Trübe Aussichten

GeschichteHumor / P6
01.03.2008
01.03.2008
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Stephanie war weder durch einen Sonnenstrahl noch durch ihren Wecker geweckt worden. Es war das Geräusch des Regens, dass sie aus ihren Träumen geholt hatte. Stephanie setzte sich auf und zog das sonnengelbe Springrollo hoch: Es war wie sie es vermutet, ja, sogar gefürchtet hatte: Alles war Grau in Grau, diesig, nass und düster. Genauso wie es gestern gewesen war und die Tage davor. Dem Mädchen kam das wie eine verkehrte Welt vor. Es war Februar – klar, der Frühling lag noch in weiter Ferne – aber Winter war es auch nicht. Es war ein Irgendetwas, ein ekliges Mittelding zwischen Weiß und Grau und es wollte nicht enden. Wenn es wenigstens Schnee geben würde, herrlichen flockigen Schnee....aber der Boden war dafür viel zu nass, denn es regnete fast jeden Tag.

Stephanie wusste nicht, wie lang sie ihren düsteren Gedanken nachhing, als ihr Onkel leise an die Tür klopfte. „Ach, du bist auf? Hatte mich gewundert, warum du diesmal so lange schläfst. Guten Morgen, Stephanie!“
„Morgen“, brummte seine Nichte. Meinhard wusste sofort, was er zu tun hatte. Er verschwand in der Küche und kam mit einem großen Tablett wieder, beladen mit Brötchen, Kakao und Obst.
„Frühstück im Bett! Da geht doch gleich die Sonne auf, oder meinst du nicht?“, und Meinhard summte vergnügt vor sich hin.
„Wäre schön, wenn deine gute Laune wirklich die Sonne zurückholen könnte“, sagte Stephanie traurig.
„Du tust gerade so, als wäre sie für alle Zeit hinter den Wolken verschwunden. Es muss auch mal schlechte Tage geben, nur Sonnenschein wäre auf die Dauer recht langweilig.“
„Für mich nicht. Sonnenschein wäre das Beste – oder Schnee! Oder am besten beides!“

Stephanie hatte sich entschieden, zu Trixie zu gehen. Sie zog sich ihre Gummistiefel und ihren Regenmantel über, nahm ihren Regenschirm und trottete nach draußen. So, wie sie durch die Straßen ging in ihren leuchtenden pinkfarbenen Kleidern, kam sie sich vor wie der Einzige bunte Fleck, der noch übrig war. Sie war das letzte farbenfrohe Etwas in einer grauen Welt.
„Was für ein ekliges Mistwetter!“, schimpfte Trixie, als sie die Haustür hinter sich schloss. „Hi Pinkie, was willst du denn hier?“
„Ich wollte dich besuchen, und wo willst du hin?“
„Ich wollte gerade zu Pixel“, sagte sie, hüpfte auf einem Bein und zog sich den linken Gummistiefel aus. „Aua, ich hab' nen Stein im Schuh!“
„Zu Pixel?“ Stephanie war etwas enttäuscht. „Schon wieder?“
„Fällt dir was anderes ein? ACH MENSCH!“
Trixie hatte das Gleichgewicht nicht halten können und war mit dem linken Fuß, an dem sie momentan nur eine rote Socke trug, in eine kleine Pfütze getreten. „Bäh, jetzt muss ich nochmal rein und mir eine neue Socke anziehen!“
Stephanie wartete auf sie und kurz darauf ging sie mit ihr mit, wenn auch etwas widerwillig. „Was sollen wir denn da machen, wieder Videospiele spielen?“
„Ohje, ich merke schon, deine Laune ist echt auf dem Tiefpunkt, Pinkie. Aber sag selbst, was sollen wir denn machen? Oder willst du auf dem verregneten Sportplatz spielen? Hast du eine andere Lösung?“
„Leider nicht“, gab ihre Freundin zu. Bei Pixel angekommen zogen sie am Eingang ihre Gummistiefel aus und Stephanie musste auf einmal lachen. „Du hast ja zwei verschiedene Socken an, Trixie!“ Trixie sah an sich herab. „Ja und? Ich brauchte doch bloß eine! Und die gelbe habe ich zuerst in meinen Schrank gefunden, glaubst du, ich hätte Lust gehabt, auch noch nach der anderen gelben zu suchen?“
„Hi, ihr zwei!“, rief Pixel, der soeben mit einer leeren Schüssel die Treppe hinunter kam. „Ich gehe gerade in die Küche, hat jemand Wünsche? Hab mir heute Morgen was aus dem Supermarkt liefern lassen, ich hab auch die „Supersüßen und Extraknusprigen Schoko - Erdnusshappen mit Karamellüberzug!“ Ziggy's Kopf erschien über dem Treppengeländer. „Das sagst du erst jetzt?! Bringst du mir was mit?“
„Klar! Kommt sofort!“ Die drei bedienten sich aus der Küche und gingen in Pixel's Zimmer. „Na, ihr habt ja vielleicht ein Sauwetter mitgebracht!“, begrüßte Meini sie und Ziggy konnte gerade gar nichts sagen, weil sein Mund ganz klebrig von den Schokoladentoffes war, die er vor Meini gerettet hatte. Gierig griff er nach der Schokohappen Packung.

Die Kinder suchten sich irgendeine Beschäftigung: Pixel und Trixie saßen vor dem Fernseher und spielten ein Videospiel, Ziggy sah ihnen mampfend dabei zu und Stephanie und Meini waren die Einzigen, die ihren Blick über die verregneten Straßen von Lazy Town wandern ließen. „Sag mal“, seufzte Meini, „du hast nicht zufällig eine Wettermaschine im Keller stehen, oder, Pixel?“ Schlagartig wurde es still im Kinderzimmer und alle drehten sich nach ihm um.
„Wettermafine?“, wiederholte  Ziggy und spuckte beim sprechen jede Menge Krümel auf das Sofa.
„Ja, wäre doch praktisch, oder nicht?“, meinte Meini. Praktisch war die Idee allemal und für Pixel bestimmt nicht unmöglich. Das die Freunde bis jetzt an so etwas niemals gedacht hatten! Jetzt wanderten die Blicke von Meini zu Pixel, der aber eher schockiert als begeistert wirkte.
„Hast du überhaupt verstanden, was ich gesagt habe?“, fragte Meini seinen erfinderischen Freund.
„Ja, hab ich.“
„Und was meinst du dazu?“
„Das ist eine Sache, die ziemlich kompliziert und gefährlich....“
„Da steht wirklich eine im Keller!“, rief Ziggy und wurde ganz zappelig. „Pixel hat doch damals....“
„RUHE!“ zischte dieser und Ziggy verstummte.
„Was hat er damals? Eine Wettermaschine gebaut und uns nichts davon gesagt? Ziggy – raus damit!  Was weißt du?“ Trixie sah ihm bedrohlich in die Augen.
„Damit erreichst du nichts, du musst ihm Süßigkeiten anbieten!“
„Dann rück mal deinen Vorrat raus, Meini!“
"Meinem Vorrat?! Und was ist mit deinem?
„Könnt ihr mal Ruhe geben“, rief Pixel in die Runde. „Ich will das Spiel zu Ende spielen!“

Meini guckte jetzt mindestens so ernst wie Trixie. „Ohhhhh nein, mein Lieber! Jetzt wollen wir genaueres wissen! Du hast also eine Erfindung, die uns vor weiterem Trübsal blasen verschont?“
„Ich habe gar nichts! Ziggy hat sich nur vertan, das ist alles.“
„Das glaubst du doch wohl selbst nicht!“
Jetzt erhob Stephanie vorsichtig das Wort. „Wenn Pixel nicht darüber sprechen mag, dann lasst ihn einfach. Er wird seine Gründe haben.“ Der Junge legte den Controller zur Seite. „Ist schon gut, Stephanie. Jetzt ist es gesagt und die Wahrheit hätten sie aus Ziggy früher oder später sowieso raus gequetscht.“
„Tut mir echt leid, wirklich. Habe nicht mehr dran gedacht....“
„Schon okay. Also ja, es stimmt: Ich habe tatsächlich eine Wettermaschine im Keller und die verstaubt dort seit einiger Zeit.“
„Is' nich' wahr!“ Den Kindern blieb der Mund offen stehen und Meini hätte nie gedacht, dass er mit seiner beiläufigen Bemerkung so ins Schwarze getroffen hatte. Pixel fuhr mit seiner Erzählung fort.
„Damals kannten wir unsere Stephanie noch gar nicht, und...“
„Ich war noch im Kindergarten!“, unterbrach ihn Ziggy.
„Ja, genau“, lachte Pixel. „Und Ziggy war der Grund für meine Erfindung. Er wünschte sich Schnee, mitten im heißesten Sommer, und ich dachte: Warum nicht? Da habe ich halt diese Maschine gebastelt. War 'ne Kleinigkeit. Obwohl ich sagen muss, dass die Idee einer Wettermaschine auch nicht gerade neu ist. Ziemlich abgedroschen sogar, mindestens in jedem Zeichentrickfilm und jeder Science – Fiction Serie...“
„Ja! Schon gut! Und was geschah weiter?“
„Sie hat funktioniert. Leider viel zu gut. Ich wollte es nur in Ziggy's Garten schneien lassen, stattdessen habe ich ganz Lazy Town unter einer dichten Schneedecke begraben und das in kurzer Zeit! Ich wollte den Fehler beheben und habe in meiner Panik einen Regen - und einen Hagelschauer verursacht und zum Schluss fast eine Dürre!“
„Moment mal!“ Trixie sah ihn erstaunt an. „Ich erinnere mich! Du warst das also? Das kam sogar in den Nachrichten und dort hieß es, dass es eine Art Wetterphänomen gewesen sei! Du warst also dafür verantwortlich?“
„Ich hab es die ganze Zeit gewusst!“ Meini verschränkte die Arme. „Das konntest doch nur du gewesen sein! Durch den Hagelschauer sind unsere Fensterscheiben zu Bruch gegangen, wusstest du das? Fast unsere ganzen Zimmer mussten wir neu renovieren, weil alles nass geworden war!“
„Ja, ich habe so einiges angerichtet. Deswegen habe ich auch Ziggy gebeten, zu niemanden ein Wort zu sagen. Der Bürgermeister hätte mir bestimmt alle Schäden in Rechnung gestellt oder mir verboten, jemals wieder etwas zu erfinden.“

„Onkel Meinhard hätte dir bestimmt geraten, in Zukunft vorsichtiger zu sein. Aber ich hätte auch Angst gehabt, jemanden davon zu erzählen. Aber niemand hatte dich in Verdacht oder hat mit dir darüber gesprochen?“
„Also gedacht haben es bestimmt einige“, lächelte Pixel und sah zu Meini und Trixie. „Aber niemand hat mich danach gefragt.“
„Du hattest ja auch angeblich eine Magen – Darm Grippe und darum konnte dich niemand fragen! Das kam mir gleich so verdächtig vor!“  Trixie musste jetzt lachen. „Da hast du ja damals richtig Mist gebaut! Das hätte ich nicht besser machen können.“
„Zu keinem ein Wort!“, bat Pixel seine Freunde und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Auch wenn es schon so lange her ist, ich möchte nicht, dass es am Ende Senta oder der Bürgermeister erfährt. Es ist besser so.“
„Versprochen! Aber das heißt dann auch, dass deine Erfindung weiterhin im Keller versauert? Schade.“ Stephanie stimmte Trixie zu. „Ja, finde ich auch. Aber ich verstehe wohl, dass es zu gefährlich sein könnte. Es ist trotzdem ein Jammer. Es wäre schön gewesen, wenn wir alle im Schnee spielen könnten oder wenn einfach nur die Sonne wieder scheint.“
„Tja, da kann man leider nichts machen“, meinte Pixel und damit war die Sache abgetan.

Das dachten sie zumindest, bis sie alle von ihm einen Anruf erhielten und sie auf den Sportplatz bestellte. Es war immer noch ein trostloses Wetter und selbst wenn es diesmal nicht regnete, so machte es das alles nicht viel besser. Pixel hatte schon fast die Befürchtung, dass seine Freunde nicht kommen würden, aber da hätte er sich wirklich keine Sorgen machen brauchen. Wenn Pixel rief, dann kamen alle! „Sag schon, was hast du dir ausgedacht?“, fragte Trixie und sah sich auf dem Sportplatz neugierig um. Pixel wollte aber noch auf die anderen warten und Ziggy, Stephanie und Meini trafen ein. „Sieht schon wieder verdächtig nach Regen aus“, sagte Stephanie. „Gut, dass ich meinen Regenschirm dabei habe.“
„Den wirst du nicht brauchen, das versichere ich dir. Es wird nicht regnen.“ Die ersten Tropfen fielen zur Erde.
„Und was ist das da, Pixel?“ Stephanie spannte ihren Schirm auf und einige Sekunden später war ihr, als sei es schon vorbei. „Oh, war wohl nur ein winziger Schauer.“

„Schau dich um, Stephanie. Und ihr anderen auch.“ Das taten sie und zuerst fiel ihnen nichts auf. Aber dann merkten sie, wie der Regen immer stärker wurde – und zwar außerhalb des Sportplatzes! Sie alle waren seltsamerweise im Trockenen, obwohl sie im Freien standen. Dann brach sogar ein Lichtstrahl durch die Wolkendecke und schien auf sie herab.
„Was...wie...was ist das?“ Ziggy hielt sich die Hände schützend vor die Augen.
„Ich verstehe! Du hast es dir überlegt und deine Wettermaschine aus dem Keller geholt?“ Meini blickte in den blauen Himmel. „Dieser kleine glänzende Punkt da oben, ist sie das?“
„Ja, aber es ist nicht meine alte Maschine, ich habe eine neue gebaut. Um im Grunde ist es keine Wettermaschine, sondern eine „Schlechtwetterabweisende Maschine. Das ist ein Unterschied.“
„Ach...?“
„Ja, sie bildet eine Art Kraftfeld und drückt sozusagen alle Wolken beiseite und lässt nur den Sonnenschein durch“, erklärte Pixel und strahlte dabei fast genauso wie die liebe Sonne selbst.
„Und wie ihr seht, ist das nur ein relativ kleines Kraftfeld, also muss Lazy Town nicht darunter leiden, falls was schiefgehen sollte. Stephanie, ich hoffe das ist okay? Du wolltest zwar Schnee, aber ich dachte für den Anfang...“
„Es ist vollkommen okay“, sagte sie und lachte ihn an. „So haben wir alle was davon und können endlich wieder auf dem Sportplatz spielen! Na, wie wär's, womit fangen wir an?“
Sportacus war zu diesem Zeitpunkt im Luftschiff und war gerade mit seinem Training fertig. Er warf einen Blick aus dem Fenster und besah sich die Regenwolken, aus denen noch immer dicke Tropfen fielen, aber das war für Sportacus kein Grund zur Traurigkeit. Regen mochte er genauso gerne wie Sonne. Als er seinen Blick über die Stadt schweifen ließ, fiel ihm der Lichtkegel über dem Sportplatz auf. Die Neugier des Superhelden war geweckt und er besuchte seine Freunde, die gerade munter Fußball spielten.
„Hallo Leute, wie geht’s?“
„Hallo Sportacus!“ Die Kinder kamen auf ihn zugelaufen. Sportacus sah zum Himmel.
„Könnt ihr mir vielleicht erklären, warum hier der einzige Fleck ist, wo die Sonne scheint?“
„Na klar!“ Pixel kam noch einen Schritt näher. „Das kommt daher, weil Stephanie bei uns ist!“, lachte er und seine Freundin wurde ein wenig verlegen.
„Ach so, deswegen!“, lachte jetzt auch Sportacus. „Das hätte ich doch gleich wissen müssen!“ Er zwinkerte Stephanie scherzhaft zu. „Aber ich glaube, das hat noch einen anderen Grund.“
Pixel klärte Sportacus rasch über seine Erfindung auf und er war begeistert.
„Dann könnt ihr bei Wind und Wetter spielen und seit trotzdem immer im Trockenen!“
„Solange, bis es wieder Frühling wird!“, sagte Stephanie. Dann brauchen wir die Erfindung vorerst nicht mehr.“
„Dann wünsche ich euch allen viel Spaß!“ Sportacus ließ die Kinder allein und sie nahmen ihr Spiel wieder auf. Sie wurden so übermütig und immer ausgelassener, dass es Freddie Faulig eigentlich sofort hätte hören müssen. Aber der hatte im Moment ganz andere Sorgen: In seiner sonst so trockenen Behausung tropfte es unaufhörlich und er hatte Mühe, die ganzen Löcher abzudichten.  Er hatte sich wie ein Bergsteiger angeseilt und hing an der Decke, während er versuchte die undichten Stellen mit seinem Schweißgerät zu bearbeiten. Um ihn herum tropfte das Regenwasser noch immer in seine gemütliche Stube.

„Ich sollte eigentlich in meinem Sessel liegen, anstatt mich so einer schweren Arbeit hinzugeben! Mir tropft sogar der Schweiß von der Stirn, so anstrengend ist das!“ Freddie stellte jedoch fest, dass es  nur das Regenwasser war, was ihm von der Stirn perlte. Nun war er mit seiner Geduld und seiner Kraft am Ende. Er seilte sich vorsichtig ab, legte sein Werkzeug beiseite und ließ sich in seinen Sessel fallen. „IHHH IST DAS NASS!!!“ Der Bösewicht sprang auf. Sein gemütlicher Sessel war vom Regenwasser bereits gründlich durchnässt und Freddie war es nun auch. „Jetzt muss ich mich umziehen und habe keinen trockenen Ort, wo ich hingehen und mich ausruhen könnte! WAS GIBT ES DENN DA ZU LACHEN, HÄ?!“
Jetzt erst spitzte er die Ohren und hörte die fröhlichen Kinder. Freddie schüttelte den Kopf. „Selbst im dicksten Regen scheinen die noch Spaß zu haben!“ Er schritt zum Periskop und sah sich um. Es schüttete wie aus Eimern! Das Periskop fuhr umher, um endlich den Grund für das Lachen herauszufinden. Da – wie aus dem Nichts – ein grelles Licht! Freddie schrie auf und sprang weg. Er musste sich die Augen reiben, so unerwartet hatte es ihn getroffen. Als er endlich wieder richtig sehen konnte und er vorsichtig ein weiteres Mal hinein blickte, wusste er nicht was er davon halten sollte: Ganz Lazy Town im Regen, nur die Kinder spielten im hellen Sonnenschein und taten so, als ob es das Normalste von der Welt wäre! Freddie blickte nach oben, um zu erkennen, woher das Licht käme. Aber es schien tatsächlich die Sonne selbst zu sein und die Wolken zogen einfach einen Bogen um sie, als hätten sie Respekt und wollten  ihr nicht in die Quere kommen.

Freddie war sprachlos. Ihm kam ein grotesker Gedanke: Sollte das Sportacus' Werk sein? War er inzwischen in der Lage, das Wetter zu beherrschen? Aber das war doch unmöglich! Er blickte fassungslos auf die spielenden Kinder, als der Bürgermeister auf sie zu kam. Er war höchst besorgt um seine Nichte, denn er hatte vergeblich auf sie zu Hause gewartet. War sie noch immer mit ihren Freunden auf dem Sportplatz? Bei diesem schlechten Wetter? Sie würde sich bestimmt eine Erkältung holen! Es erging ihm wie Freddie, als er sich erstaunt umsah und die Kinder im hellsten Sonnenschein spielen sah. Stephanie erzählte, dass Pixel dafür verantwortlich sei und das reichte Meintsgut an Erklärungen. Wie es der Junge wieder einmal geschafft hatte, wollte er nicht wissen, da er meinte, es sowieso nicht begreifen zu können. Für Freddie war es allerdings sonnenklar – im wahrsten Sinne des Wortes! Eine Wettermaschine, so glaubte er. Da hätte er auch sofort drauf kommen können. Genial und einfach zugleich. Jeder Erfinder versuchte sich mindestens einmal im Leben daran, sich eine zu bauen.

Jetzt wusste er was er zu tun hatte. Er musste sich einfach nur eine Wettermaschine bauen, dann konnte er den Kindern jederzeit ihre Laune verderben, indem er es einfach regnen ließ. Er wollte sich gerade ans Werk machen, als ihm einfiel, dass er keinen Handschlag dafür tun musste. Wie immer kam ihm sein Versand in den Sinn, bei dem er zur Not alles bestellen konnte, was er sich nur wünschte. Nur diesmal blieb ihm dieser Wunsch leider versagt.
„Wettermaschinen liefern wir nicht“, säuselte die Dame am Telefon, „die sind in der Anwendung viel zu gefährlich.“
„Gefährlich?“, rief Freddie durch den Hörer. „Ich habe bei Ihnen einen Fußball - o - Mat bestellt, der mir durchgedreht ist, dann einen Rennwagen, bei dem mir alle Einzelteile um die Ohren geflogen sind und einen schusseligen Flaschengeist! Aber eine lumpige Wettermaschine wollen Sie mir nicht schicken?! Dann eben nicht!“ Freddie knallte den Hörer auf die Gabel.

Pixel würde ihm mit Sicherheit eine bauen, wenn er nur fragen würde....natürlich nicht als Freddie, das verstand sich wohl von selbst. Wieder einmal hieß es: Tarnen, tricksen, täuschen! Als die Kinder gerade eine Pause machten, kam ein großer Mann auf sie zu. Er trug violette Gummistiefel, Handschuhe und eine geblümte Schürze. Auf seiner Nase saß eine Brille und auf dem Kopf ein gelber Strohhut, der mit bunten Blümchen geschmückt war, die beim Gehen lustig auf – und ab wippten. Dank eines Regenschirms waren sie vor dem Nass gut geschützt.
„He, Junge! Komm mal her zu mir!“
„Welcher Junge?“, rief Meini zurück. „Wen von uns meinen Sie?“
„Der Junge, der dauernd Krimskrams erfindet! Der soll mal herkommen!“
Pixel sah ihn verdutzt an und kam näher. „Du sag mal“, fragte der Mann, „wie kommt es, dass bei euch die Sonne scheint, wo es überall sonst regnet?“
„Das kommt daher, weil...“
„Ich will es haben, ganz gleich was es kostet!“ Der Mann betrat den trockenen Sportplatz. „Ich darf doch, oder? Der Regen geht mir ziemlich auf den Wecker. Also was ist, ja oder nein? Ich meine, wegen deiner Erfindung?“ Pixel sah ihn ein wenig zerknirscht an. Der unhöfliche Ton dieses Unbekannten gefiel ihm überhaupt nicht. „Das kommt darauf an. Wofür brauchen Sie sie überhaupt?“
„Die Sache ist so: Ich habe ein Gewächshaus, in dem jede Menge Obst und Gemüse gedeiht.   (Würg!) Ich nutze viele helle Lampen, damit die Pflanzen groß und kräftig werden. Der Strom für die Lampen wird mir aber auf Dauer zu teuer - wenn ich so eine Wettermaschine hätte, dann würde ich jede Menge Strom sparen, weil die liebe Sonne auf mein Grünzeug herab scheint.“
„An diese Möglichkeiten habe ich gar nicht gedacht“, gab Pixel zu. „Allerdings sollten Sie wissen, das dies keine Wettermaschine ist, sondern...“
„Na was denn sonst? Ach ich verstehe, du nennst das Ding bestimmt anders: „Pudel's Wunderwettermaschine 6000“ oder so – das sei dir natürlich gegönnt. Alles worum ich dich bitte, ist, dass du mir auch so eine Maschine baust. Genau so eine und nicht anders! Ich gebe dir natürlich was dafür. Was willst du haben: Geld, ein Videospiel oder mögt ihr lieber Kaninchenfutter...ich meine Möhren. Haha!“
„Toffes!“, rief Ziggy. „Falls bei Ihnen welche wachsen, meine ich.“
„Also, wenn Sie uns ab und an frisches Gemüse liefern, mache ich es umsonst“, sagte Pixel und  sie beide besiegelten das Geschäft mit Handschlag. Der Junge verabschiedete sich von seinen Freunden. „Ich werde mich sofort an die Arbeit machen, in ein paar Stunden haben Sie, was Sie wollen.“
„Großartig!“, rief der Gärtner und rieb sich die Hände. „Heute Nachmittag treffen wir uns wieder hier, okay? Schaffst du das bis dahin?“
„Locker!“, rief Pixel und eilte davon. Jetzt trat auch der Gärtner vom sonnengeschützen Sportplatz  in den Regen. „Uuaaah, wie ungemütlich!“ Er spannte den Schirm auf und ging, ohne sich zu verabschieden, nach Hause.

Dort warf er seine Verkleidung ab und konnte nicht anders, als sich zu loben und die Kinder zu verhöhnen. Bald hatte er was er wollte und konnte alle nach seiner Pfeife tanzen lassen – so dachte er zumindest. Die Enttäuschung war groß, als Freddie später die silbrige, etwa fußballgroße Maschine in Empfang nahm und er feststellen musste, dass sie keinesfalls tat was er sich vorgestellt hatte. Er verlangte umgehend nach einer Erklärung.
„Ich dachte eigentlich, Sie bräuchten nur Sonne?“, meinte Pixel verwundert.
„Du dachtest?!“ Pixel zuckte mit den Schultern. „Das habe ich jedenfalls so verstanden. Sie wollten doch Strom sparen, oder nicht?“ Freddie zwang sich zur Beherrschung. „Also schön. Okay. Baust du mir eine Maschine, die jedes Wetter machen kann?“
„Tut mir leid, das geht nicht. Ich könnte schon, aber ich mache es nicht, weil es zu gefährlich ist, wissen Sie.“
„Dann machen wir das anders. Bau mir eine Maschine, die nur Regen macht und eine, die ein Gewitter erzeugt!“
„Wofür denn das alles?“ Die Kinder standen um ihn herum und sahen ihn mit großen Augen an.
„Wenigstens Regen“, bettelte Freddie.
„Also da brauchen Sie nur zu warten, gleich wird von selbst was runter kommen“, sagte Pixel und blickte nach oben. Freddie wusste jetzt gar nicht mehr was er sagen sollte. Er kochte innerlich wie ein Teekessel. Was nützte ihm eine Erfindung, die nur die Sonne durch ließ? „Du hast mich reingelegt! Du kannst deine Erfindung behalten!“, rief er, warf die Fernbedienung zu Boden und ging weg.
„Passen Sie auf!“, rief Meini. „Da....“
Es war schon zu spät. Die Kugel, die Freddie in den Himmel geschickt hatte, kam herunter und fiel ihm mit einem lauten KLONG auf den Kopf. Der mit Blumen geschmückte Strohhut war ziemlich geplättet. Freddie taumelte umher und ging weiter seines Weges.
„Der hat ja 'nen harten Schädel. Einen richtigen Dickschädel.“ Die Freunde stimmten Trixie zu.

Stephanie hing sich ihre Tasche um. „Es wird schon dunkel, ich werde nach Hause gehen. Außerdem habe ich Hunger.“ Den hatten sie alle und sie beschlossen für heute das Spiel zu beenden. Pixel ließ seine Erfindung am Himmel schweben, damit der Sportplatz auch in der Nacht vom Regen verschont blieb. Auf dem Weg nach Hause mutmaßten sie alle über den Gärtner, der so verärgert gewesen war. „Du hättest ihm vielleicht doch deine Wettermaschine überlassen sollen, meinst du nicht?“
„Ziggy, spinnst du? Ich werde sie niemanden geben. Und überhaupt ist diesem Kerl nicht zu trauen. Was bitte will er mit einem Gewitter? Ich denke es wird das Beste sein, wenn ich die Maschine verschrotte. Gleich nach dem Essen werde ich in den Keller gehen und das erledigen.“ Die Kinder verabschiedeten sich voneinander.

Der nächste Morgen brachte gleich Sonnenschein mit sich. Stephanie streckte die Nase zum Fenster heraus und der Himmel war so klar und blau, wie sie es nicht vermutet hätte. Ihren Schirm nahm sie aber zur Sicherheit doch mit und als sie auf ihrem Weg an Senta's Haus vorbei kam, da konnte sie nicht anders, als verdattert davor zu stehen und sich zu wundern: Eine dicke, dunkle Regenwolke war über dem Haus und es goss so fürchterlich, dass sich drumherum in ihrem Garten schon tiefe Pfützen gebildet hatten. „Ein schreckliches Wetter, nicht wahr?“, rief Senta durch ihr Küchenfenster. „Warum hast du denn deinen Schirm nicht auf, Stephanie? Es gießt doch wie aus Eimern!“ Stephanie wagte gar nicht zu sagen, dass die einzige Regenwolke der ganzen Stadt sich nur über ihrem Haus befand, aber wie hätte sie es auch sagen sollen? Aber schließlich musste sie irgendetwas machen. „Könnten Sie bitte einmal kurz raus kommen?“, bat sie.
„Mit Sicherheit nicht! Ich bleibe dort wo es trocken ist, und das solltest du auch tun.“
„Es gibt etwas, was Sie sehen müssen!“
„Ich glaube nicht, dass es bei diesen Hundewetter irgendetwas gibt, was für mich interessant ist. Und ich will mir nicht meine Frisur ruinieren! Und du wirst dir einen Schnupfen holen, weil du patschnass wirst!“ Es half nichts. Stephanie warf noch einen kurzen Blick auf dieses seltsame Phänomen und bog in die nächste Straße ein. „Heeeee!“ Kaltes Regenwasser lief ihr über den Nacken. Schuld daran war eine kleine Wolke, die sie offenbar ärgern wollte. „Pixel, lass den Unsinn! Das ist nicht komisch!“ Stephanie sprang umher und stieß rücklings mit jemanden zusammen. „Lass diese Wolke verschwinden, okay?!“
„Welche Wolke denn? Ich sehe gar nichts.“
„Na, die über meinem Kopf! Oh....“
Stephanie drehte sich herum und sah Sportacus ins Gesicht. „Hallo...“
„Hallo Stephanie!“, grüßte er zurück. Das Mädchen lächelte kurz, sah nach oben und suchte nach der kleinen Wolke. Nichts war zu sehen. „Ist da was interessantes?“, fragte Sportacus. „Und was meintest du gerade?“
„Nichts“, sagte Stephanie schnell und marschierte entschlossen weiter. Sie wollte erst gar nicht erklären was sie gesehen hatte, denn sie wusste nicht, was Sportacus dann über sie denken mochte. Da fiel ihr plötzlich etwas ein und sie nahm Sportacus bei der Hand und zog ihn zu Senta's Haus. Aber die Regenwolke hatte sich längst aufgelöst und Senta war richtig froh darüber. Nur Stephanie zog ein enttäuschtes Gesicht.
„Was wolltest du mir denn zeigen?“
„Ach, gar nichts. Ich glaube, ich muss mal Pixel etwas fragen“, meinte sie und ließ Sportacus stehen. Der zwirbelte seine rechte Bartspitze und sah Stephanie nachdenklich hinterher, entschloss sich dann aber, mitzukommen.
„Hi Pixel! Hi Meini“, rief sie ihren Freunden zu.
„Ah, endlich bist du da! Dachte schon, du kommst gar nicht mehr“, sagte Pixel.
„Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe. Aber die anderen sind auch noch nicht da, oder?“
„Doch, doch. Du musst mir nur folgen“, und er zog Stephanie mit sich. Sportacus lief mit, er war neugieriger als je zuvor. Pixel führte sie zum Stadtrand. Ein paar Meter davon entfernt, auf einer Grünfläche, waren die anderen und rutschten und schlitterten umher wie sie lustig waren. Ein großes Stück Wiese war gefroren und das nutzen sie richtig aus. Als sie Pixel, Sportacus und Stephanie sahen, begrüßten sie sie und winkten ihnen zu.
„Seht mal was wir entdeckt haben!“, rief Trixie.
„Das habe ich entdeckt und das ist meins" beharrte Meini, wie es seine übliche Art war.
„Ist das nicht toll? Aber auch seltsam, das muss ich zugeben“, meinte Pixel. „Heute Nacht hat es gar nicht gefroren.“ Er trat ein paar Mal fest auf. „Wie fest das Eis ist!“
„Aber es wird bestimmt bald schmelzen“, sprach Trixie. „Ihr solltet euch beeilen, wenn ihr den Spaß nicht verpassen wollt.“
„Kommt euch das nicht alles ein bisschen komisch vor?“, fragte Stephanie.
„Nicht besonders“, sagte Trixie und Meini fragte nach, was denn Stephanie mit „alles“ meinte. „Gibt es denn noch was, was uns komisch vorkommen sollte?“ Ihre Freundin berichtete und jetzt verstand auch Sportacus, was ihm entgangen war.
„Also ich habe nichts damit zu tun“, verteidigte sich Pixel. „Ich bin nur für schönes Wetter zuständig.“
„Tja, Petrus, und wie erklärst du dir die Regenwolken und das Eis?“, fragte Meini besserwisserisch. „Hat da nicht doch jemand mit der Wettermaschine gespielt?“
„Ich will's nicht hoffen“, antwortete Pixel, der eine grässliche Vorahnung hatte. „Aber vielleicht ist sie nur kaputt und spinnt ein bisschen. Ich sollte lieber nach Hause und nachsehen, das lässt mir keine Ruhe.“ Stephanie machte ein fragendes Gesicht. „Ich dachte, du wolltest sie gestern verschrotten?“
„Ich war nach dem Abendessen viel zu müde und heute früh habe ich es vergessen.“
„Kann mir jemand bitte genau erklären, um was es geht?“, bat Sportacus. Ziggy holte tief Luft und ratterte los: „Pixel hat vor Jahren eine Wettermaschine gebaut, aber dann ist was schiefgegangen, darum hat er sie abgeschaltet und in den Keller gebracht, ich habe es gewusst und durfte nichts sagen, hab mich aber verplappert und jetzt wissen es auch Meini, Stephanie und Trixie und du jetzt auch, nur Frau Senfdazu und der Bürgermeister nicht, aber die dürfen das nicht wissen, weil sie sonst schimpfen würden. Alles klar?“
„Alles klar.“
„Puh!“
„So, dann will ich mal losgehen“, sagte Pixel. „Bin echt gespannt, woran es liegt.“
"Das kann ich dir ganz genau sagen....!“
Freddie Faulig kam hinter einer Mauer hervor. Mit aufrechtem Gang und einem selbstsicheren Lächeln auf den Lippen stolzierte er auf sie zu. Die anderen sahen ihn ganz erstaunt an.
„Steckst du hinter allem?“, fragte Stephanie.
„Ja wer denn sonst, meine kleine pinke Nervensäge? Aber das, was du erlebt hast, ist nur ein winzig  kleiner Vorgeschmack auf das, was folgen könnte – wenn ihr mir nicht gehorcht.“ Er sah Pixel an. „Ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich mir deine nützliche Maschine geborgt habe? Aber du wolltest sie ohnehin nicht mehr, habe ich recht? Dann kann ich sie gleich behalten.“
„Soll das heißen, du bist in meinen Keller eingebrochen? Und hast meine Wettermaschine gestohlen? Wie kommst du überhaupt dazu?!“
„Tja, vielleicht deswegen weil ich von Natur aus böse bin?“
„Aber woher weißt du überhaupt von der Maschine? Ziggy, hast du etwa...“
„Der Winzling hat nichts damit zu tun. Nachdem ich gestern erfolglos versucht habe, von dir eine Wettermaschine bauen zu lassen, habe ich mich versteckt und überlegt, was ich als Nächstes versuchen könnte. Ihr Gören wart auf dem Nachhauseweg und habt über die Erfindung gesprochen, da wusste ich Bescheid...“

Noch bevor Pixel fragen konnte, wann denn Freddie von ihm eine Wettermaschine verlangt hätte, hielt dieser die Verkleidung in Händen, die er einen Tag zuvor getragen hatte. Den Kindern ging ein Licht auf. „Da lagen wir mit unserer Vermutung goldrichtig, dass mit ihm etwas nicht stimmt!“, sagte Trixie und verschränkte die Arme. „Wie war das? Ein Gewitter wolltest du haben, nicht?“
„Genau, und das könnte jederzeit losbrechen“, drohte Freddie. „Es sei denn, ihr geht alle brav in eure Häuser und bleibt dort bis in alle Ewigkeit und Sportaspinner macht auch einen Abflug!“
„Das könnte dir so passen!“, sagte Ziggy trotzig und sah zu Freddie auf. Der grinste ihn fies an und holte eine große Fernbedienung hervor, die voller Knöpfe und kleiner Hebel war. Er drückte gezielt auf einen Knopf und kurz darauf erschien eine Wolke und er ließ es über den Jungen regnen, genau wie er es zuvor bei Stephanie und Senta gemacht hatte.
„Heee, ich werde noch ganz nass! Hör auf damit!“ Ziggy flüchtete, aber die Wolke folgte ihm überall hin. Kein Wunder, denn Freddie konnte sie mit einem der kleinen Hebel steuern. Schließlich hatte er genug und er ließ die Wolke verschwinden, in dem er einfach auf einen Knopf drückte. Rasch löste sie sich auf. „Ich muss mich selbst loben. Mittlerweile kann ich mit dieser Maschine ganz gut umgehen, findest du nicht auch, Pickel?“
„Ich heiße Pixel! Aber ich muss dich warnen, Freddie: Ich selbst habe erlebt, wie gefährlich sie sein kann, wenn man nicht richtig damit umgeht.“
„Du selbst bist auch nichts weiter als ein vorlautes und besserwisserisches Kind! Diese geniale Erfindung ist nur eine Nummer zu groß für dich! Und jetzt sage ich es zum letzten Mal:  Ihr Kinder geht in eure Häuser und dort könnt ihr tun was ihr wollt, wenn es leise ist. Sollte sich jedoch einer von euch ins Freie trauen um zu spielen, zu lachen oder Sport zu treiben, lasse ich es regnen und schneien oder sonst irgendetwas.“
Seine fiese Grimasse verwandelte sich in ein Lächeln. „Bleibt ihr aber alle im Haus, kommt die liebe Sonne raus“, säuselte er.
„Was hat denn das für einen Sinn?“, wollte Stephanie wissen. „Du lässt die Sonne scheinen, während wir in unseren Zimmern sitzen?“
„Für mich hat es Sinn.“

Sein Blick wanderte zu Sportacus, der die ganze Zeit zwar still zugehört hatte, aber ein sehr ernstes Gesicht machte.
„Und du steigst auf der Stelle in dein Luftschiff, oder ich beschwöre einen Sturm herauf, der dich von alleine von hier weg pustet!“ Mit diesem Trumph in der Hand fühlte sich Freddie wie der Herrgott persönlich. „Und ich warne euch! Wie ihr wisst, habe ich meine Augen und Ohren überall! Wenn ich merke, dass ihr was gegen mich ausheckt, dann geht es Lazy Town schlecht! Ach ja – und das Ding da – das gibst du mir sofort!“, herrschte er Pixel an und zeigte in den Himmel, wo die Sonne durch die Wolken brach. Pixel zögerte, aber er wusste, dass es keinen Sinn machte, Freddie irgendetwas zu erwidern. Er gehorchte und ließ die Schlechtwetterabweisende Maschine vom Himmel gleiten und überreichte sie ihm samt Fernsteuerung. Freddie war vollends zufrieden. Er marschierte schnellen Schrittes einige Meter davon, bevor er sich noch einmal zu ihnen umdrehte und rief: „Ihr seit immer noch da? Ihr solltet nach Hause gehen – wenn ihr nicht im Regen stehen wollt, haha!“

Er bediente die Knöpfe und Hebel seiner Fernsteuerung und schon zogen dunkle Regenwolken auf. Freddie ließ ein zweites Mal ein lautes und böses Lachen erschallen und verschwand. Die ersten Tropfen fielen zur Erde. Die Kinder und Sportacus sahen sich betroffen an. Was hatten sie jetzt noch für eine Chance?
„So ein Mist!“, schimpfte Pixel. „Ich hätte die Erfindung sofort verschrotten sollen, jetzt hat er uns alle in der Hand...“
„Was tun wir denn jetzt nur?“, fragte Trixie. „Wenn wir uns weigern, dann....“
„Also müssen wir tun was er uns sagt und Sportacus muss auch gehen“, sagte Meini mit trauriger Stimme. Ziggy sah seinen Helden betrübt an.„Tust du das wirklich?“
Sportacus erwiderte seinen Blick. „Das Einzige was ich tun kann, ist, mich solange von Lazy Town fern zu halten, bis ich eine Lösung finde. Aber ich werde immer da sein, wenn ihr mich braucht.“ Er zwinkerte Ziggy zu. „Du glaubst doch nicht, dass ich mich von Freddie erpressen lasse.“
„Aber trotzdem ist Vorsicht geboten. Wenn er dich sieht, könnte er tatsächlich einen Sturm oder einen Orkan heraufbeschwören“, gab Pixel zu bedenken. Mittlerweile wurde der Regen immer stärker und aus der Ferne war ein Grollen zu hören. „Ihr solltet jetzt besser gehen, es zieht ein Gewitter auf. Und ich werde auch gehen, Freddie scheint mich wirklich schnell loswerden zu wollen“, sagte Sportacus und warf besorgte Blicke gen Himmel. Die Kinder standen immer noch im Regen und sahen ihn traurig an. „Nur nicht den Mut verlieren, uns wird etwas einfallen. Ihr müsst nur vorsichtig sein, das ist alles.“
„Das sind wir bestimmt“, sagte Pixel und sah wild entschlossen aus, Freddie die Stirn zu bieten. „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Ein Blitz ließ alle aufschrecken. Sportacus mahnte zur Eile. Er umarmte die Kinder mit dem Versprechen, dass er sie niemals im Stich lassen würde, wenn sie Hilfe bräuchten. Dann trennten sich ihre Wege und jeder machte, dass er nach Hause kam.

Stephanie hatte erst gar nicht gemerkt, wie durchnässt sie schon war. Statt ihres Regenmantels hatte sie nämlich nur eine normale Jacke angezogen. Als sie ihren Schirm aufspannen wollte, kam ihr ein starker Wind entgegen, der ihr den Schirm beinahe entriss. Als sie zu Hause ankam war sie triefnass. „Ach Gottchen, ach Gottchen! Funktioniert Pixel's Erfindung etwa nicht mehr?“ Stephanie sagte zuerst nichts. Sie zog ihre nasse Jacke aus und Meinhard reichte ihr schnell ein großes Handtuch. Er sah durch das Fenster und seufzte. „Das sind ja finstere Aussichten“, meinte er.
„Du hast gar keine Ahnung, wie recht du damit hast, Onkel.“ Als Stephanie sich umgezogen hatte, erzählte sie Meinhard bei einer wärmenden Tasse Tee alles, was sich ereignet hatte. In der Zwischenzeit war die Sonne herausgekommen und das hieß, das Freddie gute Laune hatte. Dafür war Stephanie's Laune und die der anderen im Keller.
Sportacus hatte sich weit genug von der Stadt entfernt um nicht gesehen zu werden, aber er war auch nicht zu weit weg um im Notfall zu helfen. Er stand gedankenverloren vor seinem Cockpit und betrachtete von Weitem Lazy Town, bis ihm ein Einfall kam. Sportacus setzte sein Luftschiff in Bewegung, nur diesmal ging es nicht geradeaus, sondern himmelwärts: Hoch oben befand sich die  runde Wettermaschine, die seltsamerweise mehr an eine etwas größere Discokugel erinnerte, nur hatte sie zusätzlich ausklappbare Sonnensegel. Sportacus konnte sie genau mit seinem Fernrohr ausmachen. Sie war direkt über Lazy Town. Konnte er es wagen diese Kugel irgendwie zu entfernen oder musste er sie sogar beschädigen? Aber selbst wenn – im Moment war strahlender Sonnenschein und der Himmel über Lazy Town gerade wolkenfrei. Freddie würde ihn sofort sehen, wenn er sich auch nur im Geringsten näherte.

Während Sportacus noch überlegte, trat gerade Ziggy vor die Haustür. Er hatte eine große Tüte in der Hand, randvoll gefüllt mit Süßigkeiten und etwas anderem, was er Pixel nur zu gerne überreichen würde. Freddie hatte ihn mit seinem Periskop bereits erspäht und als er sah, wie Ziggy sich beeilte, da verdunkelte sich schon der Himmel. „Hier in Lazy Town wird nicht gerannt!“, verkündete Freddie. Aber Ziggy schien ihn nicht zu hören. Aus Angst vor den Wolken lief er immer schneller und erst als Freddie vor ihm das Periskop in die Höhe schnellen ließ und lauthals seinen Befehl wiederholte, da stoppte Ziggy. „Entschuldigung, wird nicht wieder vorkommen! Aber lass es bloß nicht regnen, ich habe keinen Schirm dabei!“
„Dieses Mal bin ich noch gnädig!“, rief Freddie aus seinem Versteck und zog das Periskop ein. Ziggy atmete auf. Er stand schon vor Pixel's Haustür und trat ein. Sein Freund saß in seinem Zimmer und zerbrach sich den Kopf, wie er am besten das Problem lösen konnte. Über Ziggy's Besuch konnte er sich zunächst gar nicht so recht freuen, bis ihm dieser die große Tüte hin hielt und ihm zeigte, was sich unter den Süßigkeiten befand. Pixel erkannte es sofort: Das war die zweite Schlechtwetterabweisende Maschine samt Fernbedienung, die er für Freddie gebaut hatte. Pixel tat aber, als würde er sie nicht sehen und sich über die Süßigkeiten freuen. „Komm mit in den Keller, dort habe ich ein paar Kisten Brause stehen“, sagte er und sie gingen nach unten. Pixel hatte diesmal ein elektronisches Sicherheitsschloss an der Kellertür angebracht, auch wenn es dafür jetzt ein wenig spät war.
„So, jetzt können wir reden“, sprach Pixel, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatten. „Aber wir dürfen nicht zu lange unten bleiben, sonst schöpft Freddie Verdacht. Du kannst dir denken, dass er gerade mich beobachten wird. Da verwette ich meine sämtlichen Erfindungen darauf! Hier im Keller sind wir wenigstens sicher vor seinen neugierigen Blicken“, und er sah auf das kleine schmuddelige Kellerfenster, das schon seit einer Ewigkeit nicht mehr geputzt worden war. „Zieh in deinem Zimmer die Rollos runter! So kann er nicht mehr reingucken!“
„Dann wird er erst recht misstrauisch werden, Ziggy.“ Pixel nahm die Kugel mit beiden Händen aus der Tüte. „Sie ist leider etwas schmutzig und nass war sie auch“, sagte Ziggy. „Ich hab sie auf dem Boden gefunden, als wir alle im Regen nach Hause gerannt sind.“
„Ach, das macht nichts“, meinte sein Freund und besah sie sich von allen Seiten. „Und die große Delle, die Freddie's Holzkopf reingeschlagen hat ist auch kein Problem. Das kriege ich schon repariert. Das wird uns bestimmt weiterhelfen. Danke dir, Ziggy!“
Der Kleine wurde vor Stolz drei Zentimeter größer. „Greif dir 'ne Flasche Brause und wir spielen oben ein bisschen. Jetzt kann ich sowieso nicht an der Erfindung arbeiten.“

Sie hatten keine Ahnung, dass Sportacus bereits an ihrem Problem arbeitete. Als die Regenwolken über der Stadt aufzogen, hatte er die Gelegenheit genutzt und war mit seinem Luftschiff nahe an die Wettermaschine herangeflogen um ein großes Netz über sie zu werfen. Sportacus war froh als er merkte, dass er die Kugel ins Luftschiff ziehen konnte. Es war fast so, als hätte er das Netz ausgeworfen um Fische zu fangen. Die Seilwinde rotierte und zog den „Fang“ in den Bauch des Schiffes. In diesem Moment sah Freddie Faulig in sein Periskop und betrachtete den Himmel.
„Das Wetter gehorcht mir aufs Wort, äh, auf Knopfdruck“, sagte er zufrieden lachend und sah mit an, wie sich das Grau langsam verzog. „Ich kann von Glück reden, dass ich die Maschine sogar von hier unten aus steuern kann. Etwas Besseres konnte mir gar nicht passieren. Moment....was ist denn das? Das kann doch nicht...?“ Freddie stellte sein Periskop schärfer und entdeckte das Luftschiff, dass sich bis jetzt gut versteckt hatte. Aber nun, da sich die dunklen Wolken auflösten, konnte er genau erkennen, was sein Erzfeind da tat. Freddie Faulig hatte nicht einmal genug Zeit um in seiner Wut im Dreieck zu springen. Stattdessen sprang er über das Geländer und hechtete zum Tisch, wo er seine Fernbedienung hingelegt hatte. Er musste sofort handeln! Sportacus hatte die Kugel bereits ins Luftschiff verfrachtet und sie aus dem Netz geholt, um sie besser untersuchen zu können. Sie schwebte mitten  im Raum und Sportacus betrachtete die kleinen blinkenden Lichter an dem Gerät. Irgendwo musste doch ein Ausschaltknopf zu finden sein, dachte er. Oder sollte er einfach rohe Gewalt anwenden und die Kugel am Boden zerschmettern? Sportacus entschied sich zur Not für Letzteres.
Wenn sie ganz zerstört ist, dann kann sie nichts mehr anrichten, dachte er erneut und griff sie mit beiden Händen, als diese urplötzlich piepsende Signale von sich gab und das Schiff hin und her schwankte. Der Superheld verlor leicht das Gleichgewicht und die Kugel entglitt ihm aus den Händen. Immer noch laut piepsend, entschwebte sie zur Decke, wo sie jetzt verharrte und weiterhin ihre Befehle empfing.

Sportacus richtete sich auf und erschrak, als er durch das Fenster sah und fast nur noch Schwärze erkennen konnte. Etwas schreckliches braute sich zusammen und was es war, das konnte nur Freddie wissen. Erst schien es „nur“ ein Sturm zu sein, aber offenbar sollte noch etwas schlimmeres daraus werden. Das Luftschiff schwankte zur Seite und Sportacus, der mit aller Kraft versuchte gegenzusteuern, vernahm jetzt die weibliche Computerstimme seines Luftschiffes: „Achtung! Orkanwarnung!“
In Lazy Town sahen die Bewohner besorgt aus ihren Fenstern. Nicht zuletzt Pixel. „Ist Freddie verrückt geworden? Was hat ihm denn jetzt die Petersilie verhagelt?“
„Glaubst du er...weiß was wir vorhaben?“, fragte Ziggy und drückte sich ängstlich in das Sofa.
„Schwer zu sagen. Ich hoffe nur es ist niemand da draußen.“ Wie aufs Stichwort waren plötzlich schrille Hilfeschreie zu hören. Sie kamen von Senta, die sich fest an ihren Regenschirm klammerte und beinahe davon getragen wurde. Sportacus' Kristall machte ihn darauf aufmerksam. Nur wusste er im Moment nicht, was er zuerst tun sollte: Er musste das Schiff steuern, die Maschine zerstören und jetzt auch noch Senta retten. In dieser Not kam ihm ein Gedanke, den Senta mit Sicherheit nicht gutheißen würde: Der Superheld flog etwas tiefer und warf ein zweites Mal das Netz aus und ehe die gute Frau wusste wie ihr geschah, wurde sie auch schon ins Luftschiff gezogen. „Das war keine besonders behutsame Rettung“, meinte sie ziemlich pikiert, als Sportacus sie aus dem Netz befreite. „Ich habe mich fast zu Tode geängstigt, als ich in der Luft baumelte! Und meine Frisur ist auch ruiniert!“
„Entschuldigen Sie, es ging nicht anders“, sprach der Held und führte sie zum Pilotensitz und schnallte sie fest. „Das wird gleich ziemlich ungemütlich“, warnte er. Senta starrte schockiert aus dem Fenster. „Mein Gott, das ist der Weltuntergang!“, rief sie.
„Wir werden es schon schaffen!“, rief Sportacus zurück und versuchte so schnell wie möglich Lazy Town zu verlassen. Vielleicht würde Freddie dann besänftigt sein und Ruhe geben, dachte er.
Aber das war natürlich reines Wunschdenken. Freddie war richtig wütend geworden und wollte Sportacus spüren lassen, dass es ein großer Fehler gewesen war, seine Warnungen zu missachten. Außerdem wollte er ihn dafür bestrafen, dass er nicht mehr im Besitz der Wettermaschine war und zog jetzt alle Register. Grelle Blitze schreckten ganz Lazy Town auf und ein Regen ging nieder, dass man hätte meinen können, eine zweite Sintflut würde einsetzen. Der Regen hielt allerdings nicht lange an, weil Freddie sein Dach noch immer nicht repariert hatte und der Boden in kürzester Zeit eine große Wasserlache war.

„Pixel, jetzt tu doch endlich was!“, rief Ziggy voller Angst. „Vielleicht ist die Wettermaschine auch kaputt und niemand kann was dagegen machen, außer dir!“ Pixel lief zu seinem Computer.
„Ich kann versuchen sie zu orten und abzuschalten, aber wenn Freddie noch immer die Fernbedienung hat, nutzt es wenig. Er kann sie sofort wieder einschalten. Ich versuch es aber trotzdem – ne sieht schlecht aus, daran ist das Unwetter schuld. Meine Signale kommen da nicht durch“, sagte er niedergeschlagen. Er sprang auf und lief nach unten. „Wo willst du hin, lass mich nicht alleine!“, rief Ziggy und lief hinterher.
„Ich komme gleich wieder! Ich hole die andere Maschine und repariere sie!" Zur gleichen Zeit hatte Sportacus immer noch große Schwierigkeiten, Pixel's gestohlene Erfindung unschädlich zu machen. Das Schiff war kaum mehr zu steuern, Senta schrie vor Angst wie am Spieß und Sportacus hatte die Kugel nicht einmal zu fassen gekriegt. Sie hing immer noch oben an der Decke.  
„WO SIND SIE, WAS MACHEN SIE DA HINTEN EIGENTLICH?!“, schrie Senta. „ICH WILL HIER ENDLICH RAUS! HÄTTEN SIE MICH DOCH NIEMALS IN DIESES LUFTSCHIFF GEHOLT!!“
„RUHIG BLUT!“, rief Sportacus zurück, obwohl das leicht gesagt war. „GLEICH HAB ICH'S!“
Er bemühte sich und durchquerte das schwankende Schiff, um sich ein weiteres Mal mit seinem Netz zu behelfen. Er hob es auf und warf es mit Schwung über die Wettermaschine. Sportacus zog kräftig daran und als sich das Schiff wieder neigte, hielt sich der Held am Netz fest und knickte somit eines der Sonnensegel ein. Er hatte die Erfindung zwar beschädigt, aber es schien nicht viel zu nutzen, denn sie piepste noch immer und blieb an der Decke schweben.
„Warnung!“, rief die monotone Computerstimme wieder. „Tornado im Anzug!“
Sportacus und Senta stockten der Atem. Das konnte doch unmöglich sein! Der Computer musste sich irren! „Tornado im Anzug!“, wiederholte die Stimme. „SPORTACUS! HABEN SIE GEHÖRT?“, kreischte Senta jetzt fast histerisch. „WIR SIND VERLOREN!“ Das Schiff kippte auf die linke Seite und drehte sich mit dem Wirbel mit, der langsam entstand. Sportacus wusste nicht, ob er sich noch über Lazy Town befand oder inzwischen schon ganz woanders. Auch Senta sah nichts außer düsteren Wolken. Pixel arbeitete mit zitternden Händen an seinem Gerät und als er begriff, was sich da draußen anbahnte, wurde ihm richtig schlecht. Einige Kilometer weg von Lazy Town braute sich wirklich und wahrhaftig ein Tornado zusammen. Und Freddie? Der war sogar glücklich darüber, denn Sportacus war mittendrin und würde so weit weg geweht werden, dass er niemals zurück finden würde. Der einzige Wehrmutstropfen für ihn war die verlorene Erfindung, aber wenn Sportacus für immer verschwand, konnte man das sehr wohl hinnehmen, so dachte er.

Es kam alles ganz anders. Freddie merkte sehr schnell, dass der angehende Tornado nach einiger Zeit seine Richtung wechselte, und zwar nicht von der Stadt weg – sondern darauf zu! Er wurde jetzt ein wenig besorgt und versuchte den Wirbel zu steuern, was aber nicht gelang, da Sportacus die Wettermaschine bereits beschädigt hatte. Freddie bemühte sich sogar vergeblich, den Wirbel wieder aufzulösen, aber selbst das klappte nicht. Es war wie verhext. Er konnte erkennen, wie sich der Tornado zur vollen Größe aufbaute, dann aber plötzlich wieder abflaute, und das mehrmals hintereinander. Dennoch war der starke Wind eine große Gefahr für die Bevölkerung und das dieses künstliche, aber nicht minder gefährliche Wetterphänomen immer näher kam, das war sicher. Freddie beobachtete erneut, wie der dunkle Wirbel wuchs und immer größer wurde, und diesmal....schien er nicht abzuflauen. „Hast du es endlich?“, rief Ziggy seinem Freund zu. Pixel hatte ohne Pause gearbeitet und mit einem Ohr auf die Wetteransagen gelauscht, die sein Computer minütlich durchgab.
„Geh in den Keller, dort bist du sicher!“, rief Pixel. „Ich bin fast fertig, ich hoffe nur es reicht aus....dann kann der Tornado uns nichts anhaben und bis dahin - “
„Das mit dem Tornado habe ich auch gerade gehört, aber was ist denn das?“
„Frag nicht und geh!“
„Und wie lange soll ich unten bleiben?“
„Ziggy, bitte....wir haben keine Zeit...“
„Und Stephanie und die anderen, wissen die das auch?“
„Ich hoffe es!“
Zum Glück befanden sich die anderen Kinder in einem sicheren Unterschlupf ihres Hauses. Meinhard kam die Sache schon lange nicht mehr geheuer vor und hatte sich mit seiner Nichte im Keller eingeschlossen. Meini und Trixie waren auch auf den gleichen Gedanken gekommen, als sie die bedrohliche Situation erkannt hatten. Pixel legte den Schraubenzieher beiseite. „Es muss klappen – es muss einfach!“ Er öffnete das Fenster, bediente die Steuerung, und die kleine Kugel entschwebte über Lazy Town. Noch bevor sie ganz hoch war, testete sie Pixel und ein Kraftfeld ging von ihr aus, ein viel größeres als bei seiner ersten Schlechtwetterabweisenden Maschine. Aber das Kraftfeld hielt nicht lange und die Wolken schoben sich wieder zusammen. „Verflixter Mist! Ich muss es noch einmal versuchen!“ Er blickte nach rechts und sah jetzt einen vollen, ausgewachsenen Tornado auf sie zukommen....

Sportacus' Kristall blinkte. Sein Luftschiff war endlich aus dem Wirbel herausgeschleudert worden und der Superheld, der sich wieder an das Steuer geklammert hatte, konnte mit seinen letzten Kräften gegensteuern und das Schiff endlich ruhig in der Luft halten. Er wollte schnell zu Senta eilen um zu sehen wie es um sie stand, aber etliche Kilometer vor ihm konnte er noch immer den Tornado ausmachen - und natürlich Lazy Town - und Sportacus stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. In nur wenigen Sekunden hatte er seinen Baseballschläger griffbereit und begann auf die Wettermaschine einzuschlagen. Der Tornado hatte fast den Stadtrand erreicht und fegte schon die ersten Ziegel von den Dächern. Freddie Faulig hatte sich unter einem Tisch verkrochen und horchte ängstlich auf das, was jetzt gleich über ihn hinweg fegen würde, obwohl er am wenigsten zu befürchten hatte. In seiner unterirdischen Wohnung war er sicher.
Pixel stand wieder am Fenster und startete einen neuen Versuch. Es sah ganz so aus als würde es klappen: Der heranrasende Wirbel schien am Kraftfeld zu stoppen, das sich jetzt über ganz Lazy Town ausgebreitet hatte. Über der Stadt brach die Wolkendecke und Sonnenlicht durchflutete die Straßen. Die kleine Maschine schien ihrer Aufgabe gewachsen zu sein, war aber leider noch nicht hoch genug und stieg, fast vom Wirbel angezogen, in kreisenden Bewegungen himmelwärts auf. Der Tornado kreiste vor dieser unsichtbaren Mauer und bestand immer noch darauf, hineingelassen zu werden, damit er seine Schneise mitten durch die Stadt ziehen konnte. Pixel betrachtete dieses gefährliche Spektakel mit geballten Fäusten und schickte im Geiste Stoßgebete zum Himmel. Es langte nicht. Die kleine Maschine war nicht in der Lage, einen gewaltigen Tornado dauerhaft abzuwehren und die Elektronik gab den Geist auf. Pixel schrie laut auf, stürmte die Treppen hinunter und stürzte fast über die letzten Stufen. Der Strom fiel aus und ein furchtbares Tosen und Heulen war zu hören. Jeder Bewohner stand Todesängste aus und dann – nach einigen bangen Sekunden – war schon alles vorbei.

„Das muss das Auge sein“, sagte Pixel zu Ziggy, der sich an ihm festgeklammert hatte. „Das Auge des Tornados. Wir sind jetzt mittendrin und darin ist es ganz windstill. Gleich geht’s wieder los, halt dich bloß fest!“ Aber nichts tat sich. Nach etwa einer Viertelstunde nahm Pixel den kleinen Ziggy an die Hand und riskierte einen Blick vor die Haustür. „Sieht doch alles friedlich aus“, sagte der Kleine und sprang gleich nach draußen.
„Nein, warte! Vielleicht passiert gleich was! Komm zurück!“ Pixel lief erst hinterher, blieb dann plötzlich stehen und sah sich um. „Da ist ja überhaupt nichts!“, rief er laut. „Der Himmel ist fast klar und der Tornado...ich sehe ihn nicht mehr!“
„Aber er muss hier gewesen sein, guck mal“, sagte Ziggy und zeigte auf einen umgestürzten Baum in ihrer Nähe. In der ganzen Stadt sah es schlimm aus: Dachziegel lagen verstreut herum, entwurzelte Büsche, Bäume und Äste versperrten die Gehwege und die Straßen. Das hier etwas gewütet hatte, daran bestand kein Zweifel. Aber wäre es ein Tornado gewesen, dann hätte kein Stein  mehr auf dem anderen gestanden. Von ganz Lazy Town wären nur noch Trümmer übrig gewesen. „Da hinten, guck mal! Das ist Sportacus' Schiff!“ Ziggy hüpfte aufgeregt auf der Stelle. „Ob er uns gerettet hat?“
„Das werden wir gleich erfahren.“ Die beiden liefen durch die Straßen und hatten immer das Luftschiff vor Augen, das sich seinen Landeplatz vor dem Rathaus suchte. Auf ihrem Weg dorthin trafen sie Trixie, Meinhard und Stephanie. Alle waren wohlauf! Sie fielen sich überglücklich in die Arme. „Mein Gott, seht euch das Chaos an! Das wir noch leben ist ein Wunder!“, sprach Meinhard.
„Wem haben wir das zu verdanken, dir oder Sportacus?“ Pixel zuckte mit den Schultern und alle trafen auf dem Rathausplatz ein. Sogar Meini war schnell zu ihnen gestoßen, obwohl er von seinem Haus aus den weitesten Weg hatte. Trotz seiner Angst wollte er unbedingt wissen ob es allen gut ging. Jetzt war auch endlich das Luftschiff nah herangefahren und es tat etwas, was es bis jetzt noch nie getan hatte: Landeklappen fuhren aus und es landete auf dem Erdboden, direkt vor dem Rathaus. Kurz darauf öffnete sich die Tür und Sportacus und Senta stiegen aus. „Danke, dass ich nicht die Strickleiter hinunter muss“, bedankte sie sich bei dem Helden. „Bei meinen weichen Knien hätte ich das nie geschafft!“
Meinhard lief zu ihr und nahm sie in den Arm. Sie zitterte ein wenig, aber das war nach den schlimmen Ereignissen kein Wunder. Selbst Sportacus konnte man ansehen, dass dieses Abenteuer nicht spurlos an ihm vorüber gegangen war. Erleichtert begrüßte er seine Freunde und man sah deutlich Tränen in seinen Augen glitzern. „Für einen Moment habe ich schon geglaubt, es wäre alles zu spät. Ich habe die Wettermaschine zerstört, aber ich war der Meinung, dass ich nicht schnell genug gewesen wäre.“
„Das ist wohl wahr“, sagte Pixel und erklärte, wie er den Tornado hatte aufhalten können, wenn auch nur für kurze Zeit. „Also haben wir beide die Stadt gerettet, Sportacus.“
„Dann hast du aber mehr Lorbeeren verdient als ich. Wenn du nicht gewesen wärst und mir Zeit verschafft hättest...“ Er konnte nicht weitersprechen, es schauderte ihm bei dieser Vorstellung. Die Stadt sah schon so schlimm genug aus und das niemand verletzt war, war wirklich ein großes Glück.

Zur gleichen Zeit hatte sich Freddie Faulig aus seinem Versteck getraut. „War doch alles halb so schlimm!“, meinte er und lachte froh. Er zupfte sich seine Weste zurecht, stieg aus seiner Luke und ihm fiel auf, dass seine Plakatwand fehlte. Er ging durch den Ort um sie zu suchen – vielleicht war sie noch heil und lag irgendwo herum – als er sich dem Rathaus näherte und sein Blick prompt auf das große blaue Luftschiff fiel. Und daneben, umringt von seinen Freunden stand....sein größter Feind. „DER IST JA IMMER NOCH DA!“, entfuhr es Freddie und schlug sich danach sofort mit beiden Händen auf den Mund, als sich alle nach im umdrehten. Er setzte ein verlegenes Grinsen auf, winkte kurz und verschwand schnell. „Freddie geht es also auch gut“, sprach Sportacus und sah ihm verärgert hinterher. „Dann müssen wir nur noch zusehen, dass wir Lazy Town auf Vordermann bringen.“ Pixel seufzte auf. „Hätte ich meine Maschine nach dem ersten Versuch bloß in ihre Einzelteile zerlegt! Dann hätte sie Freddie niemals...“ Stephanie stieß Pixel leicht in die Rippen. Er hatte vergessen, dass er eigentlich niemanden erzählen wollte, dass er selbst die Maschine gebaut hatte. Jetzt wussten es schon so gut wie alle, außer Senta und Meinhard. Auch Stephanie hatte es  ihrem Onkel nicht erzählt. Der Bürgermeister und seine Freundin hatten zum Glück auch nicht richtig zugehört. Sie blickten herum und begutachteten die Schäden. „Am besten wir packen alle sofort an, umso schneller ist die Arbeit getan. Aber Sie brauchen selbstverständlich erst einmal Ruhe und Pflege“, sprach er zu Senta gewandt und führte sie nach Hause. Eine Tasse Tee würde ihr jetzt bestimmt guttun.

„Dann werde ich mit den Aufräumarbeiten beginnen“, sagte Sportacus.
„Können wir dir helfen?“, fragte Stephanie und der Superheld wirkte ein wenig überrascht.
„Wollt ihr euch nach diesem Abenteuer nicht erst ein wenig stärken?“, meinte er.
„Stärken können wir uns hinterher“, sagte Meini. „Einige Leute haben bestimmt Löcher in ihren Dächern und die müssen abgedeckt werden, bevor es wieder anfängt zu regnen.“
„Das stimmt allerdings“, sagte Sportacus und nickte. „Darum werde ich mich kümmern und ihr anderen macht die Gehwege und Straßen frei. Wenn ihr nicht weiterkommt, helfe ich euch.“
Freddie warf gehässige Blicke dorthin, wo der Superheld und seine Freunde waren.
„Wenn ihr nicht weiterkommt, helfe ich euch“, äffte Freddie verdrießlich nach und zog und zerrte an seiner Plakatwand, die er endlich gefunden hatte. Sie war fast gänzlich unbeschädigt, aber alleine konnte er sie natürlich nicht tragen. Er ließ die Plakatwand liegen und während er auf die Luke zu marschierte, hörte er Stephanie „Bing Bang“ singen, die allen Freunden damit gute Laune machen wollte. Freddie rutschte den Eingang hinunter. Leider hatte er vergessen, dass sein Fußboden von  Regenwasser bedeckt war und als er landete, schlitterte er quer durch den ganzen Raum – nicht mal sein eigener Sessel stoppte seine Fahrt, der übrigens noch immer ganz nass war – und beide kamen erst am nächsten Hindernis zum Stehen. „BAH IGITT!“, schrie Freddie, als er sich aus dem nassen und kalten Sessel erhob. „Ich werde nie wieder – jedenfalls bis ich das Dach repariert habe – mit Wettermaschinen rumhantieren! Brrrr!“ Er schüttelte sich wie ein Hund und suchte danach seinen Wischmopp, um jetzt auch mit den Aufräumarbeiten zu beginnen...und als ob das nicht schon genug wäre, musste er missmutig zuhören, wie Stephanie fröhlich ihr Lied sang.

ENDE

Lazy Town © by Magnus Scheving
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