkte. Gold, das durch die Luft flog. Etwas drängte ihn dazu, diesen Quack zu töten, und er wusste, dass es der Fluch war. Doch kein Fluch konnte den Liquidator davon abhalten, sich Gold unter den Nagel zu reißen, wenn er es sah. Ohne nachzudenken fing er das goldene Objekt aus der Luft.

Quack bemerkte, wie der Liquidator etwas auffing und zu einer Wasserpfütze zerfloss. Gleichzeitig griff der heran gekrochene Darkwing mit den Worten „Gewalt ist doch keine Lösung!“, nach Kikis Körper. Der Weg war frei. Quack sprang in die Waagschale.
„O nein!“, rief der Pharao durch Kiki und sprang hinterher.
„Warte doch!“, meinte Darkwing und fiel in die Schale.
„Jetzt kannst du nicht mehr ausweichen!“, rief Horrorduck und in seiner Hand bildete sich etwas, das aussah wie eine Kugel aus schwarzem Feuer.
„Dies ist das Ende von Quack dem Bruchpiloten!“
Er irrte sich. Bevor das Geschoss traf, fiel die Waagschale nach unten. Sie prallte unten auf, der Geist des Pharaos fiel geradezu aus Kikis Körper und versank im Boden. Die Schakale setzten gerade zum Sprung an, als die Schale aufstieg.
„Nein!“, rief Horrorduck, „Was ist das?“
Etwas schien an Darkwings böser Seite zu zerren. Als die Waagschale den oberen Felsvorsprung erreichte, hatte sie den Kampf endgültig verloren. Horrorduck wurde zu einem einzigen schwarzen Strahl, den Darkwings Körper vollständig aufsaugte.
Darkwing richtete sich auf.
„Prüfung bestanden!“, stellte er fest, „Schade, dass gewisse Leute in einem gewissen Universum das nicht sehen können!“

Morgana richtete sich auf. Von all den Geistern war nur noch der Pirat übrig.
„Ich muss sagen, dass ich mich besser fühle. Geradezu fabulös!“, erklärte er, „Eigentlich bin ich ja auch Gentleman, nicht oder?“
Der Fuchs griff nach Morganas Hand, offenbar in der Absicht, diese zu küssen. Morgana nahm an, dass es nichts schaden konnte und ließ es zu.
„Wenn sich diese Primitiven nicht so aufgeregt hätten, weil ich mir ihr kleines Idol ausgeliehen habe, wäre ich ja gar nicht hier. O. Ich verliere an… Körper!“
Tatsächlich wurde der Geist wieder geisterhafter. Morgana nahm an, dass es für die anderen so aussehen musste, als würde er verschwinden.
Tatsächlich spazierte er einfach durch die Wand davon.
„Sagt das Buch irgendetwas darüber, ob das hier ein Ausgang ist?“, fragte Darkwing und zeigte auf den Tunnel hinter sich.
Morgana hörte gar nicht zu.

Darkwing war… erleichtert. Erleichtert, dass er wieder er selbst war, erleichtert, dass Quack alles überstanden hatte und erleichtert, dass die Waage ihn nicht unten zurückgelassen hatte. Aber jetzt wollte er nach Hause und das sicher nicht ohne Morgana.
Die hatte aber offenbar anderes im Kopf. Sie bückte sich und hob etwas aus dem zerflossenen Liquidator auf. Das Ankh.
„Ich habe das Ankh!“, hörte Darwking sie murmeln, „Ich habe das Ankh!“
„Wer ist das?“, fragte Kiki.
„Wer ist was?“, fragte Darkwing.
„Die Frau dort!“
Tatsächlich kletterte da eine Schakalfrau im altägyptischen Gewand die Felswand hinauf, direkt auf Morgana zu.
„Morgana!“, rief Darkwing, „Da kommt jemand auf dich zu!“
Morgana schien nichts zu hören.

Morgana nahm ihre Umgebung nicht mehr wahr. Sie hatte nur Augen für das Ankh in ihren Händen. Sie musste sich die Kette nur umhängen und schon wäre sie unsterblich. Unverwundbar. Ewig jung. In einigen Jahren wäre sie erheblich jünger als Darkwing. Irgendwann sogar sehr viel jünger. Sie würde ihn überleben, jeden überleben, denn sie kannte, mit Ausnahme von ein paar Untoten vielleicht. Wollte sie das wirklich?
Morgana ließ ihren Blick noch einmal über das Ankh schweifen.
Ja!
Sie war gerade im Begriff, die Kette umzulegen, als eine pelzige Hand danach griff.
„Das gehört mir!“, erklärte eine Schakalin.
Morgana zog an der Kette.
„Du bist Neferata, die Wächterin!“, rief sie.
„Stimmt!“, bestätigte Neferata und zog ebenfalls an der Kette, „Und?“
„Du bewachst das Ankh nur, es gehört dir nicht!“
„Mehr als dir!“
„Du bist bereits ewig jung!“
„Aber nicht unsterblich. Außerdem muss ich das Ankh bei mir tragen, wenn ich diesen Ort verlassen will. Und du kannst mir glauben, ich will hier weg!“
„Es ist mein Ankh!“
„Es ist meins!“
„Meins!“
„Meins!“
„Meins!“
„Meins!“
„Meins!“, sagte eine männliche Stimme selbstsicher, „Und wer anderer Meinung ist, der kann sich gerne überzeugen lassen!“

Fiesoduck hielt die beiden Maschinenpistolen auf die Frauen gerichtet. So lange sie das Ankh nicht trugen, waren sie noch verwundbar und das wussten sie auch.
„Wie bist du rein gekommen?“, fragte Neferata, „Ich habe die Steinplatte extra festgeklemmt!“
„Ach du warst das. Hier drinnen muss ja einiges los gewesen sein, wenn ihr die Explosion nicht gehört habt!“
„Ich wollte dich nur aus dieser Sache hier raushalten!“, erklärte die Wächterin verführerisch, „Ich will das Ankh natürlich nicht für mich allein behalten. Wir können uns ja abwechseln!“
„Einverstanden!“
„Das war nicht ehrlich gemeint!“
„Stimmt. Und jetzt gebt mir das Ankh!“
„Nein!“, rief Morgana.
„Warum stelle ich eigentlich ein Ultimatum?“, fragte sich Fiesoduck selbst, „Es geht doch viel einfacher!“

Darkwing suchte seine Taschen ab. Er musste doch irgendwo die richtige Munition haben. Die Gaskartuschen waren ungeeignet, sie würden Fiesoduck zuviel Zeit zum Schießen lassen. Aber das konnte funktionieren.

Fiesoduck drückte ab. Im selben Moment traf ihn etwas am Kopf und er taumelte nach hinten, sodass die Salven daneben gingen.
Ziemlich schnell fing er sich wieder.
„Ein Enterhaken?“, rief er, „Du schießt auf mich – mit einem Enterhaken?“

Morgana sah ihre Chance. Sie ließ die Kette los und stürzte sich auf Fiesoduck. Zwar war er körperlich überlegen, doch überrascht wie er war, ließ er sich die Waffen abringen. Morgana stieß sich ab und stand auf. Der unbewaffnete Fiesoduck richtete sich ebenfalls auf.
„Du wirst nicht auf mich schießen!“, sagte er.
„Wenn es sein muss schon!“
„Nein, wirst du nicht!“
Der Erpel näherte sich dem Rand des Vorsprungs und damit auch Neferata, die das Ankh längst angelegt hatte und die Szene ungerührt beobachtete.
„Du wirst nicht auf mich schießen“, erklärte Fiesoduck, „weil ich nicht da sein werde!“
Und mit diesen Worten sprang er.
Neferata sah hinunter.
„Er hat es überlebt!“, stellte sie fest, „O, die Pfütze folgt ihm. Offenbar ist das Wasserwesen nicht völlig ausgetrieben. Die beiden werden den Weg nach draußen dort unten ohnehin nicht finden!“
Unten verschwanden Fiesoduck und der Liquidator in einem Tunnel.
„Ich mache mich dann mal aus dem Staub. Ich will mir die Welt ansehen!“
Neferata machte einen Sprung in die Waagschale, die sofort mit der Fahrt nach unten begann und ehe jemand reagieren konnte einen zweiten auf den Vorsprung. Dann verschwand sie im Tunnel.
Die Waage neigte sich wieder zu Gunsten Darkwings, Kikis und Quacks.
„Der Tunnel führt an jeden Ort, an den ihr wollt!“, erklärte Morgana.
„An jeden?“, fragte Kiki, „Echt irre!“
„Du willst mit uns zum Donnerquack!“, bestimmte Darkwing.
„Aber wie willst du denn rüber kommen?“, fragte Quack.
„Steigt aus der Schale!“
Darkwing, Kiki und Quack stiegen auf den Felsvorsprung. Die Waage kehrte in ihre Ausgangsposition zurück. Morgana stieg ein und fuhr nach oben.
„Du hättest auch einfach zu Fuß zum Donnerquack gehen können!“, meinte Darkwing.
„Ja. Aber ich musste das jetzt wissen!“
Darkwing nickte. Alle fünf betraten den Tunnel.

Und standen bald darauf vor dem Donnerquack.
„Quack überprüfe den Motor!“, wie Darkwing ihn an, „Fiesoduck war hier, er hat ihn sicher sabotiert. Oder noch wahrscheinlicher eine Bombe eingebaut!“
„Und was machen wir mit seinem Hubschrauber?“; fragte Kiki, „Nehmen wir ihn auseinander?“
„Nein. Fiesoduck wird den Hubschrauber benutzen, weil er ihn nicht zurücklassen will. Wenn das Ding nicht mehr fliegt, nimmt er womöglich den Tunnel. Falls er da unten überhaupt einen Ausgang findet!“

Fiesoduck trank noch einen Schluck Wasser aus der Quelle.
„So!“, sagte er, „Jetzt steigen wir da rauf und fliegen mit dem Hubschrauber zurück. Und dann denken wir uns etwas Neues aus!“
„Ein Tunnel, der sie an jeden Ort bringt, den sie sich wünschen, oder ein Hubschrauber, der sie in die Heimatstadt ihres ärgsten Feindes fliegt. Was würden Sie wählen?“
„Mach doch was du willst!“

Der Donnerquack flog über das Meer.
„Eines würde mich schon noch interessieren!“, bemerkte Quack, „Ist der Liquidator nun ein Geist oder nicht?“
„Eigentlich nicht. Er ist eine gebundene Seele, sein Körper besteht aus Wasser, nicht aus Ektoplasma!“, erklärte Morgana, „Auch Horrorduck ist kein Geist im eigentlichen Sinne, aber die alten Ägypter haben das nicht so genau genommen!“
„Schade!“, meinte Darkwing, „Mir gefällt die Vorstellung, dass er zu einer Pfütze Salzwasser auseinander fließt!“

Auch Fiesoducks Hubschrauber flog. Zeit, Bilanz zu ziehen. Fiesoduck war genauso sterblich wie vorher und Darkwing und sein Fanclub waren genauso geblendet. Und von den Fürchterlichen Fünf war offensichtlich nur noch einer übrig. Nun, es gab schlimmeres. Immerhin hatte er dieses Mal nicht seinen Hut verloren.
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