Entzaubert von Kara

von Amerna
GeschichteRomanze / P6
Charles Bingley Colonel Fitzwilliam Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet
07.03.2008
31.12.2008
25
87704
6
Alle Kapitel
66 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Entzaubert

von

Kara


Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted“ auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), kann man dieses unter anderem hier tun: http://www.austen.com/derby/kara8.htm



Anmerkung der Übersetzerin: Ich weiß derzeit nicht, wie viel ich schaffe, ist mein RL doch etwas hektisch, ich habe aber schon etwas vorgearbeitet und werde hoffentlich jeden Freitag ein neues Kapitel hochladen können.

Kapitel 1 – in dem ein bestimmter Gentleman sich entscheidet, ein Haus in Hertfordshire zu mieten

Hertfordshire war nicht für Magie bekannt, oder jedenfalls nicht für die Art von Magie, die als modern, effektiv und qualitativ hochwertig angesehen wurde. Es gab zwei oder drei Schulen in der Umgebung, die sich damit rühmten „fortgeschrittene Methoden der Zauberei und magischen Fähigkeiten“ zu lehren, aber fast alle wussten, dass dies nur eine schöne Umschreibung dafür war, dass die Bauernsöhne lernten, mit Magie ihre Kürbisse größer werden zu lassen und die Bauerntöchter, ihre Haare so hochzustecken, dass sie den ganzen festlichen Abend halten würden.

Sogar unter der vornehmeren Bevölkerung der Grafschaft schien es Familien mit magischen Fähigkeiten zu geben. Es gab einen Apotheker, der sehr talentiert darin war, hohes Fieber zu lindern und gesunde Kinder zur Welt zu bringen (wofür er hoch angesehen war) und es gab einen Anwalt, der niemals einen Fall verlieren zu schien. All die Töchter von Gentlemen mit der geringsten Begabung kannten ein paar Methoden, um liebreizend zu wirken, um reiche Ehemänner zu ergattern. Dieses Verhalten wurde von den Müttern in der Grafschaft bedingungslos unterstützt und am meisten von Mrs. Bennet. Es wurde gemunkelt, sie besäße das Rezept für einen besonders starken Liebestrank (wie sonst hätte sie, die Tochter eines Kaufmannes, Mr. Bennet vor all diesen Jahren an sich binden können?). Liebestränke waren nie lang anhaltend, aber von diesem wurde erzählt, er hielte mindestens drei Monate an. Dennoch wurde die Glaubwürdigkeit dieses Gerüchts in den letzten Jahren mehr und mehr in Frage gestellt, da Mrs. Bennet fünf Töchter hatte und keine von ihnen war schon verheiratet.

Die Bennet Schwestern waren in Hertfordshire nicht nur wegen ihrer Schönheit, an die niemand heranreichen konnte, bekannt, sondern auch weil einige von ihnen den Anspruch erhoben, etwas magisch talentiert zu sein. Jane, die älteste und schönste, war auch die talentierteste. Alle bedauerten, dass ihr Vater es nie erlaubt hatte, sie nach London zum Unterricht zu schicken. Ihre Fähigkeiten, besonders in den Bereichen Heilung und Verbreitung von Glücksgefühlen, ließen die ansässigen Apotheker vor Scham erblassen. Die jüngsten Schwestern, Kitty und Lydia, hatten ihre Fähigkeiten in den Bereichen Verzauberung, Flirt und (in Lydias Fall) Verführung mit der Zeit so sehr verfeinert, dass die Mütter der jungen Männer in Meryton ständig damit beschäftigt waren, Gegenzauber und Schilde zu entwickeln, damit niemand den beiden hoffnungslos verfiel. Die mittlere Tochter, Mary, hatte bislang noch keine eigenen Talente entwickelt, aber sie wusste so viel über Zaubersprüche, Tränke und die Geschichte der Magie, dass es das Fehlen ihrer persönlichen Fähigkeiten wieder ausglich.

Die zweite Tochter blieb ein Mysterium für alle Bewohner von Hertfordshire. Elizabeth Bennet schien nie und behauptete auch nie, auch nur die geringste magische Fähigkeit zu besitzen. Dies schien zunächst sehr überraschend, denn sie ähnelte am meisten ihrem Vater, der vor langer Zeit mal ein sehr guter Zauberer gewesen war. Aber Mr. Bennet hatte (jedenfalls soweit es bekannt war) nie Zauberei verwendet, seitdem er das erste Mal in Hertfordshire aufgetaucht war. Es gab viele Spekulationen über den Verlust seiner Fähigkeiten und das gänzliche Fehlen von magischen Fähigkeiten bei seiner Lieblingstochter. Einige flüsterten, ein dunkler Zauberer habe sie ihm gestohlen. Andere bevorzugten die Idee, dass er sie wegen des Liebestranks, den seine Frau ihm verabreicht hatte, verloren hatte. Mr. Bennet gab aber nie Hinweise, ob irgendeine Darstellung stimmte. Er und Elizabeth schienen es vielmehr vorzuziehen, sich über magischen und übernatürlichen Anstrengungen ihrer Familienmitglieder und Nachbarn lustig zu machen und so kamen die Lästermäuler in Meryton zu dem Schluss, dass – welche magische Fähigkeiten die beiden auch immer besaßen – diese von dem ihrem Zweifel an selbigen unterdrückt wurden.

Diese Informationen, zusammen mit einer Fülle von Geschichten und Tratsch, waren für jeden zugänglich, der sich durch die Grafschaft wagte, und Mr. Darcy vergewisserte sich, dass er all dies und noch viel mehr herausfand, als er von der Absicht seines Freundes Bingley, ein Haus in Hertfordshire mit dem Namen Netherfield zu mieten, erfuhr. Da er selbst ein außergewöhnlich talentierter Zauberer war, gefiel ihm die Umgebung gar nicht und teilte dies seinem Freund auch mit.

Bingley ließ sich aber nicht abhalten. „Du magst es nirgendwo, Darcy, außer auf Pemberley. Und wir können Pemberley ja wohl kaum nach Hertfordshire versetzen“, murrte Bingley über seinen Tee hinweg. Sie saßen in einem großen Wohnzimmer und genossen eine Zusammenstellung an Tee, Gebäck und Kuchen.

„Könnten Sie das, Mr. Darcy? Pemberley versetzen, meine ich?“, fragte Caroline. (Sie war Mr. Bingleys dunkelhaarige Schwester und hielt sie für eine bessere Zauberin als sie tatsächlich war.)

Darcy unterdrückte ein verächtliches Lächeln. „Selbst wenn ich es könnte, würde ich es nie an so einen Ort wie Hertfordshire versetzen.“

Caroline schien enttäuscht und schniefte: „Ich nehme an, es gibt an diesem Ort noch nicht einmal genug Magie, um einen Besenstiel zu bewegen. Müssen wir dorthin ziehen, Charles?“

„Ich fürchte, ja. Ich kann doch nicht ohne dich, Caroline, die Sachen in Ordnung halten.“ Bingley warf ihr ein Lächeln zu, welches sie erwiderte, aber mehr in Mr. Darcys Richtung.

„Ich denke, ich führe einen guten Haushalt. Stimmen Sie mir da nicht zu, Mr. Darcy?“

„Hervorragend, Miss Bingley“, antwortete Mr. Darcy schnell und nahm einen weiteres Stück Kuchen, um seine Aussage zu unterstreichen. „Ich weiß nicht, was ich auf Netherfield tun soll. Es wird nicht viele Gelegenheiten für Forschung geben.“

„Ich bin mit sicher, du kannst die Einheimischen studieren. Schließlich gedeiht die volkstümliche Magie. Vielleicht gibt es dort Verfahren, die über Jahrhunderte hinweg überliefert wurden.“ Mr. Charles Bingley war auch ein Zauberer und obwohl er nicht so angesehen wie sie sein reicherer und gebildeter Freund war, hatte er doch schon viele erfolgreiche Forschungen auf dem Gebiet der Botanik betrieben. Außerdem stand er in dem Ruf, ein ewiger Optimist zu sein.

Caroline hätte beinahe abwertend geschnaubt. „Wenn du die Forschungen bezüglich Schweinemast und Wahrsagerei – und nicht zu vergessen die Eroberung eines reichen Ehemanns – meinst, dann denke ich, wird es Mr. Darcy an Studienobjekten nicht fehlen.“

„Wirklich Caroline, man muss sich nicht aufs Land zurückziehen, um so etwas zu finden“, spottete Bingley. „Frauen auf der Suche nach einem Ehemann findet man auch hier in London an jeder Straßenecke. Darcy und ich, wir verwenden die besten zauberabweisenden Sprüche, die eine Universitätsbildung zu bieten hat – und ich bin mir sicher, Darcy hat sie bis hin zur Undurchlässigkeit perfektioniert.“

„Ist das wahr, Mr. Darcy?“, fragte Caroline etwas zu hoffnungsvoll.

„Ich rühme mich damit, mehr Gegenzauber einzusetzen als jeder andere“, antwortete Darcy, setzte sich auf und blickte auf die rosa Teekanne, durch deren Schnabel gemächlich Dampf entwich. „Ihr Tee erinnert mich in der Tat an einen Trank, den wir einst während unserer Schulzeit einmal getrunken haben und den man verwendet für – nun ja“, er stoppte, als er die Röte in ihrem Gesicht sah. „Nichts kann meine Verteidigung durchdringen, das habe ich absolut sicher gestellt.“

Caroline erholte sich schnell wieder. „Natürlich, wie dumm von mir. Charles, folge bitte dem Beispiel deines Freundes, damit du von niemandem getäuscht wirst. Ich möchte ja nicht, dass du dich in irgendein Bauerntölpel verliebst.“

Bingley lachte und seine Augen leuchteten. „Ich habe nicht die Absicht, mich in irgendwen zu verlieben-“ Darcy hustete bei dieser Aussage. „-aber ich wünsche mir auch nicht Darcys undurchdringbaren Schild. Bei solcher Undurchlässigkeit läuft man Gefahr, gar nichts zuzulassen, ob nun verzaubert oder nicht. Vielleicht bin ich offen für Liebe.“

„Und ich etwa nicht?“, empörte sich Darcy etwas.

„Ich spreche nur für mich selbst, Darce, kein Grund, nervös zu werden“, lachte Bingley. „Nimm dir noch ein Stück Kuchen.“

Caroline rollte ihre Augen. „Bitte, sei doch ernsthaft. Und öffne dich auf dem Land ja nicht für irgendeine Art von Liebe. So etwas macht man einfach nicht. Mr. Darcy, liege ich richtig, wenn ich denke, dass, wenn jemand offen für solche Sachen ist, er auch empfänglicher für Zauber solcher  Art ist?“

Charles lachte erneut, aber Darcy murmelte: „Sie hat nicht komplett Unrecht, Bingley.“

„Da!“, rief Caroline triumphierend. „Du musst auf dich aufpassen!“

„Dann werde ich mich auf dich verlassen, Caroline“, entgegnete Charles immer noch lachend, „und auf meinen Freund Darcy, mich vor einer drohenden unglücklichen und unbedachten Heirat zu bewahren. Ich bin mir sicher, dass absolut nichts in Hertfordshire – von allen Orten! - Darcy dazu bringen könnte, sich von seinem Verstand zu verabschieden oder gar noch unter einen Zauber zu fallen.“

„In der Tat“, lächelte Darcy, „absolut gar nichts.“

AN: Und obwohl ich nicht die Autorin bin, will ich dennoch wissen, was ihr denkt.....
Review schreiben